A distant view of London's Canary Wharf financial district, Tuesday Aug. 17, 2010. (AP Photo/Lefteris Pitarakis)

13.2.2012

Devisenmarkt und Staatsanleihen

Ein wichtiger Grund, eine Währung zu kaufen, ist die Erwartung, dass diese Währung an Wert gegenüber anderen Devisen gewinnt. Privatpersonen sowie Investmentfonds kaufen also beispielsweise US-Dollar, weil sie annehmen, dass der Dollarkurs steigt und sie nach einem Jahr (oder nach einem Tag) mehr Euro oder japanische Yen bekommen, wenn sie ihr Dollarvermögen wieder umtauschen.

Eine andere Form, Geld zu kaufen, ist es, Anleihen eines bestimmten Landes, und damit einer Währung, zu zeichnen. Dies tun die Anleger auf der Suche nach der größten Rendite. Wenn US-Dollar-Anleihen drei Prozent Zinsen erbringen, Euro-Anleihen aber nur zwei, ist klar, dass Anleger sich für das Dollar-Angebot entscheiden. Dabei müssen sie natürlich den Dollarkurs im Auge behalten. Wenn der nämlich gleichzeitig sinkt, bekommen sie zwar nach einem Jahr ihr Vermögen und ihre drei Prozent Zinsen in Dollar zurückgezahlt, erhalten aber in Euro oder Yen einen geringeren Gegenwert als den, den sie vorher investiert hatten. Ein Währungsraum muss also bei den Anlegern Vertrauen in die Stabiltiät der jeweiligen Volkswirtschaft und in die Berechenbarkeit der Wirtschaftspolitik wecken. Wie das schon erwähnte Beispiel Argentinien gezeigt hat, hilft ein Zinsversprechen alleine den Anlegern nicht viel.

Die USA haben seit vielen Jahren eine negative Leistungsbilanz, sie importieren mehr als sie exportieren. 558 Milliarden US-Dollar konsumierten sie 2011 mehr als sie produzierten, die Tendenz steigt seit Jahren.[2] Sie erhalten das wirtschaftliche Gleichgewicht dadurch, dass sie Dollar drucken und große Summen Geld aus Asien, speziell aus China, anziehen. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ beschrieb die Situation einmal so: „Die Amerikaner leben weit über ihre Verhältnisse, sie müssen täglich fast zwei Milliarden Dollar ausländisches Kapital anlocken, um ihren Lebenswandel zu finanzieren, die jährliche US-Neuverschuldung frisst 75 Prozent der überschüssigen Weltersparnisse auf.“[3] Da es in Asien nur geringe Zinsen für angelegtes Geld gibt, der amerikanische Markt aber mit circa drei Prozent lockt, legen chinesische und japanische Investoren ihr Geld in Dollar-Anleihen an.

Dass das System bislang funktioniert, liegt daran, dass die asiatischen Staaten die amerikanische Währung als Devisenreserve und Geldanlage festlegen. Salopp gesagt: Die Amerikaner schreiben mehr Schecks, als sie Geld auf dem Konto haben. Diejenigen, die die Schecks erhalten, legen sie jedoch in den Schrank und lösen sie nicht ein. Falls die asiatischen Länder ihr Kapital auf einmal aus den USA herausziehen würden, erlebten die USA eine schwere Wirtschaftskrise, der Dollar würde drastisch fallen. Daran haben natürlich auch die chinesischen Investoren kein Interesse, weil das auch den Wert ihrer Anlage sowie die gesamten Wirtschaftsbeziehungen beschädigen würde. Viele Wissenschaftler und Politiker warnen allerdings die USA seit längerem, die Verhältnisse zu normalisieren und ihre wirtschaftliche Entwicklung nicht auf Auslandsanleihen aufzubauen. Nicht nur in Europa gibt es also einiges zu tun.

Fußnoten

2.
http://www.census.gov/cgi-bin/briefroom/BriefRm#intl_trade
3.
Der Spiegel, Nr. 23/2005, S. 133.
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