WEBVTT

00:00:00.000 --> 00:00:02.500
*Musik*

00:00:02.500 --> 00:00:08.800
Ob es um die Betreuung in der Kita geht, um die Pflege in Krankenhäusern oder darum, wer das Dach repariert.

00:00:08.800 --> 00:00:13.800
An vielen Stellen im Alltag merken wir jetzt schon, wie knapp Fachkräfte in Deutschland sind.

00:00:13.800 --> 00:00:17.900
Und in den kommenden Jahren könnte sich dieser Trend gravierend verstärken.

00:00:17.900 --> 00:00:23.500
Das schadet der Wirtschaft und es führt dazu, dass Unternehmen und Angestellte überlastet sind.

00:00:23.500 --> 00:00:25.700
Was kann man dagegen tun?

00:00:25.700 --> 00:00:27.600
*Musik*

00:00:27.600 --> 00:00:31.900
Sie hören den Podcast „Aus Politik und Zeitgeschichte“ und ich bin Sarah Zerback.

00:00:31.900 --> 00:00:35.600
Für diese Folge habe ich mit dem Wirtschaftswissenschaftler Enzo Weber gesprochen,

00:00:35.600 --> 00:00:39.100
der für uns die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt analysiert.

00:00:39.100 --> 00:00:43.100
Michael Hüther leitet das Institut der Deutschen Wirtschaft und er erklärt,

00:00:43.100 --> 00:00:46.300
wie wir zu mehr Produktivität kommen könnten.

00:00:46.300 --> 00:00:50.000
Und was es bringt, wenn Frauen stärker am Arbeitsmarkt teilhaben.

00:00:50.000 --> 00:00:54.700
Darauf schauen mit der Wirtschaftswissenschaftlerin Katharina Wrohlich.

00:00:54.700 --> 00:00:56.500
Wenn Sie sich nach dem Hören tiefer mit dem Thema befassen wollen,

00:00:56.500 --> 00:01:02.500
finden Sie die passende Zeitschrift zum „Fachkräftemangel“ auf bpb.de/apuz.

00:01:02.500 --> 00:01:05.900
Und übrigens: Es gibt zu jeder Folge ein Transkript.

00:01:05.900 --> 00:01:09.500
Sie finden es in der bpb-Mediathek oder als Link in den Shownotes.

00:01:09.500 --> 00:01:24.900
*Musik*

00:01:24.900 --> 00:01:30.200
Das klingt erstmal paradox: In Deutschland arbeiten so viele Menschen wie nie zuvor

00:01:30.200 --> 00:01:34.500
und trotzdem fehlen für rund 1,7 Millionen Jobs die richtigen Leute.

00:01:34.500 --> 00:01:41.200
Das betrifft vor allem Pflege und Kinderbetreuung, das Handwerk und auch die Bau- und IT-Branche.

00:01:41.200 --> 00:01:46.200
Jobs und Arbeitsuchende scheinen also nicht richtig zusammenzupassen.

00:01:46.200 --> 00:01:50.500
Wie wir in diese Situation gekommen sind, das wollte ich von Enzo Weber wissen.

00:01:50.500 --> 00:01:54.500
Er leitet den Forschungsbereich „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“

00:01:54.500 --> 00:01:59.600
am Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg.

00:01:59.600 --> 00:02:02.500
Das ist eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit.

00:02:02.500 --> 00:02:07.300
Und Enzo Weber ist außerdem Professor an der Universität Regensburg.

00:02:07.300 --> 00:02:10.500
*Musik*

00:02:10.500 --> 00:02:11.600
Sarah: Schönen guten Tag, Herr Weber.

00:02:11.600 --> 00:02:14.200
Weber: Hallo, ich grüße Sie. Schön, dabei zu sein.

00:02:14.200 --> 00:02:16.800
Sarah: Fangen wir doch vielleicht mal so ein bisschen bei Adam und Eva an,

00:02:16.800 --> 00:02:18.600
was ist denn überhaupt eine Fachkraft?

00:02:18.600 --> 00:02:19.700
Bin ich eine Fachkraft?

00:02:19.700 --> 00:02:20.800
Sind Sie eine Fachkraft?

00:02:20.800 --> 00:02:22.200
Definieren Sie das doch mal für uns?

00:02:22.200 --> 00:02:24.900
Weber: Das kann man verschieden definieren.

00:02:24.900 --> 00:02:30.300
Normalerweise würde man wahrscheinlich sagen, eine Fachkraft ist ein Beschäftigter,

00:02:30.300 --> 00:02:33.500
der oder die über eine berufliche Ausbildung verfügt,

00:02:33.500 --> 00:02:37.400
also auf jeden Fall einen Berufsabschluss hat, aber auch keinen akademischen Abschluss.

00:02:37.400 --> 00:02:40.500
Das ist so im Jargon eine Fachkraft.

00:02:40.500 --> 00:02:45.400
Manchmal werden auch alle darunter verstanden, die irgendeine berufliche Qualifikation haben.

00:02:45.400 --> 00:02:48.900
Aber meistens ist es so das mittlere Qualifikationsniveau.

00:02:48.900 --> 00:02:51.700
Sarah: Und an denen mangelt's jetzt in Deutschland.

00:02:51.700 --> 00:02:56.200
Die Überschriften lesen wir ständig in den Zeitungen, aber gleichzeitig lesen wir auch,

00:02:56.200 --> 00:02:59.000
dass wir 42 Millionen Beschäftigte in Deutschland haben.

00:02:59.000 --> 00:03:01.300
Das wiederum ist ein Rekordwert.

00:03:01.300 --> 00:03:02.600
Wie passt das zusammen?

00:03:02.600 --> 00:03:04.100
Das klingt ja erst mal nicht nach Fachkräftemangel.

00:03:04.100 --> 00:03:08.200
Weber: Ja, wir haben in der Tat so viele Beschäftigte wie noch nie heute.

00:03:08.200 --> 00:03:12.800
Das heißt, wir haben keinen Fachkräftemangel, der irgendwie daher rühren würde,

00:03:12.800 --> 00:03:15.200
dass uns die Leute abhanden gekommen sind.

00:03:15.200 --> 00:03:17.900
Ganz im Gegenteil, wir haben Rekordbeschäftigung.

00:03:17.900 --> 00:03:23.600
Das heißt, wir sind eigentlich auch teilweise Opfer des eigenen Erfolgs geworden,

00:03:23.600 --> 00:03:27.400
in den 2000er Jahren, da hatten wir noch Massenarbeitslosigkeit.

00:03:27.400 --> 00:03:30.700
Seitdem ist der Arbeitsmarkt aber stetig bergaufgegangen,

00:03:30.700 --> 00:03:36.500
immer mehr Jobs, immer mehr Jobs und heute sind wir eben noch nicht bei Vollbeschäftigung,

00:03:36.500 --> 00:03:40.400
aber doch zumindest deutlich näher dran und das bedeutet aber eben auch,

00:03:40.400 --> 00:03:46.700
dass zusätzliche Leute dann entsprechend schwieriger zu bekommen sind und das spüren wir jetzt.

00:03:46.700 --> 00:03:48.800
Arbeitskräfte sind sehr viel knapper geworden,

00:03:48.800 --> 00:03:53.200
weil der Bedarf an Arbeitskräften einfach enorm gestiegen ist.

00:03:53.200 --> 00:03:56.300
Eine mögliche Lücke, die wird erst in der Zukunft kommen.

00:03:56.300 --> 00:03:59.900
Also wir wissen ja, die Babyboomer-Generation, die scheidet jetzt aus.

00:03:59.900 --> 00:04:04.500
Die nachfolgenden Generationen sind sehr viel kleiner wegen der niedrigen Geburtenrate.

00:04:04.500 --> 00:04:13.600
Deswegen werden wir alleine aus Alterungsgründen bis 2035 ein Minus von 7 Millionen Arbeitskräften in Deutschland haben.

00:04:13.600 --> 00:04:16.600
Das kann man natürlich ausgleichen durch Migration oder dadurch,

00:04:16.600 --> 00:04:19.500
dass sich Menschen noch stärker am Arbeitsmarkt beteiligen,

00:04:19.500 --> 00:04:23.500
das geht alles, aber das setzt erst mal die Latte, über die wir rüber müssen.

00:04:23.500 --> 00:04:25.700
Sarah: Das ist jetzt erstmal die Prognose.

00:04:25.700 --> 00:04:28.900
Dann lassen Sie uns auch erstmal drüber sprechen, bevor wir über mögliche Lösungen reden,

00:04:28.900 --> 00:04:33.700
in welchen Branchen, in welchen Bereichen wir das besonders spüren werden.

00:04:33.700 --> 00:04:36.800
Weber: Das Wesentliche an der Situation jetzt ist,

00:04:36.800 --> 00:04:39.900
das ist also nicht mehr nur ein Phänomen von einzelnen Bereichen,

00:04:39.900 --> 00:04:44.000
sondern die Knappheit, die spürt man in ganz vielen Branchen,

00:04:44.000 --> 00:04:47.700
aber es gibt so bestimmte Schwerpunkte, wo es ganz besonders knapp ist.

00:04:47.700 --> 00:04:49.800
Also das ist zum Beispiel die Pflege.

00:04:49.800 --> 00:04:52.900
Da steigt auch einfach der Bedarf aufgrund der Alterung enorm.

00:04:52.900 --> 00:04:56.700
Oder das ist auch die Erziehung, da steigt der Bedarf wegen des Kitaausbaus

00:04:56.700 --> 00:04:59.200
und einfach des gesellschaftlichen Wandels,

00:04:59.200 --> 00:05:02.300
dass Kinder heute viel häufiger auch in Krippen betreut werden

00:05:02.300 --> 00:05:07.400
und dann steht ja auch noch die Ganztagesbetreuung im Grundschulalter jetzt bevor.

00:05:07.400 --> 00:05:13.300
Oder in der IT, da ist es enorm eng, weil die Digitalisierung einfach immer weiter voranschreitet.

00:05:13.300 --> 00:05:15.400
Im Handwerk jetzt mit der Energiewende.

00:05:15.400 --> 00:05:19.500
Also die ganze Klimatechnik, die ganze Elektrotechnik und so weiter.

00:05:19.500 --> 00:05:22.500
Und nach Corona haben wir auch festgestellt,

00:05:22.500 --> 00:05:27.400
dass viele Branchen, die da einfach Federn gelassen haben, ihre Lücken wieder füllen wollten.

00:05:27.400 --> 00:05:33.000
Die Gastronomie zum Beispiel, also auch da ist es dann zumindest kurzfristig eng geworden.

00:05:33.000 --> 00:05:38.300
Sarah: Sie sagen, wir spüren das schon, diese besonderen Branchen, die sie genannt haben, spüren das.

00:05:38.300 --> 00:05:43.800
Was heißt das denn für die Betriebe, aber auch für die deutsche Wirtschaft insgesamt?

00:05:43.800 --> 00:05:47.100
Weber: Für die Betriebe ist das eine große Herausforderung.

00:05:47.100 --> 00:05:51.200
Also die sehen sich jetzt wirklich einer starken Arbeitskräfte-Knappheit gegenüber

00:05:51.200 --> 00:05:54.000
und dementsprechend haben alle damit zu tun,

00:05:54.000 --> 00:05:59.000
ihren Arbeitskräftebedarf irgendwie dann auch entsprechend mit Einstellungen zu bedenken

00:05:59.000 --> 00:06:02.900
und das ist sehr viel schwieriger geworden als früher.

00:06:02.900 --> 00:06:07.500
Klar, zu Zeiten der Massenarbeitslosigkeit, da war das nicht das wesentliche Problem.

00:06:07.500 --> 00:06:12.400
Und dementsprechend ist das aber auch nicht nur eine Negativentwicklung,

00:06:12.400 --> 00:06:18.100
sondern, wenn wir Richtung Vollbeschäftigung wollen, dann müssen wir auch akzeptieren,

00:06:18.100 --> 00:06:23.100
dass unter dieser Situation dann zusätzliche Arbeitskräfte schwer zu bekommen sind

00:06:23.100 --> 00:06:26.800
und dass man wirklich in einen starken Wettbewerb gehen muss.

00:06:26.800 --> 00:06:31.300
Das genau kann aber die Chance sein, denn heute reden wir zum Beispiel darüber,

00:06:31.300 --> 00:06:34.100
wie können wir Ältere möglichst lange im Job halten.

00:06:34.100 --> 00:06:39.100
Wir reden darüber, wie können wir Erwerbskarrieren von Frauen stärken.

00:06:39.100 --> 00:06:44.000
Wir reden darüber, wie können wir wirklich eine offene Migrationspolitik betreiben

00:06:44.000 --> 00:06:46.600
und auch die Menschen dann sehr gut integrieren.

00:06:46.600 --> 00:06:50.200
Das heißt, überall überlegen wir, wie können wir denn Potenziale heben,

00:06:50.200 --> 00:06:55.200
die wir, wenn wir ehrlich sind, lange und oft haben links liegen lassen.

00:06:55.200 --> 00:07:01.900
Sie beschreiben jetzt gerade, dass das idealerweise über eine Wettbewerb um die besten Arbeitskräfte führen kann,

00:07:01.900 --> 00:07:05.100
dass da theoretisch jetzt zumindest schon mal im Diskurs drüber geredet wird.

00:07:05.100 --> 00:07:09.900
Ist das denn so, dass das auch gerade schon passiert, dass die Unternehmen sich da gegenseitig versuchen zu überbieten?

00:07:09.900 --> 00:07:16.200
Weber: Wir sehen schon deutliche Reaktionen am Arbeitsmarkt auf diese Arbeitskräfteknappheit.

00:07:16.200 --> 00:07:20.900
Also beispielsweise ist die Entlassungsquote enorm niedrig und das,

00:07:20.900 --> 00:07:23.500
obwohl wir im Moment einen Wirtschaftsabschwung haben.

00:07:23.500 --> 00:07:25.900
Das heißt, die Leute sind so knapp geworden,

00:07:25.900 --> 00:07:29.900
dass die Betriebe die Leute einfach an Bord halten und nicht mehr gehen lassen,

00:07:29.900 --> 00:07:35.400
weil sie genau wissen, wenn sie jemanden gehen lassen, dann kriegen sie die Stelle vielleicht nicht mehr besetzt.

00:07:35.400 --> 00:07:41.300
Gleichzeitig sehen wir die Beteiligung von Älteren am Arbeitsmarkt ist enorm gestiegen,

00:07:41.300 --> 00:07:49.300
also im Jahr 2000, da waren von den 60 bis 64-jährigen vielleicht noch 10 Prozent sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

00:07:49.300 --> 00:07:51.500
Heute sind's schon über 50 Prozent.

00:07:51.500 --> 00:07:53.300
Da hat sich deutlich was geändert.

00:07:53.300 --> 00:07:57.200
Auch die Beteiligungsquoten von Frauen sind ganz stark gestiegen.

00:07:57.200 --> 00:08:00.500
Bei den Löhnen, da sieht man noch nicht so viel.

00:08:00.500 --> 00:08:05.300
Wir hatten sogar jetzt seit Corona drei Jahre lang Reallohnverluste,

00:08:05.300 --> 00:08:13.800
also nach Abzug der Inflation hatten die Beschäftigten weniger in der Tasche als ein Jahr zuvor, aber das ändert sich gerade.

00:08:13.800 --> 00:08:17.400
Also in diesem Jahr, da werden wir deutliche Lohnsteigerungen haben.

00:08:17.400 --> 00:08:23.600
Wir gehen auch davon aus, dass es in den nächsten Jahren weitere Lohngewinne geben wird,

00:08:23.600 --> 00:08:27.500
aber man könnte sich durchaus eine stärkere Lohnreaktion vorstellen,

00:08:27.500 --> 00:08:31.700
wenn man sich anschaut, wie knapp die Leute tatsächlich geworden sind.

00:08:31.700 --> 00:08:33.900
Sarah: Und ist das denn eine Lösung des Problems?

00:08:33.900 --> 00:08:38.700
Also führen höhere Löhne dazu, dass mehr Menschen sagen, ich gehe in den Bereich,

00:08:38.700 --> 00:08:41.600
ich lasse mich umschulen, ich finde diese Arbeit attraktiv,

00:08:41.600 --> 00:08:45.100
die gerade eben am Arbeitsmarkt auch gefragt und gebraucht ist?

00:08:45.100 --> 00:08:49.100
Weber: Am Ende haben wir eine deutliche Verknappung von Arbeitskräften.

00:08:49.100 --> 00:08:55.200
Und wenn sich Arbeitskräfte verknappen, dann ist die natürliche Reaktion in einem Arbeitsmarkt,

00:08:55.200 --> 00:09:00.300
dass es dann Wettbewerb gibt, und zwar um den bestmöglichen Einsatz der Arbeitskräfte.

00:09:00.300 --> 00:09:03.600
Also da, wo die Arbeitskräfte am besten passen,

00:09:03.600 --> 00:09:05.900
wo sie am meisten Wertschöpfung erreichen können,

00:09:05.900 --> 00:09:09.900
wo die Bedingungen am besten sind, da werden die Arbeitskräfte dann eingesetzt

00:09:09.900 --> 00:09:12.500
und da kann man auch die besten Löhne zahlen.

00:09:12.500 --> 00:09:17.900
Das heißt, höhere Löhne an sich, das ist jetzt nicht der Wert, aber höhere Löhne

00:09:17.900 --> 00:09:22.600
das ist einfach nur ein Ausdruck, dass ein Markt funktioniert

00:09:22.600 --> 00:09:26.200
und von daher ist die Debatte darum, wie hoch jetzt der Lohn sein sollte,

00:09:26.200 --> 00:09:29.800
eigentlich ein bisschen fehlgeleitet, sondern wir brauchen einen Arbeitsmarkt,

00:09:29.800 --> 00:09:33.900
der wirklich gut funktioniert und das war in der Vergangenheit nicht immer so.

00:09:33.900 --> 00:09:36.700
Es gibt zum Beispiel klare Evidenz dafür,

00:09:36.700 --> 00:09:43.600
dass gerade Beschäftigte im Niedriglohnbereich oft auch in minderwertigen Jobs hängenbleiben

00:09:43.600 --> 00:09:48.300
und sich einrichten, obwohl es eigentlich bessere Einsatzmöglichkeiten gäbe,

00:09:48.300 --> 00:09:52.900
die sie aber halt mit begrenzter Information und weil der Markt auch nicht so zieht,

00:09:52.900 --> 00:09:55.400
dann vielleicht gar nicht wahrgenommen haben.

00:09:55.400 --> 00:09:59.100
Sarah: Das ist ja auch eine Lücke, die sehr ins Auge springt,

00:09:59.100 --> 00:10:03.500
dass es eben viele Arbeitslose gibt und auf der anderen Seite viele offene Stellen.

00:10:03.500 --> 00:10:06.300
Man spricht da ja auch oft von Mismatch,

00:10:06.300 --> 00:10:09.200
also dass das einfach nicht zusammenpasst, Angebot und Nachfrage.

00:10:09.200 --> 00:10:10.800
Wie könnte man das denn optimieren?

00:10:10.800 --> 00:10:14.600
Weber: Es gibt schon ein gewisses Problem nach Qualifikationsniveaus.

00:10:14.600 --> 00:10:18.500
Also es gibt zwar mittlerweile auch viele Helferstellen auf dem Markt,

00:10:18.500 --> 00:10:26.200
aber das ganz große Angebot an Arbeitsstellen, das befindet sich im qualifizierten Bereich,

00:10:26.200 --> 00:10:30.500
also vor allem im mittelqualifizierten Bereich oder auch im wachsenden akademischen Bereich.

00:10:30.500 --> 00:10:38.700
Das heißt, da ist es schon die Herausforderung wirklich zu einer höheren Qualifikation zu kommen und das ist nicht leicht.

00:10:38.700 --> 00:10:43.500
Wir sehen zum Beispiel unter den jungen Leuten steigt der Anteil derjenigen,

00:10:43.500 --> 00:10:47.100
die keinen beruflichen Abschluss haben.

00:10:47.100 --> 00:10:50.600
Und das in einer Zeit, wo wir uns einer Transformation gegenüber sehen,

00:10:50.600 --> 00:10:53.600
die die Qualifikationsanforderungen eigentlich erhöht.

00:10:53.600 --> 00:10:58.900
Also das ist die falsche Richtung, da muss man unbedingt dagegen steuern.

00:10:58.900 --> 00:11:02.700
Sarah: Da gibt's ja oft auch ein Argument, dass dann der sogenannten Gen Z gern unterstellt wird,

00:11:02.700 --> 00:11:05.400
dass sie zum Beispiel keine Lust auf Arbeit hätte

00:11:05.400 --> 00:11:08.000
oder lieber was für die Work-Life-Balance tun würde.

00:11:08.000 --> 00:11:09.900
Ist da was dran?

00:11:09.900 --> 00:11:15.000
Oder wie erklären Sie sich dieses Problem, dass Menschen einen Schulabschluss haben,

00:11:15.000 --> 00:11:17.900
aber danach nicht in den Beruf gehen, keinen Berufsabschluss haben?

00:11:17.900 --> 00:11:23.900
Weber: Also, was über die Generation Z so alles erzählt wird, das ist eigentlich alles falsch, was den Arbeitsmarkt betrifft.

00:11:23.900 --> 00:11:29.100
Die Generation zeichnet sich eigentlich nur dadurch aus, dass es jede Menge Gerüchte über sie gibt.

00:11:29.100 --> 00:11:30.700
Aber die stimmen alle nicht.

00:11:30.700 --> 00:11:34.400
Also zum Beispiel: die jungen Leute wechseln heute ständig den Arbeitgeber

00:11:34.400 --> 00:11:36.600
und sind sich für alles zu schade.

00:11:36.600 --> 00:11:38.100
Kann man einfach nicht finden.

00:11:38.100 --> 00:11:43.400
Die Arbeitgeberwechsel haben einfach überhaupt nicht zugenommen gegenüber jungen Generationen früher.

00:11:43.400 --> 00:11:46.200
Oder alle wollen viel weniger arbeiten.

00:11:46.200 --> 00:11:57.100
Da sieht man dann, ja, die durchschnittlichen, gewünschten Arbeitszeiten der jungen Leute sind enorm gesunken seit 10-20 Jahren.

00:11:57.100 --> 00:12:00.700
Allerdings, wenn man mal die Studierenden aus dieser Rechnung rausnimmt,

00:12:00.700 --> 00:12:04.000
dann ist davon nicht mehr viel übrig.

00:12:04.000 --> 00:12:07.600
Das heißt, das liegt einfach nur daran, dass wir immer mehr Studenten bekommen haben,

00:12:07.600 --> 00:12:11.900
die nebenbei halt so ein paar Stunden die Woche arbeiten und den Durchschnitt runterziehen.

00:12:11.900 --> 00:12:15.600
Aber nach dem Studium, da ist die Welt ja eine ganz andere.

00:12:15.600 --> 00:12:20.400
Das heißt, man findet alle diese Dinge am Ende einfach nicht richtig.

00:12:20.400 --> 00:12:26.000
Aber die Generation Z ist natürlich ein Kind ihrer Zeit und die Zeiten haben sich geändert.

00:12:26.000 --> 00:12:27.900
Also heute herrscht Arbeitskräfteknappheit.

00:12:27.900 --> 00:12:30.500
Heute können auch junge Leute schon was fordern.

00:12:30.500 --> 00:12:34.100
Aber das machen halt nicht nur junge Leute, das machen ältere Leute auch.

00:12:34.100 --> 00:12:36.300
Und dann gab's den Corona-Schock.

00:12:36.300 --> 00:12:38.700
Heute ist Mobilarbeit ganz normal.

00:12:38.700 --> 00:12:41.500
Früher wäre niemand auf die Idee gekommen, das zu fordern.

00:12:41.500 --> 00:12:45.100
Heute ist das der Standard, also die Bedingungen haben sich geändert

00:12:45.100 --> 00:12:49.200
und die Generation Z ist ein Kind dieser Zeit,

00:12:49.200 --> 00:12:51.200
aber wir müssen mit Sicherheit darauf achten,

00:12:51.200 --> 00:12:55.500
dass der Trend bei der Qualifikation sich wieder umkehrt

00:12:55.500 --> 00:12:58.800
und da brauchen wir zum Beispiel auch einfach neue Konzepte.

00:12:58.800 --> 00:13:03.800
Also wir brauchen eine andere Ansprache, viel direkter auch über Social Media.

00:13:03.800 --> 00:13:09.400
Da müssen sich viele Betriebe sicherlich noch umstellen, aber wir brauchen auch niedrigere Hürden.

00:13:09.400 --> 00:13:13.600
Also es wird offensichtlich nicht jeder sofort die Ausbildung schaffen.

00:13:13.600 --> 00:13:16.600
Das heißt, wir brauchen niederschwellige Angebote,

00:13:16.600 --> 00:13:19.200
wo man auch Schritt für Schritt modular vorgehen kann

00:13:19.200 --> 00:13:23.400
und dann am Ende aber auch nach Möglichkeit zum vollwertigen Abschluss kommt.

00:13:23.400 --> 00:13:28.200
Sarah: Löhne und Arbeitszeit, das ist ja Sache der Tarifparteien,

00:13:28.200 --> 00:13:30.300
da hält sich die Politik in der Regel raus.

00:13:30.300 --> 00:13:33.800
Was darüber hinaus kann denn die Politik, die Bundesregierung dazu beitragen,

00:13:33.800 --> 00:13:37.400
dass das Problem Fachkräftemangel in den Griff bekommen wird?

00:13:37.400 --> 00:13:43.500
Weber: Politisch sollte man sich anschauen, wo sind eigentlich die großen Potenziale, die wir noch heben können?

00:13:43.500 --> 00:13:47.300
Und die haben wir zum Beispiel in der beruflichen Entwicklung von Frauen,

00:13:47.300 --> 00:13:51.300
die knickt mit der Kinderphase ab und erholt sich ganz oft nicht mehr.

00:13:51.300 --> 00:13:55.300
Wir wissen, gerade Kinderbetreuung ist da das A und O.

00:13:55.300 --> 00:13:58.300
Genauso auch die Unterstützung bei der Pflege.

00:13:58.300 --> 00:14:01.700
Also diese Investitionen, die müssen von der öffentlichen Hand kommen

00:14:01.700 --> 00:14:04.100
und die werden dann aber auch enorme Früchte tragen.

00:14:04.100 --> 00:14:06.200
Das haben wir in der Vergangenheit auch gesehen.

00:14:06.200 --> 00:14:11.300
Nummer zwei, wir haben noch großes Potenzial bei Älteren

00:14:11.300 --> 00:14:14.400
und da müssen wir uns zum Beispiel auch mal unser Rentensystem anschauen.

00:14:14.400 --> 00:14:19.200
Das hängt sehr stark an Altersgrenzen, 63, 65, .

00:14:19.200 --> 00:14:22.600
An genau diesen Grenzen gehen dann die Leute auch in Rente,

00:14:22.600 --> 00:14:27.500
selbst wenn die wirtschaftlichen Anreize denen gegenüberstehen sollten.

00:14:27.500 --> 00:14:30.700
Das heißt, wenden wir uns doch einfach mal ab von diesen Grenzen

00:14:30.700 --> 00:14:33.500
und gewähren wir durchgängig einfach Zuschläge.

00:14:33.500 --> 00:14:37.200
Wer länger arbeitet, bekommt Zuschläge, die Grenzen kommen alle weg

00:14:37.200 --> 00:14:42.300
und dementsprechend könnte man da wirklich auch noch deutliches Potential heben.

00:14:42.300 --> 00:14:48.500
Und dann müssen wir sehen, selbst in Zeiten des Fachkräftemangels leisten wir uns immer noch deutliche Fehlanreize.

00:14:48.500 --> 00:14:50.800
Also Stichwort beispielsweise Minijobs.

00:14:50.800 --> 00:14:56.700
Ein Minijob sagt einem, arbeite so wenig wie möglich, dann bist du steuer- und abgabenfrei.

00:14:56.700 --> 00:14:59.700
Das ist in Zeiten der Knappheit geradezu skurril.

00:14:59.700 --> 00:15:05.100
Also da brauchen wir wirklich andere Anreize, um Menschen stärker in Jobs zu bringen.

00:15:05.100 --> 00:15:08.100
Sarah: Die To-do-Liste ist also durchaus lang.

00:15:08.100 --> 00:15:13.900
Ist das eigentlich ein spezifisch deutsches Problem, Fachkräftemangel oder also läuft das in anderen Ländern besser?

00:15:13.900 --> 00:15:17.300
Weber: Andere Länder in Europa, die hingen ja lange in der Eurokrise

00:15:17.300 --> 00:15:20.400
und die hatten da Probleme der Massenarbeitslosigkeit.

00:15:20.400 --> 00:15:22.300
Da haben wir geradezu Luxusprobleme.

00:15:22.300 --> 00:15:28.800
Aber jetzt nach Corona, da hat man gesehen, das ist wirklich ein ziemlich breites Phänomen, dass die Arbeitskräfte knapp werden.

00:15:28.800 --> 00:15:33.100
Und seien wir doch froh, die Zeiten sind noch nicht lang her,

00:15:33.100 --> 00:15:37.000
da gab es in Spanien 30 Prozent Jugendarbeitslosigkeit.

00:15:37.000 --> 00:15:39.800
Seien wir doch froh, dass die Leute heute gefragt sind.

00:15:39.800 --> 00:15:45.200
Machen wir etwas daraus, nennen wir das nicht immer Mangel, wir können's Knappheit nennen,

00:15:45.200 --> 00:15:48.300
aber greifen wir jetzt zu den Hebeln, die wirklich zu den Lösungen führen,

00:15:48.300 --> 00:15:53.100
denn das sind genau die Hebel, die sind eigentlich nicht nur gut für die Wirtschaft,

00:15:53.100 --> 00:15:56.300
sondern da sind auch enorme gesellschaftliche Fortschritte drin.

00:15:56.300 --> 00:15:57.700
Sarah: Sagt der Makroökonom Enzo Weber.

00:15:57.700 --> 00:15:59.400
Herr Weber, vielen Dank für das Interview.

00:15:59.400 --> 00:16:00.400
Weber: Gern geschehen.

00:16:00.400 --> 00:16:03.900
*Musik*

00:16:03.900 --> 00:16:09.700
Sarah: Enzo Weber hat verschiedene Stellschrauben benannt, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

00:16:09.700 --> 00:16:15.200
Und die betreffen große und umstrittene Politikfelder wie zum Beispiel die Steuerung von Migration.

00:16:15.200 --> 00:16:19.700
Dazu nochmal eine Zahl aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

00:16:19.700 --> 00:16:26.100
Wenn man bis 2035 das sogenannte Erwerbspersonenpotenzial konstant halten will,

00:16:26.100 --> 00:16:30.700
dann müssten jedes Jahr um die .000 Menschen netto nach Deutschland zuwandern,

00:16:30.700 --> 00:16:33.600
einfach um die Alterung der Gesellschaft auszugleichen.

00:16:33.600 --> 00:16:35.600
Die Rentenpolitik ist noch so ein Thema,

00:16:35.600 --> 00:16:41.600
also gerade die Frage wie ältere Menschen dem Arbeitsmarkt länger als Fachkräfte zur Verfügung stehen könnten.

00:16:41.600 --> 00:16:44.000
Und natürlich das Thema Ausbildung:

00:16:44.000 --> 00:16:48.000
Da bräuchte es laut IAB deutlich bessere Angebote,

00:16:48.000 --> 00:16:51.300
um Jugendliche nach der Schule für eine betriebliche Ausbildung zu gewinnen.

00:16:51.300 --> 00:16:57.900
Und auch in der Gleichstellung von Männern und Frauen liegt viel Potenzial für den Arbeitsmarkt, dazu nachher mehr.

00:16:57.900 --> 00:17:00.800
*Musik*

00:17:00.800 --> 00:17:05.700
Neben diesen Maßnahmen wird aktuell besonders viel über die Arbeitszeit diskutiert.

00:17:05.700 --> 00:17:09.500
Dabei geht es sowohl um die Anzahl der Arbeitsstunden pro Woche

00:17:09.500 --> 00:17:12.500
als auch um die Lebensarbeitszeit insgesamt.

00:17:12.500 --> 00:17:16.800
Die einen sagen: Wir müssen die Bedingungen für Fachkräfte attraktiver machen,

00:17:16.800 --> 00:17:19.600
indem wir die Arbeitszeit reduzieren.

00:17:19.600 --> 00:17:23.700
Das sieht zum Beispiel die Autorin Sara Weber so,

00:17:23.700 --> 00:17:29.400
sie hat 2023 ein Buch geschrieben, das heißt „Die Welt geht unter und ich muss trotzdem arbeiten?“

00:17:29.400 --> 00:17:34.400
Sie sagte in der ZDF-Sendung „13-Fragen“ im Juli

00:17:34.400 --> 00:17:38.800
S Weber: Also ich glaube es ist gar nicht bei jeder Person der eine Tag,

00:17:38.800 --> 00:17:42.400
ich glaube auch nicht, dass Betriebe zwingend einen Tag kürzer offen haben müssen,

00:17:42.400 --> 00:17:44.900
Menschen 4 statt 5 Tage arbeiten müssen.

00:17:44.900 --> 00:17:47.000
Aber ich glaub wir müssen weniger arbeiten.

00:17:47.000 --> 00:17:51.000
Und dass eine reduzierte Arbeitszeit dazu führt, dass Leute mehr Pausen machen können,

00:17:51.000 --> 00:17:54.200
sich besser erholen können, gerade auch in Schichtberufen,

00:17:54.200 --> 00:17:59.000
ich glaube, das ist ein wahnsinnig wichtiger Punkt, dass Entlastung und Erholung wahnsinnig wichtig ist.

00:17:59.000 --> 00:18:04.300
Sarah: Die anderen sagen: Arbeitszeit zu reduzieren ist genau das Gegenteil von dem, was die Wirtschaft gerade braucht.

00:18:04.300 --> 00:18:06.300
Das ist auch die Meinung von Michael Hüther.

00:18:06.300 --> 00:18:10.600
Das von ihm geleitete Institut der deutschen Wirtschaft in Köln hat berechnet,

00:18:10.600 --> 00:18:16.700
dass deutsche Unternehmen 2024 49 Milliarden Euro mehr Umsatz machen könnten,

00:18:16.700 --> 00:18:20.700
hätten sie ausreichend Fachkräfte für ihre unbesetzten Stellen.

00:18:20.700 --> 00:18:27.800
Und 2027 könnten sich die Kosten des Fachkräftemangels demnach schon auf 74 Milliarden Euro im Jahr belaufen.

00:18:27.800 --> 00:18:30.600
Hüther: Diese Zahl in Relation zur Wertschöpfung sagt uns,

00:18:30.600 --> 00:18:37.500
dass das keine Petitesse ist, sondern dass wir hier mit erheblichen Wertschöpfungsfolgen zu tun haben,

00:18:37.500 --> 00:18:44.900
wenn wir aufgrund des demographischen Wandels die Verknappung von Arbeitsangebot nicht kompensieren

00:18:44.900 --> 00:18:49.200
und die eine Möglichkeit und die eine Hoffnung, die viele haben, ist ja,

00:18:49.200 --> 00:18:52.600
wir können das durch Produktivitätssteigerung dann kompensieren,

00:18:52.600 --> 00:18:54.900
ist nicht so sonderlich gut begründet,

00:18:54.900 --> 00:19:00.300
weil seit langer Zeit der Produktivitätsfortschritt eher rückläufig ist in allen Industrieländern.

00:19:00.300 --> 00:19:01.600
Gleichzeitig haben wir in vielen modernen Gesellschaften, das ist ja nicht nur bei uns so,

00:19:01.600 --> 00:19:09.900
dass wir vor den Verknappungsproblemen stehen.

00:19:09.900 --> 00:19:16.400
Und das fordert uns raus und da müssen wir einfach auch mal gedanklich jedenfalls uns nicht den die Perspektive verschließen,

00:19:16.400 --> 00:19:19.900
dass das auch mit mehr Arbeit im Jahresvolumen zu tun haben kann.

00:19:19.900 --> 00:19:25.200
Sarah: Für ihn ist eine generelle Verkürzung der Arbeitszeit volkswirtschaftlich nicht haltbar.

00:19:25.200 --> 00:19:27.400
Hüther: Wenn Sie es volkswirtschaftlich machen, heißt das auch,

00:19:27.400 --> 00:19:31.100
Sie haben auch nur vier Tage die Woche die Kinderbetreuung im Angebot,

00:19:31.100 --> 00:19:34.400
Sie werden Leistungsprobleme in den Krankenhäusern haben,

00:19:34.400 --> 00:19:37.600
weil irgendeiner muss ja, also irgendwie muss die Arbeit ja geleistet werden

00:19:37.600 --> 00:19:41.100
und gerade in den gesellschaftlichen, personenbezogenen Dienstleistungen,

00:19:41.100 --> 00:19:46.200
also im Bereich Bildung, Familie, Gesundheit und Pflege

00:19:46.200 --> 00:19:49.100
kann ich ja wenig über Produktivitätsfortschritt machen.

00:19:49.100 --> 00:19:52.200
Also man kann zwar über Pflegeroboter sicherlich einiges tun,

00:19:52.200 --> 00:19:57.100
aber trotzdem bleiben da Menschen zentral und das muss man sich überlegen,

00:19:57.100 --> 00:20:03.700
wenn man es ganz für alle machen würde, also man würde sozusagen 20 Prozent der Arbeitszeit herausnehmen,

00:20:03.700 --> 00:20:06.700
einen Arbeitstag, ist das volkswirtschaftlich ja dann weniger.

00:20:06.700 --> 00:20:08.800
Wir würden auch alle weniger Einkommen haben.

00:20:08.800 --> 00:20:13.100
Für jeden lebensnah ist das doch greifbar.

00:20:13.100 --> 00:20:14.600
Es ist eigentlich gar nichts gewonnen,

00:20:14.600 --> 00:20:21.900
weil wenn ich gleichzeitig Bildungseinrichtungen, Pflegeeinrichtungen, Fürsorgeeinrichtungen ja auch verkürze im Angebot,

00:20:21.900 --> 00:20:25.000
weil da ja auch die Menschen nur vier Tage machen,

00:20:25.000 --> 00:20:28.800
dann beißt sich die Katze in den Schwanz und dann haben wir ein volkswirtschaftliches Problem.

00:20:28.800 --> 00:20:34.400
Sarah: Für Betriebe ist es wichtiger geworden, auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzugehen,

00:20:34.400 --> 00:20:38.400
um sie zu halten, oder um neue Fachkräfte anzuwerben.

00:20:38.400 --> 00:20:44.500
Wenn sie flexiblere Arbeitsmodelle anbieten, dann verschaffen sie sich im Wettbewerb um Fachkräfte einen Vorteil.

00:20:44.500 --> 00:20:50.600
Und das ist für Michael Hüther der Hebel: nicht weniger, sondern flexibler arbeiten.

00:20:50.600 --> 00:20:55.100
Hüther: Ja, vielleicht müssen wir einfach gedanklich umstellen von im Leben generell weniger arbeiten

00:20:55.100 --> 00:20:58.600
zu im Leben flexibler arbeiten und souveräner entscheiden.

00:20:58.600 --> 00:21:04.100
Also was wir natürlich trotzdem an Vorteilen erhalten können,

00:21:04.100 --> 00:21:06.900
ist die Frage der Arbeitszeitgestaltung.

00:21:06.900 --> 00:21:10.800
Wir haben durch die heutigen technischen Möglichkeiten für viele Berufe jedenfalls

00:21:10.800 --> 00:21:15.200
eine ganz andere Souveränitätssituation für die Beschäftigten,

00:21:15.200 --> 00:21:19.300
die über Arbeitsort und Arbeitszeit ganz andere Optionen gewinnen.

00:21:19.300 --> 00:21:22.700
Sie können das von zu Hause machen, sie können die Zeiten frei wählen.

00:21:22.700 --> 00:21:25.400
Es sind ja unterschiedliche Regelungen nach den Betriebsvereinbarungen

00:21:25.400 --> 00:21:27.600
oder wie das Unternehmen gehandhabt wird.

00:21:27.600 --> 00:21:30.400
Und wenn man das mal zusammen denkt,

00:21:30.400 --> 00:21:35.400
also Arbeitszeitvolumen insgesamt, also, was ist eigentlich nötig, was müssen wir kompensieren,

00:21:35.400 --> 00:21:40.500
wenn alterungsbedingt so viele Menschen aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden

00:21:40.500 --> 00:21:47.200
und den Zugewinn an Souveränität: Wann machen wir es, dann entspannt sich vielleicht die Debatte auch etwas.

00:21:47.200 --> 00:21:51.700
Also wir verlieren ja nicht die Flexibilitäts- und Souveränitätsvorteile der letzten Jahre.

00:21:51.700 --> 00:21:56.000
Wir müssen aber ehrlicherweise sagen, das geht natürlich nicht in allen Fällen.

00:21:56.000 --> 00:21:59.900
Das geht beispielsweise nicht in Produktionsbereichen, also wo man vor Ort sein muss,

00:21:59.900 --> 00:22:06.600
die Maschine steuert, gewartet, entwickelt werden muss oder in den eben genannten sozialen Pflegeberufen.

00:22:06.600 --> 00:22:10.000
*Musik*

00:22:10.000 --> 00:22:14.400
Sarah: Weniger arbeiten oder die Arbeit für eine Weile unterbrechen,

00:22:14.400 --> 00:22:18.300
viele Menschen machen das, um Kinder zu betreuen, Angehörige zu pflegen,

00:22:18.300 --> 00:22:21.400
also um Care-Arbeit, Sorgearbeit zu leisten.

00:22:21.400 --> 00:22:24.400
Und wenn ich Menschen sage, dann meine ich eigentlich Frauen.

00:22:24.400 --> 00:22:29.000
Denn auch in Deutschland sind es auch heute noch hauptsächlich Frauen, die das übernehmen.

00:22:29.000 --> 00:22:34.500
In Deutschland sind zwar auch viele Frauen erwerbstätig, wenn man das mit dem Rest Europas vergleicht,

00:22:34.500 --> 00:22:37.500
dafür arbeiten aber auch besonders viele von ihnen in Teilzeit,

00:22:37.500 --> 00:22:39.500
da liegt die Quote bei 70 Prozent.

00:22:39.500 --> 00:22:41.600
Enzo Weber hat es im Interview schon angesprochen

00:22:41.600 --> 00:22:46.100
Die berufliche Entwicklung von Müttern knickt mit der Kinderphase oft ab

00:22:46.100 --> 00:22:50.800
und erholt sich nicht mehr, mit gravierenden Folgen für die Frauen und für die Wirtschaft.

00:22:50.800 --> 00:22:55.700
Mit der Familienökonomin Katharina Wrohlich vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin

00:22:55.700 --> 00:22:59.100
haben wir uns dieses Phänomen genauer angeschaut.

00:22:59.100 --> 00:23:03.900
Wrohlich: Die Frage ist jetzt, warum sind die nur in Teilzeit erwerbstätig?

00:23:03.900 --> 00:23:09.400
Ist das ihre persönliche Entscheidung oder sind es Restriktionen, die sie nicht beeinflussen können,

00:23:09.400 --> 00:23:15.300
also sehr häufig wird ja genannt Stichwort mangelnde Betreuungsinfrastruktur.

00:23:15.300 --> 00:23:19.300
Oder sind das auch einfach gesellschaftliche Normen,

00:23:19.300 --> 00:23:23.900
ja, also dass selbst wenn man individuell was anderes für sich als Ideal erachten würde,

00:23:23.900 --> 00:23:28.100
will man vielleicht trotzdem den gesellschaftlichen Normen entsprechen?

00:23:28.100 --> 00:23:33.100
Oder wiederum und darauf deuten auch einige Faktoren hin,

00:23:33.100 --> 00:23:40.300
gibt es eben so eine gewisse Pfadabhängigkeit im Lebensverlauf, insbesondere im Erwerbslebensverlauf,

00:23:40.300 --> 00:23:44.300
wo man sich dann eben einmal entschieden hat für einen Pfad

00:23:44.300 --> 00:23:48.200
mit immer wieder längeren familienbedingten Auszeiten

00:23:48.200 --> 00:23:53.200
und dann auch teilweise zunächst familienbedingten Teilzeitphasen.

00:23:53.200 --> 00:23:57.500
Und dann sind aber einerseits im Berufsleben bestimmte Weichen gestellt,

00:23:57.500 --> 00:23:59.700
wo es dann eben nicht mehr so leicht möglich ist.

00:23:59.700 --> 00:24:02.500
Es wäre vielleicht sogar noch möglich in Vollzeit wieder zurückzukehren,

00:24:02.500 --> 00:24:06.200
aber eben man hat bestimmte Beförderungen nicht mitgemacht,

00:24:06.200 --> 00:24:09.500
man hat vielleicht bestimmte Weiterbildungen nicht mitgemacht und so weiter,

00:24:09.500 --> 00:24:14.800
als andere KollegInnen, die eben Vollzeit die ganze Zeit gearbeitet haben.

00:24:14.800 --> 00:24:19.200
Sarah: Schauen wir erst einmal genauer auf die gesellschaftlichen Idealvorstellungen.

00:24:19.200 --> 00:24:25.300
Eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden hat 2024 danach gefragt,

00:24:25.300 --> 00:24:30.100
wie hoch die optimale Arbeitszeit von Müttern und Vätern sein sollte.

00:24:30.100 --> 00:24:34.200
Und da zeigt sich: Die meisten Leute finden, dass sich die Arbeitszeiten von Frauen und Männern,

00:24:34.200 --> 00:24:38.100
spätestens wenn die Kinder im Grundschulalter sind, wieder angleichen sollten.

00:24:38.100 --> 00:24:43.400
Bisher liegen Wunsch und Wirklichkeit aber weit auseinander, beschreibt Katharina Wrohlich

00:24:43.400 --> 00:24:47.800
Wrohlich: In der Realität beobachten wir in Deutschland ganz typisch,

00:24:47.800 --> 00:24:53.300
dass eben vor allem Mütter in Elternzeit gehen, einmal oder mehrere Male,

00:24:53.300 --> 00:24:55.200
dass sie dann sehr lange in Teilzeit sind

00:24:55.200 --> 00:25:00.700
und selbst wenn das jüngste Kind schon lang nicht mehr im Grundschulalter ist, bleiben sie in Teilzeit.

00:25:00.700 --> 00:25:05.400
Und das kann man dann nicht mehr mit diesen gesellschaftlichen Normen erklären,

00:25:05.400 --> 00:25:07.400
denn, wenn sozusagen die Kinder nicht mehr klein sind,

00:25:07.400 --> 00:25:10.800
dann ist das eigentlich nicht mehr das von der Gesellschaft erwartete Bild,

00:25:10.800 --> 00:25:15.700
sondern das kann man dann wirklich vermutlich eher mit anderen Dingen erklären.

00:25:15.700 --> 00:25:20.200
Sarah: Wenn man weiter nach einer Erklärung sucht, dann kommt man schnell aufs Geld.

00:25:20.200 --> 00:25:26.400
Denn es gibt durchaus finanzielle Anreize für Mütter, im sogenannten Zuverdienermodell zu bleiben.

00:25:26.400 --> 00:25:32.200
Wrohlich: Gerade das Zusammenspiel aus Ehegattensplitting in der Einkommenssteuer,

00:25:32.200 --> 00:25:36.200
dann die steuerliche Behandlung von Einkünften aus Minijobs,

00:25:36.200 --> 00:25:40.500
und die beitragsfreie Mitversicherung für Ehepartner in der gesetzlichen Krankenversicherung.

00:25:40.500 --> 00:25:44.400
Also diese drei Elemente wirken genauso zusammen.

00:25:44.400 --> 00:25:48.300
Und viele Arbeitgeber auch aus der Privatwirtschaft klagen zum Beispiel darüber,

00:25:48.300 --> 00:25:52.900
dass die Frauen dann lieber den Minijob wählen, weil der eben finanziell so attraktiv ist

00:25:52.900 --> 00:25:57.800
und die Arbeitgeber hätten da eigentlich teilweise gerne, dass die Frauen mehr arbeiten,

00:25:57.800 --> 00:26:03.500
aber wenn sie dann Netto-Einkommen erstmal verlieren sogar mit zunehmender Arbeitszeit,

00:26:03.500 --> 00:26:08.200
dann ist das natürlich klar ein starker negativer Anreiz.

00:26:08.200 --> 00:26:15.500
Und das heißt, die Politik sollte eigentlich ja am Zug sein und hier mal die Bedingungen verändern.

00:26:15.500 --> 00:26:22.400
Sarah: Dabei geht aber nicht nur um einen Verlust von Arbeitskraft, sondern auch um Fragen der der sozialen Gerechtigkeit.

00:26:22.400 --> 00:26:26.000
Wrohlich: Wir wissen Altersarmut von Frauen ist ein großes Problem.

00:26:26.000 --> 00:26:28.900
Und das liegt unter anderem damit begründet,

00:26:28.900 --> 00:26:33.500
dass sie eben während der Erwerbsphase so viel mehr unbezahlte Sorgearbeit übernehmen,

00:26:33.500 --> 00:26:38.100
dementsprechend so viel weniger Erwerbsarbeit und dadurch eben weniger Rentenpunkte sammeln.

00:26:38.100 --> 00:26:41.700
So, das ist mal ein ganz großes sozialpolitisches Problem.

00:26:41.700 --> 00:26:45.700
Und das andere ist natürlich ein gleichstellungspolitisches Problem, ja.

00:26:45.700 --> 00:26:50.900
Also man hört immer wieder, auch von Seiten der Regierung wird es immer wieder beklagt, ja,

00:26:50.900 --> 00:26:54.300
die großen geschlechtsspezifischen Unterschiede am Arbeitsmarkt,

00:26:54.300 --> 00:26:59.100
angefangen beim Gender Pay Gap, der 18 Prozent beträgt.

00:26:59.100 --> 00:27:02.800
Wenn man daraus einen politischen Handlungsbedarf ableitet, weil man sagt,

00:27:02.800 --> 00:27:06.400
man möchte eigentlich diese geschlechtsspezifischen Unterschiede verringern,

00:27:06.400 --> 00:27:14.700
dann liegt natürlich diese ungleiche, geschlechtsspezifisch ungleiche Aufteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit da mittendrin.

00:27:14.700 --> 00:27:18.800
Sarah: Katharina Wrohlich sieht vor allem eine politische Verantwortung zum Umsteuern.

00:27:18.800 --> 00:27:24.700
Aber auch Unternehmen können etwas tun, zum Beispiel indem sie die Arbeitsbedingungen flexibler gestalten.

00:27:24.700 --> 00:27:29.200
Wrohlich: Wenn man sagt, okay, eigentlich dieses Zuverdienermodell, da kann man sich ja vorstellen,

00:27:29.200 --> 00:27:33.400
da arbeiten quasi 1,5 Personen, sozusagen sind erwerbstätig.

00:27:33.400 --> 00:27:38.200
Man kann ja diese 1,5 Personen ganz einfach auch gleichmäßiger aufteilen,

00:27:38.200 --> 00:27:45.000
so jede erwachsene Person arbeitet eben 0,75, 75 Prozent einer Vollzeitstelle

00:27:45.000 --> 00:27:51.400
und so ein gleichmäßiges Erwerbs- und Sorgemodell, das zeigen auch Umfragen,

00:27:51.400 --> 00:27:59.200
das ist durchaus auch für viele, gerade junge Eltern eigentlich so rein theoretisch erstmal eine interessante Variante.

00:27:59.200 --> 00:28:04.700
Wird aber eben wenig gelebt, unter anderem, also das hat verschiedenste Gründe,

00:28:04.700 --> 00:28:09.700
ja, das eine sind eben die finanziellen Anreize aus dem Steuertransfersystem, die ich gerade schon erwähnt habe.

00:28:09.700 --> 00:28:19.300
Das andere ist natürlich, dass auch so ein Modell eine wirklich verlässliche Infrastruktur braucht an Betreuungsplätzen und so weiter.

00:28:19.300 --> 00:28:25.500
Sarah: Mit so einem Modell könnten Mütter nach der Elternzeit einfacher wieder in den Beruf zurückkehren

00:28:25.500 --> 00:28:29.300
und sie hätten dann auch lebenslang bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

00:28:29.300 --> 00:28:35.300
Damit all das aber aufgeht, müssten sich auch die Arbeitskultur in vielen Unternehmen

00:28:35.300 --> 00:28:39.600
und damit verbundene stereotype Vorstellungen ändern, sagt Katharina Wrohlich.

00:28:39.600 --> 00:28:43.300
Wrohlich: Also Männer arbeiten Vollzeit und sind karriereorientiert

00:28:43.300 --> 00:28:48.100
und wollen alle Führungspersonen werden und die Frauen, die sind eher so familienorientiert

00:28:48.100 --> 00:28:50.400
und kümmern sich gern und so weiter.

00:28:50.400 --> 00:28:54.800
Das sind sehr, sehr tief verwurzelte geschlechterstereotype Zuschreibungen,

00:28:54.800 --> 00:28:59.900
die auf eine individuelle Person nicht unbedingt zutreffen müssen,

00:28:59.900 --> 00:29:05.600
und je mehr es uns als Gesellschaft gelingt, das aufzuweichen, je normaler es wird,

00:29:05.600 --> 00:29:10.600
dass wir eben Männer in einer Führungsposition sehen, die kurz auch mal in Teilzeit gehen

00:29:10.600 --> 00:29:14.000
und das auch explizit machen, dass das für die Familie ist,

00:29:14.000 --> 00:29:16.900
und dass wir wiederum umgekehrt zum Beispiel Frauen sehen,

00:29:16.900 --> 00:29:21.700
die zwar Familie haben, aber wo die Sorgearbeit ihr Mann übernimmt,

00:29:21.700 --> 00:29:26.300
also je mehr wir verschiedenste Modelle sehen und je normaler das wird,

00:29:26.300 --> 00:29:29.300
desto mehr und mehr können wir uns von diesem Geschlechterstereotypen lösen

00:29:29.300 --> 00:29:34.200
und desto mehr Freiheit erlangt dann im Prinzip die individuelle Person.

00:29:34.200 --> 00:29:37.700
*Musik*

00:29:37.700 --> 00:29:39.700
Sarah: Was wir also mitnehmen können

00:29:39.700 --> 00:29:45.700
. In Deutschland fehlen Fachkräfte und das, obwohl es so viele Beschäftigte gibt, wie noch nie.

00:29:45.700 --> 00:29:50.500
Der Engpass in vielen Branchen erfordert politische und unternehmerische Maßnahmen.

00:29:50.500 --> 00:29:53.600
Mehr Erwerbsmigration, eine bessere Qualifizierung

00:29:53.600 --> 00:29:59.600
oder mehr Flexibilität für das Arbeiten im Alter sind einige Stellschrauben, die Enzo Weber genannt hat.

00:29:59.600 --> 00:30:03.700
Er sieht darin auch eine Chance für gesellschaftlichen Fortschritt.

00:30:03.700 --> 00:30:09.500
. Das Wirtschaftswachstum leidet jetzt schon enorm unter dem Fachkräftemangel.

00:30:09.500 --> 00:30:13.700
Wie man zu mehr Produktivität kommen kann, ist aber umstritten.

00:30:13.700 --> 00:30:17.600
Mehr und länger arbeiten, sagen die einen, zum Beispiel Michael Hüther.

00:30:17.600 --> 00:30:21.400
Andere, besonders junge Menschen, fordern verkürzte Arbeitszeiten,

00:30:21.400 --> 00:30:25.400
um Fachkräfte anzuwerben und für mehr Zufriedenheit zu sorgen.

00:30:25.400 --> 00:30:31.100
. Um Frauen besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren, müssen sich Strukturen so verändern,

00:30:31.100 --> 00:30:35.000
dass es für Frauen zeitlich überhaupt möglich ist mehr zu arbeiten,

00:30:35.000 --> 00:30:37.500
Stichwort Kita-Ausbau und Aufteilung der Sorgearbeit,

00:30:37.500 --> 00:30:42.300
und dass es sich zweitens auch finanziell lohnt, Stichwort Ehegattensplitting oder Minijobs.

00:30:42.300 --> 00:30:44.500
Das sagt Katharina Wrohlich.

00:30:44.500 --> 00:30:46.600
*Musik*

00:30:46.600 --> 00:30:48.800
Das war „Aus Politik und Zeitgeschichte“.

00:30:48.800 --> 00:30:53.100
In der gedruckten Ausgabe zum Thema „Fachkräftemangel“ können Sie mehr lesen,

00:30:53.100 --> 00:30:56.700
zum Beispiel über Fachkräfte und Migration oder zu der Frage,

00:30:56.700 --> 00:31:00.500
ob höhere Löhne gegen den Fachkräftemangel helfen oder nicht.

00:31:00.500 --> 00:31:03.100
Den Link dazu finden Sie in den Shownotes.

00:31:03.100 --> 00:31:06.300
Wir freuen uns natürlich über Feedback zu diesem Podcast.

00:31:06.300 --> 00:31:11.400
Fragen, Lob, aber auch Kritik können Sie uns schicken an apuz@bpb.de.

00:31:11.400 --> 00:31:15.300
In der nächsten Folge sprechen wir dann über das Thema Demokratie in Gefahr.

00:31:15.300 --> 00:31:18.100
Mein Name ist Sarah Zerback, bis zum nächsten Mal.

00:31:18.100 --> 00:31:35.600
*Musik*

00:31:35.600 --> 00:31:41.500
Der Podcast „Aus Politik und Zeitgeschichte“ wird von der APuZ-Redaktion in Zusammenarbeit mit hauseins produziert.

00:31:41.500 --> 00:31:47.300
Redaktion für diese Folge: Gina Enslin, Julia Günther, Martin Schiller und Bjarne Hansen.

00:31:47.300 --> 00:31:52.600
Musik: Joscha Grunewald. Produktion: Oliver Kraus. Am Mikrofon war Sarah Zerback.

00:31:52.600 --> 00:31:55.500
Die Folgen stehen unter der Creative Commons Lizenz

00:31:55.500 --> 00:31:59.500
und dürfen unter Nennung der Herausgeberin zu nichtkommerziellen Zwecken weiterverbreitet werden.

