Veranstaltungen: Dokumentation

7.7.2005 | Von:
Dr. Tobias Blasius
Hajo Friedrich

"Übersetzer: ja, Promoter: nein"

Brüsseler Korrespondenten im Gespräch

Stabi-Pakt. Das klingt irgendwie nach Babysprech oder Kinderspielzeug. Wenn Hajo Friedrich allerdings vom "Stabi-Pakt" spricht, dann geht es trotz Verniedlichung um Größeres: um jene Vereinbarung nämlich, die die Neuverschuldung der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union begrenzen soll.

Stabi-Pakt. Das klingt irgendwie nach Babysprech oder Kinderspielzeug. Wenn Hajo Friedrich allerdings vom "Stabi-Pakt" spricht, dann geht es trotz Verniedlichung um Größeres: um jene Vereinbarung nämlich, die die Neuverschuldung der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union begrenzen soll. Friedrich ist freier Journalist in Brüssel und schreibt unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Dass er Abkürzungen wie jene für den Stabilitätspakt benutzt, zeigt vor allem eines: Die Medienleute in der "Parallelwelt" des Europäischen Parlaments bedienen sich – zumindest hin und wieder – eines eigenen Jargons.

Ein gutes Stichwort für die Frage nach dem journalistischen Rollenverständnis: Sind Brüsseler Korrespondenten eigentlich Dolmetscher der EU-Politik? Oder Promoter von EU-Ideen? "Übersetzer: ja", sagt Dr. Tobias Blasius von der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). Er nennt das "die Wirksamkeit der EU-Politik für den Alltag der Bürger herausarbeiten." Übersetzen kann man in diesem Zusammenhang aber auch viel wörtlicher verstehen, schließlich sind EU-Papiere häufig auf Französisch oder Englisch verfasst – oder auch in einer Art "Euro-Speech", einer zumeist unverständlich-verschachtelten Sprache, die alles andere als zeitungstauglich ist.

Als Promoter sehen sich Blasius und Friedrich allerdings nicht. "Die Korrespondenten, die hier sind, haben großes Differenzierungsvermögen", sagt Friedrich. Und im Zweifel seien sie auch "ganz schön kritisch". Keine Frage, wer so dicht dabei ist am Brüsseler Geschehen, kennt Hintergründe.Die tauschen die Journalisten auch gerne einmal untereinander aus – bei der täglichen 12-Uhr-Pressekonferenz zum Beispiel. Gibt es denn keine Konkurrenz, keine Treibjagd, der Erste zu sein, der eine Geschichte bringt? "Es glucken die Journalisten zusammen, die für ähnliche Medien arbeiten", sagt Blasius. "Der Kuchen ist aber groß genug – an Themen und an Profilierungsmöglichkeiten", meint Friedrich.

Die Zentralredaktionen in der Heimat sind jedoch nicht immer für Brüsseler Geschichten zu begeistern. Berliner Themen haben schließlich den kürzeren Weg ins Blatt. Und: "Die fehlende Personalisierung ist hier ein großes Problem", erläutert der WAZ-Korrespondent. Den Kanzler kennt jeder, aber die Abgeordneten des Europäischen Parlaments?

Dass mehr über Europa berichtet werden müsste, darüber sind sich die beiden Journalisten einig. "Europa-Politik ist kolossal wichtig für unsere Zukunft", sagt Friedrich, "Die Weichen für das, was in zehn, fünfzehn Jahren bei uns passiert, werden hier gestellt." Später hebt er es noch einmal deutlicher hervor: "Europa-Politik ist Innenpolitik." Und jetzt ist er doch ein bisschen Promoter: nicht unbedingt für EU-Ideen, aber für das Interesse der Bürger an Europa, für Engagement und Mitgestaltung.

Text und Fotos: Barbara Lich


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