Kindermedienkonferenz 2009

11.2.2010 | Von:
Katrin Kommerell
Das Sams

Journalismus für Kindermedien – erklärt uns die Welt auf Augenhöhe

Vortrag

Wie spricht man Kinder richtig an? Die Sprache.

Ihr Text muss vor allem verständlich sein – voraussetzungslos – und attraktiv. Nicht kindtümelnd, sondern kindgerecht. Auch hier sind viele Regeln aus dem Werkzeugkasten des Erwachsenenjournalismus bekannt. Sie müssen aber noch stärker zur Geltung gebracht werden.

Dazu gehören – was die Wortwahl betrifft – folgende Dinge:
  • Schreiben Sie so anschaulich, konkret und lebendig wie möglich. Vermeiden Sie Sammelbegriffe, alles Abstrakte
  • Vermeiden Sie Nominalstil und Passivkonstruktionen
  • Verwenden Sie bestimmte Wortarten: So wie Kurt Tucholsky sagte: "Verben, Verben, Verben! Ein Substantiv geht noch – aber bevor Sie ein Adjektiv gebrauchen, kommen Sie lieber noch mal in mein Büro."
Einiges ist allerdings für Kinder ganz anders:
  • Im Sinne von umweglosem Schreiben, vermeiden Sie bildhafte Sprache. Die ist erstens nur indirekt erfassbar und deshalb anstrengend. Zweitens: Geistreichtum, assoziative Sprache und Metaphern verstehen Kinder nicht. weil ihre sprachkulturelle Bildung noch gering ist. So kommt es eher zu Missverständnissen.
  • Es gibt überhaupt vieles, was Kinder nicht verstehen aus der Erwachsenensprache – nicht nur Fremdwörter: Übersetzen Sie auch Erwachsenensprache: Kinder nehmen vieles wörtlich!
  • Übersetzen für Kinder – auch im Speziellen: Fremdwörter, Fachbegriffe und fremdsprachliche Wörter (immer Lautschrift ergänzen!) möglichst ganz weglassen, ersetzen oder erklären.
  • Keine Synonyme: Wiederholen Sie lieber dasselbe Wort, bevor Sie aus dem Elefanten einen "Dickhäuter" machen. Kinder denken, es geht plötzlich um ein anderes Tier.
Satzbau:
  • Nach dem Fast Food Prinzip: Kurze Wörter in kurzen Sätzen in kurzen Texten! Hauptsatz, ein Nebensatz: Aber kein Hackstil, sondern mit flüssigen Verbindungen.
  • Servieren Sie ein Häppchen nach dem anderen, nicht alles auf einmal. In einem Text über Piraten heißt es:
    "Wenn es ihnen gelingt, mit Hilfe von Seilen und Enterhaken an Bord zu klettern, zwingen sie die Besatzung, ihre Schlupfwinkel an der somalischen Küste anzulaufen." Das sind zu viele Vorgänge, zeitlich und räumlich auch noch weit auseinander.
  • Gedankenschritt für Gedankenschritt, verbunden mit "Aber", "deshalb", "zwar", "Immerhin" "außerdem" etc. solche Wörter erleichtern auch den Sinnzusammenhang.
  • Auch innerhalb eines Satzes klare, deutliche Gedankenführung. Nicht: "Die deutschen Bürger wählten bei der Bundestagswahl 2005 den Kanzler Schröder, der von der SPD war und mit den Grünen zusammen...usw – ab." Erst wählen sie – und dann – ab?!! Sondern sorgfältig darauf achten, dass der Sinnzusammenhang schnell erfassbar ist: "Die deutschen Bürger entschieden sich gegen.... und wählten ihn ab." – ähnlich wie in Radiotexten.
Ein paar Tipps noch zur Ansprache:
  • Vorsicht vor Ironie oder Schadenfreude. Sprechen Sie nicht von lustig oder witzig – ihr Text sollte es sein (wo es passt).
  • Direkte Ansprache ist gut – ich bin für "Du" (nicht für "ihr")
  • Dabei bitte keinen Slang verwenden, keine Kiddiesprache. "Dein Vater" statt dein Papa, etc. – aber durchaus so was wie: "Kein Witz!" oder "Pssst!" oder lockere Formulierungen aus der Umgangssprache.
  • Übertreiben Sie nicht: Ausrufe, Verstärkungen im Sinne von "Wow, was ist denn daaas?!!" mit 4 a und 4 Ausrufezeichen, die nerven. Das ganz normale Leben ist für die Kinder aufregend genug.
Zum Schluss noch mal das Sams. Kinder sind die ungnädigsten, aber auch die dankbarsten Leser. Was ein Kind mit unserem Text macht, haben wir nicht in der Hand. Aber das Angebot muss stimmen.


Online-Angebot

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HanisauLand ist das Land der Hasen, Nilpferde und Wildsauen und zugleich Handlungsort eines bpb-Projektes: Hier erfahren Kinder, wie das Zusammenleben in einer Demokratie funktioniert. Comicgeschichten, ein großes Politiklexikon mit Fragemöglichkeit und viele weitere Angebote helfen Politik zu verstehen.

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