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Titelkleingrau

28.12.2005 | Von:
Dirk Halm
Martina Sauer

Parallelgesellschaft und ethnische Schichtung

Religiöse Homogenität

Erwartungsgemäß gehört die überwiegende Mehrheit der türkischen Migrantinnen und Migraten mit 95 Prozent dem muslimischen Glauben an. Von diesen stellen die Sunniten mit 90 Prozent wiederum die deutliche Mehrheit, 9 Prozent sind Aleviten und nur wenige gehören der schiitischen Richtung des Islam an. Diese Verteilung unterstützt die Annahme einer religiös-kulturellen Homogenität der Türkinnen und Türken als eine Voraussetzung für die Entstehung von Parallelgesellschaften. Die Mehrheit der Befragten definiert sich nicht nur als "formal" dem Islam zugehörig, sondern auch emotional. Die Hälfte - 50 Prozent - betrachtet sich selbst als eher religiös und knapp jeder Fünfte - 22 Prozent - als sehr religiös. 24 Prozent fühlen sich selbst als eher nicht und 4 Prozent als gar nicht religiös.

Der Vergleich der Anteile in den jeweiligen Kategorien zeigt, dass die Religiosität unter den Migranten offensichtlich im Zeitverlauf zunimmt. Der Anteil der sehr und eher Religiösen ist 2004 zusammen auf 72 Prozent gestiegen, im Jahr 2000 betrug er 57 Prozent. Darüber, ob dies eine Folge des 11. September und der Kriege in Afghanistan und Irak sowie ein mehr oder weniger erzwungenes Bekenntnis zum Islam ist, kann nur spekuliert werden. Bei mehrheitlicher Zugehörigkeit zum sunnitischen Islam ist die türkische Gesellschaft in Deutschland damit zwar nicht homogen, aber doch stark religiös geprägt - und diese Prägung hat im Untersuchungszeitraum linear und deutlich zugenommen.



Dossier

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