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Titelkleingrau

28.12.2005 | Von:
Dirk Halm
Martina Sauer

Parallelgesellschaft und ethnische Schichtung

Zivilgesellschaftliche Segregation

Die Einbindung in gesellschaftliche Organisationen ist in der türkischen Community weniger ausgeprägt als bei Deutschen, hat aber in den letzten Jahren zugenommen.[13] Zum Teil gliedern sich die Migranten in das intermediäre System der Mehrheitsgesellschaft ein, zum Teil hat sich eine eigene ethnische Infrastruktur etabliert. Inzwischen existieren in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen türkische Organisationen und Institutionen. Stellen diese aber tatsächlich eine Dopplung der Angebote der Aufnahmegesellschaft dar, wie sie eine Parallelgesellschaft kennzeichnen würden?

Insgesamt sind 42 Prozent der Befragten in keinem Verein organisiert. 19 Prozent sind nur Mitglied eines deutschen und 18 Prozent sowohl eines deutschen als auch eines türkischen Vereins. Somit gehört mehr als ein Drittel (37 Prozent) aller Befragten auch einem deutschen Verein an. Neben den 19 Prozent, die sowohl Mitglieder eines deutschen als auch eines türkischen Vereins sind, gehören 22 Prozent ausschließlich einem türkischen Verein an. Der Vergleich mit den Ergebnissen der vergangenen Jahre zeigt, dass der Anteil der Nichtorganisierten sinkt. Zugleich hat in den Jahren 2003 und 2004 die ausschließliche Mitgliedschaft in türkischen Vereinen wieder abgenommen, nachdem sie im Jahr 2002 leicht angestiegen war. Kontinuierlich steigt der Anteil derer, die sowohl in deutschen als auch in türkischen Vereinen oder Verbänden organisiert sind. Auch der Anteil der in deutschen Verbänden Organisierten steigt leicht an. Diejenigen deutschen Organisationen, in denen die Migrantinnen und Migranten mit 17 Prozent am häufigsten anzutreffen sind, sind die Gewerkschaften. An zweiter Stelle folgen mit 16 Prozent die Sportvereine. Die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft ist in allen "Gastarbeiternationen" traditionell stark ausgeprägt. Bei den türkischen Vereinen liegt das Schwergewicht eindeutig im kulturellen und religiösen Bereich. 12 Prozent gehören einem Kulturverein und 22 Prozent religiösen Gemeinschaften an. Generell betrachtet, gründet sich ein zentraler Teil der Mitgliedschaft in türkischen Organisationen auf ein Bedürfnis religiöser und kultureller Anbindung, das deutsche Organisationen nicht einlösen können. Damit erfüllen die türkischen Organisationen aber eine Komplementär- und keine Dopplungsfunktion zu deutschen Angeboten.


Fußnoten

13.
Vgl. Claudia Diehl, Die Partizipationsmuster türkischer Migranten in Deutschland: Ergebnisse einer Gemeindestudie, in: Zeitschrift für Ausländerrecht und Ausländerpolitik, (2001) 1, S. 29 - 35.

Dossier

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