Veranstaltungen: Dokumentation

20.7.2005 | Von:
Bernd Serger

Hintern hoch!

Bernd Serger über die Berichterstattung für Jung- und Erstwähler, neue Ideen und den Perspektivenwechsel im Blatt

Die Zeitung muss den Erstwählerinnen und Erstwählern Hilfestellung leisten, fordert der Journalist Bernd Serger. Er ist Mitglied der Chefredaktion der Badischen Zeitung in Freiburg und weiß, wie man Jugendlichen die Programme, Personen und Kriterien der Wahl näher bringt. Ein Interview.

bpb: Herr Serger, welche Rolle spielt die Zeitung bei der Aufklärung von Erstwählern?

Serger: Sofern sie von den Erstwählern gelesen wird, hat die Zeitung einerseits die Aufgabe, ihnen zu erklären, wie so eine Wahl funktioniert. Andererseits muss sie den jungen Leuten die Kriterien an die Hand geben, auf die sie achten sollten, wenn sie wählen: die Programme, die Personen, die politischen Möglichkeiten, die es gibt.

bpb: Wie gewinnt man denn Jugendliche - fürs Zeitungslesen und für die Wahl?

Serger: Indem man den Hintern hoch kriegt. Es gibt diesen schönen Satz: "Move your ass and your mind will follow". Das gilt vor allem für Redaktionen, die im Schnitt etwas älter sind. Man muss auf die Jugendlichen zugehen. Unsere Erfahrungen bei der Badischen Zeitung waren in Sachen Europa- und Kommunalwahl sehr positiv. Ob das eine Langzeitwirkung hat, muss man mal sehen. Die Bilanz sieht aber zumindest so aus, dass wir auch junge freie Mitarbeiter gewonnen haben.

bpb: Schöpfen sie doch mal aus ihrem Erfahrungsschatz: Was war das Highlight ihrer Wahlberichterstattung für Jugendliche?

Serger: Besonders gut fand ich unsere "Politiker-Battle" zum Kommunalwahlkampf. Da haben wir die jüngsten Kandidaten der Listen bei einer Podiumsdiskussion in Zweikämpfen gegeneinander antreten lassen. Wer sich durchgesetzt hat, kam weiter. Dann gab es noch einen Hoffnungslauf, da konnte man eventuell auch noch mal Boden unter den Füßen gewinnen. Die Resonanz darauf war sehr gut. Es wurde nicht gelabert, die Kandidaten mussten sich zu bestimmten Themen kurz und knackig äußern. Und die Jugendlichen konnten eben immer entscheiden. Das hat viel Spaß gemacht.

bpb: Sollte sich Wahlberichterstattung für Jugendliche ihrer Meinung nach durchs ganze Blatt ziehen oder sollte es spezielle Jugendseiten geben?

Serger: Ich gehöre nicht zu denen, die bei Jugendseiten von Gettos reden, die Diskussion halte ich für verkürzt. Wer eine Jugendseite hat, sollte sie nutzen, aber die Berichterstattung für Erstwähler sollte nicht nur dort stattfinden. Das ist eine Querschnittsaufgabe.

bpb: Jugendliche schreiben selbst! Ist das gut, macht das Sinn oder sollten doch lieber gestandene Redakteure ran?

Serger: Sowohl als auch. Es gibt Situationen, da stoßen Jugendliche an ihre Grenzen, da muss man dann eventuell viel ausbügeln. Aber es kann auch Erfrischendes dabei herauskommen, besonders bei Interviews. Wichtig ist, dass ein Perspektivenwechsel stattfindet, dass andere Zugänge gesucht werden.

bpb: Gibt es in organisatorischer Hinsicht Regeln, die in einer Redaktion beachtet werden müssen?

Serger: Unerlässlich sind klare Zuständigkeiten, also, die klare Rollenverteilung, wer was macht. Sonst kann es zu Missverständnissen kommen. Und man sollte sich im Vorfeld ein "Drehbuch" schreiben, das festlegt, was die Pflichtaufgaben sind und welcher Themen man sich sonst noch bedient.

Interview: Barbara Lich


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