Veranstaltungen: Dokumentation

21.11.2003

Gute Gene, schlechte Gene?

Gentechnik, Genforschung und Consumer Genetics

Eugenik – ein legitimer Weg der Prävention?

Freiwillige Eugenik auf Zypern und chinesisches yousheng – der zweite Kongresstag beschäftigte sich u.a. mit der Frage, ob bevölkerungspolitische Konzepte zur Beeinflussung des Erbgutes innerhalb einer Gesellschaft ethisch haltbar sind.

Seit fast 25 Jahren läuft auf Zypern ein systematisches Programm zur Prävention der Erbkrankheit Thalassaemia major. Eine von sieben Personen in der zypriotischen Population ist Träger der Thalassämie, eines von 158 Neugeborenen erkrankt an der ohne Behandlung tödlich verlaufenden Krankheit. Eine rechtzeitige Therapie kann ein Überleben bis in das Erwachsenenalter ermöglichen, fordert jedoch die Aufwendung erheblicher Ressourcen: überwiegend teure Medikamente, zusätzliches Pflegepersonal sowie Bluttransfusionen. Dr. Michael Angastiniotis, langjähriger Direktor des Cyprus Institute of Neurology and Genetics on Thalassaemia, sieht in der Begrenzung der Geburten die Gewährleistung, "Ressourcen für eine optimale Behandlung und zur Sicherung des Überlebens der vorhandenen Patienten zur Verfügung stellen zu können". Zentrale Merkmale des zypriotischen Präventionsprogramms seien gesundheitliche Aufklärung, das Screening der Bevölkerung, genetische Beratung und Pränataldiagnostik.

In China wird jihua shengyu – das nationale Familienplanungs- und Geburtenprogramm – von offizieller Seite als ein "Projekt der Sozialplanung" betitelt. Seit den frühen 90er Jahren wurde mehr Gewicht auf die "Qualität" der Gesellschaft gelegt, das heißt auf yousheng ("die gesunde Geburt" oder Eugenik). Dr. Ole Döring, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Ostasienwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum, beschrieb die gesellschaftspolitischen Entwicklungen in China als "einen Übergang von der konventionellen zur liberalen Eugenik." Dabei begünstige die Kombination aus "Ein-Kind-Politik", vermehrtem Zugang zu biomedizinischen Dienstleistungen und wachsendem Wohlstand diesen Trend. Dr. Jing-Bao Nie, Dozent am Zentrum für Bioethik der Dunedin School of Medicin, erläuterte als Disktutant des Podiums "Yousheng, Eugenik in China – wo ist das ethische Problem?" die Ideologien der zeitgenössischen chinesischen Theorien und die daran anknüpfende eugenische Praxis unter kritischen Gesichtspunkten. Unter Berücksichtigung der historischen und sozialen Zusammenhänge beschrieb Jing-Bao Nie das Verfahren der Eugenik und seine Akzeptanz in der chinesischen Gesellschaft als Ergebnis sozialdarwinistischer, biologisch-deterministischer, reduktionistischer und utopistischer Ideologien.

Während der Vorträge und Debatten zeigte sich, dass eine globale Normierung ethischer Grundsätze in Hinblick auf eugenische Verfahren häufig nur schwer in den Kontext einzelner Gesellschaften und somit in ihr ethisches Selbstverständnis eingebracht werden kann. Anders als in der individuell ausgerichteten Humangenetik bezieht sich die Eugenik auf Gesellschaften, die zu ihrer Erhaltung und/oder ihrer gesundheitlichen Verbesserung einzelne Mitglieder zu Einschränkungen in ihrer individuellen Freiheit bewegt. Dabei wird der Begriff der eigenverantwortlichen Entscheidung in den Vordergrund gerückt. Die Frage, ob die individuelle Aufklärung und Beratung in der Praxis ausreichend ist, findet an vielen Punkten, dies machte die Auseinandersetzung mit bioethischen Argumenten deutlich, jedoch nur eine unbefriedigende Antwort.


Event series

Mapping Memories

Mapping Memories is an event series focusing on commemorative culture in Eastern Europe and beyond. Current events include conferences, summer schools and practical workshops.

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Fachkonferenz

Konferenz zur Holocaustforschung

Die Internationalen Konferenzen zur Holocaustforschung dienen dem Austausch zwischen wissenschaftlicher Forschung und der Praxis politischer Bildung. Sie entstehen aus einer Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und Partnern aus der Wissenschaft.

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TiT-Veranstaltungsreihe

Themenzeit im Themenraum

Themenzeiten: Kompakte Informationsmodule und anregende Diskussionen mit männl. und weibl. Experten zu Themen der politischen Bildung.

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Veranstaltungsreihe

Checkpoint bpb – Die Montagsgespräche

Alle zwei Monate montags diskutiert der Checkpoint aktuelle Fragestellungen aus Politik, Gesellschaft und Forschung – anspruchsvoll, unterhaltsam und gerne auch kontrovers.

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Veranstaltungsreihe

What's up, America? – Perspectives on the United States and Transatlantic Relations

Mehr als die Hälfte der Europäer steht TTIP positiv gegenüber – in Deutschland und zwei weiteren Ländern jedoch ist die Ablehnung innerhalb der Bevölkerung groß. Anhand dieses Fallbeispiels beschäftigt sich die Podiumsdiskussion mit der Frage, wieso wirtschaftliche Fragen auf beiden Seiten des Atlantiks und auch innereuropäisch auf so unterschiedliche Art und Weise diskutiert werden.

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Blog zur Fachkonferenz

Medienkompetenz 2014

Zielsetzung der Fachkonferenz Medienkompetenz 2014 ist es, theoretische und praktische Konzepte angesichts aktueller digitaler Umbrüche und vor dem Hintergrund bestehender Modelle der Medienkompetenz zu diskutieren und weiterzuentwickeln.

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