30 Jahre Deutsche Einheit Mehr erfahren
Titelkleingrau

28.12.2005 | Von:
Dirk Halm
Martina Sauer

Parallelgesellschaft und ethnische Schichtung

Fazit und Diskussion

Unter unseren Befunden ist die zunehmende Religiosität das einzige Merkmal einer Parallelgesellschaft, das im Untersuchungszeitraum tatsächlich linear in Richtung der Entwicklung parallelgesellschaftlicher Strukturen weist. Damit ist die große Bedeutung, die dem Dialog mit dem Islam und der Integration der Muslime in den vergangenen Jahren zugewiesen wurde, durchaus berechtigt. Alle anderen Merkmale deuten jedoch nicht aufdas Anwachsen parallelgesellschaftlicher Strukturen hin.

Allerdings sind die segregiert in Parallelgesellschaften lebenden Individuen - gemessen am beruflichen Status und dem Einkommen - schlechter sozial platziert als diejenigen außerhalb parallelgesellschaftlicher Strukturen, und sie haben aufgrund mangelhafter Deutschkenntnisse und geringerer formaler Qualifikationen schlechtere Teilhabechancen. Allerdings ist die Varianz bezogen auf die nicht Segregierten nur gering, was im generell geringen Niveau der Teilhabe begründet sein dürfte. Somit liegt die beste Vorsorge gegen die Entstehung ethnischer Schichtung in der Qualifizierung sowohl der jungen Migranten als auch der Neuzuwanderer, da Kulturation sich mit Blick auf unsere Daten als deutlich im Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Platzierung, also der Teilhabedimension von Integration, erweist. Zugleich zeigt die von uns untersuchte Gruppe aber auch, dass mit Blick auf die Türkinnen und Türken nicht davon auszugehen ist, dass die Segregation bzw. das Leben in Parallelgesellschaften - verstanden als auf bewussten Entscheidungen beruhender Rückzug aus der Aufnahmegesellschaft - nur sehr bedingt mit mangelhafter Teilhabe im Zusammenhang steht. Es gibt vielmehr in großer Zahl Türkeistämmige, die sich mit Deutschland identifizieren und intensiv mit der Aufnahmegesellschaft interagieren, ohne es jedoch zu adäquaten gesellschaftlichen Platzierungen zu bringen. Ganz stark vereinfacht ausgedrückt: Die vorgestellten Daten sprechen dafür, dass es bei der Integration der Türkeistämmigen eher an Möglichkeiten als am Willen der Betroffenen fehlt.



Dossier

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