WEBVTT

00:00:00.000 --> 00:00:02.600
Natalie Dedreux: Wir brauchen ja auch sehr viel Unterstützung von der Politik,

00:00:03.000 --> 00:00:05.600
vor allem dass sie da auch mehr was da an Verantwortung was machen.

00:00:06.000 --> 00:00:07.600
Das muss ein bisschen mehr werden.

00:00:08.000 --> 00:00:09.600
Sarah Zerback: Das sagt Natalie Dedreux.

00:00:10.000 --> 00:00:13.600
Sie ist 27 Jahre alt, Aktivistin und Bloggerin mit Down-Syndrom.

00:00:14.000 --> 00:00:18.600
Politikerinnen und Politiker sollen beim Thema Inklusion mehr Verantwortung übernehmen, findet sie.

00:00:19.000 --> 00:00:20.600
Und damit ist sie nicht alleine.

00:00:21.000 --> 00:00:23.600
*Musik*

00:00:24.000 --> 00:00:27.600
Gleichberechtigung, Zugang, Teilhabe und Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung.

00:00:28.000 --> 00:00:30.600
All das sind Ziele der UN-Behindertenrechtskonvention.

00:00:31.000 --> 00:00:32.600
Deutschland hat sie ratifiziert und ist dazu verpflichtet,

00:00:33.000 --> 00:00:37.600
die Inklusion von Menschen mit Behinderung umfassend umzusetzen.

00:00:38.000 --> 00:00:40.600
Und auch wenn sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten einiges getan hat,

00:00:41.000 --> 00:00:44.600
unsere Gesellschaft ist noch lange nicht barrierefrei.

00:00:45.000 --> 00:00:46.600
Wie steht es also um die Inklusion in Deutschland?

00:00:47.000 --> 00:00:51.600
Darum geht es in dieser Folge von "Aus Politik und Zeitgeschichte".

00:00:52.000 --> 00:00:52.600
Und ich bin Sarah Zerback.

00:00:53.000 --> 00:00:54.600
Der Historiker Erik Kömpe zeichnet nach,

00:00:55.000 --> 00:00:58.600
wie Inklusion sich historisch entwickelt hat und wo wir heute stehen.

00:00:59.000 --> 00:01:01.600
Natalie Dedreux, Aktivistin mit Down-Syndrom, erklärt,

00:01:02.000 --> 00:01:05.600
welche Aspekte für gesellschaftliche Teilhabe wichtig sind.

00:01:06.000 --> 00:01:09.600
Und Rebecca Maskos, Professorin für Disability Studies, erklärt,

00:01:10.000 --> 00:01:11.600
wie Inklusion in Deutschland gelingen kann

00:01:12.000 --> 00:01:15.600
und welche gesellschaftlichen Folgen es hat, wenn das nicht passiert.

00:01:16.000 --> 00:01:22.600
Die Ausgabe der Zeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" zum Thema Inklusion finden Sie auf bpb.de/apuz.

00:01:23.000 --> 00:01:25.600
Wie immer gibt es auch zu dieser Folge ein Transkript.

00:01:26.000 --> 00:01:30.600
Sie finden es in der BPB Mediathek oder als Link in den Shownotes.

00:01:31.000 --> 00:01:45.600
*Musik*

00:01:46.000 --> 00:01:49.600
In Deutschland leben rund 13 Millionen Menschen mit Behinderung.

00:01:50.000 --> 00:01:53.600
In vielen Lebensbereichen machen sie andere Erfahrungen als nichtbehinderte Menschen.

00:01:54.000 --> 00:01:57.600
In ganz alltäglichen Bereichen wie Wohnen, Arbeiten und Gesundheit,

00:01:58.000 --> 00:02:00.600
aber auch wenn es um politische Teilhabe geht.

00:02:01.000 --> 00:02:03.600
Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Forschungsfeld der Disability History,

00:02:04.000 --> 00:02:05.600
also der Geschichte der Behinderung.

00:02:06.000 --> 00:02:10.600
Der Historiker Erik Kömpe forscht zu diesem Thema an der Universität Kiel.

00:02:11.000 --> 00:02:13.600
Dabei geht es immer auch darum, wie erfolgreich Inklusion war oder ist.

00:02:14.000 --> 00:02:17.600
Dass sich etwas verändert hat, sieht man schon mal daran,

00:02:18.000 --> 00:02:21.600
dass wir heute von Inklusion und nicht mehr von Integration sprechen.

00:02:22.000 --> 00:02:25.600
Erik Kömpe: Integration fokussiert darauf schon, ja, es gibt gesellschaftliche Barrieren

00:02:26.000 --> 00:02:33.600
und Behinderung wird nicht nur als so ein diagnostizierbarer Defekt in der Person angesehen.

00:02:34.000 --> 00:02:36.600
Bei Integration wird aber schon noch gesagt, okay,

00:02:37.000 --> 00:02:40.600
wir müssen die behinderte Person auf diese Barrieren vorbereiten

00:02:41.000 --> 00:02:44.600
und die behinderte Person muss in der Lage sein, sozusagen diese Barrieren zu überwinden,

00:02:45.000 --> 00:02:47.600
um sich gesellschaftlich zu integrieren.

00:02:48.000 --> 00:02:50.600
Sei das jetzt in den Arbeitsmarkt, aber sei das auch beim Thema Wohnen.

00:02:51.000 --> 00:02:54.600
Und Inklusion adressiert den Handlungsbedarf zentral bei der Gesellschaft

00:02:55.000 --> 00:02:57.600
und sagt, die Gesellschaft muss diese Barrieren herunterschrauben

00:02:58.000 --> 00:03:01.600
und das auf allen Bereichen und Belangen.

00:03:02.000 --> 00:03:05.600
Sarah Zerback: Die Erwartungshaltung, wer handeln muss, hat sich also verändert.

00:03:06.000 --> 00:03:07.600
Diese Veränderung beginnt in den 70er Jahren.

00:03:08.000 --> 00:03:10.600
Seit den 80er Jahren spricht man von Inklusion.

00:03:11.000 --> 00:03:12.600
Der Unterschied zum Begriff Integration

00:03:13.000 --> 00:03:16.600
lässt sich besonders gut im Arbeitsleben von Menschen mit Behinderung zeigen.

00:03:17.000 --> 00:03:19.600
Das erforscht Erik Kömpe schwerpunktmäßig.

00:03:20.000 --> 00:03:22.600
Erik Kömpe: Der integrative Ansatz ist zum Beispiel in diesen Ausbildungseinrichtungen,

00:03:23.000 --> 00:03:25.600
die ich mir angucke, da wird dann gesagt, okay, wir brauchen mehr Praktika,

00:03:26.000 --> 00:03:29.600
damit die früher die Arbeitswelt kennenlernen und sozusagen besser darauf vorbereitet sind

00:03:30.000 --> 00:03:33.600
und gleichzeitig müssen wir mehr Bewerbungstraining machen,

00:03:34.000 --> 00:03:38.600
damit sozusagen die behinderten Menschen fitter werden für die Hürden des Arbeitsmarktes.

00:03:39.000 --> 00:03:41.600
Und ein inklusiver Ansatz wäre zum Beispiel,

00:03:42.000 --> 00:03:46.600
mehr Aufklärungsarbeit bei Arbeitgebern zu machen über behinderte Menschen.

00:03:47.000 --> 00:03:50.600
Oder mehr Maßnahmen in Betrieben, also mehr integrative Maßnahmen in Betrieben zu schaffen

00:03:51.000 --> 00:03:56.600
und mehr verzahnte Ausbildungen in die Betriebe reinzuholen,

00:03:57.000 --> 00:04:00.600
wo dann auch wirklich die Belange behinderter Menschen berücksichtigt werden.

00:04:01.000 --> 00:04:02.600
Das wäre dann sozusagen ein inklusiver Ansatz,

00:04:03.000 --> 00:04:06.600
auch zu sagen, wir müssen vielleicht einfach hinterfragen,

00:04:07.000 --> 00:04:10.600
wie unsere Arbeitswelt strukturiert ist und wo es Ausschlüsse gibt.

00:04:11.000 --> 00:04:12.600
Sarah Zerback: Wenn man historisch noch weiter zurückblickt,

00:04:13.000 --> 00:04:15.600
hat sich die gesellschaftliche Situation von Menschen mit Behinderung

00:04:16.000 --> 00:04:18.600
seit der Industrialisierung entscheidend verändert.

00:04:19.000 --> 00:04:23.600
Die unsicheren Arbeitsbedingungen, z.B. in der Fabrikarbeit,

00:04:24.000 --> 00:04:26.600
haben zunächst einmal dafür gesorgt, dass es mehr Behinderung durch Unfälle gab.

00:04:27.000 --> 00:04:29.600
Parallel dazu wurden mehr Einrichtungen geschaffen,

00:04:30.000 --> 00:04:32.600
die Menschen mit Behinderung versorgen sollten.

00:04:33.000 --> 00:04:37.600
Die Folge war, dass Menschen mit Behinderung vom Alltag der Mehrheitsgesellschaft separiert wurden.

00:04:38.000 --> 00:04:41.600
Die Weltkriege haben die Diskriminierung dann noch einmal deutlich verschärft.

00:04:42.000 --> 00:04:45.600
Mit verschiedenen Formen der Behinderung wurde sehr unterschiedlich umgegangen.

00:04:46.000 --> 00:04:48.600
Es wurde unterschieden zwischen Männern, die im Krieg versehrt wurden,

00:04:49.000 --> 00:04:51.600
und Menschen mit kognitiven Einschränkungen.

00:04:52.000 --> 00:04:54.600
Die einen wurden geehrt, die anderen ausgesondert.

00:04:55.000 --> 00:04:59.600
Die extremste Ausprägung hat sich in der Zeit des Nationalsozialismus gezeigt.

00:05:00.000 --> 00:05:05.600
Während der NS-Herrschaft wurden etwa 400.000 Menschen mit Behinderung Opfer von Zwangssterilisation.

00:05:06.000 --> 00:05:08.600
Schätzungsweise 300.000 wurden ermordet.

00:05:09.000 --> 00:05:13.600
Diese Verbrechen rechtfertigten die Nationalsozialisten mit der Ideologie der Eugenik,

00:05:14.000 --> 00:05:16.600
die sie als Rassenhygiene bezeichneten.

00:05:17.000 --> 00:05:18.600
Sie beschreibt die Vorstellung,

00:05:19.000 --> 00:05:21.600
dass die Eigenschaften einer Gruppe oder Gesellschaft sich verbessern ließen,

00:05:22.000 --> 00:05:27.600
wenn vermeintlich gutes Erbgut gefördert und angeblich schlechtes Erbgut unterdrückt wird.

00:05:28.000 --> 00:05:31.600
Eugenisches Gedankengut war damals aber weder neu

00:05:32.000 --> 00:05:35.600
noch mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vollständig überwunden, erklärt Erik Kömpe.

00:05:36.000 --> 00:05:38.600
Erik Kömpe: Die Nationalsozialisten nehmen eben wesentlich ältere Ideen,

00:05:39.000 --> 00:05:40.600
die es sozusagen auch schon im 19. Jahrhundert gab.

00:05:41.000 --> 00:05:45.600
Ich würde sagen, im Nationalsozialismus ist es nur die radikalste Ausprägung dessen,

00:05:46.000 --> 00:05:50.600
die sich eben auch in den Massenmorden und Zwangssterilisierung an behinderten Menschen zeigt.

00:05:51.000 --> 00:05:57.600
Wir haben aber trotzdem, gerade auch in der frühen Bundesrepublik, starke personelle Kontinuitäten.

00:05:58.000 --> 00:05:58.600
Also sehr, sehr viele Menschen,

00:05:59.000 --> 00:06:02.600
die auch im NS solche Einrichtungen für behinderte Menschen geleitet haben

00:06:03.000 --> 00:06:05.600
oder Teil der damaligen Sonderpädagogik waren,

00:06:06.000 --> 00:06:06.600
sind danach noch weiterhin aktiv

00:06:07.000 --> 00:06:10.600
und vertreten auch noch weiterhin eugenisch geprägte Ideen.

00:06:11.000 --> 00:06:13.600
Die formulieren das natürlich anders als im NS,

00:06:14.000 --> 00:06:15.600
aber es gibt sozusagen auch diese starken personellen Kontinuitäten,

00:06:16.000 --> 00:06:19.600
die teilweise bis in die 1980er Jahre hineinreichen.

00:06:20.000 --> 00:06:22.600
Also es ist wirklich, ja je nach Einrichtung zum Beispiel,

00:06:23.000 --> 00:06:24.600
immer unterschiedlich lange, aber wesentlich länger,

00:06:25.000 --> 00:06:27.600
als man jetzt, glaube ich, so landläufig denken würde häufig.

00:06:28.000 --> 00:06:33.600
Aber ganz grundsätzlich liegt dem so ein Nützlichkeitsdenken zugrunde

00:06:34.000 --> 00:06:37.600
und es gibt sehr sehr lange diese Hierarchien von Gruppen behinderter Menschen,

00:06:38.000 --> 00:06:41.600
die sich eben an Arbeits- und Bildungsfähigkeit

00:06:42.000 --> 00:06:47.600
und gesellschaftlicher "Verwertbarkeit behinderten Lebens" sozusagen orientieren.

00:06:48.000 --> 00:06:51.600
Und diese Überhänge sind wirklich sehr, sehr lang.

00:06:52.000 --> 00:06:53.600
Also die können wir, glaube ich, bis heute in Teilen noch sehen,

00:06:54.000 --> 00:06:58.600
dass sozusagen behinderte Menschen anhand von Nützlichkeit eingeteilt werden.

00:06:59.000 --> 00:07:02.600
Sarah Zerback: Ende der 60er Jahre beginnen immer mehr Menschen mit Behinderung, sich zu politisieren.

00:07:03.000 --> 00:07:05.600
Die Behindertenbewegung in Deutschland formiert sich

00:07:06.000 --> 00:07:08.600
und sie wird in den 70er Jahren dann immer größer und radikaler.

00:07:09.000 --> 00:07:11.600
Erik Kömpe: Und die fordern eben ein,

00:07:12.000 --> 00:07:13.600
dass nicht nur gesellschaftliche Barrieren thematisiert werden zunächst,

00:07:14.000 --> 00:07:16.600
sondern eben auch gezielt der Abbau dessen.

00:07:17.000 --> 00:07:22.600
Und gerade Anfang der 80er Jahre gibt es so einen Höhepunkt der Behindertenbewegung.

00:07:23.000 --> 00:07:28.600
Das zeigt sich am UNO-Jahr der Behinderten, das 1981 ist, an Westdeutschland.

00:07:29.000 --> 00:07:30.600
Und dann institutionalisiert sich die Behindertenbewegung,

00:07:31.000 --> 00:07:33.600
geht es in verschiedene Parteien wie die Grünen

00:07:34.000 --> 00:07:36.600
oder auch in verschiedene anderen Gremien und versucht wirklich,

00:07:37.000 --> 00:07:37.600
gesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen.

00:07:38.000 --> 00:07:40.600
Und das passiert eben nicht nur in Westdeutschland,

00:07:41.000 --> 00:07:44.600
sondern auch zum Beispiel in Kanada und den USA und ähnlichen Ländern.

00:07:45.000 --> 00:07:49.600
Und dadurch gibt es sozusagen irgendwann die UN-Behindertenrechtskonvention.

00:07:50.000 --> 00:07:53.600
Das ist ja auch ein längerer Prozess, bis man sich dazu durchringen kann.

00:07:54.000 --> 00:07:57.600
Sarah Zerback: Im Dezember 2006 nimmt die UN-Generalversammlung das

00:07:58.000 --> 00:08:02.600
Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung an.

00:08:03.000 --> 00:08:05.600
Kurz, die UN-Behindertenrechtskonvention.

00:08:06.000 --> 00:08:08.600
In Deutschland tritt sie dann 2009 in Kraft.

00:08:09.000 --> 00:08:12.600
Die UN-Behindertenrechtskonvention ergänzt die allgemeine Menschenrechtserklärung

00:08:13.000 --> 00:08:16.600
und führt diese spezifisch für Menschen mit Behinderungen aus.

00:08:17.000 --> 00:08:21.600
In Artikel 1 heißt es, Zweck dieses Übereinkommens ist es,

00:08:22.000 --> 00:08:25.600
den vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten

00:08:26.000 --> 00:08:30.600
durch alle Menschen mit Behinderungen zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten

00:08:31.000 --> 00:08:34.600
und die Achtung der ihnen innewohnenden Würde zu fördern.

00:08:35.000 --> 00:08:37.600
Ob die Ziele der Konvention eingehalten werden,

00:08:38.000 --> 00:08:40.600
wird von Fachausschüssen der UNO geprüft.

00:08:41.000 --> 00:08:42.600
Deutschland wurde zuletzt 2023 geprüft.

00:08:43.000 --> 00:08:46.600
Das Ergebnis lässt zu wünschen übrig, sagt Erik Kömpe.

00:08:47.000 --> 00:08:50.600
Erik Kömpe: Die UN-Behindernrechtskonvention verankert schon Inklusion

00:08:51.000 --> 00:08:53.600
in Schule und Arbeitsleben als gesellschaftliches Ziel.

00:08:54.000 --> 00:08:58.600
Und daran ist Deutschland gemessen daran schlecht eingestuft,

00:08:59.000 --> 00:09:02.600
weil wir eben nach wie vor einen großen Anteil von Sonderschulen haben,

00:09:03.000 --> 00:09:05.600
aber auch eben einen großen Anteil behinderte Menschen,

00:09:06.000 --> 00:09:09.600
die nach wie vor in segregierten, beschützenden Werkstätten arbeiten

00:09:10.000 --> 00:09:14.600
und eben die Integration in den Arbeitsmarkt sich nach wie vor sehr schwierig gestaltet in Deutschland.

00:09:15.000 --> 00:09:15.600
Sarah Zerback: Wenn es noch so viele Mängel gibt,

00:09:16.000 --> 00:09:20.600
kann man dann trotzdem von einer erfolgreichen Geschichte der Inklusion in Deutschland sprechen?

00:09:21.000 --> 00:09:23.600
Nur teilweise, findet Erik Kömpe.

00:09:24.000 --> 00:09:27.600
Erik Kömpe: Ich glaube, dass wir die Erfolge, das ist das Problem,

00:09:28.000 --> 00:09:31.600
eher auf so einer Debatten- und diskursiven Ebene festmachen können.

00:09:32.000 --> 00:09:38.600
Der Erfolg ist, glaube ich, dass wir Inklusion in großen gesellschaftlichen Teilen als Ziel ansehen

00:09:39.000 --> 00:09:44.600
und an diesem Projekt Inklusion sozusagen versuchen, dauernd zu arbeiten.

00:09:45.000 --> 00:09:46.600
Ich glaube, das ist das Positive.

00:09:47.000 --> 00:09:51.600
Das Negative ist daran, dass man immer deswegen auch die mangelnde Umsetzung sieht.

00:09:52.000 --> 00:09:55.600
Aber überhaupt, dass wir diesen Fokus und die Thematisierung haben,

00:09:56.000 --> 00:09:57.600
ist, glaube ich, sehr relevant.

00:09:58.000 --> 00:10:02.600
Und ich würde wirklich sagen, dass der größte Erfolg, den wir haben, eben ist,

00:10:03.000 --> 00:10:07.600
behinderte Menschen inzwischen als Experten in eigener Sache anzusehen.

00:10:08.000 --> 00:10:10.600
Und es auch eine kritische Fachöffentlichkeit gibt,

00:10:11.000 --> 00:10:15.600
die sich eben auch kritisch mit dem Phänomen Behinderung auseinandersetzt.

00:10:16.000 --> 00:10:18.600
*Musik*

00:10:19.000 --> 00:10:21.600
Natalie Dedreux: Meine Kollegen und ich fragen Sie, Frau Merkel,

00:10:22.000 --> 00:10:25.600
wie stehen Sie zum Thema Spätabbruch?

00:10:26.000 --> 00:10:30.600
Wieso darf man Babys mit Down-Syndrom bis kurz vor der Geburt noch abtreiben?

00:10:31.000 --> 00:10:34.600
Ich finde es politisch nicht gut.

00:10:35.000 --> 00:10:37.600
Dieses Thema ist mir wichtig.

00:10:38.000 --> 00:10:40.600
Ich will nicht abgetrieben werden, sondern auf der Welt bleiben.

00:10:41.000 --> 00:10:42.600
*Applaus*

00:10:43.000 --> 00:10:43.600
Sarah Zerback: Das ist Natalie Dedreux.

00:10:44.000 --> 00:10:47.600
Im September 2017 in der Wahlarena in der ARD.

00:10:48.000 --> 00:10:50.600
Es ist ihr erster Auftritt in der Öffentlichkeit.

00:10:51.000 --> 00:10:55.600
Und sie stellt Angela Merkel Fragen zu späten Abtreibungen von Kindern mit Verdacht auf Down-Syndrom.

00:10:56.000 --> 00:10:56.600
Natalie Dedreux: Also ich bin halt Natalie Dedreux.

00:10:57.000 --> 00:11:00.600
Ja, ich bin auch eine Aktivistin und Journalistin mit Down-Syndrom,

00:11:01.000 --> 00:11:04.600
die auch für die Menschenrechte für Menschen mit Down-Syndrom kämpft und einsetzt.

00:11:05.000 --> 00:11:08.600
Sarah Zerback: Seit der Wahlarena hat Natalie Dedreux diverse Projekte umgesetzt.

00:11:09.000 --> 00:11:14.600
Regelmäßig gibt sie Interviews, hält Reden auf Konferenzen und sie hat ein Buch geschrieben.

00:11:15.000 --> 00:11:18.600
Außerdem ist sie auf Social Media aktiv und schreibt für das Magazin Ohrenkuss.

00:11:19.000 --> 00:11:22.600
Sie ist eine öffentliche Stimme für Menschen mit Down-Syndrom geworden.

00:11:23.000 --> 00:11:27.600
Natalie Dedreux: Also ich gehe schon nach vorne, ich zeige so und so, das Down-Syndrom ist ja cool.

00:11:28.000 --> 00:11:32.600
Wir tun ja nichts, wir sind ja auch wichtige Menschen, die hier wichtig sind.

00:11:33.000 --> 00:11:35.600
Sarah Zerback: Wenn es um Akzeptanz in der Gesellschaft geht,

00:11:36.000 --> 00:11:40.600
spielt das Thema Pränataldiagnostik für Natalie Dedreux eine große Rolle.

00:11:41.000 --> 00:11:42.600
Also die Frage, wie gehen Gesellschaft und Medizin damit um,

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dass man mittlerweile vor der Geburt feststellen kann,

00:11:46.000 --> 00:11:48.600
ob ein Kind das Down-Syndrom haben wird.

00:11:49.000 --> 00:11:51.600
Natalie Dedreux: Ja, also für mich ist das auch ein betroffenes Thema,

00:11:52.000 --> 00:11:53.600
dass ich auch darüber betroffen bin und alles.

00:11:54.000 --> 00:11:58.600
Das ist dann auf der anderen Seite auch ein bisschen traurig, weil es ja gegen uns ist.

00:11:59.000 --> 00:12:04.600
Sarah Zerback: Natalie Dedreux kritisiert, dass dieser Bluttest bei Schwangeren von den Krankenkassen übernommen wird.

00:12:05.000 --> 00:12:06.600
Wenn so ein Bluttest dann positiv ausfällt,

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kann ein Schwangerschaftsabbruch ohne Wochenfrist nach oben durchgeführt werden.

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In einem Instagram-Video sagt sie dazu

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Natalie Dedreux: Das fühlt sich schon echt mega doof an,

00:12:16.000 --> 00:12:22.600
weil dann ist das Risiko hoch, dass dann die schwangeren Frauen so viele Abtreibungen mit uns machen.

00:12:23.000 --> 00:12:24.600
Und das ist halt nun mal sehr, sehr verletzend.

00:12:25.000 --> 00:12:31.600
Es fühlt sich schon echt so an, als ob man uns hier gar nicht möchte.

00:12:32.000 --> 00:12:34.600
Sarah Zerback: Natalie Dedreux hat zu dem Thema auch eine Petition gestartet.

00:12:35.000 --> 00:12:37.600
Generell, sagt sie, ist sie ein politischer Mensch.

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In einer Rede hat sie 2022 gesagt, dass sie sich in der Schule politisiert hat.

00:12:43.000 --> 00:12:44.600
Dedreux war auf einer inklusiven Gesamtschule

00:12:45.000 --> 00:12:47.600
und hatte dort Fächer wie Geschichte und Politik.

00:12:48.000 --> 00:12:50.600
Auf einer Förderschule hätte sie über diese Themen viel weniger gelernt.

00:12:51.000 --> 00:12:53.600
Darum hält sie wenig von Förderschulen.

00:12:54.000 --> 00:12:55.600
Politische Teilhabe ist ihr wichtig.

00:12:56.000 --> 00:12:56.600
Natalie Dedreux: Ja, ich durfte wählen.

00:12:57.000 --> 00:12:59.600
Das ist auch super und richtig.

00:13:00.000 --> 00:13:03.600
Weil öfters damals Menschen mit Behinderung durften ja gar nicht wählen.

00:13:04.000 --> 00:13:06.600
Sarah Zerback: Dass Menschen mit Behinderung, die vollständige rechtliche Betreuung brauchen,

00:13:07.000 --> 00:13:10.600
bis 2019 nicht wählen durften, kritisiert Dedreux.

00:13:11.000 --> 00:13:12.600
Natalie Dedreux: Ja, das war schon schlimm damals gewesen.

00:13:13.000 --> 00:13:15.600
Ja, das ist ein Menschenrecht.

00:13:16.000 --> 00:13:16.600
Das darf man ja machen.

00:13:17.000 --> 00:13:20.600
Sarah Zerback: Vor Wahlen informiert sich Natalie Dedreux so gut es eben geht.

00:13:21.000 --> 00:13:23.600
Natalie Dedreux: Ja, ich informiere mich, wenn es Wahlprogramme in leichter Sprache gibt.

00:13:24.000 --> 00:13:29.600
Von den Grünen gibt es das, von der SPD gibt es das nämlich auch.

00:13:30.000 --> 00:13:32.600
Sarah Zerback: Mittlerweile haben alle Parteien, die im Bundestag vertreten sind,

00:13:33.000 --> 00:13:35.600
Angebote in leichter Sprache, außer der AfD.

00:13:36.000 --> 00:13:40.600
Dadurch werden die Parteiprogramme zugänglich gemacht und Teilhabe erleichtert.

00:13:41.000 --> 00:13:45.600
Natalie Dedreux wünscht sich mehr solcher Angebote, besonders in den Medien.

00:13:46.000 --> 00:13:47.600
Für sie ein wichtiger Baustein von Inklusion.

00:13:48.000 --> 00:13:51.600
Natalie Dedreux: Ja genau, also Inklusion ist ja für mich sehr, sehr wichtig.

00:13:52.000 --> 00:13:54.600
Nur das wird oft in Deutschland nicht richtig gemacht.

00:13:55.000 --> 00:13:57.600
Also da muss auch die Politik auch mal was dagegen machen,

00:13:58.000 --> 00:14:01.600
dass das mehr für uns zugänglich ist.

00:14:02.000 --> 00:14:03.600
Sarah Zerback: Und sie betont, was ihr wichtig ist.

00:14:04.000 --> 00:14:05.600
Ein selbstbestimmtes Leben.

00:14:06.000 --> 00:14:07.600
*Musik*

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Technische Innovationen verändern zunehmend das Leben von Menschen mit Behinderung.

00:14:13.000 --> 00:14:16.600
Videoanrufe und automatische Untertitelungen zum Beispiel

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erleichtern für hörbehinderte Menschen den Alltag.

00:14:19.000 --> 00:14:22.600
Chronisch kranke Menschen profitieren von der Möglichkeit zu digitalen Meetings.

00:14:23.000 --> 00:14:27.600
Digitale Technologien müssen dafür aber von Anfang an barrierearm konzipiert werden.

00:14:28.000 --> 00:14:31.600
Gleichzeitig bleiben große Leerstellen bei der Umsetzung der Inklusion.

00:14:32.000 --> 00:14:34.600
Und die anhaltende politische Polarisierung erschwert es,

00:14:35.000 --> 00:14:38.600
dass Minderheitenrechte und Inklusion durchgesetzt werden.

00:14:39.000 --> 00:14:40.600
Das glaubt auch Rebecca Maskos.

00:14:41.000 --> 00:14:43.600
Sie ist Professorin für Disability Studies und freie Journalistin

00:14:44.000 --> 00:14:48.600
und hat in der APuZ ein Essay mit dem Titel "Meine behinderte Zukunft" geschrieben.

00:14:49.000 --> 00:14:52.600
Ich habe mit ihr über den Stand und über die Zukunft von Inklusion in Deutschland gesprochen.

00:14:53.000 --> 00:14:54.600
Hallo Rebecca Maskos.

00:14:55.000 --> 00:14:55.010
Rebecca Maskos: Hallo.

00:14:55.000 --> 00:15:00.600
Sarah Zerback: Frau Maskos, in dieser Folge sprechen wir ja auch mit Natalie Dedreux

00:15:01.000 --> 00:15:04.600
und sie, würde ich sagen, ist ja eine zwar starke,

00:15:05.000 --> 00:15:08.600
aber auch eine der wenigen Stimmen im öffentlichen Diskurs,

00:15:09.000 --> 00:15:12.600
wenn es um Teilhabe geht, die mit Down-Syndrom lebt.

00:15:13.000 --> 00:15:17.600
Sie selbst wiederum, Frau Maskos, sind schwer körperlich behindert.

00:15:18.000 --> 00:15:20.600
Welchen Unterschied macht es denn in dieser Debatte,

00:15:21.000 --> 00:15:22.600
in der öffentlichen Wahrnehmung,

00:15:23.000 --> 00:15:26.600
ob jemand jetzt eine geistige oder eine körperliche Behinderung hat?

00:15:27.000 --> 00:15:29.600
Rebecca Maskos: Also ich glaube, dass erst mal der Unterschied gar nicht so groß ist,

00:15:30.000 --> 00:15:34.600
weil für viele nicht behinderte Menschen einfach Behinderung gleich Behinderung ist.

00:15:35.000 --> 00:15:38.600
Also das heißt, jemand sieht irgendwie anders aus, er klingt anders,

00:15:39.000 --> 00:15:44.600
wir werden schnell einfach in diese Gruppe der Anderen subsummiert so.

00:15:45.000 --> 00:15:49.600
Das heißt, da taucht erst mal ein Wundern, ein Erschrecken auf darüber,

00:15:50.000 --> 00:15:54.600
dass da jemand einfach ganz anders ist als erwartet,

00:15:55.000 --> 00:16:02.600
anders als sozusagen der idealisierte Normkörper oder Normgeist normalerweise auftaucht.

00:16:03.000 --> 00:16:06.600
Und leider ist auch das oft, was erst mal die Wahrnehmung überschattet.

00:16:07.000 --> 00:16:10.600
Also das heißt, manchmal hören die Leute gar nicht so sehr zu,

00:16:11.000 --> 00:16:15.600
was ich genau sage, sondern sind erst mal fasziniert davon, dass ich etwas sage.

00:16:16.000 --> 00:16:18.600
Weil ich zum Beispiel als kleinwüchsige Frau im Rollstuhl

00:16:19.000 --> 00:16:22.600
werde oft gar nicht wirklich als eigenständiges Subjekt wahrgenommen mit,

00:16:23.000 --> 00:16:25.600
wie man neudeutsch sagen würde, einer Agency sozusagen,

00:16:26.000 --> 00:16:30.600
als jemand, der handlungsfähig ist und der selbst entscheiden kann,

00:16:31.000 --> 00:16:34.600
sondern als naja mehr oder weniger Objekt.

00:16:35.000 --> 00:16:38.600
Also ich merke das daran, dass dann teilweise gar nicht ich gefragt werde,

00:16:39.000 --> 00:16:41.600
wenn es um mich geht, sondern Leute ohne Rollstuhl,

00:16:42.000 --> 00:16:44.600
die als nichtbehindert einsortiert werden und die mich begleiten.

00:16:45.000 --> 00:16:47.600
Also das heißt, ich merke oft so eine Scheu davor,

00:16:48.000 --> 00:16:50.600
mit mir überhaupt in Interaktion zu gehen.

00:16:51.000 --> 00:16:52.600
Also das ist jetzt sozusagen die zwischenmenschliche Ebene.

00:16:53.000 --> 00:16:56.600
Und aber genau das sozusagen erleben wir ja auf eine andere Art auch medial.

00:16:57.000 --> 00:17:00.600
Das heißt, dass es immer noch sozusagen eine große Zurückhaltung

00:17:01.000 --> 00:17:05.600
oder eine Nervosität gibt es immer noch darum,

00:17:06.000 --> 00:17:09.600
wenn es darum geht, behinderte Menschen als InterviewpartnerInnen einzuladen

00:17:10.000 --> 00:17:13.600
oder sie in Serien, in Filmen und so weiter mitspielen zu lassen.

00:17:14.000 --> 00:17:17.600
Und da sind wir eigentlich direkt beim Thema Inklusion,

00:17:18.000 --> 00:17:22.600
weil dieser Kontakt vor allem in Deutschland immer noch fehlt auf ganz vielen Ebenen.

00:17:23.000 --> 00:17:25.600
Und das bildet sich natürlich medial ab.

00:17:26.000 --> 00:17:31.600
Und klar, natürlich ist es gut, wenn Leute sprechfähig sind

00:17:32.000 --> 00:17:37.600
und eben Dinge erzählen und erklären können, wie Natalie Dedreux das kann, wie ich das kann.

00:17:38.000 --> 00:17:42.600
Also je mehr sozusagen Erklärungsfähigkeit oder, wie soll man sagen,

00:17:43.000 --> 00:17:45.600
je mehr man auch Menschen abholen kann in ihrem Denken, desto besser.

00:17:46.000 --> 00:17:48.600
Aber ich denke, dass das sozusagen erst mal unerheblich ist,

00:17:49.000 --> 00:17:52.600
welche Behinderung Leute haben, die medial auftauchen.

00:17:53.000 --> 00:17:56.600
Sarah Zerback: Und dieses Auftauchen, die Sichtbarkeit, wenn das stattfindet,

00:17:57.000 --> 00:18:01.600
dann sind es ja meistens Themen, die Inklusion und Behinderung betreffen.

00:18:02.000 --> 00:18:06.600
Dabei könnte man sich ja Ihre Stimme auch zu allen möglichen gesellschaftspolitisch relevanten Themen vorstellen.

00:18:07.000 --> 00:18:11.600
Rebecca Maskos: Ja, absolut und das ist auch wirklich was, was, glaube ich,

00:18:12.000 --> 00:18:18.600
viele so in der Community behinderter Menschen oder in Behindertenbewegung auch immer wieder sehr irritiert.

00:18:19.000 --> 00:18:21.600
Und man kann eben ja auch beobachten, dass es anders geht.

00:18:22.000 --> 00:18:26.600
Also in England zum Beispiel gibt es FernsehmoderatorInnen mit Behinderung,

00:18:27.000 --> 00:18:29.600
die gar nichts zum Thema Behinderung machen.

00:18:30.000 --> 00:18:31.600
Die haben einfach eine Körperbehinderung,

00:18:32.000 --> 00:18:35.600
die erscheinen da ganz selbstverständlich im Fernsehen und keiner wundert sich darüber.

00:18:36.000 --> 00:18:40.600
Vielleicht gab es mal eine Irritation, aber die wurde dann schnell bearbeitet und jetzt ist es Alltag.

00:18:41.000 --> 00:18:42.600
Das sucht man hier in Deutschland noch lange.

00:18:43.000 --> 00:18:47.600
Sarah Zerback: Natalie Dedreux beschreibt das im Interview ja so, dass sie das traurig macht,

00:18:48.000 --> 00:18:53.600
dass die Debatte und die Entwicklung in die Richtung geht, weil sie sich da unerwünscht fühlt.

00:18:54.000 --> 00:18:58.600
Inwieweit, glauben Sie, hängt das aktuell auch damit zusammen mit so einem Trend dazu,

00:18:59.000 --> 00:19:03.600
sich vielleicht auch in unserer Gesellschaft immer weiter selbst optimieren zu müssen,

00:19:04.000 --> 00:19:06.600
auch durch einen Druck von außen?

00:19:07.000 --> 00:19:07.600
Rebecca Maskos: Ja, also ich glaube,

00:19:08.000 --> 00:19:11.600
das hängt mit einer grundlegenden gesellschaftlichen Wandlung

00:19:12.000 --> 00:19:14.600
zu immer mehr Individualisierung zusammen.

00:19:15.000 --> 00:19:18.600
Krankheitsrisiken werden immer mehr zu einem Problem,

00:19:19.000 --> 00:19:22.600
was jeder Einzelne oder jeder Einzelne selbst lösen muss.

00:19:23.000 --> 00:19:28.600
Und Behinderung, auch vorgeburtlich sozusagen, wird eben auch als Krankheit gesehen,

00:19:29.000 --> 00:19:32.600
was man ja durchaus schon mal stark in Frage stellen kann,

00:19:33.000 --> 00:19:35.600
und nicht mehr als etwas, was einfach passiert

00:19:36.000 --> 00:19:40.600
und was wir gemeinschaftlich als Gesellschaft lösen oder bearbeiten müssen,

00:19:41.000 --> 00:19:44.600
unterstützen müssen, wo sozusagen alle gefragt sind,

00:19:45.000 --> 00:19:51.600
wie ja generell beim Kinderbekommen eigentlich ganz viele Menschen unterstützen sollten, würde ich sagen.

00:19:52.000 --> 00:19:54.600
Und natürlich hängt es auch mit einem Trend zusammen,

00:19:55.000 --> 00:19:59.600
dass man sich natürlich für sein Kind immer eine noch bessere Zukunft wünscht

00:20:00.000 --> 00:20:02.600
und das soll noch mehr leisten können und noch, ja,

00:20:03.000 --> 00:20:07.600
man kann es auch so ein bisschen zynisch sagen, nützlicher sein für die Gesellschaft.

00:20:08.000 --> 00:20:11.600
Es soll in einer kapitalistischen Gesellschaft bestehen können,

00:20:12.000 --> 00:20:16.600
auf dem Arbeitsmarkt zum Beispiel, aber auch auf so einem Markt des kulturellen Kapitals,

00:20:17.000 --> 00:20:20.600
ja, es soll einen normschönen Körper haben und, und, und.

00:20:21.000 --> 00:20:24.600
Aber ich glaube auch, dass es vor allem aktuell angesichts der zunehmenden Krisen,

00:20:25.000 --> 00:20:29.600
die wir haben, einfach eine bedrohliche Vorstellung ist,

00:20:30.000 --> 00:20:33.600
einen sozusagen verletzbaren Körper zu haben, den wir ja alle haben.

00:20:34.000 --> 00:20:36.600
Sarah Zerback: Weil man eben, wenn ich Sie richtig verstehe,

00:20:37.000 --> 00:20:40.600
in Krisen und Kriegen zumal, also wenn wir jetzt zum Beispiel in die Ukraine blicken,

00:20:41.000 --> 00:20:45.600
dann eben auch Barrierefreiheit noch ein viel größeres Thema wird.

00:20:46.000 --> 00:20:51.600
Also in solchen, wenn wir uns eine Flut vorstellen oder andere Naturkatastrophen,

00:20:52.000 --> 00:20:54.600
das potenziert das Problem noch mal, oder?

00:20:55.000 --> 00:20:55.010
Rebecca Maskos: Auf jeden Fall.

00:20:55.000 --> 00:20:57.600
Also behinderte Menschen sind in jeder Krise erst mal fast,

00:20:58.000 --> 00:21:04.600
wir haben fast garantiert, dass sie Opfer werden von den ganzen Verwerfungen, die da entstehen.

00:21:05.000 --> 00:21:07.600
Und ja, ich denke, Barrierefreiheit ist da ein Thema,

00:21:08.000 --> 00:21:11.600
aber vor allen Dingen ist, glaube ich, auch sozusagen der Mangel an Ressourcen ein Thema.

00:21:12.000 --> 00:21:15.600
Kommt man noch an Medikamente, an Hilfsmittel, an Unterstützung?

00:21:16.000 --> 00:21:19.600
Hat man überhaupt die Möglichkeit, noch weiter Assistenz zu haben?

00:21:20.000 --> 00:21:25.600
Gibt es, also behinderte Menschen leben von Beziehungen zu ihren Angehörigen,

00:21:26.000 --> 00:21:27.600
Freunden, aber auch zum Beispiel AssistentInnen?

00:21:28.000 --> 00:21:31.600
Bricht dieses System dann vielleicht zusammen?

00:21:32.000 --> 00:21:34.600
Was ist eigentlich, wenn sich die Wohnung total aufheizt?

00:21:35.000 --> 00:21:39.600
Und was ist, wenn ein Diskurs entsteht, in dem immer mehr aufgerechnet wird,

00:21:40.000 --> 00:21:42.600
wen man denn jetzt eigentlich noch versorgen will und wen nicht?

00:21:43.000 --> 00:21:48.600
Weil das ist das, was in Krisen und in Kriegen schnell passiert,

00:21:49.000 --> 00:21:49.600
dass dann sozusagen Leute sich die Unterstützung,

00:21:50.000 --> 00:21:52.600
die sie bekommen von der Gesellschaft, verdienen müssen.

00:21:53.000 --> 00:21:55.600
Sarah Zerback: Sie haben sich ja auch viel mit dem Begriff Ableismus auseinandergesetzt.

00:21:56.000 --> 00:22:01.600
Ich lese es mal vor, der meint ja Diskriminierung, Vorurteilung, Ungleichbehandlung von Menschen

00:22:02.000 --> 00:22:04.600
aufgrund ihrer körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen.

00:22:05.000 --> 00:22:09.600
Sie sagen aber, das geht sogar noch darüber hinaus.

00:22:10.000 --> 00:22:10.600
Wie meinen Sie das?

00:22:11.000 --> 00:22:11.600
Rebecca Maskos: Ja, also ich würde sagen,

00:22:12.000 --> 00:22:16.600
dass man mit dem Begriff Ableismus sehr viel sagen kann über Nichtbehinderung.

00:22:17.000 --> 00:22:22.600
Nichtbehinderung als sozusagen eine Form von nicht benannter Normalität.

00:22:23.000 --> 00:22:27.600
Also genauso wie Weißsein oder Männlichkeit eben Formen von Normalitäten sind,

00:22:28.000 --> 00:22:33.600
die oft überhaupt nicht markiert sind und deswegen auch nicht weiter problematisiert werden.

00:22:34.000 --> 00:22:38.600
So wird auch so etwas wie Nichtbehinderung eigentlich selten problematisiert.

00:22:39.000 --> 00:22:42.600
Also dass das eigentlich ein sehr fragiler Zustand ist,

00:22:43.000 --> 00:22:47.600
der immer wieder der Absicherung bedarf, dadurch,

00:22:48.000 --> 00:22:53.600
dass man überall woanders die Behinderten, die Nichnormalen sozusagen sucht.

00:22:54.000 --> 00:22:57.600
Also diese Zweiteilung von etwas, was eigentlich ein Spektrum ist,

00:22:58.000 --> 00:23:00.600
Behinderung, Nichtbehinderung, das geht fließend ineinander über,

00:23:01.000 --> 00:23:03.600
zumindest auf der Ebene der Beeinträchtigungen.

00:23:04.000 --> 00:23:09.600
Und wenn man dieses binäre System, hier die Behinderten, dort die Nichtbehinderten,

00:23:10.000 --> 00:23:11.600
das hilft natürlich auch in diesen Eindeutigkeiten,

00:23:12.000 --> 00:23:17.600
die sozusagen im traditionellen Denken hilft, Machtverhältnisse aufrechtzuerhalten.

00:23:18.000 --> 00:23:21.600
Genau, und deswegen beschreibt Ableismus im Grunde ein Machtverhältnis,

00:23:22.000 --> 00:23:25.600
also eine Ungleichbehandlung von behinderten Menschen

00:23:26.000 --> 00:23:31.600
im Rahmen von einem Machtverhältnis, was sozusagen Normalität stützen soll.

00:23:32.000 --> 00:23:36.600
Sarah Zerback: Bisschen künstlich geschaffen, um eben das zu stützen, was Sie sagen,

00:23:37.000 --> 00:23:42.600
wobei wir vielleicht phasenweise alle mal zu einer vulnerablen Gruppe auch gehören.

00:23:43.000 --> 00:23:47.600
Also frühestens, wenn wir geboren werden, aber auch in anderen Phasen unseres Lebens, oder?

00:23:48.000 --> 00:23:48.600
Rebecca Maskos: Genau so ist es.

00:23:49.000 --> 00:23:53.600
Also deswegen sprechen Disability Studies-ForscherInnen eben auch,

00:23:54.000 --> 00:23:55.600
also die unterscheiden zwischen Beeinträchtigung und Behinderung.

00:23:56.000 --> 00:24:01.600
Und Beeinträchtigung, also all das, was wir sozusagen körperlich an Besonderheiten haben,

00:24:02.000 --> 00:24:05.600
an Varianz sozusagen, das ist ein breites Spektrum.

00:24:06.000 --> 00:24:08.600
Das ist etwas, was kommt und geht

00:24:09.000 --> 00:24:11.600
und womit jeder Mensch im Grunde Erfahrungen macht im Laufe des Lebens.

00:24:12.000 --> 00:24:16.600
Behinderung, das ist noch mal etwas, da kommen Barrieren hinzu.

00:24:17.000 --> 00:24:21.600
Also das ist dann, wenn sich die Frage stellt, stößt diese Beeinträchtigung auf Barrieren?

00:24:22.000 --> 00:24:23.600
Also ist die Beeinträchtigung so stark,

00:24:24.000 --> 00:24:27.600
dass sozusagen die Passung mit der Umwelt nicht mehr so richtig gut funktioniert?

00:24:28.000 --> 00:24:31.600
Und damit macht jetzt nicht unbedingt jeder eine Erfahrung.

00:24:32.000 --> 00:24:36.600
Sarah Zerback: Durch wen oder was werden Sie denn behindert in Ihrem Alltag?

00:24:37.000 --> 00:24:39.600
Rebecca Maskos: Also ich werde das öfter gefragt

00:24:40.000 --> 00:24:42.600
und es ist auch hier gar nicht so einfach zu beantworten,

00:24:43.000 --> 00:24:47.600
weil ich tatsächlich selber mich in meinem Alltag gar nicht so behindert fühle.

00:24:48.000 --> 00:24:49.600
Weil ich eben, ich habe ein umgebautes Auto,

00:24:50.000 --> 00:24:53.600
ich habe eine barrierefreie Wohnung, ich komme hier in meinem Kiez irgendwie gut klar,

00:24:54.000 --> 00:24:58.600
ich kann hier einkaufen gehen, ich komme in barrierefreie Kinos und so weiter.

00:24:59.000 --> 00:25:00.600
Also ich habe mir selber sozusagen meine Welt so gebaut,

00:25:01.000 --> 00:25:04.600
dass ich in meinem Alltag denke ich jetzt nicht ständig darüber nach,

00:25:05.000 --> 00:25:06.600
ohje ich bin behindert, ich stehe andauernd vor Barrieren.

00:25:07.000 --> 00:25:11.600
Aber gleichzeitig ist das auch schon, wenn ich dann länger darüber nachdenke,

00:25:12.000 --> 00:25:16.600
dann merke ich natürlich so, wie geprägt mein Leben die ganze Zeit davon ist,

00:25:17.000 --> 00:25:18.600
das auch ständig organisieren zu müssen.

00:25:19.000 --> 00:25:21.600
Also ich muss viele Telefonate führen, um zu gucken,

00:25:22.000 --> 00:25:25.600
komme ich in Gebäude XY rein, ist da eine Treppe,

00:25:26.000 --> 00:25:27.600
ist da eine Rampe, wie sieht das da aus?

00:25:28.000 --> 00:25:30.600
Und solche Dinge, die machen mir und ganz vielen anderen behinderten Menschen

00:25:31.000 --> 00:25:34.600
einfach unglaublich viel Stress, weil wir die ganze Zeit dabei sind.

00:25:35.000 --> 00:25:40.600
Wir müssen halt ständig für unseren Zugang diskutieren

00:25:41.000 --> 00:25:43.600
und das müssen wir halt bestimmt machen,

00:25:44.000 --> 00:25:46.600
aber auch natürlich immer sehr freundlich und diplomatisch,

00:25:47.000 --> 00:25:50.600
weil wir ja in Abhängigkeitsverhältnissen stehen von den Leuten, die uns da unterstützen.

00:25:51.000 --> 00:25:53.600
Also das ist ein Spagat, den alle Menschen mit Behinderung kennen.

00:25:54.000 --> 00:25:59.600
Also die eigenen Rechte durchsetzen zu müssen innerhalb von Machtverhältnissen.

00:26:00.000 --> 00:26:02.600
Und das erzeugt sehr, sehr viel Alltagsstress.

00:26:03.000 --> 00:26:05.600
Man nennt sowas auch in der Wissenschaft Minority Stress.

00:26:06.000 --> 00:26:09.600
Also das ist etwas, was auch mittlerweile schon als eigener Stressor erkannt ist.

00:26:10.000 --> 00:26:14.600
Und also das habe ich wirklich sehr viel.

00:26:15.000 --> 00:26:16.600
Und das sind Dinge, die mich halt täglich behindern, ja.

00:26:17.000 --> 00:26:20.600
Sarah Zerback: Da haben Sie ein ganz schönes Beispiel gewählt in Ihrem Essay in der APuZ.

00:26:21.000 --> 00:26:24.600
Also man kann sinngemäß auf den Mond fliegen, auf den Mars,

00:26:25.000 --> 00:26:27.600
aber das mit der Barrierefreiheit kriegen wir hier irgendwie nicht vernünftig hin.

00:26:28.000 --> 00:26:31.600
Das ist also eher eine Frage der Prioritätensetzung?

00:26:32.000 --> 00:26:32.600
Rebecca Maskos: Ja, genau.

00:26:33.000 --> 00:26:38.600
Also es ist natürlich so, dass Behinderung immer noch als so ein exotisches Randthema verhandelt wird.

00:26:39.000 --> 00:26:40.600
Und dabei, und das verstehe ich halt auch immer nicht

00:26:41.000 --> 00:26:45.600
und das bedauere ich wirklich sehr, dass einfach nicht verstanden wird,

00:26:46.000 --> 00:26:49.600
dass in Deutschland 13 Millionen Menschen eine Behinderung haben.

00:26:50.000 --> 00:26:53.600
Also 13 Millionen Menschen sind registriert als schwerbehinderte Menschen.

00:26:54.000 --> 00:26:57.600
Was das genau ist, also welche Beeinträchtigungen dahinterstehen, das ist ganz unterschiedlich.

00:26:58.000 --> 00:27:00.600
Und auch da, Stichwort Sichtbarkeit,

00:27:01.000 --> 00:27:05.600
also im Kopf taucht natürlich immer die Person wie ich auf,

00:27:06.000 --> 00:27:06.600
also mit Rollstuhl und so weiter.

00:27:07.000 --> 00:27:09.600
Die allermeisten behinderten Menschen haben gar keinen Rollstuhl,

00:27:10.000 --> 00:27:12.600
deren Behinderung sieht man gar nicht.

00:27:13.000 --> 00:27:16.600
Das heißt aber nicht, dass die nicht auch ganz viel Bedarf an Barrierefreiheit haben,

00:27:17.000 --> 00:27:21.600
halt auf anderen Ebenen, zum Beispiel akustisch, sensorisch, leichte Sprache und so weiter.

00:27:22.000 --> 00:27:28.600
Genau, also was ich nur sagen will, es ist eigentlich ein Riesenbedarf da

00:27:29.000 --> 00:27:31.600
und der Bedarf wächst ja die ganze Zeit weiter.

00:27:32.000 --> 00:27:33.600
Wir haben ja einen demografischen Wandel,

00:27:34.000 --> 00:27:38.600
der uns sehr, sehr viele beeinträchtigte Menschen bringen wird

00:27:39.000 --> 00:27:40.600
in den kommenden Jahren und Jahrzehnten.

00:27:41.000 --> 00:27:43.600
Die Sozialpolitik versucht da immer so einen Unterschied zu machen

00:27:44.000 --> 00:27:46.600
zwischen älteren Menschen und behinderten Menschen,

00:27:47.000 --> 00:27:50.600
also sozusagen altersangemessene Beeinträchtigungen.

00:27:51.000 --> 00:27:53.600
Aber aus einer Disability Studies Perspektive würde ich sagen,

00:27:54.000 --> 00:27:57.600
dass das Quatsch ist, weil das alles Beeinträchtigungen sind.

00:27:58.000 --> 00:28:01.600
Und das ist eigentlich nur ein Versuch, sozusagen diese ganzen Ansprüche,

00:28:02.000 --> 00:28:04.600
die da eigentlich gestellt werden müssten, abzuwehren.

00:28:05.000 --> 00:28:08.600
So im Sinne von, naja, als alter Mensch muss man das halt ertragen.

00:28:09.000 --> 00:28:09.600
Das ist ja halt Alter.

00:28:10.000 --> 00:28:16.600
Aber auch alte Menschen haben ein Recht auf barrierefreie Infrastrukturen

00:28:17.000 --> 00:28:19.600
und wir werden immer mehr, sag ich mal.

00:28:20.000 --> 00:28:22.600
Und anstatt das abzuwehren, würde ich mir halt wünschen,

00:28:23.000 --> 00:28:26.600
dass wir vielmehr positiv überlegen könnten,

00:28:27.000 --> 00:28:31.600
wie können wir denn eine wirklich inklusive und auch wirklich barrierefreie

00:28:32.000 --> 00:28:33.600
und auch eine, ich sag mal nicht nur behindertengerechte,

00:28:34.000 --> 00:28:36.600
sondern menschengerechte Zukunft bauen.

00:28:37.000 --> 00:28:41.600
Aber das sehe ich leider ehrlich gesagt momentan überhaupt nicht.

00:28:42.000 --> 00:28:44.600
Sarah Zerback: Ihr Essay war ja überschrieben mit "Meine behinderte Zukunft".

00:28:45.000 --> 00:28:47.600
Schauen Sie da eher mit Pessimismus als mit Optimismus in die Zukunft?

00:28:48.000 --> 00:28:49.600
Rebecca Maskos: Ja, muss ich leider sagen.

00:28:50.000 --> 00:28:53.600
Also ich bin eigentlich so, würde ich sagen, grundoptimistisch.

00:28:54.000 --> 00:28:57.600
Und tatsächlich, wenn ich meine Zukunft angucke oder überhaupt,

00:28:58.000 --> 00:28:59.600
wenn ich in die Zukunft gucke,

00:29:00.000 --> 00:29:03.600
setze ich mir momentan wie viele andere Menschen eher so ein bisschen die Scheuklappen auf

00:29:04.000 --> 00:29:07.600
und versuche nicht so genau drüber nachzudenken.

00:29:08.000 --> 00:29:11.600
Aber wenn ich die mal abnehme, dann, ja, muss ich sagen,

00:29:12.000 --> 00:29:15.600
bin ich da schon ziemlich pessimistisch,

00:29:16.000 --> 00:29:19.600
ja, eben wegen der Verwerfung von Autoritarismus,

00:29:20.000 --> 00:29:23.600
von Faschisierung, die alle im Gepäck haben,

00:29:24.000 --> 00:29:27.600
eine Entwertung von Beeinträchtigung eines Lebens mit Behinderung,

00:29:28.000 --> 00:29:33.600
die alle ganz klare soziale Hierarchien und Machtverhältnisse mit im Gepäck haben,

00:29:34.000 --> 00:29:36.600
plus eben der menschengemachte Klimawandel,

00:29:37.000 --> 00:29:40.600
der rein physiologisch für uns ein Riesenproblem wird

00:29:41.000 --> 00:29:45.600
und auch daran angeschlossen natürlich zu weiteren Verwerfungen führt.

00:29:46.000 --> 00:29:50.600
Wer wird in einer Klimakatastrophe oder im Naturkatastrophenfall gerettet?

00:29:51.000 --> 00:29:53.600
Wer kann sich die Technik leisten,

00:29:54.000 --> 00:29:58.600
die uns vor extremer Hitze oder vor Wasser und so weiter schützt?

00:29:59.000 --> 00:30:03.600
Also da hängen ganz, ganz viele Fragen dran, die nicht nur soziale Fragen sind,

00:30:04.000 --> 00:30:06.600
sondern eben auch letztlich Behinderungsfragen.

00:30:07.000 --> 00:30:11.600
Sarah Zerback: Wenn Sie sagen Klimakrise, aber auch das Erstarken rechter Strömungen

00:30:12.000 --> 00:30:14.600
in Europa, in Deutschland, das macht Ihnen Sorgen,

00:30:15.000 --> 00:30:18.600
schauen Sie da auch ganz speziell auf die deutsche Parteienlandschaft?

00:30:19.000 --> 00:30:23.600
Rebecca Maskos: Momentan ist es so, dass die AfD sich eigentlich zu Behinderung kaum äußert.

00:30:24.000 --> 00:30:28.600
Aber man muss sagen, das, was man von ihr lesen kann, ist schon relativ eindeutig.

00:30:29.000 --> 00:30:31.600
Also sie sprechen sich ganz klar gegen die schulische Inklusion aus.

00:30:32.000 --> 00:30:35.600
Das ist etwas, was sie ein Ideologieprojekt nennen.

00:30:36.000 --> 00:30:42.600
Das ist sozusagen überflüssig und man soll wieder komplett auf Sonderbeschulung umschwenken.

00:30:43.000 --> 00:30:45.600
Man muss dazu sagen allerdings,

00:30:46.000 --> 00:30:48.600
da spricht die AfD mit einer Stimme mit ganz vielen anderen,

00:30:49.000 --> 00:30:51.600
also auch mit großen Teilen der CDU,

00:30:52.000 --> 00:30:54.600
die auch gerade das Rad massiv zurückdrehen in Sachen Inklusion.

00:30:55.000 --> 00:31:02.600
Also in Nordrhein-Westfalen sind aktuell 30 Förderschulen in der Planung, neue Förderschulen.

00:31:03.000 --> 00:31:04.600
In Berlin sind vier in der Planung.

00:31:05.000 --> 00:31:11.600
Also die Idee, die auch in der UN-Behindertenrechtskonvention festgeschrieben ist,

00:31:12.000 --> 00:31:15.600
die Deutschland 2009 ratifiziert hat

00:31:16.000 --> 00:31:18.600
und damit sich verpflichtet hat, die auch in Deutschland umzusetzen,

00:31:19.000 --> 00:31:21.600
die Idee in der Behindertenrechtskonvention ist,

00:31:22.000 --> 00:31:28.600
Inklusion bedeutet eine Schule für alle, mit ausreichend Unterstützung,

00:31:29.000 --> 00:31:34.600
mit Lehrpersonal, was beeinträchtigte Schüler individuell unterstützt,

00:31:35.000 --> 00:31:39.600
mit so etwas wie Teamteaching, mit besonderen Räumlichkeiten für SchülerInnen,

00:31:40.000 --> 00:31:42.600
die mehr Ruhe brauchen und, und, und.

00:31:43.000 --> 00:31:45.600
Das ist übrigens etwas, was Kosten sparen würde,

00:31:46.000 --> 00:31:47.600
weil man dann nämlich beide Systeme zusammenlegen würde.

00:31:48.000 --> 00:31:53.600
Man bräuchte kein extra Schulsystem, kein paralleles Sonderfördersystem,

00:31:54.000 --> 00:31:57.600
sondern man würde beide Systeme in einem haben.

00:31:58.000 --> 00:32:02.600
Man würde die Lehrkräfte-Ressourcen in den Regelschulen verwenden.

00:32:03.000 --> 00:32:06.600
Was aber passiert ist, da gibt es, wie so oft in der Behindertenpolitik,

00:32:07.000 --> 00:32:09.600
so eine Beharrungskraft des Systems.

00:32:10.000 --> 00:32:15.600
Also die Sonderschulen sollen erhalten und ausgebaut werden mit dem Argument,

00:32:16.000 --> 00:32:20.600
dass behinderte SchülerInnen dort besser gefördert werden können.

00:32:21.000 --> 00:32:22.600
Und tatsächlich weiß man durch Studien,

00:32:23.000 --> 00:32:26.600
dass die gemeinsame Beschulung, dass alle Kinder davon profitieren.

00:32:27.000 --> 00:32:29.600
Also das heißt, das ist eigentlich ein System,

00:32:30.000 --> 00:32:32.600
was sozusagen menschenrechtlich gefordert ist,

00:32:33.000 --> 00:32:37.600
was wissenschaftlich abgesichert die besseren Lernergebnisse erzielt

00:32:38.000 --> 00:32:42.600
und trotzdem gibt es eben genug Kräfte in Deutschland,

00:32:43.000 --> 00:32:44.600
die am alten System festhalten wollen,

00:32:45.000 --> 00:32:51.600
weil Inklusion in Deutschland bisher in der Schule sozusagen als Sparmodell umgesetzt wurde.

00:32:52.000 --> 00:32:55.600
Also das heißt, die Regelschulen, die Inklusion umsetzen sollten,

00:32:56.000 --> 00:32:59.600
wurden dafür nicht wirklich sinnvoll ausgestattet personell und finanziell.

00:33:00.000 --> 00:33:03.600
So, das wird jetzt als Argument benutzt zu sagen, Inklusion funktioniert ja nicht.

00:33:04.000 --> 00:33:09.600
Und da setzt die AfD an und sagt, ja, man sieht ja, es funktioniert nicht.

00:33:10.000 --> 00:33:15.600
Und außerdem ist es so ein komisches rot-grünes Ideologie-Projekt, das schaffen wir wieder ab.

00:33:16.000 --> 00:33:21.600
Also da ist sozusagen die AfD sich auf eine Art einig mit anderen Parteien.

00:33:22.000 --> 00:33:23.600
Gleichzeitig setzt sie natürlich auch noch einen drauf.

00:33:24.000 --> 00:33:27.600
Und was die AfD will, ist ja eine homogene Gesellschaft.

00:33:28.000 --> 00:33:31.600
Also sie will eine Gesellschaft mit einer bestimmten Norm von

00:33:32.000 --> 00:33:35.600
Familie, von Körper, von Leistungsfähigkeit und so weiter.

00:33:36.000 --> 00:33:39.600
Das sind alles Dinge, die die AfD immer wieder stark macht.

00:33:40.000 --> 00:33:42.600
Und auch da passen natürlich behinderte Menschen nicht so rein.

00:33:43.000 --> 00:33:49.600
Also die AfD will aus meiner Sicht möglichst leicht zu verwaltende behinderte Menschen,

00:33:50.000 --> 00:33:53.600
die nicht so viel in der Öffentlichkeit vorkommt,

00:33:54.000 --> 00:33:55.600
weil diese sich dann ja auch darauf einstellen müsste.

00:33:56.000 --> 00:34:00.600
Sarah Zerback: Genau diese Sorgen, die Sie schildern, in die Debatte zu speisen,

00:34:01.000 --> 00:34:02.600
Aufmerksamkeit dafür zu generieren,

00:34:03.000 --> 00:34:09.600
das ist ja vielen Aktivistinnen und Aktivisten eben in der Behindertenbewegung ein Anliegen.

00:34:10.000 --> 00:34:16.600
Wie stark würden Sie die Bewegung 2025 beschreiben in Deutschland?

00:34:17.000 --> 00:34:21.600
Rebecca Maskos: Das ist auch wieder ein bisschen schwer zu beantworten,

00:34:22.000 --> 00:34:25.600
weil einerseits, also die Behindertenbewegung hat wahnsinnig viel erreicht, glaube ich.

00:34:26.000 --> 00:34:29.600
Also ich glaube, all diese Dinge, die UN-Behindertenrechtskonvention,

00:34:30.000 --> 00:34:31.600
verschiedene Gesetze in Deutschland,

00:34:32.000 --> 00:34:35.600
auch dass wir hier halbwegs barrierefreien ÖPNV haben und, und, und,

00:34:36.000 --> 00:34:38.600
das würde es alles nicht geben ohne die Behindertenbewegung.

00:34:39.000 --> 00:34:42.600
Und die aktuelle Behindertenbewegung führt das natürlich fort

00:34:43.000 --> 00:34:44.600
und ist auch immer wieder sehr laut.

00:34:45.000 --> 00:34:51.600
Aber gleichzeitig gibt es ein anhaltend geringes Interesse an dem, was die Behindertenbewegung macht.

00:34:52.000 --> 00:34:53.600
Es passiert einfach nichts.

00:34:54.000 --> 00:34:56.600
Also das beste Beispiel ist das Behindertengleichstellungsgesetz.

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Das wurde Anfang des Jahrtausends erlassen

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und das sollte im Grunde in erster Linie Barrierefreiheit sicherstellen.

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Das hat man damals aber beschränkt auf öffentliche Behörden

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oder Infrastrukturen, die öffentlich gefördert sind.

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Also das heißt, ich kann also barrierefrei ins Bürgeramt

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und meinen Personalausweis verlängern oder, ja,

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wenn es genug Gelder hat, auch hier und da barrierefrei ins Museum oder ins Postamt.

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Na, Postämter gibt es kaum noch, egal, also in öffentliche Behörden komme ich rein, ja.

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Aber wo sich mein Leben abspielt, das sind ja tatsächlich eher privat finanzierte Infrastrukturen.

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Also ins Kino, ins Theater, ins Hotel, ins Café, in den Konzertsaal,

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also im Sinne von Pop-Rock-Konzerte und so weiter und so fort.

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Das ist alles privat finanziert.

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Und da haben wir in Deutschland keine Verpflichtung.

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Und genau das sollte, also diese Forderung gibt es wirklich seit Jahrzehnten.

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Die wird regelmäßig immer wieder den PolitikerInnen auf den Tisch gelegt

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und regelmäßig sagen die, ja, ja, in dieser Legislatur machen wir das.

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Das hat die Ampel gesagt, das hat jetzt auch noch mal die neue Koalition unter Merz gesagt.

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Sie haben es in ihr 100-Tage-Programm geschrieben.

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Am 06. August sollte der Referentenentwurf verabschiedet werden.

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Es ist nichts passiert.

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Sie haben es erneut verschoben.

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Und natürlich gibt es so eine Art Aufschrei in der Community der Behindertenbewegung,

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aber das schafft es nicht mal mehr in die Zeitung.

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Und ich muss auch tatsächlich sagen, Stichwort mediales Interesse,

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so an bestimmten Tagen, wie am 03. Dezember oder 05. Mai,

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das sind so Protesttage behinderter Menschen,

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da werde auch ich manchmal von Medien gefragt,

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ob ich nicht irgendwie ein kleinen O-Ton oder irgendwas beisteuern kann.

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Und ich werde dann immer gefragt, was sind denn die Barrieren in Ihrem Alltag?

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Oder was fällt Ihnen denn auf als behinderter Mensch?

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Und ich denke mir dann immer, Mensch Leute,

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es gibt so viele Themen im behindertenpolitischen Bereich, die wirklich brennen.

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Also wir haben ja eigentlich jedes Jahr, weiß ich nicht,

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vier, fünf Skandale auf dem Tisch liegen.

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Journalisten kennen das nicht.

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Sie kennen sich damit nicht aus.

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Und stattdessen muss man erneut was über Bordsteine

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oder Fahrstühle erzählen, was auch alles wichtig ist.

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Aber daran kann man eben auch mal sehen, wie niedrig das Thema rangiert.

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Und das wissen ja PolitikerInnen auch.

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Die wissen, die kommen damit durch, weil es niemand mitkriegt.

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Ein letzter Satz dazu.

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Wichtig ist eben zu wissen, dass das in anderen Ländern längst Standard ist.

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Also in den USA seit Anfang der 90er Jahre.

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Die komplette privatwirtschaftliche Infrastruktur ist barrierefrei.

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In England auch seit Jahrzehnten schon.

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In Skandinavien, in Österreich haben wir eine deutlich bessere Gesetzgebung als in Deutschland.

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Auch mit viel mehr Klagemöglichkeiten.

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So viel zum Thema, was sich auch ändern müsste oder wo man ran müsste.

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Und auch so viel zum Thema, was die Bindertenbewegung immer wieder probiert,

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aber leider immer wieder auf Granit beißt.

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Sarah Zerback: Vielen Dank, Rebecca Maskos, für das Interview.

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Rebecca Maskos: Ja, ich bedanke mich auch.

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*Musik*

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Sarah Zerback: Was wir also mitnehmen können:

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Es ist ein Fortschritt, dass Inklusionsprozesse mittlerweile mehr Platz in der gesellschaftlichen

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und der politischen Debatte bekommen.

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Die Inklusionsbemühungen in Deutschland reichen aber noch lange nicht aus.

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Da sind sich unsere GesprächspartnerInnen einig.

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2. Teilhabe kann auf vielen Wegen verbessert werden.

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Durch Beteiligung an politischen Prozessen, inklusive Bildung und leichte Sprache zum Beispiel.

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Das hat Natalie Dedreux erklärt.

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3. Krisen und politische Polarisierung bedrohen die Sicherheit

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und die Rechte von Menschen mit Behinderung als vulnerable Gruppe besonders.

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Und Themen rund um Vielfalt und Inklusion erhalten weniger Aufmerksamkeit als anderes.

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Das hat Rebecca Maskos ausgeführt.

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*Musik*

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Das war "Aus Politik und Zeitgeschichte".

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In unserem Heft mit dem Titel Inklusion können Sie noch mehr zum Thema lesen.

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Den Link dazu finden Sie in den Shownotes.

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Wir freuen uns natürlich über Feedback zu diesem Podcast.

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Fragen, Lob, aber auch Kritik können Sie uns schicken an apuz.bpb.de.

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Anfang November erscheint die nächste Folge, dann sprechen wir über Einsamkeit.

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Mein Name ist Sarah Zerback, bis zum nächsten Mal.

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*Musik*

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Der Podcast "Aus Politik und Zeitgeschichte" wird von der APuZ-Redaktion in Zusammenarbeit mit hauseins produziert.

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Redaktion für diese Folge Gina Enslin, Johannes Piepenbrink, Leontien Potthoff und Isabel Röder.

00:39:52.000 --> 00:39:55.600
Produktion: Oliver Kraus. Musik: Joscha Grunewald.

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Am Mikrofon war Sarah Zerback.

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Die Folgen stehen unter der Creative Commons Lizenz

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und dürfen unter Nennung der Herausgeberin zu nicht kommerziellen Zwecken weiterverbreitet werden.