Veranstaltungen: Dokumentation

7.7.2005 | Von:
Hans Joachim Stockschläger

"Die extremistische Denke ernst nehmen"

Extremismus und Medien: Ein Gespräch mit Hans Joachim Stockschläger

Ein Gespräch mit Hans Joachim Stockschläger, Referent der Friedrich-Naumann-Stiftung, über Extremismus und Medien: "Man muss die extremistische Denke ernst nehmen".

bpb: Herr Stockschläger: Was müssen die Medien im Umgang mit dem Thema Extremismus beachten?

Stockschläger: Ich denke, die Medien sollten aufpassen, das Thema nicht plakativ darzustellen – weder in die eine, noch in die andere Richtung. Man muss die extremistische Denke ernst nehmen. Vielleicht ist es von den Medien zu viel verlangt, aber sie sollten immer wieder den Handelnden in der Gesellschaft – also den Politikern, den Pädagogen – deutlich machen, wo die Probleme liegen. Das ist in den vergangenen Jahren zu wenig geschehen.

bpb: Wie meinen Sie das?

Stockschläger: Es wird plakativ berichtet, die Politik reagiert plakativ und nutzt das Thema manchmal zur eigenen Profilierung. Und das machen die Medien dann oft wieder mit. Ich denke aber, die Aufgabe der Medien ist es, erst einmal neutral darzustellen was es gibt. Dann können sie natürlich auch kommentieren.

bpb: Wie also sollen Medien berichten?

Stockschläger: Es sollte mehr über Hintergründe geschrieben werden: Warum haben diese extremistischen Organisationen solch einen Zulauf? Wieso ist diese Art zu denken so attraktiv? Was bietet das für Lösungsansätze? Warum denken Menschen, dass sie darin ihr Heil finden? Man kommt immer wieder darauf: Es fehlt irgendwas – Bildung zum Beispiel oder Sozialisation. Die extremistischen Gruppierungen wissen das sehr genau und arbeiten gezielt damit. Ich bedaure, dass weder Medien noch Politik - besonders die Bildungspolitik - mit den Zielgruppen entsprechend umgehen.

bpb: Wird das Thema also nur inhaltlich falsch angegangen oder findet es auch quantitativ zu wenig Beachtung in den Medien?

Stockschläger: Ich kritisiere seit Jahren, dass wir in der Medienberichterstattung diese Wellenbewegung haben. Wenn etwas Schlimmes passiert, wird lang berichtet, alle sind betroffen, wir machen Lichterketten und sammeln Geld. Dann ist ein Monat vorbei und die Sache hat sich wieder. Obwohl, in letzter Zeit gibt es auch positive Beispiele: In bestimmten Publikationen gehen Journalisten dazu über, Hintergründe zu beleuchten. Das geht in Richtung Aufklärung, das finde ich gut.

bpb: Eignet sich ein Medium besonders für die Berichterstattung über das Thema Extremismus?

Stockschläger: Da die verschiedenen Medien von unterschiedlichen Menschen genutzt werden, sind erst einmal alle Medien gefragt. Ich denke, es muss in der ganzen journalistischen Zunft die Überzeugung da sein: Wir haben nicht nur eine Berichts-, sondern auch eine Aufklärungspflicht.

Interview und Foto: Barbara Lich


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