Titelkleingrau

9.3.2007 | Von:
Herbert Schubert
Holger Spieckermann
Katja Veil

Sicherheit durch präventive Stadtgestaltung

Präventive Stadtgestaltung

Einer der ersten, der sich gezielt mit der räumlichen Gestaltung der Sicherheit im Stadtquartier beschäftigte, war Oscar Newman.[5] Er prägte den Begriff des "Defensible Space" (zu verteidigender bzw. verteidigungsfähiger Raum). Die Proportionen und Dimensionen des Stadtquartiers werden an Sichtbarkeit und Überschaubarkeit orientiert. Vier grundsätzliche Ansatzpunkte werden dabei hervorgehoben:[6]
    Erstens: Mit der Territorialität wird eine Zonierung (privater, halbprivater, halböffentlicher, öffentlicher Raum) angestrebt, die gegenüber Fremden Barrieren schafft und den Bewohnerinnen und Bewohnern die soziale Kontrolle erleichtert. Insbesondere im halbprivaten/halböffentlichen Bereich benutzen Bewohner Symbole und Zeichen, um Ansprüche des Eigentums oder der Einflussnahme an einen Raum zu stellen (Gestaltung von Grenzen durch reale Barrieren wie Mauern, Zäune und Türen; Markierung des Übergangs zum öffentlichen Raum durch symbolische Barrieren wie offene Tore, Treppen, Bepflanzungen und Bodentextur).

    Zweitens: Auch die natürliche Überwachung in der Nachbarschaft lässt sich mit planerischen Mitteln erzeugen. An vorderster Stelle steht die Ausrichtung der Fenster auf den öffentlichen Raum der Straße.

    Drittens: Mit der Imageförderung durch städtebauliche und architektonische Mittel wird das Ziel verfolgt, ein negatives Stigma durch ästhetisch ansprechende und akzeptierte Gebäudeformen und Umfeldgestalten zu vermeiden. In einem Wohngebiet mit gutem Image wird privates Investment und immaterielles Engagement der Bewohnerschaft stimuliert.

    Viertens: Die Schaffung von Milieus erfolgt durch eine städtebauliche Anordnung der Gebäude. Soziale Kontrolle wird durch einheitliche städtebauliche Rahmenbedingungen gefördert (z.B. Haustypen, Hausgrößen, Vorgärten, Baumaterialien, Architekturstil). Bei Mehrfamilienhäusern soll ein Verhältnis von relativ wenigen Haushalten je Hauseingang bestehen.
Das CPTED-Modell (Crime Prevention Through Environmental Design) führte das Programm fort, Sicherheit durch die architektonische, freiraumplanerische sowie städtebauliche Gestaltung von Siedlungen und durch die Organisation einer Verbundenheit in der Nachbarschaft zu erzeugen.[7] Durch Planung und Gestaltung soll die physische Umwelt so strukturiert werden, dass das menschliche Verhalten im Raum durch Zugangskontrolle, Übersichtlichkeit und Beleuchtung beeinflusst und gegenseitige soziale Kontrolle informell generiert wird.

Das Crime Lifecycle Modell der englischen Universität von Salford repräsentiert eine aktuelle Weiterentwicklung, indem die Entstehung von Kriminalität und die Produktion städtebaulicher Gestalten integriert betrachtet werden.[8] Das Ziel ist es, den Entwurfs- und Gestaltungsprozess in allen Entwicklungsstadien auch auf die Relevanz für Sicherheit zu überprüfen und dabei möglichst viele gestalterische Möglichkeiten zu berücksichtigen. Dadurch kündigt sich der Paradigmenwechsel an, nicht mehr Leitsätze der kriminalpräventiven städtebaulichen Gestaltung auf Pläne anzuwenden, sondern Sicherheitsaspekte als integralen Bestandteil eines interdisziplinären Planungs- und Gestaltungsprozesses aufzufassen. Dies wird auch bei der Betrachtung der institutionellen Entwicklung der Initiativen zur städtebaulichen Kriminalprävention deutlich.

Fußnoten

5.
Oscar Newman, Crime prevention through town-planning and architecture, in: Bundeskriminalamt (Hrsg.), Städtebau und Kriminalität, Wiesbaden 1979, S. 103 - 134.
6.
Vgl. Barry Poyner, Design against crime: beyond defensible space, London 1983; ders./Barry Webb, Crime free housing, Oxford-Boston 1989.
7.
Vgl. Gerda R. Wekerle/Carolyn Whitzman, Safe cities: guidelines for planning, design, and management, New York 1995.
8.
Vgl. Stephen Town/Caroline Davey/Andrew Wootton, Design against Crime. Secure urban environments by design. Guidance for the design of residential areas, Salford 2003.