WEBVTT

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*Musik*

00:00:03.000 --> 00:00:07.000
Sarah Zerback: Al-Qaida, der Islamische Staat, die Taliban oder die Hamas

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– gewalttätige islamistische Gruppierungen sind seit dem . September 2001 immer wieder im Fokus auch westlicher Aufmerksamkeit.

00:00:13.000 --> 00:00:17.600
Ihre Namen werden zu Recht assoziiert mit Terror und brutalen Gewalttaten.

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Islamistische Bewegungen sind zahlreich und sehr unterschiedlich.

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Gruppierungen verändern sich, differenzieren sich aus, werden schwächer oder stärker.

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Manche setzen gezielt Gewalt ein, andere nicht.

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Was macht Islamismus aus?

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Welche Gefahr geht von ihm aus und wie können Politik und Gesellschaft dieser Gefahr begegnen?

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Und warum wenden sich Menschen überhaupt dem Islamismus zu?

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Darum geht es in dieser Folge von „Aus Politik und Zeitgeschichte“ und ich bin Sarah Zerback.

00:00:43.000 --> 00:00:48.600
Die Islamwissenschaftlerin Sabine Damir-Geilsdorf

00:00:48.600 --> 00:00:52.600
zeichnet die Anfänge islamistischer Bewegungen nach.

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Der Soziologe und Religionspädagoge Mouhanad Khorchide erklärt,

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wie globale islamistische Bewegungen heute

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operieren und was das für Deutschland bedeutet.

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Und Philip Mohamed Al-Khazan berichtet aus der Praxis einer Beratungsstelle für religiös begründete Radikalisierung.

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Die Ausgabe der Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“ zum Thema „Islamismus“ finden Sie auf bpb.de/apuz.

00:01:12.000 --> 00:01:14.600
Wie immer gibt es auch zu dieser Folge ein Transkript.

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Sie finden es in der bpb-Mediathek oder als Link in den Shownotes.

00:01:19.000 --> 00:01:33.600
*Musik*

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Islamismus gilt in der Regel als ein Phänomen der Moderne.

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Im Ägypten der 1920er Jahre, mitten in einer politischen und gesellschaftlichen Umbruchszeit,

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gründet sich die Muslimbruderschaft.

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Zu diesem Zeitpunkt war Ägypten schon eine konstitutionelle Monarchie und nicht mehr von Großbritannien besetzt.

00:01:51.000 --> 00:01:53.600
Großbritannien hatte aber weiterhin Truppen und Befugnisse im Land.

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Der Kolonialismus spielte eine wichtige Rolle dabei wie Islamismus entstanden ist.

00:01:59.000 --> 00:02:03.600
Das erklärt Sabine Damir-Geilsdorf, Professorin für Islamwissenschaft an der Universität Köln.

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Damir-Geilsdorf: Also ohne diesen Kontext von Kolonialismus

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kann man sich die Entstehung vom Islamismus auch nicht vorstellen.

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Also auch mit den sozialen und gesellschaftlichen Umbrüchen, die mit einhergehen,

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Kämpfe um Autonomie und nationale Unabhängigkeit, aber auch Debatten,

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was ist das eigene kulturelle Erbe, was ist die eigene kulturelle und nationale Identität,

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wie kann man sich vom Westen unabhängig machen, von westlichen Einflüssen.

00:02:29.000 --> 00:02:30.600
Das hat alles eine große Rolle gespielt.

00:02:31.000 --> 00:02:35.600
Sarah Zerback: Der Volksschullehrer Hassan al-Banna gründete die Muslimbruderschaft .

00:02:36.000 --> 00:02:41.600
Sie sah sich selbst als Reformbewegung, die die Gesellschaft nach islamischen Prinzipien verändern wollte.

00:02:42.000 --> 00:02:44.600
Die Wirtschaft Ägyptens war damals am Boden.

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Hier setzten die Muslimbrüder an und engagierten sich als religiöse Wohltätigkeitsorganisation.

00:02:50.000 --> 00:02:53.600
Sie übernahmen karitative Aufgaben, die der ägyptische Staat schleifen ließ.

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Darüber fanden sie schnell viele Anhängerinnen und Anhänger.

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Die Bruderschaft war antikolonial, antisäkular und antiliberal

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und wurde in der islamistischen Bewegung über die Jahrzehnte immer wichtiger.

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Damir-Geilsdorf: Al-Bannas Ziel war die Wiederherstellung des Kalifats.

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Das betrachtete er als Rettung der Musliminnen.

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Allerdings erst nach einer stufenweise einsetztenden Islamisierung, davon sprach er.

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Also die ganze Gesellschaft sollte stufenweise islamisiert werden durch ein umfassendes Erziehungsprogramm.

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Er beschrieb den Islam als ein umfassendes System, das auch die Kultur und die Wirtschaft, vor allem aber die Politik gestalten sollte.

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Und das ist auch das Entscheidende, warum die Muslimbruderschaft heute auch schon zu Beginn unter Hassan Al-Banna als erste islamistische Organisation gilt.

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Sarah Zerback: Die Muslimbruderschaft wurde immer mal wieder verboten und wieder erlaubt,

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Untergruppen waren für zahlreiche Gewalttaten verantwortlich.

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Mitte der 1950er Jahre scheiterte ein Anschlag auf den damaligen ägyptischen Premierminister Nasser.

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Tausende Muslimbrüder wurden daraufhin inhaftiert und in Gefängnissen gefoltert.

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Für viele der Gefangenen war das der Kipppunkt:

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Sie radikalisierten sich und schlossen sich anderen bewaffneten Gruppierungen an.

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Die Muslimbruderschaft ist bis heute aktiv und beeinflusst viele andere Gruppierungen und Parteien, weit über Ägypten hinaus.

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Al-Bannas Kernpunkt, dass Religion und Politik miteinander verbunden werden sollen:

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der ist wichtig, wenn man versucht, zu einer Definition des Begriffs „Islamismus“ zu kommen.

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Was gar nicht so einfach ist, sagt Sabine Damir-Geilsdorf.

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Damir-Geilsdorf: Es gibt keine einheitliche Definition von Islamismus.

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Weder von Sicherheitsbehörden noch im Journalismus oder in der Forschung.

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Also wer wie nach welchen Kriterien Islamismus definiert

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und welche Personen dazuzählt, hängt auch sehr stark von Erkenntnisinteressen ab.

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Man kann es vielleicht ganz grob zusammenfassen,

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dass der kleinste gemeinsame Nenner von verschiedenen Definitionen ist das Bestreben,

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dass der Islam nicht nur das individuelle, spirituelle Verhältnis des Einzelnen zu Gott regeln soll,

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sondern auch die Politik und Gesellschaft nach islamischen Normen umgestalten soll.

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Aber was das für Normen sind und vor allem auch mit welchen Mitteln das erreicht werden soll, das ist total unterschiedlich.

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Sarah Zerback: Wieso der Begriff „Islamismus“ nicht unproblematisch ist,

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das erklärt die Islamwissenschaftlerin mit einem Gedankenspiel:

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Damir-Geilsdorf: Wenn man sich das vorstellt, es gäbe einen Begriff wie Christianismus,

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unter dem alle Gruppierungen gefasst werden würden,

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die nach christlichen Normen Politik und Gesellschaft gestalten möchten,

00:05:24.000 --> 00:05:26.600
dann würden darunter auch so Gruppierungen fallen,

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wie vielleicht lateinamerikanische Befreiungstheologen,

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die unter Verweis auf christliche Werte auch einen Kampf gegen Armut führen wollten.

00:05:35.000 --> 00:05:40.600
Bewegungen wie die CDU und CSU, die ja auch sich auf christliche Normen noch beruft.

00:05:41.000 --> 00:05:46.600
Oder die christliche Rechte in den USA, die teilweise auch mit Gewalt vorgeht und ihre Ziele durchsetzt.

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Oder zum Beispiel die ugandische The Lord's Resistance Army.

00:05:51.000 --> 00:06:00.600
Das war eine Bewegung in Uganda, die nach der UN bis 2013 über .000 Menschen ermordet hatte und zehntausende Kinder entführt hatte.

00:06:01.000 --> 00:06:04.600
Also zu Recht würden diese Bewegungen, die alle unter einen Topf Christianismus fallen würden,

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sich gegen dieses gemeinsame Label wehren und nicht mit den anderen in Verbindung gebracht werden würden,

00:06:11.000 --> 00:06:14.600
die sie gar nicht als wirklich religiös betrachten würden oder als terroristisch.

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Sarah Zerbak: Islamistische Gruppierungen weltweit sind sehr unterschiedlich und heterogen.

00:06:18.000 --> 00:06:23.600
Damir-Geilsdorf: Es gibt natürlich heute auch in ganz verschiedenen Regionen der Welt unterschiedliche islamistische Bewegungen,

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die alle in einen Topf zu werfen und zu sagen, das haben sie alle gemeinsam

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und die haben sich alle gemeinsam weiterentwickelt, das kann man schwer.

00:06:30.000 --> 00:06:34.600
Man kann das vielleicht über den transnationalen Dschihadismus sagen,

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der ganz maßgeblich durch die sowjetische Invasion in Afghanistan beeinflusst worden ist.

00:06:39.000 --> 00:06:41.600
Sarah Zerback: Das war 1979, mitten im Kalten Krieg.

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Muslime aus dem ganzen Nahen Osten reisten in die Region,

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um dort gegen die sowjetischen Truppen zu kämpfen.

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Viele sammelten sich im pakistanischen Peschawar, nahe der afghanischen Grenze.

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Auch Osama Bin Laden, der spätere Gründer der Terrororganisation Al-Qaida,

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reiste dorthin und nahm dort eine zentrale Rolle bei der Finanzierung der Kämpfer ein.

00:07:00.000 --> 00:07:03.600
Einflussreich wurde dort auch der Palästinenser Abdallah al-Assam,

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ein späterer „Vordenker“ von Al-Qaida und Mentor von bin-Laden.

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Er gilt als Vater des „modernen Dschihad“.

00:07:11.000 --> 00:07:14.600
Damir-Geilsdorf: In Peshawar entstanden dann diese verschiedenen militärischen Trainingslager,

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in denen dann die Teilnehmenden auch religiös unterwiesen wurden.

00:07:18.000 --> 00:07:21.600
Also es gab da nicht nur afghanische Personen, die militärisches Training erhielten,

00:07:22.000 --> 00:07:26.600
sondern auch viele Kämpfer aus verschiedenen arabischen Ländern, aber auch anderen Teilen der Welt.

00:07:27.000 --> 00:07:31.600
Man muss sich das auch vorstellen, dass es dort auch sehr viele Diskussionen gab, es wurden Freundschaften geknüpft.

00:07:32.000 --> 00:07:38.600
Es gab neue Kontakte, aber auch Rivalitäten, und die haben dann auch wiederum neue Ideen über den Islam,

00:07:39.000 --> 00:07:44.600
über Vorstellungen vom wahren Islam, wie soll ein Jihad laufen etc. geprägt.

00:07:45.000 --> 00:07:50.600
Dabei hat Abdallah al-Assam dieses Konzept vom transnationalen Jihad sehr weitreichend geprägt.

00:07:51.000 --> 00:07:54.600
Also er hatte so ein Konzept, dass der Jihad an wechselnden Fronten stattfinden sollte,

00:07:55.000 --> 00:08:00.600
als militärischer Kampf zur Befreiung der muslimischen Bevölkerung von ungläubigen Invasoren

00:08:01.000 --> 00:08:05.600
und dass das die wichtigste Pflicht, die wichtigste religiöse Pflicht des Einzelnen sei.

00:08:06.000 --> 00:08:10.600
Es gab dann auch Meinungsverschiedenheiten unter den sogenannten afghanischen Arabern,

00:08:11.000 --> 00:08:16.600
also diejenigen, nach Afghanistan gereist sind, Pakistan an diesen Kampf anzuschließen.

00:08:17.000 --> 00:08:21.600
So eine der größten Meinungsverschiedenheiten war, wer ist der primär zu bekämpfende Feind?

00:08:22.000 --> 00:08:24.600
Die ungläubigen Regierungen im eigenen Land?

00:08:25.000 --> 00:08:29.600
Oder sind es ausländische Kräfte, die Muslime zum Beispiel besetzen

00:08:30.000 --> 00:08:37.600
oder die Regierungen in Ländern mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung indirekt regieren.

00:08:38.000 --> 00:08:42.600
Und dadurch spalteten sich auch immer wieder neue Gruppierungen ab von diesen ursprünglichen Gruppierungen.

00:08:43.000 --> 00:08:45.600
Sarah Zerback: Dschihadismus und Islamismus: Das muss man also klar trennen.

00:08:46.000 --> 00:08:47.600
Damir-Geilsdorf: Charakteristisch für den Jihadismus ist,

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dass der gewaltsame Kampf gegen einen deklarierten Feind zur religiösen Notwendigkeit erhoben wird.

00:08:54.000 --> 00:08:56.600
Dabei können die Feinde ganz unterschiedlich sein.

00:08:57.000 --> 00:09:02.600
Aber so charakteristisch für den Dschihadismus ist auch dieses sehr starke Schwarz-Weiß-Denken,

00:09:03.000 --> 00:09:08.600
also sehr polare Unterscheidung zwischen Gut und Böse, richtig und falsch.

00:09:09.000 --> 00:09:13.600
Und auch, dass der Feind ausfindig gemacht wird, also so eindeutig identifiziert wird,

00:09:14.000 --> 00:09:19.600
für Missstände verantwortlich gemacht wird und der Jihadismus dann als Lösung propagiert wird,

00:09:20.000 --> 00:09:24.600
wobei sich Jihadisten in der Regel nicht als Aggressoren verstehen, sondern als Befreiung.

00:09:25.000 --> 00:09:29.600
Also in ihren Augen sind sie eine Avantgarde, die eine Befreiung für die muslimische Gemeinschaft herstellen.

00:09:30.000 --> 00:09:32.600
Das ist oft mit Verschwörungstheorien verknüpft.

00:09:33.000 --> 00:09:37.600
Natürlich mit sehr einfachen Schwarz- und Weißbildern, aber manchmal auch mit apokalyptischen Bezügen,

00:09:38.000 --> 00:09:42.600
dass sie sich selber als wirkmächtige Ausführende der Heilsgeschichte selber verstehen.

00:09:43.000 --> 00:09:46.600
*Musik*

00:09:47.000 --> 00:09:49.600
Sarah Zerback: Islamistischer Terror und Dschihadismus sind weltweit eine Bedrohung.

00:09:50.000 --> 00:09:54.600
In Deutschland gab es im Jahr 2024 zwei gesichert islamistische Anschläge

00:09:55.000 --> 00:09:58.600
In Mannheim tötete ein aus Afghanistan stammender Mann einen Polizisten mit einem Messer

00:09:59.000 --> 00:10:01.600
und verletzte 5 weitere Menschen schwer.

00:10:02.000 --> 00:10:04.600
In Solingen griff ein Mann aus Syrien in der Menge mit einem Messer an

00:10:05.000 --> 00:10:08.600
und tötete 3 Menschen, verletzte 8 weitere schwer.

00:10:09.000 --> 00:10:11.600
Diesen Anschlag reklamierte der IS für sich.

00:10:12.000 --> 00:10:15.600
Mouhanad Khorchide ist Professor für Islamische Religionspädagogik

00:10:16.000 --> 00:10:19.600
und Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster.

00:10:20.000 --> 00:10:23.600
Mit ihm habe ich über die wichtigsten Akteure des globalen Islamismus und Dschihadismus gesprochen,

00:10:24.000 --> 00:10:26.600
und darüber, wie das auch Deutschland betrifft.

00:10:27.000 --> 00:10:30.600
*Musik*

00:10:31.000 --> 00:10:31.600
Sarah Zerback: Schönen guten Tag.

00:10:32.000 --> 00:10:32.600
Mouhanad Khorchide: Guten Tag, ich grüße Sie.

00:10:33.000 --> 00:10:36.600
Sarah Zerback: Jetzt ist es ja so, in den 2000er Jahren, ich erinnere mich noch,

00:10:37.000 --> 00:10:40.600
da war rund um die islamistischen Anschläge natürlich in den USA,

00:10:41.000 --> 00:10:45.600
aber dann auch verstärkt in Deutschland das Thema Dschihad sehr präsent, eben auch bei uns.

00:10:46.000 --> 00:10:50.600
Aktuell ist es darum, zumindest in Deutschland, ja eher ruhig geworden in der Öffentlichkeit.

00:10:51.000 --> 00:10:55.600
Wie schätzen Sie denn aktuell den globalen Islamismus ein?

00:10:56.000 --> 00:10:57.600
Für wie stark halten Sie ihn?

00:10:58.000 --> 00:11:02.600
Mouhanad Khorchide: Seit dem . September 2001 hat der globale Islamismus,

00:11:03.000 --> 00:11:08.600
besser gesagt auch der Dschihadismus, also der gewalttätige Islamismus, zugenommen.

00:11:09.000 --> 00:11:14.600
IS im Nahen Osten - zum ersten Mal war der Nahe Osten selbst auch betroffen.

00:11:15.000 --> 00:11:18.600
Länder wie Saudi-Arabien, wo Anschläge dort auch stattgefunden haben.

00:11:19.000 --> 00:11:25.600
Aber auch weitere Länder wie Indonesien, Malaysia, in Afrika, auch Nigeria.

00:11:26.000 --> 00:11:31.600
Da gab es immer wieder Milizen, die sich zumindest in den letzten Jahren

00:11:32.000 --> 00:11:35.600
sich dem IS angeschlossen haben, auch wenn nur virtuell angeschlossen.

00:11:36.000 --> 00:11:40.600
IS hat sich so stark verselbstständigt, diese Ideologie weltweit,

00:11:41.000 --> 00:11:47.600
dass auch Einzeltäter in den islamischen Ländern, aber auch bei uns in Europa,

00:11:48.000 --> 00:11:52.600
sich berufen fühlen, einfach im Namen des IS, auch wenn da keine klaren Strukturen da sind,

00:11:53.000 --> 00:11:55.600
einfach Attentate zu verüben.

00:11:56.000 --> 00:11:59.600
Das heißt, diese Erzählung von IS, die sehr stark antiwestlich ist,

00:12:00.000 --> 00:12:04.600
die hat dazu beigetragen, dass wir hier auch eine gewisse Verschiebung haben.

00:12:05.000 --> 00:12:09.600
Am 11. September, das war Al-Qaida damals, waren ganz klare Strukturen

00:12:10.000 --> 00:12:15.600
und jetzt individualisiert sich das Phänomen auf der globalen Ebene, auch bei uns in Europa.

00:12:16.000 --> 00:12:21.600
Die Social Media tragen auch dazu bei, dass das Phänomen immer ein individuelleres Phänomen wird.

00:12:22.000 --> 00:12:23.600
Sarah Zerback: Jetzt haben Sie den IS mehrfach genannt.

00:12:24.000 --> 00:12:27.600
Ist das aktuell der wichtigste Akteur, wenn wir über Dschihad sprechen?

00:12:28.000 --> 00:12:31.600
Mouhanad Khorchide: Auf der globalen Ebene ist IS zwar geschwächt vor Ort,

00:12:32.000 --> 00:12:39.600
aber die Ideologie an sich ist im Raum stehen geblieben als eine stark antiwestliche Ideologie

00:12:40.000 --> 00:12:44.600
mit Mitteln der Gewalt, sodass IS weiterhin nicht zu unterschätzen ist

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wegen dieser ideologischen Unterfütterung und Radikalisierung von Jugendlichen durch die Ideologie,

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auch wenn die Struktur an sich geschwächt ist.

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Man darf nicht jetzt sich täuschen und meinen, IS ist jetzt schwächer als je zuvor endlich

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und deshalb haben wir das Problem jetzt nicht mehr, weil immer wieder auch bei uns in Europa,

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wenn junge Menschen Attentate verübt haben in den letzten Monaten oder wenigen Jahren,

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haben sich selbst auch auf IS berufen bzw. IS hat selber auch das für sich reklamiert.

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Das heißt, wir müssen weiterhin wach sein und überlegen vor allem,

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wie können wir andere Erzählungen in der Welt setzen,

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jenseits von diesen antiwestlichen Erzählungen, die sich durch IS so stark etabliert haben

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und inzwischen unabhängig von IS sich verselbstständigt haben.

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Sarah Zerback: Vielleicht um noch mal ein gesamtes Bild zu bekommen,

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IS, Al-Qaida, was würden Sie sonst noch global zu den wichtigsten Akteuren zählen?

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Mouhanad Khorchide: Das sind die zwei wichtigsten.

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Hizb ut-Tahrir, Partei der Befreiung, ist weiterhin global sehr stark,

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vor allem als modernere Variante des Islamismus,

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weil sie sich vor allem in den Social Media, auch bei uns im deutschsprachigen Raum,

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man denke an Plattformen wie „Generation Islam“ und ähnliche,

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die betrieben werden von Hizb ut-Tahrir-nahen Gruppierungen.

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Natürlich haben wir auch jetzt durch den Nahostkonflikt Gruppierungen wie Hamas oder Hezbollah,

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Hezbollah ist jetzt geschwächt, jetzt auf jeden Fall,aber Hamas,

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die hinterlassen weltweit auf der globalen Ebene ihre Spuren,

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indem sie emotional versuchen, die Muslime für sich, für ihre Sache zu gewinnen,

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als eine starke antiwestliche Propaganda in den einzelnen Nationalstaaten.

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In Afrika gibt es Shabab-Miliz zum Beispiel, Nigeria und Somalia.

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Die sind jetzt nicht auf der globalen Ebene agierend,

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aber ich würde sagen, diese vier, neben Al-Qaida und IS,

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Hezbollah und vor allem Hamas, auch wenn Hamas jetzt nicht außerhalb Gazastreifen tätig sind,

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aber alleine diese Propaganda, die stark antisemitisch und antiwestlich ist,

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die spielt eine starke Rolle bei der Rekrutierung von jungen Menschen

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in die islamistische Szene, auch bei uns in Deutschland.

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Sarah Zerback: Da kommen wir gleich noch drauf zu sprechen.

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Wenn wir jetzt erst noch mal auf der globalen Ebene bleiben,

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IS, Al-Qaida, Taliban auch, was unterscheidet denn die Akteure hinsichtlich der Auslegung der Scharia?

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Mouhanad Khorchide: Diese verschiedenen Akteure, die Sie genannt haben,

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jetzt auch Taliban, IS, Al-Qaida, Hamas, sie berufen sich hauptsächlich nicht auf religiöse Erzählungen,

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sondern auf politische und identitätspolitische Erzählungen.

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Das heißt, deren Haupterzählung ist nicht, wir müssen uns jetzt zusammen tun,

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um den richtigen Islam auszuüben, sondern wir müssen uns zusammen tun,

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um dieses Feindbild Westen zu bekämpfen.

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Das heißt, sie rekrutieren die jungen Menschen hauptsächlich nicht über rein religiöse Narrative

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oder weil im Koran dies oder jenes steht oder weil der Prophet das gesagt hat,

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sondern weil wir ein gemeinsames Feindbild haben.

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Und das eint sie alle zusammen.

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Ansonsten, in der Auslegung gibt es schon Unterschiede.

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Jetzt zum Beispiel Taliban, Afghanistan, in dem sie jetzt regieren,

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da entspannt sich oder relativiert sich einige Positionen,

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anders als Taliban vor etlichen Jahren, wo sie jetzt mit Mitteln der Gewalt da regiert haben.

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Jetzt versucht man mit politischen Mitteln, mit Restriktionen zu regieren.

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Allerdings die Muslimbrüderschaft im Großen und Ganzen agiert ohne Mittel der Gewalt.

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Das heißt, eher auf dem politischen Weg,

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bei uns in Deutschland spricht man vom legalistischen Islamismus,

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auf dem legalen Weg versucht man eben. die Scharia bzw. hier antiwestliche Propaganda in die Strukturen,

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die vorhandenen, auch demokratischen Strukturen einzubauen,

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so um Alternative zu bieten statt demokratische Gesellschaftsordnung die Scharia.

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Und die unterscheiden sich zum Beispiel, viele Akteure in der Muslimbrüderschaft,

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indem sie gerade hier in Europa Gewalt ablehnen

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oder zum Beispiel sogar sich ganz klar öffentlich prodemokratisch äußern und meinen,

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wir können und sollen sogar an demokratischen Systemen teilhaben, auch in den islamischen Ländern.

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Das unterscheidet sie radikal von IS oder Al-Qaida,

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die das, also Demokratie grundsätzlich ablehnen.

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Sarah Zerback: Über die Taliban in Afghanistan haben Sie gerade schon gesprochen,

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denen es ja gewissermaßen gelungen ist, auch ihre Macht zu stabilisieren.

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Der IS, den Sie ja als den aktivsten und auch gefährlichsten Akteur bezeichnen,

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musste ja durchaus herbe Rückschläge einstecken zum Beispiel in Syrien und im Irak,

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also das faktische Kalifat, das wurde dort zerstört.

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Aber dennoch ist es ja offenbar gelungen, Macht und Reichweite zu erhalten.

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Wie funktioniert das auf der operativen Ebene?

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Mouhanad Khorchide: Es funktioniert erstens mit heutzutage über Social Media sehr stark,

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junge Menschen zu rekrutieren.

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Gleichzeitig: der Inhalt dieser Rekrutierungsideologie ist sehr stark emotional aufgeladen

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im Sinne von: Wir können nicht einfach tatenlos gegen diese Ungerechtigkeiten des Westens

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oder seit dem . Oktober 2023: Wir können nicht tatenlos zuschauen, was da alles in Gaza geschieht.

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Wir müssen zusammenkommen, um etwas dagegen zu unternehmen.

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Also so läuft die Strategie, die sehr stark emotional aufgeladen ist, mit einem ganz klaren Feindbild.

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Also mittlerweile ist es nicht mehr, was im Vordergrund steht,

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wir wollen etwas, wir wollen die Scharia jetzt als Gesellschaftsordnung,

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sondern was im Vordergrund steht, ist das, was wir nicht wollen.

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Wir wollen nicht den Westen, wir wollen nicht die Präsenz des Westens im Nahen Osten.

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Wir wollen nicht, was alles mit Westen zu tun hat.

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Auch die Regime in den islamischen Ländern, die prowestlich sind, gelten genauso als Feindbild.

00:19:05.000 --> 00:19:11.600
So rekrutiert man junge Menschen, habe selber auch zum Teil junge radikalisierte Menschen begleitet

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in verschiedenen Programmen und habe festgestellt,

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sie radikalisieren sich nicht über religiöse Erzählungen,

00:19:19.000 --> 00:19:23.600
sondern hauptsächlich über dieses Feindbild, wo sie emotional hoch geladen sind

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und meinen, ich muss was tun, ich muss was verändern,

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ich kann nicht ruhig schlafen und leben, während ich zusehe,

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wie meine Glaubensbrüder und Schwester, denen es schlecht geht, wegen diesem bösen Westen.

00:19:36.000 --> 00:19:39.600
Und auch so eine Gruppierung wie Muslimbrüderschaft,

00:19:40.000 --> 00:19:42.600
die sagen, wir wollen nicht mit Mitteln der Gewalt agieren,

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die haben aber genau dasselbe Feindbild

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und deshalb muss man immer wieder betonen,

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es reicht nicht zu sagen, aber die sind gegen Gewalt, deshalb sind die gemäßigt,

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sondern die teilen genau dieselbe Ideologie und die unterstützen sich gegenseitig durch diese Polarisierung

00:19:59.000 --> 00:20:01.600
Hier Muslime als Opfer und dort Westen als Täter.

00:20:02.000 --> 00:20:02.600
Sarah Zerback: Das finde ich eine ganz spannende Frage,

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inwieweit denn die unterschiedlichen Akteure auch miteinander vernetzt sind

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oder auch teilweise in Konkurrenz zueinander stehen?

00:20:11.000 --> 00:20:13.600
Mouhanad Khorchide: Der ganze Islamismus ist eine Art Herrschaftsideologie.

00:20:14.000 --> 00:20:16.600
Es geht um Macht, es geht um Herrschaft.

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Überall wo es Macht gibt, gibt es dann Konkurrenz um Machtfragen.

00:20:21.000 --> 00:20:27.600
Das sieht man zum Beispiel bei der Figur des jetzigen, syrischen neuen Präsidenten al-Scharaa,

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der selber ja die Fronten mehrfach gewechselt hat, je nachdem wie die Konkurrenz war,

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ob es al-Qaida oder eine andere Front jetzt oder andere Gruppierung war.

00:20:41.000 --> 00:20:41.600
Es geht schon um Interessen.

00:20:42.000 --> 00:20:44.600
Es gibt viele Abspaltungen auch innerhalb dieser Gruppierungen,

00:20:45.000 --> 00:20:50.600
weil es um Macht geht letztendlich, aber erst einmal hat man den Eindruck,

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weil sie alle das gemeinsame Feindbild Westen haben,

00:20:55.000 --> 00:21:00.600
sie unterstützen sich gegenseitig mehr oder weniger in diesem Anliegen.

00:21:01.000 --> 00:21:04.600
Und man hat den Eindruck, aber sobald sie dann zusammenkommen um die Frage,

00:21:05.000 --> 00:21:11.600
wer herrscht jetzt, so wie jetzt in Syrien, dann kommen diese Abspaltungen mehr an die Oberfläche.

00:21:12.000 --> 00:21:15.600
Und sieht man jetzt in Syrien die Schwierigkeiten hier für Stabilität zu sorgen,

00:21:16.000 --> 00:21:17.600
weil immer wieder Abspaltungen kommen.

00:21:18.000 --> 00:21:22.600
Sarah Zerback: Wenn Sie sagen, einerseits gibt es eine gewisse Konkurrenz um Macht zwischen diesen Gruppen,

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andererseits aber auch Vernetzung und gezieltes sich Einander-stärken,

00:21:28.000 --> 00:21:33.600
gibt es da auch Gemeinsamkeiten in der Art, wie die sich finanzieren, die einzelnen Akteure?

00:21:34.000 --> 00:21:38.600
Mouhanad Khorchide: Über die Finanzströmungen weiß man sehr wenig, interessanterweise.

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Auch über Gruppierungen wie Muslimbrüderschaft, wie sie global auch sich finanzieren, wie sie sich in Europa finanzieren.

00:21:45.000 --> 00:21:47.600
Da sind große Fragezeichen, vor allem wenn man sich anschaut,

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auch bei Hamas in Gaza, unter suboptimalen, aus deren Sicht jetzt suboptimalen, Rahmenbedingungen.

00:21:56.000 --> 00:22:00.600
Und trotzdem leisten sie sich zum Teil auch moderne Waffen zu produzieren

00:22:01.000 --> 00:22:04.600
oder zu kaufen oder wenn sie nicht modern sind, zumindest haben sie jetzt Zugang

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und das bedeutet Abermillionen von Geldern, da gab es Spekulationen:

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Von wo kommen die Gelder, sind das einzelne Sponsoren da,

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die selber islamistisch sind, gibt es da Zusammenhang mit einigen Ländern,

00:22:20.000 --> 00:22:23.600
welche Rolle spielt Qatar, hat man ja lange zum Beispiel spekuliert.

00:22:24.000 --> 00:22:29.600
Man spekuliert auch weiterhin, welche Rolle spielt der Iran selbst, was Finanzierung angeht.

00:22:30.000 --> 00:22:32.600
Aber wenn sie etwas gemeinsam haben, diese Gruppierungen,

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dann ist das die völlig fehlende Transparenz,

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woher kommt die Finanzierung und wie funktionieren diese Finanzströmungen.

00:22:41.000 --> 00:22:47.600
Sarah Zerback: Welche dieser Gruppen fokussieren sich denn vor allem auf Regionen in der arabischen Welt, in denen sie verwurzelt sind?

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Und welche richten ihre Aufmerksamkeit dann doch eher transnational auf andere Staaten?

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Kann man das sagen?

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Mouhanad Khorchide: Es gibt Gruppierungen wie zum Beispiel die Muslimbrüderschaft,

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die früher sich fokussiert haben auf Ägypten, auf die arabische Welt und dort stark agiert haben,

00:23:03.000 --> 00:23:07.600
aber dadurch, dass sie verboten wurden und durch die vielen Restriktionen,

00:23:08.000 --> 00:23:13.600
sie gelten jetzt seit neuestem in Jordanien auch als verboten, seit einigen Wochen.

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In Ägypten sind sie auch verboten, Saudi-Arabien,arabischen Emiraten eingestuft sogar als radikale Gruppe.

00:23:20.000 --> 00:23:26.600
Deshalb agieren sie mehr global, mehr im europäischen Raum als jetzt dort vor Ort.

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Aber andere Gruppierungen, die mit Mitteln der Gewalt jetzt versuchen, etwas zu bewirken, wie IS

00:23:34.000 --> 00:23:37.600
IS agiert hauptsächlich im Nahen Osten,

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auch wenn hier bei uns in Europa individuelle einzelne Personen sich dem IS ja zuschreiben.

00:23:45.000 --> 00:23:48.600
Aber wo sie hauptsächlich agieren ist noch immer im Nahen Osten.

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Genauso auch Al-Qaida sind weiterhin dort in dem Bereich, also gerade im Nahen Osten.

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Allerdings gibt es auch in Ländern wie in Indonesien auch Ableger von IS

00:24:01.000 --> 00:24:06.600
oder zumindest islamistische Gruppierungen, die sich selbst dem IS zuschreiben.

00:24:07.000 --> 00:24:10.600
Sarah Zerback: Wie sehr steht denn da Deutschland im Fokus des globalen Islamismus?

00:24:11.000 --> 00:24:14.600
Als Rekrutierungs- aber auch Operationsraum?

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Mouhanad Khorchide: Deutschland als ein starkes politisches aber auch wirtschaftliches Land

00:24:20.000 --> 00:24:26.600
wird natürlich als Symbol für den Westen unter anderem, also neben den USA, gerade auch Deutschland,

00:24:27.000 --> 00:24:29.600
als Symbol für das Feindbild Westen gesehen,

00:24:30.000 --> 00:24:34.600
weshalb immer wieder gerufen wird zu Anschlägen in Deutschland.

00:24:35.000 --> 00:24:38.600
Das heißt, es ist ein operativer Raum

00:24:39.000 --> 00:24:44.600
und auf der anderen Seite gilt auch Deutschland als ein wichtiger Ort für die Rekrutierung.

00:24:45.000 --> 00:24:47.600
Heute ist es nicht mehr so aktuell, weil IS geschwächt ist,

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aber 2015 und davor und danach hat man ja miterlebt,

00:24:52.000 --> 00:24:58.600
dass sehr viele junge Menschen auch aus Deutschland sich dem IS auch vor Ort angeschlossen haben.

00:24:59.000 --> 00:25:01.600
Das ist jetzt nicht mehr so der Fall heute.

00:25:02.000 --> 00:25:08.600
Aber Deutschland bleibt, diesen Symbolcharakter, wenn wir es schaffen, also aus der Perspektive des IS,

00:25:09.000 --> 00:25:11.600
wenn wir es schaffen, Terroranschläge in Deutschland zu verüben,

00:25:12.000 --> 00:25:16.600
dann symbolhaft haben wir den Westen auch besiegt

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bzw. der Westen leidet und das ist gut so.

00:25:20.000 --> 00:25:23.600
Und deshalb steht so ein Land wie Deutschland schon im Fokus.

00:25:24.000 --> 00:25:26.600
Sarah Zerback: Wenn Sie sagen, dem IS gelingt es nicht mehr so,

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so sehr zu rekrutieren in Deutschland wie früher

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Woran liegt das?

00:25:30.000 --> 00:25:33.600
Daran, dass der IS geschwächt ist oder dass Deutschland was richtiger macht,

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was besser macht in der Prävention oder vielleicht auch in der Verfolgung durch die Sicherheitsbehörden?

00:25:39.000 --> 00:25:39.010
Mouhanad Khorchide: Beides.

00:25:39.000 --> 00:25:44.600
Also, IS ist sehr stark geschwächt in den letzten Jahren, so dass es nicht mehr attraktiv ist.

00:25:45.000 --> 00:25:48.600
Also, wir haben nicht mehr diese Videos, wo Menschen enthauptet werden.

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Videos, die auch junge Menschen hier angesprochen haben

00:25:52.000 --> 00:25:58.600
und die meinten, ich möchte mich anschließen so einer machtvollen Organisation.

00:25:59.000 --> 00:26:00.600
Das haben wir alles nicht mehr, diese Bilder,

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die hoch emotional junge Menschen auch rekrutieren.

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Und auf der anderen Seite natürlich ist man viel weiter,

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die Sicherheitsapparate heute, dass sie diese Phänomene auch viel besser im Griff haben

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und frühzeitig auch eingreifen können und auch die Wege,

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wie sie viele über die Türkei auch sich dann dem IS angeschlossen haben,

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also physisch wie sie von Europa in den Irak gegangen sind oder Syrien über die Türkei,

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also da hat man mittlerweile viele Kontrollmechanismen entwickelt und gelernt aus den Fehlern.

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Sarah Zerback: Vielleicht könnten Sie das noch mal kurz benennen?

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Also jetzt mal abgesehen von Präventionsmaßnahmen,

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die natürlich ganz, ganz wichtig sind,

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aber was müssen Sicherheitsbehörden, Gesetze, die Politik eben tun,

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um diese Radikalisierung auch in Zukunft zu verhindern?

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Was ist da wichtig?

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Mouhanad Khorchide: Es wird sehr viel getan.

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Ein ganz wichtiger Punkt, den man nicht genug betonen sollte, ist

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Es reicht nicht, gegen all diese Phänomene, über die wir reden,

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einfach gegen etwas zu agieren und sich Gedanken zu machen,

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wie können wir gegen den Islamismus und Dschihadismus und Rekrutierung in diesen Milieus was tun?

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Sondern was können wir für junge Menschen tun,

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um von vornherein denen Perspektiven in ihrem Leben zu bieten,

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dass sie diese ganzen radikalen Angebote gar nicht als attraktiv wahrnehmen

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und sich von vornherein nicht angesprochen fühlen.

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Wir haben momentan große Hürden, dadurch dass Rekrutierung immer über Social Media stattfindet.

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Es gibt Diskussionen zum Beispiel über Altersbegrenzungen.

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Könnte das vielleicht weiterhelfen, dass man sagt,

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nicht unter bestimmtem Alter, nicht unter 16 einfach frei in Social-Media sich austoben,

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wo denn die jungen Menschen rekrutiert werden.

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Mehr Kontrolle über Social-Media, das benötigen wir dringend,

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aber das setzt voraus, auch in der Gesetzgebung muss sich einiges ändern,

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was uns erlauben würde, einige Plattformen zu schließen,

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dass hier die Sicherheitsbehörden mehr Kontrollkompetenzen bekommen,

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mehr nicht nur mitzubekommen, was sich alles abspielt in Social-Media,

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sondern auch die Kompetenzen bekommen, Plattformen einfach abzudrehen oder bzw. den Zugang zu erschweren.

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Das wäre heute wichtig als Maßnahme.

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Sarah Zerback: Ein gängiges Erklärungsmuster ist auch,

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dass Diskriminierung durch die Mehrheitsgesellschaft Ursache für Islamismus ist.

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Jetzt sehen wir nicht nur Antisemitismus, auch antimuslimischer Rassismus in Deutschland nehmen zu.

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Wie sehr hängen denn Ausgrenzung und Radikalisierung tatsächlich zusammen?

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Mouhanad Khorchide: Es gibt einen Zusammenhang, den man nicht überschätzen darf, aber auch nicht unterschätzen darf.

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Das heißt, es hilft nicht weiter, wenn man über dieses Phänomen nachdenkt im Sinne von:

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Wer hat Schuld jetzt?

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Also diese ganze Diskurs um Schuldzuweisungen im Sinne von:

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Es radikalisieren sich die Menschen, weil sie diskriminiert werden.

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Das heißt, es ist schon wieder der Westen Schuld.

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Das ist eine ganz gefährliche Erzählung.

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Die stärkt die islamistische Erzählung, Feindbild Westen.

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Westen sei an allem schuld, sei daran schuld,

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warum es keine Demokratien und Menschenrechte in der islamischen Welt gibt,

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warum es korrupte Regime gibt, warum es den Menschen dort schlecht geht

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und ausgebeutet werden, aber auch warum es auch Radikalisierung gibt und warum es IS gibt und so.

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Das ist alles ein Produkt des Westens.

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Das finde ich eine sehr gefährliche Erzählung bzw.gefährliches Erklärungsmuster.

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Auf der anderen Seite spielt natürlich auch auf individueller Ebene Diskriminierungserfahrungen

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oder zumindest auch nicht nur die empfundene, sondern die erzählte Diskriminierung.

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Wir machen in Projekten auch die Erfahrung, dass es junge Menschen gibt,

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die sich radikalisieren, nicht weil sie selber Diskriminierung erfahren haben,

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sondern weil sie sich identifizieren mit dieser Erzählung,

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der Westen sei oder die sogenannte Mehrheitsgesellschaft in Deutschland sei rassistisch oder antimuslimisch.

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Das heißt wir müssen hier klare Kriterien erstellen.

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Wann reden wir von antimuslimischem Rassismus?

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Welche Kriterien?

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Und sensibilisieren hier, dass nicht jede auch berechtigte Kritik an Muslimen oder Islam ist Rassismus.

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Das muss auch ernst genommen werden.

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Auf der anderen Seite müssen wir auch ernst nehmen die Erfahrungen,

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die die Menschen machen, Diskriminierungserfahrungen.

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Sarah Zerback: Ja, zumal diese Erfahrungen ja auch andere marginalisierte Gruppen in Deutschland machen

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und da stellt sich ja dann die Frage,

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warum eignet sich ausgerechnet der Islam vielleicht so gut als Basis für diese Radikalisierung?

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Mouhanad Khorchide: Ja, so ist es.

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Und vor allem diejenigen, die meinen, sie radikalisieren sich nur,

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weil sie diskriminiert werden, schauen gar nicht mehr,

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wo gibt es Grundlagen in den islamischen Quellen selbst, die auch einen Beitrag leisten.

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Das ist genauso diese Debatte,

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gibt es überhaupt Antisemitismus im Islam oder ist das islamisierter Antisemitismus?

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Diejenigen, die sagen, das gibt es alles nicht im Islam,

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das ist auch ein westliches Produkt, was nachträglich islamisiert wurde,

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die schauen nicht mehr in die islamischen Grundlagen oder Quellen, wo gibt es hier Anhaltspunkte,

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die diesen ganzen antisemitischen Diskurs im Islam und antijudaistischen füttern,

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sondern sie konzentrieren sich nur auf was geschieht im Westen durch den Westen.

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Und so ist man auf einem Auge blind und das ist Teil des Problems weiterhin.

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Sarah Zerback: Nach den Anschlägen 9/11 2001 in den USA,

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da gab es ja auch hierzulande eine richtige Welle der Solidarisierung von islamistischen Extremisten.

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Jetzt haben wir den . Oktober 2023 erlebt.

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Welche Rolle spielt das, also der Terror der Hamas in Israel hierzulande?

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Mouhanad Khorchide: Die Herausforderung ist,

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dass Diskurs hier bei uns in Deutschland Hamas von Islamisten gar nicht als terroristische Organisation gesehen wird

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und die große Erzählung, die verbreitet wird, erlebt man auch bei Pro-Palästinensischen Demonstrationen,

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dass das alles legitim ist, was Hamas gemacht hat

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und macht im Sinne der Verteidigung der Palästinenser, ist alles Selbstverteidigung,

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auch wenn das nicht immer so ausgesprochen wird,

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es gibt eine große Solidarisierungswelle definitiv mit den Menschen in Gaza.

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Muss nicht unbedingt jetzt mit Hamas unmittelbar,

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aber dadurch, dass Hamas immer wieder sich verkauft als die einzigen,

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die jetzt pro unterdrückten Menschen in Gaza sind,

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dann merkt man schon nicht nur unter Islamisten und lange auch nicht nur unter Muslimen,

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auch unter vielen in der Bevölkerung gibt es gewisse Solidarität oder Sympathisierung, Sympathiebekundungen.

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Sarah Zerback: Aber das ist ja ein wichtiger Unterschied.

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Also Solidarisierung mit der Zivilbevölkerung, mit dem Leiden der Menschen vor Ort und eben nicht mit dem Terror.

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Mouhanad Khorchide: Genau.

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Aber die Grenzen sind oft fließend auch,

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dadurch dass sich Hamas verkauft als die Sprecher für die Unterdrückten in der Bevölkerung.

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Dann ist es so, man hört immer von denjenigen, die sich mit der Bevölkerung solidarisieren, selten Kritik an Hamas.

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Ich hätte mir erwartet, würde mir auch erwarten, von den jetzt nicht-radikalisierten,

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also von der Masse an Muslimen und Nicht-Muslimen,

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dass man erkennt, dass diese ganze Problematik da vor Ort basiert ja darauf,

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dass Hamas weiterhin bis heute auch in ihrer Charta darauf beharrt,

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mit Mitteln der Gewalt gegen Israel vorzugehen.

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Und solange das so ist, gibt es natürlich auch Legitimation für Israel zu reagieren.

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Und dann haben wir - also befinden wir uns in einem Teufelskreis der Gewalt und des Krieges.

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Sarah Zerback: Diese vielen Präventionsmaßnahmen und auch Maßnahmen,

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um eben das Schlimmste zu verhindern hier bei uns in Deutschland, die haben Sie jetzt ausgeführt.

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Welche Rolle sollten denn Islamverbände in Deutschland dabei spielen?

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Mouhanad Khorchide: Islamverbände haben eine zentrale Rolle, wenn es um Prävention geht.

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Es reicht nicht zu sagen: Bei uns radikalisieren sich keine Menschen, das hört man immer wieder.

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Sie radikalisieren sich woanders,

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in salafistischen oder islamistischen Moscheegemeinden oder in den Social-Media, aber nicht bei uns.

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Und diese Distanzierung alleine, die ist ja wichtig und hat auch einen wichtigen Symbolcharakter,

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auch die Distanzierung von Gewalt und Terror durch die absolute Mehrheit der großen muslimischen Verbände in Deutschland.

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Aber das Vakuum, das wir haben, zum Beispiel in den Social Media,

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man fragt sich, wo sind sie dort präsent, die großen Verbände dort?

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Welches Angebot bieten sie für die jungen Menschen,

00:35:00.000 --> 00:35:03.600
wo erreichen sie die jungen Menschen auch in den Moscheegemeinden selbst?

00:35:04.000 --> 00:35:06.600
Wir haben noch immer diese große Herausforderung seit Jahrzehnten,

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dass die Imame aus dem Ausland kommen oder nicht wirklich vertraut sind mit der Lebensrealität hier

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und der Lebenswirklichkeit der jungen Menschen in Deutschland,

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so dass sie vorbei an denen predigen und so erreichen sie wenige von den jungen Menschen.

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Stattdessen die Islamisten, da fühlen sich die jungen Menschen mehr angesprochen.

00:35:29.000 --> 00:35:35.600
Das heißt, hier müssen die muslimischen Moscheegemeinden-Verbände über ihren Schatten hinaus springen

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und sich weiterentwickeln und sagen, wir müssen schauen, wie erreichen wir die jungen Menschen.

00:35:40.000 --> 00:35:41.600
Das ist das eine und das andere:

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Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass diese Rhetorik von antimuslimischer Rassismus,

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es wird zu inflationär verwendet heute, auch von den muslimischen Verbänden.

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Wenn man zusammensitzt und sagt, worüber wollen wir jetzt reden?

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Auch in christlich-muslimischen Dialogforen, da bin ich involviert in verschiedenen Bundesländern in Deutschland.

00:36:04.000 --> 00:36:07.600
Und dann kommt immer wieder der Wunsch, wir wollen über antimuslimischen Rassismus reden,

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wir wollen über Diskriminierung reden.

00:36:10.000 --> 00:36:18.600
Das verstärkt noch mehr diese Erzählung von Westen, deutsche Gesellschaft unterdrückt uns.

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Wir sind die Unterdrückten und die anderen sind die Unterdrücker.

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Wir müssen rauskommen aus dieser Täter-Opfer-Rhetorik hin zu einem „Wir gemeinsam“

00:36:27.000 --> 00:36:32.600
und unser Feindbild ist nicht jetzt die deutsche Gesellschaft oder nicht die Muslime,

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sondern alles was menschenfeindlich ist, Islamisten, Rechtsextremisten, das sind die Feindbilder,

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wo wir uns als Gesellschaft gegen sie solidarisieren sollten

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und die Trennlinie ist nicht zwischen Westen und islamische Welt

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oder zwischen deutsche Gesellschaft und Muslime.

00:36:51.000 --> 00:36:56.600
Und hier ist Nachholbedarf in der Rhetorik auch der Moscheegemeinden.

00:36:57.000 --> 00:36:58.600
Ich hätte mir gewünscht und würde mir weiter wünschen,

00:36:59.000 --> 00:37:04.600
dass wir uns beide Seiten, gesellschaftlich als auch auf Seiten der muslimischen Gemeinden,

00:37:05.000 --> 00:37:08.600
uns mehr konzentrieren auf die positiven Erzählungen.

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Dass es uns Muslimen im Großen und Ganzen ziemlich gut geht hier in Deutschland.

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Wir genießen Religionsfreiheit wie kaum in einem islamischen Land.

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Es gibt für Muslime Möglichkeiten aufzusteigen,

00:37:20.000 --> 00:37:23.600
bis hin zu Minister, Staatssekretäre, Ärzte, Ingenieure und alles.

00:37:24.000 --> 00:37:29.600
Die Gesellschaft hat auch positive Möglichkeiten, Strukturen, dass Muslime sich entfalten können.

00:37:30.000 --> 00:37:34.600
Genauso umgekehrt auch, es wird immer gewarnt vor Islam und Islamisierung

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und Gewalt und Islam wird immer nur mit Gewalt assoziiert.

00:37:39.000 --> 00:37:41.600
Aber die positiven Erzählungen, dass Muslime auch eine Bereicherung sind,

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dass auch unter den syrischen Flüchtlingen die Ärzte unser Gesundheitssystem so weit bereichert hat,

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dass das Gesundheitssystem meinte jetzt:

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Wenn alle syrischen Ärzte jetzt nach Syrien sofort zurückgehen würden,

00:37:55.000 --> 00:37:57.600
würde das System darunter leiden bis hin zu kollabieren.

00:37:58.000 --> 00:38:03.600
Das sind ja positive Erzählungen, die man sich kaum aber erzählt leider.

00:38:04.000 --> 00:38:05.600
Sarah Zerback: Herr Khorchide, herzlichen Dank für das Gespräch.

00:38:06.000 --> 00:38:07.600
Khorchide: Dankeschön.

00:38:08.000 --> 00:38:09.600
*Musik*

00:38:10.000 --> 00:38:12.600
Sarah Zerback: Ein 15-jähriger junger Mann.

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Eigentlich lief bei ihm gerade alles gut.

00:38:15.000 --> 00:38:16.600
Er hat eine Freundin, seine erste große Liebe.

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Er versteht sich gut mit seinem Vater.

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Und dann – für ihn kommt es ganz plötzlich – trennen sich die Eltern.

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Mutmaßlich, weil seine Mutter eine außereheliche Affäre hat.

00:38:26.000 --> 00:38:26.600
Das erschüttert ihn.

00:38:27.000 --> 00:38:28.600
Seine Noten in der Schule werden schlechter.

00:38:29.000 --> 00:38:30.600
Die Lehrerinnen sprechen ihn darauf an,

00:38:31.000 --> 00:38:33.600
es sieht nicht gut für ihn aus, was denn mit ihm los sei?

00:38:34.000 --> 00:38:34.600
Eine weitere Krise.

00:38:35.000 --> 00:38:36.600
Dann trennt er sich auch noch von seiner Freundin,

00:38:37.000 --> 00:38:39.600
weil er sie für untreu hält – und bricht komplett zusammen.

00:38:40.000 --> 00:38:45.600
Diese Geschichte erzählt Philip Mohamed Al-Khazan von der Beratungsstelle Legato in Hamburg.

00:38:46.000 --> 00:38:48.600
Die betreut Fälle von religiös begründeter Radikalisierung.

00:38:49.000 --> 00:38:53.600
Beispielhafte Fälle für Radikalisierung zu schildern, das ist kaum möglich,

00:38:54.000 --> 00:38:55.600
weil jeder Fall so individuell ist, sagt er.

00:38:56.000 --> 00:38:58.600
Aber die Geschichte von diesem 15-Jährigen ist ein gutes Beispiel dafür,

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was junge Menschen anfällig für Radikalisierung macht: persönliche Krisen.

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Daran docken Islamisten an.

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Al-Khazan: Er wusste nicht, woran er Loyalität festmachen kann.

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Er fühlte sich in seinem Selbstwertgefühl erniedrigt, austauschbar.

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Und dann hat er mit verschiedenen Personen gesprochen.

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Die sagten ihm, ach, Frauen, du kennst sie ja.

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Oder so was wie, ach, du wirst eine andere kennenlernen, keine Sorge.

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Oder so was wie, der Schmerz wird vergehen.

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Und ein junger Mann hat dann eben gesagt, der Islam, weißt Du:

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Im Islam wird Ehebruch mit dem Tode bestraft.

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Und jetzt zitiere ich ihn.

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Er sagt jetzt mir, das war das erste Mal, dass ich das Gefühl hatte,

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in meinem Schmerz ernst genommen worden zu sein.

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Es war klar, nachher im Gespräch wurde es relativ schnell klar.

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Er wünschte nicht seiner Mutter den Tod oder seiner Ex-Freundin.

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Darum ging es nicht.

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Sondern die Wichtigkeit von Loyalität wurde eher dort für ihn unterstrichen.

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Und das ist der Moment für ihn gewesen, warum er erstmal hellhörig wurde,

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warum er neugierig wurde und dass er dann noch mehr erfahren wollte.

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Sarah Zerback: Nicht jede Krise führt zu einer Radikalisierung, klar.

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Aber Radikalisierung kann eine Problemlösungsstrategie sein, sagt Philip Mohamed Al-Khazan.

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Al-Khazan: Die suchen nach einer religiösen Lösung für ihre Krisen,

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aber die stoßen gleichzeitig auf Menschen, die nicht nur die Religion nahebringen,

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sondern auch ganz schnell die Religion mit Politik vermischen

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und dann auch da Verschwörungsmythen untermischen eventuell.

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Dann haben wir festgestellt, dass eben das problematisch ist,

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dass Religion und Politik ganz eng beieinander sind

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und dass dann auch Demokratiefeindlichkeit da mit steckt

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und eine Feindlichkeit gegenüber oder ein Misstrauen gegenüber dem Westen allgemein.

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Also wenn wir dann von einer religiös begründeten Radikalisierung,

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die wir als problematisch sehen, sprechen, dann ist es immer politisch.

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Sarah Zerback: Nach der Erfahrung von Philip Mohamed Al-Khazan

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kommen junge Männer oft über Freunde mit radikalen Ideologien in Berührung,

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bei jungen Frauen passiert das eher über Partner.

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Und eine andere Quelle wird immer wichtiger, besonders seit Corona.

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Al-Khazan: Als wir einen Lockdown hatten, ist Social Media eine Plattform geworden,

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wo eigentlich Personen anfangen, auch eigenständig selber, ohne eine Gemeinschaft zu haben,

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über Social-Media an so eine Ideologie zu geraten.

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Und das kennen wir jetzt mittlerweile schon längst,

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wenn man dann in einen Algorithmus reinkommt,

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dann bekommt man immer wieder ähnliche Inhalte oder Inhalte, die damit verwandt sind.

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Und im Internet kann man nochmal auch, wenn man gerade sich interessiert

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und vielleicht nochmal Berührungsängste hat,

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ist das, dass man so anonym nochmal sich erstmal damit informieren kann in aller Ruhe,

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bis man zu einem Punkt vielleicht gelangt, ok, jetzt möchte ich das für mich wirklich haben.

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Solche Fälle sind gestiegen auf jeden Fall,

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dass Jugendliche selbstständig online sich radikalisiert haben über Social-Media,

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auch über YouTube, Tiktok, Verschiedenes.

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Sarah Zerback: Bei Legato melden sich vor allem Angehörige, Sozialarbeiterinnen, Lehrer,

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die bei jungen Menschen Veränderungen bemerken.

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Diese Veränderungen erscheinen von außen oft plötzlich,

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weil sie sehr sichtbar werden, wenn jemand zum Beispiel konvertiert.

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Al-Khazan: Dann äußert sie ja quasi diese Veränderung durch Essensverhalten, durch Rituale,

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die sich dann im Alltag verändern oder durch äußere Kleidungsstile.

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Und die Personen haben immer wieder das Gefühl, dass es plötzlich passiert ist.

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Aber was wir festgestellt haben, ist, dass es ein Zeitfenster zwischen zwei und einem Jahr ist,

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wo dieser Prozess der Hinwendung zu dieser Ideologie passiert ist.

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In der Beratung mit den Angehörigen, besonders mit den Angehörigen,

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die sehr nah dran sind, da stellen dann nachher auch die Angehörigen fest,

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okay, ja, stimmt da in der Vergangenheit sind diese und diese und diese Dinge passiert.

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Aber das hätten sie nicht vorher als Indiz vielleicht genommen oder als Warnsignal genommen,

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dass da das Kind gerade etwas durchläuft, eine Krise durchläuft

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und dass man hätte vielleicht auch dort schon ansetzen können, um der Person zu helfen.

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Sarah Zerback: Wenn man ihn nach dem Kern seiner Arbeit fragt, sagt Philip Mohamed Al-Khazan

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Al-Khazan: Bedürfnisse, ganz eindeutig Bedürfnisse.

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Deswegen ist es auch so wichtig, dass wir nicht sozusagen auf dieser Ideologie-Ebene bleiben, wenn wir mit Menschen sprechen.

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Es bringt nichts, über die Ideologie die ganze Zeit zu reden oder zu streiten besonders,

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sondern wir versuchen in unserer Arbeit erstmal die Funktion der Ideologie für die jeweilige Person herauszufinden.

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Und wenn wir die Funktion herausgefunden haben, dann sind wir auf der Ebene der Bedürfnisse.

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Sarah Zerback: Diese Bedürfnisse können vielfältig sein:

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Gemeinschaft, Trost, Halt, Selbstwertgefühl.

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Extremistische und radikale Ideologien können entsprechende Leerstellen füllen.

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Wichtig ist für Philip Mohamed Al-Khazan dabei

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Nicht die Religion ist das Problem.

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Al-Khazan: Was wir da versuchen zu machen ist, dass wir denen schon erklären, es geht uns hier nicht die Religion.

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Im Gegenteil, wir sehen Religion als Ressource.

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Gerade wenn sehr viele Krisen in der Vergangenheit waren,

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ist es sehr wichtig für uns, dass wir sogar die Religion oder diese religiöse Haltung,

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denen lassen oder sie dorthin auch stärken im Endeffekt, dass sie da dran bleiben.

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Wichtig ist, dass wir dann an Verschwörungsmythen rangehen,

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an politische Einstellungen reingehen, an Schwarz-weiß-Denken.

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Das ist das, was ja dann problematisch wird, wenn es dann ein „wir“ und „die“ gibt.

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Es gibt dann ein „gut“ und ein „böse“ und es gibt dann nicht mehr diese Facetten dazwischen.

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Und den Erfolg unserer Beratung, das messen wir daran, wenn wir merken,

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Klient*innen sind jetzt in der Lage, differenzierte Dinge zu betrachten

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und die Facetten des Menschseins im Endeffekt, das komplexer ist,

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als zwischen Gut und Böse unterscheiden zu können,

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das auszuhalten und damit umgehen zu können.

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*Musik*

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Sarah Zerback: Was wir also mitnehmen können

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1. „Islamismus“ zu definieren ist schwierig,

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weil islamistische Gruppierungen so unterschiedlich sind.

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Der kleinste gemeinsame Nenner ist aber:

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Der Islam regelt nicht nur das Verhältnis des Einzelnen zu Gott,

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sondern durchdringt die gesamte Politik und Gesellschaft.

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Das hat Sabine Damir-Geilsdorf erklärt.

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2. Islamismus ist nicht notwendigerweise gewalttätig.

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Der sogenannte legalistische Islamismus zum Beispiel

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will seine Ideen innerhalb bestehender Rechtsordnungen durchsetzen.

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Der Dschihadismus als gewalttätige Form des Islamismus hat aber seit dem . September 2001 weltweit zugenommen

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und bedroht auch europäische Gesellschaften.

00:45:58.000 --> 00:45:59.600
Das beschreibt Mouhanad Khorchide.

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3. Radikalisierung hat oft mit persönlichen Krisen und unerfüllten Bedürfnissen zu tun.

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Das Problem ist dabei nicht die Religion, sondern Menschenfeindlichkeit und Schwarz-Weiß-Denken

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und islamistische Unternehmer, die persönliche Krisen für ihre Zwecke ausnutzen.

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Das berichtet Philip Mohamed Al-Khazan aus seiner Arbeit.

00:46:18.000 --> 00:46:21.600
*Musik*

00:46:22.000 --> 00:46:23.600
Das war „Aus Politik und Zeitgeschichte“.

00:46:24.000 --> 00:46:26.600
In unserem Heft mit dem Titel „Islamismus“ können Sie noch mehr zum Thema lesen.

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Den Link dazu finden Sie in den Shownotes.

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Wir freuen uns natürlich über Feedback zu diesem Podcast.

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Fragen, Lob, aber auch Kritik können Sie uns schicken an apuz@bpb.de.

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In vier Wochen erscheint die nächste Folge.

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Dann sprechen wir über Diskurskultur.

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Mein Name ist Sarah Zerback, bis zum nächsten Mal.

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*Musik*

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Der Podcast „Aus Politik und Zeitgeschichte“ wird von der APuZ-Redaktion in Zusammenarbeit mit hauseins produziert.

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Redaktion für diese Folge: Gina Enslin, Sascha Kneip und Lorenz Abu Ayyash.

00:47:11.000 --> 00:47:13.600
Produktion: Oliver Kraus. Musik: Joscha Grunewald.

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Am Mikrofon war Sarah Zerback.

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Die Folgen stehen unter der Creative Commons Lizenz

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