WEBVTT

00:00:00.200 --> 00:00:02.900
Holger Klein: Willkommen zu „Aus Politik und Zeitgeschichte“,

00:00:02.900 --> 00:00:05.900
einem Podcast der Bundeszentrale für politische Bildung.

00:00:05.900 --> 00:00:09.600
Ich bin Holger Klein, und wir sprechen heute über Risiken

00:00:09.600 --> 00:00:11.100
und wie man mit ihnen umgehen kann.

00:00:11.100 --> 00:00:14.000
Wenn Sie sich nach dem Hören tiefer mit dem Thema befassen wollen,

00:00:14.000 --> 00:00:18.800
finden Sie die APuZ zum Thema auf bpb.de/apuz

00:00:18.800 --> 00:00:22.100
*Musik*

00:00:22.100 --> 00:00:27.100
Holger Klein: „No risk, no fun“ oder auch „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“

00:00:27.100 --> 00:00:31.000
Wenn man diesen Redewendungen folgt, dann bedeutet ein Risiko einzugehen,

00:00:31.000 --> 00:00:34.600
dass man sich auf eine unsichere Sache einlässt, weil man hofft,

00:00:34.600 --> 00:00:37.700
dass vielleicht was Gutes dabei rauskommt.

00:00:37.700 --> 00:00:43.300
Bei Risiken durch Klimawandel, Atomkraft, Krieg oder Pandemien sieht die Sache anders aus:

00:00:43.300 --> 00:00:47.800
Hier können wir uns nicht als Individuen entscheiden, ob wir sie eingehen wollen oder ob nicht.

00:00:47.800 --> 00:00:52.700
Diese komplexen Risiken erfordern politisches und gesellschaftliches Risikomanagement

00:00:52.700 --> 00:00:57.700
und statt mit Abenteuern assoziiert man sie eher mit Gefahren.

00:00:57.700 --> 00:01:02.300
Was ein Risiko ist und wie wir damit individuell und als Gesellschaft umgehen können,

00:01:02.300 --> 00:01:04.400
darum geht’s in dieser Folge.

00:01:04.400 --> 00:01:09.000
Der Soziologe Wolfgang Bonß erklärt, wie sich der Risikobegriff historisch entwickelt hat

00:01:09.000 --> 00:01:11.000
und was er eigentlich bedeutet.

00:01:11.000 --> 00:01:13.700
Wolfgang Bonß: Es ist die Möglichkeit, was zu gewinnen

00:01:13.700 --> 00:01:15.700
und eben auch dummerweise die Gefahr, was zu verlieren.“

00:01:15.700 --> 00:01:18.500
Holger Klein: Mit dem Psychologen Gerd Gigerenzer habe ich darüber gesprochen,

00:01:18.500 --> 00:01:22.900
was Risikokompetenz ist und wie wir kompetenter mit Risiken umgehen können.

00:01:22.900 --> 00:01:30.000
Gerd Gigerenzer: Risikokompetenz heißt, dass man die Fernsteuerung für seine eigenen Gefühle und Ängste selbst in die Hand bekommt.

00:01:30.000 --> 00:01:34.000
Holger Klein: Und Ursula Münch erklärt, wie Risiken politisch bearbeitet und kommuniziert werden

00:01:34.000 --> 00:01:36.200
und welche Folgen das für die Demokratie hat:

00:01:36.200 --> 00:01:40.400
Ursula Münch: „Das wirkt sich natürlich ganz stark auf unser repräsentatives System aus,

00:01:40.400 --> 00:01:43.400
wenn wir in eine Situation hineingeraten,

00:01:43.400 --> 00:01:50.500
dass ein größerer Teil der Bevölkerung der Politik, einen sinnvollen Umgang mit Risiken nicht zutraut.

00:01:50.500 --> 00:02:03.500
*Musik*

00:02:03.500 --> 00:02:06.500
Holger Klein: Ob es nun um die Nutzung der Atomkraft geht oder um die Frage,

00:02:06.500 --> 00:02:11.000
ob ich an einem stark bewölkten Tag ohne Schirm aus dem Haus gehen sollte,

00:02:11.000 --> 00:02:16.000
in beiden Fällen sind wir mit Risiken konfrontiert, wenn auch natürlich auf ganz unterschiedlichem Niveau.

00:02:16.000 --> 00:02:22.900
Und wenn ich mein ganzes Geld in Aktien eines einzigen Unternehmens investiere, dann ist das wieder: Risiko.

00:02:22.900 --> 00:02:29.000
Wovon wir genau sprechen, wenn wir Risiko sagen, das schauen wir uns gemeinsam mit dem Soziologen Wolfgang Bonß an.

00:02:29.000 --> 00:02:37.000
Er war Professor für Allgemeine Soziologie an der Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften der Universität der Bundeswehr München.

00:02:37.000 --> 00:02:42.100
Die Herkunft des Wortes Risiko ist nicht eindeutig geklärt, aber sicher ist,

00:02:42.100 --> 00:02:48.800
der Begriff „rischiare“ wurde spätestens seit dem 14. Jahrhundert von italienischen Seeleuten benutzt

00:02:48.800 --> 00:02:51.000
und zwar für das Umschiffen von Klippen.

00:02:51.000 --> 00:02:54.800
Davon leitet auch Wolfgang Bonß unseren heutigen Risikobegriff ab.

00:02:54.800 --> 00:03:00.000
Wolfgang Bonß: Um eine solche Klippe zu umschiffen, da muss man eben ein gewisses Können, gewisses Glück haben

00:03:00.000 --> 00:03:04.000
und man muss auch bereit sein, diese Klippe zu umschiffen und das ist der Ursprung.

00:03:04.000 --> 00:03:08.000
Holger Klein: Ein Risiko hat immer mit Unsicherheit zu tun, genau wie die Gefahr.

00:03:08.000 --> 00:03:11.500
Trotzdem lassen sich beide Konzepte klar voneinander abgrenzen:

00:03:11.500 --> 00:03:17.000
Wolfgang Bonß: Also zum Beispiel ein Gewitter, ein Blitzschlag, da kann ich nichts dran machen, das ist eine Gefahr.

00:03:17.000 --> 00:03:24.100
Dagegen, wenn ich irgendwie einen Berg besteige, mich dort, das heißt immer so schön, in Gefahr begebe,

00:03:24.100 --> 00:03:29.300
dann gehe ich eigentlich ein Risiko ein, denn die Gefahr des Absturzes, die würde nicht bestehen,

00:03:29.300 --> 00:03:32.000
wenn ich nicht auf die verrückte Idee käme, ausgerechnet auf diesen Berg zu steigen.

00:03:32.000 --> 00:03:35.100
Und das ist tatsächlich der Unterschied zwischen Risiko und Gefahr.

00:03:35.100 --> 00:03:42.900
Also Gefahren entstehen eben unabhängig vom eigenen Handeln, Risiken dagegen sind handlungs- und entscheidungsbezogen.

00:03:42.900 --> 00:03:48.600
Holger Klein: Mit vielen Gefahren wie Krankheiten oder Naturgewalten hat die Menschheit mit der Zeit gelernt, besser umzugehen.

00:03:48.600 --> 00:03:53.300
Aber wir sind heute mit neuen Risiken konfrontiert, die weit über individuelle Risiken hinausgehen,

00:03:53.300 --> 00:03:57.600
wie zum Beispiel die des Bergsteigens oder des ohne Regenschirm Nasswerdens.

00:03:57.600 --> 00:04:04.100
Der Soziologe Ulrich Beck hat dafür schon 1986 einen Begriff geprägt, der bis heute in aller Munde ist:

00:04:04.100 --> 00:04:07.000
den Begriff der „Risikogesellschaft“.

00:04:07.000 --> 00:04:14.800
Er schrieb: „In der fortgeschrittenen Moderne geht die gesellschaftliche Produktion von Reichtum systematisch einher

00:04:14.800 --> 00:04:18.000
mit der gesellschaftlichen Produktion von Risiken.“

00:04:18.000 --> 00:04:25.600
Durch Menschen verursachte Risiken sind also eine Nebenwirkung des technischen Fortschritts.

00:04:25.600 --> 00:04:30.600
Und denen sind wir nahezu schutzlos ausgeliefert, selbst wenn wir sie nicht unmittelbar wahrnehmen können.

00:04:30.600 --> 00:04:34.300
Die Risiken der Nutzung der Atomkraft sind ein Beispiel hierfür,

00:04:34.300 --> 00:04:37.100
die Bedrohung durch den menschengemachte Klimawandel ein anderes.

00:04:37.100 --> 00:04:40.600
Solche komplexen Risiken nennt man systemische Risiken.

00:04:40.600 --> 00:04:43.000
Sie sind nicht mehr vom Handeln eines Einzelnen abhängig.

00:04:43.000 --> 00:04:49.800
Und das Neue an diesen systemischen Risiken ist vor allem, dass sie „entgrenzt“ sind, wie Wolfgang Bonß erklärt.

00:04:49.800 --> 00:04:53.000
Wolfgang Bonß: In den Frühzeiten der Industrialisierung hat es auch gewaltige Explosionen gegeben,

00:04:53.000 --> 00:05:00.600
aber die waren immer begrenzt und zwar auf einen bestimmten Ort, also Raum, in einer bestimmten Zeit,

00:05:00.600 --> 00:05:04.300
nach ein paar Monaten war alles vorbei, und der Schaden war auch begrenzt.

00:05:04.300 --> 00:05:10.100
Und entgrenzt heißt, dass man genau diese Begrenzungen immer weniger hat.

00:05:10.100 --> 00:05:15.300
Klassisches Beispiel: Tschernobyl, die Wolke, sie zieht überall hin.

00:05:15.300 --> 00:05:21.300
Der Schaden wiederum, den kann man auch, den muss man über Generationen rechnen und man weiß gar nicht,

00:05:21.300 --> 00:05:30.300
wenn das eben bei der Halbwertzeit von Jahren so lange strahlt, naja, gut, dann ist es in der Tat entgrenzt.

00:05:30.300 --> 00:05:32.100
Holger Klein: Außerdem sind die Risiken komplexer geworden,

00:05:32.100 --> 00:05:38.100
weil zwischen den einzelnen Risikohandlungen unerwartete Interaktionen und Kettenreaktionen auftreten können.

00:05:38.100 --> 00:05:41.500
Und damit geht auch ein neues Sicherheitsverständnis einher.

00:05:41.500 --> 00:05:47.100
Wolfgang Bonß: Auch wenn wir immer mehr forschen, auch wenn wir immer mehr Geld reinstecken, auf einmal kann es explodieren.

00:05:47.100 --> 00:05:56.100
Es kann eben eine unerwartete Interaktion geben und deshalb haben wir ein insofern neuen Begriff der Unsicherheit

00:05:56.100 --> 00:06:04.300
als diese alte Idee, mehr Geld, mehr Zeit, mehr Forschung bringt mehr Sicherheit, das muss nicht unbedingt so sein.

00:06:04.300 --> 00:06:07.500
Holger Klein: Mit dieser Entwicklung hat sich auch verändert, wie wir über Risiken sprechen.

00:06:07.500 --> 00:06:08.800
Wolfgang Bonß erklärt das so:

00:06:08.800 --> 00:06:15.800
Wolfgang Bonß: Ja in Deutschland seit den 70er Jahren, wird immer von Chancen und Risiken zum Beispiel der Kernenergie gesprochen.

00:06:15.800 --> 00:06:19.600
Und die Chancen sind das Positive, die Risiken das Negative.

00:06:19.600 --> 00:06:23.300
Was heute völlig normal erscheint, aber eigentlich streng genommen ist es falsch,

00:06:23.300 --> 00:06:28.800
weil eigentlich ist Risiko in einer klassischen Lesart diese Doppelung.

00:06:28.800 --> 00:06:33.800
Es ist die Möglichkeit, was zu gewinnen und eben auch dummerweise die Gefahr, was zu verlieren.

00:06:33.800 --> 00:06:39.800
Holger Klein: Wenn es nicht gerade um komplexe, systemische Risiken geht,

00:06:39.800 --> 00:06:44.800
sondern um individuelle, dann stellt sich natürlich die Frage, wie man mit diesen Risiken umgehen kann

00:06:44.800 --> 00:06:47.500
und ob man diesen Umgang lernen kann.

00:06:47.500 --> 00:06:52.600
Ein Risiko kann ja einerseits ein Abenteuer sein, manchmal ist es auch notwendig, Risiken einzugehen,

00:06:52.600 --> 00:06:57.800
um nicht stillzustehen, andererseits versuchen viele Menschen, Risiken im Alltag zu vermeiden.

00:06:57.800 --> 00:07:03.300
Oder besser gesagt: Wir vermeiden das eine Risiko, gehen ein anderes aber relativ sorglos ein,

00:07:03.300 --> 00:07:10.100
ohne genau zu wissen, warum, und obwohl das eine vielleicht viel weniger Gefahr mit sich bringt als das andere.

00:07:10.100 --> 00:07:16.300
Wenn man es ganz rational angeht, dann könnte man viele Risiken eigentlich anhand von Zahlen und Statistiken besser einschätzen.

00:07:16.300 --> 00:07:21.300
Allerdings muss man diese Zahlen dann auch richtig verstehen und interpretieren.

00:07:21.300 --> 00:07:24.800
Ob uns das gelingt, das haben wir mal an einem kleinen Beispiel ausprobiert,

00:07:24.800 --> 00:07:30.000
bei dem es nur um ein harmloses und alltägliches Risiko geht: dass es regnet und wir nass werden.

00:07:30.000 --> 00:07:34.300
Marlene Halser hat sich auf der Digitalkonferenz re:publica für uns umgehört,

00:07:34.300 --> 00:07:37.800
wie die Leute mit den Zahlen in ihren Wetter-Apps umgehen.

00:07:37.800 --> 00:07:41.600
Marlene Halser: Was bedeuten 40 Prozent Regenwahrscheinlichkeit?

00:07:41.600 --> 00:07:44.300
A: Ich hab echt gar keine Ahnung. Das frage ich mich auch immer, wenn ich das sehe in der App.

00:07:44.300 --> 00:07:48.500
Das hat für mich noch nie, also natürlich macht es Sinn, wenn da eine höhere Prozentenanzeige steht,

00:07:48.500 --> 00:07:49.800
gehe ich davon aus, dass es eher regnet.

00:07:49.800 --> 00:07:54.500
Aber was jetzt genau 40 oder 30, wo da der Unterschied ist, könnte ich nicht sagen.

00:07:54.500 --> 00:07:57.800
Marlene Halser: Was bedeutet 40 Prozent Regenwahrscheinlichkeit?

00:07:57.800 --> 00:08:04.800
A: Ah das bedeutet, dass an vier von zehn Tagen in der Vergangenheit es hier geregnet hat.

00:08:04.800 --> 00:08:07.600
Dass es mit 40-prozentiger Wahrscheinlichkeit heute regnet?

00:08:07.600 --> 00:08:12.300
Marlene Halser: Und wenn es 40 Prozent Regenwahrscheinlichkeit ist, nimmst du dann deinen Schirm mit raus?

00:08:12.300 --> 00:08:12.800
A: Nö.

00:08:12.800 --> 00:08:13.100
Marlene Halser: Warum nicht?

00:08:13.100 --> 00:08:15.300
A: Ich nehme nie einen Schirm mit.

00:08:15.300 --> 00:08:19.100
Weil mein Prinzip ist, wenn ich da keinen dabei habe, regnet es auch nicht.

00:08:19.100 --> 00:08:22.800
Marlene Halser: Und nimmst du dann einen Schirm mit bei 40 Prozent Regenwahrscheinlichkeit?

00:08:22.800 --> 00:08:23.600
A: Nein.

00:08:23.600 --> 00:08:24.300
Marlene Halser: Warum nicht?

00:08:24.300 --> 00:08:29.300
A: Weil ich Optimistin bin und glaube, dass das eher unwahrscheinlich ist.

00:08:29.300 --> 00:08:32.600
Unter 50 Prozent ist für mich eher unwahrscheinlich.

00:08:32.600 --> 00:08:35.200
Marlene Halser: Was bedeutet 40 Prozent Regenwahrscheinlichkeit?

00:08:35.200 --> 00:08:40.700
A: Das ist eine Frage, die ich mir jeden Tag stelle, wenn ich die iPhone-App aufmache

00:08:40.700 --> 00:08:46.700
und es nicht geregnet hat dann am Abend und ich kann sie für mich nicht beantworten.

00:08:46.700 --> 00:08:48.100
Es ist einfach ein Mysterium.

00:08:48.100 --> 00:08:51.300
Marlene Halser: Würdest du denn den Regenschirm mit rausnehmen bei 40 Prozent?

00:08:51.300 --> 00:08:57.100
A: Bei 40 Prozent nicht, aber ich hätte ein bisschen Sorge, 50 Prozent gibt es, glaube ich, nicht.

00:08:57.100 --> 00:08:57.800
Habe ich noch nie gesehen.

00:08:57.800 --> 00:09:02.000
Bei 60 Prozent auch noch nicht eher bei 80, würde ich sagen.

00:09:02.000 --> 00:09:04.700
Marlene Halser: Was bedeutet 40 Prozent Regenwahrscheinlichkeit?

00:09:04.700 --> 00:09:14.100
A: Das bedeutet, dass an Tagen, die dieselben Werte hatten wie der Tag, an dem wir uns heute befinden,

00:09:14.100 --> 00:09:19.000
wo die 40-prozentige Regenwahrscheinlichkeit angesagt wurde, es zu 40 Prozent geregnet hat.

00:09:19.000 --> 00:09:22.300
Marlene Halser: Und würdest du bei 40 Prozent Regenwahrscheinlichkeit einen Regenschirm mitnehmen?

00:09:22.300 --> 00:09:24.000
A: Nee, weil ich aus dem Norden komme.

00:09:24.000 --> 00:09:25.300
Marlene Halser: Und da regnet es eh immer oder was?

00:09:25.300 --> 00:09:28.500
A: Ja.

00:09:28.500 --> 00:09:32.700
Holger Klein: Da haben wir am Ende die richtige Antwort gehört, die Zahl gibt an,

00:09:32.700 --> 00:09:38.200
wie häufig es bei gleichen Wetterverhältnissen in der Vergangenheit geregnet hat.

00:09:38.200 --> 00:09:42.600
Oft aber interpretieren wir Zahlen eben doch so, wie es uns gerade einfällt.

00:09:42.600 --> 00:09:47.000
Und das kann dazu führen, dass wir Risiken manchmal komplett missverstehen

00:09:47.000 --> 00:09:52.800
und daraus die falschen Schlüsse für unser Handeln ziehen, was auch für die Demokratie zum Problem werden kann.

00:09:52.800 --> 00:09:57.200
Dass der Umgang mit Zahlen entscheidend ist, das findet auch Gerd Gigerenzer.

00:09:57.200 --> 00:10:01.700
Er ist Psychologe, emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

00:10:01.700 --> 00:10:06.100
und Direktor des Harding-Zentrums für Risikokompetenz an der Universität Potsdam.

00:10:06.100 --> 00:10:10.600
Ich habe mich mit ihm getroffen und darüber gesprochen, wie wir risikokompetenter werden können.

00:10:10.600 --> 00:10:18.000
*Musik*

00:10:18.000 --> 00:10:23.700
Holger Klein: Sie schreiben in der APuZ, eine freie Gesellschaft brauche risikokompetente Bürger.

00:10:23.700 --> 00:10:26.100
Was genau ist Risikokompetenz?

00:10:26.100 --> 00:10:28.600
Lässt sich das verallgemeinernd beschreiben?

00:10:28.600 --> 00:10:34.200
Gerd Gigerenzer: Risikokompetenz heißt ganz allgemein, dass man mit den Risiken in einer Welt,

00:10:34.200 --> 00:10:40.200
gerade einer technologischen Welt, und den Ungewissheiten vernünftig umgehen kann

00:10:40.200 --> 00:10:43.200
und nicht von anderen gesteuert wird.

00:10:43.200 --> 00:10:45.100
Holger Klein: Was heißt vernünftig umgehen?

00:10:45.100 --> 00:10:49.500
Gerd Gigerenzer: Eine Komponente ist, dass man Statistisches Denken kann.

00:10:49.500 --> 00:10:54.200
Also zum Beispiel die Fragen stellen, wie: Was bedeutet diese Zahl?

00:10:54.200 --> 00:10:56.700
Prozent von was, hm?

00:10:56.700 --> 00:11:02.300
Oder dass man etwas allgemeiner versteht, dass es keine Sicherheiten gibt.

00:11:02.300 --> 00:11:07.700
Nichts ist sicher in der Welt, außer dem Tod und die Steuern.

00:11:07.700 --> 00:11:11.500
Und die Steuern sind für bestimmte unter uns auch nicht sicher.

00:11:11.500 --> 00:11:15.500
Also: Das eine ist statistisches Denken.

00:11:15.500 --> 00:11:18.700
Und da muss man nicht wissen, was eine Regressionsanalyse ist,

00:11:18.700 --> 00:11:22.700
sondern da muss man einfach die wichtigen Fragen stellen.

00:11:22.700 --> 00:11:25.200
Die Illusion von Gewissheit aufzugeben.

00:11:25.200 --> 00:11:28.700
Und dann auch die Psychologie des Risikos.

00:11:28.700 --> 00:11:31.300
Vor was fürchte ich mich?

00:11:31.300 --> 00:11:36.200
Und vor was kann man mich leicht ängstigen?

00:11:36.200 --> 00:11:39.700
Und warum fürchte ich mich vor den Dingen, vor denen ich mich fürchte?

00:11:39.700 --> 00:11:44.300
Es ist ja oft so, dass man sich vor den Dingen fürchtet, die einen gar nicht wahrscheinlich umbringen.

00:11:44.300 --> 00:11:46.200
Und vor den anderen fürchtet man sich nicht.

00:11:46.200 --> 00:11:50.600
Das sehen Sie insbesondere, wenn Sie mal in einem anderen Land und einer anderen Kultur leben.

00:11:50.600 --> 00:11:53.700
Als ich mein erstes Weihnachten in USA verbracht hatte,

00:11:53.700 --> 00:11:58.000
hatte ich einen wirklichen Weihnachtsbaum mit wirklichen Kerzen.

00:11:58.000 --> 00:12:02.700
Und meine Freunde, die kamen, Amerikaner, als sie die brennenden Kerzen sahen,

00:12:02.700 --> 00:12:06.300
wurden sie bleich und dachten, der ist verrückt.

00:12:06.300 --> 00:12:11.700
Die denken, der Baum wird in Kürze in Feuer stehen und das ganze Haus, die spinnen.

00:12:11.700 --> 00:12:18.200
Auf der anderen Seite hat ein Freund von mir, der mir seinen sicheren elektrischen,

00:12:18.200 --> 00:12:22.700
elektrisch beleuchteten, künstlichen Weihnachtsbaum gezeigt

00:12:22.700 --> 00:12:28.600
und darunter lag als Geschenk für seinen 16-jährigen Sohn eine Winchester Rifle.

00:12:28.600 --> 00:12:30.600
Hier sehen Sie den Unterschied.

00:12:30.600 --> 00:12:32.200
Holger Klein: Da denken Sie dann, die sind bekloppt.

00:12:32.200 --> 00:12:34.700
Gerd Gigerenzer: Da habe ich gezuckt.

00:12:34.700 --> 00:12:37.800
Wir, sagen die, sind bekloppt und die sagen, wir sind bekloppt.

00:12:37.800 --> 00:12:41.200
Der Punkt ist, dass man beginnt darüber nachzudenken,

00:12:41.200 --> 00:12:46.800
warum man das eine Risiko einfach eingeht, ohne nachzudenken

00:12:46.800 --> 00:12:51.600
und das andere für bekloppt hält ohne nachzudenken.

00:12:51.600 --> 00:12:58.800
Also Risikokompetenz heißt, dass man die Fernsteuerung für seine eigenen Gefühle und Ängste selbst in die Hand bekommt.

00:12:58.800 --> 00:13:03.000
Holger Klein: Woran könnte ich erkennen, wie risikokompetent ich bin?

00:13:03.000 --> 00:13:06.200
Gerd Gigerenzer: Das Einfachste ist die Illusion der Gewissheit.

00:13:06.200 --> 00:13:09.600
Gibt es irgendetwas, was Sie an das Sie absolut sicher glauben?

00:13:09.600 --> 00:13:12.200
Dann haben Sie schon die erste Baustelle.

00:13:12.200 --> 00:13:18.700
Also, es geht darum, Risiken abzuwägen statt sie zu verleugnen.

00:13:18.700 --> 00:13:21.000
Und das ist ein zweites Problem.

00:13:21.000 --> 00:13:27.200
Also verstehe ich denn zum Beispiel, dass alle Dinge wie Impfungen, wie Tests,

00:13:27.200 --> 00:13:30.800
positive und negative Seiten haben?

00:13:30.800 --> 00:13:33.700
Also, man hat es ja immer mit einem Abwägen zu tun.

00:13:33.700 --> 00:13:37.700
Und das Dritte ist dann, verstehe ich die Zahlen, die mir präsentiert werden?

00:13:37.700 --> 00:13:40.700
Oder lasse ich mich in die Irre führen?

00:13:40.700 --> 00:13:45.000
Und dann kommt dazu, dass man darüber nachdenkt, bin ich überhaupt bereit,

00:13:45.000 --> 00:13:52.100
meine Meinung zu ändern, wenn sich die Evidenz verändert?

00:13:52.100 --> 00:13:53.600
Und das war in der Corona-Zeit ein guter Test.

00:13:53.600 --> 00:14:00.700
Also diejenigen, die ihre Meinung nicht geändert haben während der ganzen Pandemie - da muss man sich wundern.

00:14:00.700 --> 00:14:06.600
Holger Klein: Nur in dem Moment, wo ich als Gesellschaft, also jedes Individuum in der Gesellschaft hat erkannt, nichts ist sicher.

00:14:06.600 --> 00:14:09.100
Es ist immer eine Abwägungsfrage.

00:14:09.100 --> 00:14:12.700
Bis zu welchem Punkt kann ich denn dann noch diskutieren?

00:14:12.700 --> 00:14:15.700
Weil irgendwann muss ich ja auch mal eine Entscheidung fällen.

00:14:15.700 --> 00:14:18.000
Gerd Gigerenzer: Aber deswegen muss man auch nicht dran glauben, dass die Entscheidung,

00:14:18.000 --> 00:14:20.800
die man fällt, die einzig denkbare richtige ist.

00:14:20.800 --> 00:14:22.100
Zum Beispiel jetzt.

00:14:22.100 --> 00:14:29.200
Wir sind jetzt in einer Situation, wo wir nicht wissen, wie es im Herbst mit Covid19 sein wird.

00:14:29.200 --> 00:14:33.600
Es hat überhaupt keinen Sinn, sich eine Illusion von Gewissheit zu machen,

00:14:33.600 --> 00:14:37.600
sondern man muss lernen, mit dieser Ungewissheit zu leben.

00:14:37.600 --> 00:14:41.500
Denn richtig, wie Sie sagen, man muss sich ja entscheiden, man muss ja was tun.

00:14:41.500 --> 00:14:46.500
Man kann ja nicht hier sitzen, völlig verängstigt, bis der Virus wiederkommt

00:14:46.500 --> 00:14:51.700
oder umgekehrt sagen, ja, das war es, wahrscheinlich war es das nicht.

00:14:51.700 --> 00:14:53.700
Holger Klein: Was ich ja gerne mache ist:

00:14:53.700 --> 00:14:58.000
Ich lagere die Einschätzung von Risiken aus an Menschen,

00:14:58.000 --> 00:15:00.700
die ich für entsprechende Fachleute halte.

00:15:00.700 --> 00:15:06.200
Wenn ich Sie richtig verstanden habe oder ihre Texte richtig verstanden habe, sagen Sie, das ist ein Fehler.

00:15:06.200 --> 00:15:10.200
Gerd Gigerenzer: Nun, also es ist nicht grundsätzlich ein Fehler, Fachleute zu befragen.

00:15:10.200 --> 00:15:17.500
Aber es ist, glaube ich, nicht eine demokratische Einstellung grundsätzlich,

00:15:17.500 --> 00:15:20.500
die eigenen Entscheidungen zu delegieren.

00:15:20.500 --> 00:15:26.200
Denn Demokratie lebt davon, dass man sogenannte mündige Bürger hat.

00:15:26.200 --> 00:15:31.300
Man braucht halt möglichst viele davon, die mitdenken, die auch kritisch mitdenken

00:15:31.300 --> 00:15:34.200
und auch sagen, so geht es nicht.

00:15:34.200 --> 00:15:41.200
Einfach kritisch zu sein allein hilft da ja auch nicht, sondern man muss ja informiert kritisch sein.

00:15:41.200 --> 00:15:46.700
Und wenn wir das nicht schaffen, dann werden auch keine funktionierende Demokratie haben.

00:15:46.700 --> 00:15:55.500
Also, die Corona-Pandemie war eine wirkliche Chance und ist sie noch, mitdenken zu lernen.

00:15:55.500 --> 00:15:57.500
Viele Menschen haben auch mitgelernt.

00:15:57.500 --> 00:16:04.100
Sie haben gelernt, dass nun es verschiedene Möglichkeiten gibt der Infektionswege,

00:16:04.100 --> 00:16:08.800
dass es, je nachdem, was nun häufiger ist, man andere Dinge tun muss.

00:16:08.800 --> 00:16:16.700
Distanz halten zum Beispiel und dass das Ganze einfach nicht so gewiss ist und die Wissenschaft dran arbeitet.

00:16:16.700 --> 00:16:21.300
Auch die Wissenschaft braucht Zeit, um hier Antworten zu finden

00:16:21.300 --> 00:16:26.000
und viele haben auch gelernt, dass ihr Verständnis von Wissenschaft das Falsche war.

00:16:26.000 --> 00:16:30.600
Nämlich Wissenschaft: Da passiert was und dann fragt man den Wissenschaftler

00:16:30.600 --> 00:16:34.200
und der Wissenschaftler weiß das, ja. So geht das nicht.

00:16:34.200 --> 00:16:42.100
Kern von Wissenschaft ist die Neugierde, dass man wirklich wissen möchte, nicht nur hören möchte,

00:16:42.100 --> 00:16:48.200
was man jetzt tun soll, also verstehen möchte und auch, dass es um Argumente geht.

00:16:48.200 --> 00:16:51.000
Das sind Argumente dafür und dagegen.

00:16:51.000 --> 00:16:56.200
Man muss sie abwägen und langsam dann zu einem Schluss kommen.

00:16:56.200 --> 00:17:00.600
Holger Klein: Sie schreiben außerdem, das Problem ist nicht einfach individuelle Dummheit,

00:17:00.600 --> 00:17:04.200
sondern das Phänomen einer risikoinkompetenten Gesellschaft.

00:17:04.200 --> 00:17:07.700
Heißt, das ist gar nicht mein persönliches Problem, sondern ein politisches?

00:17:07.700 --> 00:17:10.500
Die anderen sollen sich mal darum kümmern, dass ich schlauer werde?

00:17:10.500 --> 00:17:15.500
Gerd Gigerenzer: Es ist beides, weil Sie sind ja Teil der Politik, Sie wählen ja.

00:17:15.500 --> 00:17:19.200
Und das Problem ist natürlich immer auch ein individuelles.

00:17:19.200 --> 00:17:21.000
Also, man kümmert sich nicht drum.

00:17:21.000 --> 00:17:25.200
Und man ängstigt sich einfach vor dem, wovor sich die eigenen Freunde ängstigen

00:17:25.200 --> 00:17:28.700
und nimmt Risiken in Kauf, die die Freunde in Kauf nehmen.

00:17:28.700 --> 00:17:32.500
Das ist so ein Null-Nachdenken-Level von Leben.

00:17:32.500 --> 00:17:33.200
Kann man machen.

00:17:33.200 --> 00:17:37.700
Wenn man Glück hat, hat man die richtigen Freunde und man kommt gut durchs Leben.

00:17:37.700 --> 00:17:46.200
Das andere ist die Politik, die natürlich eine Plattform bieten sollte,

00:17:46.200 --> 00:17:51.900
die es den Menschen ermöglicht, risikokompetent zu sein.

00:17:51.900 --> 00:17:59.700
Und dazu gehört, die Schulen, also wir lehren unseren Kindern zum Beispiel im Wesentlichen

00:17:59.700 --> 00:18:05.500
die Mathematik der Gewissheit, Algebra, Geometrie, Trigonometrie, schöne Systeme.

00:18:05.500 --> 00:18:11.500
Aber die haben ihnen zum Beispiel in der Corona-Pandemie so gut wie nichts geholfen.

00:18:11.500 --> 00:18:14.200
Was geholfen hätte, wäre statistisches Denken.

00:18:14.200 --> 00:18:17.400
Ja, das wird aber immer noch kaum gelehrt.

00:18:17.400 --> 00:18:23.700
Also, hier das zu erkennen, dass das ein Bildungsproblem ist, das ist das erste.

00:18:23.700 --> 00:18:29.000
Und das geht weiter an den medizinischen Fakultäten, wo man Ärzte ausbildet

00:18:29.000 --> 00:18:32.200
und es immer noch nicht erkannt hat,

00:18:32.200 --> 00:18:41.700
dass jeder Arzt ganz egal, jeder Fachrichtung verstehen muss, wie man zum Beispiel einen Test beurteilt,

00:18:41.700 --> 00:18:47.900
ein positives Testergebnis, das können die meisten Ärzte immer noch nicht.

00:18:47.900 --> 00:18:53.400
Ich mach es mal einfach: Also, es sind hundert Personen, 100 Frauen in diesem Fall, die zum Screening gehen.

00:18:53.400 --> 00:18:56.900
Also Frauen, die keine Symptome haben.

00:18:56.900 --> 00:19:04.700
Eine von denen, ja, hat Brustkrebs und die testet wahrscheinlich positiv.

00:19:04.700 --> 00:19:12.400
Und von den 99, die nicht Krebs haben, da testen noch mal ungefähr neun positiv.

00:19:12.400 --> 00:19:14.500
Das war die falsch positiv Rate.

00:19:14.500 --> 00:19:16.700
Also, haben wir zehn, die positiv testen.

00:19:16.700 --> 00:19:20.000
Wie viel davon haben wirklich Krebs?

00:19:20.000 --> 00:19:22.500
Eine von zehn, da haben sie es.

00:19:22.500 --> 00:19:29.000
Die Antworten, die die Gynäkologen oder Ärzte im Allgemeinen mir geben,

00:19:29.000 --> 00:19:35.500
bevor ich ihnen das beibringe, gehen von: ja, die Frau hat wahrscheinlich 90 Prozent Chance,

00:19:35.500 --> 00:19:39.400
dass die Brustkrebs hat, bis runter zu 1 Prozent, kriegen alles.

00:19:39.400 --> 00:19:44.200
Also, das ist ein Beispiel für mangelnde Risikokompetenz.

00:19:44.200 --> 00:19:48.900
Mich erstaunt es immer wieder, aber die meisten Menschen bemerken das gar nicht.

00:19:48.900 --> 00:19:54.500
Genauso wenig, wie man nicht bemerkt, dass man nicht weiß, was 30 Prozent Regenwahrscheinlichkeit bedeutet.

00:19:54.500 --> 00:19:58.200
Und die Frage gar nicht stellt, 30 Prozent von was?

00:19:58.200 --> 00:20:02.500
Holger Klein: Ist das also der einfache Kniff für meinen Alltag, dass ich immer frage:

00:20:02.500 --> 00:20:07.900
30 Prozent von was oder gibt es so drei Handreichungen für meine alltägliche Risikokompetenz?

00:20:07.900 --> 00:20:11.700
Gerd Gigerenzer: Na ja, das Einfachste ist, dass Sie sagen, es gibt keine Gewissheiten.

00:20:11.700 --> 00:20:13.500
Also dass Sie das loskriegen.

00:20:13.500 --> 00:20:18.700
Und dann ist das Nächste, dass man fragt, was ist denn nun das Risiko wirklich?

00:20:18.700 --> 00:20:24.000
Ja, zum Bungeespringen oder was immer Sie gern tun möchten.

00:20:24.000 --> 00:20:30.500
Und dann kommen solche Fragen, also wenn sie Prozentwert bekommen: Prozent von was?

00:20:30.500 --> 00:20:33.900
Aber dann gibt es also mehr solche Tricks.

00:20:33.900 --> 00:20:37.500
Ein beliebter Trick ist einen Elefanten zu einer Mücke zu verkleinern

00:20:37.500 --> 00:20:39.500
oder aus einer Mücke einen Elefanten zu machen.

00:20:39.500 --> 00:20:44.700
Das kriegt man mit dem Unterschied zwischen relativen und absoluten Risiken.

00:20:44.700 --> 00:20:51.000
Also, ein Beispiel: Focus Online hat vor einiger Zeit uns gewarnt,

00:20:51.000 --> 00:20:59.500
dass die Haiangriffe, tödlichen Haiangriffe in diesem Jahr, wo die Nachricht kam, um 100 Prozent gestiegen sind.

00:20:59.500 --> 00:21:01.400
Holger Klein: Das heißt, es gab zwei, wo es im Vorjahr einen gab.

00:21:01.400 --> 00:21:08.200
Gerd Gigerenzer: Na ja, Sie denken schon mit, aber 100 Prozent ist für viele Menschen wahnsinnig gefährlich.

00:21:08.200 --> 00:21:11.700
Und viele Menschen haben sich dann überlegt, ob sie noch, wenn sie im Urlaub waren,

00:21:11.700 --> 00:21:16.500
ob sie ihre Kinder noch ins Wasser lassen oder selber noch auf ein Surfbrett gehen.

00:21:16.500 --> 00:21:24.700
Und es war genau das, was sie gesagt haben, im Vorjahr waren es weltweit 6 Menschen,

00:21:24.700 --> 00:21:29.700
die von Haien getötet worden sind und in diesem Jahr waren es dann zwölf.

00:21:29.700 --> 00:21:35.200
Also relative Risiken werden grade im Gesundheitsbereich immer wieder verwendet,

00:21:35.200 --> 00:21:340.900
um Menschen zu ängstigen oder auch eine Wirksamkeit von einem Medikament, zu vergrößern.

00:21:40.900 --> 00:21:45.500
Und das funktioniert immer noch und es wird immer wieder getan,

00:21:45.500 --> 00:21:50.200
weil es genügend zahlenblinde Menschen gibt, die sich davon beeindrucken lassen.

00:21:50.200 --> 00:21:58.000
Holger Klein: Das heißt, der erste Schritt zur Risikokompetenz ist die Zahlensichtigkeit

00:21:58.000 --> 00:22:00.900
oder seine Zahlenblindheit abzulegen.

00:22:00.900 --> 00:22:06.500
Gerd Gigerenzer: Ja, und auch zu verstehen, wer, und jetzt kommen wir dann ein bisschen mehr über die reinen Zahlen weg,

00:22:06.500 --> 00:22:13.700
wer hinter den Nachrichten steht und Sie nun hier beeinflussen möchte.

00:22:13.700 --> 00:22:14.200
Das ist ganz wichtig.

00:22:14.200 --> 00:22:16.400
Holger Klein: Gerd Gigerenzer, vielen Dank.

00:22:16.400 --> 00:22:18.000
Gerd Gigerenzer: Es war mir eine Freude.

00:22:18.000 --> 00:22:24.400
*Musik*

00:22:24.400 --> 00:22:28.500
Holger Klein: Risikokompetenz ist für eine funktionierende Demokratie wichtig.

00:22:28.500 --> 00:22:31.700
Aber nicht nur jeder Einzelne muss mit Risiken zurechtkommen,

00:22:31.700 --> 00:22:36.000
auch die Politik muss lernen, gerade die neuen, systemischen Risiken zu vermitteln,

00:22:36.000 --> 00:22:39.500
zu bearbeiten und nach Möglichkeit zu minimieren.

00:22:39.500 --> 00:22:43.400
Wie das gehen kann, darüber hat Ursula Münch in der APuZ geschrieben.

00:22:43.400 --> 00:22:47.200
Sie ist Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing

00:22:47.200 --> 00:22:51.200
und Professorin für Politikwissenschaft an der Universität der Bundeswehr München.

00:22:51.200 --> 00:22:54.500
Ursula Münch spricht den Medien eine entscheidende Rolle zu,

00:22:54.500 --> 00:22:58.000
wenn es darum geht, wie die Politik mit Risiken umgeht:

00:22:58.000 --> 00:23:02.200
Ursula Münch: Gerade in einer freiheitlichen, in einer pluralistischen Demokratie haben wir ja etwas,

00:23:03.200 --> 00:23:08.700
was es in der Volksrepublik China eben nicht gibt, was es in der Russischen Föderation nicht gibt.

00:23:08.700 --> 00:23:10.900
Wir haben ja freie Medien.

00:23:10.900 --> 00:23:15.700
Und bei uns wird dann ja auch sehr kritisch und zum Teil auch völlig schonungslos,

00:23:15.700 --> 00:23:20.400
ja durchaus zurecht, dann über Missmanagement berichtet,

00:23:20.400 --> 00:23:24.200
sowohl Missmanagement, mit Blick auf das ursprüngliche Risiko,

00:23:24.200 --> 00:23:29.200
als auch mit Blick auf zu weitgehende Einschränkungen von Freiheitsrechten.

00:23:29.200 --> 00:23:36.700
Jede Art und Weise, wie richtig oder falsch auf bestehende oder wahrgenommene Risiken reagiert wird,

00:23:36.700 --> 00:23:40.700
ist immer auch eine Frage eines öffentlichen Diskurses,

00:23:40.700 --> 00:23:43.200
also dazu findet ja immer eine ganz große Debatte statt

00:23:43.200 --> 00:23:47.900
und wir alle waren und sind ja Zeitzeugen der Debatte zum Beispiel,

00:23:47.900 --> 00:23:51.500
wie wir umgehen mit dem Risiko Pandemie.

00:23:51.500 --> 00:23:58.000
Wir sind alle Zeitzeugen, wie wir umgehen mit dem Risiko der Erderwärmung, der Klimakrise.

00:23:58.000 --> 00:24:02.900
Insofern können das die politisch Verantwortlichen nicht allein unter sich ausmachen,

00:24:02.900 --> 00:24:08.200
sondern stehen unter extremer Beobachtung, was ihr Verhalten natürlich auch wieder verändert:

00:24:08.200 --> 00:24:11.400
Holger Klein: Wir kennen es aus den Pandemiejahren ja zur Genüge:

00:24:11.400 --> 00:24:13.900
Dem Einen sind die Regeln zu drastisch, der Anderen zu lasch.

00:24:13.900 --> 00:24:18.200
Im Umgang mit Risiken muss bei politischen Entscheidungen immer abgewogen werden,

00:24:18.200 --> 00:24:20.500
auch um politische Stabilität zu erhalten:

00:24:20.500 --> 00:24:26.500
Ursula Münch: Jeder Umgang mit einem Risiko ist im Grunde für die staatlich Handelnden immer auch ein Balanceakt,

00:24:26.500 --> 00:24:35.400
also quasi übervorsichtig zu sein, überzureagieren und dann womöglich Freiheitsrechte zum Beispiel einzuschränken

00:24:35.400 --> 00:24:39.500
oder wirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeiten einzuschränken.

00:24:39.500 --> 00:24:45.700
Die andere Möglichkeit ist, man hält das Risiko eines terroristischen Anschlags,

00:24:45.700 --> 00:24:50.200
eines systemischen Risikos mit Blick auf zum Beispiel kritische Infrastrukturen

00:24:50.200 --> 00:24:56.000
oder man sieht eine Pandemie, man beurteilt sie fälschlich als zu harmlos.

00:24:56.000 --> 00:25:01.000
Und dann hat man das Problem, dass auch dann wieder Vertrauen verloren geht.

00:25:01.000 --> 00:25:05.700
Dann hat man also zu dem Risiko, das gegeben ist, immer noch zusätzlich,

00:25:05.700 --> 00:25:10.200
dass sich das Verhältnis zu den Bürgern womöglich problematisch entwickelt.

00:25:10.200 --> 00:25:13.000
Holger Klein: Eine Gegenüberstellung von „der Politik“ auf der einen Seite

00:25:13.000 --> 00:25:18.200
und Bürgerinnen und Bürgern auf der anderen, funktioniert aber bei Risikoentscheidungen allerdings nicht, meint Ursula Münch.

00:25:18.200 --> 00:25:24.200
Grund dafür sei das sogenannte Risikoparadox, das eben alle Menschen gleichermaßen betrifft:

00:25:24.200 --> 00:25:27.500
Ursula Münch: Das Risikoparadox bedeutet, dass wir als Menschen dazu neigen,

00:25:27.500 --> 00:25:30.200
Risiken völlig falsch einzuschätzen.

00:25:30.200 --> 00:25:38.700
Das bekannteste Beispiel ist dafür die Reaktion vieler US-Amerikaner nach den Terroranschlägen im Jahr 2001,

00:25:38.700 --> 00:25:43.700
nine eleven, dass dann ganz viele Menschen über Monate hinweg sich entschieden haben,

00:25:43.700 --> 00:25:48.900
nicht mehr zu fliegen, sondern man hat lieber das Auto benutzt auch für lange Strecken.

00:25:48.900 --> 00:25:56.000
In der Folge sind viel, viel mehr Autounfälle passiert als zu Normalzeiten passiert wären,

00:25:56.000 --> 00:26:00.500
als die Menschen gerade auch größere Strecken mit dem Flugzeug zurückgelegt haben.

00:26:00.500 --> 00:26:07.700
Also insofern hatte man damals und das passiert eben leider ständig, eine völlig falsche Risikowahrnehmung.

00:26:07.700 --> 00:26:13.500
Und der Punkt ist, diesem Risikoparadox unterliegen wir als Individuen,

00:26:13.500 --> 00:26:18.900
aber politisch Verantwortliche, Mandats- und Amtsträger sind natürlich auch Menschen

00:26:18.900 --> 00:26:23.000
und können auch Risiken auch nicht immer richtig einschätzen.

00:26:23.000 --> 00:26:28.900
Und hier der Appell: Ja, politisch Verantwortliche müssen Risiken richtig beurteilen können

00:26:28.900 --> 00:26:34.700
und auch eine Statistik auch entsprechend lesen können, sonst treffen sie die falschen Entscheidungen,

00:26:34.700 --> 00:26:39.700
und zwar dann nicht nur für sich selbst, sondern unter Umständen für sehr, sehr viele Menschen.

00:26:39.700 --> 00:26:45.000
Holger Klein: Je höher die Verantwortung, umso wichtiger wird also auch der kompetente Umgang mit Risiken.

00:26:45.000 --> 00:26:46.500
Man kann es aber auch andersrum betrachten:

00:26:46.500 --> 00:26:50.200
Als Bürgerinnen und Bürger, die ja eben auch dem Risikoparadoxon unterliegen,

00:26:50.200 --> 00:26:54.700
überschätzen wir oft die Gefahr, die politische Risiken für uns persönlich darstellen.

00:26:54.700 --> 00:26:59.200
Ursula Münch sagt deshalb: Wir sollten uns auf die Risiken konzentrieren,

00:26:59.200 --> 00:27:03.900
die wir selbst besser kontrollieren können und dann auch Verantwortung abgeben.

00:27:03.900 --> 00:27:09.000
Denn das Vertrauen in die politischen Repräsentanten ist ebenfalls wichtig für eine Demokratie.

00:27:09.000 --> 00:27:13.900
Ursula Münch: Ich kann mein eigenes Essen-, Trink- und Autofahrverhalten selber kontrollieren,

00:27:13.900 --> 00:27:18.200
aber der Zustand der Brücke, über die ich mit meinem Auto fahre,

00:27:18.200 --> 00:27:22.500
da bin ich auf staatliche Institutionen, auf Ämter und Behörden angewiesen

00:27:22.500 --> 00:27:25.000
und da muss ich meines Erachtens dann auch sagen,

00:27:25.000 --> 00:27:30.900
ich beauftrage politisch verantwortliche Repräsentanten, Amtsträger,

00:27:30.900 --> 00:27:37.000
ich beauftrage die und gebe natürlich auch ja Kompetenzen von mir ab,

00:27:37.000 --> 00:27:39.700
weil ich es selber ohnehin nicht leisten könnte.

00:27:39.700 --> 00:27:42.000
Ich vertraue auch.

00:27:42.000 --> 00:27:49.500
Weil ich weiß, ich lebe in einer freiheitlichen Demokratie, mit einer recht gut funktionierenden Mediendemokratie.

00:27:49.500 --> 00:27:55.700
Da findet Kontrolle statt, natürlich auch durch die Bürgerinnen und Bürger, ich geb es ja nicht völlig ab.

00:27:55.700 --> 00:28:00.400
Und dann sollte man im Grunde auch bereit sein meines Erachtens,

00:28:00.400 --> 00:28:04.700
einer demokratisch gewählten und ja immer auf Zeit gewählten Regierung,

00:28:04.700 --> 00:28:10.700
dann auch das zuzutrauen, dass die diese Risikoabwägung sinnvoll vornimmt

00:28:10.700 --> 00:28:15.500
und wenn sie es nicht gut macht, dann wird sie beim nächsten Mal hoffentlich abgewählt.

00:28:15.500 --> 00:28:17.500
Holger Klein: Wir haben es in dieser Folge schon mehrfach gehört:

00:28:17.500 --> 00:28:20.400
Es gibt keine absolute Sicherheit.

00:28:20.400 --> 00:28:24.200
Was können wir also überhaupt von politischem Risikomanagement erwarten?

00:28:24.200 --> 00:28:28.400
Ursula Münch: Natürlich strebt man weiterhin Sicherheit an, das ist schon klar,

00:28:28.400 --> 00:28:31.500
und auch politisch Verantwortliche müssen natürlich schauen,

00:28:31.500 --> 00:28:37.000
dass sie Risiken von Pandemien, von terroristischen Anschlägen, von Klimakrisen und so weiter,

00:28:37.000 --> 00:28:43.200
dass sie das durch kluges und vorausblickendes Handeln senken, diese Risiken.

00:28:43.200 --> 00:28:47.700
Wo man aber irritiert aufmerken sollte als Bürger und Bürgerin, ist,

00:28:47.700 --> 00:28:52.000
wenn tatsächlich so absolute Sicherheitsversprechen gemacht werden

00:28:52.000 --> 00:28:58.900
und wenn die auf Kosten von jemanden gehen oder auf Kosten zu sehr persönlicher Freiheitsrechte gehen,

00:28:58.900 --> 00:29:03.500
da, finde ich, sollte man aufmerksam werden und dann sollte einem klar werden,

00:29:03.500 --> 00:29:10.500
nein, in einer liberalen, freiheitlichen, pluralistischen Demokratie muss man abwägen.

00:29:10.500 --> 00:29:13.200
Es gibt kein Supergrundrecht auf Sicherheit.

00:29:13.200 --> 00:29:16.200
Es gibt auch kein Supergrundrecht auf Freiheit.

00:29:16.200 --> 00:29:24.500
Das ist ein Spannungsverhältnis und in der Risikogesellschaft, in der wir leben, muss abgewogen werden.

00:29:24.500 --> 00:29:29.900
Wir können nicht alles draußen halten und in hundertprozentiger Sicherheit leben.

00:29:29.900 --> 00:29:35.000
Wir sollten Risiken einordnen und zwar möglichst richtig einordnen,

00:29:35.000 --> 00:29:38.200
aber wir sollten sie nicht ständig ausschließen wollen.

00:29:38.200 --> 00:29:41.400
Das wäre kein menschliches Leben in Freiheit.

00:29:41.400 --> 00:29:45.000
*Musik*

00:29:45.000 --> 00:29:46.400
Holger Klein: Was wir also mitnehmen können:

00:29:46.400 --> 00:29:50.900
1. Risiken sind etwas, was wir mehr oder weniger bewusst eingehen

00:29:50.900 --> 00:29:53.900
und durch unser Wissen und Handeln prinzipiell auch beeinflussen können.

00:29:53.900 --> 00:29:58.700
Dass wir oftmals von „Chancen und Risiken“ sprechen, ist eigentlich falsch:

00:29:58.700 --> 00:30:01.900
Risiko bedeutet immer auch die Chance, etwas zu gewinnen.

00:30:01.900 --> 00:30:06.000
Anders sieht es bei systemischen Risiken aus, entgrenzten Gefahren etwa

00:30:06.000 --> 00:30:11.000
durch Atomenergie oder den Klimawandel kann das Individuum kaum entgehen.

00:30:11.000 --> 00:30:13.200
Das hat Wolfgang Bonß erklärt.

00:30:13.200 --> 00:30:18.400
2. Um risikokompetenter zu werden, müssen wir unter anderem besser darin werden,

00:30:18.400 --> 00:30:20.500
Wahrscheinlichkeiten zu verstehen.

00:30:20.500 --> 00:30:24.900
Wenn irgendwo von einem „40-prozentigen Risiko“ die Rede ist,

00:30:24.900 --> 00:30:30.500
könnten wir zum Beispiel öfter mal fragen: „40 Prozent von was?“

00:30:30.500 --> 00:30:33.500
Risiken einzuschätzen ist dabei auch für die Demokratie wichtig:

00:30:33.500 --> 00:30:38.000
Mündige Bürgerinnen und Bürger sollten ihre Risikoentscheidungen nicht blind delegieren.

00:30:38.000 --> 00:30:40.500
Da ist sich Gerd Gigerenzer sicher.

00:30:40.500 --> 00:30:46.000
3. Poltisches Risikomanagement ist immer ein „Balanceakt“, so beschreibt es Ursula Münch.

00:30:46.000 --> 00:30:49.900
Denn wie die Politik mit Risiken umgeht, kann zu verhärteten Fronten

00:30:49.900 --> 00:30:52.000
und damit auch zu politischer Instabilität führen

00:30:52.000 --> 00:30:57.500
und das stellt in einer ohnehin schon kritischen Situation ein weiteres Risiko dar.

00:30:57.500 --> 00:31:01.900
Das war „Aus Politik und Zeitgeschichte“.

00:31:01.900 --> 00:31:08.400
In der APuZ zum Thema „Risikokompetenz“ finden Sie die Texte von Wolfgang Bonß, Gerd Gigerenzer und Ursula Münch.

00:31:08.400 --> 00:31:15.000
Weitere Autorinnen und Autoren sind Julian Nida-Rümelin, Nathalie Weidenfeld, Juliana Raupp und Martin Voss.

00:31:15.000 --> 00:31:19.000
Den Link zur APuZ-Ausgabe finden Sie in den Shownotes.

00:31:19.000 --> 00:31:22.000
Und natürlich freuen wir uns, wenn Sie Feedback zu dieser Folge haben.

00:31:22.000 --> 00:31:27.400
Fragen, Lob, aber auch Kritik können Sie uns schicken an apuz@bpb.de

00:31:27.400 --> 00:31:31.900
In vier Wochen erscheint die nächste Folge, dann sprechen wir über Kinder und Jugendliche.

00:31:31.900 --> 00:31:35.500
Ich bin Holger Klein und danke für die Aufmerksamkeit.

00:31:35.500 --> 00:31:52.400
*Musik*

00:31:52.400 --> 00:31:57.000
Der Podcast „Aus Politik und Zeitgeschichte“ wird von der APuZ-Redaktion in Zusammenarbeit mit hauseins produziert.

00:31:57.000 --> 00:32:01.500
Redaktion für diese Folge: Gina Enslin, Julia Günther und Sascha Kneip.

00:32:01.500 --> 00:32:07.000
Umfrage: Marlene Halser. Schnitt: Oliver Kraus. Musik: Joscha Grunewald. Produktion: hauseins.

00:32:07.000 --> 00:32:09.200
Am Mikrofon war Holger Klein.

00:32:09.200 --> 00:32:11.200
Die Folgen stehen unter der Creative Commons Lizenz

00:32:11.200 --> 00:32:15.200
und dürfen unter Nennung der Herausgeberin zu nichtnichtkommerziellen Zwecken weiterverbreitet werden.
