Veranstaltungen: Dokumentation

20.7.2005 | Von:
Joachim Westhoff

"So unterhaltsam wie möglich"

Joachim Westhoff über Konzepte zur Wahlberichterstattung, Redaktionsbesuche von Politikern und das Thema Nichtwähler

Wahlempfehlungen haben in der Zeitung nichts zu suchen, ist die klare Haltung von Joachim Westhoff, dem Chefredakteur des Bonner General-Anzeigers. Im Gespräch erzählt er, wie Reportagen zur Kür der Wahlberichtserstattung werden und wie wichtig der richtige Umgang mit Nichtwählern ist.

bpb: Herr Westhoff, mit welchem Konzept gehen Sie in die Wahlberichterstattung?

Westhoff: Wenn ich das in allen Einzelheiten darstellen wollte, würde dies eine sehr lange Antwort. Im Kern kommt es uns darauf an, die Wahlprogramme der Parteien so darzustellen, dass unsere Leser wissen, was sie wählen. Dazu gehört natürlich auch die Unterscheidung zwischen eher wolkigen Versprechungen und den Ankündigungen konkreter Projekte mit soliden Finanzierungsangaben. Außerdem wollen wir die führenden Politiker porträtieren und die Spitzenkandidaten interviewen.

bpb: Was halten Sie denn von Redaktionsbesuchen seitens der Politiker?

Westhoff: Solange es sich um Spitzenleute handelt, sind sie herzlich willkommen. Wir achten allerdings auf eine gewisse Balance. Im Klartext: Wir können uns nicht auf jedes der in Wahlkampfzeiten besonders zahlreichen Besuchsangebote einlassen.

bpb: Wo beginnt die Kür in der Wahlberichterstattung?

Westhoff: Bei den Reportagen. Das können Beobachtungen aus dem örtlichen Wahlkampf sein. Das können bunte Stoffe sein. Das kann sich auch aus der Begleitung der Wahlkämpfer quer durch Deutschland ergeben. Und: Wir können in einer Reportage die Wirklichkeit mit den Aussagen der Parteien vergleichen. Welche Auswirkungen haben die Programme auf eine junge Familie, auf einen Sportverein, auf ein Pflegeheim, einen Handwerksbetrieb oder ein Theater? Das lässt sich sehr gut auch lokal machen.

bpb: Wie unterhaltsam darf Wahlberichterstattung sein?

Westhoff: So unterhaltsam wie möglich. Man darf Seriosität nicht mit Langeweile verwechseln. Gut vermittelte Information ist gleichzeitig gute Unterhaltung – natürlich nicht unbedingt im Sinne von "lustig" oder "witzig". Aber ein Artikel muss Lesegenuss bereiten.

bpb: Welche Einstellung haben Sie zu Wahlempfehlungen von Seiten der Presse?

Westhoff: Natürlich werden wir in unseren Kommentaren auch während des Wahlkampfs zu einzelnen Sachthemen Stellung beziehen. Aber eine direkte Wahlempfehlung halte ich für einen Ausdruck journalistischer Eitelkeit, für eine Bevormundung der Leser und damit für falsch.

bpb: Wie sollte man mit dem Thema Nichtwähler umgehen?

Westhoff: Man sollte vor allem nicht die Argumentation der Nichtwähler übernehmen, sie seien die größte Partei. Das ist Unfug. Ich habe Verständnis für eine gewisse Wahlmüdigkeit. Aber wer nicht zur Wahl geht, gewinnt nichts. Vielmehr überlässt er seine Stimme den anderen. Und die wählen vielleicht genau die Partei, die er am wenigsten mag. Wählen bleibt wichtig – selbst wenn man für die Partei stimmt, die man für das kleinste Übel hält.

Interview: Barbara Lich


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