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Auf dem Weg zu einem freien Belarus?

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 35 Analysen & Essays. „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben Transformation und Deutsche Einheit Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten „Ihr Völker der Welt“ „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Was bedeutet die Liquidierung von Teilen Memorials? Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? Erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen im Visier des BND Neue Ostpolitik und der Moskauer Vertrag Grenze der Volksrepublik Bulgarien Die Logistik der Repression Schwarzenberg-Mythos Verschwundene Parteifinanzen China, die Berlin- und die Deutschlandfrage 8. Mai – ein deutscher Feiertag? China und die DDR in den 1980ern 1989 und sein Stellenwert in der europäischen Erinnerung Stasi-Ende Die ungewisse Republik Spuren und Lehren des Kalten Kriegs Einheitsrhetorik und Teilungspolitik Schweigen brechen - Straftaten aufklären Welche Zukunft hat die DDR-Geschichte? Die Deutschen und der 8. Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau Einmal Beethoven-Haus und zurück 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? Ein Rückblick nach einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit Von der (eigenen) Geschichte eingeholt? Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2021 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur The Games at the Gate Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? Flughafen Tempelhof Die Bundeshilfe für West-Berlin Christliche Gemeinschaft im geteilten Berlin Amerikanische Militärpräsenz in West-Berlin Das Stadtjubiläum von 1987 in Ost- und West-Berlin Bericht zum Workshop "Das doppelte Stadtjubiläum" Das untergegangene West-Berlin Interview: „Der Zoo der Anderen“ Un-Rechts-Staat DDR Bedrohter Alltag Unrecht, Recht und Gerechtigkeit - eine Bilanz von Gerd Poppe Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau – eine "Totale Institution" Stasi-Hafterfahrungen: Selbstvergewisserung und Renitenz Kritik und Replik: Suizide bei den Grenztruppen und im Wehrdienst der DDR Suizide bei den Grenztruppen der DDR. Eine Replik auf Udo Grashoff Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes, ihre Aufarbeitung und die Erinnerungskultur Die Freiheit ist mir lieber als mein Leben „Nicht nur Heldengeschichten beschreiben“ Wer war Opfer des DDR-Grenzregimes? Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine Recherche Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine andere Sicht "Begriffliche Unklarheiten" Die Reichsbahn und der Strafvollzug in der DDR "Schicksale nicht Begriffe" Mauerbau und Machtelite Zwangseingewiesene Mädchen und Frauen in Venerologischen Einrichtungen Stasi-Razzia in der Umweltbibliothek Politisch inhaftierte Frauen in der DDR Ein widerständiges Leben: Heinz Brandt Über den Zaun und zurück – Flucht und Rückkehr von Dietmar Mann Die politische Justiz und die Anwälte in der Arä Honecker Geraubte Kindheit – Jugendhilfe in der DDR Haftarbeit im VEB Pentacon Dresden – eine Fallstudie Zwischen Kontrolle und Willkür – Der Strafvollzug in der DDR Suizide in Haftanstalten: Legenden und Fakten Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen in der DDR bei Stellung eines Ausreiseantrages Das Scheitern der Jugendhilfe in der DDR - ein Beispiel Max Fechner – Opfer oder Täter der Justiz der Deutschen Demokratischen Republik? Die "Auskunftspersonen" der Stasi – Der Fall Saalfeld Geschlossene Venerologische Stationen und das MfS Jugendhilfe und Heimerziehung in der DDR Fraenkels "Doppelstaat" und die Aufarbeitung des SED-Unrechts Alltag und Gesellschaft Das religiöse Feld in Ostdeutschland Repräsentation Ostdeutschlands nach Wahl 2021 Die Transformation der DDR-Presse 1989/90 Das Elitendilemma im Osten "Affirmative Action" im Osten Ostdeutsche in den Eliten als Problem und Aufgabe Ostdeutsche Eliten und die Friedliche Revolution in der Diskussion Die Bundestagswahl 2021 in Ostdeutschland Deutsch-deutsche Umweltverhandlungen 1970–1990 Der Plan einer Rentnerkartei in der DDR "Es ist an der Zeit, zwei deutsche Mannschaften zu bilden" Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik Verhandelte Grenzüberschreitungen Verpasste Chancen in der Umweltpolitik Der dritte Weg aus der DDR: Heirat ins Ausland Und nach Corona? Ein Laboratorium für Demokratie! Nichtehelichkeit in der späten DDR und in Ostdeutschland 30 Jahre später – der andere Bruch: Corona Mama, darf ich das Deutschlandlied singen Mit der Verfassung gegen Antisemitismus? Epidemien in der DDR Homosexuelle in DDR-Volksarmee und Staatssicherheit „Die DDR als Zankapfel in Forschung und Politik" Die Debatte über die Asiatische Grippe Coronavirus - Geschichte im Ausnahmezustand Werdegänge Familien behinderter Kinder in BRD und DDR Vom Mauerblümchen zum Fußball-Leuchtturm DDR-Alltag im Trickfilm Die alternative Modeszene der DDR Nachrichtendienste in Deutschland. Teil II Nachrichtendienste in Deutschland. Teil I Die Jagd gehört dem Volke Homosexuelle und die Bundesrepublik Deutschland Honeckers Jagdfieber zahlte die Bevölkerung Sicherheitspolitik beider deutscher Staaten von 1949 bis 1956 Frauen im geteilten Deutschland Ostdeutsche Identität Patriotismus der Friedensbewegung und die politische Rechte Rechte Gewalt in Ost und West Wochenkrippen und Kinderwochenheime in der DDR Urlaubsträume und Reiseziele in der DDR Reiselust und Tourismus in der Bundesrepublik Schwule und Lesben in der DDR Die westdeutschen „Stellvertreterumfragen“ Erfahrungen mit der Krippenerziehung „Päckchen von drüben“ Vor aller Augen: Pogrome und der untätige Staat Zwischen Staat und Markt Jüdinnen in Deutschland nach 1945 Interviews Beiträge Porträts Redaktion "Ungehaltene Reden" ehemaliger Abgeordneter der DDR-Volkskammer Was sollten Wähler und Wählerinnen 2021 bedenken? Ein urdemokratischer Impuls, der bis ins Heute reicht „Als erster aus der Kurve kommen“ Die Rolle des Staats in der Wahrnehmung der Ostdeutschen Die durchlaufene Mauer Interview: Peter-Michael Diestel Interview: Günther Krause Interview: Lothar de Maizière Schülerzeitungstexte Liebe über Grenzen Ostseeflucht Fluchtursachen Die Frau vom Checkpoint Charlie Mutti, erzähl doch mal von der DDR Staatsfeind Nr.1: DAS VOLK!!! Mit dem Bus in die DDR Ost und West. Ein Vergleich Warum wird der 3. Oktober gefeiert? "Ich wünsch mir, dass die Mauer, die noch immer in vielen Köpfen steht, eingerissen wird" Zeitenwende Ist der Osten ausdiskutiert? Der Mutige wird wieder einsam Das Jahr meines Lebens Basisdemokratie Lehren aus dem Zusammenbruch "Wir wollten uns erhobenen Hauptes verabschieden" Für die gute Sache, gegen die Familie DDR-Wissenschaftler Seuchenbekämpfung Chemnitz: Crystal-Meth-Hauptstadt Europas Keine Ahnung, was als Nächstes passieren wird Allendes letzte Rede Friedliche Revolution Gethsemanekirche und Nikolaikirche Das Wirken der Treuhandanstalt Gewerkschaften im Prozess von Einheit und Transformation Zusammenarbeit von Treuhandanstalt und Brandenburg Privatisierung vom DDR-Schiffbau Die Leuna-Minol-Privatisierung Übernahme? Die Treuhandanstalt und die Gewerkschaften: Im Schlepptau der Bonner Behörden? Treuhand Osteuropa Beratungsgesellschaft "Ur-Treuhand" 1990 Internationale Finanzakteure und das Echo des Sozialismus Soziale Marktwirtschaft ohne Mittelstand? Die Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR Suche nach den Spuren der DDR Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und der DDR Der Freundschaftsverein „EFA“ Die Mauer in der französischen Populärkultur DDR als Zankapfel in Forschung und Politik DDR-Geschichte in französischen Ausstellungen nach 2009 Theater- und Literaturtransfer zwischen Frankreich und der DDR Die DDR in französischen Deutschbüchern Kommunalpartnerschaften zwischen Frankreich und der DDR Regimebehauptung und Widerstand Mut zum Aussteigen aus Feindbildern Für die Freiheit verlegt - die radix-blätter Der Fußballfan in der DDR Jugend in Zeiten politischen Umbruchs Umweltschutz als Opposition Sozialistisches Menschenbild und Individualität. Wege in die Opposition Politische Fremdbestimmung durch Gruppen Ist Antisemitismus vor allem ein ostdeutsches Problem? Antisemitismus in Deutschland Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch War die DDR antisemitisch? Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? Die Shoah und die DDR Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil I Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil II Israel im Schwarzen Kanal Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, I Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, II Das Israelbild der DDR und dessen Folgen Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Macht-Räume in der DDR Wirtschaftspläne im Politbüro 1989 "Macht-Räume in der DDR" Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur Staatliche Einstufungspraxis bei Punk- und New-Wave-Bands Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973) Schwarzwohnen 1968 – Ost und West Der Aufstand des 17. Juni 1953 Interview mit Roland Jahn Der 17. Juni 1953 und Europa Geschichtspolitische Aspekte des 17. Juni 17. Juni Augenzeugenbericht Kultur und Medien Die Stasi und die Hitler-Tagebücher Ein Nachruf auf Walter Kaufmann Die Tageszeitung »Neues Deutschland« vor und nach 1990 Wie ein Staat untergeht Objektgeschichte antifaschistischer Ausstellungen der DDR Reaktionen auf die Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ „Mitteldeutschland“: ein Kampfausdruck? Gesundheitsaufklärung im Global Humanitarian Regime The British Press and the German Democratic Republic Kulturkontakte über den Eisernen Vorhang hinweg "Drei Staaten, zwei Nationen, ein Volk“ "Flugplatz, Mord und Prostitution" SED-Führung am Vorabend des "Kahlschlag"-Plenums Ende der Anfangsjahre - Deutsches Fernsehen in Ost und West "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Es gibt keinen Dritten Weg" Frauenbild der Frauenpresse der DDR und der PCI Regionales Hörfunkprogramm der DDR DDR-Zeitungen und Staatssicherheit Eine Chronik von Jugendradio DT64 Die "neue Frau": Frauenbilder der SED und PCI (1944-1950) Die Demokratisierung von Rundfunk und Fernsehen der DDR Der Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ostdeutschland Heimat ist ein Raum aus Bytes Lager nach 1945 Ukrainische Displaced Persons in Deutschland Jugendauffanglager Westertimke Das Notaufnahmelager Gießen Die Gedenkstätte und Museum Trutzhain Die Barackenstadt: Wolfsburg und seine Lager nach 1945 Die Aufnahmelager für West-Ost-Migranten Die Berliner Luftbrücke und das Problem der SBZ-Flucht 1948/49 Migration Fortbildungen als Entwicklungshilfe Einfluss von Erinnerungskulturen auf den Umgang mit Geflüchteten Friedland international? Italienische Zuwanderung nach Deutschland Jüdische Displaced Persons Das Notaufnahmelager Marienfelde Migration aus Süd- und Südosteuropa nach Westeuropa Die "Kinder der 'Operation Shamrock'" Rück- und Zuwanderung in die DDR 1949 bis 1989 West-Ost-Übersiedlungen in der evangelischen Kirche Migration aus der Türkei Griechische Migration nach Deutschland Die Herausforderung der Aussiedlerintegration Die Ausreise aus der DDR Das Spezifische deutsch-deutscher Migration Flüchtlinge und Vertriebene im Nachkriegsdeutschland Interview mit Birgit Weyhe zur Graphic Novel "Madgermanes" Die Migration russischsprachiger Juden seit 1989 Chinesische Vertragsarbeiter in Dessau Arbeitsmigranten in der DDR Gewerkschaften und Arbeitsmigration in der Bundesrepublik Deutschlandforschertagung 2016 Eröffnungsreden Panels und Poster Session Grenzgebiete Die Wende im Zonenrandgebiet Der andere Mauerfall Das "Grüne Band" Alltagsleben im Grenzgebiet Außensichten auf die deutsche Einheit Wahrnehmung des geeinten Deutschlands in Serbien Norwegische Freundschaft mit dem vereinten Deutschland Deutschland im Spiegel des Wandels der Niederlande Österreichs Reaktionen auf die Mühen zur deutschen Einheit Israelische Reaktionen auf die Wiedervereinigung Deutsche Diplomaten erleben den Herbst 1989 Das wiedervereinigte Deutschland aus Sicht der Slowaken Wahrnehmung der deutschen Einheit in Dänemark Die Perzeption der Wiedervereinigung in Lateinamerika Deutsch-polnische Beziehungen Der Blick junger Schweizer auf Deutschland Bulgarien blickt erwartungsvoll nach Deutschland Vom bescheidenen Wertarbeiter zur arroganten Chefin "Gebt zu, dass die Deutschen etwas Großes geleistet haben." 150 Jahre Sozialdemokratie Wehners Ostpolitik und die Irrtümer von Egon Bahr 150 Jahre Arbeiterturn- und Sportbewegung Die Spaltung der SPD am Ende der deutschen Teilung Willy Brandts Besuch in Ostberlin 1985 Deutschlandforschertagung 2014 Einleitungsvortrag von Christoph Kleßmann Tagungsbericht: "Herrschaft und Widerstand gegen die Mauer" Tagungsbericht: Sektion "Kultur im Schatten der Mauer" Interview mit Heiner Timmermann Interview mit Angela Siebold Interview mit Jérôme Vaillant Interview mit Irmgard Zündorf Interview mit Andreas Malycha Die Mauer in westdeutschen Köpfen Multimedia Zeitreisen mit "Kennzeichen D" Der Anfang vom Ende der DDR: Die Biermann-Ausbürgerung 1976 Wendekorpus. 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Auf dem Weg zu einem freien Belarus?

Wolfgang Templin

/ 20 Minuten zu lesen

Der Mitbegründer der Initiative für Frieden und Menschenrechte in der DDR, Wolfgang Templin, beschreibt, wie sich Belarus im Lauf der Jahrhunderte zu einer eigenständigen Nation entwickelt hat, die nun auf den Spuren der Friedlichen Revolution in der DDR versucht, Demokratie zu verwirklichen. Aber das Machtbeharren des Diktators Lukaschenka in Minsk ist ungleich ausgeprägter, als das der SED 1989/90.

Tausende Menschen demonstrieren in der belarussischen Hauptstadt Minsk auf dem Platz der Unabhängigkeit und fordern den Rücktritt von Präsident Lukaschenko. (© picture-alliance/dpa)

Die Republik Belarus mit ihrer Hauptstadt Minsk ist wieder in den Fokus der internationalen Öffentlichkeit gerückt. Lange Zeit gab es diese Aufmerksamkeit für Belarus und die politischen Zustände dort nicht.

Die gegenwärtigen Massenproteste in Minsk und anderen Städten des Landes lassen bei den Beteiligten an der Friedlichen Herbstrevolution vor 31 Jahren in der DDR Erinnerungen wach werden. Damals gelang es das Unrechtssystem der SED zu überwinden, die DDR-Geheimpolizei „Staatssicherheit“ zu entmachten und die Mauer zum Einsturz zu bringen.

Ein Katalysator der Friedlichen Revolution in der DDR war im Mai 1989 die Aufdeckung massiver Interner Link: Fälschungen der Kommunalwahlergebnisse, was der Opposition weiteren Auftrieb verlieh. "Die Schmerzgrenze war für uns erreicht", schrieben Anfang September 2020 einstige Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler aus der DDR in einem offenen Brief an die Demonstrierenden in Minsk. Sie erinnern in ihrer "öffentlichen Grußadresse" daran, dass auch ihnen 1989 "Ohnmachtserfahrungen nicht fremd" gewesen seien.

Wahlfälschungen zugunsten des Diktators Aljaksandr Lukaschenka wurden am 9. August 2020 auch in Belarus zum Anlass immer stärkerer friedlicher Massenproteste. An deren Spitze stehen vor allem selbstbewusste Frauen, denen Lukaschenka im Wahlkampf pauschal die Fähigkeit zur Politik abgesprochen hatte.

(© picture-alliance/AP)

Der jetzt 66-Jährige regiert Belarus seit 1994 und wird oft in Medien als „letzter Diktator Europas“ bezeichnet, der nicht bereit ist, sein Amt aufzugeben. Der Vorwurf, durch manipulierte Wahlen an der Macht geblieben zu sein, begleitet ihn schon länger.

Ein Blick in die fernere und nähere Vergangenheit des Landes kann helfen, den Hintergrund der Proteste, den Charakter des belarusischen Machtapparates und die Ziele der Protestierenden besser zu verstehen.

Versuchte Einschüchterung in allen gesellschaftlichen Bereichen. Festnahme von Studierenden in Minsk am 1. September 2020, die sich an Protesten gegen das Lukaschenka-Regime beteiligt hatten. (© picture-alliance/AP)

Zur Geschichte von Belarus

Die Territorien der heutigen Republik Belarus sind Teil eines geographischen und historischen Raumes zwischen der Nordgrenze des Schwarzen Meeres, dem Oberlauf der Wolga, den Karpaten im Westen und den östlichen Steppengebieten. Ein Raum, der im frühen Mittelalter von einer Reihe ostslawischer Stämme besiedelt wurde, zwischen denen es enge ethnische, sprachliche und kulturelle Verbindungen gab. Verbunden mit dem Einfluss baltischer und gotisch-skandinavischer Stämme und Kulturen, bildeten sich im Zuge der um die erste Jahrtausendwende von Byzanz ausgehenden Christianisierung Herrschaftsgebiete von Stammesführern, die sich zu Fürsten und Großfürsten erklärten. Sie gaben sich den Sammelnamen Rus und hatten ihr bedeutendstes Zentrum im Großfürstentum der Kiewer Rus. Aus der Bevölkerung dieser Herrschaftsgebiete gingen die späteren Russen, Ukrainer und Belarusen hervor.

Rund ein Dutzend Fürsten rang um die Vorherrschaft in den verschiedenen Territorien. Sie sahen sich im Nordwesten mit den damals noch heidnischen Litauern und im Westen mit dem römisch-katholischen Königreich Polen konfrontiert. Die Litauer gingen aus einer Verschmelzung verschiedener baltischer Stämme hervor, in Polen bildete sich die stärkste westslawische Volksgruppe heraus.

Zugleich waren die Territorien der Rus eine Drehscheibe europäischer Wanderungsbewegungen und Handelsbeziehungen. Das Netz von Flüssen, welche sie durchzog, verband die Ostsee mit dem Schwarzen Meer. Die größte Gefahr für die Fürstentümer der Rus kam aus dem Osten. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts wurde der größte Teil von ihnen von gewaltigen Invasionen mongolischer Reiterheere überrannt. Nicht die dauerhafte Besetzung der eroberten Territorien war das Ziel der Mongolen, sondern ein Unterordnungs- und Tributsystem, das die Kooperation einheimischer Eliten einschloss. Rund zwei Jahrhunderte vergingen, bis es gelang, die mongolische Herrschaft abzuschütteln und deren Heere an den Süd- und Ostrand der Rus zurückzudrängen.

Hier lag der tiefste Grund für die dauerhafte Verbindung der westlichen und mittleren Teile der Rus-Territorien mit ihren westlichen und nordwestlichen Nachbarn. Das Polnische Königreich und das Großfürstentum Litauen boten sich ihren zutiefst geschwächten östlichen Nachbarn als Schutzmächte an. Zahlreiche Verträge und eine dynastische Verbindung bereiteten den endgültigen Zusammenschluss beider Reiche vor, der in der Union von Lublin förmlich vollzogen wurde. In der gemeinsamen Adelsrepublik, zu deren litauischem Teil die ostslawischen Rus-Territorien zählten, gab es föderalistische und parlamentarische Momente und Ansätze zu einer Gewaltenteilung, die den östlichen, der byzantinisch-orthodoxen Tradition folgenden Gebieten völlig unbekannt blieb. Die prägende politische Schicht in beiden Teilen der Adelsrepublik war der niedere Adel, der bis zu zehn Prozent der Bevölkerung ausmachte und über seine Rechte und Freiheiten wachte. Für die gesamte Union galt eine Toleranz, welche religiöse, sprachliche und kulturelle Vielfalt einschloss.

Im Zarenreich

Zur gleichen Zeit entwickelte sich im äußersten Norden der Rus das Großfürstentum Moskau unter Ausschaltung und Inbesitznahme konkurrierender Fürstentümer. Mit Iwan dem Großen bestieg in Moskau ein Herrscher den Thron, der sich in byzantinischer Tradition zum wahren Hüter des Christentums, zum Gottkaiser, zum allmächtigen Zar, zur Verkörperung weltlicher und geistiger Macht in einer Person erklärte. Die Insignien der byzantinischen Macht wie der doppelköpfige Adler bildeten hier nur die äußere Kulisse. Entscheidend war der imperiale Anspruch auf Sammlung der heiligen russischen Erde, ein Machtanspruch, der sich auf alle näheren und ferneren Nachbarn erstreckte.

Unter der Zarin Katharina II. stieg Russland in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu einer der entscheidenden europäischen Großmächte auf. Katharina, die aus einem deutschen Fürstengeschlecht stammte, war mit den Gedanken der Aufklärung vertraut, verwarf sie jedoch für Russland. Dieses Land bedurfte für sie der Orthodoxie und musste mit eiserner Hand regiert werden. Vor allem galt es die Sammlung der russischen Erde voranzutreiben. Dem Expansionsdrang Russlands standen im 17. und 18. Jahrhundert Schweden, das Osmanische Reich und die polnisch-litauische Adelsrepublik entgegen. Schweden schied im frühen 18. Jahrhundert aus dem Konzert der europäischen Großmächte aus. Dem osmanischen Reich bereitete Russland eine Niederlage nach der anderen und drang an seiner südlichen Flanke bis an das Nordufer des Schwarzen Meeres vor. Jetzt standen die Teilungen Polens an.

Russland gelang es im Bündnis mit Preußen und Österreich, Polen für fast anderthalb Jahrhunderte von der Landkarte Europas zu tilgen. In Polen standen Reformkräfte des Adels prorussischen Gegenkräften gegenüber, die den inneren Zerfall beschleunigten, Spannungen schürten und die drei Großmächte um Schutz anriefen.

Russland sicherte sich den größten Teil der territorialen Beute, und ließ den zentralpolnischen Gebieten zunächst eine Scheinautonomie. Die östlichen, litauischen Teile der Adelsrepublik wurden als widerrechtlich geraubte Gebiete angesehen und als heilige russische Erde zu nordwestlichen Gouvernements des Imperiums.

Über das gesamte 19. Jahrhundert teilten Pol*innen, Ukrainer*innen, Litauer*innen, Balt*innen, Jüdinnen und Juden, Musliminnen und Muslime sowie die belarusische Bevölkerung das Schicksal der Unterdrückung. Aus allen Angehörigen der dort lebenden Bevölkerung sollten russische Untertanen des Zaren werden. Die katholische Kirche, andere Konfessionen und Religionen hatten als Hort des Widerstandes und einer anderen kulturellen Identität in der Orthodoxie aufzugehen.

Wiederholte Aufstände, zum Teil unter Führung polnischer Adliger, in denen Angehörige aller unterdrückten Volksgruppen zusammen kämpften, wurden blutig niedergeschlagen. Dies verschärfte den Druck zur Russifizierung und Unterordnung. Die Anführer der Aufstände landeten am Galgen, zehntausende von Beteiligten mit ihren Familien in Sibirien oder der Emigration. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde auch die ukrainische Unabhängigkeitsbewegung stärker. Ebenso erlebten die litauische Sprache und Kultur, sowie die Rückbesinnung auf eigene historische Traditionen eine Renaissance.

Dazu kam, zunächst von wenigen Intellektuellen getragen, die Suche nach einer eigenen, mit der ostslawischen Völkergruppe verbundenen belarusischen Geschichte, Kultur, und Sprache. Die ersten Ansätze der späteren belarusischen Unabhängigkeitsbewegung waren gegeben. Die baltischen Nationen waren sich ihrer Andersartigkeit und Eigenart ohnehin immer bewusst und rangen um staatliche Eigenständigkeit.

Nach dem Ersten Weltkrieg

Solange die mit dem Wiener Kongress zementierte Ordnung der europäischen Großmächte über Konkurrenzen und Konflikte hinweg stabil hielt, gab es für das Bemühen aller osteuropäischen Unabhängigkeits- und Nationalbewegungen keine wirkliche Chance.

Mit dem Ausgang des Ersten Weltkrieges und dem Untergang aller drei Teilungsimperien (Deutsches Kaiserreich, Russland, Österreich-Ungarn) entstand eine neue Situation. Das im November 1918 wiederentstandene Polen kämpfte an den Verhandlungstischen von Versailles um seine Position als souveräner europäischer Großstaat und neue Grenzen. Dabei sah es sich sehr schnell im Konflikt mit allen seinen territorialen Nachbarn. Die alten zivilen und militärischen Eliten des deutschen wilhelminischen Kaiserreiches, die zu den neuen der Weimarer Republik zählten, waren nicht bereit, ein starkes souveränes Polen als Nachbar zu akzeptieren, das Anspruch auf Territorien erhob, die Preußen im Zuge der polnischen Teilungen zugefallen waren. Militärische Präsenz im Baltikum und auf ukrainischen Territorien bot die Chance, dort nach der Kriegsniederlage im Spiel zu bleiben. Dazu gehörte auch ein offenes und verdecktes Paktieren mit den russischen Bolschewiki, welche das Machtvakuum nach dem Sturz des Zaren nutzten. Beide Seiten waren nie bereit, ein souveränes Polen, die Unabhängigkeit der baltischen Staaten, eine eigenständige Ukraine und ein sich gerade erst formierendes unabhängiges Belarus zu akzeptieren.

Der Autor dieses Beitrags, der frühere DDR-Bürgerrechtler Wolfgang Templin (l.), der zum Gründerkreis der 1986 gebildeten Initiative für Frieden und Menschenrechte gehörte, sie war eine der ältesten Gruppen der Bürgerrechtsbewegung in der DDR. Am 4. Oktober 2016 erhielt Templin das Bundesverdienstkreuz aus der Hand des damals amtierenden Bundespräsidenten Joachim Gauck. (© picture-alliance/dpa, Kay Nietfeld)

Am Rand der Niederlage im Bürgerkrieg stehend, schafften es die Bolschewiki die Oberhand zu behalten und setzten die russisch-imperiale Tradition unter rotem Vorzeichen fort. Sie mussten die Unabhängigkeit Finnlands akzeptieren, ebenso die Eigenständigkeit Lettland, Estlands und Litauens und scheiterten in ihrer Strategie mit Hilfe der polnischen Kommunisten einen Vasallenstaat Sowjetpolen zu schaffen. Für einen anderen Teil der alten Rus-Territorien ging ihr Konzept jedoch auf. Ein Großteil von Ukrainern bewohnter Territorien kam unter ihre Obhut und wurde zur Sowjetukraine. Das Gleiche galt für den östlichen Teil der Territorien von Belarus. Alles, was Lenin zur Unabhängigkeit der Nationen verkündete, war taktischen Rücksichten geschuldet, die später unter Stalin keine Rolle mehr spielten. Folklore, Kultur und die Förderung nationaler Sprachen wurde phasenweise geduldet, solange die Bevölkerung der verschiedenen Nationen die kommunistischen Herrschaftsverhältnisse akzeptierte und verinnerlichte.

Die Hoffnung polnischer sozialistischer und demokratischer Unabhängigkeitskräfte und des polnischen Staatsgründers Józef Piłsudski war auf eine Föderation mit unabhängigen östlichen Nachbarn gerichtet. Ein Bündnis, welches den russisch-imperialen Anspruch im östlichen Teil des Kontinents zurückdrängen konnte.

Für Polen hätte das territoriale Konzessionen gegenüber der Ukraine, Litauen und Belarus bedeutet. Ein Kompromiss, zu dem sich nur eine Minderheit der polnischen Linken bereitfand. Polnische Nationalisten sahen Ukrainer*innen und Belarus*innen als unfähig zur Staatsgründung an. Sie wollten Litauen nur als Zwergstaat akzeptieren und versuchten alle Minderheiten auf dem eigenen Staatsgebiet zu assimilieren. Damit setzten sie sich durch und durchkreuzten alle Föderationspläne. Das unabhängige Polen der Zweiten Polnischen Republik konnte sich knapp zwei Jahrzehnte lang des sowjetischen Drucks erwehren. Aber ab der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland 1933 war Polen mit dem totalitären Vereinnahmungs- und Auslöschungswillen Hitlers konfrontiert.

Der Hitler-Stalin-Pakt

Der Hitler-Stalin Pakt im August 1939 war mehr als ein taktisches Bündnis zweier ideologischer Todfeinde. Er sollte Hitler helfen, seine Welteroberungspläne durchzusetzen und Stalin bei der Durchsetzung sowjetisch-kommunistischer Hegemonial-Ansprüche in Europa und weltweit unterstützen. Hitlers Rechnung ging nicht auf, Stalins Strategie ließ die von Hitler überfallene Sowjetunion, zum wichtigsten Verbündeten der westlichen Alliierten werden.

Stalin erklärte den von der Sowjetunion besetzten östlichen Teil der Zweiten Polnischen Republik zu wiedergewonnenen ukrainischen und belarusischen Gebieten. Zwischen 1939 sowjetisierte er diese Gebiete mit Terror und Deportationen, schaffte es die Unabhängigkeit Estlands, Lettlands und Litauens aufzuheben und sie mit den gleichen brutalen Mitteln zu sowjetisieren.

Zwangsarbeiterinnen des Daimler-Werkes im weißrussischen Minsk im September 1942. (© Mercedes-Benz Classic, Archive, Stuttgart)

Als Hitler 1941 seinen Verbündeten und Todfeind überfiel, wurden die Territorien der Ukraine und Belarus zum Zentrum unvorstellbaren Terrors der Wehrmacht und Sondereinheiten. Sie betrieben den totalen Vernichtungskrieg gegen die Zivilbevölkerung und ermordeten Abertausende Jüdinnen und Juden, allein 75.000 von ihnen deportierten die deutschen Besatzer ins Minsker Ghetto und ermordeten fast alle. Autor*innen wie Anne Applebaum und Timothy Snyder haben sehr lehrreiche Bücher über die damit verbundenen unermesslichen Tragödien verfasst.

In der Wald- und Sumpflandschaft großer Teile von Belarus, bildeten sich, losgelöst von der regulären Roten Armee, gut organisierte Partisaneneinheiten. Sie konnten der Wehrmacht und den deutschen militärischen Sondereinheiten große Verluste zufügen. Der Partisanenmythos sollte zu einem Identitätsschwerpunkt der neueren belarusischen Geschichte werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach der Niederlage des nationalsozialistischen Deutschlands und seiner Verbündeten, bei der die Rote Armee eine entscheidende und opferreiche Rolle spielte, fiel der Sowjetunion der östliche halbe Teil Europas zu. Auf allen großen Konferenzen der Alliierten, bei denen die Nachkriegsordnung Europas verhandelten wurde – von Teheran bis Potsdam – spielte die polnische Frage, spielte das Schicksal Ostmitteleuropas eine entscheidende Rolle. Die Vertreter der polnischen Exilregierung in London, die auf diesen Konferenzen auftraten, wurden als unliebsame Querulanten behandelt. Wenn „Uncle Joe“, wie man Josef Stalin scherzhaft nannte, ein unabhängiges Polen und freie Wahlen versprach, wollte man ihm fatalerweise glauben.

Die Strategie der kommunistischen Machtübernahme in einem möglichst großen Teil Europas stand fest. Die genauen Schritte und Zeitabfolgen wurden von vielen Faktoren diktiert. Da sich die Sowjetunion völkerrechtlich als Föderation deklarierte, beanspruchte Stalin mit den formal eigenständigen Föderationssubjekten Ukraine und Belarus drei Plätze in der 1946 begründeten UNO. Als die Sowjetunion nach 1989 zerfiel, erleichterte dieser Status der Ukraine und Belarus den Start in die Unabhängigkeit.

In keinem der durch die Militärpräsenz der Roten Armee zusammengezwungenen Länder des Ostblocks hatten die nationalen Kommunisten je die Mehrheit der Bevölkerung auf ihrer Seite. In Polen und den baltischen Staaten (die der Sowjetunion einverleibt wurden) gab es bis in die fünfziger Jahre hinein bewaffneten Widerstand. Sozialdemokratische, liberale und konservative Parteien wurden aufgelöst oder gleichgeschaltet. Ihre Anhänger*innen wurden verfolgt und sahen sich massiven Repressionen ausgesetzt. Das gleiche galt für Kommunist*innen, die nicht bereit waren, sich dem Moskauer Diktat zu beugen.

Die Botschaft der "Kultura"

Eine kleine Gruppe von polnischen und ukrainischen Emigrant*innen, zu denen später auch russische, litauische und belarusische Unterstützer*innen kamen, nahm sich der Frage nach der Zukunft Mittelosteuropas und Osteuropas auf besondere Weise an. Sie sammelten sich in Paris um die Exilzeitschrift Kultura. Weit mehr als eine Zeitschrift, wurde die Kultura über die Jahre ihrer Existenz von 1947 bis 2000 zu einer der wichtigsten Stimmen demokratischen und oppositionellen Denkens. Jerzy Giedroyc, der Begründer und Herausgeber der Zeitschrift, die er bis zu seinem Tod im Jahr 2000 leitete, stammte aus einem alten litauischen Adelsgeschlecht und bekannte sich mit Stolz als Mensch des Ostens.

Die Herausgeber und internationalen Mitarbeiter*innen der Kultura waren Realisten. Europäische Teilung und der Eiserne Vorhang, der den Machtbereich der Sowjetunion abschirmte, durften weder einfach akzeptiert, noch konnten sie kurzfristig aufgehoben werden. Es ging um eine langfristige Strategie evolutionärer und revolutionärer Veränderungen.

Der Ausgleich und die Versöhnung mit und unter allen osteuropäischen Nachbarn, auch mit Russland, gehörten dazu. Giedroyc und seine Verbündeten traten für eine unabhängige Ukraine, ein freies Belarus und ein freies Litauen ein. Dabei ging es um mehr als das Föderationskonzept des polnischen Staatsgründers Józef Piłsudskis. Freiheit und Souveränität der Nachbarn wurde als gleichberechtigte Partnerschaft verstanden, die auch Kompromisse abverlangte. Die Forderung, den polnischen Anspruch auf das litauische Vilnius, das ukrainische Lemberg und das belarusische Grodno aufzugeben, grenzte für nationalistische Polen an Landesverrat. Die Positionen der Pariser Kultura wurden von polnischen, ukrainischen und russischen Nationalisten gleichermaßen abgelehnt. Ihre Vertreter wurden als eine Bande jüdisch-trotzkistischer Homosexueller angefeindet, die von Washington ausgehalten würden.

Wer davon sprach, dass der Weg zu einer wirklich souveränen ukrainischen Nation, eines souveränen Belarus, einer späteren besseren Nachbarschaft über die Realitäten der Sowjetukraine und Sowjetbelarus führen müsse, sprach Ungeheuerliches aus.

Die Kultura begleitete den 17. Juni 1953 in der DDR, den Ungarnaufstand von 1956, die polnische Tauwetterperiode, die Prager Reformkommunisten und den letztendlichen Sieg der Solidarność in Polen. Sie sorgte in diesen Dekaden mit dafür, dass die Frage nach dem Weg zu einer freien, souveränen und demokratischen Ukraine, einem souveränen Litauen und einem freien Belarus in den Debatten und Aktionen der osteuropäischen Dissident*innen lebendig blieb, die Bühne der Öffentlichkeit und der Politik nicht völlig verließ.

Eine große Vision

Die friedlichen Befreiungsrevolutionen des Jahres 1989 erfüllten mehr als einen Traum. Sie bedeuteten einen Epochenumbruch in der Geschichte Europas. Nahezu alle offiziellen Akteure wurden von der Wucht der Ereignisse, den Massendemonstrationen und Protesten in zahlreichen Ländern, den Fähigkeiten zur Selbstorganisation der Beteiligten, überrascht und überrannt.

Bronisław Komorowski, der selbst aus der Oppositionsbewegung kam, sprach als erster polnischer Staatspräsident im September 2014 vor dem Deutschen Bundestag. Bezogen auf das Jahr 1989 hielt er fest: „Dies war nicht nur ein Sieg der Diplomatie oder der politischen Bündnisse. In Wirklichkeit veränderte sich Europa durch den Willen der Völker – den Willen der nach Freiheit dürstenden Menschen“.

Dieser Kraft konnte sich in jenem Moment auch der sowjetische Generalsekretär Michail Gorbatschow nicht entziehen. Er hatte versucht mit Glasnost und Perestroika ein Zwangssystem zu reformieren, das nicht zu reformieren war. Ungewollt hatte er damit den endgültigen Zerfall der Sowjetunion befördert. Einer Sowjetunion, die er um jeden Preis erhalten wollte. Sein Realismus riet ihm, die Auflösung des Ostblocks zu akzeptieren und dort auf den Einsatz militärischer Mittel zu verzichten. Massakern seiner Hardliner im Innern der Sowjetunion, in Georgien und Litauen, widersetzte er sich jedoch nicht.

Karte des post-sowjetischen Raums: Untergang der Sowjetunion, bewaffnete Konflikte 1991-2017 und Nachfolgestaaten
Interner Link: Hier finden Sie die Karte als hochauflösende pdf-Datei. (mr-kartographie) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Befreiungsbewegungen unterdrückter Nationen und Nationalitäten im Völkergefängnis der Sowjetunion gab es selbst in den schlimmsten Zeiten stalinistischen Terrors. Sie lebten in unterschiedlichen Formen und Stärken fort und wurden im letzten Jahrzehnt der Sowjetunion immer stärker. Sie bestimmten auch eine zentrale Auseinandersetzung unter den sowjetrussischen Dissident*innen.

Der Atomphysiker und spätere Oppositionelle Andrej Sacharow war in der Frage der nationalen Souveränität konsequent. Er sah die lang vererbte imperiale sowjetische Zwangsjacke als anachronistisch an. Er setzte konsequent auf Föderationskonzepte mit dem Recht auf Zugehörigkeit oder Austritt. Damit stand er jedoch selbst bei kritischen russischen Intellektuellen und Dissident*innen eher isoliert da. Diese wollten die Sprengkraft der nationalen Fragen entweder nicht erkennen oder hielten sich an den Antipoden Sacharows, den Schriftsteller und Dissidenten Alexander Solschenizyn. Der sah die ostslawischen Stämme der ehemaligen Rus in einer historischen und kulturellen untrennbaren Einheit verbunden, Teil einer ewigen großrussischen Familie. Sowjetnostalgiker und russische Nationalisten sollten sich später immer wieder auf Solschenizyn berufen, wenn es darum ging die Werte und die Kraft eines heiligen Russlands gegen den Einfluss eines aus ihrer Sicht verfaulenden, dekadenten Westens zu verteidigen.

7. Dezember 1991 – Russische Föderation, Belarus und Ukraine gewinnen ihre Unabhängigkeit zurück

Mit Boris Jelzin erwuchs Michail Gorbatschow, der die imperiale Einheit der Sowjetunion mit allen Mitteln erhalten wollte, ein mächtiger Rivale. Im Ringen um die Macht zog Jelzin die nationale Karte. Im Jahre 1991 erreichte der Machtkampf zwischen Gorbatschow und Jelzin seinen Höhepunkt. Mit einem Überraschungscoup beförderte Letzterer den Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion ins Abseits. Auf einer Regierungsdatsche in einem Naturschutzgebiet 300 Kilometer westlich von Minsk trafen sich am 7. Dezember 1991 Boris Jelzin, Leonid Krawtschuk und Stanislau Schuschkjewitsch, die ranghöchsten Repräsentanten der Russischen Föderation, der Ukraine und Belarus. Hinter dem Rücken von Gorbatschow trugen sie mit der Gründung der „Gemeinschaft unabhängiger Staaten“ (GUS), die Sowjetunion zu Grabe.

Am 8.12.1991 beschließen die Staatsoberhäupter L. Krawtschuk (Ukraine, 2. v. l.), S. Schuschkewitsch (Belarus, 3. v. l.) und B. Jelzin (Russland, 2. v. r.) die Auflösung der Sowjetunion. (© Ria Nowosti/Getty Images)

Der belarusische Parlamentspräsident war sich als amtierendes Staatsoberhaupt, der Tragweite und der Risiken dieses Schrittes bewusst. Schuschkjewitsch wusste um die Schwäche der belarusischen Unabhängigkeitskräfte, die Mentalität der belarusischen Bevölkerung, die anders als die Menschen in der Ukraine, mehrheitlich für den Verbleib in der Sowjetunion votierten. Die Bindungen zum großen russischen Nachbarn positiv zu gestalten, die Lage und das eigene Potential von Belarus, auf einem langen Weg in die Eigenständigkeit zu nutzen, schien am Beginn der Ära Jelzin ein realistisches Vorhaben. In der ersten Hälfte der neunziger Jahre gingen die baltischen Staaten ihren Reformweg in Richtung europäischer Union. In Polen zerstritten sich die siegreichen Solidarność-Kräfte und machten einer postkommunistischen Regierung Platz, die aber klugerweise am prowestlichen Reformkurs des Landes festhielt. Die Ukraine bewegte sich auf einem Schlingerkurs vorwärts. Dieser war von einem politischen Kompromiss des Reformkommunisten Krawtschuk mit ukrainischen oppositionellen Unabhängigkeitskräften bestimmt.

In dieser Zeit schien die Vision einer wirklichen Friedensordnung für den gesamten europäischen Kontinent in greifbare Nähe zu rücken, die Lehren aus dem Jahrhundert der Weltkriege und Totalitarismen schienen gezogen. Es war die Vision einer Ordnung, in der freundschaftlich miteinander verbundene souveräne Staaten, gemeinsame Grundwerte und Normen des Umgangs miteinander akzeptieren, in der nicht das Recht des Stärkeren galt. Gerechtigkeit, Freiheit und Wohlstand sollten sich wechselseitig bedingen. Die wahren Hürden und Rückschläge sollten jedoch folgen.

Der Weg Lukaschenkas

In Belarus machte der junge Parlamentsabgeordnete Aljaksandr Lukaschenka dem Parlamentspräsidenten Schuschkjewitsch und seinen Anhängern das Leben schwer. Der aus der mittleren Parteinomenklatura stammende Lukaschenka besaß Erfahrungen als Politinstrukteur bei einer Panzerkompanie und als Direktor eines landwirtschaftlichen Großbetriebs, einer Sowchose. Er hing einer engen politischen Bindung an Russland an, unterstützte 1991 den Augustputsch gegen Michail Gorbatschow, lehnte die reformatorischen Vorstöße von Boris Jelzin ab und inszenierte sich zunächst als parlamentarischer Korruptionsbekämpfer. Fälle tatsächlicher Korruption unter Regierungsmitgliedern, die unter seiner Führung aufgedeckt wurden, gingen mit behaupteten Fällen einher, die sich später als haltlos erwiesen. Einer davon betraf Stanislau Schuschkijewitsch, der sich daraufhin von seinen Ämtern verabschiedete und in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre einer Oppositionspartei anschloss.

Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko bei einer Zeremonie zu Ehren der Roten Armee aus dem 2. Weltkrieg. (© picture-alliance/AP, picture alliance, ASSOCIATED PRESS, Mikhail Klimentyev)

Lukaschenka nutze seine Popularität und öffentliche Präsenz, die ihm bei der Präsidentschaftswahl von 1994 zum Sieg verhalfen. Bereits diese Wahlen stufte die Wahlbeobachtung der OSZE als unfair ein. Lukaschenka ging auf Distanz zum Westen und schlug einen Kurs zurück zur Sowjetzeit ein. Der ersten Wahlperiode sollten vier weitere folgen, die Lukaschenka immer stärker zum autokratischen und diktatorischen Alleinherrscher machen konnten. Alle diese Wahlkämpfe und Wahlvorgänge ließen Zweifel an einem fairen und rechtmäßigen Verlauf zu.

Bereits die erste Amtszeit konfrontierte ihn mit einer zunehmend veränderten Situation in Russland. Die inkonsequenten Reform- und Föderationsansätze des frühen Boris Jelzin endeten in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre mit einer Niederlage der russischen Reformkräfte. Ihre Vertreter mussten der wachsenden Stärke von Oligarchen und mafiösen KGB-Strukturen weichen. An deren Spitze setzte sich der ‚lupenreine Demokrat‘ Wladimir Putin. Er nahm dem vom eigenen Familienclan umzingelten, immer zielloseren Boris Jelzin, die Zügel der Macht aus der Hand. Von jetzt an waren die Weichen auf eine konsequent aggressive neoimperiale Politik der wiedererstarkenden Russischen Föderation gestellt. Putin erklärte den Zerfall der Sowjetunion zur größten Tragödie des zwanzigsten Jahrhunderts und tat alles in seiner Macht stehende, um seine nächsten Nachbarn, die Ukraine und Belarus wieder an sich zu ketten.

Polen und die baltischen Staaten hatten sich unter den Schutzschirm der NATO begeben und wurden in den Folgejahren zu Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Die Magnetwirkung ihres Weges auf die Ukraine, auf Belarus und Russland selbst verfolgte Putin wie ein wiederkehrender Albtraum.

Das Modell Putin

Lukaschenka war der Mentalität und dem Ordnungsregime, welches Putin und seine Silowiki Russland aufzwangen, zutiefst verbunden. Die Methoden, mit welchen Putin die eigene Opposition, kritische Journalist*innen und Kräfte der Zivilgesellschaft bekämpfte und niederzuhalten versuchte, ahmte er nach.

Der weißrussische Präsident Alexander Lukashenko während eines Treffens des Sicherheitsdiensts in Minsk. (© picture-alliance, ASSOCIATED PRESS | Nikolai Petrov)

Zugleich wollte er Herr im eigenen, kleinen Imperium bleiben und akzeptierte es, als letzter Diktator Europas gesehen zu werden. Dem Vorschlag Putins, Belarus erneut zu einem westrussischen Gouvernement zu machen, zu einem der Statthalter des russischen Diktators zu werden, mochte er nicht folgen. Eine weitgehende wirtschaftliche Abhängigkeit von Russland wollte er jedoch akzeptieren. Nur dadurch brachte er das Kunststück zuwege, staatswirtschaftliche Strukturen zu erhalten und dennoch der Bevölkerung einen erträglichen und vergleichsweise stabilen Lebensstandard zu sichern.

So versuchte er Belarus als postsowjetische Wärmestube zu erhalten, in der sich die Nostalgie nach sowjetischen Zeiten festsetzte, die Unterstützung für den ewigen Wohltäter ‚Väterchen Lukaschenka‘ anhielt, Sowjetsymbole und Partisanenmythos, die Erinnerung an verschwundene und ermordete Oppositionelle, an politische Häftlinge in den Gefängnissen und die Allpräsenz des belarusischen KGB überdeckten.

Und jetzt?

Lange Zeit schien diese Rechnung aufzugehen. Die meist zerstrittene belarusische Opposition blieb marginal. Lukaschenka konnte eine Krise nach der anderen aussitzen und Konkurrenten aus dem Verkehr ziehen. Sowie sich einende Köpfe der vielpoligen Opposition heraus kristallisierten, kamen sie in Haft, verschwanden spurlos oder verloren unter mysteriösen Umständen ihr Leben.

Fotos prominenter ermordeter belarusischer Oppositioneller, gezeigt bei einer Solidaritätsdemonstration in Berlin im August 2020. (© bpb / H.Kulick)

Bei jeder Geste der Aufmüpfigkeit gegenüber Putin konnte der belarusische Diktator der EU glauben machen, dass es zu Reformen und Liberalisierung in seinem Land kommen könne. Jedoch ohne, dass es dazu kam und Folgen für Lukaschenka hatte. Wogegen er sich jedoch nicht wehren konnte, war der Einfluss, der von seinen nächsten demokratischen Nachbarn ausging, die mit Unterstützung der belarusischen Zivilgesellschaft, mit Stipendienprogrammen für die nachwachsende Generation in Belarus, mit tausend Formen nachbarschaftlicher Kontakte und Hilfe, einen Wandel vorantrieben.

In Polen fanden belarussische Oppositionelle Aufnahme und Unterstützung, entstand mit Belsat ein Fernsehsender, der freien Journalismus praktizierte. In der litauischen Hauptstadt Vilnius konnte eine belarusische Universität ihre Arbeit fortsetzen. Unabhängige Intellektuelle und Künstler*innen aus Belarus, fanden in ganz Europa und weltweit Anerkennung und Wertschätzung.

Nunmehr ist es nicht eine marginalisierte Opposition, ist es nicht eine kulturelle und intellektuelle Elite von Belarus allein, die gegen den Diktator aufbegehrt und ihr vielfältiges Engagement im Internet dokumentiert. Aktiv ist in seiner ganzen Breite das belarusische Bürgertum, unerschrocken, friedlich und undogmatisch.

Vieles erinnert mich an die Entwicklung im Herbst 1989 in der DDR, bei der ja auch eine Wahlfarce die Massenproteste beförderte. Es steht aber zu befürchten, dass Lukaschenka versuchen wird, sich mit verschiedensten Methoden an die Macht zu klammern. Selbst wenn er dabei vor Putin völlig zu Kreuze kriechen muss . Doch es ist diesmal die große Mehrheit der belarusischen Gesellschaft, welcher nach der Wahlmanipulation und dem anschließenden Terror der Sicherheitskräfte der Geduldsfaden riss, und die mit Ihren Protesten nicht müde wird, trotz einschüchterndem Polizeiapparat und immer stärker eingeschränkter Demonstrations- und Pressefreiheit .

Unaufhörliche Proteste. Demonstrantinnen am 2. September 2020 auf dem Unabhängigkeitsplatz in Minsk. Ihnen gegenüber maskierte Mitglieder der Spezialeinheit "Omon" der Polizei in der Republik Belarus. Sie ist Teil des repressiven Machtapparats unter Präsident Aljaksandr Lukaschenka. (© picture-alliance/dpa, TASS / Sergei Bobylev)

Sie haben das Beispiel ihrer Nachbarn vor Augen, deren Demokratien mit all ihren Mängeln funktionieren, in denen elementare Freiheitswerte gesichert sind. Ihr Zeichen an den eigenen Diktator, dass seine Tage gezählt sind, ist zugleich ein Zeichen an den großen Diktator im Osten. Die Menschen in Belarus fühlen sich Russland verbunden und sind stolz ein Teil der Rus-Familie zu sein. Eine Verbindung, welche auch das diktatorische System eines Wladimir Putin überdauern wird.

Zitierweise: Wolfgang Templin, "Auf dem Weg zu einem freien Belarus", in: Deutschland Archiv, 14.09.2020, Link: www.bpb.de/314788

Fussnoten

Fußnoten

  1. Vgl. BürgerrechtlerInnen-Erklärung vom 3.9.2020, veröffentlicht unter https://www.lifepr.de/inaktiv/robert-havemann-gesellschaft-ev/Eine-Revolution-gegen-die-Angst-oeffentliche-Grussadresse-an-die-mutigen-Demonstrantinnen-in-Belarus/boxid/813702, letzter Abruf 11.9.2020, nachfolgend auch als Interner Link: PDF-Dokument: "Eine Revolution gegen die Angst".

  2. Lukaschenka ist die belarusische Schreibweise des Namens, in der russischen Variante lautet er: Lukaschenko

  3. Vgl. bpb-Hintergrund-aktuell vom 14.8.2020, "Proteste nach Präsidentschaftswahl in Belarus", www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/313720/proteste-nach-praesidentschaftswahl-in-belarus

  4. Vgl. Annette Langner, „Der Protest in Belarus wird von Frauen getragen“, spiegel.de 30.8.2020 (www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/belarus-frauen-tragen-den-protest-gegen-alexander-lukaschenko-a-3f3e6c0f-e262-4c04-a532-9a5d17d1db4b, letzter Abruf 1.9.2020)

  5. Die Bezeichnung Lukaschenkas als „letzten Diktator Europas“ hatte im Januar 2012 der damalige Bundesaußenminister Guido Westerwelle geprägt (vgl. www.n-tv.de/politik/EU-droht-mit-weiteren-Schritten-article5635386.html), Lukaschenka antwortete damals in einem Interview „Es ist besser, ein Diktator zu sein, als schwul“ (www.abendblatt.de/politik/article107752184/Lukaschenko-teilt-gegen-Westerwelle-aus-Es-ist-besser-ein-Diktator-zu-sein-als-schwul.html)

  6. Bei den Begriffen Belarusen und belarusisch greife ich auf eine Initiative des Warschauer Osteuropahistorikers Felix Ackermann zurück, der auf diese Weise den Rus-Bezug aus Belarus ausdrücken möchte. Ob das sprachlich angenommen wird, diskutieren momentan Philologen, einige verwenden allerdings schon die von mir benutzte Schreibweise, darunter auch die Belarusich-Deutsche Historikerkommission der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde (DGO), vgl. www.dgo-online.org/neuigkeiten/aktuelles/belarusisch-deutsche-geschichtskommission-gegruendet/, letzter Abruf 1.9.2020.

  7. Der Begriff geht auf den ehemaligen SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder zurück, der Putin 2004 in einer Fernsehsendung als lupenreinen Demokraten verteidigte, der Russland "zu einer ordentlichen Demokratie machen will und machen wird".

  8. Vgl. Deutsche Welle, „Externer Link: Die Morde von Minsk“, www.youtube.com/watch?v=W6sY3Ku-EVQ (letzter Abruf am 1.9.2020)

  9. Eine der am längsten aktiven Websites der demokratischen Opposition in Belarus, die ihre Beiträge zusätzlich in englischer Sprache veröffentlichen, ist beispielsweise die Plattform: Externer Link: www.charter97.org. Jünger und besonders intensiv genutzt ist auf Telegram der Infodienst Nexta, was übersetzt "Jemand" heißt (Externer Link: t.me/s/nexta_tv), den ein 22-Jähriger Student aufgebaut hat (vgl. Christina Hebel, "Der 22-Jährige Student, der Lukaschenko gefährlich wird", spiegel.de vom 2.9.2020 (www.spiegel.de/politik/ausland/belarus-wie-stepan-putilo-mit-seinem-telegram-kanal-nexta-die-proteste-beeinflusst-a-89ed186f-33da-49a8-a9a5-bab0ce2cf63c). Auch mehrere deutsche Facebook-Gruppen bündeln derzeit Presseartikel, Fotos und Videos belarusischer Bloggerinnen, zum Beispiel auf "https://www.facebook.com/berliner.osteuropa.experten" oder auf dem facebook-Auftritt der Informationsstelle Belarus "https://www.facebook.com/mein.name.ist.belarus", letzte Abrufe am 12.9.2020.

  10. Vgl. Markus Ackeret, "Lukaschenko begibt sich immer stärker in Putins Abhängigkeit", NZZ-online vom 30.8.2020 (www.nzz.ch/international/weissrussland-lukaschenko-begibt-sich-in-abhaengigkeit-von-putin-ld.1573975).

  11. Vgl. Reporter ohne Grenzen, Meldung vom 31.8.2020, "Repressionswelle gegen Journalisten" (www.reporter-ohne-grenzen.de/belarus/alle-meldungen/meldung/repressionswelle-gegen-journalisten), letzter Abruf 2.9.2020.

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Wolfgang Templin ist Philosoph und Publizist. Von 2010 bis 2013 leitete er das Büro der Heinrich Böll Stiftung in Warschau. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Fragen des deutsch-deutschen Vereinigungsprozesses und der Entwicklungen im östlichen Teil Europas, insbesondere in Polen und der Ukraine. Er arbeitet gegenwärtig an einer Biografie über den polnischen Revolutionär, Marschall und Staatsgründer Józef Piłsudski, die im März 2022 erscheint.