Veranstaltungen: Dokumentation

20.7.2005 | Von:
Klaus Schrotthofer

Die Leser nicht bevormunden

Klaus Schrotthofer über Tendenzen in der Politikberichterstattung und die Chancen dieses Wahlkampfs

Die Medien sind für eine steigende Politikverdrossenheit mit verantwortlich. Das meint zumindest Klaus Schrotthofer, ehemaliger Sprecher von Bundespräsident Rau und jetziger Chefredakteur der Westfälischen Rundschau. Im Interview erklärt er, worauf Zeitungen für eine ausgewogene und kritische Wahlberichterstattung besonders achten sollten.

bpb: Herr Schrotthofer, was kritisieren sie an der Politikberichterstattung im Allgemeinen?

Schrotthofer: Ich kritisiere nicht die Politikberichterstattung generell, aber ich beobachte Tendenzen und Entwicklungen, die die Glaubwürdigkeit des Journalismus berühren - beispielsweise einen verstärkten Hang zur Skandalisierung und zur Personalisierung.

bpb: Sind denn die Medien Mitschuld an der Politikverdrossenheit im Land?

Schrotthofer: Sie tragen zumindest eine Mitverantwortung. Einige Medien zeichnen ein Bild von Politik, das der Wirklichkeit einfach nicht entspricht. Klischees und Pauschalurteile treten da manchmal an die Stelle ordentlicher Recherche.

bpb: Und wie definieren sie ordentliche Recherche?

Schrotthofer: Ordentliche Recherche verlangt, dass sich Journalisten ihr eigenes Bild machen und alle Fakten, die zur Verfügung stehen, prüfen und in ihr Urteil mit einbeziehen.

bpb: Angesichts der Kürze der Zeit: Auf was muss eine Redaktion bei der Planung der Wahlberichterstattung in diesem Jahr besonders achten?

Schrotthofer: Ich glaube, dass der zeitliche Vorlauf kein so großes Problem ist. Im Gegenteil: Da gibt es sogar Chancen – durch das derzeit gesteigerte Interesse der Menschen an Politik und die sich abzeichnende Polarisierung. Das macht es einfacher, die unterschiedlichen Lösungsansätze der Parteien zu verdeutlichen.

bpb: Wie viel Polemik, wie viel Zuspitzung verträgt eigentlich die Wahlberichterstattung?

Schrotthofer: Polemik ist fehl am Platze. Wir brauchen eine kritische Distanz gegenüber allen Parteien. Wir Journalisten sind schließlich Beobachter, nicht Handelnde.

bpb: Welchen Fehler darf eine Zeitung in Wahlkampfzeiten auf keinen Fall begehen?

Schrotthofer: Sie sollte ihre Leser nicht bevormunden und nicht unterschätzen. Wahlempfehlungen seitens der Presse halte ich zum Beispiel für falsch. Die Leser sind interessierter und sachkundiger, als mancher sich das vorstellt. Daher lassen sie sich auch nicht mit einfachen Slogans ködern. Sie wollen schon wissen, wofür eine Partei steht.

Interview: Barbara Lich


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