Veranstaltungen: Dokumentation

28.9.2005 | Von:
Lewicki_bio

Nicht nur zum Muttertag

Marie-Luise Lewicki über den Normalfall Familie

bpb: Frau Lewicki, was wollen Familien lesen?

Lewicki: Sie wollen sich erst einmal gut informieren. Vor allem aber wollen sie sich in ihrem Lebenskonzept bestätigt fühlen, weil sie inzwischen eine Minderheit in Deutschland darstellen. Sie wollen gespiegelt sehen, dass das Leben mit Kindern schön ist, dass es die richtige Entscheidung war. Und sie wollen, dass sich jemand um ihre Probleme kümmert.

bpb: Und in welcher Form wollen Familien das lesen?

Lewicki: Es muss sowohl unterhaltsam sein als auch Authentizität transportieren. Familie wird leider zu oft als Randgruppe dargestellt, man wählt "Familie mit neun Kindern" aus oder berichtet mitleidtriefend über eine "Familie mit behindertem Kind". Allen Familien wäre weit mehr gedient, wenn man sich dafür entscheiden würde, über das Thema Familie die ganze Vielfalt des Lebens zu transportieren. Dazu gehört auch, Familien mit großen Problemen wie Arbeitslosigkeit oder Behinderung nicht in ein Betroffenheitsghetto abzuschieben, sondern ihnen auf Augenhöhe zu begegnen.

bpb: Familienzeitschriften sind eine Sache – gibt es denn auch in Zeitungen einen Markt für diese Themen?

Lewicki: Auf jeden Fall. Zeitungen spiegeln die Lebenswelten der Leser und Leserinnen wieder: auf großer Ebene, etwa der Bundespolitik, genauso wie auf kleiner Ebene, der alltäglichen Umgebung. Die Existenzberechtigung der Tageszeitungen beruht auf dieser regionalen Anbindung. Aber die Berichterstattung muss darüber hinaus gehen, dass es zum Muttertag heißt: So, jetzt suchen wir mal die Mutter mit den meisten Kindern in unserer Stadt.

bpb: Sie beanstanden die Tendenz, dass Familienthemen in Tageszeitungen nur in Form von Ausnahmefälle wie Muttertag und Kinderreichtum auftauchen. Woran hapert es ihrer Meinung nach noch?

Lewicki: Es muss sich die Erkenntnis durchsetzen, dass es in der Berichterstattung oft Gelegenheiten gibt, bei denen man auch den Aspekt Familie unterbringen könnte. Das fängt schon bei eigentlich selbstverständlichen, kleineren Dingen an: Bei den Veranstaltungshinweisen gibt es meistens keine Rubrik speziell für Eltern und Kinder. Auf der Kinoseite könnte ein Ranking mit Kinderfilmen stehen. Ebenfalls naheliegend wäre, nicht nur das alljährliche Neujahrsbaby zu porträtieren, sondern ähnlich wie bei Jubiläen einen kurzen Text zu schreiben, etwa "Wir begrüßen die 25 Neugeborenen dieser Woche in Fulda". Man druckt ja auch sonst alles ab, jede Geschäftseröffnung kommt ins Blatt. Aber es gibt leider noch viel zu wenige Zeitungen, die so arbeiten und die Zielgruppe Familie für sich entdeckt haben.

Interview und Foto: Anne Haeming


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