Veranstaltungen: Dokumentation

3.7.2006 | Von:
Paul-Josef Raue

"Wir sind Treuhänder der Leser"

Paul-Josef Raue, Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung, über Bürgerjournalismus, Leserbeteiligung und die Redakteure als Vermittler

Paul-Josef Raue, Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung, über Bürgerjournalismus, Leserbeteiligung und die Redakteure als Vermittler

bpb: Was muss eine Zeitung tun, damit Kommunalpolitik zum Stadtgespräch wird?

Raue: Sie darf nichts verschweigen, sie muss verständlich schreiben und vor allem dem Leser erklären, was Entscheidungen der Politiker in ihrem Leben verändern werden. Dann muss sie ein großes Forum bilden, also alle Meinungen – auch die der Querdenker – in die Debatte bringen und immer wieder alle Leser zum Mitdenken reizen.

bpb: Wie schätzen Sie die Rolle des Bürgerjournalismus auf lokaler Ebene ein? Sehen Sie im Bürgerjournalismus evtl. auch eine Gefahr für die Lokalzeitung?

Raue: Nein, keine Gefahr. Wenn Redaktionen ihre Leser ernst nehmen und nach Herzenslust debattieren und streiten lassen, dann sind sie die erste Instanz der Bürger. Wir dürfen nicht vergessen: Wir sind Treuhänder der Leser, also verhalten wir uns auch so!

bpb: Wie kann eine Zeitung ihre Leser auch als Schreiber und Agierende ins Blatt holen – ohne Qualitäts- und Kompetenzverlust? Könnten Sie Beispiele aus Ihrer Redaktionsarbeit nennen?

Raue: Unsere Verfassung traut jedem Bürger zu, dass er – als Souverän – wählt und so mitentscheidet. Wenn unsere Verfassung jedem Bürger also Qualität zugesteht – was soll dann die Frage nach dem Qualitätsverlust, wenn wir die Bürger zu Wort kommen lassen? Dennoch müssen wir die Debatte moderieren, aber nicht im Stile eines Feudalherrschers, der weiß, was die Untertanen erfahren sollen, auch nicht im Stile eines Oberlehrers, der den moralischen Zeigefinger streckt, sondern als kompetenter Vermittler, der wichtige Stimmen erkennt und heraushebt, Strafbares (wie Beleidigungen oder falsche Tatsachen) streicht, Wiederholungen vermeidet und Vielrednern und Schwätzern gekonnt, aber nicht bösartig, ins Wort fällt. Dafür gibt es bei uns die tägliche Leserseite, das wöchentliche Interview "Leser fragen (Prominente)", regelmäßige Foren usw.

bpb: Welche Resonanz erfahren Sie auf Ihre Aktionen?

Raue: Die Zahl der Briefe und Mails hat sich mehr als verdreifacht, die Dauerschreiber halten sich zurück, das Niveau der Briefe hat sich deutlich verbessert. Sie sind kürzer, schneller, prägnanter, origineller.

bpb: Gewinnen Sie mit Ihren Leser-Aktionen auch jüngere Zielgruppen für die Zeitung?

Raue: Ja, mit den neuen Aktionen wie MMS-Leser-Reporter (zur WM), SMS-Aktionen zu Schulz (Schüler lesen Zeitung) oder zum Jugendparlament, das gerade zum zweiten Mal läuft.

Interview: Barbara Lich


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