Veranstaltungen: Dokumentation

12.6.2006 | Von:
Paul Wengert

Wie ein Sack Bettfedern

Dr. Paul Wengert, Oberbürgermeister der Stadt Augsburg, über die Macht der Medien, saubere Recherche und die Trennung von Information und Kommentar

Dr. Paul Wengert, Oberbürgermeister der Stadt Augsburg, über die Macht der Medien, saubere Recherche und die Trennung von Information und Kommentar.

bpb: Herr Wengert, sind die Medien die vierte Gewalt im Staat?

Wengert: Tatsächlich haben die Medien mittlerweile einen Status erreicht, der über die vierte Gewalt hinausreicht. Ich meine: Die Reihenfolge hat sich verschoben, sie sind nicht mehr "nur" die vierte Gewalt. Die Medien bestimmen weitgehend die öffentliche Meinung.

bpb: Wie äußert sich das auf lokaler Ebene?

Wengert: Entweder ganz offensichtlich oder subtil. Die Medien bestimmen die Themen oder beeinflussen die inhaltliche Diskussion, indem sie zum Beispiel pointiert Stellung beziehen. Oder sie versuchen durch Telefon- oder Internet-Umfragen die Stimmung in der Bevölkerung einzufangen – dabei weiß man oft nicht, wie repräsentativ das ist. Das unverzichtbare Medium Lokalzeitung sollte mit seiner Macht daher höchst verantwortungsvoll umgehen.

bpb: Was heißt das konkret?

Wengert: Zeitungen müssen zum einen reine Nachrichten vermitteln, zum anderen Hintergründe und Zusammenhänge darstellen und erläutern. Zudem sollen in der Presse Entwicklungen kommentiert werden. Aber bitte getrennt! Der Leser muss erkennen können, wo er pure Information vor sich hat und wo eine Meinung präsentiert wird. Heute wird das oft miteinander verwoben. Ich stelle häufig fest, dass in Artikeln Nachricht, Meinung und Glosse ineinander fließen.

bpb: Wie sieht denn nach Ihrer Ansicht der ideale Umgang von Presse und Politik aus? Nicht immer kommen die Journalisten an die Informationen, die sie für eine ausgewogene Darstellung benötigen...

Wengert: Keine Institution ist so transparent wie die Kommunalverwaltung. Wir lassen uns zu allem fragen und erteilen zu allem Auskünfte. Was mir seitens der Medien fehlt, ist oftmals die fachliche Kompetenz. Sicher sind manche Themen schwer durchschaubar, aber das erfordert eben besondere Sorgfalt und keine oberflächliche Berichterstattung.

bpb: Gerade Lokalredakteure müssen sich aber oft unter Zeitdruck in eine Vielzahl von Themen einarbeiten.

Wengert: Das ist richtig, ich habe selbst zweieinhalb Jahre für eine Lokalzeitung geschrieben. Und neben dem Zeitdruck gibt es heute ja immer öfter den Druck von Verlegerseite. Aber dennoch braucht es Fairness im Umgang, saubere Recherche – und auch mal den Verzicht auf ein Thema, wenn die Fakten nicht vollständig gesichert sind. Ich beobachte eine zunehmende Skandalisierung in der Berichterstattung, Lappalien werden hochgespielt oder vermeintliche Missstände angeprangert, die gar keine sind. Als Kommunalverwaltung haben wir so gut wie keine Möglichkeit, uns gegen eine solche Berichterstattung zu wehren. Leserbriefe oder Richtigstellungen bringen in der Regel wenig. Das ist wie mit einem Sack Bettfedern: Wenn sie den ausschütten, können sie nie mehr alles einsammeln.

Interview: Barbara Lich


Event series

Mapping Memories

Mapping Memories is an event series focusing on commemorative culture in Eastern Europe and beyond. Current events include conferences, summer schools and practical workshops.

Mehr lesen

Fachkonferenz

Konferenz zur Holocaustforschung

Die Internationalen Konferenzen zur Holocaustforschung dienen dem Austausch zwischen wissenschaftlicher Forschung und der Praxis politischer Bildung. Sie entstehen aus einer Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und Partnern aus der Wissenschaft.

Mehr lesen

TiT-Veranstaltungsreihe

Themenzeit im Themenraum

Themenzeiten: Kompakte Informationsmodule und anregende Diskussionen mit männl. und weibl. Experten zu Themen der politischen Bildung.

Mehr lesen

Veranstaltungsreihe

Checkpoint bpb – Die Montagsgespräche

Alle zwei Monate montags diskutiert der Checkpoint aktuelle Fragestellungen aus Politik, Gesellschaft und Forschung – anspruchsvoll, unterhaltsam und gerne auch kontrovers.

Mehr lesen

Veranstaltungsreihe

What's up, America? – Perspectives on the United States and Transatlantic Relations

Mehr als die Hälfte der Europäer steht TTIP positiv gegenüber – in Deutschland und zwei weiteren Ländern jedoch ist die Ablehnung innerhalb der Bevölkerung groß. Anhand dieses Fallbeispiels beschäftigt sich die Podiumsdiskussion mit der Frage, wieso wirtschaftliche Fragen auf beiden Seiten des Atlantiks und auch innereuropäisch auf so unterschiedliche Art und Weise diskutiert werden.

Mehr lesen

Blog zur Fachkonferenz

Medienkompetenz 2014

Zielsetzung der Fachkonferenz Medienkompetenz 2014 ist es, theoretische und praktische Konzepte angesichts aktueller digitaler Umbrüche und vor dem Hintergrund bestehender Modelle der Medienkompetenz zu diskutieren und weiterzuentwickeln.

Mehr lesen