WEBVTT

00:00:00.000 --> 00:00:02.800
Holger Klein: Willkommen zu „Aus Politik und Zeitgeschichte“,

00:00:02.800 --> 00:00:06.600
einem Podcast der Bundeszentrale für politische Bildung.

00:00:06.600 --> 00:00:10.700
Ich bin Holger Klein, und wir sprechen heute über den Nahostkonflikt.

00:00:10.700 --> 00:00:14.000
Wenn Sie sich nach dem Hören tiefer mit dem Thema befassen wollen,

00:00:14.000 --> 00:00:18.700
finden Sie die Zeitschrift zum Thema auf bpb.de/apuz.

00:00:18.700 --> 00:00:21.800
*Musik*

00:00:21.800 --> 00:00:23.800
Der seit Jahrzehnten anhaltende Nahostkonflikt hat mit den Geschehnissen

00:00:23.800 --> 00:00:29.300
seit dem 07. Oktober 2023 eine neue Dimension erreicht.

00:00:29.300 --> 00:00:33.900
1.200 Menschen wurden an diesem Tag von Terroristen der Hamas in Israel ermordet,

00:00:33.900 --> 00:00:37.400
240 als Geiseln in den Gazastreifen entführt.

00:00:37.400 --> 00:00:40.700
Israel reagierte mit einem großangelegten Militäreinsatz,

00:00:40.700 --> 00:00:44.300
um die Hamas im Gazastreifen zu zerschlagen.

00:00:44.300 --> 00:00:46.900
Zehntausende Menschen sind seitdem getötet worden.

00:00:46.900 --> 00:00:50.400
Die humanitäre Lage in Gaza ist katastrophal.

00:00:50.400 --> 00:00:53.700
Angesichts dieser beispiellosen Eskalation schauen wir in dieser Folge

00:00:53.700 --> 00:00:57.000
mit dem Politikwissenschaftler Stephan Stetter auf die Ursprünge

00:00:57.000 --> 00:00:59.300
und die Entwicklung des Nahostkonflikts

00:00:59.300 --> 00:01:02.200
Stepahn Stetter: Dieser Widerspruch konnte bisher noch nicht aufgelöst werden

00:01:02.200 --> 00:01:07.300
und er hat etwas mit dieser kolonialen Vergangenheit auch dieser Region zu tun.

00:01:07.300 --> 00:01:10.300
Er hat was mit den nationalen Ansprüchen zu tun

00:01:10.300 --> 00:01:13.800
und dass diese Fragen eben nicht sehr frühzeitig schon geklärt wurden

00:01:13.800 --> 00:01:15.500
und uns eigentlich bis heute auch begleiten.

00:01:15.500 --> 00:01:19.300
Holger Klein: Und wie wir in Deutschland im Bereich der politischen Bildung mit der Komplexität

00:01:19.300 --> 00:01:22.100
und den aktuellen Entwicklungen in diesem Konflikt umgehen,

00:01:22.100 --> 00:01:25.500
das haben wir Deborah Schnabel, Direktorin der Bildungsstätte Anne Frank,

00:01:25.500 --> 00:01:28.000
und den Berliner Lehrer Mehmet Can gefragt

00:01:28.000 --> 00:01:32.900
Deborah Schnabel: Ich glaube, sehr essentiell für das ganze Thema ist der Perspektivwechsel

00:01:32.900 --> 00:01:35.800
und auch das Thema Empathie, also überhaupt erstmal zu verstehen,

00:01:35.800 --> 00:01:41.400
aus welcher Perspektive heraus schaue ich denn eigentlich auf den Nahostkonflikt.

00:01:41.400 --> 00:01:46.100
Mehmet Can: Leider Gottes muss man sagen, dass man in Deutschland ein ganzes Lehramt-Studium absolviert haben kann,

00:01:46.100 --> 00:01:48.400
ohne sich in einer angemessenen Form mit Themen wie

00:01:48.400 --> 00:01:53.600
Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Homophobie entsprechend auseinandergesetzt zu haben.

00:01:53.600 --> 00:02:09.700
*Musik*

00:02:09.700 --> 00:02:12.200
Holger Klein: Es sind verstörende Bilder, die seit dem 07. Oktober aus Israel

00:02:12.200 --> 00:02:14.900
und dem Gazastreifen die ganze Welt bewegen.

00:02:14.900 --> 00:02:18.300
Zuerst vom größten Massaker an Jüdinnen und Juden seit dem Holocaust.

00:02:18.300 --> 00:02:22.000
Gefolgt von einem Krieg mit zehntausenden Todesopfern.

00:02:22.000 --> 00:02:26.200
Der Krieg im Nahen Osten hat katastrophale Folgen für die Menschen in Israel und Gaza.

00:02:26.200 --> 00:02:31.000
Er betrifft die gesamte Region und er wird weltweit, auch in Deutschland, heftig diskutiert.

00:02:31.000 --> 00:02:37.200
Das liegt unter anderem an der langen und komplexen Geschichte des Nahostkonflikts.

00:02:36.200 --> 00:02:38.700
Über die habe ich mit Stephan Stetter gesprochen.

00:02:38.700 --> 00:02:44.300
Er ist Professor für Internationale Politik und Konfliktforschung an der Universität der Bundeswehr in München.

00:02:44.300 --> 00:02:48.100
Ein Hinweis vorab: Wir werden das Gespräch zwischendurch unterbrechen

00:02:48.100 --> 00:02:53.000
und Hintergrundinformationen zum Verlauf und den wichtigsten Akteuren des Nahostkonflikts geben.

00:02:53.000 --> 00:02:58.600
Das Gespräch mit Stephan Stetter in voller Länge stellen wir zusätzlich als Sonderfolge dieses Podcasts zur Verfügung.

00:02:58.600 --> 00:03:04.400
*Musik*

00:03:04.400 --> 00:03:05.100
Holger Klein: Hallo Herr Stetter.

00:03:05.100 --> 00:03:06.000
Stepahn Stetter: Schönen guten Tag, Herr Klein.

00:03:06.000 --> 00:03:09.100
Holger Klein: Mal so ganz allgemein gefragt,

00:03:09.100 --> 00:03:13.500
warum ist das alles so dermaßen schwierig da in dem Nahost-Konflikt?

00:03:13.500 --> 00:03:16.500
Stepahn Stetter: Ich glaube, das fängt ein bisschen schon beim Namen an,

00:03:16.500 --> 00:03:18.700
wenn ich das einleitend sagen darf.

00:03:18.700 --> 00:03:21.800
„Nahostkonflikt“ bezieht sich ja auf eine ganze große Region,

00:03:21.800 --> 00:03:26.700
eine Region, in der es sehr, sehr viele politische Spannungen gibt,

00:03:26.700 --> 00:03:31.000
ungelöste politische Konflikte und auch ungelöste Gewaltkonflikte.

00:03:31.000 --> 00:03:34.900
Genau genommen reden wir ja jetzt vom israelisch-palästinensischen Konflikt,

00:03:34.900 --> 00:03:39.100
aber mit den Jahrzehnten hat dieser Konflikt eine Bedeutung gewonnen,

00:03:39.100 --> 00:03:45.300
die eine weltweite Reichweite hat und für den man auch den Begriff nimmt,

00:03:45.300 --> 00:03:48.900
der eigentlich für diese gesamte Region steht, in denen es ja auch viele Konflikte gibt,

00:03:48.900 --> 00:03:53.200
die mit Israel und Palästina nicht direkt zu tun haben.

00:03:53.200 --> 00:03:57.400
Holger Klein: Was macht denn den israelisch-palästinensischen Konflikt überhaupt so besonders?

00:03:57.400 --> 00:03:59.000
Stepahn Stetter: Dieser Konflikt ist erstmal,

00:03:59.000 --> 00:04:05.100
ich sage das mal in der etwas nüchternen Sprache der Politikwissenschaft oder der Konfliktforschung

00:04:05.100 --> 00:04:07.200
Es ist ein ethnonationaler Konflikt.

00:04:07.200 --> 00:04:12.900
Es gibt hier zwei Bevölkerungsgruppen, die nach nationaler Selbstbestimmung streben.

00:04:12.900 --> 00:04:17.300
Und das ist natürlich ein Vorgehen, ein politisches Phänomen,

00:04:17.300 --> 00:04:20.300
das wir in vielen Ländern, vor allem des globalen Südens sehen können,

00:04:20.300 --> 00:04:24.600
dass das Länder sind, die von Europa dominiert worden sind.

00:04:24.600 --> 00:04:26.900
Das gilt auch für den Nahen Osten,

00:04:26.900 --> 00:04:31.300
spätestens als dann Großbritannien und Frankreich in der Region dominant wurden

00:04:31.300 --> 00:04:34.700
in den 1920er Jahren nach dem Ersten Weltkrieg.

00:04:34.700 --> 00:04:37.800
Es gilt ein bisschen davor auch schon für das osmanische Reich,

00:04:37.800 --> 00:04:42.700
in dem ja diese Region liegt, in der es Juden, in der es Araber gibt,

00:04:42.700 --> 00:04:44.700
die nach nationaler Selbstbestimmung gestrebt haben,

00:04:44.700 --> 00:04:47.000
wie in vielen anderen Regionen der Welt auch.

00:04:47.000 --> 00:04:50.100
Und dieser Widerspruch konnte bisher noch nicht aufgelöst werden

00:04:50.100 --> 00:04:55.000
und er hat etwas mit dieser kolonialen Vergangenheit auch dieser Region zu tun.

00:04:55.000 --> 00:04:58.500
Er hat was mit den nationalen Ansprüchen zu tun

00:04:58.500 --> 00:05:01.400
und dass diese Fragen eben nicht sehr frühzeitig schon geklärt wurden

00:05:01.400 --> 00:05:04.000
und uns eigentlich bis heute auch begleiten.

00:05:04.000 --> 00:05:09.100
*Musik*

00:05:09.100 --> 00:05:11.200
Holger Klein: Damit man die heutige Situation besser verstehen kann,

00:05:11.200 --> 00:05:13.700
hilft ein Blick in die Vergangenheit der Region

00:05:13.700 --> 00:05:19.300
Ende des . Jahrhunderts sind Jüdinnen und Juden in Europa großen Anfeindungen ausgesetzt.

00:05:19.300 --> 00:05:24.200
Religiöser, nationalistischer und rassistischer Antisemitismus sind weit verbreitet.

00:05:24.200 --> 00:05:27.500
Manche organisieren sich daher in der zionistischen Bewegung,

00:05:27.500 --> 00:05:31.600
die nach einem eigenen Staat strebt, in dem Juden sicher leben können.

00:05:31.600 --> 00:05:34.800
Nach und nach wandern immer mehr Jüdinnen und Juden nach Palästina aus,

00:05:34.800 --> 00:05:37.700
wo es in der Antike bereits einen jüdischen Staat gegeben hatte

00:05:37.700 --> 00:05:41.800
und wo auch im . Jahrhundert Jüdinnen und Juden lebten.

00:05:41.800 --> 00:05:46.300
Gleichzeitig leben in diesem Gebiet seit Jahrhunderten mehrheitlich Araberinnen und Araber,

00:05:46.300 --> 00:05:48.900
sowohl Christen als auch Muslime.

00:05:48.900 --> 00:05:54.800
Zu dieser Zeit ist Palästina Teil des Osmanischen Reichs, das allerdings nach dem Ersten Weltkrieg zerfällt.

00:05:54.800 --> 00:05:59.200
Der Völkerbund überträgt daraufhin Großbritannien die Kontrolle über das Territorium.

00:05:59.200 --> 00:06:02.000
Das britische Mandatsgebiet Palästina entsteht,

00:06:02.000 --> 00:06:05.300
begleitet von Konflikten zwischen der jüdischen und arabischen Bevölkerung,

00:06:05.300 --> 00:06:08.800
die beide einen Staat für ihre jeweilige Gruppe anstreben.

00:06:08.800 --> 00:06:12.200
Die Araberinnen und Araber im Mandatsgebiet verstehen sich in dieser Zeit,

00:06:12.200 --> 00:06:17.500
auch durch Konflikte mit Juden und Briten, mehr und mehr als „Palästinenserinnen und Palästinenser“,

00:06:17.500 --> 00:06:20.400
mit eigener kultureller und politischer Identität.

00:06:20.400 --> 00:06:23.100
*Musik*

00:06:23.100 --> 00:06:28.500
Wenn wir in die Vergangenheit zurückgucken, wie hätte man das designen müssen,

00:06:28.500 --> 00:06:32.200
um diesen Konflikt, den wir heute sehen, von vornherein verhindern zu können

00:06:32.200 --> 00:06:34.800
oder zumindest abmildern zu können?

00:06:34.800 --> 00:06:38.900
Stepahn Stetter: Ja, das Patentrezept, das einzige, gibt es nicht, aber man kann zurückgucken.

00:06:38.900 --> 00:06:41.100
Man kann sagen, was sind Fehler, die gemacht wurden?

00:06:41.100 --> 00:06:43.600
Wir können in den Ersten Weltkrieg zurückgehen.

00:06:43.600 --> 00:06:48.900
Da hat das Osmanische Reich gekämpft, ein enger Verbündeter übrigens des Deutschen Reiches.

00:06:48.900 --> 00:06:52.100
Da gab es eine enge Allianz zwischen den beiden Seiten.

00:06:52.100 --> 00:06:55.900
Und Großbritannien war auf der anderen Seite in diesem Krieg.

00:06:55.900 --> 00:06:59.900
Und Großbritannien hatte ein sehr starkes Interesse an dieser Region,

00:06:59.900 --> 00:07:04.800
die ja, wenn man sich die Karte anschaut, zwischen Großbritannien und Indien liegt,

00:07:04.800 --> 00:07:10.000
was ja das wichtigste Besitztum des britischen Empires gewesen ist.

00:07:10.000 --> 00:07:11.900
Großbritannien hat dieses Gebiet übernommen.

00:07:11.900 --> 00:07:15.800
Es wollte den Krieg gewinnen gegen Deutschland, gegen das Osmanische Reich,

00:07:15.800 --> 00:07:17.600
die haben beide den Krieg dann auch verloren.

00:07:17.600 --> 00:07:24.100
Und Großbritannien hat in diesem Krieg zwei Seiten ziemlich gleichlautende Versprechungen gemacht.

00:07:24.100 --> 00:07:26.500
Auf der einen Seite der arabischen Seite.

00:07:26.500 --> 00:07:33.600
Nämlich: Ihr könnt dann politische Selbstbestimmung haben über das Gebiet, das euch sozusagen zusteht.

00:07:33.600 --> 00:07:39.700
Das war nicht so klar definiert, aber die arabische Seite hat ganz sicher das historische Palästina dazu gezählt.

00:07:39.700 --> 00:07:44.900
Gleichzeitig hat Großbritannien in der Balfourerklärung 1917 der jüdischen Seite,

00:07:44.900 --> 00:07:48.600
der zionistischen Bewegung, eine nationale Heimstätte in Palästina versprochen.

00:07:48.600 --> 00:07:51.800
Also, man hat eigentlich beiden Seiten versprochen, ihr kriegt dort etwas.

00:07:51.800 --> 00:07:55.300
„Staat“ stand da nicht, aber das war doch irgendwie die Vorstellung.

00:07:55.300 --> 00:07:58.100
Und das heißt, Großbritannien hat da, würde man vielleicht sagen,

00:07:58.100 --> 00:08:02.700
so eine Machtpolitik betrieben, zwei Seiten, die nützlich waren, etwas versprochen,

00:08:02.700 --> 00:08:06.200
aber seine Versprechen da nicht wirklich umgesetzt

00:08:06.200 --> 00:08:10.800
und auch nicht umsetzen können, weil nicht klar war, wie trennt man das dann eigentlich.

00:08:10.800 --> 00:08:14.100
*Musik*

00:08:14.100 --> 00:08:16.700
Holger Klein: Soweit die Folgen des Ersten Weltkriegs.

00:08:16.700 --> 00:08:20.500
Mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust verschärft sich die Lage weiter

00:08:20.500 --> 00:08:26.000
Hunderttausende europäische Jüdinnen und Juden, die überlebt haben, suchen in Palästina eine Zukunft.

00:08:26.000 --> 00:08:28.500
Die Vereinten Nationen erarbeiten einen Teilungsplan

00:08:28.500 --> 00:08:33.200
Eine Zwei-Staaten-Lösung, mit Jerusalem unter internationaler Verwaltung.

00:08:33.200 --> 00:08:38.200
1948 wird von der zionistischen Bewegung der Staat Israel ausgerufen.

00:08:38.200 --> 00:08:43.800
Kurz darauf erklären die umliegenden arabischen Staaten und palästinensische Gruppen Israel den Krieg.

00:08:43.800 --> 00:08:47.700
Dieser sogenannte Palästinakrieg endet mit dem Sieg Israels,

00:08:47.700 --> 00:08:51.000
das am Ende Dreiviertel des ehemaligen britischen Mandats einnimmt.

00:08:51.000 --> 00:08:54.500
Für Israel ist es der „Unabhängigkeitskrieg“.

00:08:54.500 --> 00:08:58.500
Palästinenserinnen und Palästinenser sprechen von dem Krieg als der „Nakba“,

00:08:58.500 --> 00:09:01.500
was sich als „Katastrophe“ übersetzen lässt.

00:09:01.500 --> 00:09:06.100
Denn es kommt zwischen 1947 und 1949 zu erheblichen Vertreibungen

00:09:06.100 --> 00:09:09.300
Bis zu .000 Palästinenserinnen und Palästinenser fliehen,

00:09:09.300 --> 00:09:14.300
vor allem ins Westjordanland, den Gazastreifen und die benachbarten Länder.

00:09:14.300 --> 00:09:16.600
Die Vertreibungen wirken bis heute nach

00:09:16.600 --> 00:09:19.700
Flüchtlingslager entwickeln sich über die Jahre zu eng bebauten Stadtvierteln

00:09:19.700 --> 00:09:22.100
und Hunderttausende sind dauerhaft auf humanitäre Hilfe

00:09:22.100 --> 00:09:27.500
durch das UN-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten, UNRWA, angewiesen.

00:09:27.500 --> 00:09:31.000
Fast jede palästinensische Familie betrifft diese Erfahrung,

00:09:31.000 --> 00:09:35.200
so wird die Nakba zum zentralen Motiv für den palästinensischen Widerstand.

00:09:35.200 --> 00:09:39.800
Ab den 1960er Jahren führt die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO,

00:09:39.800 --> 00:09:45.400
die zur wichtigsten politischen Kraft der Palästinenser wird, einen Guerillakrieg gegen Israel.

00:09:45.400 --> 00:09:48.100
Weltweit kommt es zu Attentaten und Entführungen.

00:09:48.100 --> 00:09:52.900
Gleichzeitig versucht die PLO sich auch auf diplomatischer Bühne fest zu etablieren.

00:09:52.900 --> 00:09:54.300
Und es kommt zu weiteren Kriegen

00:09:54.300 --> 00:09:59.500
Etwa dem sogenannten 6-Tage-Krieg bzw. Junikrieg 1967,

00:09:59.500 --> 00:10:03.400
in dem Israel in einem Präventivkrieg gegen seine arabischen Nachbarn kämpft

00:10:03.400 --> 00:10:07.600
und im Anschluss den Gaza-Streifen, das Westjordanland und Ostjerusalem,

00:10:07.600 --> 00:10:11.100
die Golanhöhen und die Sinai-Halbinsel besetzt.

00:10:11.100 --> 00:10:14.100
Es folgen israelische Siedlungsaktivitäten in diesen Gebieten,

00:10:14.100 --> 00:10:17.500
die einen Verstoß gegen internationales Recht darstellen.

00:10:17.500 --> 00:10:21.200
Der Sinai und die dortigen Siedlungen wurden

00:10:21.200 --> 00:10:24.600
nach dem israelisch-ägyptischen Friedensschluss in Camp David geräumt.

00:10:24.600 --> 00:10:27.900
Eine Folge eines machtpolitischen Gleichgewichts zwischen Israel und Ägypten

00:10:27.900 --> 00:10:33.200
nach dem Jom Kippur bzw. Oktoberkreig .

00:10:33.200 --> 00:10:39.200
1987 beginnt die sogenannte Erste Intifada, arabisch für „Erhebung, Abschüttelung“.

00:10:39.200 --> 00:10:43.900
Dieser palästinensische Aufstand wird von Israel in den nächsten Jahren militärisch bekämpft.

00:10:43.900 --> 00:10:48.400
Aber es entstehen sowohl in der israelischen als auch palästinensischen Gesellschaft Gegenbewegungen,

00:10:48.400 --> 00:10:50.900
die einen politischen Ausgleich suchen.

00:10:50.900 --> 00:10:56.300
Anfang der 90er Jahre kommt es dann zu Verhandlungen und die Oslo-Verträge werden unterzeichnet

00:10:56.300 --> 00:10:59.200
Die durch Israel besetzten Gebiete soll fortan die PA,

00:10:59.200 --> 00:11:02.500
die Palästinensische Autonomiebehörde, verwalten

00:11:02.500 --> 00:11:05.800
und ein abschließender Friedensvertrag soll ausgehandelt werden.

00:11:05.800 --> 00:11:09.800
Doch der Friedensprozess kommt zum Erliegen, torpediert durch radikale Kräfte

00:11:09.800 --> 00:11:14.900
In Israel wird 1995 Ministerpräsident und Oslo-Unterzeichner Jitzchak Rabin

00:11:14.900 --> 00:11:17.800
von einem rechtsextremen Israeli ermordet.

00:11:17.800 --> 00:11:24.400
Die israelische Siedlungspolitik, mit ihren negativen Auswirkungen auf den Alltag der Palästinenser, findet keine Unterbrechung.

00:11:24.400 --> 00:11:28.500
Auf palästinensischer Seite gewinnen islamistische Strömungen wie die Hamas an Gewicht.

00:11:28.500 --> 00:11:33.300
Sie üben zahlreiche Terroranschläge in Israel aus, die gerade auch Zivilisten treffen.

00:11:33.300 --> 00:11:36.800
Auch andere palästinensische Gruppen verüben solche Anschläge.

00:11:36.800 --> 00:11:43.000
Von 2000 bis 2005 kommt es zur Zweiten Intifada, einem weiteren palästinensischen Aufstand,

00:11:43.000 --> 00:11:45.900
verbunden mit ausufernder Gewalt und Terror.

00:11:45.900 --> 00:11:51.200
In der Folge baut Israel militärische Sperranlagen an der Grenze zum und im Westjordanland auf,

00:11:51.200 --> 00:11:55.500
die palästinensischen Gebiete unterliegen einer immer strengeren Besatzung,

00:11:55.500 --> 00:11:58.900
auch der Gazastreifen ist umgeben von einem meterhohen Sicherheitszaun.

00:11:58.900 --> 00:12:01.100
Diplomatische Bemühungen zwischen den Konfliktparteien

00:12:01.100 --> 00:12:05.300
oder unter Vermittlung internationaler Akteure können keine Kraft mehr entfalten.

00:12:05.300 --> 00:12:10.800
Die Friedensbereitschaft in weiten Teilen der israelischen und palästinensischen Gesellschaft nimmt rapide ab.

00:12:10.800 --> 00:12:13.300
*Musik*

00:12:13.300 --> 00:12:19.900
An welchen Punkten hat es Möglichkeiten gegeben, diesen Konflikt zu lösen,

00:12:19.900 --> 00:12:22.500
die man hat verstreichen lassen natürlich?

00:12:22.500 --> 00:12:25.100
Stepahn Stetter: Ja, es gab ein paar dieser Punkte.

00:12:25.100 --> 00:12:27.600
Eine Lösung wäre sicherlich gewesen nach dem Ersten Weltkrieg,

00:12:27.600 --> 00:12:32.600
als auch einer der arabischen Führer der spätere König von Irak,

00:12:32.600 --> 00:12:36.700
Faisal zusammen mit einem der Führer der zionistischen Bewegung, Weizmann,

00:12:36.700 --> 00:12:40.400
in einem engen Austausch stand und man auch verhandelt hat,

00:12:40.400 --> 00:12:45.200
eigentlich über die Fragen, um die es auch bis heute geht: Grenzen, Sicherheit und so weiter.

00:12:45.200 --> 00:12:48.500
Und es war durchaus ein Ausgleichswille da.

00:12:48.500 --> 00:12:52.600
Man muss dazusagen und das sehen wir immer wieder, wenn es zu diesen Schritten kommt,

00:12:52.600 --> 00:12:57.500
dass ein wirklich politischer Ausgleich nicht nur von außen sozusagen verhindert wird,

00:12:57.500 --> 00:13:00.600
wie ich das jetzt so ein bisschen diskutiert hab mit Großbritannien,

00:13:00.600 --> 00:13:04.000
oder dass es internationale Interessen gibt, die eine Lösung schwierig machen.

00:13:04.000 --> 00:13:10.000
Man muss natürlich auch sehen, dass es auf beiden Seiten politische Lager gibt,

00:13:10.000 --> 00:13:14.900
die sehr nationalistisch sind, die einen maximalistischen, territorialen Anspruch haben

00:13:14.900 --> 00:13:19.700
und das gibt es sowohl in der zionistischen Bewegung, als auch auf der palästinensischen Seite

00:13:19.700 --> 00:13:22.400
und diese Kräfte wirken im Inneren fast wie Veto-Spieler,

00:13:22.400 --> 00:13:26.300
die also immer wenn es in Richtung eines Ausgleichs kommt,

00:13:26.300 --> 00:13:31.500
diesen Ausgleich behindern können, oft durch den Einsatz roher Gewalt,

00:13:31.500 --> 00:13:34.700
wie wir das ja jetzt auch jüngst in den letzten Monaten sehen,

00:13:34.700 --> 00:13:38.200
etwa nach dem Anschlag der Hamas vom 07. Oktober.

00:13:38.200 --> 00:13:38.800
Das ist also, was auch immer da ist.

00:13:38.800 --> 00:13:41.300
Aber das wäre eine Möglichkeit gewesen.

00:13:41.300 --> 00:13:44.300
Ein großer Wechsel war dann der Frieden zwischen Israel und Ägypten,

00:13:44.300 --> 00:13:48.100
Ägypten ist ja eine arabische Führungsmacht, aber am Ende,

00:13:48.100 --> 00:13:52.300
auch wenn das dort auch um die Frage der dann besetzten Gebiete ging,

00:13:52.300 --> 00:13:56.500
denn die waren ja, die Westbank, Gaza, sind seit 1967 durch Israel besetzt

00:13:56.500 --> 00:14:02.700
und das war in Camp David-Frieden zwischen Israel und Ägypten und amerikanischen Vermittlungen auch angesprochen

00:14:02.700 --> 00:14:05.900
Da müsse man auch eine Lösung für die palästinensische Frage finden.

00:14:05.900 --> 00:14:09.600
Aber am Ende war es ein bilateraler Frieden zwischen Israel und Ägypten

00:14:09.600 --> 00:14:12.700
und hat sein Potenzial auch nicht entfalten können.

00:14:12.700 --> 00:14:16.900
Und das Größte war vielleicht der Osloer Friedensprozess, der 1990er Jahre,

00:14:16.900 --> 00:14:20.800
der mit Riesen-Erwartungen vor Ort und auch international gestartet ist

00:14:20.800 --> 00:14:24.600
und aus verschiedenen Gründen nicht erfolgreich gewesen ist.

00:14:24.600 --> 00:14:28.400
Und es gab dann nochmal vereinzelte Versuche in den 2000er Jahren,

00:14:28.400 --> 00:14:32.000
zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert

00:14:32.000 --> 00:14:35.400
und dem damals gerade an die Macht gekommenen palästinensischen Präsidenten

00:14:35.400 --> 00:14:39.500
Mahmud Abbas zu einer Lösung zu finden.

00:14:39.500 --> 00:14:43.300
Das war in den späten 2000er Jahren, das ist auch gescheitert

00:14:43.300 --> 00:14:46.800
und seitdem gibt es nur ein reines Konfliktmanagement,

00:14:46.800 --> 00:14:52.200
was hier aber auch nicht funktioniert, wie man in den letzten Monaten hat sehen können.

00:14:52.200 --> 00:14:58.200
Holger Klein: Gibt es für jedes dieses Scheitern den einen übergeordneten Grund

00:14:58.200 --> 00:15:01.600
oder ist es immer wieder ein anderes Problem gewesen?

00:15:01.600 --> 00:15:03.700
Stepahn Stetter: Es sind sicherlich immer etwas unterschiedliche Gründe.

00:15:03.700 --> 00:15:06.200
Ein ganz wesentlicher scheint aus meiner Sicht zu sein,

00:15:06.200 --> 00:15:10.000
dass die Formel bisher noch nicht gefunden wurde,

00:15:10.000 --> 00:15:13.400
vielleicht auch noch nicht ausreichend ins Zentrum gestellt wurde,

00:15:13.400 --> 00:15:17.700
wie zum Einen, das wäre der eine Punkt, diese Veto-Spieler, von denen ich gesprochen habe,

00:15:17.700 --> 00:15:23.100
verhindert werden kann, mit Blick auf diese Veto-Spieler, dass sie diese Karte ausspielen können.

00:15:23.100 --> 00:15:25.900
Das heißt, man muss, wenn man sich auf einen Frieden einlässt

00:15:25.900 --> 00:15:30.500
und es doch eine Reihe von sehr radikalen politischen Kräften auf beiden Seiten gibt,

00:15:30.500 --> 00:15:33.400
die nicht nur maximalistische Ansprüche haben,

00:15:33.400 --> 00:15:37.000
die politischen Rechte der anderen Seite eigentlich leugnen,

00:15:37.000 --> 00:15:40.800
sondern die auch bereit sind, Gewalt einzusetzen und zwar strategisch,

00:15:40.800 --> 00:15:43.800
weil sie wissen, das macht einen solchen Prozess kaputt.

00:15:43.800 --> 00:15:46.800
Diese Gewalt kann sich gegen die eigene Seite richten,

00:15:46.800 --> 00:15:53.600
wie als der israelische Ministerpräsident Rabin von einem Israeli erschossen wurde,

00:15:53.600 --> 00:16:00.100
einem jüdischen Israeli, oder wenn die Hamas und die  Fatah einen Bürgerkrieg gegeneinander führen,

00:16:00.100 --> 00:16:05.400
wie Mitte der 2000er Jahre, richtet sich sehr oft aber eben auch gegen die andere Seite,

00:16:05.400 --> 00:16:11.300
etwa die terroristischen Anschläge, die die Hamas seit den 1990er Jahren durchgeführt hat in Israel,

00:16:11.300 --> 00:16:14.100
weil sie weiß, dass unterminiert den Friedenswillen.

00:16:14.100 --> 00:16:18.800
Und so greifen israelische Siedler in der Westbank Palästinenser an,

00:16:18.800 --> 00:16:22.300
deren Grundstücke, und setzen diese Gewalt eben auch strategisch ein,

00:16:22.300 --> 00:16:25.300
weil sie wissen, das führt zu Verhärtungen auf der anderen Seite.

00:16:25.300 --> 00:16:28.200
Und ich würde sagen, das stand bisher bei keinem Friedensprozess wirklich im Zentrum

00:16:28.200 --> 00:16:31.400
und bei den Überlegungen, wie schafft man das durchzusetzen?

00:16:31.400 --> 00:16:34.600
Und wie können politische Führer dann auch, wenn es zu solchen Krisen kommt,

00:16:34.600 --> 00:16:39.400
weiter ihre Bevölkerung, die in der Mehrheit einen Ausgleich möchte, denn auch mitnehmen?

00:16:39.400 --> 00:16:42.400
Also, diese Form ist nicht gefunden worden und ein zweiter Punkt,

00:16:42.400 --> 00:16:45.700
der bisher aus meiner Sicht nicht im Zentrum stand, ist

00:16:45.700 --> 00:16:48.800
Wie bettet man eine Lösung dieses Konfliktes

00:16:48.800 --> 00:16:53.300
in eine größere regionale Lösung von Konflikten eigentlich ein?

00:16:53.300 --> 00:16:56.500
Wir sehen ja auch, das greift auch heute, denn eine regionale Lösung im Nahen Osten ist sehr schwierig,

00:16:56.500 --> 00:17:01.000
wenn wir uns den Konflikt zwischen arabischen Staaten und Iran

00:17:01.000 --> 00:17:04.000
etwa in der Region anschauen und auch Israel und Iran.

00:17:04.000 --> 00:17:07.500
Holger Klein: Sie sagten eben, die Oslo-Verträge haben Sie speziell hervorgehoben.

00:17:07.500 --> 00:17:10.400
Warum? Was ist an denen so besonders?

00:17:10.400 --> 00:17:12.200
Stepahn Stetter: An den Oslo-Verträgen ist besonders,

00:17:12.200 --> 00:17:15.900
dass es ein sehr umfassender Konfliktlösungsversuch gewesen ist.

00:17:15.900 --> 00:17:22.100
Wichtig ist zu wissen, dass Oslo kein Friedensabkommen gewesen ist.

00:17:22.100 --> 00:17:24.600
Es war ein Interimsabkommen.

00:17:24.600 --> 00:17:27.500
Weil dieser Konflikt nach dieser jahrzehntelangen Konfliktgeschichte

00:17:27.500 --> 00:17:30.600
zum einen zwischen Israelis und Palästinensern

00:17:30.600 --> 00:17:36.200
und dazu kommt eine Reihe von regionalen Kriegen zwischen Israel und arabischen Staaten.

00:17:36.200 --> 00:17:39.900
Also, das ist vollkommen verhärtet gewesen, sodass dieser Konflikt,

00:17:39.900 --> 00:17:45.300
verbunden dann mit der Tatsache, dass dieser Konflikt immer mehr auch zu einem Weltkonflikt wurde,

00:17:45.300 --> 00:17:52.400
also auch diese höchste diplomatische Ebene der Weltpolitik sehr intensiv beschäftigt hat,

00:17:52.400 --> 00:17:54.500
hierfür kann man auch eine Lösung finden.

00:17:54.500 --> 00:18:01.200
Also, es ist ein Weltkonflikt und der plötzlich zeigt sich als einer, in dem es Verständigung geben kann.

00:18:01.200 --> 00:18:06.500
Das Zweite ist verbunden mit einer großen Friedenshoffnung, die es Anfang der 1990er Jahre gab.

00:18:06.500 --> 00:18:09.700
Wir dürfen nicht vergessen, der Kalte Krieg ist beendet worden.

00:18:09.700 --> 00:18:16.400
Es kam zu einem Ausgleich zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion und dann mit Russland.

00:18:16.400 --> 00:18:19.700
Und in diesen Freiheitsgedanken hat das auch irgendwie ganz gut reingepasst

00:18:19.700 --> 00:18:23.900
und drittens schließlich haben viele Menschen gesehen vor Ort, aber auch international,

00:18:23.900 --> 00:18:29.200
die Israelis und Palästinenser freuen sich mehrheitlich über diesen Prozess.

00:18:29.200 --> 00:18:33.800
Ich habe das auch aus persönlicher Anschauung damals in den 1990er Jahren erleben können,

00:18:33.800 --> 00:18:39.600
dass dieser Osloer Friedensprozess vor Ort sehr viel Hoffnung auch bei den Menschen vor Ort geweckt hat.

00:18:39.600 --> 00:18:40.800
Und der Gedanke von Oslo ist gewesen,

00:18:40.800 --> 00:18:44.600
optimistisch, zu optimistisch, wie man jetzt sehen kann,

00:18:44.600 --> 00:18:49.600
in diesen fünf Jahren, das Stichdatum war der . Mai 1999,

00:18:49.600 --> 00:18:52.700
da wären diese fünf Jahre vorbei gewesen, haben wir

00:18:52.700 --> 00:18:55.900
die Israelis und Palästinenser durch unsere politische Zusammenarbeit

00:18:55.900 --> 00:18:58.900
und dadurch, dass auch die Bevölkerungen in Kontakt miteinander kommen,

00:18:58.900 --> 00:19:04.000
mehr Kontakt und positiven Kontakt zueinander kommen, so viel Vertrauen aufgebaut,

00:19:04.000 --> 00:19:09.400
dass wir die Konflikte, die es dann gibt, tatsächlich lösen können.

00:19:09.400 --> 00:19:14.900
Grenzen, Sicherheit, Jerusalem, Flüchtlinge und so.

00:19:14.900 --> 00:19:18.600
Also, diese großen Themen, die lösen zu können.

00:19:18.600 --> 00:19:23.400
Es hat nicht funktioniert, denn von Anfang war dieser Prozess sehr umstritten, auch im Inneren.

00:19:23.400 --> 00:19:31.700
Zu Beginn von Oslo wurde Jitzchak Rabin ermordet, von einem nationalistischen Israeli.

00:19:31.700 --> 00:19:34.700
Auf der palästinensischen Seite war Oslo auch sehr umstritten,

00:19:34.700 --> 00:19:39.100
auch dort wurde Gewalt als strategische Waffe eingesetzt von der Hamas

00:19:39.100 --> 00:19:43.200
und von anderen Gruppen gegenüber israelischen Zivilisten.

00:19:43.200 --> 00:19:47.500
Das hat in Israel die Friedensbereitschaft mit der Zeit erodieren lassen.

00:19:47.500 --> 00:19:49.500
Natürlich sind dann auch politische Führer aufgetreten,

00:19:49.500 --> 00:19:53.300
auch damals hat Benjamin Netanjahu schon eine sehr starke Rolle gespielt,

00:19:53.300 --> 00:19:57.200
auch in den Protesten gegenüber Rabin und danach,

00:19:57.200 --> 00:20:01.900
die sozusagen sich das zunutze gemacht haben, um auch an die Macht zu kommen.

00:20:01.900 --> 00:20:06.600
Das hat also dazu geführt, diese Gewalt, dass auch in Israel der Eindruck entstanden ist,

00:20:06.600 --> 00:20:08.100
die palästinische Seite will eigentlich gar keinen Frieden und es gab politische Führer,

00:20:08.100 --> 00:20:14.600
die das auch noch nutzen konnten, ja, um sich politisch zu festigen.

00:20:14.600 --> 00:20:17.800
Und auf der palästinensischen Seite war die Wahrnehmung,

00:20:17.800 --> 00:20:19.400
das ist eigentlich nur ein Versprechen, dieses Oslo,

00:20:19.400 --> 00:20:22.200
aber es ändert an unserer Alltagsrealität nichts.

00:20:22.200 --> 00:20:25.900
Die ist nämlich von der Besatzung geprägt und die wird immer schärfer und strikter,

00:20:25.900 --> 00:20:29.600
die Siedlungen wachsen weiter, Israel baut die Infrastruktur der Siedlungen auf

00:20:29.600 --> 00:20:34.800
und deswegen glauben wir den Israelis eigentlich nicht wirklich, dass sie den Frieden wollen.

00:20:34.800 --> 00:20:41.400
Also dieser Glaube daran, dass man es lösen kann, der ist erodiert eigentlich auch in relativ kurzer Zeit

00:20:41.400 --> 00:20:46.700
und die strategische Nutzung von Gewalt aus meiner Sicht hat hier eine ganz zentrale Rolle gespielt.

00:20:46.700 --> 00:20:51.200
Holger Klein: Wir hatten eben, Sie hatten gesagt, es ist ein Weltkonflikt

00:20:51.200 --> 00:20:53.000
und es gibt ein Konfliktpotenzial im Inneren.

00:20:53.000 --> 00:20:56.700
Also nationalistische Spieler, Veto-Spieler.

00:20:56.700 --> 00:20:59.300
Über wen reden wir, wenn wir über Konfliktparteien reden?

00:20:59.300 --> 00:21:03.500
Stepahn Stetter: Auf israelischer Seite haben wir erstmal ja ein sehr vielfältiges Parteiensystem,

00:21:03.500 --> 00:21:07.700
Es gibt eine Vielzahl von politischen Parteien, die widerspiegeln,

00:21:07.700 --> 00:21:12.200
dass die israelische Gesellschaft im Inneren von sehr vielen Konfliktlinien,

00:21:12.200 --> 00:21:14.900
wie wir Politikwissenschaftler das nennen, auch geprägt ist.

00:21:14.900 --> 00:21:17.100
Es gibt das linke und das rechte politische Lager,

00:21:17.100 --> 00:21:22.100
es gibt das jüdisch-religiöse Lager und das säkulare Lager,

00:21:22.100 --> 00:21:26.100
Es gibt die sehr nationalistische Partei der Siedler.

00:21:26.100 --> 00:21:29.100
Es gibt auch arabische Parteien in Israel.

00:21:29.100 --> 00:21:34.900
Also, da sieht man schon, welche Konflikte es in Israel gibt, und sehr viele verschiedene Parteien.

00:21:34.900 --> 00:21:44.200
Einen territorial sehr maximalistischen Diskurs hat traditionell der revisionistische Zweig der zionistischen Bewegung,

00:21:44.200 --> 00:21:49.600
Dieser revisionistische Zweig hatte von Anfang an sehr starke,

00:21:49.600 --> 00:21:53.800
weitgehende territoriale Ambitionen und Forderungen.

00:21:53.800 --> 00:21:59.300
Und das geht sehr oft damit einher, das nationale Selbstbestimmungsrecht der anderen Seite zu leugnen,

00:21:59.300 --> 00:22:00.900
um zu sagen, das habt ihr eigentlich nicht.

00:22:00.900 --> 00:22:06.100
Auf palästinensischer Seite können wir spiegelbildlich ähnliche Phänomene sehen.

00:22:06.100 --> 00:22:08.900
Spiegelbildlich heißt, immer nicht total deckungsgleich, aber doch,

00:22:08.900 --> 00:22:10.900
dass wir Ähnlichkeiten feststellen können,

00:22:10.900 --> 00:22:14.100
dass es auch dort eine innenpolitische Auseinandersetzung gibt,

00:22:14.100 --> 00:22:16.600
wenn wir uns jetzt mal nur den Konflikt anschauen, zwischen

00:22:16.600 --> 00:22:19.100
Sind wir kompromissbereit?

00:22:19.100 --> 00:22:23.400
Viele Palästinenser sagen, wir sind das und wir waren es in der Vergangenheit.

00:22:23.400 --> 00:22:25.300
Wir haben eigentlich ja schon akzeptiert, dass wir nur,

00:22:25.300 --> 00:22:29.000
und das hört man viele palästinensische Diplomaten sagen,

00:22:29.000 --> 00:22:35.200
22 Prozent des Territoriums des ursprünglichen Palästinas bereit sind zu akzeptieren.

00:22:35.200 --> 00:22:39.600
Okay, sind wir bereit, waren wir früher nicht, aber jetzt sind wir dazu bereit.

00:22:39.600 --> 00:22:43.900
Manche sind das aber nicht und das kann man ja etwa in der Charta der Hamas nachlesen,

00:22:43.900 --> 00:22:50.400
die letzten Endes sagen, es geht uns nicht nur darum 1967,

00:22:50.400 --> 00:22:57.200
also diese Eroberung von Israel des Gazastreifens und der Westbank und Ost-Jerusalems zu beenden,

00:22:57.200 --> 00:23:01.100
das ist die israelische Besatzung, und auf diesem Territorium einen Staat zu gründen,

00:23:01.100 --> 00:23:06.100
sondern es gibt auch welche, die sagen, nein, nein, wir akzeptieren das eigentlich überhaupt nicht.

00:23:06.100 --> 00:23:09.200
Wenn die Hamas sagt, okay, können Juden vielleicht hier leben,

00:23:09.200 --> 00:23:14.400
aber die müssen eben auch unter einer palästinensischen Oberhoheit dann leben

00:23:14.400 --> 00:23:17.300
und letzten Endes auch einer islamistischen.

00:23:17.300 --> 00:23:20.600
Und das ist auch noch eine Konfliktlinie, die es ja in Palästina selber gibt.

00:23:20.600 --> 00:23:25.600
Dass es eben nicht nur territorial ist, auch die die Beziehung oder der Konflikt mit Israel,

00:23:25.600 --> 00:23:27.900
sondern auch im innenpolitische Konflikte geht,

00:23:27.900 --> 00:23:30.900
nämlich welche Gesellschaftsordnung wollen wir eigentlich haben?

00:23:30.900 --> 00:23:34.400
Da ist die PLO auf der einen Seite und die Hamas auf der anderen Seite.

00:23:34.400 --> 00:23:36.400
Holger Klein: Wen man auch immer noch mal hört, ist die PA,

00:23:36.400 --> 00:23:41.200
die palästinensische Autonomiebehörde, haben die irgendetwas zu sagen noch in diesem Konflikt?

00:23:41.200 --> 00:23:44.300
Stepahn Stetter: Die palästinische Autonomiebehörde ist in 1990er Jahren gegründet worden,

00:23:44.300 --> 00:23:48.400
etabliert worden und existiert auch seither.

00:23:48.400 --> 00:23:52.700
Und sie wird von weiten Teilen der Weltgemeinschaft wie ein Quasistaat behandelt.

00:23:52.700 --> 00:23:56.200
Das heißt, da fließen Entwicklungsgelder hin.

00:23:56.200 --> 00:24:02.800
Da gibt es also viele Beispiele, dass in der Praxis, ja, die PA behandelt wird

00:24:02.800 --> 00:24:07.600
wie eine vorstaatliche Institution, die aber eigentlich quasi dazu da ist,

00:24:07.600 --> 00:24:09.800
dass es da bald mal einen Staat gibt.

00:24:09.800 --> 00:24:13.700
Und dann hat die PA auch und das war eigentlich sogar recht erfolgreich zu Beginn,

00:24:13.700 --> 00:24:20.100
so Anfang der 2010er Jahre, als Benjamin Netanjahu 2009 auch drankam

00:24:20.100 --> 00:24:25.800
und immer auch signalisiert hat, eigentlich wird es mit ihm einen solchen Friedensprozess wahrscheinlich nicht geben.

00:24:25.800 --> 00:24:29.700
Ja. Er hat immer gesagt, eigentlich, es gibt keinen Partner auf der palästinensischen Seite,

00:24:29.700 --> 00:24:35.800
die PA ist irrelevant, und hat so versucht, die palästinensische Seite auch zu schwächen.

00:24:35.800 --> 00:24:37.700
Was hat die PA gemacht?

00:24:37.700 --> 00:24:41.800
Immer, das müssen wir jetzt betonen, unter Anführung der PLO,

00:24:41.800 --> 00:24:44.500
der Fatah unter Präsident Abbas, die hat gesagt,

00:24:44.500 --> 00:24:48.200
dann internationalisieren wir diesen Konflikt doch.

00:24:48.200 --> 00:24:50.800
Wir suchen nicht mehr einen Ausgleich mit Israel.

00:24:50.800 --> 00:24:53.600
Die Palästinenser haben gesagt, die Israelis haben auch Sachen unilateral gemacht,

00:24:53.600 --> 00:24:56.600
wie sich aus dem Gaza-Streifen zurückzuziehen.

00:24:56.600 --> 00:25:02.000
Und wir verwenden diese Strategie des Unilateralismus jetzt auch und sagen einfach,

00:25:02.000 --> 00:25:06.400
wir möchten jetzt als Staat anerkannt werden in den Grenzen von ..,

00:25:06.400 --> 00:25:08.400
also diesen Grenzen der besetzten Gebiete.

00:25:08.400 --> 00:25:15.300
Das war eigentlich recht erfolgreich, also eine Vielzahl von Staaten weltweit haben Palästiner als Staat anerkannt.

00:25:15.300 --> 00:25:22.100
Und Palästina, mit dem Schildchen State of Palestine, ist auch in den Vereinten Nationen vertreten.

00:25:22.100 --> 00:25:26.200
Und das zeigt auf, da gab es solche Strategien,

00:25:26.200 --> 00:25:31.500
auf die die palästinensische Autonomiebehörde auch sicherlich international bauen kann.

00:25:31.500 --> 00:25:36.400
Holger Klein: Wie haben die Palästinenser es geschafft, diese Anerkennung zu bekommen,

00:25:36.400 --> 00:25:38.200
Was war der Trick?

00:25:38.200 --> 00:25:43.300
Stepahn Stetter: Der Trick ist sicherlich, dass dieser Konflikt sehr viel stärker in der internationalen Wahrnehmung steht.

00:25:43.300 --> 00:25:47.400
Diese Region ist hochgradig politisiert worden im . Jahrhundert,

00:25:47.400 --> 00:25:51.100
als ja auch viele der politischen Strukturen, in denen wir auch heute noch leben,

00:25:51.100 --> 00:25:53.100
ihre Wirkung entfaltet haben.

00:25:53.100 --> 00:25:57.200
Denken Sie an den Nationalstaat, den Nationalismus, auch das internationale System,

00:25:57.200 --> 00:26:01.400
wie wir es heute kennen, mit internationalem Recht, mit internationalen Konferenzen,

00:26:01.400 --> 00:26:03.300
all das findet im . Jahrhundert statt.

00:26:03.300 --> 00:26:07.500
Und da gewinnt diese Region schon ganz zentrale politische Bedeutung.

00:26:07.500 --> 00:26:11.800
Es gibt verschiedene andere Faktoren, die dann auch eine Rolle spielen.

00:26:11.800 --> 00:26:18.900
Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Shoah hat die israelische Staatlichkeit in vielen Teilen der Welt,

00:26:18.900 --> 00:26:22.200
nicht in allen, aber in vielen Teilen der Welt eine ganz hohe Legitimation gehabt.

00:26:22.200 --> 00:26:28.400
Dass da ein „nie wieder“ gesehen wurde und diese israelische Unabhängigkeit,

00:26:28.400 --> 00:26:34.900
vor allem auch im Westen, ja, als etwas ganz Wichtiges betrachtet wurde

00:26:34.900 --> 00:26:39.100
und nicht etwas, was weit entfernt stattfindet, sondern das auch verwoben ist

00:26:39.100 --> 00:26:41.700
auch mit europäischer Geschichte.

00:26:41.700 --> 00:26:47.400
Auf der arabischen Seite gab es eigentlich seit Beginn, also seit der israelischen Staatsgründung,

00:26:47.400 --> 00:26:52.400
eine sehr starke Solidarisierung mit den Palästinensern, die israelisch-arabischen Kriege.

00:26:52.400 --> 00:26:57.000
Das war manchmal auch die strategische Politik von arabischen Führern,

00:26:57.000 --> 00:26:59.500
etwa dem ägyptischen Präsidenten Nasser,

00:26:59.500 --> 00:27:04.600
der sich so als Anführer auch des Anti-Israel-Blocks gesehen hat.

00:27:04.600 --> 00:27:08.600
Aber auch in der arabischen Öffentlichkeit, oft auch unterstützt durch das Mediensystem

00:27:08.600 --> 00:27:14.600
und das Bildungssystem, ist diese Israel-Palästina-Frage eine, die wahnsinnig polarisiert

00:27:14.600 --> 00:27:17.100
und die auch die Massen mobilisiert,

00:27:17.100 --> 00:27:20.900
sodass die Regierungen unter dem Druck ihrer Straßen jeweils stehen,

00:27:20.900 --> 00:27:22.800
selbst wenn sie mehr Ausgleich wollen.

00:27:22.800 --> 00:27:29.000
Also Politisierung eigentlich aller Orten und das können die Konfliktparteien natürlich auch versuchen zu nutzen.

00:27:29.000 --> 00:27:32.800
Das ist auch naheliegend, also wenn etwas polarisiert ist, kann man versuchen,

00:27:32.800 --> 00:27:37.600
das auch für sich zunutze zu machen, um diesen Konflikt eben auf eine andere Bühne zu tragen,

00:27:37.600 --> 00:27:43.100
um ihn sichtbar zu machen, um vielleicht auch die eigenen Chancen in diesem Konflikt zu verbessern.

00:27:43.100 --> 00:27:46.100
*Musik*

00:27:46.100 --> 00:27:51.200
Holger Klein: Innerhalb der palästinensischen Gebiete spielt der Gazastreifen eine besondere Rolle.

00:27:51.200 --> 00:27:56.400
2005 räumt Israel dort aus sicherheitspolitischem Kalkül unilateral seine Siedlungen.

00:27:56.400 --> 00:28:01.200
2006 gewinnt die Hamas die ersten freien palästinensischen Wahlen.

00:28:01.200 --> 00:28:05.800
Nach einem kurzen Bürgerkrieg zwischen der regierenden Fatah-Partei und der Hamas,

00:28:05.800 --> 00:28:09.200
übernimmt die Hamas 2007 die Macht im Gazastreifen.

00:28:09.200 --> 00:28:13.300
In den folgenden Jahren kommt es immer wieder zu heftigen Konflikten,

00:28:13.300 --> 00:28:15.900
in denen die Hamas und andere bewaffnete Gruppen im Gazastreifen

00:28:15.900 --> 00:28:20.500
Israel immer wieder mit Raketen attackieren und Israelis entführen.

00:28:20.500 --> 00:28:26.200
Israel reagiert seinerseits mit Luftschlägen und, analog zu Ägypten, einer Blockade des Gazastreifens.

00:28:26.200 --> 00:28:29.800
Während Israelis immer wieder um ihre Sicherheit fürchten müssen,

00:28:29.800 --> 00:28:34.800
sind auch die Konfliktfolgen für die Zivilbevölkerung in Gaza seit Jahren verheerend.

00:28:34.800 --> 00:28:36.800
Einen Friedensprozess gibt es nicht mehr.

00:28:36.800 --> 00:28:39.300
*Musik*

00:28:39.300 --> 00:28:43.500
Wenn wir das Ganze, ich sage mal, ja, lösungsorientiert betrachten wollen,

00:28:43.500 --> 00:28:44.400
womit fangen wir am besten an?

00:28:44.400 --> 00:28:51.000
Stepahn Stetter: Das Schwierige ist, dass es diese Bereitschaft in Israel und Palästina derzeit nicht gibt.

00:28:51.000 --> 00:28:58.400
Israel ist schrecklich angegriffen worden am 07. Oktober, was auch ein nationales Trauma,

00:28:58.400 --> 00:29:01.700
nämlich die Shoah berührt hat, die wird sehr oft herangeführt.

00:29:01.700 --> 00:29:05.500
Also dieser Vernichtungswille, den die Hamas gezeigt hat,

00:29:05.500 --> 00:29:10.200
auch in ihren Erklärungen gegenüber eigentlich allen Israelis, gegenüber Juden.

00:29:10.200 --> 00:29:16.500
Was dann auch international sozusagen passiert ist,

00:29:16.500 --> 00:29:21.100
dass es Teile der Weltöffentlichkeit gibt, die eigentlich für Israel gar keinen Platz vorsehen,

00:29:21.100 --> 00:29:25.100
das wird in Israel sehr stark wahrgenommen und hat also zu dem geführt,

00:29:25.100 --> 00:29:28.400
was man in vielen Konflikten natürlich sehen kann, ein Rally around the flag-Effekt, ja.

00:29:28.400 --> 00:29:31.000
Wir sind angegriffen worden, wir verteidigen uns jetzt,

00:29:31.000 --> 00:29:34.500
obwohl wir ein halbes Jahr in Israel gegeneinander demonstriert haben.

00:29:34.500 --> 00:29:41.100
Die Proteste gegen den Justizumbau, der da geplant wurde,

00:29:41.100 --> 00:29:44.900
aber das vergessen wir mal für den Moment, weil es jetzt darum geht,

00:29:44.900 --> 00:29:46.500
unsere Soldatinnen und Soldaten zu unterstützen.

00:29:46.500 --> 00:29:50.500
Und etwas ähnliches findet in Palästina auch statt.

00:29:50.500 --> 00:29:54.700
Man will dann auch nicht sehen, was der 07. Oktober gewesen ist.

00:29:54.700 --> 00:29:56.400
Man wird von Israel jetzt angegriffen im Gazastreifen

00:29:56.400 --> 00:30:02.500
und der Versöhnungswille ist auf beiden Seiten jetzt sehr, sehr gering ausgeprägt.

00:30:02.500 --> 00:30:06.100
Und ich sehe derzeit auch nicht politische Kräfte auf beiden Seiten,

00:30:06.100 --> 00:30:10.000
die bereit wären, daran ganz grundsätzlich etwas zu ändern.

00:30:10.000 --> 00:30:13.800
Ich sehe aber sehr wohl, dass es auf beiden Seiten sehr unterschiedliche politische Kräfte gibt,

00:30:13.800 --> 00:30:19.800
nämlich die, die eskalieren wollen und das auch tun werden, wenn sie es können.

00:30:19.800 --> 00:30:24.600
Und den Kräften, die sagen, okay, wir sind vielleicht jetzt noch nicht bereit,

00:30:24.600 --> 00:30:28.900
den abschließenden Weg zu gehen, aber wir eskalieren zumindest nicht.

00:30:28.900 --> 00:30:34.000
Ja und diese Kräfte muss man natürlich stärken und zwar auf beiden Seiten

00:30:34.000 --> 00:30:38.500
und das bedeutet, es muss ein starkes internationales Engagement geben,

00:30:38.500 --> 00:30:40.900
auch internationalen Druck.

00:30:40.900 --> 00:30:43.400
Und die internationale Gemeinschaft hat sich so ein bisschen die letzten 20 Jahre

00:30:43.400 --> 00:30:47.100
auf den Standpunkt zurückgezogen: Können wir eh nicht lösen.

00:30:47.100 --> 00:30:53.300
Wird aber auch nicht stark eskalieren, also machen wir so ein Konfliktmanagement und das ist gescheitert.

00:30:53.300 --> 00:30:54.100
Das hat man sehen können.

00:30:54.100 --> 00:30:58.400
Und ich glaube, an der Stelle muss man ansetzen, um etwas zu ändern.

00:30:58.400 --> 00:31:03.100
Das bedeutet erstmal, die Lage tatsächlich zu stabilisieren,

00:31:03.100 --> 00:31:08.000
dass es zu einem Ende der Gewalt kommt, Einstellung der Kampfhandlungen,

00:31:08.000 --> 00:31:12.300
aber natürlich nicht in dem Sinne, dass die radikalen Kräfte dies als ihren Sieg verkaufen können.

00:31:12.300 --> 00:31:14.400
Das gilt auch insbesondere für die Hamas.

00:31:14.400 --> 00:31:16.800
Das heißt, es muss eine Nachkriegslösung gefunden werden,

00:31:16.800 --> 00:31:18.500
die sicherlich aus Zwischenschritten bestehen muss,

00:31:18.500 --> 00:31:21.800
aber da muss ein politischer Horizont aufgezeigt werden,

00:31:21.800 --> 00:31:24.300
mit dem dann und das wäre das, worauf man in diesem

00:31:24.300 --> 00:31:27.100
und allen anderen Friedensprozessen setzen muss,

00:31:27.100 --> 00:31:31.300
politische Bewegungen auf beiden Seiten drauf zurückgreifen können,

00:31:31.300 --> 00:31:34.300
um ihre Bevölkerung dann auch schrittweise mitzunehmen.

00:31:34.300 --> 00:31:36.000
Und ich habe ja vorhin schon gesagt, dass das sehr schwer ist,

00:31:36.000 --> 00:31:39.900
denn diese maximalistische und auch nationalistische

00:31:39.900 --> 00:31:43.600
und auch das Recht der anderen Seite leugnende Sichtweise

00:31:43.600 --> 00:31:47.000
ist eben leider in Palästina und in Israel durchaus verbreitet.

00:31:47.000 --> 00:31:49.100
Holger Klein: Stephan Stetter, vielen Dank.

00:31:49.100 --> 00:31:50.400
Stepahn Stetter: Ich danke Ihnen.

00:31:50.400 --> 00:31:53.200
*Musik*

00:31:53.200 --> 00:31:55.600
Holger Klein: Die Entwicklungen der letzten Monate in Israel und Gaza

00:31:55.600 --> 00:32:00.100
haben viele Debatten und verhärtete Fronten auch hier in Deutschland mit sich gebracht.

00:32:00.100 --> 00:32:04.100
Wie man in der politischen Bildung damit umgeht, das erklärt Deborah Schnabel.

00:32:04.100 --> 00:32:06.600
Sie ist Direktorin der Bildungsstätte Anne Frank.

00:32:06.600 --> 00:32:08.300
Die Bildungsstätte hat sich zum Ziel gesetzt,

00:32:08.300 --> 00:32:12.400
Antisemitismus und rassismuskritische Bildung zusammen in den Blick zu nehmen.

00:32:12.400 --> 00:32:17.100
Ein Ansatz, bei dem der Nahostkonflikt immer wieder eine besondere Rolle einnimmt.

00:32:17.100 --> 00:32:20.200
Deborah Schnabel: Womit wir uns sehr viel auseinandergesetzt haben,

00:32:20.200 --> 00:32:24.100
waren beispielsweise die Narrative rund um den Nahost-Konflikt

00:32:24.100 --> 00:32:31.000
und wie sich diese Narrative auswirken auf das Zusammenleben hier in Deutschland,

00:32:31.000 --> 00:32:34.800
wie sich diese Narrative auswirken für jüdische Menschen,

00:32:34.800 --> 00:32:37.700
aber auch muslimische Menschen in Deutschland

00:32:37.700 --> 00:32:41.900
und was das dann wiederum für Konsequenzen hat für die gesamte Gesellschaft.

00:32:41.900 --> 00:32:44.500
Holger Klein: Dass das Sprechen über den Nahostkonflikt so schwierig ist,

00:32:44.500 --> 00:32:46.900
hat für Deborah Schnabel diverse Gründe.

00:32:46.900 --> 00:32:49.600
Einer davon ist ein gesellschaftliches Wissensdefizit,

00:32:49.600 --> 00:32:53.200
was die gesamte Region rund um Israel und Palästina betrifft

00:32:53.200 --> 00:32:57.500
Deborah Schnabel: Und gleichzeitig, was vielleicht auch diesen Krieg und Konflikt

00:32:57.500 --> 00:33:02.400
auch unterscheidet zu anderen Kriegen, globalen Kriegen und Konflikten, ist,

00:33:02.400 --> 00:33:07.800
dass dieser Konflikt eine so große Projektionsfläche ist für so viele Menschen,

00:33:07.800 --> 00:33:14.000
also sie ein Stückchen weit auch immer aus ihrer eigenen Betroffenheit heraus

00:33:14.000 --> 00:33:20.400
oder aus ihrer individuellen Perspektive heraus das tragen in diesen Konflikt

00:33:20.400 --> 00:33:25.700
und wie sie über diesen Konflikt nachdenken und wie sie über diesen Konflikt sprechen.

00:33:25.700 --> 00:33:29.800
Also, ob es jetzt aus einer deutschen Perspektive ist,

00:33:29.800 --> 00:33:34.700
mit der gefühlten Verantwortung und Last des Nationalsozialismus

00:33:34.700 --> 00:33:37.700
oder ob es vielleicht aus einer muslimischen Perspektive ist,

00:33:37.700 --> 00:33:41.900
mit der Last von muslimfeindlicher Diskriminierung.

00:33:41.900 --> 00:33:47.400
Und es gibt unfassbar viele unterschiedliche Narrative, die kursieren, dazu.

00:33:47.400 --> 00:33:53.700
Und das trifft einfach auf diese hohe Unwissenheit und auf diese Leerstellen

00:33:53.700 --> 00:33:56.200
im klassischen Bildungsplan sozusagen.

00:33:56.200 --> 00:34:00.500
Und es führt auch so ein bisschen dazu, dass sich so wenige Menschen da ran wagen.

00:34:00.500 --> 00:34:06.100
Also ne, es ist ein komplexes Thema, dann kann man in sehr viele Fettnäpfchen treten

00:34:06.100 --> 00:34:10.300
das Fettnäpfchen Antisemitismus, das Fettnäpfchen Muslimfeindlichkeit

00:34:10.300 --> 00:34:16.100
und das kommt dazu, dass man das Gefühl hat, es lässt sich nicht besprechen.

00:34:16.100 --> 00:34:18.900
Und ich glaube, das muss sich unbedingt verändern,

00:34:18.900 --> 00:34:24.900
weil diese Bilder, diese Vorstellungen, die dann zu diesem Thema kursieren,

00:34:24.900 --> 00:34:30.200
sind wirklich hochgefährlich und sind zu Lasten von allen Betroffenen.

00:34:30.200 --> 00:34:33.000
Holger Klein: Die verschiedenen Perspektiven und Narrative zum Nahostkonflikt

00:34:33.000 --> 00:34:36.000
werden von den sozialen Medien noch verstärkt.

00:34:36.000 --> 00:34:38.700
Für junge Menschen spielt da vor allem TikTok eine Rolle.

00:34:38.700 --> 00:34:43.300
Ein Drittel der 14- bis 29-jährigen in Deutschland nutzt TikTok jede Woche.

00:34:43.300 --> 00:34:45.700
Für die Meinungsbildung spielt die Plattform eine wichtige Rolle.

00:34:45.700 --> 00:34:49.100
Deborah Schnabel: Also was wir definitiv gesehen haben, ist,

00:34:49.100 --> 00:34:56.000
dass nach dem 07. Oktober einfach nochmal eine neue Qualität von gewaltvollen Bildern,

00:34:56.000 --> 00:35:02.300
von Desinformationen, von antisemitischer Gewalt im Netz,

00:35:02.300 --> 00:35:07.300
aber auch von rassistischer Gewalt im Netz stattgefunden hat.

00:35:07.300 --> 00:35:13.100
Und es eben auch sehr häufig so ist, dass diese gebildeten Meinungen oder das Wissen,

00:35:13.100 --> 00:35:19.300
was dort sich gezogen wird, eben in formelle Bildungsräume auch reingetragen wird

00:35:19.300 --> 00:35:23.500
und sich dann auch gesamtgesellschaftlich verbreitet.

00:35:23.500 --> 00:35:27.600
Und wir haben es mit sehr vielen antisemitischen Codes zu tun,

00:35:27.600 --> 00:35:31.600
die nicht so leicht dekodiert werden können, wo wir einfach sehen,

00:35:31.600 --> 00:35:38.900
dass jetzt in formellen Bildungsräumen zu wenig gesprochen wurde in den letzten Jahren

00:35:38.900 --> 00:35:44.800
über aktuelle Formen von Antisemitismus und das dann kollidiert sozusagen mit dem Fakt,

00:35:44.800 --> 00:35:49.100
dass sehr viele Stereotype, Verschwörungserzählungen,

00:35:49.100 --> 00:35:53.900
die häufig antisemitischen Ursprung haben, da aufgenommen werden können,

00:35:53.900 --> 00:35:57.100
leicht konsumiert werden können im Netz

00:35:57.100 --> 00:36:02.400
und eigentlich dann noch eine verstärkende Komponente oft haben.

00:36:02.400 --> 00:36:04.800
Und das muss erstmal aufgefangen werden irgendwie.

00:36:04.800 --> 00:36:08.800
Also ich glaube, wir sind noch gar nicht so richtig an dem Punkt, um zu verstehen,

00:36:08.800 --> 00:36:14.200
welche krasse Konsequenz das auch haben wird für das Thema Antisemitismus in Deutschland.

00:36:14.200 --> 00:36:18.400
Holger Klein: Diese Relevanz und Wirkung der Bilder und Informationen aus den sozialen Medien

00:36:18.400 --> 00:36:23.400
wird in der politischen Bildungsarbeit heute noch nicht genug priorisiert, sagt Deborah Schnabel.

00:36:23.400 --> 00:36:28.400
Dabei sind eben diese Bilder, die zum Nahostkonflikt kursieren, einer der Faktoren dafür,

00:36:28.400 --> 00:36:33.400
dass dieser Konflikt so extrem emotional aufgeladen ist von beiden Seiten.

00:36:33.400 --> 00:36:36.300
Zum Beispiel die Gewalt am 07. Oktober.

00:36:36.300 --> 00:36:37.200
Deborah Schnabel: Also ich erinnere mich noch,

00:36:37.200 --> 00:36:42.200
alle in meinem Umfeld inklusive mir waren erstmal wie in so einer Schockstarre,

00:36:42.200 --> 00:36:47.000
ob der Bilder, die konsumiert wurden in den ersten zwei Wochen.

00:36:47.000 --> 00:36:49.100
Davon musste man sich erstmal wieder erholen.

00:36:49.100 --> 00:36:53.400
Und diese Bilder werden auch nochmal zusätzlich gezielt eingesetzt

00:36:53.400 --> 00:36:55.800
und es ist uns allen gar nicht so bewusst.

00:36:55.800 --> 00:37:01.500
Also sowohl gefakte Bilder, KI-generierte Bilder, die gezielt eingesetzt werden

00:37:01.500 --> 00:37:05.200
oder bestimmte Narrative, die über Bilder transportiert werden.

00:37:05.200 --> 00:37:10.000
Also, das alles wirkt auf diesen Komplex der Emotionalität.

00:37:10.000 --> 00:37:14.100
Und dann, das sage ich auch aus eigener Betroffenheit heraus, muss ich sagen,

00:37:14.100 --> 00:37:19.000
ist es natürlich auch deswegen so emotional, weil,

00:37:19.000 --> 00:37:22.300
ich spreche jetzt mal aus der jüdischen Perspektive heraus,

00:37:22.300 --> 00:37:27.800
für jüdische Menschen in Deutschland das natürlich ein unglaublicher Schicksalsschlag war

00:37:27.800 --> 00:37:35.400
und ganz viele transgenerationale Traumata nochmal reaktiviert oder ausgelöst hat,

00:37:35.400 --> 00:37:38.700
von denen viele jüdische Menschen in Deutschland glaubten,

00:37:38.700 --> 00:37:43.800
dass es die gar nicht mehr so gäbe oder dass das eigentlich gar nicht mehr passieren könnte,

00:37:43.800 --> 00:37:50.400
also das ist einfach so eine emotionale Dimension, die sich ganz neu eröffnet hat,

00:37:50.400 --> 00:37:54.600
gepaart natürlich nicht nur mit dem, was dann auch in Israel passiert ist,

00:37:54.600 --> 00:37:57.000
sondern auch mit dem, was dann folgte in Deutschland.

00:37:57.000 --> 00:38:00.600
Also, Emotionalität auch verbunden mit Angst, Bedrohung

00:38:00.600 --> 00:38:04.000
und ähnlich geht es natürlich auch muslimischen Menschen hier,

00:38:04.000 --> 00:38:07.300
die damit zu kämpfen haben, dass sie rassistisch bedroht werden,

00:38:07.300 --> 00:38:10.500
dass sie sich in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt fühlen,

00:38:10.500 --> 00:38:12.700
dass sie sich unter Generalverdacht gestellt fühlen.

00:38:12.700 --> 00:38:19.400
Also da sind ganz viele Emotionen, die ausgelöst werden, auch von äußeren Umständen.

00:38:19.400 --> 00:38:21.900
Holger Klein: Diese Emotionalität machen sich auch Akteure zunutze,

00:38:21.900 --> 00:38:26.000
die den Nahostkonflikt für eigene politische Interessen instrumentalisieren.

00:38:26.000 --> 00:38:30.300
Auch das beschreibt Deborah Schnabel als eine Besonderheit im Umgang mit diesem Konflikt.

00:38:30.300 --> 00:38:34.400
Deborah Schnabel: Es gibt natürlich viele, die sich da irgendwie noch reinhängen,

00:38:34.400 --> 00:38:37.300
weil sie eigene Interessen verfolgen.

00:38:37.300 --> 00:38:39.500
Wie das zum Beispiel auch rechte Akteure gemacht haben,

00:38:39.500 --> 00:38:44.900
die die Geschehnisse am 07. Oktober sehr schnell instrumentalisiert haben

00:38:44.900 --> 00:38:51.300
zulasten von muslimischen Menschen und geflüchteten, zugewanderten Menschen hier in Deutschland.

00:38:51.300 --> 00:38:55.000
Es gibt Islamistinnen, die das instrumentalisieren wiederum,

00:38:55.000 --> 00:38:57.300
vor allem auch in den sozialen Medien,

00:38:57.300 --> 00:39:04.000
es gibt linke Gruppierungen, Intellektuelle und so weiter, die irgendwie sich dranhängen

00:39:04.000 --> 00:39:10.600
an diesen ganzen Komplex, wo es eher um das Thema Besetzung geht,

00:39:10.600 --> 00:39:14.800
um dieses Verhältnis von globaler Süden, globaler Norden,

00:39:14.800 --> 00:39:17.600
also wo nochmal ganz andere Themen dranhängen,

00:39:17.600 --> 00:39:20.200
die sich auf diesen Konflikt projizieren lassen,

00:39:20.200 --> 00:39:24.900
die aber hier in Deutschland sozusagen verhandelt werden in unserer Gesellschaft.

00:39:24.900 --> 00:39:27.300
Holger Klein: Politisch und medial spielt in der deutschen Debatte

00:39:27.300 --> 00:39:30.700
der Umgang mit der Schuld des Holocausts eine wichtige Rolle.

00:39:30.700 --> 00:39:37.000
Aber die eine deutsche Perspektive auf den Nahostkonflikt gibt es so trotzdem nicht, sagt Deborah Deborah Schnabel:

00:39:37.000 --> 00:39:39.400
Deborah Schnabel: Wir leben ja in Deutschland in einer Migrationsgesellschaft,

00:39:39.400 --> 00:39:43.000
deswegen kann man diesen Punkt auch gar nicht so gut generalisieren.

00:39:43.000 --> 00:39:47.100
Also es gibt sicherlich Menschen, die hier deutsche Vorfahren haben,

00:39:47.100 --> 00:39:51.000
die auch einen Anteil hatten im Nationalsozialismus,

00:39:51.000 --> 00:39:55.700
die noch mal anders darauf schauen als Menschen, die zum Beispiel zugewandert sind,

00:39:55.700 --> 00:39:58.900
die vielleicht auch mitunter Schwierigkeiten haben,

00:39:58.900 --> 00:40:03.900
das, was dort passiert ist, zu verknüpfen mit ihrer persönlichen Geschichte,

00:40:03.900 --> 00:40:05.000
mit den Geschichten, die sie wiederum gemacht haben,

00:40:05.000 --> 00:40:07.400
vielleicht auch sogar in anderen Ländern

00:40:07.400 --> 00:40:13.900
und mit dieser Idee von einer kollektiven Verantwortung, dass das nie wieder passiert.

00:40:13.900 --> 00:40:16.600
Holger Klein: Um mit diesen verschiedenen Betroffenheiten

00:40:16.600 --> 00:40:19.400
in der politischen Bildungsarbeit sensibel umzugehen,

00:40:19.400 --> 00:40:22.100
sei es sehr wichtig, offene Räume zum Gespräch zu schaffen.

00:40:22.100 --> 00:40:25.900
Deborah Schnabel: Ich glaube, sehr essentiell für das ganze Thema ist der Perspektivwechsel

00:40:25.900 --> 00:40:30.500
und auch das Thema Empathie, also überhaupt erstmal zu verstehen,

00:40:30.500 --> 00:40:36.800
aus welcher Perspektive heraus schaue ich denn eigentlich auf den Nahostkonflikt,

00:40:36.800 --> 00:40:41.000
weil ich glaube, viele junge Menschen sind sich dessen gar nicht so richtig bewusst,

00:40:41.000 --> 00:40:45.100
also warum ist das eigentlich so, dass mich das Thema so emotionalisiert?

00:40:45.100 --> 00:40:47.800
Was kommt da bei mir hoch? Welche Gefühle?

00:40:47.800 --> 00:40:52.000
Und erstmal den Fokus darauf zu legen und dann eine Verknüpfung zu schaffen

00:40:52.000 --> 00:40:58.000
zu der Perspektive von anderen, die vielleicht auch anders blicken da drauf

00:40:58.000 --> 00:41:03.700
und diese Perspektivübernahmefähigkeit in diesem Prozess mit den jungen Menschen zu einzuüben.

00:41:03.700 --> 00:41:06.600
Holger Klein: In diesem geschützten Raum sollte es auch möglich sein,

00:41:06.600 --> 00:41:11.900
seine Gedanken frei auszusprechen, damit man sie überhaupt verstehen und damit arbeiten kann.

00:41:11.900 --> 00:41:15.500
Deborah Schnabel: Ich glaube, es ist sehr, sehr wichtig, wenn jetzt zum Beispiel da auch jemand säße,

00:41:15.500 --> 00:41:21.500
der etwas antisemitisches oder rassistisches auch äußern würde, nicht sofort zu sagen

00:41:21.500 --> 00:41:26.500
So, jetzt bist du draußen, weil jetzt hast du etwas antisemitisches oder rassistisches gesagt,

00:41:26.500 --> 00:41:32.200
sondern das aufzugreifen und es zu kontextualisieren und auch Möglichkeiten anzubieten,

00:41:32.200 --> 00:41:37.800
es anders auszudrücken oder vielleicht auch anders darüber nachzudenken.

00:41:37.800 --> 00:41:41.400
Mit dem Ziel, dass diese Menschen da anders rausgehen und Denkanstöße haben.

00:41:41.400 --> 00:41:44.300
*Musik*

00:41:44.300 --> 00:41:46.000
Holger Klein: Politische Bildung findet an vielen Orten

00:41:46.000 --> 00:41:50.100
und in verschiedenen Situationen statt, digital wie analog.

00:41:50.100 --> 00:41:53.700
Ein ganz zentraler Ort ist dabei die Schule.

00:41:53.700 --> 00:41:57.100
So mussten nach dem 07. Oktober auch viele Lehrerinnen und Lehrer versuchen,

00:41:57.100 --> 00:42:01.100
die aktuelle Eskalation im Nahostkonflikt in Schulklassen zu besprechen.

00:42:01.100 --> 00:42:03.400
Einer von ihnen ist Mehmet Can.

00:42:03.400 --> 00:42:07.700
Er ist Lehrer an der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli in Berlin-Neukölln.

00:42:07.700 --> 00:42:09.300
Mehmet Can: Wir haben am Samstag direkt telefoniert.

00:42:09.300 --> 00:42:13.100
Wir wussten, mit wem wir am Dienstag direkt eine Fortbildung organisieren konnten.

00:42:13.100 --> 00:42:16.800
60 KollegInnen aus der Sek 1 und Sek 2 haben teilgenommen.

00:42:16.800 --> 00:42:20.700
Das ist der Großteil unseres Kollegiums,

00:42:20.700 --> 00:42:23.600
für eine so kurzfristig anberaumte Fortbildung ist das schon sehr viel.

00:42:23.600 --> 00:42:28.500
Das sind nicht alles KollegInnen, die thematisch versiert sind in diesem Themenfeld,

00:42:28.500 --> 00:42:32.200
aber die Mut genug aufbringen, sich diesem Thema zu stellen,

00:42:32.200 --> 00:42:35.400
was, glaube ich, sehr bemerkenswert ist.

00:42:35.400 --> 00:42:38.200
Und worauf wir natürlich seit den letzten Jahren aufbauen können,

00:42:38.200 --> 00:42:42.200
ein Netzwerk an PartnerInnen, die wir einladen können

00:42:42.200 --> 00:42:44.500
und wo wir entsprechend nicht allein gestellt sind.

00:42:44.500 --> 00:42:46.500
Und trotzdem war es wirklich eine belastende Zeit.

00:42:46.500 --> 00:42:49.600
Wenn wir aber die Arbeit der vergangenen sechs, sieben Jahre nicht hätten,

00:42:49.600 --> 00:42:51.500
wäre es um einiges schwieriger gewesen.

00:42:51.500 --> 00:42:54.400
Holger Klein: Dem Kollegium war am 07. Oktober direkt klar,

00:42:54.400 --> 00:42:56.000
dass man auf die Ereignisse reagieren muss.

00:42:56.000 --> 00:43:00.100
Denn am Campus Rütli gibt es eine stetige Auseinandersetzung mit dem Nahost-Konflikt.

00:43:00.100 --> 00:43:04.200
Zum Beispiel gibt es einen Wahlpflichtkurs zum Thema Israel-Palästina,

00:43:04.200 --> 00:43:07.200
der auf Wunsch von Schülerinnen und Schülern eingeführt wurde.

00:43:07.200 --> 00:43:11.600
Mehmet Can: Der geht über zwei Jahre und Höhepunkt, wenn man so will, dieses Projekts

00:43:11.600 --> 00:43:14.600
ist eine Reise nach Israel und in die Palästinensischen Gebiete.

00:43:14.600 --> 00:43:18.000
Der Kurs wird angeboten für die Neunt- und Zehntklässlerinnen,

00:43:18.000 --> 00:43:23.100
und in diesem Kurs versuchen wir letztendlich mit der Zeit, die notwendig ist,

00:43:23.100 --> 00:43:26.300
uns anzunähern, dass wir ausgehend von den Erfahrungen der Jugendlichen,

00:43:26.300 --> 00:43:32.700
sehr viele haben eine familiären Bezug als palästinisch-arabisch-stämmige Schülerinnen,

00:43:32.700 --> 00:43:37.800
dass wir ausgehen davon uns mit der Konflikt- und Friedensgeschichte dieser beiden Länder auseinandersetzen,

00:43:37.800 --> 00:43:41.600
dass wir aber auch schauen, welche Auswirkungen hat dieser Konflikt für uns?

00:43:41.600 --> 00:43:44.200
Vor unserer Haustür, wie begegnet er uns?

00:43:44.200 --> 00:43:48.900
Dass wir uns mit den Etappen auch der Friedensbemühung auseinandersetzen,

00:43:48.900 --> 00:43:53.200
aber auch mit den Folgen des Konfliktes für beide Seiten,

00:43:53.200 --> 00:43:55.700
also einerseits die Situation in den besetzten Gebieten,

00:43:55.700 --> 00:44:00.500
als auch aber die Gefahr durch Terroranschläge für die israelische Seite.

00:44:00.500 --> 00:44:05.200
Und auch wenn wir mit diesem Angebot quasi nur einen Kurs erreichen,

00:44:05.200 --> 00:44:08.800
haben wir schon die Hoffnung, dass die Auseinandersetzung,

00:44:08.800 --> 00:44:12.300
die langfristige institutionelle Auseinandersetzung mit dem Konflikt

00:44:12.300 --> 00:44:14.500
auch hier in die Schulgemeinschaft reinstrahlt

00:44:14.500 --> 00:44:15.800
und dass sich das dann entsprechend multipliziert.

00:44:15.800 --> 00:44:18.300
Holger Klein: Nach dem 07. Oktober hat Mehmet Can wahrgenommen,

00:44:18.300 --> 00:44:21.700
wie stark die Gewalt in Gaza die Jugendlichen bewegt hat.

00:44:21.700 --> 00:44:26.400
Als wichtigste Informationsquelle der Jugendlichen nennt auch er TikTok.

00:44:26.400 --> 00:44:30.000
Auf diese Informationsflut angemessen zu reagieren,

00:44:30.000 --> 00:44:32.300
kann für Lehrkräfte ziemlich herausfordernd sein.

00:44:32.300 --> 00:44:34.300
Oftmals werden neben den schrecklichen Bildern aus Gaza

00:44:34.300 --> 00:44:37.600
auch antisemitische Narrative transportiert.

00:44:37.600 --> 00:44:40.800
Mehmet Can hält es für sinnvoll, über diese Narrative zu sprechen.

00:44:40.800 --> 00:44:43.200
Mehmet Can: Weil wir es auch nicht mit Antisemitinnen zu tun haben,

00:44:43.200 --> 00:44:45.300
sondern mit Jugendlichen, die antisemitische Fragmente haben,

00:44:45.300 --> 00:44:50.800
wirkt diese Arbeit, indem wir tatsächlich auch mit Gegenrede auch Erfolge erzielen können.

00:44:50.800 --> 00:44:53.600
Weil dieses Leid auf israelischer Seite ist ihnen in der Form tatsächlich nicht präsent

00:44:53.600 --> 00:44:57.600
und es ist unsere Aufgabe auch dafür zu sorgen, dass das deutlich ist.

00:44:57.600 --> 00:45:01.100
Das ist nichts, was unsere Jugendlichen der Form unterschreiben oder abfeiern.

00:45:01.100 --> 00:45:04.200
Sondern sie möchten auch nicht, dass diese Zivilisten sterben.

00:45:04.200 --> 00:45:06.000
Holger Klein: So wie Deborah Schnabel glaubt auch Mehmet Can,

00:45:06.000 --> 00:45:10.800
dass es wichtig ist, Räume zu schaffen, in denen die Jugendlichen sich frei äußern können.

00:45:10.800 --> 00:45:14.100
Dabei braucht es aber auch klare Grenzen, die man als Lehrer setzt.

00:45:14.100 --> 00:45:18.100
Mehmet Can: Ein Kollege hat zum Beispiel davon berichtet, dass er in einer Vertretungssituation,

00:45:18.100 --> 00:45:21.700
dass da ein Schüler auch zu Gewalt gegen Juden aufgerufen hat.

00:45:21.700 --> 00:45:25.100
Wohl gemerkt, dass ist jetzt eine Situation, von der ich irgendwie berichte,

00:45:25.100 --> 00:45:27.300
das war ein sehr junges Alter, ich glaube, es war . oder . Klasse.

00:45:27.300 --> 00:45:31.500
Und da hat der Kollege bei all der Offenheit, die wir natürlich haben in diesem Zusammenhang,

00:45:31.500 --> 00:45:36.500
doch eine sehr deutliche rote Linie gesetzt, ohne diesen Schüler an sich abzuwerten,

00:45:36.500 --> 00:45:40.100
ohne die Beziehungsebene aufzugeben, aber nicht den Fehler zu machen,

00:45:40.100 --> 00:45:45.700
aus Sorge, die Beziehungsebene zu verletzen, zu verlieren, hier nicht einzuschreiten,

00:45:45.700 --> 00:45:46.600
wo es notwendig ist.

00:45:46.600 --> 00:45:48.900
Wir sind uns, denke ich, alle einig und auch die Jugendlichen,

00:45:48.900 --> 00:45:52.200
dass wir ein solches Vorgehen auch bei Rassismus haben sollten

00:45:52.200 --> 00:45:54.500
und dementsprechend ist das hier auch wichtig,

00:45:54.500 --> 00:45:57.800
dass wir da auch diese rote Linie nicht überschreiten.

00:45:57.800 --> 00:45:59.000
Holger Klein: Ganz grundsätzlich sieht Mehmet Can

00:45:59.000 --> 00:46:03.600
noch große Defizite in der Auseinandersetzung mit allen Diskriminierungsformen.

00:46:03.600 --> 00:46:08.200
Und das zeigt sich eben jetzt auch am Beispiel des Nahostkonflikts in den Schulen.

00:46:08.200 --> 00:46:10.000
Am Campus Rütli ist man da sehr gut aufgestellt.

00:46:10.000 --> 00:46:14.800
So gut, dass andere Berliner Schulen hier in den letzten Monaten um Hilfe gebeten haben.

00:46:14.800 --> 00:46:20.000
Mehmet Can: Leider Gottes muss man sagen, dass man in Deutschland ja Lehrkraft sein kann

00:46:20.000 --> 00:46:22.500
oder ein ganzes Lehramt-Studium absolviert haben kann,

00:46:22.500 --> 00:46:24.600
ohne sich in einer angemessenen Form mit Themen wie

00:46:24.600 --> 00:46:29.000
Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Homophobie entsprechend auseinandergesetzt hat.

00:46:29.000 --> 00:46:32.500
Also da ist tatsächlich eine Reform nötig, damit die Kolleginnen,

00:46:32.500 --> 00:46:35.600
die dann in den Schulalltag kommen, entsprechend vorbereitet sind.

00:46:35.600 --> 00:46:41.100
Und ich glaube, Die Bedeutung dieser Themen sind auch für Kolleginnen

00:46:41.100 --> 00:46:43.800
außerhalb der geisteswissenschaftlichen Fächer nicht zu unterschätzen

00:46:43.800 --> 00:46:46.800
und ich kann mir vorstellen, dass sie auch sehr dankbar drum sind,

00:46:46.800 --> 00:46:49.800
weil sie werden in ihrem Berufsalltag natürlich auch damit konfrontiert werden.

00:46:49.800 --> 00:46:52.500
Rassismus ist ein Thema, mit dem sie sich auskennen müssen.

00:46:52.500 --> 00:46:55.400
Sexismus ist ein Thema, wofür sie Antworten finden müssen

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und genauso geht es auch um Antisemitismus.

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Holger Klein: Mehmet Can wünscht sich entsprechende Reformen

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und auf der schulpolitischen Ebene mehr Zeit und Geld für diskriminierungskritische Arbeit.

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Auch wenn die Situation in Gaza weiterhin furchtbar ist,

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sind die Debatten am Campus Rütli ruhiger geworden.

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Mehmet Can: Das Thema wird von den Jugendlichen nicht mehr so in dieser Form

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auf die Tagesordnung gebracht und ich glaube nicht,

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das ist zumindest bezogen auf unsere Schule, daran liegt, dass sie Angst haben,

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sich nicht äußern zu können.

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Dafür sind unsere Jugendlichen viel zu wenig auf den Mund gefallen.

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Grade überwiegt die Trauer auch durchaus.

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Das muss man sehr deutlich sagen.

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Deswegen vielleicht so als Hausaufgabe auch für mich zu schauen,

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wie können wir diese Trauer noch besser begleiten?

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Wie könne wir dieser Trauer Ausdruck verleihen.

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Das ist schon etwas, was wir, glaube ich, noch weiter hier ausbauen müssten.

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*Musik*

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Was wir also mitnehmen können

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. Um den aktuellen Krieg im Nahen Osten einzuordnen, muss man weit zurückblicken,

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in die koloniale Vergangenheit der Region, auf die zahlreichen gewaltsamen Eskalationen

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um nationale Selbstbestimmung und die gescheiterten Friedensverhandlungen der letzten Jahrzehnte.

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Es ist kompliziert, das hat Stephan Stetter gezeigt.

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. Der Nahostkonflikt bietet eine riesige Projektionsfläche.

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Jede und jeder blickt aus einer anderen Erfahrung heraus auf den Konflikt.

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Durch extrem gewaltvolle Bilder und die Verbreitung antisemitischer und rassistischer Narrative,

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auch über Social Media Plattformen wie TikTok, sind die Debatten um den Konflikt immer emotional aufgeladen.

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In der Auseinandersetzung damit kommt es besonders auf eine Fähigkeit an,

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hat Deborah Schnabel erklärt, und zwar Empathie.

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. Den Nahostkonflikt in der Schule zu besprechen, ist eine besondere Herausforderung.

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Lehrerinnen und Lehrer müssen offene Diskussionsräume schaffen

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und gleichzeitig bei menschenfeindlichen Äußerungen klare Grenzen ziehen.

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Auf diese Aufgabe müssten sie besser vorbereitet werden, findet Mehmet Can.

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*Musik*

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Das war „Aus Politik und Zeitgeschichte“.

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Die APuZ „Naher Osten“ erscheint am . März.

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Darin finden Sie das komplette Interview mit Mehmet Can und Kerstin Ruoff,

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sowie Texte von Henner Fürtig, Azadeh Zamirirad, Camille Lons, Christoph Ehrhardt,

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Jenny Hestermann, Gil Murciano und Jan Busse.

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Die Ausgabe beschäftigt sich stärker mit den regionalen Zusammenhängen des Nahostkonflikts,

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weniger mit seiner Geschichte.

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Wer sich noch einmal tiefer mit dem historischen Hintergrund befassen will,

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dem und der empfehlen wir das gesamte Gespräch mit Stephan Stetter,

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als Sonderfolge dieses Podcasts.

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Wir freuen uns natürlich über Feedback zu diesem Podcast.

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Fragen, Lob, aber auch Kritik können Sie uns schicken an apuz@bpb.de.

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Ich bin Holger Klein und danke für die Aufmerksamkeit.

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*Musik*

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Der Podcast „Aus Politik und Zeitgeschichte“ wird von der APuZ-Redaktion

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in Zusammenarbeit mit hauseins produziert.

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Redaktion für diese Folge: Gina Enslin, Julia Günther und Martin Schiller.

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Sprecherin: Katrin Rönicke. Interview mit Mehmet Mehmet Can: Tilman Schröter.

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Schnitt: Oliver Kraus. Musik: Joscha Grunewald. Produktion: hauseins.

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Am Mikrofon war Holger Klein.

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Die Folgen stehen unter der Creative Commons Lizenz

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und dürfen unter Nennung der Herausgeberin zu nichtkommerziellen Zwecken weiterverbreitet werden.

