Veranstaltungen: Dokumentation

27.9.2005 | Von:
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Keine Diffamierung von Familien

Ulrich Ehlert über die Beziehung zwischen Sozialarbeitern und Medien

bpb: Die Berichterstattung über Familien ist eine heikle Angelegenheit – warum?

Ehlert:
Familien haben Anspruch auf Intimität und Schutz der Persönlichkeit, da muss man sich sehr sensibel überlegen, worüber man berichtet. Am wichtigsten ist, dass Familien nicht das Gefühl haben, vorgeführt zu werden. Journalisten haben eigene Kriterien, ja – aber Familien dürfen sich nicht diffamiert fühlen.

bpb: Wie könnte ein Mittelweg aussehen?

Ehlert: Journalisten stehen immer unter dem Druck der Aktualität, es muss schnell gehen. Aber in meinem Arbeitsgebiet, der Sozialarbeit, braucht man Zeit, wir müssen oft erst einmal in der Hierarchie der eigenen Organisation klären, was überhaupt möglich ist und wir müssen die Familien oder Jugendlichen auf ein solches Gespräch vorbereiten. Von heute auf morgen etwas zu organisieren – das ist fast unmöglich. Es ist wichtig, zu den Journalisten eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, sie müssen im Kiez bekannt sein. Dann wissen wir, woran wir sind. In so einer Situation reicht auch mal ein Telefonat und man kann einen Ansprechpartner vermitteln.

bpb: Gibt es ethische Grenzen?

Ehlert: Ich finde alles falsch, was Menschen gegen ihren Willen in die Öffentlichkeit zerrt. Wenn ein solches Verbrechen passiert, wie der Mordfall im Sommer 2005 in Berlin, als ein 16jähriger einen siebenjährigen Nachbarsjungen umgebracht hat, dann sind Journalisten sofort im persönlichen Umfeld der Betroffenen. Sie fotografieren Kinder und fragen sie aus, ohne die Eltern zu fragen. Das geht nicht.

bpb: Welche Art der Berichterstattung erwarten Sie von den Medien?

Ehlert: Wenn ein Thema aufgegriffen wurde, dann sollte dieses Problemfeld auch länger als drei, vier Tage behandelt werden. Wie bei der Berichterstattung über den genannten Mord, sollte es nicht mehr um den Einzelfall gehen, sondern Eingriffs- und Betreuungsmöglichkeiten generell in den Blick genommen werden. Hier hat es die Presse geschafft, die Politik in Schwung zu bekommen. Abgesehen davon würde ich mir wünschen, dass nicht nur die Katastrophen den Weg in die Öffentlichkeit finden. Zugegeben, wir müssen dafür auch offener werden und bereit sein, unsere Arbeit offensiv zu präsentieren.

Interview und Foto: Anne Haeming


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