A distant view of London's Canary Wharf financial district, Tuesday Aug. 17, 2010. (AP Photo/Lefteris Pitarakis)

13.2.2012

Devisenmarkt und Staatsanleihen

Fällt oder steigt die eigene Währung mehr, als die Zentralbank eines Staates für gut für die Wirtschaft hält, intervenieren die Notenbanken oftmals. Sie können nicht einen bestimmten Kurs bestimmen, aber sie können in das Marktgeschehen eingreifen. Wird der Dollar zu teuer, weil viele Händler Dollar kaufen wollen und er dadurch relativ knapp wird, kann die Zentralbank eines Staates daher aus ihren eigenen Reserven Dollar verkaufen, also zusätzlich auf den Markt werfen. Sie kauft damit gleichzeitig ihre eigene Währung. Das Ergebnis ist, dass es mehr Dollar und gleichzeitig eine größere Nachfrage nach der eigenen Landeswährung gibt, was zur Folge hat, dass der Kurs sich einpendelt.

Schweizer FrankenIm Zuge der Finanzkrise ist die Nachfrage nach Schweizer Franken stark gestiegen. Die Schweizer Nationalbank verteidigt seither ihr Kursziel mit Interventionen am Devisenmarkt. (© picture-alliance, chromorange)
Unter dem Vertrauensverlust, den der Euro seit 2010 erfahren hat, litt die Schweiz in besonderem Maße. Immer mehr Menschen wollten ihr Geld in sicheren Schweizer Franken anlegen, die dadurch immer begehrter wurden. Kurzfristig stand der Franken fast 1:1 zum Euro. Dadurch wurden Schweizer Waren im Verhältnis immer teurer. Die Schweizer fuhren nach Deutschland zum Einkaufen, aber die Deutschen konnten sich keinen Urlaub mehr in der Schweiz leisten. 2011 hat die Schweizer Nationalbank daher das Austauschverhältnis des Schweizer Franken zum Euro auf 1,20 zu 1,00 festgesetzt und verteidigt dieses seitdem durch Interventionen auf dem Geldmarkt.

Die Europäische Zentralbank und die amerikanische Notenbank greifen in dieser Form allerdings nicht in das Marktgeschehen ein, sie lassen das Austauschverhältnis der Währungen sich frei entwickeln. Diesen Vorgang nennt man „floaten“, ein Anglizismus, der von dem englischen verb to float = schwimmen (im Sinne von auf den Wellen schwimmen) stammt.

In anderen Ländern wird der Austauschkurs vom Staat festgesetzt. Auch dadurch ist er nicht unveränderlich, er kann durch die Regierung oder die Notenbank, je nachdem, wie die Zuständigkeiten in diesem Land geregelt sind, auf- oder abgewertet werden. Viele Staaten nutzen dieses Instrument, um ihre wirtschaftlichen Chancen zu verbessern. Wenn sie ihre Währung abwerten, verbilligen sie die Exporte und verteuern die Importe. Das hilft natürlich der heimischen Wirtschaft. Der gleiche Effekt tritt ein, wenn eine Volkswirtschaft stärker wird, die Währung aber nicht aufwertet, wie das zur Zeit bei China der Fall ist.

Auch hier versuchen die Händler natürlich, vor dem Ereignis zu handeln. Wenn man heute eine Währung kauft, die morgen um 5 % aufgewertet wird, hat man sein eingesetztes Kapital innerhalb eines Tages um 5 % vergrößert. (Wenn man das Geld stattdessen auf ein Sparbuch legt, benötigt man minestens zwei volle Jahre, bevor der Betrag um 5 % angewachsen ist.) Jährlich werden an den Devisenbörse über 1.000 Billionen Dollar bewegt, diese Zahl liest sich so: 1.000.000.000.000.000,00 $.[1]

Fußnoten

1.
Der Spiegel, Nr. 50/2011
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