Veranstaltungen: Dokumentation

20.7.2005 | Von:
Matthias_Machnig_Bio

Chancen maximieren

Matthias Machnig im Gespräch

Der Bundestagswahlkampf 2005 ist anders als alle bisherigen, meint der ehemalige Bundesgeschäftsführer und Kampa-Chef der SPD Matthias Machnig. Im Interview prognostiziert der Experte den kommenden Wahlkampf und erzählt, was er von Spin Doctoren, TV-Duellen und Wahlberichterstattung hält.

bpb: Herr Machnig, warum ist dieser Wahlkampf ein besonderer Wahlkampf?

Machnig: Weil er schlicht ganz anders ist als alle bisherigen Wahlkämpfe – schon allein durch die Art und Weise, wie er über die Vertrauensfrage zustande gekommen ist. Und, betrachtet man die Kommentierung, stehen Sieger und Besiegte eigentlich schon fest – obwohl der Wahlkampf noch gar nicht richtig begonnen hat. Daraus folgt, dass Spitzenfiguren wie Frau Merkel plötzlich in einem neuen Licht bewertet werden. Schließlich haben wir eine veränderte Parteienlandschaft mit ganz anderen ideologischen Antipoden: Das sind einerseits Merkel und Westerwelle, andererseits Gysi und Lafontaine. Es stellt sich die Frage: Welche Auswirkungen hat das? Und dann zeigt sich noch der Trend, dass die Menschen sich sehr spät entscheiden, wodurch es Veränderungsprozesse in den letzten Wochen vor der Wahl geben kann.

bpb: Sie waren Bundesgeschäftsführer der SPD und unter anderem auch für die Kampagne zur Bundestagswahl 2002 verantwortlich. Was ist denn die Aufgabe eines Wahlkampfstrategen?

Machnig: Für Wahlkämpfe braucht es kommunikative Linien und die müssen festgelegt werden. Dazu benötigt man Leute, die Wahlkämpfe und Kommunikation kennen, die also mit ihrer Expertise den Parteien helfen können, ein bestimmtes Image, ein Profil herauszuarbeiten.

bpb: Sind "Spin-Doctors" eigentlich das Phänomen einer zunehmend von Medien geprägten Gesellschaft?

Machnig: Ich glaube, es gibt diese "Spin-Doctors" in Deutschland gar nicht: Das Wort wurde hierher importiert. Worum es geht, ist zu überlegen: Welche Leitplanken gibt es für eine politische Auseinandersetzung in Wahlkämpfen? Wie kann man die Chancen für eine Partei, für Personen und Themen maximieren? Das wird in den unterschiedlichen Parteien auch unterschiedlich gehandhabt: Da gibt es verschiedene organisatorische Antworten.

bpb: Sind Sie denn der Meinung, dass dieses Marketing im Hintergrund tatsächlich Einfluss hat auf die Wahlentscheidung der Bürgerinnen und Bürger?

Machnig: Im Wahlkampf spielen unterschiedliche Dinge eine Rolle. Da gibt es auf der einen Seite die unmittelbare Ansprache der Wählerinnen und Wähler über TV-Spots, Plakate, die großen Reden der Politiker, die TV-Duelle. Dann steht auf der anderen Seite die Frage nach den Multiplikatoren, den Journalisten zum Beispiel. Ihnen muss man erläutern, wie bestimme Themen einzuordnen sind, wie man sich in den nächsten Jahren strategisch positionieren will. Das ist eine wichtige Aufgabe. Wie sich das dann in der Berichterstattung niederschlägt, ist eine andere Sache. Dass aber die Multiplikatoren, die den Wahlkampf professionell begleiten, Einfluss haben auf die politische Psychologie und Stimmungslage, liegt wohl auf der Hand.

bpb: Stichwort TV-Duelle: Welche Bedeutung hat der Schlagabtausch bei dieser Wahl?

Machnig: Ich prognostiziere, es wird mehr Zuschauer geben als beim letzten Mal. Und: Die Duelle werden erneut ein wichtiger Check sein für die unterschiedlichen politischen Angebote, die es gibt. Vor allen Dingen aber werden sie unter dem Aspekt laufen, dass die Menschen Angela Merkel kennen lernen. Denn die breite Öffentlichkeit weiß eigentlich noch recht wenig über sie.

Interview: Barbara Lich


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