WEBVTT

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00:00:00.000 --> 00:00:02.500
Holger Klein: Willkommen zu „Aus Politik und Zeitgeschichte“,

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00:00:02.500 --> 00:00:05.500
einem Podcast der Bundeszentrale für politische Bildung.

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00:00:05.500 --> 00:00:10.900
Ich bin Holger Klein, und wir sprechen heute über Kinder, Jugendliche und politische Beteiligung.

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00:00:10.900 --> 00:00:13.400
Wenn Sie sich nach dem Hören tiefer mit dem Thema befassen wollen,

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00:00:13.400 --> 00:00:17.800
finden Sie die APuZ zum Thema auf bpb.de/apuz.

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00:00:17.800 --> 00:00:21.600
O-Ton Kind: Mitbestimmung bedeutet für mich eigentlich,

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00:00:21.600 --> 00:00:24.100
dass man seine Meinung mit einbringen kann.

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00:00:24.100 --> 00:00:27.500
Und dass man sagen kann, was man richtig oder falsch findet

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00:00:27.500 --> 00:00:30.600
und ein Teil davon ist, das mitzuentscheiden.

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00:00:30.600 --> 00:00:34.200
Holger Klein: Bestimmen, entscheiden, sagen was richtig und falsch ist:

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00:00:34.200 --> 00:00:37.200
Das machen in unserer Gesellschaft fast immer die Erwachsenen.

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00:00:37.200 --> 00:00:40.100
Dabei machen Kinder, also alle Menschen unter 18,

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00:00:40.100 --> 00:00:44.200
keinen kleinen Anteil der Bevölkerung aus, nämlich fast ein Fünftel.

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00:00:44.200 --> 00:00:48.600
In der Politik mitreden, das dürfen sie aber trotzdem nicht so richtig.

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00:00:48.600 --> 00:00:51.700
In dieser Folge geht es darum, welche Rolle Kinder in unserer Gesellschaft spielen

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00:00:51.700 --> 00:00:55.700
und wie mehr Mitbestimmung für Kinder und Jugendliche aussehen könnte.

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00:00:55.700 --> 00:00:58.600
Ich habe mit der Erziehungswissenschaftlerin Sabine Andresen darüber gesprochen,

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00:00:58.600 --> 00:01:03.100
was Kinder brauchen und warum wir ihnen durchaus mehr zutrauen können.

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00:01:03.100 --> 00:01:08.000
Andresen: „Überall dort, wo Kinder sind und zwar von Beginn an,

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00:01:08.000 --> 00:01:13.200
müssen sie die Erfahrung machen, dass sie wertgeschätzt werden,

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00:01:13.200 --> 00:01:17.700
Holger Klein: Der Jugendforscher Simon Schnetzer erklärt, wie es der Jugend in Deutschland gerade geht.

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00:01:17.700 --> 00:01:24.000
Schnetzer: Das Riesenproblem ist, dass junge Menschen in diesen sämtlichen Krisen in eine Opferrolle gesteckt wurden

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00:01:24.000 --> 00:01:29.000
und keinen Raum bekommen haben, um sich für die Lösung der Krisen einzusetzen.

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00:01:29.000 --> 00:01:31.000
Holger Klein: Und weil es in dieser Folge genau darum geht,

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00:01:31.000 --> 00:01:33.200
hören wir auch die Meinungen von Kindern.

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00:01:33.200 --> 00:01:37.400
Frieda, Erik, Malou und Lumina sind alle zwischen zehn und zwölf Jahren alt

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00:01:37.400 --> 00:01:40.700
und erzählen in dieser Folge, was sie in der Politik gerne ändern würden:

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00:01:40.700 --> 00:01:42.700
O-Ton Kind: „Wenn ich Politikerin wäre,

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00:01:42.700 --> 00:01:48.000
würde ich wahrscheinlich mehr Bäume und Blumen und Hecken und Büsche und so einpflanzen,

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00:01:48.000 --> 00:01:51.400
weil ich so grüne Sachen eben mag.

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00:01:51.400 --> 00:02:06.900
*Musik*

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00:02:06.900 --> 00:02:09.100
Holger Klein: Kinderrechte sollen im Grundgesetz verankert werden.

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00:02:09.100 --> 00:02:12.000
So steht es im Koalitionsvertrag der Bundesregierung.

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00:02:12.000 --> 00:02:15.400
Wieder einmal. Die Große Koalition hatte das auch schon vor,

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00:02:15.400 --> 00:02:21.500
2021 gab es für den Vorschlag aber keine Zwei-Drittel-Mehrheit in Bundestag und Bundesrat.

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00:02:21.500 --> 00:02:26.400
Grundlage für die Kinderrechte ist die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen.

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00:02:26.400 --> 00:02:31.000
Die umfasst zum Beispiel das Recht auf Gleichbehandlung, auf Bildung, auf Gesundheit.

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00:02:31.000 --> 00:02:35.800
Und sie legt fest, dass die Stimme von Kindern gehört werden soll.

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00:02:35.800 --> 00:02:38.800
O-Ton Kind: „UN-Kinderrechtskonvention, Artikel zwölf:

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00:02:38.800 --> 00:02:43.500
Kinder müssen bei allen Entscheidungen, die sie betreffen, nach ihrer Meinung gefragt werden.

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00:02:43.500 --> 00:02:49.400
Kinder dürfen ihre Meinung frei heraussagen und diese muss dann auch berücksichtigt werden.

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00:02:49.400 --> 00:02:52.800
Holger Klein: Die UN-Kinderrechtskonvention hat Deutschland schon vor 30 Jahren ratifiziert.

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00:02:52.800 --> 00:02:58.000
In politischen Entscheidungen werden Kinder und ihre Bedürfnisse  trotzdem oft nicht mitgedacht.

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00:02:58.000 --> 00:03:03.300
Wenn Kinder aber mehr mitbestimmen dürften – dann würde die Welt vielleicht wirklich ganz anders aussehen.

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00:03:03.300 --> 00:03:04.500
Das meinen jedenfalls die Kinder:

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00:03:04.500 --> 00:03:08.500
O-Ton Kind: Also, ich glaube, wenn die jungen Leute mehr mitentscheiden könnten,

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00:03:08.500 --> 00:03:14.500
gäbe es vielleicht auch viel mehr Projekte wie es gäbe mehr Mülleimer

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00:03:14.500 --> 00:03:18.800
und es gäbe vielleicht auch so Aufräumaktionen am Strand vor allem.

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00:03:18.800 --> 00:03:25.300
Wenn Kinder mitbestimmen dürften, würde es mehr Bildung und mehr Schule geben auch für Leute,

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00:03:25.300 --> 00:03:29.400
die nicht viel Geld haben, für Leute, die eine andere Hautfarbe haben.

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00:03:29.400 --> 00:03:34.300
Ich glaube, es würde auch viel mehr Hilfsstationen für Obdachlose geben, damit die sich wieder aufrappeln.

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00:03:34.300 --> 00:03:37.900
Ich glaube, Politiker würden sich vielmehr um die Umwelt kümmern.

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00:03:37.900 --> 00:03:43.000
Und ich glaube viele Jugendliche wissen auch, dass sie das auch irgendwann ziemlich doll beschäftigen wird.

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00:03:43.000 --> 00:03:45.500
Es kommt ja irgendwie drauf an, was für Kinder es sind,

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00:03:45.500 --> 00:03:50.900
weil Kleinkinder, die würden wahrscheinlich eher Spielplätze, aber dann für Kinder,

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00:03:50.900 --> 00:03:55.000
die schon so älter sind, werden wahrscheinlich Spielplätze dann nicht mehr so interessant

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00:03:55.000 --> 00:04:00.000
und die wollen irgendwie mehr Handys und iPads und so.

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00:04:00.000 --> 00:04:04.000
Holger Klein: Also mich hat das jetzt nicht überrascht:

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00:04:04.000 --> 00:04:09.400
Auch Kinder haben politische Visionen, viele davon betreffen ihr direktes Umfeld, die Schule und die Natur.

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00:04:09.400 --> 00:04:12.400
Was davon wohl umsetzbar wäre, das müsste man diskutieren,

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00:04:12.400 --> 00:04:16.500
aber im Moment kommt es zu diesem Austausch auf politischer Ebene nicht.

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00:04:16.500 --> 00:04:19.800
Denn Kinder werden in unserer Gesellschaft nicht als Gesprächspartner ernst genommen,

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00:04:19.800 --> 00:04:22.500
vor dem Jugendalter schon gar nicht.

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00:04:22.500 --> 00:04:26.100
Es ist eher so: Die Erwachsenen glauben immer noch, besser zu wissen,

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00:04:26.100 --> 00:04:29.300
was für Kinder gut oder schlecht ist und wenn‘s um politische Beteiligung geht,

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00:04:29.300 --> 00:04:34.600
dann wird schon heftig darum gestritten, ob man sich erlauben kann, das Wahlalter auf 16 zu senken.

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00:04:34.600 --> 00:04:38.100
Sabine Andresen meint, dass wir die Fähigkeiten von Kindern und auch das,

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00:04:38.100 --> 00:04:42.800
was wir als Erwachsene für sie tun können und sollten, oftmals ziemlich falsch einschätzen.

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00:04:42.800 --> 00:04:48.600
Sie ist Professorin für Familienforschung und Sozialpädagogik an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

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00:04:48.600 --> 00:04:54.000
Und sie war lange die Vorsitzende der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs.

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00:04:54.000 --> 00:04:55.300
Hallo Frau Andresen.

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00:04:55.300 --> 00:04:56.600
Andresen: Hallo Herr Klein.

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00:04:56.600 --> 00:05:00.600
Holger Klein: Welche Rolle spielen Kinder in unserer Gesellschaft denn eigentlich?

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00:05:00.600 --> 00:05:02.600
Was schuldet die Gesellschaft den Kindern?

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00:05:02.600 --> 00:05:06.100
Andresen: Die Gesellschaft schuldet den Kindern, dass das Vertrauen,

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00:05:06.100 --> 00:05:12.600
dass Kinder uns als Erwachsenen in der Gesellschaft quasi als Vorschuss entgegenbringen,

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00:05:12.600 --> 00:05:14.300
dass wir dem auch gerecht werden.

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00:05:14.300 --> 00:05:20.300
Das heißt, dass die Interessen, die Rechte, die Bedürfnisse, die Kinder haben

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00:05:20.300 --> 00:05:24.300
und die auch Jugendliche haben und für deren Befriedigung sie selbst nicht sorgen können,

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00:05:24.300 --> 00:05:29.800
dass wir darauf achten und diese so gut wie möglich erstens befriedigen

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00:05:29.800 --> 00:05:35.500
und den Rechten und Interessen nach bestem Wissen und Gewissen gerecht werden.

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00:05:35.500 --> 00:05:38.300
Holger Klein: Und diese Bedürfnisse, was wären das für welche?

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00:05:38.300 --> 00:05:43.600
Andresen: Zunächst einmal haben Kinder das Bedürfnis nach Sicherheit,

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00:05:43.600 --> 00:05:51.300
nach stabilen vertrauensvollen Beziehungen, nach der Möglichkeit sich auszuprobieren,

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00:05:51.300 --> 00:05:56.000
ihrer Neugier nachzugehen, die Umwelt zu erkunden.

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00:05:56.000 --> 00:06:00.600
Sie haben das Bedürfnis keine Gewalt zu erleben.

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00:06:00.600 --> 00:06:10.000
Sie haben das Bedürfnis nach Fürsorge einerseits, andererseits aber auch das Bedürfnis nach Autonomie.

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00:06:10.000 --> 00:06:16.300
Kinder wollen auch ein Maß an Selbstbestimmung haben, an Möglichkeiten ihren eigenen Interessen nachzugehen,

89
00:06:16.300 --> 00:06:23.300
auch mal unbeobachtet zu sein und Wahlmöglichkeiten zu haben, zwischen denen sie entscheiden können.

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00:06:23.300 --> 00:06:25.300
Holger Klein: Sie sagten eben Sicherheit und Schutz.

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00:06:25.300 --> 00:06:29.100
Wir sehen Kinder ja immer so als schutzbedürftige Wesen.

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00:06:29.100 --> 00:06:32.000
Wovor müssen die denn geschützt werden?

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00:06:32.000 --> 00:06:34.800
Andresen: Zuerst sind Kinder ja ganz besonders abhängig.

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00:06:34.800 --> 00:06:41.300
Sie sind abhängig davon, dass die Erwachsenen, die unmittelbar mit ihnen zu tun haben,

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00:06:41.300 --> 00:06:46.000
die Familien, in die sie hineingeboren werden, es gut mit ihnen meinen.

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00:06:46.000 --> 00:06:51.100
Wenn diese es nicht gut mit ihnen meinen, wenn sie sie als Objekte behandeln,

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00:06:51.100 --> 00:06:54.800
die vielleicht zur eigenen Bedürfnisbefriedigung nur da sind,

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00:06:54.800 --> 00:06:59.100
dann wird es dazu führen, dass Kindern Gewalt angetan wird.

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00:06:59.100 --> 00:07:04.300
Also Gewalt ist das allererste, wovor Kinder geschützt werden müssen

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00:07:04.300 --> 00:07:10.800
und wenn das nicht diejenigen tun, Mutter, Vater, Großeltern, also unmittelbare Familie,

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00:07:10.800 --> 00:07:14.000
dann müssen andere in der Gesellschaft dafür Sorge tragen,

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00:07:14.000 --> 00:07:18.800
dass einem Kind keine Gewalt angetan wird und wenn ihm Gewalt angetan wird,

103
00:07:18.800 --> 00:07:23.000
dass die Gewalt beendet wird, so schnell wie möglich.

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00:07:23.000 --> 00:07:23.500
Das ist das Erste.

105
00:07:23.500 --> 00:07:30.600
Das Zweite, Kinder, die in Armut aufwachsen, die viele Mangelerfahrungen machen,

106
00:07:30.600 --> 00:07:36.100
die sie machen, weil ihre Familie, ihre Eltern kein ausreichendes Einkommen haben,

107
00:07:36.100 --> 00:07:42.600
da hat die Gesellschaft eine Verantwortung, dass Kinder ein gedeihliches,

108
00:07:42.600 --> 00:07:45.600
um es mal so zu nennen, Aufwachsen ermöglicht wird.

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00:07:45.600 --> 00:07:52.800
Denn das Aufwachsen ist eine Angelegenheit in privater, familiärer und öffentlicher Verantwortung.

110
00:07:52.800 --> 00:08:04.300
Die zweite Perspektive: Ja, wir betrachten historisch bis in die Gegenwart Kinder als auch schutzbedürftige Menschen,

111
00:08:04.300 --> 00:08:12.300
aber wir dürfen sie darauf natürlich nicht reduzieren, wenn ich das Kind nur betrachte als schutzbedürftig,

112
00:08:12.300 --> 00:08:19.600
dann weiß die erwachsene ältere Person ja immer schon, was richtig und gut für das Kind ist.

113
00:08:19.600 --> 00:08:25.100
Das heißt, die Möglichkeit zur Selbstbestimmung ist eben immer auch mitzudenken.

114
00:08:25.100 --> 00:08:27.100
Holger Klein: Wie können wir dieses Problem lösen?

115
00:08:27.100 --> 00:08:32.200
Also wie können wir die Stimmen von Kindern besser hörbar machen?

116
00:08:32.200 --> 00:08:39.600
Also überall dort, wo Kinder sind, und zwar von Beginn an,

117
00:08:39.600 --> 00:08:44.500
müssen sie die Erfahrung machen, dass sie wertgeschätzt werden,

118
00:08:44.500 --> 00:08:49.800
dass die Signale, die sie senden oder das, was sie erzählen, aufgenommen wird,

119
00:08:49.800 --> 00:08:52.500
dass sie ein Recht darauf haben.

120
00:08:52.500 --> 00:09:00.200
Und das spricht die quasi Verantwortung von Familienangehörigen, vor allen Dingen den Eltern,

121
00:09:00.200 --> 00:09:06.500
spricht es genauso an wie die Kindertagesstätte, der Kindergarten, die Schule, der Sportverein.

122
00:09:06.500 --> 00:09:10.800
Und den pädagogischen Einrichtungen und den Fachkräften, die dort tätig sind,

123
00:09:10.800 --> 00:09:16.300
denen kommt hier eine ganz zentrale Rolle zu, also mit welcher Haltung begegnen sie Kindern?

124
00:09:16.300 --> 00:09:19.200
Mit welcher Qualifikation begegnen sie Kindern?

125
00:09:19.200 --> 00:09:27.500
Und welche Strukturen sind da, die es eben der Erzieherin oder dem Sozialarbeiter auch ermöglichen,

126
00:09:27.500 --> 00:09:31.500
jedem einzelnen Kind auch in einer Gruppe gerecht zu werden

127
00:09:31.500 --> 00:09:36.200
und Situationen zu schaffen, in denen Kinder auch sprechen können

128
00:09:36.200 --> 00:09:38.700
und in denen ihnen zugehört wird.

129
00:09:38.700 --> 00:09:44.300
Holger Klein: Diese umfassende Beteiligung, wo würden Sie sagen, ist die eher keine gute Idee?

130
00:09:44.300 --> 00:09:51.100
Also an welchen Stellen würden wir die Kinder lieber stärker beteiligen, an welchen Stellen lieber nicht?

131
00:09:51.100 --> 00:09:55.500
Andresen: Bei der Frage nach der Beteiligung geht es um die Frage auch:

132
00:09:55.500 --> 00:09:59.700
wer hat wofür Verantwortung?

133
00:09:59.700 --> 00:10:05.100
Wenn es zum Beispiel im Privatraum darum geht, dass Eltern aushandeln:

134
00:10:05.100 --> 00:10:07.700
Trennen wir uns oder trennen wir uns nicht?

135
00:10:07.700 --> 00:10:12.700
Da das Kind in dem Sinne zu beteiligen, ist eine Beteiligung,

136
00:10:12.700 --> 00:10:18.700
die ein Kind und auch noch eine jugendliche Person vermutlich überfordern würde.

137
00:10:18.700 --> 00:10:23.200
Beteiligt werden müsste es aber dann daran, wenn es zu der Frage kommt,

138
00:10:23.200 --> 00:10:27.200
wie teilen sich die Eltern das Sorge- und das Umgangsrecht.

139
00:10:27.200 --> 00:10:34.800
Also wo ein Kind sich mehrheitlich aufhält, wie die Wochenenden und die Ferien gestaltet werden.

140
00:10:34.800 --> 00:10:42.000
Da ist ein Kind zu beteiligen, denn das betrifft unmittelbar das Kind und den Alltag des Kindes.

141
00:10:42.000 --> 00:10:45.600
Das lässt sich dann auch auf andere Bereiche übertragen.

142
00:10:45.600 --> 00:10:50.000
Aktuell ist es häufig so, dass Kinder und Jugendliche berichten:

143
00:10:50.000 --> 00:10:54.800
Wir werden vielleicht beteiligt daran, wie wir unser Klassenzimmer gestalten.

144
00:10:54.800 --> 00:11:01.200
Aber welche Themen wir für wichtig halten, dass wir sie lernen, daran werden wir nicht beteiligt.

145
00:11:01.200 --> 00:11:07.800
Und solche Diskussionen auch zu führen im Sinne der Beteiligung ist sicherlich ganz wichtig

146
00:11:07.800 --> 00:11:10.800
und wird viel zu wenig gemacht.

147
00:11:10.800 --> 00:11:13.200
Nicht nur, weil Lehrerinnen und Lehrer das nicht wollen,

148
00:11:13.200 --> 00:11:16.200
sondern weil auch die Strukturen dafür gar nicht gegeben sind

149
00:11:16.200 --> 00:11:17.800
und die Zeit gar nicht dafür da ist.

150
00:11:17.800 --> 00:11:23.100
Beteiligung hat ganz viel damit zu tun, wie Strukturen sind,

151
00:11:23.100 --> 00:11:30.100
welche Ressourcen da sind, denn Beteiligungsprozesse benötigen Zeit und einen guten Rahmen,

152
00:11:30.100 --> 00:11:35.800
in dem sich eben auch möglichst viele gut entfalten können und sich einbringen können.

153
00:11:35.800 --> 00:11:40.600
Holger Klein: Also diese Strukturen, die Ressourcen, die sind ja eine Frage des äußeren Rahmens,

154
00:11:40.600 --> 00:11:45.700
also möglicherweise auch der Rechte, die Kindern zugebilligt werden.

155
00:11:45.700 --> 00:11:50.000
In der APuZ habe ich gefunden, da nennen sie vier Narrative, die ins Feld geführt werden,

156
00:11:50.000 --> 00:11:56.500
wenn's darum geht, Kinder mit mehr Rechten, also mehr Macht auszustatten, beziehungsweise das nicht zu tun.

157
00:11:56.500 --> 00:11:59.100
Sie sagen, das ließe sich alles leicht entkräften.

158
00:11:59.100 --> 00:12:01.300
Können wir eigentlich jetzt machen.

159
00:12:01.300 --> 00:12:03.000
Andresen: Genau, also der erste Punkt ist,

160
00:12:03.000 --> 00:12:07.700
man würde generell Verantwortung verschieben von Erwachsenen auf Kinder,

161
00:12:07.700 --> 00:12:12.200
trifft  nicht zu, weil es bei der Forderung nach Kinderrechten und Beteiligung eben nicht darum geht,

162
00:12:12.200 --> 00:12:17.500
dass Zuständigkeiten, die an bestimmte Bereiche gebunden sind,

163
00:12:17.500 --> 00:12:20.000
einfach auf Kinder übertragen werden.

164
00:12:20.000 --> 00:12:23.200
Weil es eben im Gegenteil darum gehen muss,

165
00:12:23.200 --> 00:12:29.200
dass wir uns als auch Erwachsene noch mal sehr viel mehr Klarheit darüber verschaffen,

166
00:12:29.200 --> 00:12:32.300
wofür haben wir denn Verantwortung und ich würde einmal sagen,

167
00:12:32.300 --> 00:12:35.700
dass die Verantwortung der Erwachsenen eigentlich eher zunimmt,

168
00:12:35.700 --> 00:12:41.000
wenn sie dazu bereit sind, Kinder stärker, umfassender zu beteiligen.

169
00:12:41.000 --> 00:12:46.600
Holger Klein: Das zweite Narrativ war Schwächung von Elternrechten.

170
00:12:46.600 --> 00:12:50.700
Andresen: Na ja, wenn wir uns die Debatten, die ja nun schon viele Jahre alt sind,

171
00:12:50.700 --> 00:12:56.600
anschauen zu der Frage, gehören nicht die Kinderrechte ins Grundgesetz?

172
00:12:56.600 --> 00:13:02.200
Dann sind diejenigen, die dagegen argumentieren, ziehen häufig heran,

173
00:13:02.200 --> 00:13:08.100
dass die Stärkung der Kinderrechte die Elternrechte schwächen würden,

174
00:13:08.100 --> 00:13:12.300
weil wir im Grundgesetz ja die Elternrechte verankert haben.

175
00:13:12.300 --> 00:13:20.300
Dabei wird aber unterschlagen, dass die Kinder Teil der Familie sind in der Regel, ja.

176
00:13:20.300 --> 00:13:26.200
Aber sie sind auch unabhängig von der Familie, Rechtsträgerinnen und -träger.

177
00:13:26.200 --> 00:13:30.200
Sie sind Subjekte, das geht nicht auf im Elternrecht.

178
00:13:30.200 --> 00:13:39.700
Hier würde ich auch sagen, starke Kinderrechte ermöglichen auch den Eltern gegenüber dem Staat Rechte einzufordern.

179
00:13:39.700 --> 00:13:46.800
Also, nehmen wir das Recht des Kindes auf Beratung in Konfliktsituationen.

180
00:13:46.800 --> 00:13:51.500
Dieses Recht des Kindes, das ja auch im Interesse vieler Eltern ist,

181
00:13:51.500 --> 00:13:58.700
dass dieses Angebot auf Beratung da ist, ist es eine Stärkung auch gegenüber dem Staat,

182
00:13:58.700 --> 00:14:03.000
hier auch den Verpflichtungen, die mit Rechten einhergehen, nachzukommen.

183
00:14:03.000 --> 00:14:09.700
Also ich habe große Zweifel an diesem Argument,

184
00:14:09.700 --> 00:14:14.600
man würde automatisch mit der Stärkung der Kinderrechte, die Elternrechte schwächen.

185
00:14:14.600 --> 00:14:20.200
Das ist aber das gängigste Argument gegen Kinderrechte im Grundgesetz.

186
00:14:20.200 --> 00:14:23.300
Holger Klein: Tatsächlich? Ich hätte gedacht, das nächste, Abkehr von Erziehung,

187
00:14:23.300 --> 00:14:28.000
wäre wesentlich gängiger, weil dann tun die Blagen ja nicht mehr, was man ihnen sagt,

188
00:14:28.000 --> 00:14:30.700
wenn man ihnen zu viele Rechte gibt, ne?

189
00:14:30.700 --> 00:14:40.000
Andresen: Nichts erregt die öffentlichen Gemüter so sehr wie vermeintlich der Verfall der Erziehung.

190
00:14:40.000 --> 00:14:45.500
Und diese öffentlichen Diskussionen flammen ja immer wieder mal auf.

191
00:14:45.500 --> 00:14:51.100
Historisch betrachtet zieht sich das durch mindestens das gesamte 20. Jahrhundert,

192
00:14:51.100 --> 00:14:54.200
dass es immer wieder solche Diskussionen gibt,

193
00:14:54.200 --> 00:15:02.500
gerade wenn in der Gesellschaft an den Rechten von Kindern orientierte Positionen bezogen werden.

194
00:15:02.500 --> 00:15:10.700
Also gegen die Prügelstrafe im 20. Jahrhundert, für eine stärkere Orientierung an dem,

195
00:15:10.700 --> 00:15:15.700
was Kinder sich wünschen, dafür dass man doch besser aufsteht, wenn das Kind nachts schreit.

196
00:15:15.700 --> 00:15:22.500
Also für Formen einer am Kind orientierten und seinen Bedürfnissen orientierten Erziehungsvorstellungen.

197
00:15:22.500 --> 00:15:27.600
Wenn die in die öffentliche Diskussion gekommen sind, Mütter dafür eingetreten sind,

198
00:15:27.600 --> 00:15:33.600
Pädagogen dafür eingetreten sind, hat es immer auch den Gegendiskurs gegeben,

199
00:15:33.600 --> 00:15:39.100
der genau in solchen Hinwendungen zum Kind einen Verfall gesehen haben.

200
00:15:39.100 --> 00:15:41.700
Holger: Zuletzt, und das ist eigentlich mein Liebling,

201
00:15:41.700 --> 00:15:44.700
Irrationalität von Entscheidungen und Handlungen in der Jugendphase.

202
00:15:44.700 --> 00:15:48.600
Mit anderen Worten: Kinder sind viel zu doof, selbst irgendwas zu entscheiden.

203
00:15:48.600 --> 00:15:50.200
Sind die das wirklich?

204
00:15:50.200 --> 00:15:56.600
Andresen: Nein. Das ist ja ein Vorbehalt, den ich auch schon oft zu hören bekommen habe

205
00:15:56.600 --> 00:16:01.100
als Kindheits- und Jugendforscherin, die genau das macht,

206
00:16:01.100 --> 00:16:04.000
nämlich mit Kindern und Jugendlichen ins Gespräch kommen

207
00:16:04.000 --> 00:16:08.600
oder Kinder und Jugendliche zu bitten, einen Fragebogen auszufüllen.

208
00:16:08.600 --> 00:16:13.600
Und wie oft wird auch von Seiten der Wissenschaft die Frage gestellt,

209
00:16:13.600 --> 00:16:16.200
ja, aber sind das denn valide Aussagen?

210
00:16:16.200 --> 00:16:20.700
Damit wird einerseits zum Ausdruck gebracht, wenn man Erwachsene fragt,

211
00:16:20.700 --> 00:16:27.600
die antworten nicht situationsbedingt, die sagen immer die Wahrheit nach bestem Wissen und Gewissen.

212
00:16:27.600 --> 00:16:31.000
Also so ein Bild von Erwachsenen, das da eigentlich zum Ausdruck kommt,

213
00:16:31.000 --> 00:16:35.000
wenn man in Zweifel zieht, dass Kinder und Jugendliche, Expertinnen auch sind

214
00:16:35.000 --> 00:16:43.700
und sehr wohl Auskunft geben können und sehr wohl auch zwischen unterschiedlichen Optionen abwägen können

215
00:16:43.700 --> 00:16:46.600
und dann eine Entscheidung treffen wollen.

216
00:16:46.600 --> 00:16:50.800
Und da würde ich eher nochmal darauf hinweisen:

217
00:16:50.800 --> 00:16:56.000
Was wissen wir denn über die Rationalität von Entscheidungen Erwachsener?

218
00:16:56.000 --> 00:17:01.000
Also diese Idealisierung, die ist glaube ich in die Kritik zu bringen.

219
00:17:01.000 --> 00:17:02.800
Holger Klein: Wenn ich wenn ich mir Kinder unterschiedlichen Alters angucke,

220
00:17:02.800 --> 00:17:04.700
die haben natürlich unterschiedliche Bedürfnisse,

221
00:17:04.700 --> 00:17:10.700
die sind, was weiß ich, ein Vierjähriger oder so, wird ja wahrscheinlich doch wesentlich impulsiver

222
00:17:10.700 --> 00:17:18.000
und über einen kurzfristigeren Zeitraum die Konsequenzen seiner Handlungen betrachten als ein 17-jähriger zum Beispiel.

223
00:17:18.000 --> 00:17:24.200
Wäre es denn sinnvoll, diese Beteiligung oder auch Rechte nach Alter zu staffeln?

224
00:17:24.200 --> 00:17:29.200
Andresen: Also es ist wichtig, das Alter im Blick zu haben.

225
00:17:29.200 --> 00:17:34.400
Aber Rechte nach Alter staffeln wäre eine Fehlentwicklung.

226
00:17:34.400 --> 00:17:39.200
Denn das Recht auf Bildung, das Recht auf gute Beziehungen,

227
00:17:39.200 --> 00:17:44.500
das Recht auf Gesundheit und Zugang zu medizinischer Versorgung,

228
00:17:44.500 --> 00:17:52.000
das Recht auf Beteiligung, überall dort, wo ein Kind sich aufhält, ist altersunabhängig.

229
00:17:52.000 --> 00:17:52.700
Das sind Grundrechte.

230
00:17:52.700 --> 00:17:59.500
Es geht darum, von Anfang an dem Kind, auch dem Säugling, dem Kleinkind,

231
00:17:59.500 --> 00:18:02.900
dem Kindergartenkind, dem Grundschulkind so zu begegnen,

232
00:18:02.900 --> 00:18:09.200
dass das Kind nicht abhängig davon ist, dass die Erwachsenen alles machen, regeln, managen,

233
00:18:09.200 --> 00:18:16.000
sondern dass es einen Überblick erhält und dass es die Erfahrung macht, dass es mitgestalten kann.

234
00:18:16.000 --> 00:18:21.900
Nicht ohne Grund gibt es viele Initiativen, das Wahlalter herabzusenken.

235
00:18:21.900 --> 00:18:26.900
Auf 16 oder vielleicht auch, wie der Kinderschutzbund zum Beispiel fordert, auf 14 Jahre.

236
00:18:26.900 --> 00:18:33.200
Das ist sicherlich etwas, was in die Struktur unserer demokratisch verfassten Gesellschaft,

237
00:18:33.200 --> 00:18:35.000
was diese adressiert, ja.

238
00:18:35.000 --> 00:18:40.200
Welche prinzipiellen Möglichkeiten der demokratischen Teilhabe,

239
00:18:40.200 --> 00:18:46.000
Beteiligung habe ich und wer wird davon ausgeschlossen?

240
00:18:46.000 --> 00:18:50.700
Und es gibt, wenn wir uns die Befragung von Jugendlichen anschauen,

241
00:18:50.700 --> 00:18:55.700
die Gruppe, die sagt, genau das ist das, was wir wollen, aber es geht auch darum,

242
00:18:55.700 --> 00:19:03.200
dass Sie in der Schule oder am Ausbildungsplatz, an der Universität die Erfahrung machen wollen,

243
00:19:03.200 --> 00:19:08.700
dass sie auch hier beteiligt werden an dem, was sie tagtäglich betrifft.

244
00:19:08.700 --> 00:19:13.000
Holger  Klein: Wenn ich das jetzt kombiniere, also eine eine größere Autonomie im,

245
00:19:13.000 --> 00:19:17.400
ich sage mal, Nahbereich, die dann zu mündigeren Entscheidungen,

246
00:19:17.400 --> 00:19:19.900
also angenommen das Wahlalter wäre gesenkt,

247
00:19:19.900 --> 00:19:22.900
die dann zu mündigeren Entscheidungen an der Wahlurne führen würde,

248
00:19:22.900 --> 00:19:27.000
würden wir insgesamt eine mündigere Gesellschaft werden?

249
00:19:27.000 --> 00:19:30.400
Andresen: Zunächst einmal würde ich mir wünschen,

250
00:19:30.400 --> 00:19:36.900
dass Kinder und Jugendliche und zwar unabhängig davon, in welcher Familie sie aufwachsen,

251
00:19:36.900 --> 00:19:42.500
dass Kinder und Jugendliche die Erfahrung machen: unsere Stimme zählt.

252
00:19:42.500 --> 00:19:47.000
Und auch das ist so ein Narrativ, dem häufig entgegengebracht wird:

253
00:19:47.000 --> 00:19:52.500
Ja, dann, wenn wir das so machen, dann bekommen die Kinder immer Recht.

254
00:19:52.500 --> 00:19:55.400
Darum geht es nicht, darum geht es auch den Kindern und Jugendlichen,

255
00:19:55.400 --> 00:20:00.700
nach dem, was ich aus der Forschung und der Befragung von Kindern und Jugendlichen kenne,

256
00:20:00.700 --> 00:20:02.200
darum geht es auch denen nicht.

257
00:20:02.200 --> 00:20:07.400
Es geht darum, überhaupt die Chance zu bekommen, sich zu beteiligen,

258
00:20:07.400 --> 00:20:12.200
die Interessen einzubringen und in der Diskussion auch abzuwägen

259
00:20:12.200 --> 00:20:17.700
oder meinetwegen zwischen unterschiedlichen Vorschlägen abzustimmen.

260
00:20:17.700 --> 00:20:24.700
Denn die Kinder und Jugendlichen geben unserer Gesellschaft ein eher kritisches Zeugnis.

261
00:20:24.700 --> 00:20:30.000
Sie haben auch als Jugendliche das Gefühl, sie werden nicht ernst genommen,

262
00:20:30.000 --> 00:20:34.200
sie werden allzu oft nur pseudomäßig beteiligt und befragt.

263
00:20:34.200 --> 00:20:38.700
Und es wird allzu oft abgetan, als: Werd erstmal erwachsen.

264
00:20:38.700 --> 00:20:44.500
In dem Bewusstsein derjenigen, die erwachsen sind, mit ihrer Macht und hier würde ich ansetzen.

265
00:20:44.500 --> 00:20:52.500
Und ja, die Perspektive darauf wäre schon, dass damit auch die Demokratie, die demokratische Kultur gewinnen würde.

266
00:20:52.500 --> 00:20:54.500
Holger Klein: Sabine Andresen, vielen Dank.

267
00:20:54.500 --> 00:20:55.500
Andresen: Ich danke Ihnen.

268
00:20:55.500 --> 00:21:01.000
Holger Klein: Wir sollten Kindern mehr Respekt entgegenbringen

269
00:21:01.000 --> 00:21:03.900
und sie mit ihren persönlichen Bedürfnissen ernstnehmen.

270
00:21:03.900 --> 00:21:05.900
Das sagt Sabine Andresen.

271
00:21:05.900 --> 00:21:07.500
Aus unserem Gespräch wird aber auch deutlich,

272
00:21:07.500 --> 00:21:13.000
dass „Kinder“ immer nur der Überbegriff sein kann für eine gar nicht homogene Gruppe.

273
00:21:13.000 --> 00:21:16.200
Wir können Kinder verstehen als „alle unter 18“,

274
00:21:16.200 --> 00:21:20.500
damit umfasst der Begriff aber natürlich junge Menschen in ganz verschiedenen Lebensphasen.

275
00:21:20.500 --> 00:21:22.000
Simon Schnetzer ist Jugendforscher

276
00:21:22.000 --> 00:21:26.700
und unter anderem beteiligt an der Studie „Jugend in Deutschland“, die erscheint halbjährlich.

277
00:21:26.700 --> 00:21:31.900
Und diese Jugendstudie stuft alle 14- bis 29jährigen als Jugendliche ein.

278
00:21:31.900 --> 00:21:33.500
Demnach geht die Jugendphase dann los,

279
00:21:33.500 --> 00:21:37.500
wenn ein gewisses Maß an Persönlichkeitsentwicklung und Selbstständigkeit erreicht ist

280
00:21:37.500 --> 00:21:41.200
und die eigene Zukunft eine realistische Dimension bekommt.

281
00:21:41.200 --> 00:21:45.200
Diese Findungsphase endet nicht automatisch mit der Volljährigkeit.

282
00:21:45.200 --> 00:21:48.500
Und weil Zukunftsfragen für Jugendliche besonders relevant sind,

283
00:21:48.500 --> 00:21:51.500
wirken sich die Krisen der letzten Jahre auf sie besonders deutlich aus,

284
00:21:51.500 --> 00:21:54.200
das zeigen die Studienergebnisse.

285
00:21:54.200 --> 00:21:58.900
Schnetzer: „Das größte Thema war, wie sich in den letzten zwei Jahren die psychische Gesundheit verschlechtert hat.

286
00:21:58.900 --> 00:22:08.000
Diese psychische Belastung aufgrund dieses Dauerkrisenmodus durch Klima, Krieg, Corona, das lastet schwer.

287
00:22:08.000 --> 00:22:12.200
Nicht nur, weil's einfach diese Krisen gibt, sondern die damit verbundenen Unsicherheiten,

288
00:22:12.200 --> 00:22:15.500
dass man nicht mehr das Leben planen kann, wie man es gerne würde.

289
00:22:15.500 --> 00:22:19.000
Man kann zwar Pläne machen, aber man muss gleichzeitig davon ausgehen,

290
00:22:19.000 --> 00:22:21.000
dass sie nicht umsetzbar sind.

291
00:22:21.000 --> 00:22:25.000
Holger Klein: Dieses Gefühl steigert sich jetzt gerade nochmal, auch durch die Inflation.

292
00:22:25.000 --> 00:22:27.500
Simon Schnetzer fällt das auch in seiner Forschung auf:

293
00:22:27.500 --> 00:22:31.400
Geld wird als Motivation immer wichtiger für junge Menschen,

294
00:22:31.400 --> 00:22:33.700
und der Grund dafür ist die Sorge um die Zukunft:

295
00:22:33.700 --> 00:22:37.500
Schnetzer: Das ist kein neuer Materialismus, sondern es ist Existenzialismus

296
00:22:37.500 --> 00:22:40.700
So wie in der Maslow'schen Bedürfnispyramide:

297
00:22:40.700 --> 00:22:42.700
Wir können uns um die Selbstverwirklichung solange kümmern,

298
00:22:42.700 --> 00:22:46.200
solange wir das Gefühl haben, unsere Sicherheitsanforderungen sind safe.

299
00:22:46.200 --> 00:22:51.700
Wenn das nicht mehr gegeben ist, dann müssen wir das wieder in unsere Prioritätenskala nach oben setzen.

300
00:22:51.700 --> 00:22:54.500
Holger Klein: Dass junge Menschen ihre Zukunft als so unsicher wahrnehmen,

301
00:22:54.500 --> 00:22:56.700
wirkt sich auf ihre Lebensplanung aus.

302
00:22:56.700 --> 00:23:00.700
Aber es bedeutet nicht, dass sie jetzt langfristiger planen wollen:

303
00:23:00.700 --> 00:23:07.700
Schnetzer: Es gibt eine Zeit, in der Menschen ihre Work-Life-Balance auf ihre Lebensplanung ausgedehnt haben.

304
00:23:07.700 --> 00:23:10.200
Da haben wir gesagt, so, jetzt ist die Zeit, in der tu ich arbeiten,

305
00:23:10.200 --> 00:23:14.700
vielleicht bauen wir ein Haus, dann müssen wir buckeln, wir verzichten auf Urlaub

306
00:23:14.700 --> 00:23:17.000
und dann irgendwann haben wir einen schönen Ruhestand.

307
00:23:17.000 --> 00:23:19.500
Das kann man tun, wenn man das Gefühl hat, es geht aufwärts,

308
00:23:19.500 --> 00:23:23.000
wir leben in Frieden und die erwartbare Zukunft ist gut.

309
00:23:23.000 --> 00:23:28.900
Junge Menschen heute haben das Gefühl, wir wissen nicht mehr, was in einem oder in zwei Jahren kommt.

310
00:23:28.900 --> 00:23:32.400
Das ist eine krasse Veränderung, wie junge Menschen versuchen,

311
00:23:32.400 --> 00:23:37.200
das Beste aus der Situation zu machen: Wenn ich an den Morgen, an die Zukunft nicht glaube,

312
00:23:37.200 --> 00:23:40.700
brauche ich den Ausgleich und das gute Leben im Hier und Jetzt.

313
00:23:40.700 --> 00:23:44.400
Holger Klein: Simon Schnetzer berichtet auch noch von anderen Untersuchungen.

314
00:23:44.400 --> 00:23:48.200
Mit dem sogenannten Jugendbarometer fragen er und seine Kolleg:innen ab:

315
00:23:48.200 --> 00:23:53.200
Wie fühlst du dich heute und was glaubst du, wie wird sich das in Zukunft entwickeln?

316
00:23:53.200 --> 00:23:56.500
Schnetzer: Wenn wir auf die persönliche Zufriedenheit junger Menschen schauen,

317
00:23:56.500 --> 00:24:01.200
ist die sowohl im Hier und Jetzt als auch mit Blick auf die Zukunft relativ stabil positiv.

318
00:24:01.200 --> 00:24:04.000
Aller Krisen zum Trotz.

319
00:24:04.000 --> 00:24:09.000
Wenn wir auf die Gesellschaft schauen, wie schätzt du die Situation in Deutschland ein,

320
00:24:09.000 --> 00:24:13.000
der Gesellschaft, dann ist die Wahrnehmung viel schlechter.

321
00:24:13.000 --> 00:24:18.700
Und am schlechtesten übrigens, was das Thema Zusammenhalt in der Gesellschaft angeht.

322
00:24:18.700 --> 00:24:22.900
Also Spaltung der Gesellschaft als eine große Sorge, das haben wir eh schon länger aufm Schirm,

323
00:24:22.900 --> 00:24:27.900
aber auch die Einschätzung auf die Zukunft ist, das wird wirklich schlechter werden.

324
00:24:27.900 --> 00:24:31.200
Holger Klein: Es entsteht also eine Spaltung zwischen der privaten Zufriedenheit

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00:24:31.200 --> 00:24:35.200
und dem, was junge Menschen für die Zukunft unserer Gesellschaft prognostizieren.

326
00:24:35.200 --> 00:24:40.000
Simon Schnetzer meint, dass da gerade in den letzten Jahren einiges schiefgelaufen ist:

327
00:24:40.000 --> 00:24:46.700
Schnetzer: Das Riesenproblem ist, dass junge Menschen in diesen sämtlichen Krisen in eine Opferrolle gesteckt wurden

328
00:24:46.700 --> 00:24:51.000
und keinen Raum bekommen haben, um sich kreativ konstruktiv,

329
00:24:51.000 --> 00:24:54.900
durch Beteiligungsformate für die Lösung der Krisen einzusetzen.

330
00:24:54.900 --> 00:24:58.000
Und wenn wir wollen, dass junge Menschen an die Zukunft glauben,

331
00:24:58.000 --> 00:24:59.900
müssen sie eine Chance bekommen, diese mitzugestalten.

332
00:24:59.900 --> 00:25:05.500
Holger Klein: Und er erklärt auch, wie das gehen kann und damit sind wir wieder beim Thema Beteiligung.

333
00:25:05.500 --> 00:25:08.500
Schnetzer: Das Zauberwort ist ja letztlich das Thema Selbstwirksamkeit.

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00:25:08.500 --> 00:25:15.200
Jungen Menschen, die sich einbringen, nicht nur danach zu sagen, schön danke, dass ihr dabei wart.

335
00:25:15.200 --> 00:25:16.200
Jetzt landet es in der Schublade.

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00:25:16.200 --> 00:25:21.700
Sondern immer auch gleich aufzeigen, wie Beteiligung zu einer Wirkung hinführen kann.

337
00:25:21.700 --> 00:25:26.200
Und nur noch ein Beispiel, um so was zu verdeutlichen.

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00:25:26.200 --> 00:25:32.700
Der Krieg gegen die Ukraine fing an und ganz viele junge Menschen waren einfach total wie paralysiert.

339
00:25:32.700 --> 00:25:35.900
Und jetzt konnten die aber zum Teil und es gab schöne Beispiele,

340
00:25:35.900 --> 00:25:39.200
die dann in ihren Schulen einen Pausenverkauf gemacht haben,

341
00:25:39.200 --> 00:25:43.200
Dinge verkauft haben und das dann für Flüchtlinge gespendet haben.

342
00:25:43.200 --> 00:25:48.000
Auf diese Weise, durch dieses Engagement haben sie sich Teil von einer Lösung gefühlt

343
00:25:48.000 --> 00:25:51.700
und hatten das Gefühl, wenigstens einen Beitrag zu leisten.

344
00:25:51.700 --> 00:25:56.700
Das sind dann oft kleine Dinge, wodurch man sich aber mit der Situation beschäftigt und merkt,

345
00:25:56.700 --> 00:26:00.700
man hat einen Beitrag, wofür man letztlich dann auch wieder Wertschätzung bekommt.

346
00:26:00.700 --> 00:26:04.000
Also es muss gar nicht immer die große politische Entscheidung sein,

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00:26:04.000 --> 00:26:09.900
sondern vielmehr zählt der Wille, auch auf lokalen Ebenen, auch in Unternehmen,

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00:26:09.900 --> 00:26:15.000
in Schulen immer wieder zu sagen: Hier ist ein großes Problem, wie könnt ihr dazu beitragen?

349
00:26:15.000 --> 00:26:20.000
Und da würde ich an die Politik appellieren wollen, dass sie dieses Ziele-setzen,

350
00:26:20.000 --> 00:26:25.400
Erfolgserlebnisse-haben, verinnerlichen und junge Menschen beteiligen:

351
00:26:25.400 --> 00:26:29.000
Was sind Ziele, die wir haben können, wozu ihr beitragen könnt,

352
00:26:29.000 --> 00:26:32.700
um aus diesen Erfolgserlebnissen, die wir dann aber auch sichtbar machen,

353
00:26:32.700 --> 00:26:37.700
auch feiern, zu merken: Wir können diesen Krisenmodus durchbrechen.

354
00:26:37.700 --> 00:26:44.000
*Musik*

355
00:26:44.000 --> 00:26:46.000
Holger Klein: Sabine Andresen und Simon Schnetzer betonen beide:

356
00:26:46.000 --> 00:26:49.400
Kinder und Jugendliche werden nicht genug mit einbezogen.

357
00:26:49.400 --> 00:26:52.700
Ihr Bedürfnis nach eigenen Entscheidungen wird oftmals übergangen.

358
00:26:52.700 --> 00:26:56.500
Gleichzeitig fehlt dadurch das Gefühl, dass sie überhaupt etwas bewirken können.

359
00:26:56.500 --> 00:27:00.000
Der Protest junger Menschen hat zwar in den vergangenen Jahren viel bewirkt,

360
00:27:00.000 --> 00:27:04.400
schauen wir etwa auf Fridays for Future oder auf den jüngsten Bundestag aller Zeiten,

361
00:27:04.400 --> 00:27:10.700
aber gerade während der Corona-Pandemie wurden viele solcher bestärkenden Momente für junge Menschen im Alltag ausgebremst.

362
00:27:10.700 --> 00:27:13.200
Was wir also mitnehmen können:

363
00:27:13.200 --> 00:27:17.000
1. Wenn sich die Gesellschaft gut um Kinder kümmern will,

364
00:27:17.000 --> 00:27:21.000
dann geht es immer darum, die Balance zu halten zwischen Schutz und Autonomie für die Kinder.

365
00:27:21.000 --> 00:27:23.500
Das hat Sabine Andresen erklärt.

366
00:27:23.500 --> 00:27:28.000
2. Jugendliche in Deutschland leiden unter dem permanenten Krisenmodus.

367
00:27:28.000 --> 00:27:31.200
Weil ihnen Erfolge und Selbstwirksamkeit besonders wichtig sind,

368
00:27:31.200 --> 00:27:35.000
sollten sie politisch mehr einbezogen werden, findet Simon Schnetzer.

369
00:27:35.000 --> 00:27:38.000
3. O-Ton Kind: Junge Menschen sollten wählen.

370
00:27:38.000 --> 00:27:42.500
Dass die jungen Menschen auch mal zeigen, hey, so geht's nicht weiter,

371
00:27:42.500 --> 00:27:46.200
dass wir zeigen, dass wir das nicht wollen und, dass es Themen gibt,

372
00:27:46.200 --> 00:27:49.500
die ziemlich schlimm sind, dass wir das ändern müssen.

373
00:27:49.500 --> 00:27:54.000
Holger Klein: Das war „Aus Politik und Zeitgeschichte“.

374
00:27:54.000 --> 00:27:58.500
In der APuZ zum Thema „Kinder und Politik“ finden Sie von Sabine Andresen einen Text

375
00:27:58.500 --> 00:28:02.000
zur gesellschaftlichen Aufarbeitung von sexueller Gewalt gegen Kinder,

376
00:28:02.000 --> 00:28:04.000
wenn Sie zu diesem Thema Weiterlesen möchten.

377
00:28:04.000 --> 00:28:07.400
Dort finden Sie auch das Interview mit Frieda, Erik, Malou und Lumina,

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00:28:07.400 --> 00:28:09.000
die wir in dieser Folge gehört haben.

379
00:28:09.000 --> 00:28:14.500
Und Simon Schnetzer hat zusammen mit Klaus Hurrelmann einen Text in der APuZ „Jugend und Protest“ veröffentlicht.

380
00:28:14.500 --> 00:28:18.500
Den Link zu beiden Ausgaben finden Sie in den Shownotes.

381
00:28:18.500 --> 00:28:21.700
Und natürlich freuen wir uns, wenn Sie Feedback zu dieser Folge haben.

382
00:28:21.700 --> 00:28:27.200
Fragen, Lob, aber auch Kritik können Sie uns schicken an apuz@bpb.de

383
00:28:27.200 --> 00:28:29.700
In vier Wochen erscheint die nächste Folge.

384
00:28:29.700 --> 00:28:33.900
Dann sprechen wir über das Olympia-Attentat in München 1972.

385
00:28:33.900 --> 00:28:37.200
Ich bin Holger Klein, und ich danke für die Aufmerksamkeit.

386
00:28:37.200 --> 00:28:54.200
*Musik*

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00:28:54.200 --> 00:28:58.900
Der Podcast „Aus Politik und Zeitgeschichte“ wird von der APuZ-Redaktion in Zusammenarbeit mit hauseins produziert.

388
00:28:58.900 --> 00:29:03.500
Redaktion für diese Folge: Gina Enslin, Julia Günther und Anne Seibring.

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00:29:03.500 --> 00:29:08.500
Interviews mit den Kindern: Andrea Sievers. Schnitt: Oliver Kraus. Musik: Joscha Grunewald.

390
00:29:08.500 --> 00:29:12.000
Produktion: hauseins. Am Mikrofon war Holger Klein.

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00:29:12.000 --> 00:29:14.400
Die Folgen stehen unter der Creative Commons Lizenz

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und dürfen unter Nennung der Herausgeberin zu nichtnichtkommerziellen Zwecken weiterverbreitet werden.

