WEBVTT

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Tanja Michael: Mensch sein und Angst haben, das ist so eng miteinander verbunden,

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dass man das gar nicht trennen kann.

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Das ist eine Emotion, die sich ja wirklich über unsere ganze Evolutionsgeschichte entwickelt hat.

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Man kann eigentlich gar kein Mensch sein, ohne Angst zu haben.

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Sarah Zerback: Das sagt die Psychologin Tanja Michael.

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Angst gehört zum Leben einfach dazu, ohne sie geht es nicht.

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Aber es ist wichtig, einen guten Umgang mit der Angst zu finden.

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*Musik*

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Angst hilft uns evolutionär betrachtet beim Überleben,

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dabei, Gefahren zu erkennen und Risiken aus dem Weg zu gehen.

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Aber mit vielen Ängsten, die unsere Gesellschaft heute prägen,

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ist es gar nicht so leicht, umzugehen.

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Die Angst vor Krieg, die Angst vor Inflation, Klimaangst.

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Darum kann Angst in einer Gesellschaft lähmend wirken,

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aber auch zum Handeln aktivieren

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und politische Akteurinnen und Akteure können diese Ängste auf sehr verschiedene Art ansprechen.

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Wann also nützt uns Angst und wann schadet sie?

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Und wie geht ein guter, politischer Umgang mit Ängsten?

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Darum geht es in dieser Folge von „Aus Politik und Zeitgeschichte“

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und ich bin Sarah Zerback.

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Die Psychologin Tanja Michael erklärt,

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was Angst mit unserem Körper und unserer Psyche macht.

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Von der Soziologin Susanne Martin erfahren wir,

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wie Ängste in unserer Gesellschaft wirken.

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Und mit dem Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje habe ich darüber gesprochen,

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wie die Politik gerade mit Ängsten umgeht.

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Die Ausgabe der Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“ zum Thema „Angst“ finden Sie auf bpb.de/apuz.

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Wie immer gibt es auch zu dieser Folge ein Transkript.

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Sie finden es in der bpb-Mediathek oder als Link in den Shownotes.

00:01:37.000 --> 00:01:50.600
*Musik*

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Tanja Michael: Also vielleicht muss ich von Anfang an sagen,

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auch wenn Angst positiv sein kann oder nützlich sein kann,

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gut anfühlen tut sie sich nie.

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Sarah Zerback: Tanja Michael ist Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität des Saarlands.

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Tanja Michael: Angst fühlt sich immer unangenehm an.

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Weil sie eben diesen Aufforderungscharakter für uns hat, dass wir uns schützen sollen.

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Also, darum geht es ja, wir sollen uns schützen vor möglichen Gefahren.

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Sarah Zerback: Angst ist eine der sogenannten menschlichen Grundemotionen.

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Wie Freude, Trauer, Ekel oder Wut tragen wir Angst von Natur aus in uns.

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Wenn wir daran denken, dass Angst uns schützen kann,

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denken wir vielleicht direkt an konkrete Bedrohungssituationen,

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in denen Angst uns bei der Reaktion hilft.

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Dabei ist das nicht ganz richtig.

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Denn in der Psychologie ist dann von Furcht die Rede, erklärt Tanja Michael

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Tanja Michael: Furcht ist etwas sehr, sehr Schnelles auf eine sehr konkrete Gefahr.

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Nehmen wir mal an, es rennt ein aggressiver Hund auf uns zu oder ein Auto rast auf uns zu.

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Das heißt, wir haben hier eine sehr konkrete und objektiv bedrohliche Situation

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und unser Körper fängt automatisch an zu reagieren,

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sich darauf vorzubereiten auf diese Situation.

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Also, Stresshormone werden ausgeschüttet, das Herz schlägt schneller,

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das ganze autonome Nervensystem schießt nach oben

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und bereitet uns sozusagen auf Flucht oder auch auf Angriff vor.

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Also, auf jeden Fall auf eine Reaktion, dass wir umgehen können mit dieser sehr konkreten Gefahr.

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Und der Unterschied zur Angst ist, dass Angst ein bisschen diffuser ist.

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Das heißt, wir haben Angst auch vor etwas, was in der Zukunft ist.

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Wir haben Angst vor etwas, was sein könnte in der Zukunft.

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Also wir haben Angst, dass wir durch eine Prüfung durchfallen.

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Wir haben Angst davor, arbeitslos zu werden.

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Sarah Zerback: Angst bezieht sich also auf ein mögliches Ereignis in der Zukunft

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und ist dadurch weniger konkret.

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Trotzdem löst sie im Körper ganz ähnliche Reaktionen aus wie Furcht.

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Nur wird man die Angst eben schwerer wieder los.

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Tanja Michael: Wenn ich jetzt vorhin gesprochen habe von der Furchtreaktion,

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die ist so unmittelbar, da reagiere ich ja auch sofort.

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Und dann zum Beispiel laufe ich weg oder kämpfe ich

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und dann werden auch diese ganzen Stresshormone und diese ganze autonome Erregung des Körpers, die reagiert sich ab.

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Das dauert auch ein paar Stunden, aber dann ist es aus dem System draußen.

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Aber wenn ich jetzt Angst habe vor etwas, was in einer unbestimmten Zukunft passieren kann,

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dann kommen diese physiologischen Prozesse in Gang,

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ich kann aber nicht darauf reagieren, ich muss trotzdem am Schreibtisch sitzen und arbeiten.

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Ich muss trotzdem in der Schule sitzen und arbeiten.

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Ich mache so normale Dinge und mein Körper reagiert quasi diese Reaktion nicht ab

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und dann werden die halt auch für den Körper schädlich tatsächlich.

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Sarah Zerback: Aber wie soll man das machen, die Angst auflösen,

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gerade bei Themen, die schwer greifbar sind

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und mit denen wir über lange Zeiträume konfrontiert sind?

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Tanja Michael sagt, dass auch dann auf der körperlichen Ebene zum Beispiel Sport

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oder bewusstes Atmen oft helfen, um den Körper zu beruhigen.

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Das ändert zwar erst mal nichts am Auslöser der Angst,

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aber es kann den Stress, den wir deshalb spüren, verringern.

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Und weil Angst nicht nur körperlich ist, ist es entscheidend, über seine Ängste zu sprechen.

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Tanja Michael: Es bräuchte eben einen Rahmen, wo man sowas ausdrücken kann und gehört wird,

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aber wo man es einordnen kann, wo man sozusagen die Rationalität auch wieder reinbringen kann

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und sagen, okay, das ist berechtigt, das ist unberechtigt.

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Weil Angst ist ja was Physiologisches, aber es ist auch was sehr Kognitives.

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Und ich glaube, dieser kognitive Teil, da brauchen wir oft Hilfe von außen.

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Dass kann man auch bisschen alleine machen.

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Man kann sich das ja auch aufschreiben oder rational versuchen zu durchdenken.

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Aber es ist hilfreicher, wenn man andere Menschen hat, wenn man das besprechen kann,

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damit sich auch die Gedanken wieder beruhigen und wenn sich die Gedanken beruhigen,

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dann fängt auch an, die physiologische Reaktion sich zu beruhigen darauf.

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Sarah Zerback: Trotzdem, bei vielen angstbesetzten Themen, ist es schwer eine gute Lösung zu finden.

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Gerade gesellschaftliche Ängste, wie die Angst vor Krieg,

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oder auch vor einer Polarisierung der Gesellschaft,

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die können viel Einfluss aufs Lebensgefühl nehmen

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und lassen sich gleichzeitig nicht alleine lösen.

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Wie Angst vielleicht trotzdem in etwas Positives umgewandelt werden kann,

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erklärt Tanja Michael am Beispiel des Klimawandels.

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Tanja Michael: Also, individuell, denke ich, kann es positiv sein,

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wenn ich mich auseinandersetze mit meinen Ängsten und die nicht verdränge

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und damit dann auch zu Lösungsmöglichkeiten beitragen kann.

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Zum Beispiel wenn ich jetzt sage, okay,

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natürlich kann ich als Einzelperson nicht die Erderwärmung aufhalten, das geht nicht.

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Aber ich könnte mich zum Beispiel mit dem Thema auseinandersetzen und könnte mich einsetzen,

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wie man politisch das Thema so behandeln kann,

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dass es möglichst gute Maßnahmen gibt,

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die aber die Gesellschaft nicht überfordert und dann kann ich mich einbringen

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und dann kann ich auch was Positives erleben.

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Und zwar Selbstwirksamkeit könnte ich dann erleben

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und ich könnte auch vielleicht neue Kontakte knüpfen und mich verbunden fühlen mit anderen Menschen.

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Das könnte also was Positives sein individuell.

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Sarah Zerback: Angst kann in diesem Fall an Antrieb sein,

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selbst aktiv zu werden und zu handeln.

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Es kann aber auch genau andersrum laufen.

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Tanja Michael: Und zwar, wenn sich das Individuum überwältigt fühlt von diesen Ängsten sozusagen,

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keine Lösungsmöglichkeiten findet und keinen Umgang mit dieser Angst für sich selber findet.

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Dann kann das so ein sehr chronischer Zustand werden,

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der einen wie gesagt psychologisch als auch körperlich krank machen kann.

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Manche Leute ziehen sich zurück, andere Leute werden aggressiv.

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Ganz unterschiedlich kann sich das äußern dann, aber es kann sich eben auch destruktiv äußern.

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Also, dass Leute zum Beispiel sich politisch gar nicht mehr beteiligen

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oder dass sie anfangen, an Verschwörungstheorien zu glauben

00:08:00.000 --> 00:08:04.600
oder alles abwehren und sagen, das stimmt ja alles nicht, es ist alles gelogen.

00:08:05.000 --> 00:08:08.600
Das ist nichts, wovor ich Angst haben muss, sozusagen, um mich zu schützen.

00:08:09.000 --> 00:08:13.600
Das heißt, ja, das ist immer diese Zweischneidigkeit von Angst.

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Es kann positiv sein, dafür ist es gemacht,

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aber es kann eben auch umschlagen in was Negatives.

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Sarah Zerback: Dann wird Angst zu einer großen psychischen Belastung.

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Diese Belastungen sind je nach Altersgruppe unterschiedlich hoch,

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das zeigt die Studie „Die Ängste der Deutschen“.

00:08:31.000 --> 00:08:33.600
Je älter, desto besorgter sind die Menschen in Deutschland.

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Auch die Themen unterscheiden sich je nach Alter.

00:08:36.000 --> 00:08:40.600
Bei den Menschen über 60 sind die größten Ängste darauf bezogen, wie das Leben im Alter sein wird.

00:08:41.000 --> 00:08:45.600
Ein Pflegefall zu werden, sich nichts mehr leisten zu können und schwer zu erkranken.

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Bei jungen Menschen sind die Themen viel politischer:

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Die größte Angst der 14- bis 19-Jährigen war 2025 die vor einem Krieg mit deutscher Beteiligung,

00:08:54.000 --> 00:08:59.600
darauf folgen die Angst vor dem Einfluss von Trumps Politik auf die Welt und vor dem Klimawandel.

00:09:00.000 --> 00:09:03.600
Wie sich solche Ängste und der Einfluss gesellschaftlicher Krisen

00:09:04.000 --> 00:09:06.600
auf die psychische Belastungssituation junger Menschen auswirken,

00:09:07.000 --> 00:09:10.600
dazu haben Tanja Michael und ihr Team geforscht.

00:09:11.000 --> 00:09:15.600
Sie haben für ihre Studie – Guck-Hin-Studie heißt die – Jugendliche von fast allen saarländischen Schulen befragt.

00:09:16.000 --> 00:09:19.600
Tanja Michael: Wir haben nach individuellen Belastungsfaktoren gefragt,

00:09:20.000 --> 00:09:24.600
wie zum Beispiel Erkrankungen, Streit zu Hause und so weiter.

00:09:25.000 --> 00:09:30.600
Also, wie belastet sind die Schüler im privaten Umfeld?

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Was hier jetzt aber interessant wird:

00:09:33.000 --> 00:09:35.600
Wir haben sie auch nach gesellschaftlichen Themen gefragt.

00:09:36.000 --> 00:09:39.600
Wie belastet sind sie durch die COVID-19-Pandemie?

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Wie belastet sind sie durch den Ukraine-Krieg?

00:09:42.000 --> 00:09:44.600
Wie belastet sind sie durch die Erderwärmung?

00:09:45.000 --> 00:09:49.600
Und da haben wir gesehen, dass insgesamt

00:09:50.000 --> 00:09:53.600
jetzt unsere Jugendlichen leider, leider sehr belastet sind.

00:09:54.000 --> 00:09:57.600
Also 2022 hatten wir 39 Prozent der Jugendlichen,

00:09:58.000 --> 00:10:03.600
die hatten auf dem Fragebögen klinisch relevante Depressionssymptome

00:10:04.000 --> 00:10:08.600
und 50 Prozent hatten klinisch relevante Angstsymptome.

00:10:09.000 --> 00:10:12.600
Das sind keine Diagnosen, weil man nur durch den Fragebogen keine Diagnose vergeben kann,

00:10:13.000 --> 00:10:15.600
aber eigentlich würde ich als Klinikerin jetzt sagen,

00:10:16.000 --> 00:10:20.600
wir würden eigentlich gerne mindestens 40 Prozent dieser Jugendlichen sehen

00:10:21.000 --> 00:10:26.600
und angucken wollen und gucken, brauchen die wirklich Hilfe oder ist es noch okay sozusagen.

00:10:27.000 --> 00:10:30.600
Sarah Zerback: Alle drei Krisen, Pandemie, Ukraine-Krieg und die Erderwärmung,

00:10:31.000 --> 00:10:33.600
wurden von vielen Jugendlichen als sehr stressreich eingestuft.

00:10:34.000 --> 00:10:37.600
Individuelle und gesellschaftliche Ängste sorgen im Zusammenspiel

00:10:38.000 --> 00:10:40.600
für eine große Belastung bei den befragten jungen Menschen.

00:10:41.000 --> 00:10:46.600
Tanja Michael: Alles, was ganz nah ist an einem selber, das hat die stärkste Wirkkraft.

00:10:47.000 --> 00:10:47.600
Das ist ganz klar.

00:10:48.000 --> 00:10:54.600
Wenn ich mal bei den Jugendlichen bleibe und meine Mama eine Krebserkrankung hat,

00:10:55.000 --> 00:11:00.600
dann wirkt das stärker als die Angst vor dem Ukraine-Krieg bei einem deutschen Jugendlichen.

00:11:01.000 --> 00:11:05.600
Das ist ganz klar, weil das ist eine viel deutlichere Bedrohung für das eigene Leben

00:11:06.000 --> 00:11:08.600
als der Ukrainekrieg zum Beispiel.

00:11:09.000 --> 00:11:12.600
Aber was wir eben in der Guck-Hin-Studie gesehen haben,

00:11:13.000 --> 00:11:15.600
und das ist, glaube ich, wichtig, und was auch Kollegen in Deutschland

00:11:16.000 --> 00:11:19.600
und auch international sehen, ist, dass auch Leute,

00:11:20.000 --> 00:11:26.600
nicht alle, aber dass dann doch viele von diesen gesellschaftlichen Krisen doch mit beeinflusst werden.

00:11:27.000 --> 00:11:30.600
Das ist jetzt nicht ganz so krass, wie wenn man ein persönliches Problem hat,

00:11:31.000 --> 00:11:37.600
aber dass diese unterschiedlichen weiteren diffusen Ängste,

00:11:38.000 --> 00:11:42.600
die man hat vor gesellschaftlichen Sachen, die passieren könnten,

00:11:43.000 --> 00:11:51.600
eben wie gesagt Krieg oder Inflation, Arbeitslosigkeit, Verlust von Wohlstand,

00:11:52.000 --> 00:11:56.600
ich werde keine Arbeit finden, weil meine Arbeit durch KI ersetzt wird und so weiter,

00:11:57.000 --> 00:11:59.600
dass das sehr wohl auch wirksam ist.

00:12:00.000 --> 00:12:04.600
Auch auf Individuen, die jetzt noch nicht direkt betroffen sind davon.

00:12:05.000 --> 00:12:08.600
Und deswegen ist das auch, glaube ich, wichtig,dass Gesellschaft darauf reagiert.

00:12:09.000 --> 00:12:12.600
*Musik*

00:12:13.000 --> 00:12:14.600
Sarah Zerback: Wovor die Menschen in Deutschland am meisten Angst haben,

00:12:15.000 --> 00:12:18.600
das untersucht die R+V-Studie „Die Ängste der Deutschen“ schon seit über 30 Jahren.

00:12:19.000 --> 00:12:23.600
Im Jahr 2025 lag die Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten ganz vorne,

00:12:24.000 --> 00:12:28.600
gefolgt von einer möglichen Überforderung des Staates durch Geflüchtete.

00:12:29.000 --> 00:12:32.600
Anfang der 1990er Jahre hatten besonders viele Menschen Angst vor einer schweren Erkrankung.

00:12:33.000 --> 00:12:37.600
Und auch die Angst davor, dass die eigenen Kinder drogensüchtig werden könnten, war verbreitet.

00:12:38.000 --> 00:12:40.600
Ängste befinden sich also immer im Wandel.

00:12:41.000 --> 00:12:44.600
Und sie sind historisch betrachtet selbst auch ein Motor für gesellschaftliche Entwicklungen,

00:12:45.000 --> 00:12:46.600
erklärt die Soziologin Susanne Martin.

00:12:47.000 --> 00:12:49.600
Sie forscht an der Universität Frankfurt.

00:12:50.000 --> 00:12:53.600
Susanne Martin: Naheliegende Beispiele sind zunächst mal technische Fortschritte.

00:12:54.000 --> 00:12:58.600
Aber interessanter sind vielleicht die sozialen Regelwerke

00:12:59.000 --> 00:13:02.600
und Ordnungen des sozialen Zusammenlebens,

00:13:03.000 --> 00:13:09.600
die zivilisatorisch geschaffen wurden, um Ängste vor den Mitmenschen einzuhegen.

00:13:10.000 --> 00:13:12.600
Also dass mir mein Eigentum nicht genommen wird,

00:13:13.000 --> 00:13:17.600
dass ich nicht erschlagen werde, wenn ich bestimmte Dinge tue.

00:13:18.000 --> 00:13:25.600
Also da wurden ja zivilisatorisch Regelwerke, soziale, natürlich auch juristische,

00:13:26.000 --> 00:13:28.600
entwickelt, die solche Dinge verhindern.

00:13:29.000 --> 00:13:33.600
Und das sind immer auch Maßnahmen, die dann Angst einhegen.

00:13:34.000 --> 00:13:38.600
Sarah Zerback: Es gibt heute Polizei, ein umfassendes Rechtssystem, Versicherungen,

00:13:39.000 --> 00:13:41.600
internationale Abkommen und zahlreiche Regeln des Alltags,

00:13:42.000 --> 00:13:42.600
wie zum Beispiel Verkehrsregeln.

00:13:43.000 --> 00:13:46.600
All diese Entwicklungen können für mehr Sicherheit sorgen.

00:13:47.000 --> 00:13:49.600
Eine Gesellschaft ohne Angst ist trotzdem schwer vorstellbar.

00:13:50.000 --> 00:13:55.600
Susanne Martin: Auch hochentwickelte und hochgesicherte Gesellschaften sind nicht frei von Angst

00:13:56.000 --> 00:14:04.600
und können es nicht sein, weil Gesellschaften sich ja nicht proportional zum Guten oder zum Besseren entwickeln,

00:14:05.000 --> 00:14:09.600
schon gar nicht für alle Menschen, weil sie sich konflikthaft entwickeln

00:14:10.000 --> 00:14:14.600
und auch weil die Natur nicht grenzenlos beherrschbar ist,

00:14:15.000 --> 00:14:17.600
wie wir derzeit ja wieder deutlich sehen.

00:14:18.000 --> 00:14:24.600
Und all das birgt Risiken, Krisen, Gefahren, die potenzielle Angstauslöser sind.

00:14:25.000 --> 00:14:28.600
Sarah Zerback: Angstauslöser gibt es gerade in unserer Zeit der Polykrise viele.

00:14:29.000 --> 00:14:32.600
Zwischen den Ängsten und der Realität kann es dabei durchaus Abweichungen geben.

00:14:33.000 --> 00:14:37.600
Susanne Martin: Angst bezieht sich ja grundsätzlich auf etwas zukünftiges.

00:14:38.000 --> 00:14:43.600
Also sie bezieht sich ja auf eine erwartete oder eine drohende Gefahr,

00:14:44.000 --> 00:14:45.600
die noch gar nicht eingetreten ist.

00:14:46.000 --> 00:14:52.600
Und das Entscheidende ist dann aber, dass Angst, wenn wir es affektsoziologisch ausdrücken,

00:14:53.000 --> 00:14:59.600
sich an spezifische Objekte anheftet und sich dadurch konkretisiert.

00:15:00.000 --> 00:15:03.600
Also in diesen Anheftungsprozessen wird sie zu konkreter Angst.

00:15:04.000 --> 00:15:08.600
Entscheidend ist dabei auch, dass dieser Anheftungsprozess,

00:15:09.000 --> 00:15:14.600
also auf welche Objekte sich Angst richtet, der ist gesellschaftlich beeinflusst

00:15:15.000 --> 00:15:17.600
oder auch stark politisch beeinflusst,

00:15:18.000 --> 00:15:24.600
weil es nämlich von sozialen, von politischen und auch von kulturellen Vorstellungen abhängt,

00:15:25.000 --> 00:15:32.600
wer oder was als bedrohlich gilt und somit überhaupt zu einem Angstobjekt werden kann.

00:15:33.000 --> 00:15:37.600
Sarah Zerback: Wovor wir Angst haben, also an welche Objekte wir unsere Zukunftsängste heften,

00:15:38.000 --> 00:15:39.600
das hat eine gesellschaftliche Bedeutung.

00:15:40.000 --> 00:15:44.600
Susanne Martin: Angst kann auch so was wie ein Distinktionsmerkmal sein.

00:15:45.000 --> 00:15:48.600
Also, es gibt in Anführungszeichen „legitime Ängste“

00:15:49.000 --> 00:15:52.600
und es gibt in Anführungszeichen „illegitime Ängste“.

00:15:53.000 --> 00:16:01.600
Die Angst vor dem Klimawandel beispielsweise gilt in der Öffentlichkeit dann als eine gerechtfertigte

00:16:02.000 --> 00:16:04.600
vielleicht sogar als eine besonders vernünftige Angst.

00:16:05.000 --> 00:16:08.600
Ja, damit man den Klimawandel nicht weiter verdrängt,

00:16:09.000 --> 00:16:13.600
damit man endlich politisch Maßnahmen dagegen unternimmt,

00:16:14.000 --> 00:16:20.600
während, wir erinnern uns an die Zeit während Corona und alle möglichen Ängste,

00:16:21.000 --> 00:16:25.600
die im Kontext von Verschwörungsglauben etwa auch verortet sind.

00:16:26.000 --> 00:16:31.600
Das gilt dann öffentlich eher als illegitime Ängste

00:16:32.000 --> 00:16:35.600
und das sind dann letztlich normative Urteile,

00:16:36.000 --> 00:16:37.600
die sind umstritten und konflikthaft.

00:16:38.000 --> 00:16:41.600
Sarah Zerback: Gesellschaftliche Ängste funktionieren darin ähnlich wie individuelle Ängste:

00:16:42.000 --> 00:16:44.600
Es geht um den Umgang mit einer wahrgenommenen Bedrohung.

00:16:45.000 --> 00:16:51.600
Susanne Martin: Was Veränderungen von Ängsten betrifft, da kann man zunächst einmal sagen,

00:16:52.000 --> 00:16:57.600
dass sie sich in Abhängigkeit von gesellschaftlichen Gefahrenlagen ändern.

00:16:58.000 --> 00:17:02.600
Also in einer Wirtschaftskrise werden dann eben wirtschaftsbezogene Ängste virulent

00:17:03.000 --> 00:17:08.600
oder während der sogenannten Flüchtlingskrise 2015/16

00:17:09.000 --> 00:17:13.600
ist der Zustimmungswert zur Angst vor Zuwanderungen sehr stark angestiegen.

00:17:14.000 --> 00:17:20.600
Ich würde hier aber trotzdem keine Kausalität oder ein Wenn-Dann-Verhältnis unterstellen,

00:17:21.000 --> 00:17:28.600
denn zum einen gibt es Ängste, die sich im Zeitverlauf kaum ändern, sondern relativ stabil bleiben.

00:17:29.000 --> 00:17:31.600
Ein Beispiel ist die Angst vor Krankheiten.

00:17:32.000 --> 00:17:35.600
Und zum anderen gibt es gesellschaftliche Gefahrenlagen,

00:17:36.000 --> 00:17:40.600
die sich nicht oder kaum in entsprechenden Ängsten niederschlagen.

00:17:41.000 --> 00:17:45.600
Und hier wären die sogenannten Umweltängste ein Beispiel,

00:17:46.000 --> 00:17:50.600
also die Angst vor Naturkatastrophen oder dem Klimawandel.

00:17:51.000 --> 00:17:56.600
Bei denen zeigt sich nämlich, dass sie in den letzten Jahren gesamtgesellschaftlich abgenommen haben,

00:17:57.000 --> 00:18:04.600
und zwar geradezu konträr zum Anstieg der Gefahren der Umwelt- und Klimakrise.

00:18:05.000 --> 00:18:08.600
Sarah Zerback: Eine besondere Schwierigkeit im Umgang mit gesellschaftlichen Ängsten ist,

00:18:09.000 --> 00:18:12.600
dass für den Einzelnen der Handlungs- und Einflussbereich kleiner ist als im privaten Bereich.

00:18:13.000 --> 00:18:15.600
An dieser Stelle brauchen wir politische Vertreterinnen und Vertreter,

00:18:16.000 --> 00:18:19.600
die sich in unserem Sinne um unsere Ängste kümmern.

00:18:20.000 --> 00:18:26.600
Susanne Martin: Wenn wir davon ausgehen, dass durch Sicherheitsmaßnahmen, Schutzmaßnahmen,

00:18:27.000 --> 00:18:30.600
Angst gesellschaftlich eingedämmt werden kann,

00:18:31.000 --> 00:18:37.600
dann würde ich schon sagen, dass die Politik als erstes oder mit als erstes adressiert ist.

00:18:38.000 --> 00:18:43.600
Ganz wichtig ist aber sicherlich auch eine materielle Sicherheit.

00:18:44.000 --> 00:18:50.600
Also wir wissen, dass materielle Unsicherheiten eine sehr starke Quelle für Ängste sind.

00:18:51.000 --> 00:18:56.600
Wir wissen auch, dass in weniger privilegierten sozialen Positionen

00:18:57.000 --> 00:19:03.600
Angst sehr viel stärker ausgeprägt ist als in materiell gesicherten Positionen und Verhältnissen.

00:19:04.000 --> 00:19:08.600
Also das heißt, eine materielle Sicherheit zunächst mal herzustellen,

00:19:09.000 --> 00:19:12.600
das würde ich als ziemlich wichtig einstufen,

00:19:13.000 --> 00:19:19.600
aber auch vielleicht kollektive Umgangsweisen mit Angst zu ermöglichen,

00:19:20.000 --> 00:19:26.600
weil das Problem ist ja häufig, dass Angst verdrängt wird oder auch kanalisiert wird,

00:19:27.000 --> 00:19:28.600
zum Beispiel in Wut oder Ressentiments.

00:19:29.000 --> 00:19:36.600
Und um dem entgegenzuwirken, wären eben auch andere kollektive Umgangsweisen mit Angst

00:19:37.000 --> 00:19:40.600
auf gesellschaftlicher Ebene denkbar.

00:19:41.000 --> 00:19:43.600
*Musik*

00:19:44.000 --> 00:19:45.600
Sarah Zerback: Wie Ängste sich in Gesellschaften festsetzen,

00:19:46.000 --> 00:19:48.600
dabei spielen auch Politik und Medien eine wichtige Rolle.

00:19:49.000 --> 00:19:52.600
Auch sie beeinflussen, wie gefährlich Gegenwart und Zukunft erscheinen.

00:19:53.000 --> 00:19:56.600
Wie kann Politik mit den Ängsten der Bevölkerung so umgehen,

00:19:57.000 --> 00:20:00.600
dass sie ernstgenommen, aber nicht befeuert oder instrumentalisiert werden?

00:20:01.000 --> 00:20:04.600
Und welche politische Kommunikation hilft wirklich gegen Angst?

00:20:05.000 --> 00:20:08.600
Damit beschäftigt sich der Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje.

00:20:09.000 --> 00:20:09.600
Sarah Zerback: Hallo lieber Johannes Hillje.

00:20:10.000 --> 00:20:10.600
Johannes Hillje: Hallo, guten Tag.

00:20:11.000 --> 00:20:16.600
Sarah Zerback: Also die Deutschen, die haben erwiesenermaßen weniger Angst.

00:20:17.000 --> 00:20:20.600
Das zeigen Umfragen, zum Beispiel die Studie „Ängste der Deutschen 2025“.

00:20:21.000 --> 00:20:23.600
Und das ist ja schon bemerkenswert,

00:20:24.000 --> 00:20:25.600
weil die Krisen werden ja gerade nicht weniger.

00:20:26.000 --> 00:20:28.600
Die ökonomische Lage ist angespannt.

00:20:29.000 --> 00:20:29.600
Überrascht Sie das also?

00:20:30.000 --> 00:20:32.600
Johannes Hillje: Naja, Ängste sind immer stark ereignisgetrieben.

00:20:33.000 --> 00:20:37.600
Und es stimmt zwar, dass wir in einer Zeit von vielen Krisen leben,

00:20:38.000 --> 00:20:42.600
aber dennoch ist es ja so, dass gerade im letzten Jahr nicht noch eine neue Krise,

00:20:43.000 --> 00:20:48.600
ein neuer Krieg oder etwas anderes Schlimmes dazugekommen ist,

00:20:49.000 --> 00:20:53.600
sondern wir eigentlich eine Fortsetzung schon bekannter Krisen hatten.

00:20:54.000 --> 00:20:59.600
Aber immer dann, wenn Krisen beginnen, also wirtschaftliche Krisen auch vielleicht einen neuen Höhepunkt erreichen

00:21:00.000 --> 00:21:04.600
oder wenn ein Krieg ausgelöst wird, dann steigen immer kurzfristig die Ängste.

00:21:05.000 --> 00:21:11.600
Und danach setzt eigentlich so etwas wie eine Normalisierung einer instabilen Situation ein.

00:21:12.000 --> 00:21:14.600
Und ich glaube, das ist eigentlich das, was wir jetzt gerade erleben,

00:21:15.000 --> 00:21:19.600
weil im letzten Jahr keine neue Krise dazugekommen ist.

00:21:20.000 --> 00:21:22.600
Sarah Zerback: So ein bisschen die Gewöhnung an die Polykrise also.

00:21:23.000 --> 00:21:25.600
Und diese gemessenen, angegebenen Ängste,

00:21:26.000 --> 00:21:28.600
die die Menschen in Deutschland eben in Umfragen ja auch nennen

00:21:29.000 --> 00:21:32.600
und dann aber wiederum die öffentliche Debatte,

00:21:33.000 --> 00:21:38.600
medial, politisch, sind die denn deckungsgleich oder gibt es da ein Auseinanderdriften?

00:21:39.000 --> 00:21:42.600
Johannes Hillje: Naja, ich würde sagen, es gibt unterschiedliche Angstrealitäten.

00:21:43.000 --> 00:21:46.600
Es gibt einmal die emotionale Realität von Menschen,

00:21:47.000 --> 00:21:53.600
in der die subjektiven, also die persönlich wahrgenommenen Ängste stattfinden.

00:21:54.000 --> 00:21:57.600
Dann gibt es eine faktische Realität natürlich,

00:21:58.000 --> 00:22:03.600
an der man beispielsweise das statistische Risiko von einem angstbehafteten Thema,

00:22:04.000 --> 00:22:08.600
nehmen wir mal beispielsweise Kriminalität, ablesen kann.

00:22:09.000 --> 00:22:12.600
Und dann gibt es aber auch noch eine mediale Angstrealität,

00:22:13.000 --> 00:22:17.600
in der durch Auswahl, aber auch Aufbereitung von Themen

00:22:18.000 --> 00:22:20.600
Ängste verstärkt werden können, aber auch vernachlässigt werden können,

00:22:21.000 --> 00:22:22.600
wenn sie weniger thematisiert werden.

00:22:23.000 --> 00:22:27.600
Sarah Zerback: Was würden Sie sagen, welche Themen haben da sonst noch gerade Hochkonjunktur in Sachen Angst?

00:22:28.000 --> 00:22:31.600
Johannes Hillje: Ja, ich würde schon sagen, dass das Thema Krieg ja eine große Rolle spielt.

00:22:32.000 --> 00:22:38.600
Also wir haben ja im Grunde den Ukraine-Krieg wöchentlich in den Medien, in den Nachrichten.

00:22:39.000 --> 00:22:41.600
Und dann gibt es aber natürlich auch Themen, die angstbehaftet sind,

00:22:42.000 --> 00:22:47.600
also in der sowohl emotionalen Realität von Menschen als auch in der faktischen Realität,

00:22:48.000 --> 00:22:50.600
aber in der medialen Realität kommen sie nicht so viel vor.

00:22:51.000 --> 00:22:52.600
Das sind zum Beispiel die steigenden Preise.

00:22:53.000 --> 00:22:56.600
Das ist ja in dieser Studie, die bereits zitiert wurde von den R+V-Versicherungen,

00:22:57.000 --> 00:22:58.600
ist das die Top-Angst der Deutschen.

00:22:59.000 --> 00:23:02.600
Aber ich würde sagen, im Abgleich zum Thema Migration oder Krieg

00:23:03.000 --> 00:23:06.600
kommt dieses Thema weniger vor im medialen Diskurs.

00:23:07.000 --> 00:23:10.600
Sarah Zerback: Wir hören schon raus, also Medien spielen eine große Rolle dabei,

00:23:11.000 --> 00:23:14.600
wie Ängste rezipiert werden, wie damit umgegangen wird.

00:23:15.000 --> 00:23:18.600
Wie sollten denn politische Akteurinnen mit den Ängsten der Menschen umgehen?

00:23:19.000 --> 00:23:22.600
Johannes Hillje: Ich glaube, Politikerinnen und Politiker sollten erst mal nicht den Fehler machen

00:23:23.000 --> 00:23:26.600
und den Menschen ihre Ängste absprechen,

00:23:27.000 --> 00:23:31.600
weil Gefühle sind ja nun erst mal etwas Subjektives und sie sind eben auch erst mal da.

00:23:32.000 --> 00:23:35.600
Also sie sind diese Emotionalität, von der ich schon gesprochen habe

00:23:36.000 --> 00:23:41.600
und dieses subjektive Empfinden, das kann sich auch von einer objektiven Lage unterscheiden.

00:23:42.000 --> 00:23:48.600
Die politische Antwort auf Angst muss meines Erachtens Empathie sein,

00:23:49.000 --> 00:23:52.600
also erst mal eine Anerkennung, keine Absprechung der Gefühle von Menschen.

00:23:53.000 --> 00:24:00.600
Aber wenn es einen größeren Graben gibt zwischen einer emotionalen und einer faktischen Realität,

00:24:01.000 --> 00:24:05.600
dann sollten Politikerinnen und Politiker neben einer Empathie

00:24:06.000 --> 00:24:11.600
natürlich auch die Empirie als Argument benutzen und nicht so tun,

00:24:12.000 --> 00:24:15.600
als sei diese emotionale Realität auch gleich der faktischen Realität.

00:24:16.000 --> 00:24:20.600
Und das wäre auch eine Kommunikationsstrategie, die, wenn man sich anguckt,

00:24:21.000 --> 00:24:23.600
was die Kognitionswissenschaften zur Rolle von Emotionen sagen

00:24:24.000 --> 00:24:26.600
in der politischen Einstellungsbildung auch ganz gut passen würde.

00:24:27.000 --> 00:24:31.600
Weil das emotionale Denken ist immer ein Stück weit schneller als das reflektierte Denken.

00:24:32.000 --> 00:24:38.600
Das heißt aber auch, dass man Emotionen als ein Türöffner nutzen kann zum reflektierten Denken.

00:24:39.000 --> 00:24:43.600
Wenn ich aber die Tür von vornherein zuschließe, indem ich sage als Politiker,

00:24:44.000 --> 00:24:49.600
deine Ängste sind unberechtigt, dann wird dieses reflektierte Denken gar nicht erst einsetzen.

00:24:50.000 --> 00:24:54.600
Deswegen glaube ich, kann man mit Emotionen diese Tür öffnen zum rationaleren Denken,

00:24:55.000 --> 00:24:57.600
indem man eine Anerkennung von Ängsten zeigt

00:24:58.000 --> 00:25:01.600
und dann aber wiederum vielleicht auf die Ebene von Fakten,

00:25:02.000 --> 00:25:04.600
von Empirie und so weiter zu sprechen kommt.

00:25:05.000 --> 00:25:07.600
Sarah Zerback: Es fällt ja auf, wenn man sich mal anschaut,

00:25:08.000 --> 00:25:12.600
wer unter den Wählerinnen, den Anhängern bestimmter Parteien besonders große Ängste hat

00:25:13.000 --> 00:25:16.600
oder sich in der Öffentlichkeit zum Beispiel besonders unsicher fühlt,

00:25:17.000 --> 00:25:20.600
dann ist das besonders unter Anhängern der AfD der Fall.

00:25:21.000 --> 00:25:22.600
Wie erklären Sie sich das denn?

00:25:23.000 --> 00:25:30.600
Johannes Hillje: Ja, es gibt diese Studien, dass AfD-Wählerinnen und Wähler ängstlicher sind als andere Wählerinnen und Wähler.

00:25:31.000 --> 00:25:34.600
Und die Frage ist jetzt aber ein bisschen, warum ist das so?

00:25:35.000 --> 00:25:39.600
Und da ist es, finde ich, auch nicht so ganz einfach, Ursache und Wirkung auseinanderzuhalten.

00:25:40.000 --> 00:25:43.600
Also hat das wirklich mit deren Persönlichkeitsstruktur zu tun,

00:25:44.000 --> 00:25:45.600
wäre ja eine Frage, die man stellen müsste.

00:25:46.000 --> 00:25:49.600
Hat es vielleicht auch was mit dem eigenen Lebensumfeld zu tun?

00:25:50.000 --> 00:25:56.600
Es gibt nun mal soziale Milieus, es gibt Stadtteile oder sagen wir mal Lebensumfelder,

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in der auch eine höhere Unsicherheit herrscht als in anderen.

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Also das Lebensumfeld kann schon auch wirklich ein realer Grund dafür sein,

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dass manche Menschen mehr Angst haben als andere.

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Und dann können natürlich aber auch, und deswegen sprach ich von Ursache und Wirkung,

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die Angstbotschaften der Partei selbst hier eine große Rolle spielen.

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Also wir wissen ja aus der Analyse der Kommunikation der AfD,

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dass Angst eine ganz zentrale Emotion ist,

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die sie immer wieder versucht zu erzeugen bei ihren Anhängerinnen und Anhängern.

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Sie bleibt auch übrigens nicht dann bei der Angst stehen,

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sondern meines Erachtens ist das so eine Transformierung der Angst in eine Wut,

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die durch die AfD versucht wird.

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Weil Wut eigentlich die mobilisierende, die politisch mobilisierende Emotion ist.

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Angst kann auch zu einem passiven Verhalten bei Menschen führen.

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Aber Wut führt in der Regel zu einer Aktivierung.

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Und die Partei will ja, dass die Menschen sich an Wahlen beteiligen, dass die sich politisch einbringen.

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Die wollen ja kein politisch passives Verhalten.

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Sarah Zerback: Kann man denn sagen, wann es besonders gut gelingt,

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Ängste gezielt zu schüren, sie einzusetzen,

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also wovon es abhängig ist, wo Angst dann andocken kann?

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Johannes Hillje: Also es gibt, unterschiedliche Ängste, aber eine Angst,

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die im politischen Diskurs eine ganz wirkmächtige Emotion ist, ist die Verlustangst.

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Und eine Verlustangst kann wiederum auch sehr unterschiedlich ausgestaltet sein.

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Also es kann bei Verlustangst um den Verlust des eigenen Lebens gehen

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oder der eigenen Gesundheit im Sinne der Verschlechterung des gesundheitlichen Zustands.

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Das wäre bei der Pandemie beispielsweise eine mögliche Angst gewesen.

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Es kann aber auch, das ist bei ökonomischen Diskussionen dann oftmals der Fall,

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um den Verlust von eigenem Wohlstand, von Besitz, von finanziellem Vermögen gehen.

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Das war meines Erachtens so eine zentrale Emotion,

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die in der Debatte um das Heizungsgesetz evoziert wurde.

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Also da, das war 2023, als diese Debatte losging,

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da spielten ja so einzelne Hauseigentümer eine Rolle, vor allem in den Boulevardmedien.

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Und dann wurde eben erzählt, dass Hauseigentümer der Meinung sind,

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dass sie bei dieser Umrüstung sich ihr Eigenheim nicht mehr leisten können

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und dann in eine, sagen wir mal, kleinere Wohnung umziehen müssten.

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Also da hat die ökonomische Verlustangst eine ganz große Rolle gespielt.

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Politik hat ja sozusagen in der Regel ja immer zum Ziel,

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eine Form der Veränderung auch zu erzeugen.

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Soll natürlich nach Lesart der Politik eine Veränderung zum Besseren sein.

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Es sollen Missstände behoben werden.

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Aber Veränderung kann eben auch für Menschen, manchmal für einzelne Gruppen,

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manchmal auch für Mehrheiten, aber eine Verschlechterung bedeuten.

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Und mit diesem Moment der Unsicherheit in Veränderung

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spielen oftmals auch Gegner von politischen Vorschlägen,

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indem sie dann sagen, hier wird euch etwas weggenommen, ihr verliert hierbei.

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Und diese Verlustangst ist etwas, was eine große Rolle spielt in der politischen Einstellungsbildung.

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Menschen wollen Verluste vermeiden, Verluste jeglicher Art.

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Sarah Zerback: Dann kann man also sagen, also je nach Angst lassen sich Menschen gut lenken,

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wenn sie eben ängstlich sind.

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Wurde denn Angst in der Politik immer schon strategisch eingesetzt, auch in Demokratien?

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Johannes Hillje: Ja, ich glaube, das kann man so sagen.

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Die Angst ist ja im Grunde so alt wie die Menschheit selbst

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und Emotionen spielen auch schon immer in der Politik eine Rolle

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und wir können auch da im Grunde durch die unterschiedlichen Jahrzehnte,

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wir müssen jetzt gar nicht sozusagen durch die Jahrhunderte gehen,

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aber wenn wir mal in der Bundesrepublik bleiben,

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dann können wir da durch die unterschiedlichen Jahrzehnte gehen und sehen immer,

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dass es auch bestimmte Ängste gab, die im politischen Diskurs angesprochen,

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teilweise aber auch verstärkt wurden.

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Es gab die Angst vor der Atomkraft, es gab mal die Angst vor der Atombombe.

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Johannes Hillje: Das war vor allem auch so nach dem Zweiten Weltkrieg,

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wo es auch um eine Wiederaufrüstung Deutschlands ging, spielte das eine Rolle.

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Es gab während des Kalten Kriegs die Angst vor dem Systemfeind.

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Es gab in wirtschaftlich schwierigen Zeiten immer auch eine Angst vor Arbeitslosigkeit.

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Heute würde ich sagen, spielt so eine etwas diffusere Zukunftsangst eine große Rolle.

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Also Menschen haben das Gefühl, der Wohlstand,

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den man sich als Gesellschaft und Volkswirtschaft erarbeitet hat, der ist in Gefahr.

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Es könnte sein, dass es unseren Kindern mal nicht besser geht,

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sondern es kann sein, dass es den eigenen Kindern,

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wenn überhaupt nur noch genauso gut geht,

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also sich das Wohlstandsniveau gerade so halten lässt, vielleicht aber auch schlechter wird.

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Und deswegen, ich glaube, Ängste spielen immer eine Rolle

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weil sie für die politische Einstellungsbildung eine zentrale Rolle wirklich spielen.

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Also es gibt so in der politischen Emotionsforschung die Erkenntnis,

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dass drei Emotionen sich besonders stark auf die politischen Einstellungen von Menschen auswirken.

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Und das ist die Angst, das ist die Wut und das ist die Hoffnung.

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Und deswegen ist es sozusagen ganz natürlich,

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dass wir mit denen immer irgendwie operieren im politischen Diskurs.

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Oftmals gibt es ja so ein bisschen, ich würde fast sagen, das Vorurteil über rechtspopulistische Kräfte,

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dass sie allein mit Angst, allein mit Wut Politik machen.

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Sie machen aber auch mit Hoffnung Politik.

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Also sie erzeugen mindestens bei ihren eigenen Wählerinnen und Wählern Hoffnung.

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Donald Trump hat ja auch mit seinem Slogan „Make America Great Again“

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erst mal eine positive Formulierung, eine positive Vision.

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Die ist zulasten unterschiedlicher Gruppen,

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beispielsweise Minderheiten, beispielsweise Migranten, beispielsweise Frauen,

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aber trotzdem verspricht er eine glorreiche Zukunft.

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Er spricht ja auch vom goldenen Zeitalter.

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Und auch in Deutschland ist es so, dass wenn man sich anguckt,

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wie eigentlich welche Art oder welche Intensität der Hoffnung die einzelnen Parteien bei ihren Wählerinnen und Wähler erzeugen,

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dann sieht man, dass die AfD am stärksten Hoffnung in ihrer Anhängerschaft erzeugt,

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mehr als das die CDU bei ihrer Wählerschaft schafft oder die SPD bei ihrer Wählerschaft

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oder die anderen Parteien bei ihrer Wählerschaft.

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Also diese Parteien, die wir oftmals so als die Angstmacher oder Wutmacher oder Wutverstärker bezeichnen,

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die sind auch Hoffnungsträger in ihrem Lager.

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Und was ich vermisse, sind wirklich sozusagen glaubhafte, plausible

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und ein Stück weit auch nachhaltige Hoffnungserzählungen,

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die aus der demokratischen Mitte herauskommen.

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Sarah Zerback: Ich habe gelesen, Sie raten zu einer demokratischen Emotionalisierung.

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Wie könnte die denn aussehen?

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Johannes Hillje: Ich glaube erst mal, dass man die ex negativo definieren kann,

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also in Abgrenzung zu einer undemokratischen Emotionalisierung.

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Das heißt, wenn Emotionen geschürt werden und dabei demokratische Grundwerte verletzt werden,

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also wenn ich zum Beispiel einzelnen Gruppen in der Gesellschaft das Menschsein abspreche,

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sie dehumanisiere, dann finde ich, ist das eine undemokratische Emotionalisierung.

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Wenn ich demokratische Mitbewerber zu Feinden stilisiere,

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dann ist es auch meines Erachtens eine undemokratische Emotionalisierung.

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Also das sollte man erst mal nicht tun in einer demokratischen Emotionalisierung.

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Aber was sollte man tun, stellt sich dann als Frage

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und ich glaube schon anschließend an das, was wir eben besprochen haben,

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dass demokratische Kräfte schon die Aufgabe haben,

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Hoffnung zu machen für die Zukunft und sozusagen glaubhaft zu vermitteln,

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dass durch ihre Politik sich etwas verbessern kann,

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auch wenn es vielleicht manchmal nur darum geht,

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mehr Stabilität in einer unsicheren Zeit zu erzeugen.

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Und dann stellt sich aber natürlich die Frage, wie kann das praktisch gelingen

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und da gibt es wiederum auch eine sehr interessante wissenschaftliche Disziplin,

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die Hoffnungsforschung, die ist in der Sozialpsychologie angesiedelt

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und die sagt, man braucht eigentlich drei Zutaten, um wirklich nachhaltig Hoffnung zu erzeugen

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und auch nicht so etwas wie ein leeres Versprechen irgendwie in die Öffentlichkeit zu tragen.

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Das ist ja oftmals die Gefahr, dass Menschen dann ein Versprechen als unglaubwürdig,

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als leeres Versprechen wahrnehmen.

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Erste Zutat ist ein Ziel zu formulieren, was viele Menschen unterstützen,

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weil es als attraktiv empfunden wird.

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Zweite Zutat ist ein plausibler Umsetzungsplan,

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also dass ich den Menschen schon glaubhaft vermitteln kann,

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ich weiß, wie wir dieses Ziel erreichen können.

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Und das Dritte, das ist ganz wichtig, das ist eine Form der Selbstwirksamkeit der Menschen.

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Also, dass sie das Gefühl haben, sie sind Subjekt in einem Veränderungsprozess

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und spielen da eine Rolle, können sich womöglich sogar beteiligen,

00:34:41.000 --> 00:34:45.600
sehen aber in jedem Fall, welche Rolle sie bei einer bestimmten Veränderung spielen.

00:34:46.000 --> 00:34:51.600
Und das ist gerade etwas, was der Politik, finde ich, ja wirklich schwerfällt.

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Und wir können das bei einem ganz konkreten Thema,

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diesem Sondervermögen der Infrastruktur sehen in der aktuellen Debatte,

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dass das eigentlich sehr technokratisch, sehr distanziert zu den Leuten diskutiert wird,

00:35:04.000 --> 00:35:08.600
obwohl es ja real so nah an den Menschen dran ist, weil Infrastruktur uns alle im Alltag betrifft.

00:35:09.000 --> 00:35:11.600
Sarah Zerback: Der Kommunikations- und Politikberater Johannes Hillje.

00:35:12.000 --> 00:35:12.600
Herr Hillje, vielen Dank für das Gespräch.

00:35:13.000 --> 00:35:13.600
Johannes Hillje: Ich danke auch.

00:35:14.000 --> 00:35:16.600
*Musik*

00:35:17.000 --> 00:35:17.600
Sarah Zerback: Was wir also mitnehmen können

00:35:18.000 --> 00:35:20.600
1. Angst gehört zum Leben als Mensch dazu

00:35:21.000 --> 00:35:25.600
und ist ein wichtiger Mechanismus, der uns dazu bringt, auf Bedrohungen zu reagieren.

00:35:26.000 --> 00:35:32.600
2. Die Effekte von Angst können auf individueller und auf gesellschaftlicher Ebene immer in zwei Richtungen ausfallen.

00:35:33.000 --> 00:35:36.600
Je nachdem, wie mit der Angst umgegangen wird, kann sie aktivieren oder lähmend sein.

00:35:37.000 --> 00:35:39.600
Das haben Tanja Michael und Susanne Martin erklärt.

00:35:40.000 --> 00:35:43.600
3. Politik greift Ängste auf, schon immer.

00:35:44.000 --> 00:35:48.600
Johannes Hillje betont, dass Politikerinnen und Politiker Ängste anerkennen sollten.

00:35:49.000 --> 00:35:52.600
Um erfolgreich zu sein, reicht es aber auch nicht sich nur auf Ängste zu beziehen:

00:35:53.000 --> 00:35:56.600
Hoffnung ist eine Emotion, die genauso angesprochen werden sollte.

00:35:57.000 --> 00:35:59.600
*Musik*

00:36:00.000 --> 00:36:01.600
Das war „Aus Politik und Zeitgeschichte“.

00:36:02.000 --> 00:36:05.600
In unserem Heft mit dem Titel „Angst“ können Sie noch mehr zum Thema lesen.

00:36:06.000 --> 00:36:07.600
Den Link dazu finden Sie in den Shownotes.

00:36:08.000 --> 00:36:09.600
Wir freuen uns natürlich über Feedback zu diesem Podcast.

00:36:10.000 --> 00:36:14.600
Fragen, Lob, aber auch Kritik können Sie uns schicken an apuz@bpb.de.

00:36:15.000 --> 00:36:16.600
In vier Wochen erscheint die nächste Folge,

00:36:17.000 --> 00:36:18.600
dann sprechen wir über Biodiversität.

00:36:19.000 --> 00:36:21.600
Mein Name ist Sarah Zerback, bis zum nächsten Mal.

00:36:22.000 --> 00:36:34.600
*Musik*

00:36:35.000 --> 00:36:40.600
Der Podcast „Aus Politik und Zeitgeschichte“ wird von der APuZ-Redaktion in Zusammenarbeit mit hauseins produziert.

00:36:41.000 --> 00:36:44.600
Redaktion für diese Folge: Gina Enslin, Isabel Röder und Luise Römer.

00:36:45.000 --> 00:36:48.600
Produktion: Oliver Kraus. Musik: Joscha Grunewald.

00:36:49.000 --> 00:36:49.600
Am Mikrofon war Sarah Zerback.

00:36:50.000 --> 00:36:52.600
Die Folgen stehen unter der Creative Commons Lizenz

00:36:53.000 --> 00:36:57.000
und dürfen unter Nennung der Herausgeberin zu nichtkommerziellen Zwecken weiterverbreitet werden.


