Veranstaltungen: Dokumentation

21.11.2003

Gute Gene, schlechte Gene?

Gentechnik, Genforschung und Consumer Genetics

Humangenetik – Elternschaft zwischen Verantwortung und Entscheidungszwang

Seit Beginn der 70er Jahre, mit Einführung der invasiven Pränataldiagnostik, besteht in Deutschland die Möglichkeit genetischer Frühtests. Im Vordergrund stand dabei zunächst die Entwicklung eines Untersuchungsverfahrens zur Identifizierung von Föten mit einer Trisomie 21 (Down Syndrom). Die enormen Fortschritte der Wissenschaft auf dem Gebiet der pränatalen Diagnostik, der Implantationstechnik und der damit verbundenen Präimplantationsdiagnostik sowie die daraus erwachsenen humanmedizinischen Möglichkeiten waren zentrale Themen der bioethischen Debatte des Kongresses. Mit ihrem Vortrag "Elternschaft zwischen Risikowahrnehmung und Entscheidungszwang" hat Erika Feyerabend, Journalistin und Mitbegründerin von Bioskop – Forum zur Beobachtung der Biowissenschaften e.V., eine schwerwiegende Fragestellung aufgeworfen: Tun sich mit der vorschwangerschaftlichen Genanalyse Chancen auf oder führen ihre Ergebnisse für werdende Eltern zwangsläufig in die Entscheidungsfalle? Die eigene Zukunft, aber auch die der Kinder werde immer entscheidungsabhängiger. Dabei handelt es sich sowohl bei der pränatalen als auch bei der Präimplantationsdiagnostik um prozentual formulierte Wahrscheinlichkeiten und Tendenzen, es kann keinesfalls von absoluten Aussagen und Prädikationen die Rede sein. Häufig sei mangelnde Sensibilität und eine unzureichende Aufklärung seitens der Medizin ein Auslöser für die Entscheidungsfalle, die sich bei vielen Eltern mit Bekanntgabe pränataler Diagnosen schließt. Dr. Silja Samerski, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projekts "Das Alltags-Gen" an der Universität Hannover, attestierte vielen Betroffenen die Wahnvorstellung, es ließe sich mit einer Genanalyse die Zukunft eines Menschen voraussagen. Zugleich warnt jedoch Dr. Irmgard Nippert, Professorin für Frauengesundheitsforschung am Universitätsklinikum Münster, davor, "aus der Entwicklung der pränatalen Diagnose den Schluss zu ziehen, dass sie zukünftig eine Welle ungebremster Selektion auslösen wird". Bei diesen Fragen wurde kritisch prognostiziert, dass die klinische Diagnose von einer molekularen, prädikativen Diagnostik abgelöst würde. So würden therapeutische Fragen künftig nicht mehr "Woran sind Sie erkrankt?" lauten, sondern "Woran werden Sie mit welcher Wahrscheinlichkeit in Zukunft leiden?" Neben der Angst, die genetischen Informationen nicht länger vor dem Zugriff Dritter schützen zu können, artikulierte sich in diesem Kontext mehrfach der Hinweis auf das Recht auf Nichtwissen. Dieser individuelle Anspruch müsse trotz der weitreichenden Möglichkeiten der Humangenetik unter den besonderen Schutz von Politik und Gesellschaft gestellt werden. Besonders die Diagnose von Erbkrankheiten zieht ihre Kreise gleich in mehreren Generationen, handelt es sich doch in vielen Fällen um direkte Vererbung genetisch übertragener Krankheitsbilder.

Während dieser Debatte kam ebenfalls zur Sprache, dass humangenetische Verfahren häufig vereinfacht dargestellt werden. Das Leid, das aufgrund von unerfüllter Hoffnung vielen Frauen gerade bei künstlichen Befruchtungen widerfährt, werde häufig neben der Schilderung des technisch-medizinischen Vorgehens nicht ausreichend thematisiert. Nahezu einstimmig wurde die Meinung vertreten, dass das technische Verfahren nicht isoliert betrachtet werden kann. Umfangreiche sozial-psychologische Beratungen müssten ein integrativer Bestandteil des elterlichen Entscheidungsprozesses sein.


Event series

Mapping Memories

Mapping Memories is an event series focusing on commemorative culture in Eastern Europe and beyond. Current events include conferences, summer schools and practical workshops.

Mehr lesen

Fachkonferenz

Konferenz zur Holocaustforschung

Die Internationalen Konferenzen zur Holocaustforschung dienen dem Austausch zwischen wissenschaftlicher Forschung und der Praxis politischer Bildung. Sie entstehen aus einer Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und Partnern aus der Wissenschaft.

Mehr lesen

TiT-Veranstaltungsreihe

Themenzeit im Themenraum

Themenzeiten: Kompakte Informationsmodule und anregende Diskussionen mit männl. und weibl. Experten zu Themen der politischen Bildung.

Mehr lesen

Veranstaltungsreihe

Checkpoint bpb – Die Montagsgespräche

Alle zwei Monate montags diskutiert der Checkpoint aktuelle Fragestellungen aus Politik, Gesellschaft und Forschung – anspruchsvoll, unterhaltsam und gerne auch kontrovers.

Mehr lesen

Veranstaltungsreihe

What's up, America? – Perspectives on the United States and Transatlantic Relations

Mehr als die Hälfte der Europäer steht TTIP positiv gegenüber – in Deutschland und zwei weiteren Ländern jedoch ist die Ablehnung innerhalb der Bevölkerung groß. Anhand dieses Fallbeispiels beschäftigt sich die Podiumsdiskussion mit der Frage, wieso wirtschaftliche Fragen auf beiden Seiten des Atlantiks und auch innereuropäisch auf so unterschiedliche Art und Weise diskutiert werden.

Mehr lesen

Blog zur Fachkonferenz

Medienkompetenz 2014

Zielsetzung der Fachkonferenz Medienkompetenz 2014 ist es, theoretische und praktische Konzepte angesichts aktueller digitaler Umbrüche und vor dem Hintergrund bestehender Modelle der Medienkompetenz zu diskutieren und weiterzuentwickeln.

Mehr lesen