Kindermedienkonferenz 2009
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11.2.2010 | Von:
Dr. Maya Götz

Laserschwert und Sissi-Kleid – das interessiert Kinder in den Medien

Vortrag

Was kann das Kind mit dem Medium machen? Und: Warum soll ein Kind ausgerechnet diesen Artikel, diese Zeitschrift, dieses Programm lesen und sehen wollen? Kindermedienmacher müssen sich konsequent auf die Perspektive der Kinder einlassen und schauen, womit die Kinder etwas anfangen können.
Dr. Maya GötzDr. Maya Götz (© bpb)

Die zentralen Fragen für Kindermedienmacher müssen sein: Was kann das Kind mit dem Medium machen? Und: Warum soll ein Kind ausgerechnet diesen Artikel, diese Zeitschrift, dieses Programm lesen und sehen wollen? Kindermedienmacher müssen sich konsequent auf die Perspektive der Kinder einlassen und schauen, womit die Kinder etwas anfangen können. Wenn man Qualität definieren möchte, schlage ich vor: Räume zu öffnen die Kinder emotional und sozial bereichern; die ihnen ein Verständnis ihrer Selbst und ihrer Lebenswelt eröffnen; das Leben zu genießen; mit Offenheit auf die Welt zuzugehen und mitzugestalten.

Dr. Maya GötzDr. Maya Götz (© bpb)


Was sind die Grundlagen für erfolgreichen Kinder-Journalismus? Wertschätzung für die Zielgruppe Kinder; Empathie (wie sehen Kinder die Welt, was spricht sie an?) und Kongruenz (inhaltlich stimmig sein).





Was interessiert Kinder?

  • High-Interest Themen aus Kindersicht (Themen über die alle reden, zum Beispiel Germany´s next Topmodel o.ä., aber auch, wenn in der Welt etwas passiert, die großen Ereignisse – aber mit eindeutiger Kinderperspektive, was sie wissen wollen unterscheidet sich davon, was Erwachsene wissen wollen; Kinder gehen auf der Seite der Kinder)
  • Alltagswelten und Abenteuer von Kindern (Kinder sehen gerne Kinder, Anerkennung des eigenen Besonderen)
  • Kleine Sensationen (Skateboard fahrender Hund, Süßigkeiten, riesige Maschine, pinkelnde Schildkröte...)
  • Bestimmte Motive, die tiefer Liegendes anschwingen lassen (Tiere, Dinosaurier, Drachen, Feen, Fußball, Feuerwehr, Raketen ...)
  • Geschichten, die emotional bewegen ("Kleine/r Held/in findet seinen Weg", gelingende Freundschaft, Nicht mehr allein sein, Aufgaben schaffen, Leiden)
Kinder interessiert, was bedeutsam ist, was bewegt, was Perspektiven eröffnet.
Das bedeutet: gezielte Auswahl der Themen bzw. bei schwierigen Themen: finden eines Anknüpfungspunktes aus der Perspektive von Kindern.

Nachrichtenwert: Was ist der Kindernachrichtenwert?

  1. Aktualität
    Was ist aktuell bedeutsam für Kinder?
    Wie kann das Aktuelle für Kinder bedeutsam werden?
  2. Räumliche Nähe & Status der Ereignisnation
    Was ist bedeutsam und relevant für Kinder?
  3. Schaden (z. B. durch Erdbeben)
    Was bedeutet das für das Kind hier?
  4. Reichweite
    Wie greift das in das Leben von Kindern ein – wie können sie aktiv etwas tun?
  5. Prominenz der Kinder – Kinder haben andere Prominente

Die beliebtesten High Interest Themen

(Das "finde ich total toll")

Jungen
SpongeBob 50%
Lukas Podolski 47%
Die Simpsons 44%
Bastian Schweinsteiger 45%
Ice Age 44%

Mädchen
Harry Potter 50%
DSDS 47%
Barbie 47%
Hannah Montana 44%
Germany's Next Topmodel 43%

→ Es gibt einen ganz deutlichen Geschlechterunterschied! Deshalb müssen sich Kindermedienmacher klar machen, für wen sie etwas anbieten wollen.

Neben der gezielten Auswahl der Themen ist die Gestaltung sehr wichtig. Sie muss für Kinder verständlich, attraktiv und bewegend sein. Inhalt und Gestaltung müssen sich ergänzen!

Multimodale Anknüpfungspunkte finden - Typen der Weltaneignung

  • Beziehungszugang (welche Freundschaft steht dahinter, wie geht es den Menschen dabei?)
  • Logische Probleme (auffordern zum Mitdenken)
  • Zahlen und Fakten (Kinder merken sich Zahlen)
  • Existenzielle Fragen (Leben, Sterben, Tod, wirkliches Leiden)
  • Ästhetik (sich wahrnehmen)
  • Kontext durch Erzählung (eine Geschichte um die Fakten erzählen)
→ Ziel muss es sein, möglichst vielen Kindern (Weltaneignungstypen) Zugänge zum Inhalt zu bieten.

 
Hitliste 1. Halbjahr 2009 - 12- bis 17-jährige Mädchen*
 
 Mio.Marktanteil
1.PRO7 Germany's Next Topmodel0,3765 %
2.RTL DSDS Folge 30,3750 %
3.RTL DSDS Folge 70,3753 %
4.PRO7 Germany's Next Topmodel0,3663 %
5.PRO7 Germany's Next Topmodel0,3660 %
6.PRO7 Germany's Next Topmodel0,3563 %
7.PRO7 Germany's Next Topmodel0,3458 %
8.PRO7 Germany's Next Topmodel0,3457 %
9.PRO7 Germany's Next Topmodel0,3360 %
10.RTL DSDS Finale0,3369 %
* Quelle: AGF/GfK pc#tv aktuell, ab 2005 (Panel D+EU), alle Ebenen, 12-17 Jahre Mädchen in BRD/ BR Medienforschung


Faszination Castingshow - IZI-Studie 2009

Zielgruppe: 9 bis 19 Jahre

Was macht Castingshows so erfolgreich?
These: Vor 10 oder 20 Jahren wären sie noch nicht so erfolgreich gewesen.

Gesamtgesellschaftlicher Trend:
Verunsicherung und die Suche nach Sicherheit und Orientierung

Castingshows werden als Lernen für das "richtige Leben" empfunden: "Man muss lernen, Kritik zu ertragen" (Mädchen, 16 Jahre); "Niemals gegen Herr Bohlen sprechen." (Mädchen, 13 Jahre), "Immer kämpfen für sein Ziel." (Junge, 19 Jahre); "Man muss ehrgeizig sein." (Mädchen, 17 Jahre).

Was fasziniert Mädchen an Germany‘s Next Topmodel?
  1. Ästhetischer Genuss: "Weil es mir Spaß macht, schöne Menschen zu sehen"
  2. praktischer Gebrauchswert: schminken, stylen, sich inszenieren
  3. mitgehen, mitfiebern, mithoffen und mitfühlen mit echten Mädchen: Jurysituation
  4. bewundern, beurteilen von echten Mädchen (lästern darüber), denn 75 % reden darüber
  5. Selbstpositionierung
Was nehmen sich GNTM-Fans "bewusst" mit?
  1. Vor allem 9- bis 11-Jährige nehmen Veränderungen an sich wahr
  2. Selbstinszenierung: wie bewegt man sich auf Fotos, wie schminkt und stylt man sich vorteilhaft, achten mehr auf ihre Bewegung und zögern beim Stück Schokolade
  3. Berufsbild Model: wie sieht der Alltag eines Models aus; 63% der 9-11-Jährigen könnte sich seitdem vorstellen selber Modell zu werden

Dr. Sommer-Studie 2006-2009

"Bist Du zufrieden mit Deinem Gewicht?!"

Dr. Sommer-Studie 2006-2009: Bist Du zufrieden mit Deinem Gewicht?Dr. Sommer-Studie 2006-2009: Bist Du zufrieden mit Deinem Gewicht? (© Dr. Sommer Studie)
Mehr als die Hälfte der Mädchen, obwohl sie normalgewichtig sind, fühlen sich zu dick. Das macht deutlich, dass durch den professionellen Blick auf sehr dünne Körper, das Beurteilen und Selbstpositionieren beeinflusst wird. Und es macht deutlich, dass es nicht nur darum geht, was Kinder interessiert, sondern Kindermedienmacher haben eine große Verantwortung. Sie müssen sich sehr klar machen, welche Werte werden vermittelt, worüber wird geredet und geschrieben, wo können Kinder in ihrer Entwicklung unterstützt werden – Germany´s next Top Model tut das nicht unbedingt in allen Bereichen.
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Online-Angebot

HanisauLand.de

HanisauLand ist das Land der Hasen, Nilpferde und Wildsauen und zugleich Handlungsort eines bpb-Projektes: Hier erfahren Kinder, wie das Zusammenleben in einer Demokratie funktioniert. Comicgeschichten, ein großes Politiklexikon mit Fragemöglichkeit und viele weitere Angebote helfen Politik zu verstehen.

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