Veranstaltungen: Dokumentation

15.12.2005 | Von:
Jürgen Ohls

"Nicht zu sehr pädagogisieren"

RTLII-Nachrichtenchef Jürgen Ohls im Gespräch

bpb: Herr Ohls, die RTLII-News sind als "junge" Nachrichten bekannt. Wie müssen Nachrichten denn gemacht sein, damit sie Jugendliche ansprechen?

Ohls: Die Nachrichten müssen in der Präsentation eine relativ hohe Geschwindigkeit haben und sich mit den Themen beschäftigen, die Jugendliche interessieren. Sie dürfen also nicht zu sehr pädagogisieren. Wir müssen die jungen Leute da abholen, wo sie sind, und wenn sie sich dafür interessieren, was bei 'Deutschland sucht den Superstar' passiert, kann das durchaus auch in unserem relevanten Set sein. Unser Ziel ist die Mischung aus 'what you want to know and what you need to know'. Das ist nichts anderes als das, was jede Zeitung und jedes Formatradio machen.

bpb: Nennen Sie doch mal die Relevanzkriterien Ihrer Nachrichtenauswahl!

Ohls: Es gibt die klassischen Relevanzkriterien: räumliche und personale Nähe, politische Relevanz, wirtschaftliche Relevanz. Aber es gibt auch ein Relevanzkriterium, das heißt: Interesse des Zuschauers. Das ist für uns sehr sehr wichtig. Aus meiner Sicht ist das eine Selbstverständlichkeit.

bpb: Ist es denn nicht ärgerlich, dass Sie Ihre Nachrichten auch an der Quote ausrichten müssen?

Ohls: Nein, ich erreiche damit Menschen aus dem eher ländlichen Raum, ich erreiche damit Menschen mit einem mittleren Bildungsniveau. Und wenn man als Journalist sagt, ich möchte die Leute erreichen, finde ich das spannender als mich mit meiner Auswahl immer selbst zu bespiegeln. Man muss ganz klar sagen: Privatfernsehen ist damals auch gegründet worden, um Vielfalt zu zeigen. Wir machen ja letztlich nur ein Angebot, niemand muss um 20 Uhr die RTLII-News einschalten. Dass es aber nahezu eine Million Menschen täglich tun, gibt uns recht und zeigt: Es gibt da ein Bedürfnis.

bpb: Noch mal zurück zur Präsentation der Nachrichten: Wie müssen sie aufbereitet sein, um bei RTLII laufen zu können?

Ohls: Ganz klar: Die Stücke brauchen Protagonisten. Und die Frage muss lauten: Wo betrifft mich das? Bei der Vermittlung schließlich darf es nicht die klassischen O-Ton-Geber und Antexter geben. Damit meine ich zum Beispiel diese Bilder "langer-Gang-durch-den-Flur" oder den Schuss auf Fotografen und Filmleute. Das bewirkt nur, dass die Leute das Gefühl bekommen: Das ist die übliche und immer wieder durchgekaute Bundespressekonferenzbilder-MAZ. Man muss also versuchen, bilderstark zu sein. Allerdings darf man sich nie der Illusion hingeben, dass man in Nachrichtenbeiträgen von einer Minute zwanzig in der Lage ist, große Zusammenhänge herzustellen. Im günstigsten Fall zeigt man kurz und knackig, was los ist. Und wenn das hängen bleibt, hat man schon viel gewonnen.

bpb: Wenn Sie mal in die Zukunft schauen: Wo wollen Sie mit den RTLII-News hin?

Ohls: Die Redaktion macht ja nicht nur die RTLII-News, sondern auch das Nachrichtenjournal am Sonntag – den Wochenrückblick mit einem deutlich stärkeren politischen Schwerpunkt – und das Reportage-Format "100 Tage". Da gibt es Reportagen mit einer Länge von bis zu 45 Minuten, wo wir nach 100 Tagen fragen, was aus News-Ereignissen geworden ist. Auf der einen Seite wollen wir also versuchen, die Nachrichten als junges Medium zu etablieren, stärker zu machen und den Politik-Anteil sukzessive zu erhöhen, auf der anderen Seite möchten wir über andere Formate RTLII insgesamt an ein älteres Publikum heranführen.

Interview: Barbara Lich


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