Titelkleingrau

9.3.2007 | Von:
Herbert Schubert
Holger Spieckermann
Katja Veil

Sicherheit durch präventive Stadtgestaltung

Resümee

Sicherheitsaspekte werden in Großbritannien zu einem "Mainstream"-Aspekt der Planung. Damit werden die zivilgesellschaftlichen Potenziale zur Ausübung sozialer Kontrolle unterstützt. Getragen wird diese Entwicklung durch die verpflichtende Verankerung der Kriminalprävention auf der kommunalen Ebene seit dem Crime and Disorder Act. Alle relevanten Akteure werden einbezogen, auch die Planungsbehörden. Kennzeichnend für die Entwicklung der städtebaulichen Kriminalprävention in Großbritannien ist eine intensive Zusammenarbeit zwischen polizeilichen Behörden und den Organisationen, die für die Steuerung, Planung und Architektur relevant sind. Die Entwicklung der städtebaulichen Kriminalprävention weist dabei in Richtung zunehmend flexibler Instrumente. Diese werden durch einen ständigen Prozess der wissenschaftlichen Forschung und der Evaluation von Praxisbeispielen weiterentwickelt.

Während sich in Großbritannien die städtebauliche Kriminalprävention vor allem an dem Prinzip der Kriminalprävention durch soziale Kontrolle orientiert hat, erfolgt in Deutschland der Zugang auch über ein wohlfahrtsstaatliches Interventionsverständnis. In Deutschland gibt es auf der Bundesebene keine Initiativen, hier sind die Bundesländer federführend. Die wesentlichen Anstöße zur Beachtung städtebaulicher Kriminalprävention sind aus einzelnen Bundesländern gekommen, die Handbücher und Gestaltungsrichtlinien entwickelt haben sowie Erfahrungen in Modellprojekten sammeln. In den meisten Bundesländern ist präventive Stadtgestaltung jedoch noch kein Qualitätsstandard des Planungsprozesses. Im Vergleich zu Großbritannien wird in Deutschland vor allem die Verbindung planerischer Maßnahmen und sozialer Maßnahmen als zukunftsweisend betrachtet. Zur Anwendung eines integrierten Modells sind Infrastrukturen der Steuerung notwendig, die in Deutschland in Form von Quartiermanagement teilweise bereits vorhanden sind.

Ansatzpunkte für einen deutschen Weg des Mainstreaming von präventiver Stadtgestaltung bestehen in einer stärkeren Berücksichtigung des Themas "Sicherheit" in den Programmen der Stadterneuerung (wie dem Bund-Länder-Programm "Die soziale Stadt"), in einer entsprechenden Organisationsentwicklung der kommunalen Fachbereiche für Stadtplanung und Stadtentwicklung und einer gezielten Kooperation mit der Polizei sowie einer strategischen Aufnahme dieser Perspektive in den Kanon der Qualifizierung und Weiterbildung.