Titelkleingrau

9.3.2007 | Von:
Herbert Schubert
Holger Spieckermann
Katja Veil

Sicherheit durch präventive Stadtgestaltung

Die Entwicklung der situativen Kriminalprävention

Die Grundlagen der städtebaulich und sozialräumlich ausgerichteten Kriminalprävention wurden vor allem von der so genannten "situativen Kriminalprävention" (SCP) in den 1990er Jahren geschaffen.[3] Es handelt sich um ein Bündel von Maßnahmen, das unerwünschtes Handeln zu behindern und die Risiken der Bestrafung zu erhöhen versucht. Neben der formellen Überwachung ist insbesondere das soziale Umfeld für die Beeinflussung des Handelns entscheidend, wenn es auf "natürlichem" Weg Kontrolle ausübt.

Zur Operationalisierung einer "situativen Strategie" der städtebaulichen Kriminalprävention wurden drei Handlungsansätze formuliert: erstens die Erhöhung des Aufwandes bzw. die Erschwerung der physischen Möglichkeiten einer kriminellen Handlung, zweitens die Erhöhung des Risikos der Beobachtung als Beeinflussung der Kosten und Risiken und drittens die Verminderung des möglichen "Ertrags". Im Blickpunkt des situativen Präventionsverständnisses steht folglich nicht der potenzielle Täter, sondern die Tatgelegenheit. Markus Felson und Ronald Clarke halten diese Form der Prävention der bisherigen Praxis einer sozialen Kriminalprävention ethisch für überlegen, weil letztere auf Vorannahmen über Verhaltensdispositionen beruhe und in der Regel bestimmte Bevölkerungsgruppen diskriminiere.[4]

Fußnoten

3.
Vgl. Ronald Clarke (Ed.), Situational Crime Prevention: Successful case studies, New York 1992.
4.
Vgl. Markus Felson/Ronald Clarke, The ethics of situational crime prevention, in: Graeme Newman/Ronald Clarke/Giora Shoham (Eds.), Rational Choice and Situational Crime Prevention, Aldershot 1997.