Veranstaltungen: Dokumentation

3.2.2004

Forum Lokaljournalismus 2004: Suchst du noch oder liest du schon?

Kinder und Jugendliche als Zielgruppe für die Tageszeitung

Kinder und Jugendliche lesen immer weniger – und erst recht keine Tageszeitungen. Diese seien öde und nur für Erwachsene, meinen sie. Was können die Redaktionen gegen dieses Problem unternehmen? Journalisten, Wissenschaftler und Marketing-Experten diskutierten in Leipzig über diese Frage.

Einleitung

Kinder und Jugendliche lesen immer weniger – und erst recht keine Tageszeitungen. Die seien öde und nur für Erwachsene, so ihr Vorwurf. Und wirklich, die Abonnenten von Tageszeitungen werden nicht nur immer weniger, sondern auch älter. Aber was können Redakteure und Redakteurinnen gegen dieses Problem unternehmen? Was können sie anders machen, damit die Jugend häufiger zur Zeitung greift?

Rund 130 Journalisten, Kommunikationswissenschaftler und Marketingfachleute kamen auf Einladung der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb vom 21. bis 23. Januar nach Leipzig, um gemeinsam über diese Fragen zu diskutieren. Eine Lösung des Problems wäre nicht nur für die Verlage und Redaktionen, sondern auch für die Kinder und Jugendlichen selbst von Vorteil. Denn Zeitungen bieten mehr als bloße Informationen - nämlich Hintergründe und Zusammenhänge.

"Wer Zeitung liest, lernt zu selektieren. Er kann relevante von irrelevanten Informationen unterscheiden – eine unerlässliche Fähigkeit in der Informations-
gesellschaft, in der wir leben", sagte Dr. Bernd Hübinger, der stellvertretend für Thomas Krüger, den Präsidenten der bpb, das 12. Forum Lokaljournalismus eröffnete.

Die komplette Rede von Dr. Hübinger und weitere Beiträge vom Forum Lokaljournalismus finden Sie in dieser Veranstaltungsdokumentation: Den Reader zur Veranstaltung können Sie auch über die Redaktion der Drehscheibe beziehen.

Forum Lokaljournalismus: der Jugend auf der Spur

Was können Zeitungen tun? Zunächst müssen sie mehr über Kinder und Jugendliche, ihre Interessen und Bedürfnisse wissen, sagten übereinstimmend Prof. Dr. Michael Haller, Journalistik-Dozent an der Universität Leipzig und Ingo Barlovic von iconkids & youth, dem größten deutschen kommerziellen Marktforschungsinstitut in München. Jugendliche wollen sich in der Zeitung wiederfinden – gerade in der Lokalzeitung. Beide sprachen sich aber gegen isolierte Kinder- und Jugendseiten aus. Diese hätten den Charakter von "Ghettoseiten" und richteten sich oft an eine zu breite Zielgruppe: Was einen 9-Jährigern interessiere finde eine pubertierende 14-Jährige längst nicht interessant. Prof. Dr. Jürgen Rager, Kommunikationsforscher an der Universität Dortmund, wollte dies nicht so stehen lassen: "Bitte streichen sie nicht ihre Jugendseiten," appellierte er an die Redakteure und Redakteurinnen im Plenum. "Es gibt keine Studie, die beweist, dass Jugendliche solche Seiten als Ghetto empfinden!" Die Seite dürfe eben nicht das einzige Angebot sein, das die Zeitung den Jugendlichen macht.

Jugendthemen im ganzen Blatt

Claus Strunz, Chefredakteur von BILD am Sonntag, bestätigte dies. Ihm sei es wichtig, die Jugendbeilage "VIVA BamS", die in Kooperation mit dem deutschen Musiksender entsteht, mit dem übrigen Blatt zu "verzahnen". Es koste zwar Überredungskünste, den Politikredakteur dazu zu bringen, auch auf der ersten Seite Platz für Jugendthemen einzuräumen. Aber nur so könne man Jugendlichen einen Grund geben, den Politikteil zu lesen. Entscheidend sei es, eine Sprache zu sprechen, die Jugendliche verstehen. "Wir müssen sie dort abholen, wo sie sich befinden", formulierte Strunz. Dem stimmte Rager zu: "Verständlich und einfach kommt am besten an". Daneben spiele aber auch die Gestaltung sowie die Wahl der Themen eine große Rolle, "magazinig" gestaltete Seiten sind beliebter", urteilte er.

Nachrichten erzählen

Einfach und verständlich formulieren – ein Grundprinzip das auch für das Fernsehen gilt. Beim Kinder-Nachrichtenmagazin "logo!" werden Nachrichten "kindgerecht, nicht kindisch" erzählt, sagte Verena Egbringhoff, Redaktionsleiterin der Sendung. Kinder wollten an der Erwachsenenwelt teilnehmen und Bescheid wissen. "Sie wollen echte Nachrichten – keinen Kinderkram". Dass das Konzept aufgeht, zeigt der Erfolg: Seit 15 Jahren gibt es logo! und Zuschauer sind bei weitem nicht nur Kinder. Mittlerweile kooperiert logo! auch mit Tageszeitungen: In festen Rubriken werden Kinder-Nachrichten in der Zeitung platziert.

Lust auf Wissen machen

Auch bei der bpb gibt es Konzepte, politische Inhalte bereits an Kinder zu vermitteln. www.Hanisauland.de ist die Kinderseite im Internet, die Lust auf Politik machen soll. In bunten Comic-Geschichten wird den Kleinen erklärt, wie Demokratie funktioniert. Film- und Buchtipps, ein Lexikon und Links ergänzen den Auftritt. Sabine Berthold, die das Projekt leitet, denkt ebenfalls über eine geeignete Cross-Media-Strategie und mögliche Kooperationspartner nach.

Ebenso das Schwäbische Tagblatt hat die Kinder als Zielgruppe entdeckt – und war überrascht über den Erfolg. Als die Tageszeitung die "Kinderuniversität" 2002 zum ersten Mal organisierte, platzten die Hörsaale in Tübingen schon fast aus allen Nähten. Seither gibt es die Vorlesungsreihe für Kinder einmal im Jahr. Die Kooperation mit den Professoren klappe ohne Probleme, berichtet Ulla Steuernagel, Redakteurin und Erfinderin der Aktion. Und auch bei der Leserschaft kämen die Berichte zum Projekt sehr gut an. Eine Idee zum Nachahmen? In diesem Fall ja: 2004 gibt es nach Auskunft Steuernagels in Deutschland rund 70 Universitäten, die Vorlesungen für Kinder anbieten.

Sandra Schmid
Susanne Sitzler


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