WEBVTT

00:00:00.000 --> 00:00:00.400
O-Ton Maren Urner: Was ist Ihr Interesse?

00:00:00.400 --> 00:00:01.000
Möchten Sie einen Diskurs?

00:00:01.000 --> 00:00:03.000
Oder möchten Sie das, was Sie mitbringen, einfach...

00:00:03.000 --> 00:00:06.000
O-Ton Ulf Poschardt: Ich würde gerne ausreden, damit fängt nämlich Diskurs an.

00:00:06.000 --> 00:00:08.000
O-Ton Maren Urner: Naja, ich frage Sie ja, was vielleicht einfach,

00:00:08.000 --> 00:00:10.000
bevor wir zu tief in einzelne Themen reingehen...

00:00:10.000 --> 00:00:11.000
O-Ton Ulf Poschardt: Sie sind doch gar nicht...

00:00:11.000 --> 00:00:12.600
O-Ton Maren Urner: Möchten Sie sich austauschen?

00:00:13.000 --> 00:00:13.600
O-Ton Ulf Poschardt: Ja, ich möchte mich gerne austauschen.

00:00:14.000 --> 00:00:14.500
Sie sind aber gar nicht so sehr...

00:00:14.500 --> 00:00:15.000
O-Ton Maren Urner: Wirklich?

00:00:15.000 --> 00:00:16.600
O-Ton Ulf Poschardt: ...eine Metaebene in dem Gespräch.

00:00:17.000 --> 00:00:19.600
Hören Sie einfach zu und dann kannst du es ja immer noch beurteilen.

00:00:20.000 --> 00:00:20.600
O-Ton Maren Urner: Ich versuch's, aber es ist schwierig.

00:00:21.000 --> 00:00:21.500
O-Ton Ulf Poschardt: Sehr gut.

00:00:21.500 --> 00:00:22.600
*Musik*

00:00:23.000 --> 00:00:24.600
Sarah Zerback: Das waren die Neurowissenschaftlerin Maren Urner

00:00:25.000 --> 00:00:27.600
und der Journalist Ulf Poschardt in der Sendung „Lanz“.

00:00:28.000 --> 00:00:30.600
Sie diskutieren – oder streiten?

00:00:31.000 --> 00:00:35.600
Die Debatten um gesellschaftliche Streitthemen scheinen immer schärfer und polarisierter zu werden.

00:00:36.000 --> 00:00:38.600
Ob es um Klimaschutz geht, um Migration oder Gendern

00:00:39.000 --> 00:00:43.600
Die Positionen, die hier aufeinandertreffen, liegen oft extrem weit voneinander entfernt.

00:00:44.000 --> 00:00:47.600
Auf Social Media-Plattformen sind Beschimpfungen allgegenwärtig,

00:00:48.000 --> 00:00:51.600
aber auch im Bundestag oder in Talkshows wird heftig gestritten und auch beleidigt.

00:00:52.000 --> 00:00:55.600
Die Konsequenz sind verhärtete Fronten und das Gefühl,

00:00:56.000 --> 00:00:59.600
andere Teile der Gesellschaft überhaupt nicht mehr verstehen zu können.

00:01:00.000 --> 00:01:04.600
Doch während einerseits eine Kultur des „Cancelns“ und des „Niedermachens“ beklagt wird,

00:01:05.000 --> 00:01:06.600
werden gleichzeitig heute Stimmen in der Öffentlichkeit gehört,

00:01:07.000 --> 00:01:11.600
die vor Jahrzehnten gar nicht an gesellschaftlichen Debatten teilnehmen konnten.

00:01:12.000 --> 00:01:15.600
Wie sich die öffentliche Streitkultur verändert hat und wie sie besser werden könnte,

00:01:16.000 --> 00:01:19.600
darum gehts in dieser Folge von „Aus Politik und Zeitgeschichte“, und ich bin Sarah Zerback.

00:01:20.000 --> 00:01:22.600
Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen erklärt,

00:01:23.000 --> 00:01:28.600
was öffentliche Debatten heute ausmacht und welche Faktoren unsere Diskurskultur prägen.

00:01:29.000 --> 00:01:32.600
Und die Politologin Saba-Nur Cheema beschreibt am Beispiel der Debatte um den Nahostkonflikt,

00:01:33.000 --> 00:01:37.600
wie man in polarisierten Diskursen gut streitet.

00:01:38.000 --> 00:01:45.600
Die Ausgabe der Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“ zum Thema „Diskurskultur“ finden Sie auf bpb.de/apuz.

00:01:46.000 --> 00:01:47.600
Wie immer gibt es auch zu dieser Folge ein Transkript.

00:01:48.000 --> 00:01:52.600
Sie finden es in der bpb-Mediathek oder als Link in den Shownotes.

00:01:53.000 --> 00:02:10.600
*Musik*

00:02:11.000 --> 00:02:14.600
Streiten, diskutieren und möglicherweise eine gemeinsame Position finden,

00:02:15.000 --> 00:02:17.600
das ist nicht nur im Privatleben wichtig,

00:02:18.000 --> 00:02:19.600
sondern auch für das Funktionieren einer Gesellschaft.

00:02:20.000 --> 00:02:21.600
Gerade in Demokratien gehört es dazu,

00:02:22.000 --> 00:02:25.600
dass die Bürgerinnen und Bürger über unterschiedliche Meinungen streiten können

00:02:26.000 --> 00:02:30.600
und auch bereit sind, sich von besseren Argumenten überzeugen zu lassen.

00:02:31.000 --> 00:02:33.600
Solche Aushandlungen finden in politischen Auseinandersetzungen statt,

00:02:34.000 --> 00:02:39.600
bei Diskussionen im Familienkreis, auf der Arbeit, in den Medien, auf Social Media.

00:02:40.000 --> 00:02:44.600
Wie Debatten geführt werden und welcher Eindruck davon für die Öffentlichkeit entsteht,

00:02:45.000 --> 00:02:47.600
hat Einfluss auf das gesellschaftliche Klima insgesamt

00:02:48.000 --> 00:02:50.600
und ist wichtig für den demokratischen Zusammenhalt.

00:02:51.000 --> 00:02:55.600
Bei Themen wie der Klimakrise, dem Nahostkonflikt oder der Migrationspolitik

00:02:56.000 --> 00:02:59.600
begegnen sich verschiedene Meinungen oft mit großer Härte.

00:03:00.000 --> 00:03:02.600
Das hat mit einem aufgeheizten politischen Klima zu tun,

00:03:03.000 --> 00:03:06.600
mit sozialen Medien, mit einer riesigen Informationsflut

00:03:07.000 --> 00:03:09.600
und mit der Verunsicherung durch multiple Krisen.

00:03:10.000 --> 00:03:11.600
Nach einem „verständnisorientierten Diskurs“,

00:03:12.000 --> 00:03:18.600
wie ihn sich zum Beispiel der Philosoph Jürgen Habermas idealerweise vorstellte, sieht das oftmals nicht aus.

00:03:19.000 --> 00:03:21.600
Aber steht es denn wirklich so schlecht um den öffentlichen Diskurs?

00:03:22.000 --> 00:03:23.600
Darüber habe ich mit Bernhard Pörksen gesprochen.

00:03:24.000 --> 00:03:27.600
Er ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen,

00:03:28.000 --> 00:03:30.600
hat in diversen Büchern öffentliche Diskurse analysiert

00:03:31.000 --> 00:03:34.600
und wirft sich auch selbst gerne in den öffentlichen Meinungsstreit.

00:03:35.000 --> 00:03:36.600
*Musik*

00:03:37.000 --> 00:03:37.600
Sarah Zerback: Schönen guten Tag, Herr Pörksen.

00:03:38.000 --> 00:03:39.600
Bernhard Pörksen: Guten Tag, ich grüße Sie.

00:03:40.000 --> 00:03:43.600
Sarah Zerback: Wenn Sie sich mal so durch die gängigen Talkshow-Formate zappen,

00:03:44.000 --> 00:03:46.600
was glauben Sie, wie gut klappt das da mit dem Diskurs?

00:03:47.000 --> 00:03:48.600
Bernhard Pörksen: Unterschiedlich gut.

00:03:49.000 --> 00:03:52.600
Es gibt durchaus Bemühungen, es gibt ja so eine Art Talkshow-Verdrossenheit,

00:03:53.000 --> 00:03:58.600
die Talkshow zu reformieren, sie mehr zu einem Labor der Erörterung,

00:03:59.000 --> 00:04:00.600
der wirklichen Verständigung, des echten Austausches zu machen.

00:04:01.000 --> 00:04:04.600
Und es gibt natürlich auch die Talkshow als so eine Art

00:04:05.000 --> 00:04:10.600
Confrontainment-Spektakel, Scripted Reality für Intellektuelle.

00:04:11.000 --> 00:04:14.600
Man hat seine vorgefertigten Punchlines, man hat seine vorgefertigten Positionen.

00:04:15.000 --> 00:04:19.600
Und etwas, was man auf keinen Fall tut, ist auf den anderen zugehen,

00:04:20.000 --> 00:04:25.600
einen eigenen Irrtum eingestehen, eine Verbindung suchen, eine Kommunikationsbrücke bauen.

00:04:26.000 --> 00:04:31.600
Und in diesem Sinne ist die Talkshow dann ein Symbol einer verkünstelten

00:04:32.000 --> 00:04:35.600
und irgendwie seltsam getrimmten und trainierten Kommunikation,

00:04:36.000 --> 00:04:40.600
die nicht auf Verständigung zielt, sondern eigentlich auf Spektakel.

00:04:41.000 --> 00:04:41.600
Sarah Zerback: Sie haben jetzt gerade gesagt,

00:04:42.000 --> 00:04:46.600
die Talkshow steht da symbolisch für etwas, für eine Art der Kommunikation.

00:04:47.000 --> 00:04:49.600
Es wird ja nicht nur natürlich in Talkshows kommuniziert.

00:04:50.000 --> 00:04:53.600
Wie würden Sie ansonsten den öffentlichen Diskurs beschreiben?

00:04:54.000 --> 00:04:56.600
Ist das auch etwas, was zunimmt, das,

00:04:57.000 --> 00:04:59.600
was eben im Kleinen in diesen Talkshows sich gerade zeigt?

00:05:00.000 --> 00:05:00.600
Bernhard Pörksen: Nun, ich würde sagen,

00:05:01.000 --> 00:05:06.600
eigentlich leben wir kommunikationsanalytisch betrachtet in einer Welt der Gleichzeitigkeiten.

00:05:07.000 --> 00:05:13.600
Es gibt ganz viel Hass und Hetze, Empörungsgetrommel, Gebrüll in sozialen Netzwerken,

00:05:14.000 --> 00:05:18.600
außerhalb von sozialen Netzwerken, manchmal eben auch in Spektakel-Talkshows.

00:05:19.000 --> 00:05:26.600
Aber es gibt auch eine Welt, die gelegentlich von einer betulichen,

00:05:27.000 --> 00:05:31.600
übertrieben moralisierenden Hypersensibilität gekennzeichnet ist,

00:05:32.000 --> 00:05:36.600
also Safe Space Rhetorik, supervorsichtige Triggerwarnungen,

00:05:37.000 --> 00:05:46.600
Angst, auch manchmal unbegründete Angst, jemand durch eine schlicht dahergesagte Aussage zu verletzen.

00:05:47.000 --> 00:05:50.600
Und es gibt aus meiner Sicht drittens eine Welt, die medial kaum vorkommt.

00:05:51.000 --> 00:05:55.600
Das ist eine Welt des echten, des authentischen Respekts, der wirklichen Auseinandersetzung.

00:05:56.000 --> 00:06:00.600
So wie heute in Redaktionen, Unternehmen, Universitäten, Schulen gesprochen wird,

00:06:01.000 --> 00:06:03.600
das wäre noch vor Jahrzehnten undenkbar gewesen.

00:06:04.000 --> 00:06:05.600
Also ich bin gar nicht gegen Konfrontation.

00:06:06.000 --> 00:06:08.600
Es gibt aus meiner Sicht die Notwendigkeit,

00:06:09.000 --> 00:06:15.600
auch Gegensätze, zumal in einer Demokratie, wo es um Gottes Willen niemals vollständige Harmonie geben wird,

00:06:16.000 --> 00:06:22.600
auch in der harten Auseinandersetzung, im Ringen um den sachlichen Gegensatz zu klären.

00:06:23.000 --> 00:06:28.600
Also diese Form der authentisch respektvollen Konfrontation, um die geht es eigentlich.

00:06:29.000 --> 00:06:32.600
Sarah Zerback: Und haben Sie das Gefühl, darum geht es aber in vielen Diskursen nicht mehr,

00:06:33.000 --> 00:06:36.600
weil sich jeder so auf seine eigene Meinung zurückzieht

00:06:37.000 --> 00:06:38.600
und eigentlich nur noch nach Bestätigungspunkten für das,

00:06:39.000 --> 00:06:41.600
was man sowieso schon zu meinen glaubt, sucht?

00:06:42.000 --> 00:06:47.600
Bernhard Pörksen: Für mich ist das in der Tat ein Tiefeneffekt der Medienrevolution, die wir im Moment erleben.

00:06:48.000 --> 00:06:53.600
Das Netz ist ja ein ungeheuer plastisches, vielgestaltiges Medium

00:06:54.000 --> 00:06:56.600
und es kommt unserer allgemeinen menschlichen Bestätigungssehnsucht sehr weit entgegen.

00:06:57.000 --> 00:07:01.600
Also wir verlernen es systematisch,

00:07:02.000 --> 00:07:12.600
allein durch die mediale Umgebung uns mit anderen Standpunkten auf eine ausreichend ausgeruhte Art und Weise auseinanderzusetzen.

00:07:13.000 --> 00:07:14.600
Woran liegt das?

00:07:15.000 --> 00:07:20.600
Es gibt etwas, was ich in diesem letzten Buch „Über die Kunst des Zuhörens“ die Programmierung der Ungeduld nenne.

00:07:21.000 --> 00:07:28.600
Also die systematischen Versuche, die als Anreize in den sozialen Netzwerken existieren,

00:07:29.000 --> 00:07:33.600
Kommunikation zu unterbrechen, sie zu überhitzen, sie schärfer zu machen,

00:07:34.000 --> 00:07:37.600
polarisierender, entrüstender, weil die, die auf der anderen Seite des Bildschirms sitzen, dann wissen,

00:07:38.000 --> 00:07:39.600
dass man dann länger dabei bleibt.

00:07:40.000 --> 00:07:43.600
Diese Überhitzung des Kommunikationsklimas,

00:07:44.000 --> 00:07:51.600
die Neigung zu Dauerunterbrechung, die Möglichkeit, sich in eine Wirklichkeitsblase hinein zu googeln

00:07:52.000 --> 00:07:55.600
und sich jede Menge Bestätigung zu organisieren, bis man zu etwas gelangt,

00:07:56.000 --> 00:07:58.600
was man eine Mehrheitsillusion nennen könnte.

00:07:59.000 --> 00:08:01.600
Wir sind ja viele, sagen dann die Giftzwerge und reichen einander die Hände,

00:08:02.000 --> 00:08:04.600
aber wir werden nicht ausreichend gehört.

00:08:05.000 --> 00:08:08.600
Diese Möglichkeiten sind unter den vernetzten Bedingungen, bei allem Lob,

00:08:09.000 --> 00:08:14.600
den man für diese Vernetzung haben kann und auch muss,bei allem Genuss des Informationsreichtums,

00:08:15.000 --> 00:08:21.600
die sind systematisch gegeben durch die Art der Kommunikationsarchitektur,

00:08:22.000 --> 00:08:24.600
durch die Anreize der großen Plattformen.

00:08:25.000 --> 00:08:28.600
Sarah Zerback: Was macht denn ansonsten noch gutes Zuhören aus im Dialog?

00:08:29.000 --> 00:08:33.600
Bernhard Pörksen: Das Zuhören, würde ich sagen, ist gekennzeichnet durch ein Zögern,

00:08:34.000 --> 00:08:37.600
durch einen Abschied von einem Sofortbescheidwissertum,

00:08:38.000 --> 00:08:47.600
durch eine Praxis, die sich erstmal dem schnellen Urteil entzieht, enthält.

00:08:48.000 --> 00:08:58.600
Es ringt eigentlich darum, den anderen in seiner eigenen Wirklichkeit erst einmal zu verstehen.

00:08:59.000 --> 00:09:04.600
Sehen Sie, ich unterscheide in diesem Buch über das Zuhören eigentlich zwei idealtypische Formen des Zuhörens.

00:09:05.000 --> 00:09:08.600
Auf der einen Seite eine Form der egozentrischen Aufmerksamkeit,

00:09:09.000 --> 00:09:13.600
ein Ich-Ohr-Zuhören, so nenne ich das, geleitet von der Frage,

00:09:14.000 --> 00:09:17.600
stimmt das, was der andere mir sagt, mit dem überein, was ich ohnehin glaube?

00:09:18.000 --> 00:09:20.600
Hier geht es um Bestätigung, um ein Harmonie-Erlebnis.

00:09:21.000 --> 00:09:26.600
Und wenn der andere das bestätigt, was ich ohnehin glaube,sagt man, guter Mann, gute Frau,

00:09:27.000 --> 00:09:33.600
aber in Wahrheit hört man vor allem oder im Extremfall nur sich selbst,

00:09:34.000 --> 00:09:35.600
geleitet von den eigenen Perspektiven, den eigenen Filtermechanismen.

00:09:36.000 --> 00:09:41.600
Und dann gibt es demgegenüber ein Du-Ohr-Zuhören, nicht egozentrischer Aufmerksamkeit.

00:09:42.000 --> 00:09:44.600
Orientiert an einer ganz anderen Frage, nämlich in welcher Welt ist das,

00:09:45.000 --> 00:09:50.600
was der andere mir sagt, plausibel, in welcher Welt ist es wahr, in welcher Welt ist es schön?

00:09:51.000 --> 00:09:54.600
Und hier löst man sich von den eigenen Filtern

00:09:55.000 --> 00:09:59.600
und hier lässt man die Wirklichkeit des Anderen gewissermaßen kommen.

00:10:00.000 --> 00:10:03.600
Also, wenn ich es in einen Imperativ fassen müsste, würde ich sagen,

00:10:04.000 --> 00:10:05.600
dieser kategorische Imperativ des Du-Ohr-Zuhörens lautet,

00:10:06.000 --> 00:10:10.600
erkenne das Andere in seiner Andersartigkeit, in seiner Schönheit und in seinem Schrecken.

00:10:11.000 --> 00:10:14.600
Sarah Zerback: Und ist das etwas, was dem eigentlichen menschlichen Sein also widerspricht?

00:10:15.000 --> 00:10:17.600
Muss man das Du-Ohr nahezu trainieren?

00:10:18.000 --> 00:10:19.600
Bernhard Pörksen: Ja, das würde ich sagen.

00:10:20.000 --> 00:10:20.600
Wir sind bestätigungssüchtige Wesen.

00:10:21.000 --> 00:10:22.600
Wir wollen Bestätigung.

00:10:23.000 --> 00:10:27.600
Wir finden Dissonanz, kognitive Dissonanz, das ist ein empirisch gut belegter Befund,

00:10:28.000 --> 00:10:31.600
ziemlich unerträglich, ziemlich unaushaltbar.

00:10:32.000 --> 00:10:33.600
Das heißt, aus meiner Sicht geht es darum,

00:10:34.000 --> 00:10:36.600
und das sind die Versuche, über die ich nachdenke

00:10:37.000 --> 00:10:39.600
oder in deren Richtung ich forsche, geht es darum,

00:10:40.000 --> 00:10:42.600
eigentlich so eine zweite Natur der Offenheit zu trainieren.

00:10:43.000 --> 00:10:46.600
Von unserer ersten Natur her sind wir eigentlich gar nicht besonders offen.

00:10:47.000 --> 00:10:50.600
Aber diese zweite Natur der Offenheit, um die geht es,

00:10:51.000 --> 00:10:53.600
die nochmal zögert, zurücktritt, den Kontext betrachtet,

00:10:54.000 --> 00:11:00.600
das größere Bild in den Blick nimmt, sich dem Soforturteil verweigert, sich den Anreizen verweigert.

00:11:01.000 --> 00:11:12.600
Wir wissen, auf Twitter/X wird umso leichter etwas verteilt und aufgegriffen, je empörungsfähiger der Inhalt.

00:11:13.000 --> 00:11:15.600
Gleiches gilt für Facebook, gleiches gilt für viele andere Plattformen.

00:11:16.000 --> 00:11:23.600
Also, es sind Fehlanreize, die unser Diskursklima überhitzen, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen.

00:11:24.000 --> 00:11:27.600
Eigentlich braucht es so eine Art Aufmerksamkeitsrebellion,

00:11:28.000 --> 00:11:34.600
ein Verständnis davon, Aufmerksamkeit ist knapp, sie ist kostbar, sie ist eminent politisch.

00:11:35.000 --> 00:11:36.600
Man kann man sie nur einmal investieren.

00:11:37.000 --> 00:11:38.600
Sarah Zerback: Sie ist politisch, sagen Sie.

00:11:39.000 --> 00:11:39.600
Wem nützt sie denn?

00:11:40.000 --> 00:11:42.600
Wem nützt das, wenn wir jetzt erstmal beim digitalen Raum bleiben,

00:11:43.000 --> 00:11:46.600
diese Aufmerksamkeits-Hysterie-Spirale immer weiterzutreiben?

00:11:47.000 --> 00:11:49.600
Bernhard Pörksen: Sie nutzt im Moment den Plattformunternehmern,

00:11:50.000 --> 00:11:54.600
die unsere Aufmerksamkeit am Bildschirm halten, auf der Plattform halten.

00:11:55.000 --> 00:11:57.600
Und denen es dadurch gelingt, das ist das Geschäftsmodell,

00:11:58.000 --> 00:12:03.600
unsere Profile, unsere Intentionen, Faszinationen, unsere Sehnsüchte umso präziser auszuspionieren.

00:12:04.000 --> 00:12:08.600
Und denen es dadurch gelingt, diese Datenprofile, die sie von uns erstellt haben,

00:12:09.000 --> 00:12:13.600
durch Aufmerksamkeitsbindung umso lukrativer an die Werbeindustrie zu verkaufen.

00:12:14.000 --> 00:12:16.600
Also nur mal eine einzige Zahl, im letzten Jahr haben drei Unternehmen,

00:12:17.000 --> 00:12:22.600
Google, Amazon und Meta, mehr als die Hälfte aller Werbeeinnahmen weltweit für sich verbuchen können.

00:12:23.000 --> 00:12:26.600
Das sind gigantische Umschichtungen ganzer Märkte.

00:12:27.000 --> 00:12:31.600
Darunter leidet der demokratiepolitisch hochrelevante,

00:12:32.000 --> 00:12:34.600
besonders intensiv strangulierte Lokaljournalismus beispielsweise.

00:12:35.000 --> 00:12:38.600
Das ist eine gigantische Umschichtung von Reichtümern in Richtung von ganz wenigen.

00:12:39.000 --> 00:12:43.600
Das heißt, wir erleben eigentlich kommunikationsanalytisch betrachtet so ein merkwürdiges Paradox.

00:12:44.000 --> 00:12:49.600
Auf der einen Seite, und das ist die gute Nachricht, eine gigantische Öffnung des kommunikativen Raumes.

00:12:50.000 --> 00:12:51.600
Wunderbar, ganz viele Menschen haben auf einmal eine Stimme.

00:12:52.000 --> 00:12:55.600
Nicht nur ich als ein Wissenschaftler, nicht nur Sie als eine Journalistin

00:12:56.000 --> 00:12:58.600
und das ist gut, das ist richtig gut.

00:12:59.000 --> 00:13:05.600
Dieser polyfone Chor, dieses sich zuschalten können, das Nicht-Hierarchische.

00:13:06.000 --> 00:13:08.600
Und auf der anderen Seite, neben dieser Öffnung des Kommunikationsraums,

00:13:09.000 --> 00:13:12.600
erleben wir eine gigantische Vermachtung, paradox genug, des Kommunikationsraumes,

00:13:13.000 --> 00:13:15.600
wie wir sie in der Mediengeschichte noch nie hatten.

00:13:16.000 --> 00:13:18.600
Eigentlich ist das eine Drift in Richtung eines digitalen Feudalismus.

00:13:19.000 --> 00:13:22.600
Ganz wenige Unternehmen, fast an einer Hand abzählbar,

00:13:23.000 --> 00:13:29.600
die unendlich viel Macht, politische Macht, mediale Macht, ökonomische Macht besitzen.

00:13:30.000 --> 00:13:31.600
Sarah Zerback: Inwieweit schwappt denn das aus dem digitalen Raum,

00:13:32.000 --> 00:13:36.600
was Sie beschreiben, die Echokammern, in die sich Menschen zurückziehen,

00:13:37.000 --> 00:13:40.600
die Mächtigen, die das ausnutzen, auch gerade in den analogen Diskursraum?

00:13:41.000 --> 00:13:44.600
Bernhard Pörksen: Nun, das lässt sich aus meiner Sicht gar nicht mehr so trennen.

00:13:45.000 --> 00:13:48.600
Wo wäre eigentlich der analoge Diskursraum?

00:13:49.000 --> 00:13:56.600
Ist der analoge Diskursraum noch da, wenn ich jetzt mit meinen Studierenden hier in der Sprechstunde zusammensitze

00:13:57.000 --> 00:14:00.600
und ein Smartphone auf dem Tisch auf einmal anfängt zu blinken?

00:14:01.000 --> 00:14:05.600
Ist der analoge Diskursraum noch da, wenn ich ein Seminar gebe über kommunikationspsychologische Fragen

00:14:06.000 --> 00:14:08.600
aber gleichzeitig die Notebooks aufgeklappt sind

00:14:09.000 --> 00:14:12.600
und ich merke, dass vielleicht nicht so ganz alle bei der Sache sind?

00:14:13.000 --> 00:14:16.600
Also aus meiner Sicht macht diese Unterscheidung immer weniger Sinn.

00:14:17.000 --> 00:14:23.600
Und ich erlebe es so, dass die Gefahr besteht,

00:14:24.000 --> 00:14:26.600
dass diese Überhitzung des Kommunikationsklimas,

00:14:27.000 --> 00:14:32.600
die gewiss unter vernetzten Bedingungen besonders intensiv ist, dass die übergreift.

00:14:33.000 --> 00:14:34.600
Es gibt jedoch ein Gegenbeispiel.

00:14:35.000 --> 00:14:40.600
Wir wissen aus der entsprechenden Forschung, wenn Menschen sich Zeit nehmen,

00:14:41.000 --> 00:14:44.600
Augenkontakt haben, die Ablenkungen ausgeschaltet sind,

00:14:45.000 --> 00:14:48.600
dann regieren tendenziell zivilere Formen der Kommunikation.

00:14:49.000 --> 00:14:57.600
Kurios, Renate Künast von den Grünen, für viele eine Hassfigur,

00:14:58.000 --> 00:15:03.600
sie hat furchtbare Zuschriften, E-Mails, Attacken in den sozialen Medien kassiert,

00:15:04.000 --> 00:15:05.600
die hat mal ein interessantes Experiment gemacht.

00:15:06.000 --> 00:15:09.600
Sie ist mit einer Spiegelredakteurin zusammen zu den schlimmsten Hatern nach Hause gefahren

00:15:10.000 --> 00:15:16.600
und hat gesagt, hallo, guten Tag, ich bin Renate Künast und sie haben dieses oder jenes,

00:15:17.000 --> 00:15:19.600
mag man gar nicht zitieren, so widerwärtig, über mich geschrieben.

00:15:20.000 --> 00:15:23.600
Und in aller Regel war die Reaktion folgendermaßen

00:15:24.000 --> 00:15:27.600
Ach Mensch, Renate, um Gottes Willen, ich hatte gar nicht geglaubt,

00:15:28.000 --> 00:15:29.600
das ist jemanden gibt, kommen Sie doch mal rein, können wir ein Selfie machen,

00:15:30.000 --> 00:15:32.600
Einladung zum Kaffee, was auch immer.

00:15:33.000 --> 00:15:41.600
Das heißt, der direkte, nicht-mediale Kontakt, das sich in die Augen blicken,

00:15:42.000 --> 00:15:47.600
ist ein Empathieförderungsprogramm par excellence.

00:15:48.000 --> 00:15:53.600
Aber diese Zonen der nicht von digitalen Medien durchdrungenen Kommunikation, die werden natürlich seltener.

00:15:54.000 --> 00:16:00.600
Ich muss allerdings hinzufügen, was ich jetzt sage, klingt furchtbar kulturpessimistisch und traurig und depressiv,

00:16:01.000 --> 00:16:07.600
für mich ist diese digitale Revolution wirklich vielschichtig.

00:16:08.000 --> 00:16:10.600
Ich rede ganz oft über ihren Schrecken, aber es gibt auch ihre Schönheit.

00:16:11.000 --> 00:16:14.600
Sarah Zerback: Wenn Sie sagen, es lässt sich auch eigentlich gar nicht mehr wirklich trennen,

00:16:15.000 --> 00:16:17.600
das Analoge, das Digitale, wie wir miteinander kommunizieren,

00:16:18.000 --> 00:16:22.600
was ist denn dann mit so einem konkreten Beispiel, wie zum Beispiel Familien, Freunde,

00:16:23.000 --> 00:16:27.600
die sich in der Corona-Zeit ja sehr auseinanderdividiert haben,

00:16:28.000 --> 00:16:31.600
vielleicht auch in der Familien-WhatsApp-Gruppe hat es sich total aufgeschaukelt,

00:16:32.000 --> 00:16:36.600
also im Prinzip, man hätte die Möglichkeit, sich in die Augen zu gucken, tut es vielleicht auch zwischendurch,

00:16:37.000 --> 00:16:39.600
und trotzdem gibt es da diese unglaublichen Verhärtungen.

00:16:40.000 --> 00:16:45.600
Was ist da Ihr Rat, was können die Menschen tun, um da wieder rauszukommen?

00:16:46.000 --> 00:16:50.600
Bernhard Pörksen: Nun, ich glaube, die Corona-Krise ist ein ungeheuer schwieriger Fall,

00:16:51.000 --> 00:16:59.600
weil sie so unmittelbar viele der Werte oder Wertidentitäten abgerufen, geweckt,

00:17:00.000 --> 00:17:05.600
in die Erregungsarena der Auseinandersetzung hineingezwungen hat.

00:17:06.000 --> 00:17:11.600
Ja, da waren Menschen, denen die eigene Freiheit absolut zentral erschien

00:17:12.000 --> 00:17:17.600
und da waren andere, die sagten, furchtbarer Egoismus, Sicherheit ist derart elementar.

00:17:18.000 --> 00:17:21.600
Ihr könnt doch nicht, ihr dürft doch nicht.

00:17:22.000 --> 00:17:25.600
Wir haben dann erlebt, dass einzelne Desinformationsprofis

00:17:26.000 --> 00:17:31.600
dieses Klima des Misstrauens systematisch befördert und befeuert haben.

00:17:32.000 --> 00:17:34.600
Wir haben also eine neue Macht von Desinformation erlebt.

00:17:35.000 --> 00:17:38.600
Und wir haben gleichzeitig erlebt, dass die Versöhnungschancen, die die Gesellschaft gehabt hätte,

00:17:39.000 --> 00:17:42.600
nicht wirklich wahrgenommen wurden, nicht ausreichend wahrgenommen wurden.

00:17:43.000 --> 00:17:45.600
Sarah Zerback: Da stellt sich ja einmal mehr die Frage,

00:17:46.000 --> 00:17:50.600
ob ich denn mit jedem und jeder diskutieren sollte, egal welche Position er oder sie vertritt

00:17:51.000 --> 00:17:51.600
oder muss man nicht auch manchmal sagen,

00:17:52.000 --> 00:17:55.600
also hier haben Diskussionsversuche dann auch keinen Sinn mehr.

00:17:56.000 --> 00:17:56.600
Wie sehen Sie das?

00:17:57.000 --> 00:17:59.600
Bernhard Pörksen: Ja, ich bin ja ein Anhänger eigentlich des Konkreten.

00:18:00.000 --> 00:18:03.600
Ich glaube gar nicht, dass es sozusagen universal anwendbare Kommunikationsrezepte gibt.

00:18:04.000 --> 00:18:07.600
Also ganz viele Leute schreiben jetzt Sachbücher "mit allen reden"

00:18:08.000 --> 00:18:12.600
oder auf keinen Fall "mit allen reden" und "mit Rechten reden" oder "nicht mit Rechten reden"

00:18:13.000 --> 00:18:15.600
und dann entsteht so ein endloses, aus meiner Sicht relativ sinnloses,

00:18:16.000 --> 00:18:19.600
Pingpong-Spiel des Diskurses anhand von zwei Extrempositionen.

00:18:20.000 --> 00:18:29.600
Ich persönlich glaube oder das Mantra meiner Kommunikationsanalyse lautet, der Kontext ist die Botschaft.

00:18:30.000 --> 00:18:30.600
Ich muss den Kontext studieren.

00:18:31.000 --> 00:18:38.600
Mit wem reden, in welcher Situation, in welcher Rolle, wer sind die beteiligten Personen, die beteiligten Institutionen?

00:18:39.000 --> 00:18:41.600
Und dann kann eine Antwort gefunden werden.

00:18:42.000 --> 00:18:44.600
Wenn Sie mich direkt fragen, würde ich mich mit einem Björn Höcke auf ein Podium setzen?

00:18:45.000 --> 00:18:45.600
Auf keinen Fall.

00:18:46.000 --> 00:18:47.600
Ich habe ihm wirklich zugehört.

00:18:48.000 --> 00:18:48.600
Ich kenne seine Bierzeltreden.

00:18:49.000 --> 00:18:52.600
Ich kenne die unerträgliche Verunglimpfung des Holocaust-Gedenkens.

00:18:53.000 --> 00:19:01.600
Ich habe nicht nur seine Bierzeltreden, sondern auch programmatische Aufsätze von ihm gelesen

00:19:02.000 --> 00:19:05.600
und ich würde sagen, ich habe ihm lange genug zugehört, um begründet sagen zu können:

00:19:06.000 --> 00:19:10.600
Hier ist ein extremistischer Ideologe unterwegs.

00:19:11.000 --> 00:19:17.600
Warum sollte ich mit dem reden und auf diese Weise eine Art Sympathiekundgabe formulieren?

00:19:18.000 --> 00:19:22.600
Ich möchte keinen einzigen Tag in der Höcke-Gesellschaft leben, die er sich herbei visioniert.

00:19:23.000 --> 00:19:24.600
Aber ich will vielleicht doch eines sagen,

00:19:25.000 --> 00:19:27.600
aus meiner Sicht sollte man natürlich die Zonen des Dialogischen,

00:19:28.000 --> 00:19:33.600
das Miteinanderreden so oft und so intensiv wie möglich versuchen.

00:19:34.000 --> 00:19:38.600
Und trotzdem leben wir in einer Zeit, in der es manchmal auch die klärende Konfrontation braucht,

00:19:39.000 --> 00:19:45.600
in der man Quatsch einfach Quatsch, Hass einfach Hetze, und Unsinn einfach Unsinn nennen muss.

00:19:46.000 --> 00:19:48.600
In der es nötig ist, das wusste schon der Freiheitsphilosoph Karl Popper,

00:19:49.000 --> 00:19:53.600
manchmal ist das keine schöne, keine elegante Lösung, intolerant gegenüber der Intoleranz zu sein.

00:19:54.000 --> 00:20:01.600
Mir schwebt so etwas vor, bis es soweit ist, was ich die "Zukunftstugend der respektvollen Konfrontation" nenne

00:20:02.000 --> 00:20:04.600
in diesem Buch mit Friedemann Schulz von Thun "Über die Kunst des Miteinanderredens".

00:20:05.000 --> 00:20:06.600
Die Zukunftstugend der respektvollen Konfrontation.

00:20:07.000 --> 00:20:08.600
Was meine ich damit?

00:20:09.000 --> 00:20:12.600
Sich nicht opportunistisch wegducken, sich nicht einfach nur innerlich die Ohren zu halten,

00:20:13.000 --> 00:20:19.600
sondern sagen, was zu sagen ist, aber ohne auf die pauschale Abwertung des ganzen Menschen einzusteigen.

00:20:20.000 --> 00:20:25.600
Also die Position womöglich scharf kritisieren, aber die Abwertung der gesamten Person,

00:20:26.000 --> 00:20:30.600
diese Charakterdefizitanalysen, die die Kommunikation nur verhärten,

00:20:31.000 --> 00:20:35.600
weißer alter Mann, hysterische Feministin, frustrierte Ostdeutsche, all dies unbedingt vermeiden.

00:20:36.000 --> 00:20:40.600
Sarah Zerback: Sie haben das ja vorhin schon ganz schön aufgezeigt, dass es einerseits eine Zeit ist,

00:20:41.000 --> 00:20:46.600
in der sich so viele Menschen so leicht an Diskursen beteiligen konnten wie wohl noch nie

00:20:47.000 --> 00:20:53.600
und gleichzeitig haben ja nun traditionelle Medien da auch ihre Gatekeeper-Funktion verloren,

00:20:54.000 --> 00:21:02.600
ohne dass vielleicht zeitgleich passiert ist, was so an Qualitätskriterien ausgemachte Sache ist,

00:21:03.000 --> 00:21:05.600
dass das auch dann in die sozialen Medien rüber geschwappt wäre.

00:21:06.000 --> 00:21:13.600
Sie selbst haben ja vor Jahren schon eine Utopie einer redaktionellen Gesellschaft gezeichnet,

00:21:14.000 --> 00:21:17.600
in der genau das eigentlich Sinn des Ganzen gewesen wäre.

00:21:18.000 --> 00:21:20.600
Muss man sagen, diese Utopie ist gescheitert?

00:21:21.000 --> 00:21:26.600
Bernhard Pörksen: Ja, also wenn man auf das Jetzt blickt, auf den Moment blickt,

00:21:27.000 --> 00:21:31.600
kann man eigentlich bei der Veränderung des Kommunikationsklimas

00:21:32.000 --> 00:21:34.600
und es liegt auch an den geopolitischen Machtverschiebungen,

00:21:35.000 --> 00:21:42.600
es liegt an dem zweiten Wahlsieg von Donald Trump, an Elon Musk, der sich Twitter/X gekauft hat

00:21:43.000 --> 00:21:46.600
und es in eine Jauchegrube verwandelt hat, kann man nur sagen,

00:21:47.000 --> 00:21:51.600
die redaktionelle Gesellschaft als eine Utopie, die doch in die Realität drängt,

00:21:52.000 --> 00:21:54.600
ist weiter von dieser Realität entfernt denn je.

00:21:55.000 --> 00:22:00.600
Aber idealerweise gelingt es, wenn die Bildungsanstrengung der offenen Gesellschaft entschieden genug ist,

00:22:01.000 --> 00:22:04.600
wertegeleitet genug, klug genug ist, dann gelingt es,

00:22:05.000 --> 00:22:08.600
doch Medienmündigkeit auf der Höhe der digitalen Zeit zu trainieren.

00:22:09.000 --> 00:22:11.600
Also ich hoffe, das ist eine Hoffnung, keine Gewissheit,

00:22:12.000 --> 00:22:15.600
dass wir in einer Übergangsphase einer laufenden Medienrevolution leben.

00:22:16.000 --> 00:22:17.600
Ich hoffe, dass wir uns daraus hinaus bewegen,

00:22:18.000 --> 00:22:21.600
dass wir sozusagen eine digitale Pubertät vernetzter Gesellschaft erleben.

00:22:22.000 --> 00:22:26.600
Aber wenn ich mir die täglichen Meldungen vor Augen führe

00:22:27.000 --> 00:22:32.600
und die gesamte Linie betrachte, muss ich sagen, das ist vielleicht naiv,

00:22:33.000 --> 00:22:37.600
dass das schnell geht und die Kräfte der Gegenaufklärung sind gewaltig.

00:22:38.000 --> 00:22:47.600
Es ist vielleicht auch naiv zu sagen, dass es selbst in einer längeren Perspektive von 10, 20, 30 Jahren gelingt.

00:22:48.000 --> 00:22:53.600
Denn wir erleben einen gesellschaftlichen Rollback, wir erleben den Aufstieg des Populismus in vielen Ländern der Welt,

00:22:54.000 --> 00:22:58.600
wir erleben eine neue Macht von Desinformation und wir erleben das Gegenteil von dem, was ich mir vorstelle.

00:22:59.000 --> 00:23:04.600
Also der Grundgedanke der redaktionellen Gesellschaft, Journalismus ist viel mehr als ein Beruf,

00:23:05.000 --> 00:23:07.600
es ist auch eine Kulturtechnik, nämlich die Unterscheidung von Fakt und Funktion,

00:23:08.000 --> 00:23:12.600
von Relevanz und Irrelevanz, von guten und schlechten Argumenten in einer Zeit,

00:23:13.000 --> 00:23:17.600
in der jeder zum Sender geworden ist, sollte diese Kulturtechnik auch jedem zur Verfügung stehen.

00:23:18.000 --> 00:23:18.600
Also das ist die redaktionelle Gesellschaft,

00:23:19.000 --> 00:23:25.600
dass das journalistische Denken eigentlich zu einem Element der Allgemeinbildung geworden ist.

00:23:26.000 --> 00:23:27.600
Prüfe erst, publiziere später, höre auch die andere Seite,

00:23:28.000 --> 00:23:30.600
mache ein Ereignis nicht größer als es ist, analysiere deine Quellen.

00:23:31.000 --> 00:23:33.600
Das wären doch schon mal ein paar Prinzipien.

00:23:34.000 --> 00:23:35.600
Ich sage nicht, das ist der Weisheit letzter Schluss.

00:23:36.000 --> 00:23:39.600
Wenn jemand anderes einen besseren Vorschlag hat, wunderbar, herzlich willkommen.

00:23:40.000 --> 00:23:43.600
Das ist das, was mir eingefallen ist, weil ich in einem früheren Leben mal journalistisch gearbeitet habe,

00:23:44.000 --> 00:23:49.600
ist mir aufgefallen, dass hier eigentlich eine konkrete, praktische Kommunikationsethik für die Allgemeinheit zur Verfügung steht.

00:23:50.000 --> 00:23:53.600
Ich bin der festen Überzeugung, dass es auch auf den Journalismus ankommt.

00:23:54.000 --> 00:23:59.600
Also der seriöse Journalismus der Zukunft wird transparent sein und dialogisch sein oder er wird nicht sein.

00:24:00.000 --> 00:24:06.600
Er muss ja schon aus Eigeninteresse einen Pakt zu dem längst medienmächtig gewordenen Publikum suchen

00:24:07.000 --> 00:24:09.600
und er sollte sich erklären und wieder erklären.

00:24:10.000 --> 00:24:15.600
Also die Aufklärungsarbeit über die eigene Arbeit als einen Zweitjob begreifen.

00:24:16.000 --> 00:24:20.600
Also wir wissen, Vertrauen entsteht auch durch die Auflösung von Intransparenz.

00:24:21.000 --> 00:24:25.600
Viele Menschen haben keine Ahnung oder wissen gar nicht, wie in den Medien, wie im Journalismus eigentlich gearbeitet wird.

00:24:26.000 --> 00:24:32.600
Und hier sozusagen auch journalistische Dialogorientierung,

00:24:33.000 --> 00:24:37.600
journalistische Transparenz ist ein Beitrag zur Medienmündigkeit in der Breite der Gesellschaft.

00:24:38.000 --> 00:24:43.600
Man darf ja träumen in einem solchen Podcast wie dem Ihren, das wäre der Traum.

00:24:44.000 --> 00:24:45.600
Sarah Zerback: Bernhard Pörksen, vielen Dank für das Interview.

00:24:46.000 --> 00:24:47.600
Bernhard Pörksen: Ich danke Ihnen, es war ein Vergnügen.

00:24:48.000 --> 00:24:50.600
*Musik*

00:24:51.000 --> 00:24:57.600
Sarah Zerback: Wie genau unsere Diskurskultur aufs gesellschaftliche Zusammenleben wirkt, ist schwer konkret festzumachen.

00:24:58.000 --> 00:25:00.600
Während sich Debatten vor allem auf Social Media zuspitzen

00:25:01.000 --> 00:25:03.600
und auch der Ton in den Parlamenten deutlich rauer geworden ist,

00:25:04.000 --> 00:25:11.600
sind die Zahlen politisch motivierter Gewalttaten von 2023 zu 2024 um 40 Prozent gestiegen.

00:25:12.000 --> 00:25:17.600
Auch die Zahl der Angriffe auf Politikerinnen und Politiker ist in diesem Zeitraum um fast 20 Prozent gestiegen.

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Das „Kompetenznetzwerk gegen Hass im Netz“ hat 2024 in einer Studie festgestellt,

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dass sich mehr als die Hälfte der Befragten aus Angst vor den Konsequenzen

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online seltener zur eigenen politischen Meinung bekennt.

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Mehr als drei Viertel der Befragten waren besorgt, dass durch Hass im Netz auch die Gewalt im Alltag zunimmt.

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Saba-Nur Cheema: Wenn man 2025 als öffentliche Person sich in Debatten engagiert,

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wenn man da mitmacht, dann muss man auch davon ausgehen,

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kann man sagen, leider, aber so ist es, dass man nicht nur Kritik, sondern Hass und Hetze erlebt.

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Sarah Zerback: Das sagt Saba-Nur Cheema.

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Sie ist Politologin und Publizistin und arbeitet für die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt.

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Saba-Nur Cheema: Ja, man bekommt viel Diffamierung, viel Abwertung

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und ich versuche das jetzt nicht klein zu reden, aber doch zu sagen, es gehört dazu.

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Es ist keine schöne Sache, das stimmt und gleichzeitig überwiegen die positiven Nachrichten,

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es überwiegt das Interesse und es überwiegt auch die konstruktive Kritik.

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Sarah Zerback: Gemeinsam mit ihrem Mann Meron Mendel schreibt Saba-Nur Cheema die Kolumne

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„Muslimisch-jüdisches Abendbrot“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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Den Beiden geht es in der Kolumne und in ihrer Arbeit generell darum,

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Vorurteile und Polarisierung abzubauen, besonders in Hinblick auf antisemitische und rassistische Diskriminierung.

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Der Nahostkonflikt spielte dabei schon immer eine große Rolle.

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Gerade seit dem . Oktober 2023, dem Massaker der Hamas in Israel

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und dem seitdem andauernden Krieg Israels gegen Gaza,

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ist der deutsche Diskurs um den Nahostkonflikt sehr polarisiert.

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Die Polarisierung, die hier sichtbar wird, ist aber nicht neu, sagt Saba-Nur Cheema.

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Saba-Nur Cheema: Die Nahostdebatte, das heißt die Debatte über den israelisch-palästinensischen Konflikt,

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ist schon immer eine, die sehr stark emotional geführt wird,

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die immer auch schon in so einer Logik funktioniert, es gäbe zwei Lager,

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sehr zugespitzt formuliert: entweder bist du pro-israelisch oder pro-palästinensisch.

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Letztlich polarisiert sie so wie auch viele andere Debatten.

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Der Soziologe Stefan Mau spricht ja von Triggerpunkten in seiner Analyse,

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in der er über die Migrationsdebatte spricht, über die Klimadebatte und Diversität und so weiter.

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Und ich würde sagen, die Nahostdebatte reiht sich da an sich erstmal ein.

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Und ich glaube, das Entscheidende ist, dass es in dieser polarisierten Debatte darum geht,

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dass der andere, die andere Position diffamiert wird.

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Also sie wird diffamiert, sie wird abgewertet und die eigene Position gilt als die moralisch richtige.

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Und das ist etwas, was natürlich absolut fern von einer konstruktiven Diskurs- und Streitkultur ist,

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weil im Idealfall geht es in einem Streit, in einer Diskussion darum, die andere Perspektive sich anzuhören,

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sie auch anzuerkennen, auch wenn man nicht der eigenen Meinung ist.

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Sarah Zerback: Dass die Debatte in den vergangenen 20 Monaten als besonders polarisiert wahrgenommen wurde,

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liegt auch daran, dass Medien immer wieder extreme Positionen in den Vordergrund stellen.

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Diese Positionen sind von selektiver Empathie gekennzeichnet,

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die sich nur auf je eine betroffene Gruppe bezieht und damit klar pro-palästinensisch oder pro-israelisch sind.

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Saba-Nur Cheema: Es fehlen die ganzen anderen Positionen.

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Es fehlen Positionen, die ein Angebot machen, pro-israelisch und pro-palästinensisch zu sein.

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Zu sagen, natürlich der Staat Israel soll und muss existieren und er muss geschützt werden und verteidigt werden

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und die Palästinenser haben ein Selbstbestimmungsrecht und sie haben auch ein Recht auf einen Staat.

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Und die Hamas steht dem im Weg und die Palästinenser selbst werden aber nie zu einer Selbstbestimmung kommen,

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wenn sie jetzt gerade vertrieben werden.

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Und das ist möglich, aber wir hören davon zu wenig.

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Sarah Zerback: Solche Positionen haben auch auf Social Media nur sehr schlechte Chancen, durchzukommen.

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Saba-Nur Cheema: Die sozialen Medien, das muss man verstehen,

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sie sind qua Logik so aufgebaut, dass sie nur polarisieren können.

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Also wer denkt, dass wir in den sozialen Netzwerken Medien konstruktive, politische Bildung

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oder irgendwie Narrative verbreiten können, die eben entgegen dieser Polarisierung wirken,

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der täuscht sich so ein bisschen in dem, wie einfach diese Algorithmen funktionieren.

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Mir werden immer mehr Sachen vorgeschlagen, die genau das Bild wiedergeben von dem Video,

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zum Beispiel, was ich gerade gesehen habe.

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Also wenn ich mir ein Bild anschaue aus Gaza, hungernde Menschen, getötete Kinder und so weiter,

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dann werden mir immer mehr solche Videos vorgeschlagen.

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Ich habe das Gefühl, das ist das einzige, was existiert.

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Und auf der anderen Seite, wenn ich mir anschaue, irgendwie israelische Bevölkerung geht immer wieder in die Bunker,

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es gibt immer mehr Bomben und so weiter, es geht um die Geiseln,

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dann werde ich auch noch nur diese Realität mitbekommen.

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Und das Entscheidende ist, es sind gleichzeitige Realitäten, es geht gar nicht darum,

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dass irgendwas falsch ist, aber ich kriege das nicht mehr zusammen.

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Ich seh nur noch mal das eine.

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Ich glaube, das muss man einfach auch verstehen, um dann auch zu verstehen, wie es sein kann,

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dass auch andere Debatten rund um Gender, Migration, Islam etc. auch dazu führen,

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dass wir das Gefühl haben, es gibt nur Pro und Contra oder sozusagen immer nur diese zwei sich gegenüberstehenden Positionen,

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obwohl vermutlich viele, viele Menschen eigentlich diese Grautöne sehen.

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SarahZerback: Saba-Nur Cheema möchte Menschen darin bestärken, ihre Haltung in den Zwischentönen zu behaupten.

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Auch darum sind echte Begegnungen wichtig.

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In den vergangenen Monaten waren Cheema und ihr Mann auf Lesereise für ihr neues Buch

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an ganz verschiedenen Orten und haben mit diversen Gruppen gesprochen.

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In muslimischen Communities, bei jüdischen Gruppen, in Kunst- und Kulturzentren, an Hochschulen.

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Saba-Nur Cheema: Wer ein bisschen sich auskennt in der Debatte weiß,

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dass in der muslimischen Community wahrscheinlich vor allem die pro-palästinensische Perspektive dominiert

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und in jüdischen Gruppen, die wir besucht haben, vor allem eine israelIsrael-solidarische Haltung.

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Und das geht ja beides häufig sehr damit einher,

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dass man die anderen irgendwie bisschen ausblendet oder ganz bewusst nicht sehen möchte, wie auch immer.

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Und uns geht es häufig darum, dann Empathie für die andere Seite auch zu vermitteln und auch zu thematisieren.

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Sarah Zerback: Als Vermittlungsarbeit würde Saba-Nur Cheema ihre Arbeit aber nicht bezeichnen.

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Saba-Nur Cheema: Also Vermittlung hat sowas von „Brücken bauen".

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Wir möchten unbedingt, dass verschiedene Gruppen sich miteinander verstehen.

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Darum geht es mir nicht, weil es manchmal auch so klingen kann, naja, egal welche Meinungen wir haben,

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wir können irgendwie zusammen miteinander irgendwie doch funktionieren.

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Ich glaube, das geht in eine andere Richtung.

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Mir und uns ist es wichtig, eine Debatte zu führen, die an humanistischen Werten orientiert ist.

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Das kann bedeuten, dass Positionen in bestimmten Gruppen wir auch für absolut falsch erklären.

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Das kann natürlich auch sein, ja.

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Also es geht nicht darum, immer das Beste irgendwo rauszuziehen und zu sagen,

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naja, da finden wir uns irgendwie wieder, sondern eine Perspektive stark zu machen,

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die auch die Menschen vor Ort und die Realität der Menschen vor Ort mit einbezieht.

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Ich würde sagen, das provoziert häufig Menschen, mit denen wir reden.

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Wir hatten schon Veranstaltungen gehabt, wo Menschen uns angeschrien haben, eine Frau hat angefangen zu weinen mal.

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Wir wurden auch schon mal ordentlich wütend beschimpft bei jemandem und so weiter.

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Also sowas gibt es, aber die Mehrheit, das würde ich jetzt sagen,

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ohne eine Auswertung gemacht zu haben, sind eigentlich Menschen,

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die vor allem daran interessiert sind, eine Debatte zu führen, die eben nicht einseitig ist.

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Sarah Zerback: Gerade die sehr extremen Positionen, die in der öffentlichen Debatte viel Raum haben,

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können in solchen Gesprächen in den Hintergrund treten.

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Und die Wirkung solcher Gespräche ist manchmal größer als erwartet.

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Vor einer Weile waren Cheema und Mendel zum Beispiel bei einem Pro-Palästina-Camp an der Uni in Frankfurt.

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Meron Medel hat dort eine lange, kontroverse Diskussion mit den Studierenden geführt.

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Saba-Nur Cheema: Es ist nicht so, dass am Ende wir das Gefühl hatten, das hat jetzt was gebracht.

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Man hat diskutiert, Positionen auf den Tisch gebracht und dann ist man auseinandergegangen.

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Ja, ein paar Wochen später, wir standen im ICE, waren auf dem Weg zu einer nächsten Lesung

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und dann kam einer der Studenten, die an dem Tag wohl auf dem Camp waren

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und diese Diskussion verfolgt haben, ist zu Meron und hat ihm dann gedankt dafür,

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dass er da war, dass er das total interessant fand

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und dass dieses Gespräch mit ihm dazu geführt hat,

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dass sie in der Gruppe danach total kontrovers diskutiert haben.

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Das war schon was Besonderes, weil in dem Moment denkt man, okay, es ist vielleicht auch nicht so ganz umsonst.

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Also das heißt, gerade in Gruppen, wo man das Gefühl hat, hier kommt man nicht weiter,

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das sind so hermetisch abgeriegelte Gruppen, hier gibt es keinen Raum für andere Perspektiven,

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es stimmt halt nicht.

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Es sind sogar auch in diesen kleinen Gruppen dann auch häufig die Wenigen,

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die dann irgendwie die lautesten sind und uns das Gefühl geben, so tickt hier die ganze Gruppe.

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Und reden hilft.

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Das ist so simpel und so banal zu sagen.

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Aber es ist tatsächlich das, was unsere Erfahrung gerade ist.

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Also ansprechen, darüber sprechen, manchmal wirkt das nach.

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Es irritiert aber Menschen, und Irritation, das weiß man sehr gut aus der pädagogischen Arbeit,

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ist häufig so ein erster Moment, um andere Perspektiven vielleicht irgendwann auch anzuerkennen.

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Also Irritation als ein Moment der Veränderung.

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Sarah Zerback: Häufig wird  Saba-Nur Cheema die Frage gestellt,

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wo für sie die „roten Linien“ sind, an welcher Stelle ein Gespräch endet.

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Für sie ist es dann soweit, wenn körperliche Aggression im Spiel ist,

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ansonsten führt sie ein Gespräch weiter.

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Saba-Nur Cheema: Vielleicht hätte ich diese Frage vor drei, vier Jahren anders beantwortet

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und hätte gesagt, nee, da geht es nicht mehr weiter.

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Wenn jemand sagt, Israel darf nicht existieren, werde ich nicht mehr weiterreden.

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Aber die Debatte nach dem . Oktober ist so unversöhnlich, die ist so...

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ja, und es ist auch bitter, es ist auch bitter zu sehen, wie viel auch junge Erwachsene und Jugendliche mit Desinformationen,

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falschen Geschichtsdarstellungen konfrontiert sind, sodass ich denke, nein,

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das ist keine Option mehr zu sagen, mit dem rede ich nicht mehr, weil das passt mir nicht.

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Ich glaube, dass, also gerade in Zeiten von Desinformationen,

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also wo nicht nur Jugendliche, insgesamt wir alle überflutet werden mit falschen Informationen über Realitäten,

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die einfach ganz anders sind, über Politik und so weiter und so fort,

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ist der einzige Weg, den wir haben, die Face-to-Face-Konfrontation.

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Insofern hab ich mich komplett von dieser Logik sozusagen des Verdachts,

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der andere ist jetzt böse oder sowas, verabschiedet.

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Das heißt nicht, dass ich jetzt naiv durch die Welt renne oder sowas,

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aber ich gehe mit einem ganz anderen Blick in solche Gespräche rein.

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Sarah Zerback: Nur so wird auch eine bessere Diskurs- und Streitkultur möglich und die ist wichtig.

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Saba-Nur Cheema: Wir müssen viel mehr streiten und wir müssen auf eine Art streiten,

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die uns dazu bringt, dass wir nicht demotiviert sind.

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Damit will ich sagen, streiten ohne Abwertung.

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Also klare Haltung zeigen ohne Härte.

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Dinge ansprechen, obwohl sie komplex sind, aber zu versuchen, sie nicht zu simplifizieren.

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Also, es ist irgendwie möglich, das zu tun, es ist auf jeden Fall möglich, diese Gespräche zu führen,

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ohne den anderen oder bestimmte Gruppen eben als illegitim in ihrer Existenz

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oder in ihrer Position wie auch immer zu erklären.

00:37:07.000 --> 00:37:13.600
Deshalb müssten wir nicht nur mehr streiten, sondern wir müssten auch lernen, wie wir besser und mehr streiten können.

00:37:14.000 --> 00:37:17.600
*Musik*

00:37:18.000 --> 00:37:18.600
Sarah Zerback: Was wir also mitnehmen können

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1. Das Ringen um Gegensätze und die Disharmonie gehören zur Demokratie dazu,

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das hat Bernhard Pörksen erklärt.

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2. Dieses Ringen ist schwieriger geworden,

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weil ein Teil des öffentlichen Diskurses heute auf Social-Media-Plattformen stattfindet.

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Deren Logiken sind nicht auf Verständigung ausgelegt, sondern auf Streit und Krawall.

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Davon bleiben auch die übrigen Medien und die Öffentlichkeit nicht unberührt.

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3. Die direkte Begegnung unterschiedlicher Standpunkte und gutes Streiten ohne Abwertung

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und mit Empathie sind wichtig, gerade um die Polarisierung des digitalen Raumes abzufangen.

00:37:54.000 --> 00:37:57.600
Dass das nicht aussichtslos ist, hat Saba-Nur Cheema unterstrichen.

00:37:58.000 --> 00:38:00.600
*Musik*

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Das war „Aus Politik und Zeitgeschichte“.

00:38:04.000 --> 00:38:07.600
In unserem Heft mit dem Titel „Diskurskultur“ können Sie noch mehr zum Thema lesen.

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Den Link dazu finden Sie in den Shownotes.

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Wir freuen uns natürlich über Feedback zu diesem Podcast.

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Fragen, Lob, aber auch Kritik können Sie uns schicken an apuz@bpb.de.

00:38:19.000 --> 00:38:22.600
In sechs Wochen erscheint die nächste Folge zum Thema „Geschichte des Westens“,

00:38:23.000 --> 00:38:27.600
die wir parallel zum Deutschen Historikertag live in Bonn aufzeichnen werden.

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Gäste sind beim Live-Podcast herzlich willkommen.

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Weitere Infos finden Sie in den Shownotes.

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Mein Name ist Sarah Zerback, bis zum nächsten Mal.

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*Musik*

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Der Podcast „Aus Politik und Zeitgeschichte“ wird von der APuZ-Redaktion in Zusammenarbeit mit hauseins produziert.

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Redaktion für diese Folge: Gina Enslin, Sascha Kneip und Isabel Röder.

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Produktion: Oliver Kraus. Musik: Joscha Grunewald. Am Mikrofon war Sarah Zerback.

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Die Folgen stehen unter der Creative Commons Lizenz

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und dürfen unter Nennung der Herausgeberin zu nichtkommerziellen Zwecken weiterverbreitet werden.