Veranstaltungen: Dokumentation

4.2.2004

Forum Lokaljournalismus: Suchst du noch oder liest du schon?

Statements der Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Erwartungen übertroffen: Die Statements der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forum Lokaljournalismus fielen sehr positv aus. Neue Anregungen erhielten sie vor allem bei der Auswahl jugendlicher Themen und der Ansprache Jugenlicher. Denn die Jugend ist eine vielfach unterschätzte Zielgruppe.

Wie fanden Sie das Forum Lokaljournalismus? Was war gut, was war schlecht? Welche Ideen nehmen Sie mit nach Hause?

Denise von der Ahé, Braunschweiger Zeitung: Für mich war es spannend zu erfahren, wie Marketingleute an die Zielgruppe Kinder und Jugendliche herangehen, um ihre Produkte zu verkaufen. Natürlich ist eine Tageszeitung nicht ein Produkt wie jedes andere, man kann nicht die Marketingstrategien für einen Fruchtsaft auf eine Zeitung anwenden. Trotzdem denke ich, dass gewisse Grundprinzipien ähnlich sind. Die Vorträge haben mich auch daran erinnert, verständlich und einfach zu schreiben, damit Jugendliche lieber Zeitung lesen. Außerdem denke ich über das Konzept von Jugendseiten nach: Wollen wir eine "Ghettoseite"? Eigentlich sollten doch im ganzen Blatt junge Themen zu lesen sein.

Thomas Gierse, Öffentlicher Anzeiger / Rheinzeitung: Das Forum hat mir sehr viel mehr gebracht als erwartet. Das Thema Jugend liegt bei meiner Zeitung brach. Ich habe Ansatzpunkte gefunden, wie man das neu angehen kann und zwar trotz finanzieller Kürzungen. Beispielsweise durch Kooperationen, wie es "logo!" mit Tageszeitungen macht.

Karin Rieck, Leipziger Volkszeitung: Für mich war es ein gelungenes Forum, mit vielen Impulsen. Besonders hat mich gefreut, dass es geklappt hat, die Veranstaltung in den Osten, nach Leipzig, zu holen. Denn gerade hier liegen die Themen für Jugendliche auf der Straße. Hier läuft uns nämlich die Jugend davon.

Ralf Schäfer, Ruhr Nachrichten: Für mich war das Wichtigste, dass wir Journalisten daran erinnert wurden, Jugendliche und Kinder wirklich ernst zu nehmen. Bislang machen wir das viel zu selten. Wir sollten zum Beispiel nicht immer Themen vorgeben, von denen wir nur denken, dass sie Jugendliche interessieren. Dass wir es aber nicht wissen, zeigen die Ergebnisse, die Dr. Imboden in seinen Untersuchungen erhalten hat. Er hat belegt, dass es häufig ganz anders ist, als wir annehmen.

Marion Schulz, Jugendpresse Brandenburg: Ich fand es schade, dass so wenig Jugendliche hier waren. Ständig wurde über die Interessen von Kindern und Jugendlichen geredet und spekuliert, anstatt junge Leute selbst zu Wort kommen zu lassen.

Bernd Serger, Badische Zeitung: Anfänglich war ich etwas enttäuscht. Die theoretischen Vorträge wären verzichtbar gewesen. Aber das Programm hat sich gesteigert. So habe ich vor allem gelernt, dass man besonders die Zielgruppe Jugend stärker differenzieren muss, sonst erreicht man sie nicht. Mein Fazit 2-.

Angela Brünjes, Göttinger Tageblatt: Ich nehme vom Forum Lokaljournalismus mit, dass wir zwar nicht alles neu machen, uns dafür aber selbst verändern müssen. Wichtig ist, dass wir uns als Redakteurinnen und Redakteure auf die Augenhöhe unserer Leser begeben. Das gilt eigentlich immer, aber für jugendliche Leser umso mehr. Dabei sollten wir auch darüber nachdenken, ob wir anstatt beispielsweise immer mit Schülersprechern zu reden, auch auf den Schulhof gehen und dort den Kontakt zu Jugendlichen suchen. Was sich immer mehr für mich herauskristallisiert ist, dass wir uns auf unsere Übersetzerfunktion besinnen. Das heißt auch, dass wir unsere Leser in Zukunft verstärkt in dem Alter abholen, in dem sie lesen lernen.

Thomas Becker, Thüringer Allgemeine: Für mich war die spannendste Erkenntnis, dass Kinder überhaupt eine Zielgruppe für die Tageszeitung sind. Bislang haben wir bei der Thüringer Allgemeinen versucht, uns mit einer speziellen Seite an Jugendliche zu richten. An Kinder habe ich gar nicht gedacht. Dabei kann man die viel konkreter ansprechen. Außerdem hat mich das Forum in dem Gedanken bestärkt, nicht mehr eine Jugendseite zu machen, sondern lieber zu versuchen, jugendrelevante Themen täglich im Blatt zu haben.

Holger Schalling, Freies Wort: Nach allem, was ich hier über Jugendseiten gehört haben, denke ich doch, dass separate Seiten grundsätzlich in Ordnung sind – aber es muss noch mehr geschehen. Ganz wichtig ist, dass wir Journalisten wieder lernen, verständlich und einfach zu schreiben. Was nutzt ein hehrer journalistischer Ansatz und Perfektion, wenn uns die Zielgruppe nicht versteht? Wir sollten wegkommen von hohen pädagogischen Ansprüchen und uns besinnen auf unsere Übersetzerfunktion.

Bernhard Rude, Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses: Das Thema ist vielschichtiger, als es zunächst aussah. Bei den Konzepten für Jugendseiten wirft man bisher zu viel in einen Topf. Es gibt kein Patentrezept. Jugendliche sind zu erreichen, wenn man die richtige Sprache spricht. Das ist beruhigend.

Helmuth Rücker, Passauer Neue Presse: Ich habe bei diesem Forum viel gelernt: In den Lokalredaktionen haben wir ein völlig falsches Bild von der Welt der Kinder und Jugendlichen. Wir werden schnellstens umdenken müssen, wenn wir die jungen Leser gewinnen wollen. Die Vorträge ergänzten sich perfekt mit den vorgestellten erfolgreichen Konzepten. Hinzu kam die perfekte Organisation, die gute Unterbringung, die Gastfreundschaft der Leipziger Volkszeitung, das Rahmenprogramm. Dass einige Vorträge (vor allem von wissenschaftlicher Seite) ein Flop waren - damit müssen wir leben. Schließlich - und auch das haben wir gelernt - ist auch in der Zeitung manches für die Katz geschrieben worden, weil sich laut Leserforschung 0 % dafür interessieren. Ich freue mich auf die neuen Denkanstöße und Erkenntnisse beim nächsten Forum.

Sandra Schmid
Susanne Sitzler


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