WEBVTT

00:00:00.000 --> 00:00:07.300
O-Ton Trump: From this day forward our country will flourish and be respected again all over the world.

00:00:07.300 --> 00:00:12.500
I will very simply put America first.

00:00:12.500 --> 00:00:15.400
*Applaus*

00:00:15.400 --> 00:00:25.000
Our Sovereignty will be reclaimed, our safety will be restored, the scales of justice will be rebalanced.

00:00:25.000 --> 00:00:28.700
Sarah Zerback: Amerika wird wieder blühen und weltweit respektiert werden.

00:00:28.700 --> 00:00:31.000
Souveränität und Sicherheit werden wiederhergestellt

00:00:31.000 --> 00:00:34.900
und die „Waage der Gerechtigkeit“ wird wieder ausgeglichen.

00:00:34.900 --> 00:00:42.400
Mit diesen Worten läutete Donald Trump am 20. Januar 2025 seine zweite Amtszeit als Präsident der USA ein.

00:00:42.400 --> 00:00:47.800
Für manche im Land ist Trumps Motto „Make America Great Again“ ein großes Versprechen.

00:00:47.800 --> 00:00:51.000
Für andere ist es eher eine Drohung und Ausblick auf vier Jahre,

00:00:51.000 --> 00:00:55.300
in denen Trump die Demokratie in den USA massiv verändern könnte.

00:00:55.300 --> 00:00:57.900
*Musik*

00:00:57.900 --> 00:01:01.800
In dieser Folge geht es darum, wie die zweite Amtszeit von Donald Trump begonnen hat

00:01:01.800 --> 00:01:05.200
und wie sich die Verhältnisse in den USA verschieben.

00:01:05.200 --> 00:01:09.500
Sie hören den Podcast „Aus Politik und Zeitgeschichte“ und ich bin Sarah Zerback.

00:01:09.500 --> 00:01:13.600
Mit der Historikerin und Publizistin Annika Brockschmidt spreche ich darüber,

00:01:13.600 --> 00:01:17.700
was sich mit Donald Trumps Amtsantritt jetzt im Land verändert.

00:01:17.700 --> 00:01:19.000
Und der Politikwissenschaftler Jörg Hebenstreit erklärt,

00:01:19.900 --> 00:01:25.900
wie Geldspenden und Tech-Milliardäre die US-amerikanische Politik beeinflussen.

00:01:25.900 --> 00:01:32.000
Die Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“ finden Sie auf bpb.de/apuz.

00:01:32.000 --> 00:01:37.200
Eine Ausgabe zu den USA nach der Wahl von Donald Trump erscheint im Mai.

00:01:37.200 --> 00:01:40.000
Wie immer gibt es auch zu dieser Folge ein Transkript.

00:01:40.000 --> 00:01:44.500
Sie finden es in der bpb-Mediathek oder als Link in den Shownotes.

00:01:44.500 --> 00:02:01.200
*Musik*

00:02:01.200 --> 00:02:08.600
Die Machtübergabe vom ehemaligen Präsidenten Joe Biden an seinen Nachfolger und Vorgänger Donald Trump verlief friedlich.

00:02:08.600 --> 00:02:12.700
Beim Regierungswechsel vor vier Jahren, von Trump zu Biden, war das anders.

00:02:12.700 --> 00:02:17.800
Am 6. Januar 2021, als Biden bereits gewählt war, aber Trump noch im Amt,

00:02:17.800 --> 00:02:23.700
hatten fanatische Trump-Anhänger und -Anhängerinnen das Kapitol in Washington gewaltsam gestürmt.

00:02:23.700 --> 00:02:29.600
Fünf Menschen kamen dabei ums Leben, fast 1500 Menschen wurden nach der Erstürmung angeklagt.

00:02:29.600 --> 00:02:31.100
Nun ist Trump wieder im Amt.

00:02:32.100 --> 00:02:35.600
Gleich am ersten Tag seiner Präsidentschaft hat er eine Reihe von Dekreten erlassen

00:02:35.600 --> 00:02:40.700
Er hat den Notstand an der mexikanischen Grenze ausgerufen und dort die Armee eingesetzt.

00:02:40.700 --> 00:02:45.100
In mehreren Städten laufen Razzien gegen Migranten ohne legalen Status.

00:02:45.100 --> 00:02:51.700
Die USA sind aus dem Pariser Klimaabkommen und der Weltgesundheitsorganisation WHO ausgetreten,

00:02:51.700 --> 00:02:54.500
die US-Entwicklungshilfe wurde ausgesetzt.

00:02:54.500 --> 00:03:01.200
Und die rund 1500 Beteiligten am Sturm auf das Kapitol 2021, alle begnadigt.

00:03:01.200 --> 00:03:04.500
Was sich für die USA mit diesem Auftakt ankündigt,

00:03:04.500 --> 00:03:08.400
darüber habe ich mit der Historikerin und Publizistin Annika Brockschmidt gesprochen.

00:03:08.400 --> 00:03:12.000
Sie befasst sich seit Jahren mit Rechtsextremismus in den USA.

00:03:12.000 --> 00:03:15.700
Ein Hinweis vorab: Wir haben das Gespräch am 22. Januar geführt,

00:03:15.700 --> 00:03:18.800
beziehen uns also auf alles, was bis dahin geschehen ist.

00:03:18.800 --> 00:03:22.300
*Musik*

00:03:22.300 --> 00:03:23.500
Sarah Zerback: Hallo Annika Brockschmidt.

00:03:23.500 --> 00:03:25.200
Annika Brockschmidt: Hallo, ich freue mich.

00:03:25.200 --> 00:03:30.200
Sarah Zerback: Donald Trump hat ja noch im Wahlkampf gewitzelt, bei Fox News war das damals,

00:03:30.200 --> 00:03:33.800
dass er kein Diktator sein wolle, also höchstens am ersten Tag.

00:03:33.800 --> 00:03:38.000
Wie viel Ernst, jetzt mal rückblickend betrachtet, steckt denn da drin?

00:03:38.000 --> 00:03:44.500
Annika Brockschmidt: Also, ich gehe ja grundsätzlich davon aus, dass man Donald Trump in dem, was er sagt, ernst nehmen sollte.

00:03:44.500 --> 00:03:52.800
Und ich sage mal so, rein historisch gesehen, Diktatoren sind selten nach einem Tag fertig mit ihrem Programm.

00:03:52.800 --> 00:03:57.600
Jetzt kann Donald Trump natürlich nicht komplett machen, was er will,

00:03:57.600 --> 00:04:05.200
es gibt noch bestimmte Begrenzungen, aber schon der erste Tag im Amt hat ja ganz deutlich gezeigt,

00:04:05.200 --> 00:04:12.100
genauso wie seine Amtsantrittsrede, die ein Bruch mit diversen historischen Traditionen

00:04:12.100 --> 00:04:18.300
der amerikanischen Politik parteiübergreifend war, dass er hier eine, ja,

00:04:18.300 --> 00:04:22.800
man nennt das so Shock-and-Awe-Taktik, also dass man den Gegner komplett überwältigt

00:04:22.800 --> 00:04:26.400
und in Schockstarre versetzen will, anlegt.

00:04:26.400 --> 00:04:31.500
Und er hat jetzt gleich am Anfang gezeigt, dass er auch keinerlei Probleme hat,

00:04:31.500 --> 00:04:36.700
bestimmte verfassungsrechtliche Grundsätze wie beispielsweise Birthright Citizenship,

00:04:36.700 --> 00:04:40.000
also dass man, wenn man auf amerikanischem Boden geboren wurde,

00:04:40.000 --> 00:04:44.000
dass man dann amerikanische Staatsbürgerschaft automatisch hat.

00:04:44.000 --> 00:04:50.100
Das ist im 14. Zusatzartikel der Verfassung festgelegt, dass er zumindest versucht, da ranzugehen.

00:04:50.100 --> 00:04:55.300
Er hat diverse Executive Orders, Exekutivverordnungen unterzeichnet.

00:04:55.300 --> 00:05:00.100
Jetzt ist bei nicht allen klar, ob die so stehen bleiben können.

00:05:00.100 --> 00:05:02.500
Nicht alles, was ein Präsident unterschreibt, kommt dann auch so.

00:05:02.500 --> 00:05:04.800
Aber es ist auf jeden Fall eine Kampfansage.

00:05:04.800 --> 00:05:12.300
Es ist eine Einschüchterungstaktik für diverse marginalisierte Gruppierungen, für undokumentierte Menschen.

00:05:12.300 --> 00:05:17.400
Aber generell für Menschen mit migrantischem Background, für LGBTQ-Personen.

00:05:17.400 --> 00:05:21.500
Und das Schlimme ist, dass nichts davon überraschend ist.

00:05:21.500 --> 00:05:25.700
Also es war eine Katastrophe mit Ansage, könnte man sagen.

00:05:25.700 --> 00:05:34.100
Sarah Zerback: Diese Rekordzahl an Dekreten, die er wirklich in den ersten 24 Stunden ja dann auch umgesetzt hat,

00:05:34.100 --> 00:05:39.800
ist das dieses Shock-and-Awe, ist das ein kalkulierter Paukenschlag erst mal für den Start in die Amtszeit,

00:05:39.800 --> 00:05:45.300
um einfach auch zu zeigen, also mit der Biden-Regierungen, damit rechne ich ab und das drehe ich zurück?

00:05:45.300 --> 00:05:48.100
Annika Brockschmidt: Genau, also ich denke, das kann man auf jeden Fall so sehen.

00:05:48.100 --> 00:05:53.400
Diese Exekutivverordnungen, die er da unterschrieben hat, er schien auch nicht zu jedem Zeitpunkt zu wissen,

00:05:53.400 --> 00:05:57.800
was er da genau unterschrieb, das aber auch wiederum,

00:05:57.800 --> 00:06:01.700
dass neben der Gefahr durch Donald Trump wir auch nicht vergessen dürfen,

00:06:01.700 --> 00:06:05.900
dass - klar, am Ende entscheidet Trump, er ist der Präsident, - aber er ist diesmal,

00:06:05.900 --> 00:06:13.500
und das ist der Unterschied zu 2016, hat er die volle Unterstützung des konservativen Establishments.

00:06:13.500 --> 00:06:16.500
Und das klingt jetzt erst mal so abstrakt, aber das bedeutet tatsächlich,

00:06:16.500 --> 00:06:23.500
dass die sehr reale, greifbare politische Infrastruktur des amerikanischen Konservatismus,

00:06:23.500 --> 00:06:25.400
der amerikanischen Rechten hinter ihm steht.

00:06:25.400 --> 00:06:30.600
Und dass er damit auch Zugriff auf die Ressourcen dieser Infrastruktur hat.

00:06:30.600 --> 00:06:34.500
Beispielsweise auf einen viel größeren Personalpool.

00:06:34.500 --> 00:06:39.500
Also wenn wir auf die erste Amtszeit schauen, da blieben ja viele Posten der Regierung

00:06:39.500 --> 00:06:42.600
bis zum Ende der ersten Amtszeit tatsächlich unbesetzt.

00:06:42.600 --> 00:06:49.200
Weil die Trump-Regierung, also Trump und seine Leute, nicht wussten, wo sie die Leute dafür herbekommen sollten.

00:06:49.200 --> 00:06:54.900
Und weil er mit einigen aus dem klassischen konservativen Establishment ja da gebrochen hatte.

00:06:54.900 --> 00:06:58.800
Ganz viele Leute wurden gefeuert, es kamen ständig neue Minister rein und so weiter.

00:06:58.800 --> 00:07:00.600
Und diesmal soll das anders sein.

00:07:00.600 --> 00:07:06.800
Diesmal steht nämlich diese konservative Think Tank-Infrastruktur hinter ihm.

00:07:06.800 --> 00:07:11.800
Das war 2016 noch nicht so und das ist direkt verbunden mit einem der Hauptziele

00:07:11.800 --> 00:07:16.400
sowohl von Trump als auch von denen, die ihn jetzt beraten

00:07:16.400 --> 00:07:20.800
und die jetzt sehr wahrscheinlich auch diese Exekutivverordnung entworfen haben.

00:07:20.800 --> 00:07:26.800
Und wir müssen davon ausgehen, das hat Trump bereits in der Amtseinführungsrede angekündigt,

00:07:26.800 --> 00:07:32.000
dass er versuchen wird, zusammen mit seinem engsten Beraterkreis,

00:07:32.000 --> 00:07:36.400
aber auch mit den Organisationen, die hinter ihm stehen, zu versuchen,

00:07:36.400 --> 00:07:42.100
den administrativen Staat entweder abzubauen oder ihn zu seinen Gunsten umzubauen.

00:07:42.100 --> 00:07:50.500
Damit ist gemeint, dass Trump diesmal nicht nur die, ich glaube es sind ungefähr 4000 politischen Beamtenstellen,

00:07:50.500 --> 00:07:56.800
die also mit jeder neuen Regierung neu besetzt werden, im administrativen Staat neu besetzen will,

00:07:56.800 --> 00:08:02.500
das stünde ihm zu, das ist sein Recht, sondern dass er noch 50.000 weitere Stellen,

00:08:02.500 --> 00:08:08.300
dort die Beamten, die eigentlich keine politischen Appointees sind,

00:08:08.300 --> 00:08:12.300
dass er die kündigen will und durch Loyalisten, die beispielsweise die Heritage Foundation

00:08:13.300 --> 00:08:19.400
angeblich laut eigener Aussage schon gesammelt hat, also eine 50.000 Personen lange Personalliste,

00:08:19.400 --> 00:08:23.900
die ideologisch auf Herz und Nieren geprüft sei, um sicherzustellen,

00:08:23.900 --> 00:08:30.400
dass sie ihm gegenüber persönlich loyal sind und seine Politik eins zu eins vertreten.

00:08:30.400 --> 00:08:35.700
Sarah Zerback: Im Project 2025 von dieser US-Denkfabrik, der Heritage Foundation

00:08:35.700 --> 00:08:40.000
kann man ja eigentlich schon seit langem nachlesen auf 900 Seiten,

00:08:40.000 --> 00:08:45.700
wie sich die Rechte in den USA einen solchen Regierungsumbau vorstellt.

00:08:45.700 --> 00:08:51.500
Ist es jetzt so, dass man festhalten muss, Donald Trump hat, wie Sie sagen, mehr Unterstützung

00:08:51.500 --> 00:08:57.000
und arbeitet jetzt diesen 180-Tage-Plan, der da drin steckt, Schritt für Schritt ab?

00:08:57.000 --> 00:08:57.800
Ist das zu erwarten?

00:08:57.800 --> 00:09:03.300
Annika Brockschmidt: Also, man weiß natürlich nicht, ob er wirklich alles umsetzen wird, was da drinsteht.

00:09:03.300 --> 00:09:07.700
Da stehen teilweise auch Dinge drin, zum Beispiel was die Außen- und Handelspolitik angeht,

00:09:07.700 --> 00:09:10.100
die sich gegenseitig widersprechen.

00:09:10.100 --> 00:09:15.400
Das ist aber auch nicht sonderlich verwunderlich, weil die amerikanische Rechte halt keine homogene Masse ist,

00:09:15.400 --> 00:09:18.100
sondern sich aus verschiedensten Fraktionen zusammensetzt,

00:09:18.100 --> 00:09:23.400
die sich auch untereinander nicht ganz so gut abhaben können, sage ich jetzt mal.

00:09:23.400 --> 00:09:28.100
Und das heißt, die sammeln sich, und das sieht man auch in Project 2025,

00:09:28.100 --> 00:09:32.200
unter dem Banner des christlichen Nationalismus.

00:09:32.200 --> 00:09:39.500
Das ist das große Thema, was sich seit dem Untergang der Sowjetunion,

00:09:39.500 --> 00:09:45.100
also der Antikommunismus als der Leim, der alles zusammenhält in der amerikanischen Rechten, wegfiel,

00:09:45.100 --> 00:09:51.800
hat sich das langsam etabliert und ist jetzt eben zum offiziellen gemeinsamen Nenner geworden.

00:09:51.800 --> 00:09:56.400
Das heißt aber nicht, dass diese Koalition der amerikanischen Rechten stabil ist.

00:09:56.400 --> 00:10:01.100
Das merkt man auch immer wieder, wenn sich einzelne Fraktionen in die Haare kriegen.

00:10:01.100 --> 00:10:06.200
Das haben wir vor ein paar Wochen gemerkt, als sich Elon Musk, der ja ein Vertreter der,

00:10:06.200 --> 00:10:16.700
ja, wie soll man es nennen, rechtsreaktionär-libertären Silicon Valley-Milliardärs-Bro-Fraktion sich mit den,

00:10:16.700 --> 00:10:22.200
ich sage jetzt mal, klassischen MAGA-White-Supremacists angelegt hat, über die Frage,

00:10:22.200 --> 00:10:28.900
wie viele hochqualifizierte Fachkräfte mit Visa in die USA geholt werden sollen.

00:10:28.900 --> 00:10:31.500
Da kommen wir dann aber auch zu einem anderen Problem.

00:10:31.500 --> 00:10:36.400
Es wurde dann medial manchmal so berichtet, na, Elon Musk ist pro Migration.

00:10:36.400 --> 00:10:37.900
Elon Musk ist nicht pro Migration.

00:10:37.900 --> 00:10:42.000
Es sind nur zwei verschiedene Spielarten von Rassismus, die sich hier zeigen,

00:10:42.000 --> 00:10:43.400
in den beiden verschiedenen Fraktionen.

00:10:43.400 --> 00:10:48.800
Wir haben einmal die MAGA-Basis, die quasi keine nicht-weißen Einwanderer haben will.

00:10:48.800 --> 00:10:54.700
Und dann haben wir Elon Musk, der zusammen mit dieser aufstrebenden Tech-Fraktion

00:10:54.700 --> 00:10:58.600
innerhalb der amerikanischen Rechten jetzt das macht,

00:10:58.600 --> 00:11:01.500
was auch Anfang der 90er Jahre plötzlich versucht wurde,

00:11:01.500 --> 00:11:04.900
nämlich die sogenannte in Anführungszeichen, großen Anführungszeichen,

00:11:04.900 --> 00:11:07.800
„Race Science“ wieder salonfähig zu machen.

00:11:07.800 --> 00:11:09.600
Deswegen redet er permanent über IQ.

00:11:09.600 --> 00:11:14.300
Deswegen hat Elon Musk vor, möglichst viele Kinder zu zeugen, weil er aus seinem Reichtum schließt,

00:11:14.300 --> 00:11:17.600
dass er nicht nur der reichste, sondern auch der klügste Mann der Welt sei

00:11:17.600 --> 00:11:23.000
und seine DNA – also, ich wünschte, es wäre übertrieben, aber ich paraphrasiere jetzt nur,

00:11:23.000 --> 00:11:26.400
was wir von ihm wissen, was er öffentlich gesagt hat –

00:11:26.400 --> 00:11:33.400
also, quasi die Geburtenraten zu steigern, indem sich möglichst „high IQ individuals“,

00:11:33.400 --> 00:11:37.300
auch hier Paraphrase, das sind nicht meine Worte, möglichst viel fortpflanzen,

00:11:37.300 --> 00:11:42.000
was dann aber natürlich zu einem Clash führt mit den religiösen Fundamentalisten.

00:11:42.000 --> 00:11:45.200
Also auch da, es ziehen sich Risse durch diese Koalition.

00:11:45.200 --> 00:11:48.300
Das heißt, zurück zur Anfangsfrage, ich habe sie nicht vergessen,

00:11:48.300 --> 00:11:55.100
die Frage, wie effektiv Trump durchregieren kann, wird erstens daran hängen,

00:11:55.100 --> 00:12:00.600
wie weit er selbst bereit ist zu gehen, ob er beispielsweise bereit ist,

00:12:00.600 --> 00:12:06.700
seine Drohungen, das Militär im Inland nicht nur an der Grenze, was auch schon ein Tabubruch ist, einzusetzen,

00:12:06.700 --> 00:12:09.400
sondern sie beispielsweise auch gegen Demonstranten einzusetzen.

00:12:09.400 --> 00:12:18.900
Und aber gleichzeitig auch, wie haltbar diese Konstellation seines jetzt zusammengestellten Kabinetts ist,

00:12:18.900 --> 00:12:25.500
ob die sich untereinander in die Haare kriegen, ob wir wieder wie in der ersten Amtszeit Machtkämpfe sehen untereinander.

00:12:25.500 --> 00:12:30.800
Wie weit Inkompetenz, auch das muss man so sagen, es sind ja mit wenigen Ausnahmen keine Leute,

00:12:30.800 --> 00:12:33.900
die rein inhaltlich qualifiziert sind.

00:12:33.900 --> 00:12:40.300
Verteidigungsminister ist ein Ex-Fox-News-Moderator von Donald Trumps Lieblingsshow „Fox & Friends“, der Wochenendausgabe.

00:12:40.300 --> 00:12:48.200
Also der Silberstreif am Horizont, das was das Schlimmste eventuell verhindern könnte, ist tatsächlich Inkompetenz.

00:12:48.200 --> 00:12:55.500
Sarah Zerback: Dabei gibt es ja eigentlich sogar die US-Verfassung, die ja das Land vor Autokraten schützen soll,

00:12:55.500 --> 00:12:58.000
die viel zitierten Checks and Balances.

00:12:58.000 --> 00:13:03.100
Aber jetzt hören wir, okay, Donald Trump hat seine Partei da doch sehr in der Hand.

00:13:03.100 --> 00:13:08.200
Und dann haben wir den Supreme Court, wo er mehrheitlich Richter ernannt hat.

00:13:08.200 --> 00:13:16.200
Also, was sind die noch wert und wer kann diese Dekretflut auch noch stoppen?

00:13:16.200 --> 00:13:21.000
Also sind da juristische Verfahren zu erwarten, eine Gegenbewegung aus der Zivilgesellschaft?

00:13:21.000 --> 00:13:27.800
Annika Brockschmidt: Also, es wird aktuell schon gegen diverse dieser Executive Orders geklagt von verschiedenen Organisationen.

00:13:27.800 --> 00:13:31.900
Das heißt, es gibt diverse Gruppen, die sich für Bürgerrechte einsetzen,

00:13:31.900 --> 00:13:36.400
die darauf schon seit Monaten sich vorbereiten, was jetzt eben gekommen ist.

00:13:36.400 --> 00:13:41.800
Und wie Sie gerade richtig gesagt haben, an sich gibt es natürlich eine Verfassung.

00:13:41.800 --> 00:13:46.300
Das Problem ist, dass der Supreme Court mit der Auslegung der Verfassung betraut ist.

00:13:46.300 --> 00:13:55.800
Jetzt muss man aber auch sehen, dass der oberste Gerichtshof mit ganz vielen juristischen Fakten gebrochen hat,

00:13:55.800 --> 00:13:58.400
allein in den letzten Jahren.

00:13:58.400 --> 00:14:02.500
Also man denke - es ist das bekannteste Beispiel, aber es gibt noch ganz viele andere -

00:14:02.500 --> 00:14:09.200
an die Entscheidung im Fall Dobbs, die also die Aufhebung der Grundsatzentscheidung

00:14:09.200 --> 00:14:13.300
des Grundsatzurteils von 1973 im Fall Roe gegen Wade 2022,

00:14:13.300 --> 00:14:16.300
also das Ende des nationalen Abtreibungsrechts durchgesetzt hat.

00:14:16.300 --> 00:14:20.900
Dieser Supreme Court befindet sich in einer permanenten Abwägung,

00:14:20.900 --> 00:14:26.000
 also zumindest seine rechtsreaktionäre Mehrheit, nämlich einerseits zu schauen,

00:14:26.000 --> 00:14:33.800
wie weit kann ich gehen, ohne dass ich - weil der Supreme Court ist auf die Legitimation

00:14:33.800 --> 00:14:39.300
durch das politische System angewiesen, darauf, dass man seine Urteile durchsetzt

00:14:39.300 --> 00:14:42.800
und er hat schon extrem schlechte Zustimmungswerte in der Bevölkerung.

00:14:42.800 --> 00:14:47.900
Das heißt, diese Richter sind durchaus empfänglich, zumindest ein bisschen.

00:14:47.900 --> 00:14:52.500
Sie wissen, dass sie ab und an gute Schlagzeilen generieren müssen.

00:14:52.500 --> 00:14:59.200
Und die Frage ist eben, klar, es wird auch eine Weile dauern, bis all diese Sachen beim Supreme Court landen.

00:14:59.200 --> 00:15:02.600
Das muss erst die entsprechenden Instanzen durchgehen.

00:15:02.600 --> 00:15:08.600
Aber wie gesagt, die amerikanische Rechte hat einen sehr langen Atem und ihre juristische Strategie ist,

00:15:08.600 --> 00:15:14.400
das hat mein Kollege Andrew Seidel, ein amerikanischer Jurist, mehrfach gesagt,

00:15:14.400 --> 00:15:20.500
ist letzten Endes, ich weiß nicht, darf man fluchen hier, sonst kann ich es auch etwas...

00:15:20.500 --> 00:15:22.600
Sarah Zerback: Wir sind ja in Deutschland, wir müssen nicht beepen.

00:15:22.600 --> 00:15:25.300
Annika Brockschmidt: Okay, Scheiße an die Wand werfen und gucken, was hängen bleibt.

00:15:25.300 --> 00:15:27.800
Das ist die juristische Strategie.

00:15:27.800 --> 00:15:32.700
Das heißt, auch wenn bestimmte Dinge vielleicht beim ersten Versuch nicht durchkommen am Supreme Court,

00:15:32.700 --> 00:15:37.700
weil es zu absurd ist, dann wird halt ein zweites, ein drittes, ein viertes Mal versucht,

00:15:37.700 --> 00:15:42.700
bis man was findet und die Richter geben ja auch Hinweise in den Oral Arguments,

00:15:42.700 --> 00:15:48.100
also in den Verhandlungen, in welche Richtung sie, ich sag mal, offen wären.

00:15:48.100 --> 00:15:50.300
Dass es dann beim zweiten oder dritten Mal eventuell klappt

00:15:50.300 --> 00:15:55.300
oder zumindest die entsprechenden Statuten so ausgehöhlt werden,

00:15:55.300 --> 00:15:57.700
wie es wahrscheinlich mit dem Voting Rights Act passieren wird,

00:15:57.700 --> 00:16:02.800
der ja Rassismus und Diskriminierung an der Wahlurne verhindern soll.

00:16:02.800 --> 00:16:07.200
Da ist jetzt ein Fall vor dem obersten Gerichtshof, da wurde bekannt gegeben,

00:16:07.200 --> 00:16:12.200
dass der oberste Gerichtshof, der sich ja übrigens aussuchen kann, ob er einen Fall sich anschaut oder nicht,

00:16:12.200 --> 00:16:16.100
und sie haben gesagt, sie werden ihn verhandeln, was schon mal ein Zeichen ist,

00:16:16.100 --> 00:16:21.200
das muss noch nichts aussagen, aber der Supreme Court nimmt, ich glaube, 1%

00:16:21.200 --> 00:16:25.000
 oder sogar weniger als 1% aller Fälle an, die vor seiner Tür landen.

00:16:25.000 --> 00:16:29.700
Das heißt, alleine dass ein Fall diskutiert wird, zeigt, dass der Supreme Court signalisiert,

00:16:29.700 --> 00:16:35.900
hier gibt es eine berechtigte verfassungsrechtliche Frage, um die wir uns kümmern müssen.

00:16:35.900 --> 00:16:38.900
*Musik*

00:16:38.900 --> 00:16:44.900
Sarah Zerback: Eigentlich ist das amerikanische System so gestaltet, dass Machtungleichgewichte verhindert werden sollen.

00:16:44.900 --> 00:16:48.900
Ob der Supreme Court das noch verlässlich leisten kann, ist also fraglich.

00:16:48.900 --> 00:16:52.700
An dieser Stelle unterbrechen wir einmal kurz das Gespräch mit Annika Brockschmidt,

00:16:52.700 --> 00:16:56.200
denn die Machtverhältnisse verschieben sich auch an anderer Stelle

00:16:56.200 --> 00:16:59.300
Annika Brockschmidt hat schon Elon Musk angesprochen.

00:16:59.300 --> 00:17:03.400
Der reichste Mann der Welt hat Donald Trump im Wahlkampf massiv unterstützt

00:17:03.400 --> 00:17:06.900
und ist nun auch Teil seines Beraterstabes.

00:17:06.900 --> 00:17:09.800
Er soll zukünftig das Department of Government Efficiency,

00:17:09.800 --> 00:17:14.400
eine von Trump eingesetzte Organisation zum Bürokratieabbau, leiten.

00:17:14.400 --> 00:17:22.400
Wohl gemerkt, Organisation, keine Behörde, denn die kann auch ein US-Präsident nicht einfach im Alleingang erfinden.

00:17:22.400 --> 00:17:25.600
Dass Menschen mit viel Geld auch politischen Einfluss haben, das ist nicht neu,

00:17:25.600 --> 00:17:30.500
aber das Ausmaß, wie sich im Fall Musk Reichtum in unmittelbaren Einfluss übersetzt,

00:17:30.500 --> 00:17:33.400
das hat eine neue Dimension.

00:17:33.400 --> 00:17:39.200
Deshalb wird jetzt, mit der neuen Trump-Regierung, noch mal stärker vor einer „Oligarchisierung“ der USA gewarnt.

00:17:39.200 --> 00:17:44.300
Oligarchie meint „die Herrschaft der Wenigen“ – in diesem Fall der wenigen Reichen.

00:17:44.300 --> 00:17:48.700
Wie diese Warnungen einzuordnen sind, erklärt Jörg Hebenstreit,

00:17:48.100 --> 00:17:52.700
Politikwissenschaftler und Experte für Wahlkampffinanzierung in den USA.

00:17:52.700 --> 00:17:55.500
Jörg Hebenstreit: Also ich würde jetzt nicht sagen, die USA ist eine Oligarchie.

00:17:55.500 --> 00:18:00.900
Aber sie ist zumindest auf dem Weg dahin, eine Demokratie mit oligarchischen Tendenzen

00:18:00.900 --> 00:18:04.600
oder eben Oligarchie mit demokratischen Elementen zu sein.

00:18:04.600 --> 00:18:08.600
Man kann das ja im Prinzip sehr schön an diesem Beispiel Elon Musk demonstrieren.

00:18:08.600 --> 00:18:14.200
Vor 2010 war es nicht möglich gewesen, dass man unbegrenzt viel Geld als vermögende Einzelperson

00:18:14.200 --> 00:18:15.400
in den Wahlkampf stecken kann.

00:18:15.400 --> 00:18:21.100
Jetzt hat Elon Musk 2024 280 Millionen in den Wahlkampf investiert,

00:18:21.100 --> 00:18:23.800
das ist die höchste Summe, die eine Einzelperson je investiert hat,

00:18:23.800 --> 00:18:29.700
und das sind nur die Gelder, von denen wir wissen, es gibt auch effektive Möglichkeiten, Spenden zu verschleiern.

00:18:29.700 --> 00:18:36.100
Das heißt, es ist gut möglich, dass es de facto dann 300-400 Millionen US-Dollar gewesen sind.

00:18:36.100 --> 00:18:39.500
Sarah Zerback: So eine Wahlkampfhilfe, wie Elon Musk sie für Donald Trump betrieben hat,

00:18:39.500 --> 00:18:44.800
auch über seine Kurznachrichtenplattform X, entscheidet nicht allein über das Ergebnis der Wahl.

00:18:44.800 --> 00:18:45.800
Das stellt Jörg Hebenstreit klar.

00:18:46.200 --> 00:18:50.800
Am Ende profitieren in einer Konstellation wie der zwischen Trump und Musk aber beide.

00:18:50.800 --> 00:18:53.900
Jörg Hebenstreit: Donald Trump profitiert natürlich im Wahlkampf davon,

00:18:53.900 --> 00:18:58.200
wenn jemand wie Elon Musk 280 Millionen für ihn investiert,

00:18:58.200 --> 00:19:02.300
wenn er in den Battleground States selbst Wahlkampf für ihn macht

00:19:02.300 --> 00:19:06.100
und jeden Tag im Hauptwahlkampf eine Million US-Dollar verlost,

00:19:06.100 --> 00:19:13.300
um sozusagen republikanische Wähler zu mobilisieren und dazu zu bringen, dass sie sich für die Wahl registrieren.

00:19:13.300 --> 00:19:16.700
Er profitiert natürlich davon, dass jemand wie Elon Musk

00:19:16.700 --> 00:19:21.000
und das wissen wir jetzt mittlerweile durch wissenschaftliche Forschung einigermaßen sicher,

00:19:21.000 --> 00:19:26.500
über Twitter oder X im Prinzip das, was berichtet wird und wie etwas berichtet wird,

00:19:26.500 --> 00:19:32.900
über den Algorithmus letztlich beeinflussen kann und damit auch die Narrative

00:19:32.900 --> 00:19:35.900
und den Wahlkampfdiskurs selbst mit beeinflussen kann daran.

00:19:35.900 --> 00:19:39.300
Und davon profitiert natürlich jemand wie Donald Trump.

00:19:39.300 --> 00:19:45.200
Und wenn der Tag der Wahl gekommen ist und es geht sozusagen für so einen Großspender Techmilliardär positiv aus,

00:19:45.200 --> 00:19:51.100
ja, dann kann man sehen, dass dann die Zeit des Zurückzahlens sozusagen gekommen ist

00:19:51.100 --> 00:19:54.200
und wie wir dann gesehen haben in der Inaugurationsrede,

00:19:54.200 --> 00:20:01.800
dass jetzt die USA Space Exploration betreiben wollen und auf dem Mars die Flagge der USA hissen wollen,

00:20:01.800 --> 00:20:05.500
und ein große Space Programs anschieben wollen, und wer davon profitiert,

00:20:05.500 --> 00:20:09.700
ist natürlich Elon Musk mit SpaceX und anderen Unternehmen, die er hat,

00:20:09.700 --> 00:20:13.200
und da bekommt man dann sozusagen wiederum die Staatsgelder

00:20:13.200 --> 00:20:17.800
als Subventionen, als Förderprogramme, und profitiert natürlich ebenso davon.

00:20:17.800 --> 00:20:22.800
Sarah Zerback: Bei Männern wie Elon Musk konzentriert sich jetzt aber nicht nur finanzielle und politische Macht,

00:20:22.800 --> 00:20:26.500
es geht auch um Reichweite und den Einfluss auf die öffentliche Meinung.

00:20:26.500 --> 00:20:31.300
Jörg Hebenstreit: Also, Sie sehen ja relativ deutlich bei den Techmilliardären, wenn Sie sich das anschauen:

00:20:31.700 --> 00:20:37.400
Jeff Bezos, dem gehört die Washington Post, Mark Zuckerberg gehört Facebook, Instagram und Co.

00:20:37.400 --> 00:20:43.900
Elon Musk gehört X, und alle haben jetzt groß, nicht nur für Trump gespendet,

00:20:43.900 --> 00:20:45.900
sondern auch noch mal für die Inauguration gespendet.

00:20:45.900 --> 00:20:51.200
Und ja, wenn man diese Plattformen besitzt heutzutage, wenn man einen Einfluss darauf hat,

00:20:51.200 --> 00:20:57.400
wie die Narrative auf Facebook, auf Instagram, auf X beeinflusst werden können und geframed werden können

00:20:57.400 --> 00:21:01.900
und in eine bestimmte Richtung gebracht werden können und das aber nicht nur in den sozialen Medien,

00:21:01.900 --> 00:21:05.900
sondern auch in den klassischen Medien der Fall ist, wie wir das bei der Washington Post sehen,

00:21:05.900 --> 00:21:11.100
die gerade in der finalen Phase des Wahlkampfes sich sehr schwer damit getan hat,

00:21:11.100 --> 00:21:16.300
jegliche Kritik an Donald Trump und dessen Kampagne zu äußern, weil Bezos schon wusste,

00:21:16.300 --> 00:21:22.400
was da möglicherweise kommt, dann ist das natürlich problematisch, und Sie sehen im Prinzip,

00:21:22.400 --> 00:21:28.700
dass die Macht sozusagen universell ist, also, die geht sozusagen in den politischen Bereich rein,

00:21:28.700 --> 00:21:32.700
in die politischen Entscheidungsprozesse, das geht in den politischen Diskurs rein,

00:21:32.700 --> 00:21:36.900
und ja, wenn Sie die Entscheidung beeinflussen können, die getroffen werden,

00:21:36.900 --> 00:21:41.100
 und wenn Sie den öffentlichen Diskurs beeinflussen können, wenn Sie beeinflussen können,

00:21:41.100 --> 00:21:45.800
was gesagt wird, wie es gesagt wird, wann es gesagt und was nicht gesagt wird,

00:21:45.800 --> 00:21:49.500
dann ist das natürlich eine enorme Machtkonzentration,

00:21:49.500 --> 00:21:55.700
die demokratietheoretisch alles andere als wünschenswert ist und absolut bedenklich ist

00:21:55.700 --> 00:22:03.200
und die, wir das auch sehen konnten in den letzten Jahren, sich noch mal deutlich beschleunigt hat als Entwicklung.

00:22:03.200 --> 00:22:08.800
Sarah Zerback: An dieser Verbindung von politischer Macht und großem Geld, die jetzt in den USA ganz offensichtlich ist,

00:22:08.800 --> 00:22:10.600
ließe sich politisch grundsätzlich natürlich etwas ändern.

00:22:10.600 --> 00:22:14.200
Jörg Hebenstreit: Man müsste grundsätzlich erst mal die Frage danach stellen,

00:22:14.200 --> 00:22:19.400
möchte ich denn das Ausmaß an ökonomischer Ungleichheit haben, das ich gerade beobachten kann in den USA?

00:22:19.400 --> 00:22:28.100
Also, man muss sich das mal überlegen, rechts neben Donald Trump saßen die drei reichsten Menschen der USA,

00:22:28.100 --> 00:22:35.100
die zusammen über einen Networth von knapp einer Billion, also 1000 Milliarden US-Dollar verfügen.

00:22:35.100 --> 00:22:40.500
Das ist mehr als die Hälfte der unteren 50 Prozent der Einkommensverteilung der USA zusammen,

00:22:40.500 --> 00:22:43.000
und da müssen wir natürlich erst mal die Frage stellen

00:22:43.000 --> 00:22:47.500
Muss ich nicht eigentlich an das Steuersystem mal ran und mir überlegen, ist es denn gerecht,

00:22:47.500 --> 00:22:53.400
dass im Prinzip die Superreichen weniger Steuern bezahlen als die Mittelklasse und die Unterschicht?

00:22:53.400 --> 00:22:57.200
Dann müsste man natürlich an die Wahlkampffinanzierung ran und sagen,

00:22:57.200 --> 00:23:01.800
es ist aus Perspektive der politischen Gleichheit sicherlich keine gute Idee,

00:23:01.800 --> 00:23:06.500
dass jemand 300 Millionen in den Wahlkampf investieren kann

00:23:06.500 --> 00:23:11.300
und andere anderen Normalbürgern es schwerfällt, möglicherweise im laufenden Alltag 50 Dollar

00:23:11.300 --> 00:23:15.500
oder fünf Dollar oder zehn Dollar als sogenanntes Small Donours loszuwerden.

00:23:15.500 --> 00:23:20.400
Also, wer wird mehr gehört - jemand, der fünf Dollar investiert oder jemand der 50 Millionen investiert?

00:23:20.400 --> 00:23:25.000
Und aus der Forschung kennen wir die Antwort und die ist eindeutig, natürlich derjenige mit dem meisten Geld.

00:23:25.000 --> 00:23:29.200
Sarah Zerback: Die Maßnahmen und Überlegungen, die Jörg Hebenstreit beschrieben hat,

00:23:29.200 --> 00:23:32.600
die wird es in den kommenden Jahren unter Trump aber eher nicht geben.

00:23:32.600 --> 00:23:37.300
Wie sich seine Steuerreform und die Verhängung von Strafzöllen auf die amerikanische Wirtschaft insgesamt

00:23:37.300 --> 00:23:41.600
und auf Geringverdiener im Speziellen auswirken wird, ist nicht vorhersehbar,

00:23:41.600 --> 00:23:44.300
aber die Risiken für sie sind beträchtlich.

00:23:44.300 --> 00:23:47.800
*Musik*

00:23:47.800 --> 00:23:51.700
Die Diskriminierung von Minderheiten gehört zu Trumps politischem Programm.

00:23:51.700 --> 00:23:55.900
Und er hat bereits vielfach angekündigt, dass er seine politischen Gegner verfolgen lassen will.

00:23:55.900 --> 00:24:01.000
Ich habe Annika Brockschmidt gefragt, wer dazu zählt und was diese Menschen jetzt zu befürchten haben.

00:24:01.000 --> 00:24:05.100
Annika Brockschmidt: Das ist eine gute Frage, wer eigentlich zu denen zählt.

00:24:05.100 --> 00:24:08.300
Donald Trump hat ja verschiedene Schlagworte, die er benutzt.

00:24:08.300 --> 00:24:14.900
Die Woken, die Linken, das sind ja Schlagworte, die er, sage ich jetzt mal,

00:24:14.900 --> 00:24:18.500
relativ frei von der eigentlichen Bedeutung dieser Wörter benutzt,

00:24:18.500 --> 00:24:25.700
sondern das sind reine Platzhalter letzten Endes für alle, die politisch nicht auf seiner Seite sind

00:24:25.700 --> 00:24:27.900
und die ihm nicht unbedingte Loyalität zeigen.

00:24:27.900 --> 00:24:30.400
Sarah Zerback: Um noch mal auf den versuchten Staatsstreich zurückzukommen,

00:24:30.400 --> 00:24:36.400
die Republikaner sind ja längst dabei, da die Geschichte des 6. Januar 2021 umzudeuten.

00:24:36.100 --> 00:24:39.400
Wir erinnern uns, ein gewalttätiger Mob hat das Parlamentsgebäude gestürmt,

00:24:39.400 --> 00:24:46.700
das Kapitol angestachelt eben von Donald Trump und jetzt noch an Tag 1 der zweiten Amtszeit

00:24:46.700 --> 00:24:51.800
hat Donald Trump ungefähr 1500 Begnadigungen ausgesprochen für die Verurteilten.

00:24:51.800 --> 00:24:56.500
Ist die Aufarbeitung damit einfach beendet?

00:24:56.500 --> 00:25:00.700
Annika Brockschmidt: Wir müssen uns wirklich klar machen, was das bedeutet.

00:25:00.700 --> 00:25:07.000
Also, nicht nur wird hier der versuchte gewaltvolle Staatsstreich, ein Mob,

00:25:07.000 --> 00:25:10.100
der von einem noch amtierenden Präsidenten aufgestachelt wurde,

00:25:10.100 --> 00:25:15.600
unter anderem seinen eigenen Vizepräsidenten zu hängen, Mitglieder des Kongresses zu jagen

00:25:15.600 --> 00:25:23.800
und ihnen Gewalt anzutun, das wird jetzt gefeiert als Freiheitsbewegung,

00:25:23.800 --> 00:25:30.400
als Versuch den Amerikanern, dem amerikanischen Volk - gemeint sind natürlich nur Trump-Unterstützer,

00:25:30.400 --> 00:25:35.300
das ist das einzig wahre amerikanische Volk nach dieser Denkart - das Land zurückzugeben.

00:25:35.300 --> 00:25:40.600
Und Donald Trump hat in seiner Amtseinführungsrede daran angeschlossen, indem er gesagt hat,

00:25:40.600 --> 00:25:46.100
es ist ein Befreiungstag, es ist Liberation Day von einem tyrannischen Regime,

00:25:46.100 --> 00:25:49.400
das die amerikanischen Menschen verraten habe.

00:25:49.400 --> 00:25:54.600
Das ist natürlich auch ein Schlag ins Gesicht und ein massiver Bruch mit politischer Tradition,

00:25:54.600 --> 00:26:04.200
das in einer Amtsantrittsrede so zu sagen und erkennt natürlich auch noch mal der scheidenden Biden-Regierung die Legitimation ab.

00:26:04.200 --> 00:26:10.300
Und die Wirkung davon, also wir haben von mehreren Polizisten,

00:26:10.300 --> 00:26:14.900
die ausgesagt haben im Untersuchungsausschuss des 6. Januars, jetzt gehört,

00:26:14.900 --> 00:26:19.800
dass sie noch mehr als vorher, weil sie eh schon zur Zielscheibe geworden sind,

00:26:19.800 --> 00:26:25.900
weil sie sich öffentlich geäußert haben, dass sie Angst um ihr Leben und das Leben ihrer Familien haben,

00:26:25.900 --> 00:26:30.100
weil diese 1500 Leute jetzt frei sind.

00:26:30.100 --> 00:26:35.200
Das sind Leute, die gewaltsam versucht haben, einen Staatsstreich herbeizuführen.

00:26:35.200 --> 00:26:40.000
Das heißt, es hieß oft in Diskussionen, ist das Faschismus?

00:26:40.000 --> 00:26:45.800
Aber es gibt ja keine Straßentrupps, keine Schlägertrupps,  das sind die Schlägertrupps.

00:26:45.800 --> 00:26:51.600
Enrique Tarrio, der Chef der Proud Boys, Stuart Rhodes, der Chef der Oath Keepers, zwei Milizen, sind frei.

00:26:51.600 --> 00:26:54.900
Ich glaube, Tarrio hatte 22 Jahre bekommen.

00:26:54.900 --> 00:26:57.500
Das heißt, es ist klar, das ist ein Freifahrtsschein.

00:26:57.500 --> 00:26:58.900
Euch kann nichts passieren.

00:26:58.900 --> 00:27:05.600
Und natürlich auch eine Aufforderung, sollte es noch mal zu einer ähnlichen Situation kommen, macht noch mal dasselbe.

00:27:05.600 --> 00:27:11.800
Sarah Zerback: Das wäre meine Frage gewesen, weil es hatten sich ja rund um die Wahl hatten ja viele befürchtet,

00:27:11.800 --> 00:27:13.600
dass es da zu Gewalt kommen könnte.

00:27:13.600 --> 00:27:18.400
Jetzt hat natürlich Trump klar gewonnen und die Gewalt ist erst mal ausgeblieben.

00:27:18.400 --> 00:27:23.900
Aber inwieweit werden jetzt die Radikalen unter seinen Anhängern durch solche Aktionen noch mal weiter angestachelt?

00:27:23.900 --> 00:27:28.400
Annika Brockschmidt: Die dürften das korrekterweise als Freifahrtschein sehen.

00:27:28.400 --> 00:27:35.000
Dazu kommt ja noch, wir haben auch am Tag der Amtseinführung, hat ja noch Elon Musk eine Rede gehalten

00:27:35.000 --> 00:27:43.900
und hat hinter dem Rednerpult mit dem Präsidentschafts-Siegel drauf zweimal den Hitlergruß gezeigt.

00:27:43.900 --> 00:27:51.900
Und die Reaktionen von Neonazis und von White Supremacists sind euphorisch.

00:27:51.900 --> 00:27:55.800
Die sagen, wir haben das Signal verstanden an uns

00:27:55.800 --> 00:28:02.400
und es ist natürlich noch eine massive Eskalation gegenüber Donald Trumps „Stand Back and Stand By“

00:28:02.400 --> 00:28:04.200
gegenüber den Proud Boys vor ein paar Jahren.

00:28:04.200 --> 00:28:04.200
Also auch hier, das ist auch die Befürchtung gewesen seit Jahren von beispielsweise David Neiwert,

00:28:04.200 --> 00:28:19.600
ein amerikanischer Journalist, der seit Jahrzehnten über rechtsextreme Bewegung und Rechtsextremismus schreibt und davor warnt.

00:28:19.600 --> 00:28:24.700
Der sagt, seine große Sorge war für den Fall, dass Donald Trump gewinnt,

00:28:24.700 --> 00:28:27.900
dass es, und das werden wir jetzt in den nächsten Tagen und Wochen sehen,

00:28:27.900 --> 00:28:33.600
dass es im Zuge der Razzien natürlich zu Gewalt kommen wird, aber seine Sorge ist auch,

00:28:33.600 --> 00:28:39.900
dass sich lokale Militias dazu aufgefordert sehen werden, entweder diese Razzien wie auch immer zu,

00:28:39.900 --> 00:28:45.300
in Anführungszeichen, begleiten oder selbst proaktiv Gewalt anzuwenden.

00:28:45.300 --> 00:28:48.100
Damit muss man, denke ich, auf jeden Fall rechnen.

00:28:48.100 --> 00:28:53.000
Sarah Zerback: Was ist denn mit der anderen Hälfte ja immerhin fast der USA, die nicht für Donald Trump gestimmt hat?

00:28:53.000 --> 00:28:54.900
Werden die da aktiv?

00:28:54.900 --> 00:28:58.500
Also, rund um die Amtseinführung gab es ja wesentlich weniger Gegendemonstrationen,

00:28:58.500 --> 00:29:02.300
als das noch eben 2016, 2017 der Fall war.

00:29:02.300 --> 00:29:06.200
Aber ist da so ein Gegenprotest, so eine Bewegung zu erwarten?

00:29:06.200 --> 00:29:08.200
Annika Brockschmidt: Es gibt auf jeden Fall Proteste.

00:29:08.200 --> 00:29:13.600
Es gibt auf verschiedenen Ebenen der Zivilgesellschaft sowohl von, ich sag mal,

00:29:13.600 --> 00:29:18.300
gesamtgesellschaftlichen Organisationen, aber auch der religiösen Linken,

00:29:18.300 --> 00:29:22.900
die natürlich keineswegs über auch nur vergleichbare Mittel wie die religiöse Rechte verfügt,

00:29:22.900 --> 00:29:26.000
aber es gibt sie, das darf man nicht vergessen, gibt es Protest.

00:29:26.000 --> 00:29:33.500
Es gibt von lokalen Community Organizers Versuche, sowohl über Abortion Funds sicherzustellen,

00:29:33.500 --> 00:29:36.900
dass Frauen und schwangere Personen, die eine Abtreibung brauchen,

00:29:36.900 --> 00:29:42.300
dass sie, wenn sie selber keine finanziellen Mittel dazu haben, beispielsweise den Bundesstaat zu verlassen,

00:29:42.300 --> 00:29:44.400
in dem sie sind, dass gesammelt wird.

00:29:44.400 --> 00:29:46.500
Man kann spenden an solche Organisationen.

00:29:46.500 --> 00:29:53.200
Dasselbe gilt für die Organisation von Medikamenten, die die Gesundheitsversorge von Transpersonen sichern sollen.

00:29:53.200 --> 00:29:59.500
Aber auch da gibt es erhebliche Schwierigkeiten, weil wir haben ja schon gesehen,

00:29:59.500 --> 00:30:04.000
dass, ich sage jetzt mal, die Tech-Oligarchie sich hinter Donald Trump sammelt

00:30:04.000 --> 00:30:06.200
und das macht natürlich auch das Organisieren schwieriger,

00:30:06.200 --> 00:30:11.900
weil jetzt eben viele Community-Organizers davor warnen, sich online über Social Media,

00:30:11.900 --> 00:30:15.400
wie man das ja bisher vielleicht gemacht hätte, zwar nicht öffentlich, aber man schickt sich Nachrichten,

00:30:15.400 --> 00:30:23.400
benutzt WhatsApp, all diese Geschichten, die davor warnen, diese Kommunikationswege zu nutzen für Dinge,

00:30:23.400 --> 00:30:27.500
die je nach Bundesstaat, in dem man sich befindet, illegal sind,

00:30:27.500 --> 00:30:30.600
weil man eben damit rechnen muss - und das kam auch schon vor,

00:30:30.600 --> 00:30:37.600
dass beispielsweise Facebook auf Anfrage der Polizei dann eben private Nachrichten an die Polizei weitergibt.

00:30:37.600 --> 00:30:42.200
Und das macht es viel, viel schwerer, dagegen anzukommen.

00:30:42.200 --> 00:30:45.700
Das bedeutet, dass neue Strategien gefahren werden müssen.

00:30:45.700 --> 00:30:54.500
Ich glaube, ein Faktor dafür, warum es jetzt diesmal eine deutlich kleinere Demonstration gab.

00:30:54.500 --> 00:30:59.600
Wir erinnern uns ja an den Women's March, damals Trumps erste Amtszeit, Millionen nach Washington gekommen.

00:30:59.600 --> 00:31:02.600
Diesmal gab es auch eine Demo, aber die war deutlich kleiner.

00:31:02.600 --> 00:31:04.900
Und das liegt, glaube ich, daran, dass die Leute Angst haben.

00:31:04.900 --> 00:31:06.300
Und sie haben zu Recht Angst.

00:31:06.300 --> 00:31:13.800
Sie haben Angst davor, dass ein Präsident ins Amt kommt, der schon gesagt hat,

00:31:13.800 --> 00:31:19.400
er wird mit dem Militär auf amerikanischem Boden gegen Demonstrierende vorgehen.

00:31:19.400 --> 00:31:22.700
Er ist bereit, den militärischen Notstand auszurufen, sollte das passieren.

00:31:22.700 --> 00:31:29.500
Und wie gesagt, es gibt momentan nichts, was darauf hinweisen würde,

00:31:29.500 --> 00:31:35.800
dass es irgendeine Kraft innerhalb seines Kabinetts gibt, die ihn glaubhaft davon abhalten könnte.

00:31:35.800 --> 00:31:39.600
Ich glaube, dass sich diese Schockstarre lösen wird.

00:31:40.000 --> 00:31:49.700
Ich glaube, das ist nach dem Wahlsieg Trumps, dass das sowohl ein Gefühl von Resignation

00:31:49.700 --> 00:31:54.900
als auch einfach von Verzweiflung und von Lähmung ausgelöst hat,

00:31:54.900 --> 00:31:58.100
die jetzt erst mal überwunden werden muss.

00:31:58.100 --> 00:32:02.600
Ich glaube nicht, dass die amerikanische Zivilgesellschaft tatenlos bleiben wird,

00:32:02.600 --> 00:32:05.400
angesichts dessen, was Donald Trump vorhat.

00:32:05.400 --> 00:32:13.000
Aber man muss eben auch daran denken, dass Widerstand gegen eine solche Politik

00:32:13.000 --> 00:32:17.400
mit realen, mit physischen, mit finanziellen Risiken verbunden ist,

00:32:17.400 --> 00:32:21.800
die nicht jeder bereit oder willens ist einzugehen.

00:32:21.800 --> 00:32:24.500
Sarah Zerback: Wie sieht das denn mit der Schockstarre bei den Demokraten aus?

00:32:24.500 --> 00:32:28.300
Haben die die schon überwunden und vielleicht auch irgendwie einen Weg gefunden,

00:32:28.300 --> 00:32:31.400
sich jetzt auf Trump 2.0 einzustellen?

00:32:31.400 --> 00:32:33.300
Annika Brockschmidt: Ich wünschte, ich könnte sagen, ja.

00:32:33.300 --> 00:32:38.300
Im Moment gibt es drei verschiedene Signale, die ich von den Demokraten sehe.

00:32:38.300 --> 00:32:41.100
Das eine ist eben diese Schockstarre.

00:32:41.100 --> 00:32:44.700
Erst mal abwarten und wenig bewegen, wenig sagen.

00:32:44.700 --> 00:32:51.300
Dann gibt es diejenigen, die aber momentan in der Minderheit sind, die sagen,

00:32:51.300 --> 00:32:55.300
wir können hier nicht an politischen Normen festhalten,

00:32:55.300 --> 00:32:59.200
die sich beispielsweise wie Alexandria Ocasio-Cortez geweigert haben,

00:32:59.200 --> 00:33:01.800
an der Amtseinführung teilzunehmen.

00:33:01.800 --> 00:33:05.300
Weil sie gesagt haben, also, das eine ist die friedliche Machtübergabe, die muss gewährleistet sein,

00:33:05.300 --> 00:33:11.100
aber wir setzen uns hier nicht hin und normalisieren jemanden wie Donald Trump,

00:33:11.100 --> 00:33:14.600
der als Faschist ins Weiße Haus einzieht.

00:33:14.600 --> 00:33:19.200
Und wir setzen uns nicht daneben und klatschen, wenn er den Amtseid ablegt.

00:33:19.200 --> 00:33:22.200
Also, da gab es ja auch beispielsweise Kritik an Joe Biden.

00:33:22.200 --> 00:33:26.100
Der hat sich ja - Donald Trump hat ihm das im Übrigen vor vier Jahren ja verweigert.

00:33:26.100 --> 00:33:29.200
Also, das Treffen und die Teilnahme an der Amtseinführung.

00:33:29.200 --> 00:33:34.000
Er hatte sich ja schon, nachdem, also klar war, Donald Trump hat die Wahl gewonnen,

00:33:34.000 --> 00:33:34.800
hatte sich ja schon mal mit ihm getroffen.

00:33:34.800 --> 00:33:38.600
Da kann man noch sagen, okay, das ist Teil der friedlichen Machtübergabe.

00:33:38.600 --> 00:33:40.300
Das gehört zum Prozedere dazu.

00:33:40.300 --> 00:33:44.900
Ein anderes ist es, sich schäkernd und lachend mit Donald Trump fotografieren zu lassen.

00:33:44.900 --> 00:33:49.300
Das sendet dann halt auch an die eigene Basis die Message,

00:33:49.300 --> 00:33:53.600
als hätte man das mit „Donald Trump ist ein Faschist“ vielleicht doch nicht so ernst gemeint.

00:33:53.600 --> 00:34:00.700
Und das dritte Signal aus demokratischen Kreisen ist das, finde ich, fatalste,  ist zu sagen,

00:34:00.700 --> 00:34:06.500
wir müssen jetzt gucken, dass wir mit den Republikanern im Kongress konstruktiv zusammenarbeiten können.

00:34:06.500 --> 00:34:12.300
Ist zu sagen, ja, wir müssen jetzt mal schauen, was Elon Musk da beispielsweise in seiner Fake-Behörde,

00:34:12.300 --> 00:34:16.100
die keine Behörde ist, weil der Präsident kann sich nicht einfach eine Behörde ausdenken,

00:34:16.100 --> 00:34:18.400
das muss der Kongress bestätigen.

00:34:18.400 --> 00:34:26.400
Das ja, und wir kaufen das ab, das mit dem Bürokratieabbau, das ist gleichzeitig ein Hereinfallen darauf.

00:34:26.400 --> 00:34:30.600
Natürlich ist Elon Musk Bürokratieabbau komplett Wumpe.

00:34:30.600 --> 00:34:35.400
Es geht ihm darum, den eigenen Profit zu maximieren und möglichst viele Regularien abzubauen.

00:34:35.400 --> 00:34:40.700
Das heißt, sich darauf einzulassen, ist schon mal rhetorisch dem Ganzen auf den Leim zu gehen.

00:34:40.700 --> 00:34:46.400
Dann muss man sich nicht wundern, wenn diese Kräfte komplett legitimiert werden.

00:34:46.400 --> 00:34:50.600
Sarah Zerback: Das ist ja gerade eine ganz spannende Debatten- und Grundsatzfrage auch,

00:34:50.600 --> 00:34:55.900
die auch von den, wie auch immer definierenten, sogenannten Eliten auch angestoßen wird,

00:34:55.900 --> 00:35:00.200
die in den USA, aber auch zum Beispiel in deutschen Chefetagen jetzt fordern,

00:35:00.200 --> 00:35:03.400
also weniger Trump-Bashing, wie sie es nennen.

00:35:03.400 --> 00:35:04.800
Wie nehmen Sie das wahr?

00:35:04.800 --> 00:35:06.500
Annika Brockschmidt: Ein bisschen mehr Faschismus wagen.

00:35:06.500 --> 00:35:10.900
Ja, das ist fatal, das ist klassisches Appeasement.

00:35:10.900 --> 00:35:17.200
Also es ist eine Verschiebung der Grenzen dessen, was als sagbar gilt.

00:35:17.200 --> 00:35:23.400
Und es ist ein langsames Drehen am Rädchen dessen, was auch dann hierzulande als sagbar gilt.

00:35:23.400 --> 00:35:28.400
Politikwissenschaft zeigt uns, dass die Übernahme von rechten Narrativen

00:35:28.400 --> 00:35:31.700
vielleicht kurzfristig ein, zwei Prozente mehr bringen kann,

00:35:31.700 --> 00:35:36.800
dass man aber langfristig zumindest als Konservativer am eigenen Stuhl sägt.

00:35:36.800 --> 00:35:41.700
Man gewinnt keine vermeintlichen Wechselwähler zurück.

00:35:41.700 --> 00:35:43.600
Die Leute wählen das Original.

00:35:43.600 --> 00:35:50.100
Rechtspopulistische Kräfte graben im Übrigen sogar weniger existierenden Parteien Wähler:innen ab,

00:35:50.100 --> 00:35:54.500
sondern mobilisieren vielmehr desillusionierte Nichtwähler.

00:35:54.500 --> 00:36:02.600
Das heißt, auch rein machtpolitisch, wenn man vorhat, länger noch als beispielsweise konservative Partei zu existieren,

00:36:02.600 --> 00:36:06.100
müsste man sich eigentlich deutlich abgrenzen.

00:36:06.100 --> 00:36:10.000
Und zwar nicht nur, indem man behauptet, man wolle nichts mit der AfD zu tun haben,

00:36:10.000 --> 00:36:13.200
sondern indem man auch ihre Narrative nicht bedient.

00:36:13.200 --> 00:36:15.700
Sarah Zerback: Annika Brockschmidt, vielen Dank für das Gespräch.

00:36:15.700 --> 00:36:17.000
Annika Brockschmidt: Sehr gerne.

00:36:17.000 --> 00:36:19.900
*Musik*

00:36:19.900 --> 00:36:21.600
Sarah Zerback: Was wir also mitnehmen können

00:36:21.600 --> 00:36:25.400
1. Die Amerikanische Rechte hat mit Donald Trump im Weißen Haus

00:36:25.400 --> 00:36:28.800
und einer Mehrheit in beiden Kammern des Parlaments die Möglichkeit,

00:36:28.800 --> 00:36:31.600
die US-Demokratie grundlegend zu verändern.

00:36:31.600 --> 00:36:36.400
Darauf ist das Trump-Team deutlich besser vorbereitet als zu Beginn seiner ersten Amtszeit,

00:36:36.400 --> 00:36:40.800
was sich bereits an der Rekordzahl an Dekreten und politischen Entscheidungen gezeigt hat.

00:36:40.800 --> 00:36:44.200
Das hat Annika Brockschmidt erklärt.

00:36:44.200 --> 00:36:48.400
2. Dass Tech-Milliardäre wie Elon Musk einen so einflussreichen Platz an der Seite

00:36:48.400 --> 00:36:54.200
des amerikanischen Präsidenten einnehmen, gefährdet die Demokratie und verschiebt politischen Einfluss.

00:36:54.200 --> 00:36:59.800
Neu daran ist sowohl das Ausmaß des Reichtums als auch die Unmittelbarkeit der Einflussnahme

00:36:59.800 --> 00:37:03.000
auf die Politik und die öffentliche Meinung. Das sagt Jörg Hebenstreit.

00:37:03.000 --> 00:37:09.200
3. Ob und wie die Demokraten und der liberale Teil der US-amerikanischen Zivilgesellschaft

00:37:09.200 --> 00:37:14.400
ein echtes Gegengewicht zu Trump und seinem Machtapparat zu bilden können, ist noch nicht absehbar.

00:37:14.400 --> 00:37:21.400
Derzeit versuchen Nichtregierungsorganisationen zwar die Folgen z.B. für von Diskriminierung betroffene Gruppen oder das Klima abzufedern,

00:37:21.400 --> 00:37:26.200
doch insgesamt scheint sich die Opposition noch in einer Art Schockstarre zu befinden,

00:37:26.200 --> 00:37:31.500
auch weil die Koordinierung von politischem Widerstand mit Hürden und Risiken verbunden ist.

00:37:31.500 --> 00:37:33.600
Auch das hat Annika Brockschmidt betont.

00:37:33.600 --> 00:37:37.700
*Musik*

00:37:37.700 --> 00:37:39.800
Das war „Aus Politik und Zeitgeschichte“.

00:37:39.800 --> 00:37:42.100
Wir freuen uns natürlich über Feedback zu diesem Podcast.

00:37:42.100 --> 00:37:47.300
Fragen, Lob, aber auch Kritik können Sie uns schicken an apuz@bpb.de.

00:37:47.300 --> 00:37:48.800
In vier Wochen erscheint die nächste Folge.

00:37:48.800 --> 00:37:50.900
Dann sprechen wir über die Bundestagswahl.

00:37:50.900 --> 00:37:53.500
Mein Name ist Sarah Zerback – bis zum nächsten Mal.

00:37:53.500 --> 00:38:11.400
*Musik*

00:38:11.400 --> 00:38:16.900
Der Podcast „Aus Politik und Zeitgeschichte“ wird von der APuZ-Redaktion in Zusammenarbeit mit hauseins produziert.

00:38:16.900 --> 00:38:22.900
Redaktion für diese Folge: Gina Enslin, Julia Heinrich, Johannes Piepenbrink und Leontien Potthoff.

00:38:22.900 --> 00:38:28.100
Produktion: Oliver Kraus. Musik: Joscha Grunewald. Am Mikrofon war Sarah Zerback.

00:38:28.100 --> 00:38:30.700
Die Folgen stehen unter der Creative Commons Lizenz

00:38:30.700 --> 00:38:34.700
und dürfen unter Nennung der Herausgeberin zu nichtkommerziellen Zwecken weiterverbreitet werden.

