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Titelkleingrau

28.12.2005 | Von:
Dirk Halm
Martina Sauer

Parallelgesellschaft und ethnische Schichtung

Diskriminierungserfahrungen - Freiwilligkeit der Segregation

Integration setzt voraus, dass die aufnehmende Gesellschaft die Zuwanderer auch an Ressourcen und Prozessen teilhaben lässt. Ein geeigneter Indikator für die Freiwilligkeit von Abgrenzung ist das Empfinden von Diskriminierung. Insgesamt gaben 77 Prozent der Befragten an, im Alltag die Erfahrung ungleicher Behandlung von Deutschen und Ausländern gemacht zu haben - 11 Prozent in einem bestimmten Lebensbereich und 66 Prozent in unterschiedlichen Lebensbereichen. 1999 belief sich die Quote der wahrgenommenen Diskriminierung auf 65 Prozent, wobei 52 Prozent sich mehrfach und 14 Prozent sich einmal diskriminiert fühlten. Im Jahr 2001 war der Anteil auf 71 Prozent gestiegen, 2002 lag er ebenso wie 2003 bei 80 Prozent.

Ob dabei auch eine gestiegene Sensibilität oder Empfindlichkeit der Migranten eine Rolle spielt oder ob die Ungleichbehandlung tatsächlich zugenommen hat, kann hier nicht geklärt werden. Dennoch ist eine erschreckend hohe Diskriminierungswahrnehmung zu konstatieren, die im Zeitvergleich zunächst deutlich gestiegen ist und seit dem vergangenen Jahr wieder sinkt. Wie bei der Zunahme der Religiosität liegt es auch hier nahe, einen Zusammenhang zur Debatte um den Islam im Zuge des 11. September 2001 herzustellen, der sich allerdings nicht beweisen lässt. Die Bereiche, in denen am häufigsten Diskriminierung empfunden wird, sind diejenigen, in denen generell ein hohes Maß an ökonomischer oder sozialer Konkurrenz und Konflikte um knappe Ressourcen herrschen: Rund die Hälfte der befragten Migranten gaben an, am Arbeitsplatz (57 Prozent), bei der Wohnungssuche (49 Prozent) und bei der Arbeitssuche (48 Prozent) diskriminiert worden zu sein.



Dossier

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