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Die Geschichte von Andrea. Ein Beispiel für das Scheitern der Jugendhilfe in der DDR

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Die Geschichte von Andrea. Ein Beispiel für das Scheitern der Jugendhilfe in der DDR

Karsten Laudien

/ 15 Minuten zu lesen

Anhand von Jugendamtsakten rekonstruiert Karsten Laudien in diesem Beitrag das Schicksal eines Heimkindes und zeichnet somit die Probleme der DDR-Heimerziehung anhand einer konkreten Biografie nach. Er schildert dabei besonders eindringlich, wie mit psychologischen Problemen umgegangen wurde.

Akten dokumentieren das Schicksal der Jugendlichen in den staatlichen Kinderheimen in der DDR, hier in einer Ausstellung im ehemaligen Jugendwerkhof Torgau (© picture alliance / dpa, Foto: Christiane Kohlmann)

Vorbemerkungen

Die Jugendhilfe in Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten stark entwickelt. Erkenntnisse aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen und eine geschärfte Sensibilität der betreffenden Berufsgruppen und der Öffentlichkeit haben dafür gesorgt, dass der Umgang mit Kindern und Jugendlichen in der sogenannten „Stationären Erziehungshilfe“ – also in den Einrichtungen der Jugendhilfe, die man früher „Heime“ nannte – sich sehr differenziert den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen angenähert hat. Diese Entwicklung setzte in der Bundesrepublik Ende der 1960er Jahre ein. Sie hat dazu geführt, dass heute versucht wird, jedes Kind in seiner spezifischen Situation, mit seinen Stärken und Problemen wahrzunehmen. Natürlich gelingt dies nicht immer und es gibt auch Beispiele, aus denen hervorgeht, wie weit dieser Anspruch auch heute noch verfehlt werden kann. Aber dennoch gibt es diesen Anspruch, der sich an dem individuellen Kindeswohl orientiert.

Die Situation in der ehemaligen DDR ist weniger gut erforscht. Was insbesondere fehlt, ist eine Darstellung individueller Biografien von Heimkindern. Eine solche Darstellung ist deshalb schwierig, weil die Aktenlage dem nicht entgegen kommt. Vieles, was damals dokumentiert wurde, ist heute nicht mehr zugänglich. Deshalb ist 2013 eine Studie durchgeführt worden, die versuchte, sich dieser Problemlage zu nähern. Die Stadtverordnetenversammlung von Berlin-Lichtenberg beschloss, die Heimerziehung des Bezirkes aufzuarbeiten. Für die Durchführung dieser Studie war es ein Glücksfall, dass im heutigen Lichtenberger Jugendamt noch etwa 3000 Jugendhilfeakten aus der Zeit vor 1989 lagern. Es konnte also davon ausgegangen werden, dass diese Akten Aufschlüsse darüber geben, wie sich die praktische Arbeit der DDR-Jugendhilfe vollzog und wie sich die Entwicklung der einzelnen Biografien gestaltete.

Anhand eines Beispiels möchte ich dies hier nachzeichnen. Die Auswahl der uns zur Verfügung gestellten Akten hat das Jugendamt Lichtenberg vorgenommen. Uns wurde kein freier Archivzugang gewährt und ich konnte keinen Einfluss auf die Auswahl der Akten nehmen. Ich habe davon einen konkreten Fall herausgegriffen, weil er so viel Material enthält, dass er – in gewissen Grenzen – nachvollziehbare Abläufe erkennbar macht. Der Fall ist zwar nicht repräsentativ, er verdeutlicht aber, zu welchen Problemen es kommen konnte.

Alle Zitate entstammen – wenn nicht per Fußnote anders vermerkt – der analysierten Jugendamtsakte. Sie enthielt zumeist keine Seitenzählung, sodass ich auf eine jeweilige Nachweisangabe verzichtet habe. Ich möchte zunächst den einfachen chronologischen Ablauf – so wie er sich aus der Sicht der Akte darstellt – zusammenfassen und in einem zweiten Schritt versuchen, einige Entscheidungen aus der Sicht der damaligen DDR-Pädagogik zu erklären. Dabei geht es weniger um eine Kritik, sondern eher darum, auf die Punkte hinzuweisen, die auch heute noch besondere Aufmerksamkeit erregen müssen, wenngleich ein „Fall“ wie der hier vorgestellte heute kaum noch denkbar ist.

Die Geschichte von Andrea

Der Name der Jugendlichen ist frei erfunden, aber hinter allen hier angeführten Berufsbezeichnungen stehen reale Personen. Die Dokumentation dieses Einzelfalles beginnt im Jahre 1981 und endet 1990. Anfangs taucht Andrea in den Akten nicht auf. Die Geschwister des Mädchens (zwei ältere Brüder) werden zuhause verprügelt und der Jugendhilfe gemeldet. Sie erscheinen in der Schule aggressiv, verschmieren den Hausflur ihres Wohnhauses und beschimpfen die Nachbarn. Die Polizei wird alarmiert und der ABV („abschnittsbevollmächtigte“ Polizist) protokolliert am 4. März 1981 den Vorfall. Er schlägt vor, beide Kinder in Heime einzuweisen. Die Jugendfürsorgerin wertet den Bericht aus und schreibt an die Personalabteilung des Betriebes des Vaters: „Der Vater kann kaum erzieherischen Einfluss auf seine Kinder ausüben und ihnen auch durch übermäßigen Alkoholgenuss kein gutes Vorbild sein.“ Sie gelangt zu dem Schluss, dass hier „deliktische Kindeshandlungen“ vorliegen, dass die Eltern überfordert sind und entscheidet – nach Ausweis der Akte – allein über die Einweisung beider Brüder in Spezialheime. Die Mutter ist einverstanden und fügt an, dass sie mit der Tochter keine Probleme hätten.

Nachdem beide Brüder aus dem Heim entlassen wurden, wird das Zusammenleben zuhause immer spannungsreicher. Es wird geprügelt und es gibt Anzeichen von sexuellem Missbrauch. Andrea ist 14 Jahre alt und möchte weg von zu Hause. Sie erscheint am 29. Oktober 1986 im Referat Jugendhilfe und teilt dies der Fürsorgerin mit. Sie möchte in eine Pflegefamilie. Vier Tage später meldet sich der Schuldirektor beim Jugendreferat und teilt mit, dass Andrea von zu Hause ausgerissen ist. In dieser akuten Situation wird eine kurzzeitige Heimeinweisung durchgeführt. Das Mädchen wird in das Jugendwohnheim Kurt Schabbel in Berlin-Treptow eingewiesen und äußert nach der Einweisung Suizidabsichten.

Sie reißt aus dem Heim aus und findet Unterschlupf bei einer Freundin. Es zeigen sich Schnittwunden an den Armen, die auf Suizidversuche deuten. Nun wird sie in der psychiatrischen Klinik in Berlin-Herzberge untersucht. Die behandelnde Ärztin rät, das Kind im Krankenhaus zu belassen, das Referat gelangt zu einer anderen Lösung: „Werkhofeinweisung wäre angebracht.“ Diese Spannung bestimmt das weitere Schicksal von Andrea. Am 6. Dezember 1986 erfolgt die Aufnahme in die psychiatrische Klinik Berlin-Herzberge; vier Tage später datiert der Beschluss auf Heimeinweisung. Das Referat versucht, die Eltern mit einzubeziehen, der Vater erscheint gleichgültig, die Mutter überfordert. Der Betrieb des Vaters schaltet sich nun ein. Es ist der Volkseigene Betrieb (VEB) Geräte- und Regelwerke Berlin, der Betrieb, der auch einen der Brüder ausbildet. Wahrscheinlich führt der Brigadeleiter ein Gespräch mit dem Vater. Daraufhin – am 9. Februar 1987 – holt der Vater seine Tochter aus dem Heim. Andrea erklärt dem Referat nun, dass sie lieber zuhause wohnen möchte. Das ist aber nun nicht mehr möglich, weil der Heimeinweisungsbeschluss in Kraft ist. Die Jugendfürsorgerin belehrt, dass bei Missachtung dieses Einweisungsbeschlusses ein Strafantrag gegen die Eltern gestellt wird.

Eine Heimerzieherin verwendet sich für Andrea. Sie spricht im Referat vor und es wird vereinbart, dass Andrea auf Probe sechs Monate zuhause leben soll. Zugleich rät die Lichtenberger Jugendfürsorgerin, einen Psychologen zu die konsultieren. Die Leitung des Jugendwohnheimes denkt aber in eine andere Richtung, sie vermutet einen besonders gravierenden Fall von „Schwererziehbarkeit“. Im Juli 1988 gibt das Referat Jugendhilfe im Bezirk Lichtenberg zu Protokoll:

„Eine von der Direktorin der psychologischen Beratungsstelle (Herzberge), Frau Dr. […] vorgeschlagene und realisierbare stationäre Therapie für Andrea kann leider nicht in Anspruch genommen werden, da die Eltern diese mit ‚ausgestalten‘ müssten, wozu sie jedoch nicht bereit sind.“

Andrea wird 1988 in den Jugendwerkhof (JWH) Eckartsberga (Kreis Naumburg) eingewiesen. Sie wehrt sich dagegen und weist darauf hin, „dass sie doch nichts gemacht hat und somit nicht in einen Jugendwerkhof gehöre, wo nur Kriminelle sind.“ Sie reißt aus, wird gefunden und ins Berliner Durchgangsheim Alt-Stralau gebracht. Eine solche Einrichtung dient der kurzfristigen Unterbringung von Kindern, die aus Heimen geflohen sind oder für die erst eine Einrichtung gefunden werden muss. Von dort wird sie nach Eckartsberga zurückgeführt und ab dem 23. August 1988 nach außen isoliert, auch Briefkontakte werden unterbunden. Die genannte Psychologin telefoniert am 28. Dezember 1988 mit dem zuständigen Referat in Lichtenberg. Protokolliert wird dort:

„JWH wäre nicht die optimale Lösung. Alle gegenwärtigen Auffälligkeiten deuten auf eine Neurose hin […] Psychologische Betreuung muss unbedingt gesichert werden, da sie neurotisch gefährdet ist“. Die Psychologin schlägt eine Verlegung nach Berlin in ein Jugendwohnheim vor und dass Brief- und Besucherkontakte befürwortet werden sollten, „da das Mädchen emot.[ionale] Zuwendung braucht, die ihr sonst keiner gewährt.“

Diese Informationen werden an den Direktor des Werkhofes weitergeleitet. Er hält der Psychologin entgegen:

„Eine regelmäßige psychologische Betreuung und Beratung, die wir hier nicht realisieren können, würde zwar den Erziehungsprozess unterstützen, ist aber in der Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen nicht die entscheidende Frage. Allein zur psychologischen Betreuung halten wir eine Verlegung nach Berlin nicht für gerechtfertigt.“

Andrea erfährt nichts von diesen Gesprächen.

Der Werkhofleiter glaubt nicht an Krankheit. Die psychologischen Befunde hält er inhaltlich für irrelevant und hinsichtlich ihrer Wirkung hätten sie einen „negativen Einfluss“, vor dem man Andrea schützen müsse. Er weist auch darauf hin, wer zu entscheiden hat: „Wir bestimmen, was gemacht wird, schließlich sind wir kein Sanatorium.“

Nun tritt der Lichtenberger Jugendhilfeausschuss in Erscheinung. Er war dem Referat für Jugendhilfe des Stadtbezirkes unterstellt und wurde von einem Referatsmitarbeiter geleitet. Er stellte die heimeinweisende Behörde dar und behielt auch die Zuständigkeit für das Kind. Nach dem Heimaufenthalt hatte er für die Widereingliederung vor Ort zu sorgen. Der Ausschussleiter schreibt nach Eckartsberga, dass eine psychologische Betreuung angebracht wäre. Das Problem seien aber die Eltern, sie lehnen die „staatliche Betreuung“ ab. Aus den Akten geht nichts Weiteres zu diesen Überlegungen hervor. Der Werkhof gibt den Psychologen die Schuld. Deren Interventionen würden Andrea durcheinanderbringen. Er geht so weit, die Informationen und Schreiben der Psychologin den Eltern und Andrea vorzuenthalten. Solche Mittel waren damals nicht ungewöhnlich, weil im Sinne pädagogischer Wirkung auch von Kontaktsperren Gebrauch gemacht wurde. Das Lichtenberger Referat notiert: „Den Brief von Fr. Dr. […] händigte er nicht aus, weil er gegen das Heim ist (ich teile diese Ansicht nicht). Er bitte auch darum, dass sich die Jugendfürsorgerin nicht mehr einmische. Auch eine Erzieherin von Andrea im JWH hält das Referat für verantwortlich. Man habe Andrea dort „eingeredet, dass sie nicht in den JWH gehöre“.

Nachdem ein Freund von Andrea beim Ministerium für Volksbildung eine „Eingabe“ eingereicht hat, in der er den JWH-Leiter als „Diktator“ betitelt, beraten sich der Heimleiter, die dortige Erzieherin, eine Vertreterin des Referates für Jugendhilfe in Lichtenberg, die ihr unterstellte Jugendfürsorgerin und die Eltern – die Psychologin wird nicht dazu geladen, aber anschließend informiert.

Die Referatsleitung Frau […] notiert, dass Andrea übertreibe. Sie sehe den Jugendwerkhof als Haftanstalt, aber bei ihr selbst hinterließ der Besuch des Jugendwerkhofs den „Eindruck eines gepflegten Ferienobjektes, keine verschlossenen Pforten, Andreas Behauptungen erwiesen sich als grobe Übertreibungen bzw. Lügen.“

Die Psychologin ist enttäuscht, weil Andrea ihr auf keinen Brief geantwortet hat. Sie wusste nicht, dass ihre Briefe Andrea nicht ausgehändigt wurden (Kontaktsperre). Die Referatsleitung wurde darüber vom Direktor informiert, sie hat jedoch unterlassen, dies der Psychologin mitzuteilen. Diese Irritation fließt in die Fachmeinung der Psychologin ein. Andreas suizidale Absichten sind bekannt, ihre Abschiedsbriefe werden allerdings vom Jugendwerkhof als Schauspielerei abgetan: „sie spielt sich als psy.[chisch] Kranke auf [... benötige jedoch] konsequente päd.[agogische] Einflussnahme – keine psychologische Behandlung“.

Andrea reißt erneut aus. Der JWH teilt dem Referat mit, dass Andrea simuliere. Tatsächlich sei sie „schwererziehbar“ und man müsse ihr mit einem „einheitlichen pädagogischen Standpunkt“ gegenübertreten. Sie wird von der Volkspolizei aufgegriffen und die Jugendfürsorgerin teilt ihr mit, dass sie bis zur Volljährigkeit den Werkhof nicht verlassen werde. Nach einem Suizidversuch wird Andrea 1989 in die Kinder- und Jugendpsychiatrische Abteilung im Städtischen Krankenhaus Herzberg (Lichtenberg) überwiesen und anschließend im Januar 1990 in das Jugendwohnheim Schabbel in Berlin-Treptow aufgenommen.

Die „Heimkarriere“ von Andrea

Die Umstände der Heimeinweisung von Andrea sind nicht untypisch. Zumeist bestanden sie aus einem Bündel von Problemen. Der überwiegende Teil der Heimeinweisungen wurde von den Referaten nach Paragraf 50 des Familiengesetzbuches (FGB) in Kombination mit dem Paragraf 23 der Jugendhilfeverordnung (JHVO) angeordnet. Wie in unserem Falle wurden die Organe aktiv bei „Anzeichen von sozialer Fehlentwicklung“ und zur „Verhütung und Beseitigung der Vernachlässigung und Aufsichtslosigkeit“. In diesem Fall spricht Andrea selbst im Referat vor und das zeigt, dass günstige Voraussetzungen für eine einvernehmliche Lösung gegeben sind. Dazu kommt es jedoch nicht.

Was Andrea mit diesem Schritt ausgelöst hat, war von ihr nicht beabsichtigt. In der DDR waren die meisten Erziehungsmaßnahmen mit Heimeinweisungen verbunden. Das hatte zwei Gründe. Erstens waren alternative „ambulante Erziehungshilfen“ kaum vorhanden (auch im Westen nicht). Zweitens war das Pflegekinderwesen wenig entwickelt. Wir wissen nicht, was Andreas Hoffnung nährte, zu „Ersatzeltern“ zu gelangen. Möglicherweise hatte sie davon aus Filmen oder Geschichten erfahren; für die DDR-Jugendhilfe war diese Lösung ungewöhnlich. Unter diesen Umständen kann die Einweisung in ein Berliner Jugendwohnheim als angemessen erscheinen. Jugendwohnheime waren für sogenannte „normalerziehbare“ Kinder vorgesehen, die das 14. Lebensjahr überschritten hatten. Die Lage in Berlin gestattete es Andrea, bestehende soziale Kontakte aufrecht zu erhalten.

Was daraus aber folgte, zeigt die Überforderung des damaligen Jugendhilfesystems. Denn dass ein Kind – auch vor dem Hintergrund der familiären Situation – in einer solchen Situation extreme Reaktionen entwickelt (Suizidversuche) – gilt heute und galt auch damals als nicht ungewöhnlich. Die Suizidversuche führten zu einer psychiatrischen Behandlung, aber die Jugendhilfe hielt davon unbeeindruckt an ihrer Heimeinweisung fest. In den Akten, die von der Jugendfürsorgerin verfasst wurden, wird dieser Konflikt deutlich dokumentiert: Die behandelnde Ärztin rät die Einweisung in die Jugendpsychiatrie an (6. Dezember 1986), das Referat für Jugendhilfe beschließt jedoch erneut die Heimeinweisung (10. Dezember 1986).

Das Primat der Erziehung vor der Psychologie

Obwohl die Beteiligten wissen, dass ein psychologisches Problem vorliegt, wird nicht ernsthaft erwogen, dem Mädchen eine nach damaligen Verhältnissen angemessene psychologische Behandlung anzubieten. Das erscheint unverständlich. Man muss in Rechnung stellen, dass das damalige sozialistische Weltbild von einer starken Betonung des Erziehungsgedankens und einer schwachen Bedeutung von psychologischen Momenten ausging.

Die Klassiker der sozialistischen Pädagogik – insbesondere der sowjetische Pädagoge Makarenko – waren überzeugt, dass die Gesellschaft durch Erziehung verbessert werden kann. Er ging von der „absolut unbegrenzten Macht der pädagogischen Einwirkung“ aus. Wenn der Jugendwerkhofleiter den psychologischen Bedarf unterschätzt und eine „konsequente päd.[agogische] Einflussnahme – keine psychologische Behandlung“ bevorzugt, dann steht er in Übereinstimmung mit der sozialistischen Erziehungskonzeption. In den DDR-offiziellen Verlautbarungen wurde die „Psychologie“ als bürgerliche Wissenschaft abgelehnt. Sigmund Freud beispielsweise unterlag in der DDR der Zensur und wurde bis 1987 nicht veröffentlicht. Was gegen Freud sprach, war die mit seiner Theorie verbundene Einschränkung der pädagogischen Gestaltbarkeit des Menschen. Nach Freud kann ein Mensch nicht einfach in eine bestimmte Richtung erzogen werden. Die menschliche Psyche besteht aus einer Eigengesetzlichkeit und einer gesellschaftlichen Unabhängigkeit, die pädagogischen Zugriffen entzogen ist. In der DDR lehrte man hingegen eine materialistische Psychologie, die stark auf die gesellschaftlichen Ursachen psychischer Phänomene fokussiert war.

Der Spielraum der DDR-Jugendhilfe

Diese „Konkurrenz der Zuständigkeit“ scheint auch das weitere Vorgehen zu bestimmen. Im Jahre 1987 fällt ein gewichtiger Terminus. Andrea ist nun 17 Jahre alt. Eine Erzieherin verwendet sich für Andrea und mahnt – gestützt auf psychologische Befunde – eine psychologische Betreuung an. Welchen Stellenwert diese Befunde einnahmen, erkennt man daran, dass sich die Heimleitung über sie hinwegsetzen konnte. Sie gelangte zur Einschätzung, dass hier ein Fall von „Schwererziehbarkeit“ vorliegt.

Dieses Wort zeigt einen Konflikt an, den die sozialistische Heimerziehungspädagogik nicht lösen konnte. Es verleiht den Erziehungsbemühungen eine politische Färbung. Die politische Wertung lautet: dieses Kind ist nicht „normal“, nicht „normalerziehbar“. Das damit verbundene Problem verweist auf den engen Spielraum der DDR-Jugendhilfe. Sie musste ohne empirischen Befund davon ausgehen, dass Erziehungsprobleme in der DDR keine gesellschaftlichen Ursachen haben konnten. Es lässt sich nur schwer angeben, wie intensiv diese Idee die Praxis bestimmte. Es darf aber nicht vergessen werden, dass der Marxismus Probleme grundsätzlich als „Klassenprobleme“ versteht und von deren Lösung auch die Versöhnung von Mensch und Natur erwartet. Deshalb erhält nun das pädagogische Problem eine unterschwellige politische Konnotation. Durch die Entwicklung des Sozialismus – also mit der erstrebten Abschaffung der Ausbeutung – sollte eine Gesellschaft gebildet werden, die die Gründe für Erziehungsprobleme allmählich überwindet. Man hat in der DDR deshalb frühzeitig die Jugendämter aufgelöst und deren Aufgaben dem Volksbildungsministerium als eine – so formulierte es die wohl wichtigste Person der DDR-Heimerziehung Eberhard Mannschatz – „Maßnahme auf Zeit“ übertragen.

Die These wurde deshalb für plausibel gehalten, weil in der DDR-Verfassung die Harmonie der Interessen von Gesellschaft und Menschen konstatiert wurde. Weil Erziehung als ein ausschließlich gesellschaftlicher Vorgang verstanden wurde (die Hauptaufgabe der Jugendhilfe bestand in der „Organisation des gesellschaftlichen Einflusses“), musste eine Jugendliche, die als „schwererziehbar“ galt, in einer häufig kaum bestimmbaren Weise einen Widerspruch gegen die Gesellschaft darstellen. Wegen dieser unbestimmten gesellschaftspolitischen Dimension lässt sich im Fall von Andrea eine zunehmende Handlungsverhärtung feststellen. Der mehrmals von der Heimleitung geäußerte „pädagogische“ Befund der Simulation ist die Unterstellung, dass die „Krankheit“ eine Täuschung ist. Für die Erziehungseinrichtung, für die diese Unterstellung handlungsleitend wurde, stellt sich am Beispiel von Andrea die Alternative: soll man den „bürgerlichen“ Weg der psychologischen Hilfe oder den sozialistischen Weg der „konsequenten päd.[agogischen] Einflussnahme“ gehen?

In den Erziehungseinrichtungen der Bundesrepublik dieser Zeit (also in den 1980er Jahren) trat ein Konflikt zwischen staatlichen Erziehungsvorgaben und psychologischen Befunden kaum auf. Das bedeutet aber nicht, dass sich nicht ähnliche Konflikte entwickelten. Erziehung hat immer mit Überforderungen zu tun. Jedes Kind ist „schwer erziehbar“. Jeder Erzieher kennt das Scheitern seiner Bemühungen. Erziehung ist immer ein offener Prozess, da gelingt vieles – trotz des großen Engagements – nicht. Das Gefühl des Scheiterns wird deshalb immer persönlich empfunden. Das aber bedeutet, dass sich Konflikte verhärten und auch eskalieren können. Von den Erfahrungen eskalierender Konflikte berichten auch ehemalige Heimkinder aus der alten Bundesrepublik.

Konkurrenz auf Kosten des Kindeswohles

Die genannte Fragestellung führte leicht in die Eskalation. Viele Kinder und Jugendliche, die in der DDR in den damaligen Heimeinrichtungen lebten, können dies bestätigen.

Im Dezember 1988 – Andrea ist nach dem Kurzaufenthalt im Durchgangsheim Alt-Stralau zurück in Eckartsberga – empfiehlt die Psychologin des Fachkrankenhauses Herzberge, Andrea in die Nähe der Eltern zu verlegen und die Brief- und Besuchskontakte zu fördern. Die Akten geben keine Aufschlüsse über die Gründe dieser Intervention zu diesem Zeitpunkt. Diese Lösung wird von der Heimleitung abgewiesen. Ihre Begründung lautet, dass die betreffende Psychologin „gegen das Heim ist“. Eine konsequente pädagogische Einflussnahme, wie von der Heimleitung stattdessen gefordert, bedeutete noch Anfang des Jahres 1989 in der DDR Kontaktsperre. Die Leiden von Andrea seien „geschauspielert“. Eine Heimerzieherin wird in der Fallakte im Februar 1989 zitiert: „Abschließend möchte ich einschätzen, dass mit Andrea intensiv pädagogisch gearbeitet werden kann, wenn sie von keiner Seite in ihrer neurotischen Befangenheit unterstützt würde.“ Zu diesem Zeitpunkt ist nicht mehr nur die Psychologin, sondern auch das Referat für Jugendhilfe in Berlin-Lichtenberg zur Einschätzung gelangt, dass der Werkhofaufenthalt „keine optimale Lösung“ sei. Noch am 1. März 1989 erhält das Referat vom Jugendwerkhof die Mitteilung, dass die Korrespondenz „die Missstimmung der Jugendlichen zum Ausdruck (bringe). Wir werten den Inhalt aber auch so, dass Andrea ihre Meinung und ihre Absichten durchsetzen will.“ Auch dieser Satz klingt unbestimmt. Es sind in der Fallakte keine qualifizierten, konkreten oder sonst wie die Situation verständlich machenden Berichte oder Befunde über Andrea festgehalten. Die zurückgehaltenen Briefe dokumentieren die Suizidabsichten von Andrea. Sie werden nicht der Psychologin, aber dem Referat zugänglich gemacht. Sie enthalten nicht nur diese Absichten. Andrea schreibt: „Ich brauche Hilfe und keine Strafe!“

Im Februar 1989 wird Andrea erneut einem Facharzt für Neurologie vorgestellt. Sie erhält nun Psychopharmaka (Rudoltel, Prylingan und Chlorprothixen). Das ändert die Auffassung des Jugendwerkhofes aber nicht, Andrea verbleibt dort. Im Mai schreibt das Mädchen an das Referat:

„Ich sitze meine Strafe für ein paar Prüfungen, die ich nicht gemacht habe, hier ab und beginne dann ein neues Leben. Es ist für mich keine Hilfe, sondern die größte Strafe, die es je gibt. Abschieben ist ja leicht.“

Der Jugendwerkhof gibt seine Haltung auf, als Andrea im September 1989 einen erneuten Suizidversuch unternimmt. Nun spricht sich die Leitung für eine psychologische Therapie aus.

Das Referat für Jugendhilfe im Stadtbezirk Lichtenberg wird nach dem Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik erneut aktiv und bietet Andrea einen Arbeitsplatz als Wirtschaftshelferin im Fachkrankenhaus für Neurologie in Berlin an. Es war in der DDR auch die Aufgabe der Referate für Jugendhilfe, die ehemaligen Heiminsassen bei der Arbeitsplatz- und Wohnungssuche zu unterstützen. Andrea begründet ihre Absage damit, dass sie selbst krank sei und nicht mit Kranken arbeiten wolle. Sie erstattete stattdessen nach 1990 in der Bundesrepublik Anzeige (nach den Paragrafen 223 und 239 Strafgesetzbuch, StGB) gegen die Mitarbeiter der Jugendhilfe und gegen Mitarbeiter des Jugendwerkhofes wegen Körperverletzung und Freiheitsentzug. Damit endet die Akte.

Zitierweise: Karsten Laudien, Die Geschichte von Andrea. Ein Beispiel für das Scheitern der Jugendhilfe in der DDR, in: Deutschland Archiv, 7.3.2017, Link: www.bpb.de/243609

Fussnoten

Fußnoten

  1. Siehe Karsten Laudien und Christian Sachse, Erziehungsvorstellungen in der Heimerziehung der DDR, in: Beauftragter der Bundesregierung für die Neuen Bundesländer (Hg.), Aufarbeitung der Heimerziehung der DDR. Expertisen, Berlin 2012, S. 125–297; Anke Dreier und Karsten Laudien, Einführung. Heimerziehung der DDR, Schwerin 2012; Karsten Laudien und Anke Dreier-Horining (Hg.), Jugendhilfe und Heimerziehung im Sozialismus. Beiträge zur Aufarbeitung der Sozialpädagogik in der DDR, Berlin 2016; Karsten Laudien, Erziehen und Beeinflussen. Die Erziehungskonzeption der DDR-Jugendhilfe, in: Richter, Johannes et al., Repression durch Jugendhilfe, Hamburg 2014, S. 97–112.

  2. Der Beitrag basiert auf der durch den Autor und Anke Dreier-Horning durchgeführten Studie: Anke Dreier-Horning und Karsten Laudien, Die Jugendhilfe im Berliner Stadtbezirk Lichtenberg (1945–1990) zwischen Anspruch und Wirklichkeit, Berlin 2015.

  3. Anton Semjonowitsch Makarenko, Schöne Literatur über Kindererziehung, in: ders. Werke, Bd. V, Berlin 1964, S. 375–394; vgl. Karsten Laudien, Von der "Allmacht" der Pädagogik. Umerziehung und Menschenbild in der DDR-Heimpädagogik, in: Trauma und Gewalt, Forschung und Praxisfelder 4 (2013), S. 134–142.

  4. Eberhard Mannschatz, Jugendhilfe als DDR-Nachlass. Münster 1994, S. 32.

  5. Verfassung der DDR (1968) Art. 2, Abs. 4.

  6. Mannschatz, Jugendhilfe (Anm. 4), S. 22 und S. 27; Hermann Geißler, Die Organisation des gesellschaftlichen Einflusses als Hauptmethode der Jugendhilfe bei Veränderung des Erziehungssituation der Familie, in Heim und Hort 1 (1960), S. 12–17.

Lizenz

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Prof. Dr.; Inhaber des Ethiklehrstuhls an der Evangelischen Hochschule Berlin und Leiter des Deutschen Instituts für Heimerziehungsforschung. Er arbeitet als Mitglied im Fachbeirat der Berliner Anlauf- und Beratungsstelle des Heimkinderfonds.