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24.1.2011 | Von:
Stefan Marschall

Wahlen, Wähler, Wahl-O-Mat

Chancen und Grenzen

VAAs wie der Wahl-O-Mat scheinen zur rechten Zeit zu kommen. Sie treffen nicht nur auf eine wachsende Rolle der Internetkommunikation in der Politik generell und im Wahlkampf speziell, sondern werden auch begünstigt vom Trend einer abnehmenden Parteiidentifikation. VAAs bieten Grundlage für eine stärker sachpolitisch ausgerichtete Wahlentscheidung und entwickeln somit ein Gegenkonzept zu den Tendenzen der Personalisierung, die sowohl in den alten, im Besonderen in den elektronischen Bildmedien, aber auch im Internet zu finden ist und die zu einer Stärkung der Kandidatenorientierung in der Wahlentscheidung führen könnte.

Applikationen wie der Wahl-O-Mat senken für eine eher issue-orientierte Wahlentscheidung die "Kosten", sich über die Parteien zu informieren und die Positionen der Parteien untereinander und mit den eigenen zu vergleichen. Der Wahl-O-Mat erlaubt es, die jeweilige issue-Salienz in die Berechnung mit einzubeziehen. Für den User lässt sich im Detail nachvollziehen, in welchen Punkten welche Partei einem am nächsten steht. Dabei sind die Grenzen markiert: Es kann nur eine Auswahl von sachpolitischen Fragen präsentiert werden. Die Bedeutung der einzelnen issues für die Wählerin oder den Wähler kann nur schematisch zum Ausdruck gebracht werden.

Der Wahl-O-Mat trifft größtenteils auf Nutzer, die eine vergleichsweise klare parteipolitische Position vorweisen. Diese haben in der Regel ihre Entscheidung für die eine oder andere Partei bereits gefällt. Nichtsdestoweniger aktiviert der Wahl-O-Mat: Er kann einen großen Teil derjenigen mobilisieren, die "eigentlich" nicht vorhatten, an der Wahl teilzunehmen. Er kann einen erheblichen Teil der Nutzer, die sich normalerweise wenig oder überhaupt nicht politisch engagieren, motivieren, sich politisch zu informieren und zu beteiligen. Bei bereits mobilisierten Nutzern stößt er ebenfalls Anschlussdiskussionen und eine sachpolitisch ausgerichtete Informationssuche an.

Es spricht einiges dafür, dass in den kommenden Jahren die issue-Orientierung der Wähler stark bleibt, wenn nicht noch stärker wird, und die Wechselwählerschaft zunimmt. In diesem Fall werden auch der Wahl-O-Mat und die anderen Voting Advice Applications an Relevanz gewinnen. Sie verdienen deswegen verstärkte wissenschaftliche Aufmerksamkeit.

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