Titelkleingrau

26.5.2002 | Von:
Heidede Becker
Rolf-Peter Löhr

"Soziale Stadt" - Ein Programm gegen die sozialräumliche Spaltung in den Städten

Ein Programm gegen die sozialräumliche Spaltung in den Städten

VII. Bewährungsproben für die Umsetzung des Programms "Soziale Stadt"

Nationale und internationale Erfahrungen mit der Umsetzung sozialorientierter Stadtteilentwicklungskonzepte haben vor allem eines deutlich gemacht: Entsprechende Ansätze sind zu anspruchsvoll und tragen dann eher zu Enttäuschung und Resignation bei, wenn innerhalb einer zu eng begrenzten Zeitspanne Problemlösungen und Erfolge erwartet werden. Deshalb wurden beispielsweise in Großbritannien und in den Niederlanden - so Berichte im Rahmen der Auftaktveranstaltung [26] - die anfangs kürzer befristeten Programme relativ schnell auf einen Zeitraum von erst einmal etwa zehn Jahren ausgeweitet. Es erstaunt daher auch nicht, dass besonders von den Bundesländern mit längerer Erfahrung bei der Umsetzung integrativer Konzepte die Dringlichkeit einer Verstetigung des neuen Programms betont wird.

Aus Erfahrungen mit bereits installierten Ansätzen der sozialorientierten Stadtteilentwicklung und den Diskussionen im Vorfeld der Programmumsetzung lassen sich einige Handlungsprinzipien und -voraussetzungen ableiten, die der "Sozialen Stadt" förderlich sein können. Danach werden Erfolg oder Misserfolg der Programmdurchführung unter anderem davon abhängen, inwieweit es gelingt,

· den "besonderen" Entwicklungsbedarf in einzelnen Stadtteilen durch eine fundierte und politisch legitimierbare Gebietsauswahl in Abstimmung zwischen allen betroffenen Ressorts, Ämtern, Sparten oder Fachbereichen konsensfähig zu machen;

· querschnittsorientierte und quartiersbezogene Strategien zu entwickeln, ohne den gesamtstädtischen Bezug aus den Augen zu verlieren;

· problem- und ortsadäquate Organisations- und Managementstrukturen zu etablieren;

· die Umsetzung des Programms als offenen Prozess und gemeinsames Lernprogramm zwischen allen Akteuren zu gestalten;

· den von den Gemeinden geforderten integrativen Charakter der "stadtentwicklungspolitischen Handlungskonzepte" sicherzustellen;

· das Missverständnis abzubauen, integratives Handeln bedeute für den einzelnen Politikbereich, generalistisch zu agieren und zu versuchen, Aufgaben anderer Politikfelder zu übernehmen statt mit ihnen zu kooperieren;

· durch gesamtstädtische Monitoringsysteme frühzeitig auf problematische Entwicklungen in Stadtteilen aufmerksam zu werden und so eine Umkehr vom reaktiven zum präventiven Ansatz zu ermöglichen.

Fußnoten

26.
Vgl. Berichte in den Arbeitspapieren zum Programm "Soziale Stadt", Bd. 2 (Anm. 1) von Alan Meale, parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Verkehr und Regionen (London) und von Dr. R. H. L. M. van Boxtel, Minister für Stadtentwicklung und Integration ethnischer Minderheiten (Den Haag).

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