Veranstaltungen: Dokumentation

8.7.2004

Workshop 2: Europäische Medienöffentlichkeit und zivilgesellschaftliche Netze

Tagung Horizont Europa

Ergebnisbericht des Workshops.

Referierende
  • Tatjana Brode (verantwortliche Redakteurin der Online-Redaktion der bpb)
  • Dr. Cathleen Kantner (sozialwissenschaftliches Institut der Bundeswehr Strausberg)
  • Daniel Kraft (Stiftung Brücke/Most Dresden, Freiburg, Prag)

    Moderation
    Norbert Schreiber (Netzwerk Europäische Kommunikation)

    Protokoll
    Harald Loch (Netzwerk Europäische Kommunikation)

    Auf der Grundlage der Eingangsreferate diskutierte der Workshop vor allem die Fragen europäischer Medienöffentlichkeit. Die wesentlichen Ergebnisse lassen sich in folgenden Thesen zusammenfassen:

    1. Das Angebot der Medien an Veröffentlichungen zu europäischen Themen und zu Themen mit einem europäischen Bezug ist hinreichend groß. Ausgehend von diesem für diesen Befund in Deutschland wurde die Situation in einzelnen der neu beigetretenen EU-Länder differenziert dargestellt. Sprachbarrieren bestehen bei jüngeren Menschen kaum, bei älteren dagegen sind sie hoch. Deshalb kommt der Übersetzung von Medien in die Sprachen kleinerer Länder eine besondere Bedeutung zu.

    2. In allen Medien ist ein Rückgang des Anteils der Information beklagt worden. Das Thema Europa hat dabei aber nicht schlecht abgeschnitten. Trotzdem bedarf der Rückgang der Wort- und Textanteile in den Medien der Beobachtung. In diesem Zusammenhang erörterte der Arbeitskreis kurz auch Fragen von Pressekonzentration in Europa und von Tendenzen zur Beschränkung der inneren Pressefreiheit der Redaktionen. Außerdem wurde eine noch nicht hinreichende Europakompetenz bei der Berichterstattung über Sachthemen festgestellt. Im Rahmen der journalistischen Ausbildung sollte dieses Defizit behoben werden.

    3. Eine europäische Medienöffentlichkeit stellt sich aber nicht allein auf Grund eines alles in allem als befriedigend zu bezeichnenden Angebots an Veröffentlichungen in den Medien ein. Das, was veröffentlicht wird, muss auch wahrgenommen und in einen weiterführenden Diskussionsprozess eingebracht werden. Die Nachfrage nach der veröffentlichten Information weist schwerwiegende Defizite auf. Der Workshop hat sich deshalb vor allem mit Fragen beschäftigt, wie das umfangreiche Angebot so verändert werden könnte, dass die Nachfrage erhöht wird und die Wahrnehmungsquote steigt. In erster Linie kommt es auf eine Verbreiterung der Zielgruppenbasis an. Die Zugangsschwelle zu den Informationen muss differenziert, in einigen Fällen jedenfalls so abgesenkt werden, dass Interesse nicht nur auf Hochschulniveau geweckt wird.

    Die Visualisierung von Information könnte einen Beitrag zur Erhöhung der Wahrnehmung leisten. Die Teilnehmer des Workshops nahmen mit Interesse die Darstellung eines Teilnehmers auf, der von einem praktizierten Modell "design and revolution" berichtete, in dem Designer und Wirtschaft bei Entwürfen der Informationsvisualisierung zusammenarbeiten. Ausgehend von der Feststellung weiter Bevölkerungskreise "Politik ist langweilig" bietet das vorgetragene Modell jedenfalls Chancen zu einer Veränderung dieser Einstellung, die im Übrigen kein spezifisches Problem für europäische Themen ist.

    Von verschiedenen Seiten wurde vorgeschlagen, die für unterschiedliche Wahrnehmungsniveaus erarbeiteten Instrumente des Kulturmanagements für die Erhöhung der Nachfrage nach europäischen Informationsangeboten einzusetzen.

    4. Die europäische Medienöffentlichkeit ist keine Jubelveranstaltung. Öffentlichkeit ist immer kritisch und Kritik ist, sobald über sie kommuniziert wird, immer öffentlich. Die Reibungsflächen mit der Wirklichkeit werden als Chancen für die Erhöhung der öffentlichen Aufmerksamkeit nicht immer und nicht immer gut genutzt. Nicht alle europäischen Entscheidungen kommen auf demokratisch legitimierten Wegen zustande, nicht alle europäischen Entscheidungen sind gut. Die Aufgaben der europäischen Medienöffentlichkeit kann nicht darin bestehen, die Akzeptanz solcher Entscheidungen in jedem Fall zu erhöhen, sondern sie müsste die Chancen nutzen, als Öffentlichkeit auf die Willensbildung der Entscheidungsträger und damit auf die Inhalte der Entscheidungen selbst Einfluss zu nehmen.

    5. Aus dem Workshop kam kein Ruf nach mehr Geld für die Medien und Träger der europäischen Öffentlichkeit. Wir diskutierten anhand des Eingangsreferats von Daniel Kraft eine Pyramide im Denken von Organisationen der europäischen Öffentlichkeit, das häufig von den vorhandenen "Töpfen" ausgeht und erst danach nach der Verwendung der Geldmittel fragt. Diese Pyramide müsste vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Ausgangspunkt muss das Projekt sein. Erst am Ende des Entwurfs zu seiner Durchführung sollte die Finanzierungsfrage stehen. Alle andere "leert nur die Töpfe, aber bereichert nicht die Köpfe".

    6. Die vielfach eingeforderte Vernetzung der Informationsangebote über Europa im weitesten Sinne begegnet mittlerweile dem allgemeinen Problem des Überangebots. In einer Phase, in der sich die Netzwerke gegenseitig vernetzen, kommt es auf eine intelligentere Nutzung der Informationstechnologie, nicht auf eine nochmalige Erhöhung des Angebots an, das ohnehin aus eigener Dynamik stark wächst.

    Harald Loch, Berichterstatter (Netzwerk Europäische Kommunikation)
    E-Mail: harald.loch@lycos.de


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