Veranstaltungen: Dokumentation

25.6.2009

60 Jahre Grundgesetz: Muslime im demokratischen Verfassungsstaat

Lesung von Güner Yasemin Balci

"Fressen, bevor die anderen dich fressen", so scheint die 'Philosophie' vieler Jugendlicher mit muslimischem Hintergrund zu lauten. Über Hoffnungen, Hass und eine gescheiterte Generation im Berliner Stadtteil Neukölln berichtete die Autorin und Journalistin Güner Yasemin Balci in ihrem viel diskutierten Buch: 'Arabboy. Eine Jugend in Deutschland oder das kurze Leben des Rashid A.'

"Fressen, bevor die anderen dich fressen", so scheint die 'Philosophie' vieler Jugendlicher mit muslimischem Hintergrund zu lauten. Über Hoffnungen, Hass und eine gescheiterte Generation im Berliner Stadtteil Neukölln berichtete am Abend des 23. Mai im Posttower die Autorin und Journalistin Güner Yasemin Balci, die selber als Sozialarbeiterin über längere Zeit mit diesen Jugendlichen gearbeitet hat. in. Sie las mehrere Kapitel aus ihrem ihrem viel diskutierten Buch: 'Arabboy. Eine Jugend in Deutschland oder das kurze Leben des Rashid A.' das auch in der Schriftenreihe der bpb erschienen ist. (Schriftenreihe Band 737 ) . In der anschließenden Diskussion mit Frau Balci kam schnell die Frage auf, wie viel in Balcis Buch Realität sei und wie viel Fiktion. Die Autorin gab darauf die Antwort, dass alle schlimmen Vorkommnisse wie Drogen, Gewalt und Missbrauch real seien. Fiktion seien nur einige positive Momente, um zu zeigen, dass es in dem ganzen Schatten auch etwas Licht gebe.

Auf die Frage hin, wie man das Kriminalitätsproblem der muslimischen Jugendlichen in sozialen Brennpunkten lösen könne, wies Balci auf die ihrer Ansicht nach entscheidende Ursache des Problems hin. Die Jugendlichen hätten schon als Kinder zu Hause exzessive Gewalt miterlebt und seien dadurch geprägt worden. Um das Gewaltproblem in den Griff zu bekommen, müsse man deswegen schon viel früher im Elternhaus eingreifen; bei gewalttätigen Jugendlichen sei es eigentlich schon zu spät.

Auf die Frage, wie die Eltern mit den kriminellen Laufbahnen ihrer Kinder umgehen würden, antwortete Frau Balci, dass Eltern ganz unterschiedlich darauf reagierten. Meistens seine die Eltern aber apathisch gegenüber ihren Kindern und mit sich selbst beschäftigt, oder sie versuchten, ihre Kinder mit Gewalt zu. Beides helfe nicht, die Jugendlichen von ihrem kriminellen Kurs abzubringen. Im Gegenteil, Autoritäten würden von den Jugendlichen überhaupt nicht mehr wahrgenommen, so die Autorin. Sie beobachte in letzter Zeit mit Sorge, wie der Einfluss von Moscheen und Extremisten auf die Jugendlichen zugenommen habe und diese oftmals die einzige Autorität seien, die die Jugendlichen noch akzeptierten. Eine weitere Frage betraf die Autorin selbst, die selbst als Sozialarbeiterin im beschriebenen Brennpunktviertel gearbeitet hat. Wie konnte sie sich gegenüber diesen oftmals gewaltbereiten Jungen durchsetzen? Balci gab zur Antwort, dass sie es leichter hatte als ihre Kollegin, da sie mit zwei älteren Brüdern aufgewachsen war, dunkle Haare hatte und sich damit besser durchsetzen konnte. Sie habe sich außerdem sehr in ihrer Weiblichkeit zurückgenommen, um den Jungen keine Angriffsfläche zu bieten. Damit habe sie es geschafft, zur Clique zu gehören.

Auf die Frage hin, ob es Zahlen gebe, die besagten, wie hoch die Kriminalität der Jugendlichen in ihren Heimatländern sei, antwortete Güner Yasemin Balci, dass diese Jugendlichen in Deutschland geboren und Deutsche seien. Sie würden in Deutschland sozialisiert, und deswegen müsse man die Schuld an der Kriminalität auch bei der deutschen Gesellschaft suchen. Durch die jahrelange Unsicherheit, der viele der vor allem in Neukölln lebenden libanesischen Einwandererfamilien bezüglich der Arbeitserlaubnis oder der Aufenthaltsgenehmigung ausgesetzt wären, würde eine Ablehnung des Landes in den Jugendlichen herangezüchtet.

Die abschließende Botschaft der Autorin an ihr Publikum lautete dann auch: Man müsse das Buch nicht gut finden, aber die Zustände, die in ihm geschildert werden, gingen alle etwas an. Die beschriebenen Jungen seien Teil und Zukunft unserer Gesellschaft, und deswegen liege es in der Verantwortung aller, sich um sie zu kümmern.


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