Veranstaltungen: Dokumentation

29.10.2004

Eröffnungsrede von Thomas Krüger

Grußwort zu den Jugendmedientagen 2004 in München

"'Wissen ist Macht' lautet das diesjährige Motto – ein prima Slogan, der auch zur Bundeszentrale für politische Bildung passt." Hier finden Sie die Eröffnungsrede von bpb-Präsident Thomas Krüger.

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    Sehr geehrte Frau Vizepräsidentin, sehr geehrter Herr Staatsminister, Herr Oberbürgermeister, liebe junge Journalistinnen und Journalisten,

    ich freue mich heute bei der Eröffnung der Jugendmedientage dabei zu sein. "Wissen ist Macht" lautet das diesjährige Motto – ein prima Slogan. Und eigentlich passt der auch zur Bundeszentrale für politische Bildung. Denn warum gibt es uns? Warum wollen wir Politikwissen unter die Leute bringen?
    Thomas Krüger während seines Grußworts zu den Jugendmedientagen 2004.Thomas Krüger während seines Grußworts zu den Jugendmedientagen 2004.
    Die Antwort ist einfach: unsere Gesellschaft braucht mündige Bürgerinnen und Bürger. Der staatlichen politischen Bildung kann man vertrauen, weil sie eben nicht an eine bestimmte Regierung, an eine bestimmte Partei oder an ein Glaubensbekenntnis gebunden ist – nur an das eine: unabhängig und verlässlich über politische Entscheidungsprozesse, aktuelle wie historische, zu informieren.

    Wir müssen nicht darauf achten, 2006 wiedergewählt zu werden. Deshalb können wir es uns leisten, kritische Diskussionen anzustoßen und zu führen, was so mancher parteigebundener Institution schwer fällt.

    Wir, die bpb, geben uns Mühe, möglichst viele Menschen mit unseren Informationen zu erreichen. In unseren Produkten bereiten wir politische Informationen so auf, dass sie den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden.

    Unser Ziel ist es, Menschen in Deutschland mit den Informationen auszustatten, die sie brauchen, um gesellschaftliche Prozesse aktiv mitzugestalten. Dabei sind wir in den vergangenen Jahren auch neue Wege gegangen. Unser Jugendmagazin fluter ist mittlerweile nicht nur unter Jugendlichen bekannt. Wir gehen in Schulen – mit der von uns initiierten SchoolTour, bei der Viva-Chef Dieter Gorny auch mal Lehrer spielt – wir beteiligen uns an Musik-Festivals und machen die politischen Dimensionen von Musik deutlich. Und wir kooperieren mit Giga, bei der abendlichen politischen Talkshow "GIGA REAL". Wir bringen auch Kindern Politik nah, und zwar mit HanisauLand.de, einer animierten Website zu der es auch ein Politik-Comic gibt.

    Demokratie ist nicht vererbbar – sie muss bewahrt, gleichzeitig aber neu belebt werden. Die bpb versteht sich da als moderner Dienstleister, als Informations- und Service-Lieferant. Aber Sie, als junge Journalistinnen und Journalisten, sind nicht nur die Konsumenten. Sie sind diejenigen, die sich durch die Informationsflut wühlen und dem Leser, Hörer oder Zuschauer genau die Nachrichten weitergeben, die für ihn wichtig sind. Von daher haben wir beide das selbe Ziel: nämlich verlässliche Informationen zu liefern und Orientierung zu schaffen. Ganz besonders in den Fragen, die nicht so ohne Weiteres zu beantworten sind, weil es verschiedene Standpunkte gibt:
    • Ist es z.B. okay, wenn ein Land das Kopftuch an Schulen verbieten will? Oder schränkt das die persönliche Freiheit einer Frau ein?
    • Ist es von den Menschen im Osten vermessen oder gutes Recht einen Lebensstandard auf "Westniveau" einzufordern?
    • Wie kann unser soziales Sicherungssystem in der Zukunft aussehen?
    • Wie will unser Land zu den Beitrittsverhandlungen der Türkei zur Europäischen Union stehen?
    Das alles sind heiße Eisen, die wir anpacken müssen. Fragen, über die wir sprechen sollten, und das wird auf unserer Website www.bpb.de, in verschiedenen Debatten und Dossiers, zwei Foren die wir neu geschaffen haben, auch getan. Wer nicht einfach alles Gesagte, Geschriebene hinnehmen will, der braucht fundierte Standpunkte – die wollen wir liefern. Wir wollen Orientierung bieten in einer komplexer werdenden Welt und geben politisches Wissen an die Hand – von A wie Arbeitsmarkt bis Z wie Zuwanderung.

    Das war ein Exkurs darüber, warum wir die bpb brauchen. Und wozu brauchen wir Journalistinnen und Journalisten? Ich glaube, wir brauchen sie heutzutage mehr denn je. Die Pressefreiheit ist im Grundgesetz verankert – und das kommt nicht von ungefähr, denn Wissen ist Macht. Nur die Demokratie kann die Freiheit des Worts garantieren, kann es sich leisten, jeden sagen zu lassen, was er denkt. Vor noch 15 Jahren, rund 300 Kilometer von hier entfernt, konnten die Journalistinnen und Journalisten hinter der Mauer davon nur träumen. Und es gibt viele Länder auf der Welt, da wäre eine Veranstaltung wie diese – von Jugendlichen selbst für Jugendliche organisiert – gar nicht möglich. Was für uns heute selbstverständlich ist wurde erst auf dem langen Weg der Geschichte erschaffen. Wie gesagt, Demokratie ist kein vererbbares Gut. Und die jüngsten Wahlen in Brandenburg und Sachsen haben erschreckend klar gemacht, dass sie längst noch nicht in trockenen Tüchern ist.

    Gute Journalistinnen und Journalisten sind Aufklärer. Wir, die bpb, und Sie, können dabei wunderbar zusammenarbeiten – was auch bereits geschehen ist, denn bei fluter.de hat die Jugendpresse bereits einmal die Redaktionsarbeit mit Erfolg übernommen und auch auf der Website zu "Projekt P" wird die Jugendpresse mit dabei sein. "Projekt P – misch dich ein" motiviert junge Menschen, sich in politische Entscheidungsprozesse einzubringen. Das ist eine Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, uns, der bpb, und des Deutschen Bundesjugendrings, über die Sie sich unter www.projekt-p.info informieren können.

    Auch hier, bei einer Veranstaltung wie den Jugendmedientagen, geht es nicht nur um Wissensvermittlung. Sie können in den nächsten Tagen Kontakte knüpfen, Netzwerke aufbauen, bekommen Praxis-Tipps und können sich selbst aktiv einbringen – bei Diskussionen, Workshops oder der Organisation der Veranstaltung selbst.

    Sich nicht gemein machen mit einer Sache – auch nicht mit einer guten Sache – das war das Motto des verstorbenen Tagesthemen-Moderators Hans Joachim Friedrichs. Gute Journalisten erkennt man daran, dass sie einen kritischen Blick bewahren. Das ist auch eine unserer Aufgaben als Bundeszentrale für politische Bildung.

    Ihnen allen wünsche ich nun viel Spaß bei den diesjährigen Jugendmedientagen. Nutzen Sie das Wissen, das sie erwerben und machen sie was d‘raus. Somit alles Gute!

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