Veranstaltungen: Dokumentation

3.1.2006 | Von:
Berthold Brunsen

"Jedes Medium muss auch für sich stehen können"

Ein Gespräch mit Berthold Brunsen, dem Geschäftsführer von "bremen4u" über Crossmedia, Häppchen und die Stärke der Community

bpb: Ein öffentlich-rechtlicher Sender, der auf Crossmedia setzt, um eine jugendliche Zielgruppe anzusprechen: Wie kam es dazu?

Brunsen: Start von "bremen4u" war am 1.12.2002. Wir hatten von Anfang an die Idee, das ganze crossmedial aufzuziehen. Wir hatten auf radiobremen.de eine sehr aktive Community. Da haben wir uns gefragt: In welchem Rahmen können wir da überhaupt etwas machen? Denn die Betreuung einer Community ist nicht Aufgabe eines öffentlich-rechtlichen Senders. Wir haben also das Konzept für ein Portal entwickelt, dessen Basis die Community ist, das aber mehr als das bieten soll. Es war naheliegend, ein Hörfunkprogramm zu machen, mit dem Bremer Verlag haben wir dann unser Heft entwickelt und dann kam im Mai 2005 noch die Produktion einer Fernsehsendung dazu.

bpb: Gehört "bremen4u" also zu Radio Bremen?

Brunsen: "bremen4u" ist eine völlig unabhängige GmbH. Radio Bremen ist allerdings Gesellschafter bei "bremen4u", so wie die Sparkasse auch. Und ich bin Geschäftsführer von Radio Bremen Werbung und "bremen4u" – ein stressiger Arbeitsalltag.

bpb: In der Fernsehsendung liegt das "bremen4u"-Heft auf der Sofalehne, im Radio verweisen Sie auf die Homepage: Wie gut funktioniert die crossmediale Vernetzung bei "bremen4u"?

Brunsen: Wir haben Themen online, die auch in Print, TV und Radio präsent sind. Aber unsere Philosophie ist: Jedes Medium muss auch für sich stehen können. So schön Vernetzungen sind, sie können auch ausschließend sein. Wir wollen unseren Lesern, Hörern, Zuschauern und Usern nicht das Gefühl geben, sie bekommen nur einen Teil vom Ganzen, nach dem Motto: Hier hast Du ein Häppchen. Der Bezug zu den anderen Medien soll nur ergänzend sein.

bpb: Zusammen, aber getrennt – wie läuft die redaktionelle Arbeit ab?

Brunsen: Die Grundidee war, eine Redaktion zu haben, die alle Themen mitdenkt und abdeckt. Aber die Erfahrung lehrt: Es gibt immer Spezialisten, Leute, die mehr Print machen oder sich aufs Radio konzentrieren. Aber wir haben täglich gemeinsame Sitzungen, da sitzen alle Bereiche zusammen und besprechen, welche Themen aktuell sind und wie sie in den verschiedenen Medien aufbereitet werden können.

bpb: Wie sieht Ihr Redaktionsteam denn aus?

Brunsen: Unsere Kernzielgruppe ist zwischen 20 und 30 – und unsere Redakteure sind alle in diesem Alter – 20 feste und etwa zehn bis 15 freie Mitarbeiter. Wir betreiben Nachwuchsförderung, wenn Sie so wollen, und prägen völlig neue Berufsbilder. Die klassischen Journalisten, die ausschließlich auf ein Medium spezialisiert sind, die gibt es bei uns nicht. Die Leute, die bei uns arbeiten, denken eben zum Beispiel nicht mehr nur "Print", sondern denken auch noch alle anderen Bereiche mit.

bpb: Bekommen Sie Rückmeldungen aus der Zielgruppe? Wie reagieren Sie auf die Community?

Brunsen: Die Community ist sehr lebendig, oft werden in den Foren Themen diskutiert, die wir dann aufgreifen. So haben wir zum Beispiel während des Wahlkampfs gemerkt, dass das politische Interesse größer war, als wir dachten – und haben das dann in unserem Magazin entsprechend aufgegriffen.

bpb: Sie sagten, die starke Community sei der Auslöser für das Projekt "bremen4u" gewesen. Welche Rolle spielt die Community heute?

Brunsen: Am Anfang hatten wir zwischen 60.000 und 70.000 gemeldete Mitglieder. Das ist für so eine kleine Stadt eine ganze Menge. Unsere Sorge war schon, dass diese Community schwindet, wenn wir die neue Plattform einrichten. Aber der Übergang war absolut schmerzfrei. Jetzt haben wir knapp 100.000 Mitglieder in der Community. Sie spielt aber nicht mehr die zentrale Rolle, die sie früher gespielt hat. Die jungen Leute chatten heute über ICQ oder msn, dafür brauchen sie uns nicht mehr so sehr.

bpb: Welche Pläne haben Sie für "bremen 4u"?

Brunsen: Wir werden in Zukunft noch viel stärker auf Service setzen – das ist Teil des Relaunches, den wir für 2006 planen: Was bringt diese Stadt für dich? Wo gibt es die besten Restaurants? Ansonsten halten wir natürlich Ausschau, wo Verlage junge Medien entwickeln, etwa in Form von Supplements. Darüber denken wir auch nach. Im September haben wir auf der "Weltkonferenz Junge Leser" in Buenos Aires unser Projekt vorgestellt. Daraus ergaben sich einige Kontakte, unter anderem die Überlegung, das Modell von "bremen4u" auf andere Ballungsräume zu übertragen. Schließlich geht es überall darum, jungen Leuten die Möglichkeit zu geben, sich zu vernetzen.

Interview: Anne Haeming


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