Kindermedienkonferenz 2009

11.2.2010 | Von:
Thomas Krüger

Editorial

Bunt, knallig, laut und lustig. Leichte und seichte Themen, lockere Sprache, hier und da ein Comic – fertig ist das Kindermedium. Auch wenn in vielen Medienhäusern noch nach diesem Schema F verfahren wird, gibt es doch zunehmend innovative und kreative Redaktionen, die ihre erfolgreichen Kinderseiten, Online-Angebote, Radio- und Fernsehsendungen nicht dem Zufall überlassen.

Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb auf der KinderMedienKonferenzThomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb auf der KinderMedienKonferenz (© bpb)

Sie beschäftigen sich professionell und kompetent mit ihrem jungen Publikum. Die Kindermedienmacherinnen und -macher möchten erfahren, was ihre Leser, Hörer, User und Zuschauer wirklich interessiert und mit welchen Inhalten sie den Nerv der Kinder treffen. Wie gelingt die richtige Mischung aus Nachrichten zum komplexen Weltgeschehen und Unterhaltung, aus politischen Inhalten und emotionalen Geschichten?

Die 2. KinderMedienKonferenz (KMK) der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb knüpfte an die erfolgreiche Premiere im Dezember 2006 in Köln an. Die Angebote für Kinder werden immer vielfältiger. In den vergangenen zehn Jahren boomten sie in allen Mediengattungen – Print, Online, Hörfunk und Fernsehen buhlen um die junge Zielgruppe. Und trotz Wirtschaftskrise und Problemen in der Medienbranche wurden in jüngster Zeit neue Magazine auf den Markt gebracht (Beispiele: Dein Spiegel, GEOmini). Kinder- und Jugendmagazine konnten im dritten Quartal 2009 einen Auflagenzuwachs von rund 14 Prozent verzeichnen. Laut der KIM Studie 2008 ist das Fernsehen noch das meist genutzte Medium bei Kindern (bei den Jugendlichen hat das Internet das Fernsehen mittlerweile überholt). Doch auch Computer spielen in der Mediennutzung von Kindern eine wichtige Rolle: ein Viertel aller 6-13-Jährigen hat einen eigenen Computer, drei Viertel haben Erfahrung mit dem Computer und Internet. Fast die Hälfte der Nutzer sucht im Internet Informationen für die Schule. Interessant für die Online-Kindermedienmacher: "Kinderseiten nutzen" steht auf Platz 3 der Interessen von Kindern. Übrigens besuchen sie dabei hauptsächlich die Internetseiten von Fernsehsendungen oder Fernsehsendern. Gute Nachrichten gibt es auch für die Kinderbuch-Macher: ein Drittel der befragten Kinder lesen gerne – Schulbücher sind dabei ausgeschlossen.

Beim Fernsehen hat der Kinderkanal von ARD und ZDF den Konkurrenten Super RTL von Platz eins verdrängt. Das Interessante dahinter ist die Qualitätsdiskussion: Wie reagieren Kinder auf qualitativ hochwertige Angebote? Was ist eigentlich Qualität? Gibt es ein Recht auf Unterhaltung auch schon für Kinder?

Die Partizipationsstudie des ZDF hat darauf hingewiesen, dass Eltern bei der Mediennutzung der Kinder eine starke Vorbildfunktion und damit einen großen Einfluss auf die Mediennutzung ihrer Kinder haben. Der entscheidende Perspektivenwechsel ist in den vergangenen Jahren sowohl in der Bildungspolitik als auch in der Kinderrechtsdebatte diskutiert worden. Wann fängt Bildung eigentlich an? Wann fängt die reflektierte Reflexion bei Kindern an? Nicht erst mit dem Schulalter. Denn es gibt Bildung von Anfang an. Schon in den ersten Wochen und Monaten werden die Weichen für das soziale Verhalten von Kindern gestellt. Davon leitet sich die 20 Jahre währende UN-Kinderrechtskonvention ab. Sie beschreibt im Wesentlichen drei Rechtegruppen: 1. die Schutzrechte, 2. die Förderungsrechte, 3. die Beteiligungsrechte.

Diese Rechte definieren Kinder nicht als zu betreuende Rechtssubjekte. Sie betrachten Kinder vielmehr als eigenständige Rechtssubjekte, die von Anfang an ihr Recht auf Bildung realisieren. Das bedeutet eine große Verantwortung für Medienmacher, die Kinderangebote entwickeln und bereitstellen. "Bildung von Anfang an" ist ernst zu nehmen, nicht zuletzt, da es gesellschaftlich noch immer kontrovers diskutiert wird. Wichtig ist, dass Kinder auf Augenhöhe behandelt werden, auch wenn es um qualitative Medien geht. Sie sind selbstbewusst und wissen meist sehr genau, was gut für sie ist. Kinder fragen ihr unmittelbares Umfeld – Eltern, Erzieher, Lehrer – wenn sie etwas wissen möchten. Mädchen und Jungen sind autonome Akteure im Medienbereich.

Thomas Krüger
Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb


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