WEBVTT

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O-Ton ZDF Reporter: Wir sehen in fassungslose Gesichter von Dresdnern,

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die kommen, die natürlich Fotos machen, die kopfschüttelnd vor der Brücke stehen

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und sich nur fragen, was ist hier los, wie konnte das passieren?

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Sarah Zerback: Die Carola-Brücke in Dresden.

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Im September 2024 ist sie eingestürzt.

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Abgebrochene Brückenteile in der Elbe.

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Das waren Bilder, die nicht nur in Dresden für Fassungslosigkeit gesorgt haben.

00:00:20.000 --> 00:00:23.000
So wie es der Reporter hier im ZDF berichtet.

00:00:23.000 --> 00:00:28.000
Sie haben in ganz Deutschland die Aufmerksamkeit auf den Zustand der Infrastruktur gelenkt.

00:00:28.000 --> 00:00:30.000
Denn die ist an vielen Stellen marode.

00:00:30.000 --> 00:00:33.000
Von kaputten Brücken über baufällige Schulen bis hin zu Funklöchern.

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Aber woran liegt das?

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Und was muss sich ändern, damit es in Zukunft besser läuft?

00:00:38.000 --> 00:00:42.000
*Musik*

00:00:42.000 --> 00:00:47.000
Ich bin Sarah Zerback und wir sprechen in dieser Folge "Aus Politik und Zeitgeschichte" über die Infrastruktur in Deutschland.

00:00:47.000 --> 00:00:50.000
Denn wenn die nicht funktioniert, ist das nicht nur ärgerlich im Alltag,

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sondern auch ein großes Problem für Politik und Wirtschaft.

00:00:54.000 --> 00:01:01.000
Die Ökonomin Katja Rietzler erklärt, wie Investitionen in die Infrastruktur langfristig wirksam sein können.

00:01:01.000 --> 00:01:03.600
Der Wirtschaftsjournalist Rainer Hank warnt vor den großen Risiken,

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wenn man dafür immense Staatsschulden aufnimmt.

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Und der Ökonom Robert Gold beschreibt,

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wie kaputte Infrastruktur auch mit den Wahlerfolgen von Rechtspopulisten zusammenhängt.

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Und warum umgekehrt funktionierende Infrastruktur unserer Demokratie gut tut.

00:01:20.000 --> 00:01:26.600
Die Ausgabe der Zeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" zum Thema Infrastruktur finden Sie auf bpb.de/apuz.

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Wie immer gibt es auch zu dieser Folge ein Transkript.

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Sie finden es in der BPB Mediathek oder als Link in den Shownotes.

00:01:35.000 --> 00:01:47.600
*Musik*

00:01:48.000 --> 00:01:52.600
O-Ton Saskia Esken: Wir wollen uns darum kümmern, dass unsere Infrastruktur modernisiert, dass Brücken, Schienen saniert werden,

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dass Schulen, Kitas, Krankenhäuser wieder zuverlässig an der Seite der Menschen stehen und funktionieren.

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Sarah Zerback: Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken kündigt es hier Mitte April bei der Vorstellung des schwarz-roten Koalitionsvertrags an.

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Die neue Bundesregierung will massiv in die Infrastruktur investieren.

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Mit einem Sondervermögen von 500 Milliarden Euro.

00:02:13.000 --> 00:02:16.600
Das heißt, der Bund nimmt für diese Investitionen Schulden auf.

00:02:17.000 --> 00:02:20.600
Viel Geld also für, ja, für was eigentlich genau?

00:02:21.000 --> 00:02:23.600
Infrastruktur kann man grob in zwei Bereiche unterteilen.

00:02:24.000 --> 00:02:30.600
Einerseits technische Infrastruktur, zum Beispiel Strom- und Funknetze, Wasserleitungen, Autobahnen, Brücken.

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Und andererseits soziale Infrastruktur, Schulen, Krankenhäuser und Sportanlagen zum Beispiel.

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Was auch immer man im Einzelnen zur Infrastruktur zählt,

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sie ist die Voraussetzung für wirtschaftliches Handeln, Mobilität und Sicherheit.

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Katja Rietzler: Das sind bauliche Strukturen, auf denen eben auch unsere Wirtschaftstätigkeit basiert,

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die wir brauchen für unsere täglichen Aktivitäten und die wir auch gemeinsam nutzen können.

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Sarah Zerback: Das sagt Katja Rietzler, Ökonomin und Expertin für Fiskalpolitik.

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Katja Rietzler: Das sind eben im Wesentlichen so Dinge wie öffentliche Gebäude, Netze und Leitungen, Verkehrsnetze, von der Wasserstraße bis zur Schiene.

00:03:11.000 --> 00:03:14.600
Aber ich denke, da wird es wahrscheinlich auch keine eindeutige Abgrenzung geben.

00:03:15.000 --> 00:03:19.600
Und die Frage, die mich interessiert, ist ja dann auch immer interessant,

00:03:20.000 --> 00:03:28.600
inwieweit sind da Dinge staatlich zu finanzieren und eben eine Gemeinschaftsaufgabe für die Gesellschaft.

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Und inwieweit kann das auch in private Hände gegeben werden.

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Sarah Zerback: In Deutschland wurde gerade im Bereich der klassischen Infrastruktur, vor allem in den 50er und 60er Jahren,

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viel im Krieg Zerstörtes wieder aufgebaut.

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Ab den 1980er Jahren wurden dann Teile der Infrastruktur privatisiert, mal mehr, mal weniger erfolgreich.

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Private Unternehmen haben zum Beispiel den Betrieb oder die Instandhaltung übernommen.

00:03:51.000 --> 00:03:55.600
Die Gesamtverantwortung für das Funktionieren der Infrastruktur blieb jedoch beim Staat.

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Nach der Wiedervereinigung gab es dann erst mal einen großen Investitionsbedarf im Osten.

00:04:00.000 --> 00:04:06.600
Doch auch danach hätte von staatlicher Seite weiterhin deutlich mehr Geld in die Infrastruktur fließen müssen, meint Katja Rietzler.

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Heute seien die Defizite deutlich sichtbar.

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Katja Rietzler: Da hakt es wirklich an ganz vielen Stellen.

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Also wir haben bei der Schieneninfrastruktur, was ja eher so eine überregionale Bundesaufgabe ist, große Rückstände.

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Ist ja auch für niemanden überraschend, das ist ja eigentlich Gesprächsthema seit Jahren in Deutschland.

00:04:24.000 --> 00:04:28.600
Ein anderer Hotspot ist eben kommunale Infrastruktur, Schulgebäude beispielsweise,

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wo immer noch große Nachholbedarfe sind und wo eben auch die regionalen Unterschiede schon sehr groß sind.

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Auch die regionalen Unterschiede beim Umgang mit der ganzen Problematik, also so anekdotische Evidenz.

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Also in Bayern scheint es halt sehr oft den Ansatz zu geben, abreißen, neu bauen.

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Im Saarland sieht man halt im Bereich Schulgebäude sehr hohe Instandhaltungsausgaben.

00:04:56.000 --> 00:05:00.600
Also die pflegen das eher, bis es auseinanderfällt.

00:05:01.000 --> 00:05:07.600
In NRW ist wieder halt Auslagerung und entsprechend hohe Mietausgaben für Schulgebäude so ein Ansatz.

00:05:08.000 --> 00:05:11.600
Also da sieht man schon auch, die Lage ist sehr unterschiedlich.

00:05:12.000 --> 00:05:16.600
Die eher klammen Bundesländer kommen da halt noch mal auf ganz andere Ansätze.

00:05:17.000 --> 00:05:20.600
Sarah Zerback: Katja Rietzler arbeitet für die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung.

00:05:21.000 --> 00:05:25.600
Die Stiftung hat im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft eine Studie vorgelegt,

00:05:26.000 --> 00:05:32.600
die feststellt, Der Staat müsste im Laufe der nächsten zehn Jahre 600 Milliarden Euro zusätzlich investieren,

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um die Infrastruktur und damit Gesellschaft und Wirtschaft zukunftsfähig zu machen.

00:05:38.000 --> 00:05:41.600
Die kürzlich beschlossenen 500 Milliarden seien also etwas zu wenig.

00:05:42.000 --> 00:05:45.600
Katja Rietzler: Aber es ist auf jeden Fall ein begrüßenswerter, wichtiger Ansatz.

00:05:46.000 --> 00:05:50.600
Wir brauchen solche zusätzlichen Mittel und eben auch in den unterschiedlichsten Bereichen.

00:05:51.000 --> 00:05:56.600
Und ganz entscheidend ist halt, dass wir damit wirklich zusätzliche Investitionen fahren lassen können.

00:05:57.000 --> 00:06:04.600
Und dass diese Mittel bei den Empfängern von Investitionszuschüssen zu zusätzlichen Investitionen führen

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und eben nicht einfach eine andere Art der Finanzierung von bereits geplanten Investitionen sind.

00:06:12.000 --> 00:06:14.600
Sarah Zerback: Weil Kommunen durch Sozialausgaben unterschiedlich stark belastet sind,

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haben sie auch unterschiedlich viel Spielraum für Investitionen in Infrastruktur.

00:06:19.000 --> 00:06:22.600
Das Sondervermögen bietet vor allem auch bessere Planbarkeit.

00:06:23.000 --> 00:06:23.600
Ein wichtiger Faktor.

00:06:24.000 --> 00:06:26.600
Katja Rietzler: Was, glaube ich, auch ein ganz wichtiger Aspekt bei diesem Sondervermögen ist,

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weil ja sehr oft dann auch die Meinung vertreten wird, ja, es liegt doch gar nicht am Geld.

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Und wenn wir da mal Geld bereitstellen, da wird es ja oft gar nicht abgerufen.

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Also am Geld liegt es nicht.

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Aber das ist ein Trugschluss, wenn man so argumentiert,

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weil das Problem ja auch ist, dass oft eben Kapazitäten nicht vorhanden sind für,

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wenn jetzt mal so punktuell auf einmal ein paar Milliarden plötzlich doch zur Verfügung gestellt werden für Investitionsmaßnahmen,

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dann ist man vielleicht nicht vorbereitet, weil man mit sowas nicht gerechnet hat

00:06:59.000 --> 00:07:04.600
und weil man grundsätzlich drumherum nicht die Mittel hat, eben Kapazitäten vorzuhalten,

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weil auch die Bauwirtschaft eben sich vielleicht auch zurückhält bei neuen Investitionen,

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weil sie sagen, so stetig kommen ja die Aufträge nicht, da bleiben wir mal lieber sparsam.

00:07:16.000 --> 00:07:19.600
Und die große Chance bei diesem Sondervermögen sehe ich jetzt auch darin,

00:07:20.000 --> 00:07:23.600
dass wir jetzt einfach eine Perspektive schaffen können.

00:07:24.000 --> 00:07:28.600
Die Planungssicherheit für alle Akteure beinhaltet, sodass man eben auch weiß,

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dass man für die nächsten Jahre investieren kann, weil die Mittel zur Verfügung stehen werden

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und wir da eben eine Langfristperspektive haben.

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Sarah Zerback: Langfristigkeit ist auch aus politischer Perspektive ein Knackpunkt.

00:07:41.000 --> 00:07:46.600
Investitionen in Infrastruktur brauchen oft lange, bis sie für Wählerinnen und Wähler im Alltag wirklich spürbar werden.

00:07:47.000 --> 00:07:50.600
Diese Zeiträume können durchaus mal länger sein als Legislaturperioden.

00:07:51.000 --> 00:07:55.600
Deshalb kann es der Politik an Anreizen fehlen, in Infrastruktur zu investieren.

00:07:56.000 --> 00:08:00.600
Und Infrastruktur zu erneuern ist kein Prozess, der irgendwann einfach mal abgeschlossen ist.

00:08:01.000 --> 00:08:02.600
Es braucht einen langen Atem.

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Katja Rietzler: Also das Zauberwort heißt Verstetigung.

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Also das passiert auf jeden Fall zu wenig und es wäre halt sinnvoll, da dran zu bleiben.

00:08:12.000 --> 00:08:19.600
Und es muss schon auch gleichzeitig im Auge behalten werden, dass man natürlich nicht immer nur alles neu bauen muss,

00:08:20.000 --> 00:08:23.600
sondern dass natürlich Instandhaltung auch ein ganz wichtiger Punkt ist.

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Dass man halt auch einfach seine Infrastruktur auch pflegt, dann hält es schon länger.

00:08:29.000 --> 00:08:32.600
Und dass man dann eben auch einen ordentlichen Plan braucht,

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wie man nach und nach Dinge auch wieder erneuert.

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Dass halt einfach nicht zu viel auf einmal auf die Akteure zurollt.

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Sarah Zerback: Außerdem ist mit den Investitionen in Infrastruktur und auch mit der Instandhaltung nicht alles erledigt.

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Katja Rietzler: Man muss aber im Hinterkopf natürlich behalten, dass eine Kita ohne Erzieherinnen und Erzieher wenig Sinn macht.

00:08:52.000 --> 00:08:58.600
Also dass da halt auch noch diverse Folgekosten durchaus dranhängen, die sinnvoll sind.

00:08:59.000 --> 00:09:02.600
Und da muss man sich dann eh noch mal Gedanken machen, wie man das alles auf den Weg kriegt.

00:09:03.000 --> 00:09:07.600
Von daher, ja, das was viele sagen, Prioritäten setzen, umschichten.

00:09:08.000 --> 00:09:11.600
Soweit man das kann, muss man das natürlich auch machen.

00:09:12.000 --> 00:09:14.600
Man kann schon überlegen, was gibt es vielleicht auch Bereiche, die verzichtbar sind.

00:09:15.000 --> 00:09:19.600
Da wird es dann immer schwierig, wenn die Leute dann mal eine Liste vorlegen sollen.

00:09:20.000 --> 00:09:21.600
Weil das ist dann gar nicht so einfach.

00:09:22.000 --> 00:09:24.600
*Musik*

00:09:25.000 --> 00:09:30.600
Sarah Zerback: Prioritäten setzen und umschichten, dafür spricht sich zum Beispiel der Wirtschaftsjournalist Rainer Hank aus.

00:09:31.000 --> 00:09:35.600
Für ihn ist mit dem schuldenfinanzierten Investitionspaket erst mal nichts gewonnen.

00:09:36.000 --> 00:09:39.600
Rainer Hank: Der Lohn sind 500 Milliarden, die hat man jetzt irgendwie frei zur Verfügung.

00:09:40.000 --> 00:09:46.600
Und der große Preis ist, dass jeglicher Disziplinierungsdruck und jeglicher kontrollierter Reformdruck jetzt weg ist.

00:09:47.000 --> 00:09:52.600
Jetzt werden erst einmal 500 Milliarden ausgegeben und da werden viele jetzt schon "hier" schreien.

00:09:53.000 --> 00:09:58.600
Also das große Fass ist aufgemacht und für Deutschland, für das Land ist noch überhaupt nichts erreicht.

00:09:59.000 --> 00:10:04.600
Sarah Zerback: Rainer Hank meint, die Mängel in der Infrastruktur sind offensichtlich und dafür braucht es Geld.

00:10:05.000 --> 00:10:07.600
Aber Verschuldung ist der falsche Weg.

00:10:08.000 --> 00:10:09.600
Rainer Hank: Also wir haben Mängel in der Infrastruktur.

00:10:10.000 --> 00:10:11.600
Die Frage ist, wie wird das finanziert?

00:10:12.000 --> 00:10:16.600
Die Reihenfolge heißt, als letztes Schulden.

00:10:17.000 --> 00:10:21.600
Vorher schauen wir, wo kann sonst Geld locker gemacht werden?

00:10:22.000 --> 00:10:25.600
Punkt eins ist Subventionen aller Art.

00:10:26.000 --> 00:10:31.600
Zu Subventionen gehören nicht nur die Sozialausgaben, aber auch das sind Subventionen.

00:10:32.000 --> 00:10:36.600
Das zweite ist, welche Staatsaufgaben können wir privat finanzieren?

00:10:37.000 --> 00:10:44.600
Und das dritte wäre, wenn dann Aufgaben da sind, die der Staat auf jeden Fall machen muss,

00:10:45.000 --> 00:10:49.600
nämlich äußere Sicherheit, Militär und Bildung in großem Umfang

00:10:50.000 --> 00:10:57.600
und wenn dann durch Subventionsstreichung und durch Sozialausgaben verlagern immer noch ein Bedarf ist,

00:10:58.000 --> 00:11:02.600
was auch der Fall sein wird und wenn dann das Wachstum gleichermaßen,

00:11:03.000 --> 00:11:06.600
das könnte ja sein, es springt das Wachstum auch gleich schnell an dadurch,

00:11:07.000 --> 00:11:09.600
dann kommen ja auch wieder mehr Steuereinnahmen zustande.

00:11:10.000 --> 00:11:16.600
Wenn das aber immer alles noch nicht reicht, dann kann man am Ende über Verschuldung nachdenken.

00:11:17.000 --> 00:11:20.600
Aber dann hätte man nicht die Schuldenbremse ändern müssen,

00:11:21.000 --> 00:11:26.600
sondern dann hätte man entweder einen partiellen Notstand durch die Weltlage erklären können

00:11:27.000 --> 00:11:32.600
oder man hätte vorher sogar schauen können, ob die 0,35 Prozent,

00:11:33.000 --> 00:11:37.600
die die Schuldenbremse auch erlaubt hat, die hat ja nicht Schulden komplett verboten, ob die nicht reichen für diesen Bedarf.

00:11:38.000 --> 00:11:41.600
Aber dieser Prozess ist überhaupt nicht angestrengt worden.

00:11:42.000 --> 00:11:46.600
Man hat es sich leicht gemacht und hat erst den großen Schuldentopf geöffnet.

00:11:47.000 --> 00:11:50.600
Sarah Zerback: Außerdem stellt Hank die Nachhaltigkeit des staatlichen Investitionspakets infrage

00:11:51.000 --> 00:11:53.600
und sieht darin mögliche wirtschaftliche Risiken.

00:11:54.000 --> 00:12:00.600
Rainer Hank: Natürlich wird die Infrastruktur, die wir jetzt durch die Verschuldungsmöglichkeit haben, erst mal einen positiven Effekt haben.

00:12:01.000 --> 00:12:05.600
Aber es ist immer noch offen, ob es nicht dieses berühmte Strohfeuer gibt,

00:12:06.000 --> 00:12:08.600
dass solche Konjunkturprogramme immer haben kann.

00:12:09.000 --> 00:12:13.600
Das ist die Krux aller Keynesianischen Programme.

00:12:14.000 --> 00:12:15.600
Das ist dieser berühmte Multiplikator.

00:12:16.000 --> 00:12:20.600
Das sieht so aus, der Staat sagt, wir stellen ins Schaufenster viel Geld für Brücken.

00:12:21.000 --> 00:12:22.600
Der Staat gibt Geld dafür aus.

00:12:23.000 --> 00:12:25.600
Dann verdient erst einmal die Baufirma etwas.

00:12:26.000 --> 00:12:27.600
Die Baufirma braucht Zulieferer.

00:12:28.000 --> 00:12:28.600
Sie braucht Ersatzteile.

00:12:29.000 --> 00:12:31.600
Dann verdienen Zulieferer was davon.

00:12:32.000 --> 00:12:34.600
Die Menschen brauchen Arbeit, dann haben die ein Einkommen.

00:12:35.000 --> 00:12:39.600
Die kaufen beim Bäcker ein und gehen ins Restaurant und trinken und essen dort was.

00:12:40.000 --> 00:12:41.600
Und das ist dieser Multiplikationseffekt.

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Das wird natürlich einen Wachstumseffekt haben.

00:12:44.000 --> 00:12:48.600
Aber in dem Moment, wo das Geld ausgegeben ist, ist die Frage, wie geht es dann weiter?

00:12:49.000 --> 00:12:51.600
Und das bricht dann häufig gleichzeitig zusammen.

00:12:52.000 --> 00:12:54.600
Vorher löst das eher Inflation aus, hinterher bricht das zusammen.

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Also insofern, solche schuldenfinanzierten Programme haben ein ganz großes Risiko.

00:13:00.000 --> 00:13:03.600
Sarah Zerback: Der Staat hätte auch noch eine andere Möglichkeit, an Geld für Investitionen zu kommen.

00:13:04.000 --> 00:13:08.600
Auch dieser hier nicht ausreichend genutzt worden, findet Rainer Hank,und zwar Steuererhöhung.

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Rainer Hank: Wenn wir finden, die Straßen oder die Bahn ist marode,

00:13:13.000 --> 00:13:15.600
dann bin doch ich das, der über die Brücken fahren will

00:13:16.000 --> 00:13:17.600
und nicht nur Kinder und Enkelkinder.

00:13:18.000 --> 00:13:21.600
In der positiven Begründung der Verschuldung heißt es ja immer, das tun wir für unsere Nachkommen.

00:13:22.000 --> 00:13:24.600
Aber das ist doch eine Lüge.

00:13:25.000 --> 00:13:25.600
Wir fahren doch auch über die Brücken.

00:13:26.000 --> 00:13:27.600
Wir wollen doch auch, dass die Weichen gut gestellt sind.

00:13:28.000 --> 00:13:29.600
Wir wollen doch auch, dass die Züge ordentlich fahren.

00:13:30.000 --> 00:13:35.600
Wobei Pünktlichkeit und solche Sachen sind natürlich durch Geld überhaupt nicht zu verändern.

00:13:36.000 --> 00:13:37.600
Durch Geld wird erst mal nichts besser.

00:13:38.000 --> 00:13:44.600
Mehr Geld in ein ineffizientes System fließen zu lassen, macht das System nur noch ineffizienter.

00:13:45.000 --> 00:13:46.600
*Musik*

00:13:47.000 --> 00:13:49.600
Sarah Zerback: Infrastruktur funktioniert genau dann am besten,

00:13:50.000 --> 00:13:52.600
wenn sie uns im Alltag gar keinen Anlass gibt, über sie nachzudenken.

00:13:53.000 --> 00:13:57.600
Problematisch an einem ineffizienten System sind aber nicht nur die unbequemen Folgen im Alltag.

00:13:58.000 --> 00:14:01.600
Es ist auch die Frustration, die dadurch entsteht und die sich politisch auswirkt.

00:14:02.000 --> 00:14:06.600
Der Ökonom Robert Gold forscht am Kiel-Institut für Weltwirtschaft zu diesem Thema.

00:14:07.000 --> 00:14:11.600
Für eine Studie haben sein Team und er EU-weit strukturschwache Regionen miteinander verglichen,

00:14:12.000 --> 00:14:15.600
denen entweder Förderung gegeben oder entzogen wurde.

00:14:16.000 --> 00:14:18.600
Die Forscherinnen und Forscher haben dabei festgestellt,

00:14:19.000 --> 00:14:23.600
dass die regionale Förderung sich auf die Wahlergebnisse populistischer Parteien auszuwirken scheint.

00:14:24.000 --> 00:14:28.600
Ob das neue Infrastrukturpaket, also auch ein Antipopulismus-Paket ist,

00:14:29.000 --> 00:14:30.600
darüber habe ich mit Robert Gold gesprochen.

00:14:31.000 --> 00:14:32.600
Schönen guten Tag, Herr Gold.

00:14:33.000 --> 00:14:33.600
Robert Gold: Hallo, guten Tag.

00:14:34.000 --> 00:14:38.600
Sarah Zerback: Was hat denn nun der Zustand von Brücken, von Straßen, von Schulen damit zu tun,

00:14:39.000 --> 00:14:41.600
wie sich die politischen Verhältnisse entwickeln?

00:14:42.000 --> 00:14:46.600
Robert Gold: Grundsätzlich stellen wir in der Forschung zum Wahlverhalten fest,

00:14:47.000 --> 00:14:53.600
dass Wählerinnen und Wähler natürlich gewisse Anforderungen an staatliches Handeln

00:14:54.000 --> 00:14:57.600
und an die Leistungsfähigkeit demokratischer Systeme stellen.

00:14:58.000 --> 00:15:02.600
Und dazu gehört unter anderem auch die Bereitstellung und Pflege von Infrastruktur

00:15:03.000 --> 00:15:08.600
und in einem erweiterten Sinne von Infrastrukturen der Daseinsvorsorge.

00:15:09.000 --> 00:15:13.600
Und wo das nicht mehr gelingt, macht sich relativ schnell Frust und Enttäuschung breit,

00:15:14.000 --> 00:15:21.600
was unter anderem dann auch ein Nährboden sein kann für insbesondere populistische Parteien des rechten Randes,

00:15:22.000 --> 00:15:25.600
um hier Wählerstimmen und Zustimmung zu gewinnen.

00:15:26.000 --> 00:15:32.600
Sarah Zerback: Also lautet die Gleichung quasi funktionierende Infrastruktur gleich gutes Regieren und eben vice versa?

00:15:33.000 --> 00:15:36.600
Robert Gold: Ja, ganz so simpel ist es natürlich nie in der wirklich wahren Welt,

00:15:37.000 --> 00:15:42.600
aber es spielt definitiv eine Rolle, dass der Staat und insbesondere demokratische Regierungen

00:15:43.000 --> 00:15:46.600
auch ihre Leistungsfähigkeit dadurch unter Beweis stellen,

00:15:47.000 --> 00:15:53.600
dass sie den Bürgerinnen und Bürger in ihren alltäglichen Bedürfnissen zur Seite stehen

00:15:54.000 --> 00:15:56.600
und diese alltäglichen Bedürfnisse befriedigen.

00:15:57.000 --> 00:16:00.600
Wenn wir jetzt ganz explizit auf die Frage uns konzentrieren,

00:16:01.000 --> 00:16:04.600
warum gerade rechtspopulistische Parteien davon profitieren,

00:16:05.000 --> 00:16:07.600
wenn das nicht mehr der Fall ist, dann hat das viel damit zu tun,

00:16:08.000 --> 00:16:15.600
dass Rechtspopulisten ja dieses Narrativ einer abgehobenen politischen Elite verbreiten,

00:16:16.000 --> 00:16:19.600
die sich nicht mehr um die Bedürfnisse der normalen Bürgerinnen und Bürger kümmert,

00:16:20.000 --> 00:16:25.600
sondern irgendwelche abgehobenen internationalen Interessen vertritt.

00:16:26.000 --> 00:16:33.600
Und das fällt vor allem dort auf fruchtbaren Boden, wo effektiv Probleme in der Daseinsvorsorge bestehen.

00:16:34.000 --> 00:16:37.600
Sarah Zerback: Gleichzeitig weiß man ja auch aus der politikwissenschaftlichen Forschung,

00:16:38.000 --> 00:16:40.600
dass sich da noch andere Gründe reinmischen können,

00:16:41.000 --> 00:16:42.600
warum Menschen unzufrieden sind mit der Politik,

00:16:43.000 --> 00:16:47.600
also vielleicht sowas wie soziale Unsicherheit und Abstiegsängste im Allgemeinen.

00:16:48.000 --> 00:16:51.600
Also warum sehen Sie da ausgerechnet Infrastruktur als so starken Treiber?

00:16:52.000 --> 00:16:57.600
Robert Gold: Ich würde Ihnen zustimmen, dass die Grundproblematik sehr viel breiter ist

00:16:58.000 --> 00:17:00.600
und Infrastruktur nur ein Puzzlestück in der Frage,

00:17:01.000 --> 00:17:08.600
warum gerade ökonomische Entwicklungen auch zum Aufstieg des Populismus beigetragen haben.

00:17:09.000 --> 00:17:13.600
Das hat tatsächlich, und da gibt es inzwischen eine relativ breite Forschung zu,

00:17:14.000 --> 00:17:20.600
sehr viel allgemeiner mit Ungleichheiten in den Vorteilen und Nachteilen von wirtschaftlicher Entwicklung zu tun,

00:17:21.000 --> 00:17:26.600
wo gerade diejenigen Berufsgruppen, Qualifikationsgruppen, auch Regionen,

00:17:27.000 --> 00:17:29.600
die im strukturellen Wandel abgehängt werden,

00:17:30.000 --> 00:17:35.600
unzufrieden werden mit demokratischen Systemen und dazu tendieren,

00:17:36.000 --> 00:17:40.600
eher autoritär und nationalistisch ausgelegte Parteien zu unterstützen.

00:17:41.000 --> 00:17:45.600
Infrastruktur ist selbstverständlich nur ein Aspekt hiervon.

00:17:46.000 --> 00:17:51.600
Die Grundproblematik, wenn wir sie auf den Populismus fokussieren, ist deutlich breiter.

00:17:52.000 --> 00:17:57.600
Weil natürlich insgesamt einfach, was die Zufriedenheit mit dem demokratischen System angeht,

00:17:58.000 --> 00:18:03.600
im Zentrum, wenn es um ökonomische Überlegungen, nicht ideologische Überlegungen geht,

00:18:04.000 --> 00:18:10.600
sehr viel damit zu tun hat, dass das demokratische System mir als Wählerin, mir als Wähler einfach auch Vorteile bringt.

00:18:11.000 --> 00:18:17.600
Und wo das nicht mehr wahrgenommen wird, da verliert das System an Legitimation.

00:18:18.000 --> 00:18:20.600
Sarah Zerback: Funktioniert das dann also in beide Richtungen?

00:18:21.000 --> 00:18:24.600
Je schlechter die Infrastruktur, desto mehr Populismus und umgekehrt,

00:18:25.000 --> 00:18:28.600
je besser die Infrastruktur, desto stärker dann die anderen Parteien,

00:18:29.000 --> 00:18:30.600
die demokratische Mitte, wenn man sie so nennen will?

00:18:31.000 --> 00:18:36.600
Robert Gold: Auch hier würde ich es gerne etwas breiter fassen als einfach nur Infrastruktur,

00:18:37.000 --> 00:18:40.600
sondern wirklich eher über Daseinsvorsorge sprechen.

00:18:41.000 --> 00:18:45.600
Da sehen wir das tatsächlich in auch einer aktuellen Studie des Instituts für Weltwirtschaft

00:18:46.000 --> 00:18:48.600
zusammen mit Jakob Lehr von der Universität Mannheim,

00:18:49.000 --> 00:18:52.600
dass der Effekt in beide Richtungen geht.

00:18:53.000 --> 00:18:56.600
Also wir sehen einerseits, dass über die letzten 20 Jahre hinweg in der bestehenden Forschung,

00:18:57.000 --> 00:19:02.600
dass dort, wo öffentliche Ausgaben eingeschränkt wurden, wo sich das Angebot öffentlicher Güter verschlechtert hat,

00:19:03.000 --> 00:19:06.600
dass dort die Unterstützung populistischer Parteien zugenommen hat.

00:19:07.000 --> 00:19:12.600
Eigentlich in allen westlichen Demokratien besonders gut erforscht für den Beispiel des Brexit.

00:19:13.000 --> 00:19:18.600
Wir haben nun relativ aktuell eine Studie, wo wir uns tatsächlich spiegelbildlich ansehen,

00:19:19.000 --> 00:19:25.600
wie regionale Investitionen der Europäischen Union sich auf Wahlverhalten auswirken

00:19:26.000 --> 00:19:28.600
und sehen, dass dieser Effekt reversibel umkehrbar ist.

00:19:29.000 --> 00:19:37.600
Dass dort, wo in die regionale Entwicklung, wo auch, aber nicht nur, in die Infrastruktur investiert wird,

00:19:38.000 --> 00:19:40.600
nicht nur die Unterstützung populistischer Parteien zurückgeht,

00:19:41.000 --> 00:19:43.600
sondern insbesondere, und das ist interessant, finde ich, allgemeiner,

00:19:44.000 --> 00:19:48.600
das Vertrauen in die Demokratie, das Vertrauen in demokratische Institutionen wieder zunimmt.

00:19:49.000 --> 00:19:59.600
Was ja letztlich Grundlage dieses ganzen Mechanismus, ökonomische Härte führt zu Unterstützung populistischer Parteien, ist,

00:20:00.000 --> 00:20:03.600
dass dort nicht einfach nur eine Unzufriedenheit mit Regierungshandeln entsteht,

00:20:04.000 --> 00:20:09.600
sondern zunehmend das demokratische System in seiner Gänze infrage gestellt wird.

00:20:10.000 --> 00:20:12.600
Sarah Zerback: Und trotzdem, also wenn Sie sagen, da, wo es besser funktioniert,

00:20:13.000 --> 00:20:18.600
da haben Populisten eben weniger eine Chance, ich vereinfache jetzt das, was Sie ausgeführt haben,

00:20:19.000 --> 00:20:22.600
gibt es ja auch Regionen, die sind nicht strukturschwach und dort gewinnt trotzdem die AfD.

00:20:23.000 --> 00:20:24.600
Wie erklären Sie sich das denn?

00:20:25.000 --> 00:20:30.600
Robert Gold: Ja, zunächst mal hat Populismus und der Aufstieg, insbesondere das Rechtspopulismus,

00:20:31.000 --> 00:20:34.600
in fast allen westlichen Demokratien natürlich sehr vielfältige Ursachen.

00:20:35.000 --> 00:20:37.600
Das hängt nicht nur an der Ökonomie.

00:20:38.000 --> 00:20:41.600
Und wenn wir uns auf die ökonomischen Ursachen mal konzentrieren,

00:20:42.000 --> 00:20:46.600
dann konzentriert sich, oder dann beschäftigt sich die Forschung ja vor allem mit Effekten,

00:20:47.000 --> 00:20:54.600
die im statistischen Mittel stattfinden, also für eine durchschnittliche amerikanische Region, für eine durchschnittliche englische Region gelten.

00:20:55.000 --> 00:20:57.600
Da gibt es immer auch Abweiche.

00:20:58.000 --> 00:21:03.600
Also es gibt natürlich, ganz grob gesprochen, wenn wir mal bei regionalen Unterschieden bleiben,

00:21:04.000 --> 00:21:07.600
sehen wir eigentlich in allen westlichen Demokratien eine gewisse Tendenz,

00:21:08.000 --> 00:21:15.600
dass gerade in städtischen Zentren populistische Parteien vergleichsweise wenig Unterstützung bekommen

00:21:16.000 --> 00:21:19.600
und relativ mehr Unterstützung in ländlichen Regionen.

00:21:20.000 --> 00:21:21.600
Das ist der statistische Zusammenhang.

00:21:22.000 --> 00:21:24.600
Nichtsdestotrotz gibt es Ausnahmen von Städten,

00:21:25.000 --> 00:21:30.600
in denen populistische Parteien sehr erfolgreich sind oder ländlichen Regionen, in denen sie sehr wenig Erfolg haben.

00:21:31.000 --> 00:21:37.600
Das liegt dann an regionalen Spezifika, die wir in unseren statistischen Untersuchungen normalerweise rausrechnen.

00:21:38.000 --> 00:21:40.600
Die können aber sehr interessant sein.

00:21:41.000 --> 00:21:45.600
Also ich glaube, beides ist richtig, dass das im Großen und Ganzen eine gewisse Tendenz gibt,

00:21:46.000 --> 00:21:54.600
dass strukturschwache Regionen sehr viel stärker zum Populismus neigen als blühende Zentren.

00:21:55.000 --> 00:22:00.600
Besser zu verstehen, wo diese Unterschiede herkommen oder wo diese Gegenbeispiele herkommen,

00:22:01.000 --> 00:22:04.600
würde natürlich auch wieder dabei helfen, besser zu verstehen, was genau die Mechanismen sind.

00:22:05.000 --> 00:22:10.600
Wir reden ja hier nicht über Naturgesetze, dass jeder, der in einer strukturschwachen Region lebt,

00:22:11.000 --> 00:22:13.600
nicht anders kann, als für die Populisten zu wählen,

00:22:14.000 --> 00:22:18.600
sondern wir reden ja einfach über statistische Regularitäten.

00:22:19.000 --> 00:22:21.600
Sarah Zerback: In Ihren Studien, wie klar sagen denn die Befragten da,

00:22:22.000 --> 00:22:25.600
also ich wähle jetzt Partei XY, weil die jetzt das Schwimmbad saniert hat

00:22:26.000 --> 00:22:32.600
oder weil die eben dafür gesorgt hat, dass der Putz nicht in der Schule von der Decke kommt?

00:22:33.000 --> 00:22:34.600
Robert Gold: Also in unseren Studien sehen wir das so detailliert nicht.

00:22:35.000 --> 00:22:39.600
Das sind natürlich dann eher qualitative Untersuchungen,

00:22:40.000 --> 00:22:46.600
die es vor allem in den Politikwissenschaften gibt oder einzelne Fallbeispiele, wo sich Menschen immer wieder äußern.

00:22:47.000 --> 00:22:54.600
Was wir in unseren Studien sehen ist, dass wir, wenn wir größere Befragungsdaten dazu auswerten,

00:22:55.000 --> 00:23:02.600
welche Einstellungen haben die Menschen zur Europäischen Union, zum Parlamentarismus, zur Demokratie,

00:23:03.000 --> 00:23:06.600
die werden dann üblicherweise so gestellt wie,

00:23:07.000 --> 00:23:18.600
die Europäische Union ist eine gute Sache und da gibt es dann abgestufte Antwortmöglichkeiten von stimme voll bis stimme gar nicht zu.

00:23:19.000 --> 00:23:27.600
Dass in den Regionen, in denen investiert wird und in den Regionen, in denen neue Entwicklungsperspektiven geschaffen werden,

00:23:28.000 --> 00:23:37.600
die Unzufriedenheit mit der Europäischen Union abnimmt und die Antworten zur Zufriedenheit mit der Demokratie zunehmen.

00:23:38.000 --> 00:23:40.600
Sarah Zerback: Nur gleichzeitig, weil Sie gerade den Brexit angesprochen haben.

00:23:41.000 --> 00:23:47.600
Das war ja interessant und auch bemerkenswert, dass es in England, in Großbritannien Regionen gibt,

00:23:48.000 --> 00:23:54.600
die von der EU-Förderung explizit profitiert haben und wo trotzdem mehrheitlich der Brexit gewählt wurde.

00:23:55.000 --> 00:24:00.600
Also Förderprogramme in die Infrastruktur scheinen jetzt auch nicht das sozusagen Maß aller Dinge zu sein oder das Allheilmittel.

00:24:01.000 --> 00:24:03.600
Robert Gold: Nein, selbstverständlich ist das kein Allheilmittel.

00:24:04.000 --> 00:24:07.600
Tatsächlich war das auch der Ausgangspunkt unserer Studie,

00:24:08.000 --> 00:24:12.600
dass der Jakob Lehr und ich, mein Co-Autor bei dieser Studie, uns darüber gestritten haben,

00:24:13.000 --> 00:24:14.600
in welche Richtung der Effekt denn wohl läuft.

00:24:15.000 --> 00:24:19.600
Also meine ursprüngliche Vermutung wäre gerade mit dem Brexit-Beispiel im Hinterkopf gewesen,

00:24:20.000 --> 00:24:25.600
dass das vielleicht nach hinten losgeht.

00:24:26.000 --> 00:24:31.600
Also die Investition oder die regionale Investition allein hilft nicht.

00:24:32.000 --> 00:24:35.600
Und vor allem reduziert sie ja die Unterstützung des Populismus auch nicht auf Null, das muss man sagen.

00:24:36.000 --> 00:24:39.600
Also wenn wir jetzt mal unsere Studie zugrunde legen,

00:24:40.000 --> 00:24:49.600
dann würde die Zustimmung für populistische Parteien in geförderten Regionen um im Durchschnitt 2,5 Prozent Punkte zurückgehen.

00:24:50.000 --> 00:24:58.600
Wenn die Parteien im Durchschnitt 16 Prozent bekommen, dann bleiben die Parteien ja trotzdem stark.

00:24:59.000 --> 00:25:00.600
Und ich denke, beim Brexit-Beispiel wäre das ähnlich.

00:25:01.000 --> 00:25:06.600
Das sind Regionen, in denen die Zustimmung sehr, sehr hoch ist,

00:25:07.000 --> 00:25:11.600
wo durch die Förderung die Zustimmung zwar reduziert wird,

00:25:12.000 --> 00:25:15.600
aber jetzt nicht zwingend in einem Umfang, der dazu führen würde,

00:25:16.000 --> 00:25:17.600
dass die Leute gegen den Brexit stimmen.

00:25:18.000 --> 00:25:21.600
Bei der ganzen Sache gibt es natürlich auch immer noch, und das ist, denke ich, sehr wichtig,

00:25:22.000 --> 00:25:25.600
es gibt ja immer zwei Seiten, auf die man hier gucken muss.

00:25:26.000 --> 00:25:30.600
Es gibt den Einfluss auf die Wählerinnen und Wähler und ihre politischen Präferenzen.

00:25:31.000 --> 00:25:34.600
Es gibt aber auch angebotsseitig populistische Kampagnen,

00:25:35.000 --> 00:25:40.600
die ja gerade beim Beispiel Brexit sehr erfolgreich darin waren,

00:25:41.000 --> 00:25:46.600
diese Vorteile, die geförderte Regionen haben, runterzuspielen

00:25:47.000 --> 00:25:51.600
und ja teilweise ja wirklich blanke Lügen darüber zu verbreiten,

00:25:52.000 --> 00:25:55.600
welche Nachteile diesen Regionen durch die EU entstehen würden.

00:25:56.000 --> 00:25:59.600
Bei uns sehen wir aber nicht für den Brexit, sondern für Europawahlen,

00:26:00.000 --> 00:26:03.600
aber trotzdem auch in den britischen Regionen, dass die Förderung einen Effekt hat.

00:26:04.000 --> 00:26:14.600
Also dass die Unterstützung vor allem von UKIP über unseren Untersuchungszeitraum dort weniger stark ist in Regionen,

00:26:15.000 --> 00:26:21.600
die EU-Förderung bekommen im Vergleich zu ähnlich strukturschwachen Regionen, die gerade keine Förderung bekommen.

00:26:22.000 --> 00:26:25.600
Sarah Zerback: Lassen wir uns mal nach Deutschland blicken,

00:26:26.000 --> 00:26:28.600
wo sich ja gerade eine wahrscheinlich künftige schwarz-rote Bundesregierung formiert

00:26:29.000 --> 00:26:34.600
und ein Milliardenpaket, wenn nicht Billionen-Schuldenpaket auf den Weg gebracht hat,

00:26:35.000 --> 00:26:38.600
wo auch viele Milliarden in die Infrastruktur fließen sollen.

00:26:39.000 --> 00:26:42.600
Ist das also in Wahrheit ein riesiges Antipopulismus-Paket?

00:26:43.000 --> 00:26:45.600
Robert Gold: Nein, das denke ich nicht und das sollte es auch nicht sein.

00:26:46.000 --> 00:26:50.600
Also die Notwendigkeit zur Investition in Infrastruktur,

00:26:51.000 --> 00:26:53.600
das ist ja vor allem erst mal eine ökonomische Notwendigkeit,

00:26:54.000 --> 00:26:58.600
insbesondere wenn man parallel ein großes Rüstungsprogramm fährt,

00:26:59.000 --> 00:27:05.600
was ja vor allem erst mal expansiv ist, ohne dass dort zwingend größere Wachstumsimpulse von ausgehen.

00:27:06.000 --> 00:27:07.600
Wobei auch das weiß man nicht.

00:27:08.000 --> 00:27:09.600
Es kommt natürlich immer sehr darauf an, wie das Geld dann ausgegeben wird.

00:27:10.000 --> 00:27:13.600
Aber, um auf den Kern der Frage zurückzukommen, nein.

00:27:14.000 --> 00:27:19.600
Also es könnte aber die unbeabsichtigte Wirkung beabsichtigten Handelns werden,

00:27:20.000 --> 00:27:27.600
dass, wenn es tatsächlich gelingt, nicht bloß Wachstumsimpulse zu setzen mit diesem Infrastrukturpaket,

00:27:28.000 --> 00:27:34.600
sondern tatsächlich auch in der Wahrnehmung der Bürgerinnen und Bürger die Leistungsfähigkeit des Staates unter Beweis zu stellen,

00:27:35.000 --> 00:27:39.600
dass es zumindest erst mal gelingt, Vertrauen in den demokratischen Prozess zurückzugewinnen.

00:27:40.000 --> 00:27:49.600
Weil, wie gesagt, was diese Ökonomik hinter dem Aufstieg des Rechtspopulismus betrifft,

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da geht es halt eben sehr stark um regionale Unterschiede und um abgehängte Regionen,

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in denen Entwicklungsperspektiven fehlen.

00:28:00.000 --> 00:28:07.600
Und wenn es dort gelingt, durch Investitionen die Lebenswirklichkeit vor Ort wieder zu verbessern,

00:28:08.000 --> 00:28:13.600
gerade dort, wo die meisten jungen Leute wegziehen und das Schwimmbad dicht gemacht hat

00:28:14.000 --> 00:28:23.600
und der letzte Supermarkt geschlossen hat, wenn dort die lokale Gemeinschaft auch wiederbelebt wird

00:28:24.000 --> 00:28:28.600
und eine echte Perspektive entwickelt, dann kann das gegen Rechtspopulismus helfen.

00:28:29.000 --> 00:28:34.600
Aber das ist natürlich eine Sache, die eher lokal vor Ort und wo vor allem die Kommunen gefordert sind,

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auf die Bedürfnisse vor Ort einzugehen.

00:28:38.000 --> 00:28:43.600
Da ist es nicht damit getan, jeder Gemeinde einen Anschluss an die Bundesautobahn zu bauen.

00:28:44.000 --> 00:28:48.600
Sarah Zerback: Aber kann man sagen, da wirkt Regionalpolitik eben stärker als Bundespolitik gegen diesen Frust?

00:28:49.000 --> 00:28:53.600
Robert Gold: Ja, weil es sehr stark darum geht, das Gefühl sich ausbreitet,

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dass die regionalen Bedürfnisse von der großen Politik von diesen Eliten dort oben nicht mehr wahrgenommen und nicht mehr bedient werden.

00:29:00.000 --> 00:29:03.600
Sarah Zerback: Jetzt gibt es ja unterschiedliche Arten von Infrastruktur.

00:29:04.000 --> 00:29:08.600
Trauen Sie sich da ein Ranking zu, was besonders gut hilft?

00:29:09.000 --> 00:29:10.600
Also ÖPNV ist jetzt schon häufiger auch als Stichwort gefallen.

00:29:11.000 --> 00:29:14.600
Also wären das eher solche infrastrukturellen Maßnahmen,

00:29:15.000 --> 00:29:18.600
die helfen noch mal im Vergleich zu vielleicht Brücken oder so?

00:29:19.000 --> 00:29:22.600
Robert Gold: Also zunächst mal, was kann dabei helfen,

00:29:23.000 --> 00:29:29.600
über populistische Wahlentscheidungen hinaus das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Demokratie zu erhöhen?

00:29:30.000 --> 00:29:37.600
Ich denke schon, dass das vor allem viel mehr mit einer Verbesserung und einer Effizienzsteigerung des Verwaltungshandelns zu tun hat.

00:29:38.000 --> 00:29:44.600
Was, wenn wir es auf Infrastruktur runterbrechen, vermutlich viel mit digitaler Infrastruktur zu tun hat.

00:29:45.000 --> 00:29:47.600
Sarah Zerback: Auch schnelles Internet zum Beispiel, auch im ländlichen Raum.

00:29:48.000 --> 00:29:54.600
Robert Gold: Schnelles Internet, aber insbesondere auch Verwaltungshandeln, das wieder bürgernäher wird und das effizienter wird.

00:29:55.000 --> 00:30:00.600
Dass dort, wo die Bürgerin, der Bürger direkten Kontakt mit der Verwaltung hat,

00:30:01.000 --> 00:30:08.600
es ist wieder erlaubt, bürokratische Eingaben schnell, effizient, zielgerichtet und planbar zu bearbeiten.

00:30:09.000 --> 00:30:16.600
Also am Ende des Tages, glaube ich, liegt es wirklich sehr, sehr stark daran, welche Bedarfe vor Ort in der Region bestehen.

00:30:17.000 --> 00:30:20.600
Und deshalb, denke ich, ist das auch wichtig,

00:30:21.000 --> 00:30:26.600
dass auch über die Milliarden des Schuldenpakets das an die Länder geht

00:30:27.000 --> 00:30:30.600
und über die Möglichkeiten der Schuldenaufnahme auch die Kommunen gestärkt werden,

00:30:31.000 --> 00:30:33.600
um auf diese lokalen Bedürfnisse einzugehen.

00:30:34.000 --> 00:30:38.600
Das kann in der einen Kommune sein, dass endlich mal die Schule saniert wird.

00:30:39.000 --> 00:30:42.600
Und in der zweiten Kommune geht es dann doch mehr um Verkehrsinfrastruktur.

00:30:43.000 --> 00:30:46.600
Und in der dritten Kommune vielleicht um was anderes.

00:30:47.000 --> 00:30:51.600
Grundsätzlich ist Verkehrsinfrastruktur sehr, sehr wichtig und ein funktionierender ÖPNV.

00:30:52.000 --> 00:30:57.600
Gerade in strukturschwachen Regionen ist ja jetzt nicht unbedingt zu erwarten,

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dass sich dort auf absehbare Zeit größere Unternehmen ansiedeln,

00:31:02.000 --> 00:31:06.600
die da zu einem Wirtschaftsboom führen, insbesondere vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung.

00:31:07.000 --> 00:31:08.600
Da scheint es ja sehr, sehr viel wichtiger zu sein für die Menschen,

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die dort wohnen bleiben wollen, dass dort dann auch die Pendelmöglichkeiten einfach bestehen

00:31:15.000 --> 00:31:19.600
in die nächste Akklameration, wo die Arbeitsplätze geschaffen werden.

00:31:20.000 --> 00:31:25.600
Also wenn ich irgendwo picken müsste, was den Populismus angeht,

00:31:26.000 --> 00:31:33.600
dann würde ich auf Verkehrsinfrastruktur setzen, aber offen sein für kommunale Spezifika,

00:31:34.000 --> 00:31:38.600
die vielleicht dort andere Arten der Infrastruktur vor Ort priorisieren.

00:31:39.000 --> 00:31:43.600
Sarah Zerback: Sie sagen, da ist es besonders wichtig, genau hinzugucken, was eben die individuellen Bedarfe sind.

00:31:44.000 --> 00:31:51.600
Dann ist vielleicht eine zweite Frage, ob das dann von Politikerinnen und Politikern auch gut genug erklärt wird und transparent gemacht wird.

00:31:52.000 --> 00:31:53.600
Inwiefern spielt das eine Rolle?

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Robert Gold: Ja, das ist sicherlich ein Punkt.

00:31:56.000 --> 00:31:57.600
Ich glaube, in zweierlei Hinsicht.

00:31:58.000 --> 00:32:04.600
Das eine ist, es ist ja nicht so, dass in Deutschland besonders wenig Subventionen gezahlt würden

00:32:05.000 --> 00:32:11.600
oder dass öffentliche Infrastruktur nicht auch jetzt schon aus Steuermitteln mitfinanziert wird.

00:32:12.000 --> 00:32:17.600
Also man hat schon den Eindruck, dass nicht allen Menschen gleichermaßen bewusst ist,

00:32:18.000 --> 00:32:23.600
welche staatlichen Leistungen eigentlich schon in ihre Region fließen.

00:32:24.000 --> 00:32:32.600
Das andere ist aber tatsächlich eine stärkere Präsenz von politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern vor Ort,

00:32:33.000 --> 00:32:38.600
um auch diese Bedarfe, wie Sie sagen, nicht nur aufzunehmen, sondern entsprechend auch darauf zu reagieren.

00:32:39.000 --> 00:32:44.600
Also ich denke, ein Faktor im Erfolg der AfD, gerade in ländlichen Gemeinden, ist,

00:32:45.000 --> 00:32:54.600
dass sie ja dort sehr bewusst, sehr aktiv ist, auch in der Organisation von Volksfesten, Motorradtreffen, Grillabenden, was weiß ich,

00:32:55.000 --> 00:33:02.600
und einfach nur Präsenz zeigt vor Ort, wo die etablierten Parteien häufig nicht mehr so stark vertreten sind.

00:33:03.000 --> 00:33:06.600
Und jawohl, das halte ich tatsächlich für sehr wichtig,

00:33:07.000 --> 00:33:12.600
nicht einfach nur den Scheck zu schicken, sondern gemeinsam den Scheck vielleicht dann auch persönlich zu überreichen

00:33:13.000 --> 00:33:18.600
und dafür Sorge zu tragen, dass die Mittel auch in die richtigen Kanäle kommen,

00:33:19.000 --> 00:33:23.600
aber auch transparenter zu machen, wo der Staat effektiv eingreift

00:33:24.000 --> 00:33:27.600
und für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort tätig ist.

00:33:28.000 --> 00:33:31.600
Sarah Zerback: Vielleicht zum Schluss noch kurz, ich weiß nicht, ob Sie sich in diesem Zwischenzustand,

00:33:32.000 --> 00:33:36.600
in dem Deutschland ja gerade ist, zwischen zwei Regierungen sich da eine Prognose zutrauen,

00:33:37.000 --> 00:33:39.600
aber inwieweit sich das Ganze entwickeln wird?

00:33:40.000 --> 00:33:45.600
Robert Gold: Was einen etwas skeptisch macht, oder was mich persönlich etwas skeptisch macht, ist,

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dass eine der ersten konkret vereinbarten Maßnahmen der neuen Regierung dann doch die Wiedereinführung einer Subvention war,

00:33:54.000 --> 00:33:59.600
nämlich des Agrardiesels, und die Wiedereinführung einer weiteren Subvention,

00:34:00.000 --> 00:34:03.600
nämlich die Senkung der Mehrwertsteuer auf Restaurantbesuche.

00:34:04.000 --> 00:34:07.600
Das konterkariert natürlich den eigentlichen Anspruch,

00:34:08.000 --> 00:34:14.600
jetzt mit einem großen Wumms die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte aufzuholen

00:34:15.000 --> 00:34:19.600
und das Land damit wieder auf einen Wachstumspfad zu bringen.

00:34:20.000 --> 00:34:24.600
Aber ich möchte wirklich nicht in die Miesmacherei mit einsetzen,

00:34:25.000 --> 00:34:30.600
die ja irgendwo auch so einer wirtschaftlichen Entwicklung entgegenläuft, immer alles schlecht zu reden.

00:34:31.000 --> 00:34:36.600
Die neue Bundesregierung ist noch nicht im Amt und jede Bundesregierung hat es ja verdient,

00:34:37.000 --> 00:34:40.600
dass man ihr zumindest mal 100 Tage Zeit gibt, sich zu beweisen.

00:34:41.000 --> 00:34:47.600
Und naja, dann würde ich mich doch mal selber zwingen, dort vorsichtig optimistisch zu sein.

00:34:48.000 --> 00:34:48.600
Sarah Zerback: Robert Gold, vielen Dank für das Interview.

00:34:49.000 --> 00:34:51.600
*Musik*

00:34:52.000 --> 00:34:53.600
Was wir also mitnehmen können.

00:34:54.000 --> 00:34:56.600
Erstens, bei der Infrastruktur wurde zu lange gespart.

00:34:57.000 --> 00:35:00.600
Der Investitionsstau zeigt sich in verschiedenen Regionen unterschiedlich stark.

00:35:01.000 --> 00:35:07.600
Das Investitionspaket für Infrastruktur könnte gegensteuern, dafür müsste aber richtig priorisiert werden.

00:35:08.000 --> 00:35:11.600
Und die langfristige Instandhaltung von Infrastruktur dürfte nicht aus dem Blick geraten.

00:35:12.000 --> 00:35:13.600
Das hat Katja Rietzler erklärt.

00:35:14.000 --> 00:35:20.600
Zweitens, Rainer Hank ist sich sicher, dass Verbesserungen bei der Infrastruktur nur durch strukturelle Reformen erreicht werden können.

00:35:21.000 --> 00:35:24.600
Mehr Schulden sieht er dafür nicht als Lösung, sondern sogar als kontraproduktiv an,

00:35:25.000 --> 00:35:28.600
weil die langfristigen Effekte der Schuldenaufnahme noch nicht abzusehen seien.

00:35:29.000 --> 00:35:34.600
Drittens, mit einer funktionierenden Infrastruktur kann der Staat Leistungsfähigkeit beweisen.

00:35:35.000 --> 00:35:37.600
Wo das nicht gelingt, macht sich schnell Frust breit.

00:35:38.000 --> 00:35:40.600
Ein idealer Nährboden für rechtspopulistische Parteien.

00:35:41.000 --> 00:35:45.600
Investitionen in die Infrastruktur, die genau auf die Bedürfnisse von Kommunen abgestimmt sind,

00:35:46.000 --> 00:35:49.600
können daher ein Weg sein, auch das Vertrauen in die Demokratie zu stärken.

00:35:50.000 --> 00:35:51.600
Das hat Robert Gold erklärt.

00:35:52.000 --> 00:35:55.600
*Musik*

00:35:56.000 --> 00:35:57.600
Das war aus Politik und Zeitgeschichte.

00:35:58.000 --> 00:36:00.600
In unserem Heft mit dem Titel Infrastruktur können Sie noch mehr zum Thema lesen.

00:36:01.000 --> 00:36:03.600
Den Link dazu finden Sie in den Shownotes.

00:36:04.000 --> 00:36:06.600
Wir freuen uns natürlich über Feedback zu diesem Podcast.

00:36:07.000 --> 00:36:11.600
Fragen, Lob, aber auch Kritik können Sie uns schicken an apuz@bpb.de.

00:36:12.000 --> 00:36:13.600
In vier Wochen erscheint die nächste Folge.

00:36:14.000 --> 00:36:15.600
Dann sprechen wir über Islamismus.

00:36:16.000 --> 00:36:17.600
Mein Name ist Sarah Zerback, bis zum nächsten Mal.

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*Musik*

00:36:34.000 --> 00:36:39.600
Der Podcast "Aus Politik und Zeitgeschichte" wird von der APUZ-Redaktion in Zusammenarbeit mit hauseins produziert.

00:36:40.000 --> 00:36:45.600
Redaktion für diese Folge Gina Enslin, Julia Heinrich, Lorenz Abu Ayyash und Luisa Runden.

00:36:46.000 --> 00:36:49.600
Produktion: Oliver Kraus. Musik: Joscha Grunewald.

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Am Mikrofon war Sarah Zerback.

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Die Folgen stehen unter der Creative Commons Lizenz

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