Titelkleingrau

26.5.2002 | Von:
Heidede Becker
Rolf-Peter Löhr

"Soziale Stadt" - Ein Programm gegen die sozialräumliche Spaltung in den Städten

Ein Programm gegen die sozialräumliche Spaltung in den Städten

VI. Information, Beratung und Vermittlung: Aufgaben der Programmbegleitung

Die Umsetzung des Programms "Soziale Stadt" erfordert eher informelle als verregelte, eher unkonventionelle als traditionelle, eher experimentelle als routinisierte Verfahrensweisen. Auch deshalb kommt einer konzentrierten Programmbegleitung besondere Bedeutung zu. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW) und die Länder haben daher dem Difu für die Anfangsphase der Programmdurchführung (bis 2002) die Funktion einer Vermittlungs-, Beratungs- und Informationsagentur übertragen [23] .

Da heute schon ein hoher Bedarf an Erfahrungsaustausch, Wissenstransfer, Kooperation und Öffentlichkeitsarbeit zum Programm offensichtlich ist, steht der Aufbau eines bundesweiten Netzwerks als ein zentraler Baustein der Programmbegleitung im Mittelpunkt der ersten Arbeitsschritte [24] . Dieses Netzwerk gründet sich auf drei Fundamente:

- Den unmittelbaren Austausch zwischen den beteiligten Akteuren im Rahmen zentraler und dezentraler Veranstaltungen: Die bundesweiten Veranstaltungen zum Auftakt im Juli 1999 und zum Programmstart Anfang März 2000 boten die Möglichkeit, sich einerseits über internationale und nationale Erfahrungen mit integrativen Konzepten zu informieren sowie andererseits neue Kontakte zu knüpfen und zusätzliche Kooperationsbeziehungen zu verabreden. Auf zwei Impulskongressen, die für Ende 2000 und Mitte 2001 vorgesehen sind, werden Ergebnisse von Best-Practice-Analysen zur Diskussion gestellt, und im Jahr 2002 soll auf einer weiteren bundesweiten Konferenz eine erste Zwischenbilanz zum Programm gezogen werden. Dezentrale Veranstaltungen werden je nach Bedarf lokal und regional sowie thematisch konzentriert in Zusammenarbeit mit anderen Programm-Akteuren durchgeführt.

- Ein kontinuierliches Berichtswesen: Hierzu wird mindestens dreimal im Jahr ein aktuelles Informationsblatt ("Infos zur Sozialen Stadt") erscheinen; wichtige Projektergebnisse, Dokumentationen und Materialien werden in der Reihe "Arbeitspapiere zum Programm ,Soziale Stadt'" veröffentlicht. Beide Publikationsreihen sind auch im Internet abrufbar.

- Das seit dem 10. Januar 2000 geschaltete, allgemein zugängliche Internet-Forum zum Programm "Soziale Stadt" (www.sozialestadt.de) mit vielfältigen Informations- und Diskussionsmöglichkeiten zu allen im Zusammenhang mit dem Programm interessierenden Fragen. Außerdem eröffnen eine Diskussionplattform und die Eintragung in eine "Mailing-List" die Möglichkeit, stets aktuell informiert zu sein und bei der Informationsvermittlung und Programmdiskussion mitzuwirken.

Die "Programmbegleitung vor Ort" bildet ein weiteres grundlegendes Element der gesamten Programmbegleitung. Sie wird in 16 von den Bundesländern ausgewählten "Modellgebieten" eingerichtet (jeweils in einem Gebiet pro Land) und umfasst vor allem zwei Aufgaben: die begleitende und dokumentierende Untersuchung der Programmumsetzung sowie die Übernahme aktivierender und unterstützender Funktionen, für die in beschränktem Umfang finanzielle Mittel ("technische Hilfen") zur Verfügung stehen.

Zur besseren Einschätzung der Leistungsfähigkeit von Strategien und der Wirksamkeit von Maßnahmen dienen Best-practice-Analysen als eine weitere wichtige Komponente der Programmbegleitung; sie werden vom Difu in Kooperation mit Empirica [25] erarbeitet und beziehen sich vor allem auf die zentralen Themenkomplexe Stadtteilmanagement, Ressourcenbündelung und Mobilisierung lokaler Akteure. Zugleich sollen mit diesen Untersuchungen Grundlagen für eine Evaluierung des Programms gelegt werden. Insgesamt ist beabsichtigt, mit der Programmbegleitung der Jahre 1999 bis 2002 in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) auch eine spätere Ergebnisevaluierung vorzubereiten und deren Voraussetzungen zu sichern. Hierzu dienen neben den Best-Practice-Untersuchungen mehrere Arbeitsschritte: die Auswertung von externen Wirkungsanalysen, die auf der Ebene von Gebiet, Kommune oder Land bereits in Auftrag gegeben oder fertiggestellt sind, eine Fragebogenaktion in allen Programmgebieten, mit der die Ausgangssituation Anfang 2000 und die beabsichtigten Maßnahmen des integrativen Handlungskonzepts erfasst werden; die Auswertung verschiedener Statistiken zur Lage in den Programmgebieten; eine zweite Fragebogenaktion Ende 2001, in der es um Einschätzungen der Programmwirkungen, um Erfolgs- oder Misserfolgsbilanzen sowie um das Erreichen von Verfahrens- und Prozesszielen im Ländervergleich geht.

Fußnoten

23.
"Projektgruppe Soziale Stadt" im Difu: Heidede Becker, Christa Böhme, Cathy Cramer, Thomas Franke, Angelika Friederici, Rolf-Peter Löhr, Ulrike Meyer, Robert Sander, Ulla-Kristina Schuleri-Hartje, Wolf-Christian Strauss.
24.
Um hierbei bereits vorhandene und ebenfalls im Aufbau befindliche Netzwerke berücksichtigen und das weitere Procedere abstimmen zu können, hat das Difu am 12. November 1999 ein erstes Netzwerke-Treffen veranstaltet.
25.
Dabei konzentriert sich Empirica in Weiterführung einer umfassenden Untersuchung zu den "überforderten Nachbarschaften" auf die Großsiedlungen, das Difu auf Altbau- und gemischte Quartiere. Zu den vor allem durch Zuwanderung verursachten Problemen in Großsiedlungen und bestimmten Stadtquartieren vgl. die auf Daten von Empirica basierende Studie von Manfred Neuhöfer, Überforderte Nachbarschaften. Eine Analyse von Siedlungen des sozialen Wohnungsbaus und die Wohnsituation von Migranten, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 49/98, S. 35-45.

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