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21.11.2003

Gute Gene, schlechte Gene?

Gentechnik, Genforschung und Consumer Genetics

Die Gentechnik ist zur politischen Herausforderung geworden. Der Kongress "Gute Gene, schlechte Gene?" nahm sich des Themas an. Neben dem Kongress umfasste das Projekt eine Reihe ungewöhnlicher Aktionsformen, die das Thema Gentechnik sehr nah an das Publikum heranrücken und fragten, wie unser Leben durch Gentechnik verändert wird.

Übersichtsseite

"Fortschritt in der Forschung gibt es nur mit Tabubrüchen", begründet Ernst-Ludwig Winnacker, der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, das Recht der Wissenschaft, soziale und ethische Normen durch Innovation herauszufordern. Doch hier stellt sich die entscheidende Frage: Wie können demokratische Gesellschaften die Kontrolle über humanwissenschaftliche Entwicklungen behalten?

Die ökonomische Dynamik des 21. Jahrhunderts wird ihren Fokus auf die Lebens- und Informationswissenschaften richten. Die Biowissenschaften und die Biotechnologie lernen derzeit mit enormer Geschwindigkeit, fundamentale Lebensprozesse zu verstehen, zu steuern, ja zu verbessern. Fortpflanzungsmedizin, Pränataldiagnostik, Keimbahntherapie und Stammzellenforschung sind Begriffe geworden, die über wissenschaftliche Expertenkreise hinaus verstanden und mit zunehmender Bedeutung in den gesellschaftlichen Alltag eingebracht werden. In naher Zukunft wird die genetische Konstitution eines Menschen Prognosen über Eigenschaften und Begabungen, über seine in den Genen angelegten Krankheiten und deren mögliche Prävention erlauben. Mit der embryonalen Stammzellenforschung verspricht sich die Wissenschaft Zugang zu neuen Therapie- und Heilungsansätzen, die schwere, bis heute zum Teil unheilbare Krankheiten heilen sollen.

Mit den Zielsetzungen und Erkenntnissen der humanbiologischen Forschung kommt neben der Hoffnung auf Verbesserung der Lebensqualität tiefe Skepsis auf. Wie weit darf der Mensch einen anderen Menschen manipulieren, welche genetischen Eingriffe sollen erlaubt sein? Geht es hier im Grundsatz um die Züchtung des Menschen, wie es die Eugeniker dereinst erträumten? Oder geht es um individuelle Hilfen? Wie steht es mit der Entscheidungsfreiheit des Einzelnen, wenn der soziale Druck derart wächst, dass eine autonome Entscheidung gegen den Mainstream nicht mehr getroffen werden kann?

Biografien und Thesenpapiere

Hier finden Sie alle Kurzlebensläufe und Thesen der Referentinnen und Referenten zu diesem Kongress.

Der Kongress

An drei Tagen diskutierten 35 internationale und deutsche Expertinnen und Experten aus Humangenetik, Ethik, Politik und Wirtschaft in Bremen über Chancen und Risiken der Gentechnologie. Dabei standen vor allem Fragen nach den gesellschaftlichen, politischen sowie ethischen Zusammenhängen im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen. Rund 170 Teilnehmer haben sich in Plenarveranstaltungen sowie Workshops mit dem Stand der Humangenetik vertraut gemacht und sich mit aktuell diskutierten Problembereichen wie Präventionen von Erbkrankheiten und den Herausforderungen der Reproduktionsmedizin auseinandergesetzt. Der Kongress war ein Forum für kontroverse Standpunkte, für den Austausch über unterschiedliche kulturelle Traditionen, die auch auf dem Gebiet der Humangenetik greifbar werden. Der Austausch von Argumenten war ein zentrales Anliegen des Kongresses. Die intensiven Diskussionen haben gezeigt, dass die Veranstalter damit einen wichtigen Beitrag zum öffentlichen Diskurs geliefert haben. Dabei artikulierten sich bereits in der Eröffnungsveranstaltung auf Seiten der Referenten als auch im Publikum höchst kontroverse Standpunkte. Die Bundeszentrale für politische Bildung sowie die Landeszentrale für politische Bildung Bremen haben mit diesem Kongress ein Thema aufgegriffen, das in ganz besonderer Weise die Frage nach der politischen Partizipationsmöglichkeit der Bürgerinnen und Bürger aufwirft. Im Bereich der Biowissenschaften werden Entscheidungen gefällt, die für die Gesellschaft von zentraler Bedeutung sind. Viele Menschen haben aber den Eindruck, dass dieser Prozess der Gestaltungsmöglichkeit durch die Gesellschaft entzogen ist. Das zentrale Anliegen der Veranstalter war deshalb, die Debatte um Gentechnologie und Bioethik aus den oft nur für Spezialisten verständlichen fachwissenschaftlichen Diskussionsrunden und Kommissionen heraus in die breite gesellschaftliche Auseinandersetzung hineinzutragen.

Auf den folgenden Seiten sind in Auszügen Kernaussagen und wichtige Ergebnisse des Kongresses dargestellt.

Normative Grundlagen der Humangenetik

Unter der Themengabe "Die normative Kraft des Faktischen?" wurden zunächst grundlegende Sachverhalte erläutert: Die alltäglichen Ansprüche an die Humanmedizin, referiert und zur Diskussion gestellt von Prof. Dr. Jörn Bullerdieck, Leiter des Zentrums für Humangenetik an der Universität Bremen. Aufschluss über die wirtschaftlichen Aspekte der Genetik gab in seinem Kurzvortrag "Genetik – Füllhorn der Medizin?" Prof. Dr. Klaus Lindpaintner vom Pharmakonzern Hoffmann La Roche in Basel. Ebenfalls in den Kontext normativer Grundlagen eingebunden erläuterte Dr. Line-Gertrud Matthiessen-Guyadar, Europäische Kommission, Generaldirektion Forschung, die rechtliche und politische Lage in Europa. Dabei kristallisierte sich im anschließenden Diskurs als latentes Problem heraus, dass die medizinischen Möglichkeiten aufgrund mangelnder Transparenz seitens der Wissenschaft ständig überschätzt werden. Eine wichtige Transferfunktion käme hier auch den Medien zu, die den Ansprüchen einer entmythologisierenden Aufklärung der Bevölkerung häufig nicht gerecht werden. Prof. Bullerdieck forderte, bereits in den Schulen Humangenetik und die dazu gehörige ethische Debatte zum Thema zu machen. Die Rechtsprechung in der Europäischen Union scheint in vielen grundsätzlichen Entscheidungsprozessen – ähnlich der Politik in den Einzelstaaten Europas – stets auf die dynamischen Entwicklungen in der Forschung zu reagieren. Eine aktive, nicht nur auf Entwicklungen reagierende Politik - dies scheint auf europäischer Ebene fast noch schwieriger zu sein als auf nationaler Ebene.

Embryonenforschung

Mit der Fragestellung "Darf der Mensch Embryonen zu Heilungszwecken und/oder Forschungszwecken nutzen?" öffnete sich das Podium der internationalen Diskussion. Prof. Dr. Michel Revel, Leiter der Abteilung für Molekulare Genetik am Weizman Institut in Tel Aviv und Mitglied im Internationalen Bioethikausschuss der UNESCO, gab mit seinem Vortrag Einblicke in die Rahmenbedingungen der israelischen Stammzellenforschung. Im Gegensatz zur deutschen Gesetzgebung gestalten sich die rechtlichen Bestimmungen zur Forschung an embryonalen Stammzellen in Israel grundsätzlich liberaler. Am Weizmann Institute for Science in Tel Aviv gehört die Forschung an menschlichen Embryonen zum wissenschaftlichen Alltag. Im Anschluss an den Vortrag von Professor Revel diskutierten Bischof Martin Hein, Professorin Dr. Bettina Schöne-Seifert und Dr. Hans-Jochen Vogel ethische Aspekte der embryonalen Stammzellenforschung. In diesem Plenum zeigte sich deutlich, wie naturwissenschaftlich-medizinische Standpunkte sowie ethisch-religiöse Normen die Kontroverse um Für und Wider embryonaler Stammzellenforschung beeinflussen. Die jüdische Kultur argumentiert für eine sehr weitgehende Forschungsfreiheit der Wissenschaft mit dem von Gott gegebenen Auftrag, die Unvollkommenheit des Menschen zu überwinden. Die christliche Lehre hingegen versteht den Menschen als vollkommenes Ebenbild seines göttlichen Schöpfers. Doch wie reagieren Gesellschaft, Politik und Medizin in Deutschland und Europa angesichts dieser so unterschiedlichen Einschätzungen? Sollte die israelische Embryonenforschung Erfolge erzielen und Therapiemöglichkeiten für bisher nicht oder nur eingeschränkt heilbare Krankheiten zur Verfügung stellen können? Mit dieser Frage erschloss sich ein weiterer Konflikt innerhalb der ethischen Debatte: Darf der Schutz des (ungeborenen) Lebens eingeschränkt werden, um Heilung von Leid und Krankheit zu ermöglichen? Wann verletzt die Freiheit der Forschung die Würde des Menschen? Kann der Imperativ des Heilens ethische Grenzen überschreiten? Eine Vielzahl an Fragen wurde formuliert, auf die der Kongress keine allgemeingültigen Antworten gab.

Eugenik – ein legitimer Weg der Prävention?

Freiwillige Eugenik auf Zypern und chinesisches yousheng – der zweite Kongresstag beschäftigte sich u.a. mit der Frage, ob bevölkerungspolitische Konzepte zur Beeinflussung des Erbgutes innerhalb einer Gesellschaft ethisch haltbar sind.

Seit fast 25 Jahren läuft auf Zypern ein systematisches Programm zur Prävention der Erbkrankheit Thalassaemia major. Eine von sieben Personen in der zypriotischen Population ist Träger der Thalassämie, eines von 158 Neugeborenen erkrankt an der ohne Behandlung tödlich verlaufenden Krankheit. Eine rechtzeitige Therapie kann ein Überleben bis in das Erwachsenenalter ermöglichen, fordert jedoch die Aufwendung erheblicher Ressourcen: überwiegend teure Medikamente, zusätzliches Pflegepersonal sowie Bluttransfusionen. Dr. Michael Angastiniotis, langjähriger Direktor des Cyprus Institute of Neurology and Genetics on Thalassaemia, sieht in der Begrenzung der Geburten die Gewährleistung, "Ressourcen für eine optimale Behandlung und zur Sicherung des Überlebens der vorhandenen Patienten zur Verfügung stellen zu können". Zentrale Merkmale des zypriotischen Präventionsprogramms seien gesundheitliche Aufklärung, das Screening der Bevölkerung, genetische Beratung und Pränataldiagnostik.

In China wird jihua shengyu – das nationale Familienplanungs- und Geburtenprogramm – von offizieller Seite als ein "Projekt der Sozialplanung" betitelt. Seit den frühen 90er Jahren wurde mehr Gewicht auf die "Qualität" der Gesellschaft gelegt, das heißt auf yousheng ("die gesunde Geburt" oder Eugenik). Dr. Ole Döring, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Ostasienwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum, beschrieb die gesellschaftspolitischen Entwicklungen in China als "einen Übergang von der konventionellen zur liberalen Eugenik." Dabei begünstige die Kombination aus "Ein-Kind-Politik", vermehrtem Zugang zu biomedizinischen Dienstleistungen und wachsendem Wohlstand diesen Trend. Dr. Jing-Bao Nie, Dozent am Zentrum für Bioethik der Dunedin School of Medicin, erläuterte als Disktutant des Podiums "Yousheng, Eugenik in China – wo ist das ethische Problem?" die Ideologien der zeitgenössischen chinesischen Theorien und die daran anknüpfende eugenische Praxis unter kritischen Gesichtspunkten. Unter Berücksichtigung der historischen und sozialen Zusammenhänge beschrieb Jing-Bao Nie das Verfahren der Eugenik und seine Akzeptanz in der chinesischen Gesellschaft als Ergebnis sozialdarwinistischer, biologisch-deterministischer, reduktionistischer und utopistischer Ideologien.

Während der Vorträge und Debatten zeigte sich, dass eine globale Normierung ethischer Grundsätze in Hinblick auf eugenische Verfahren häufig nur schwer in den Kontext einzelner Gesellschaften und somit in ihr ethisches Selbstverständnis eingebracht werden kann. Anders als in der individuell ausgerichteten Humangenetik bezieht sich die Eugenik auf Gesellschaften, die zu ihrer Erhaltung und/oder ihrer gesundheitlichen Verbesserung einzelne Mitglieder zu Einschränkungen in ihrer individuellen Freiheit bewegt. Dabei wird der Begriff der eigenverantwortlichen Entscheidung in den Vordergrund gerückt. Die Frage, ob die individuelle Aufklärung und Beratung in der Praxis ausreichend ist, findet an vielen Punkten, dies machte die Auseinandersetzung mit bioethischen Argumenten deutlich, jedoch nur eine unbefriedigende Antwort.

Humangenetik – Elternschaft zwischen Verantwortung und Entscheidungszwang

Seit Beginn der 70er Jahre, mit Einführung der invasiven Pränataldiagnostik, besteht in Deutschland die Möglichkeit genetischer Frühtests. Im Vordergrund stand dabei zunächst die Entwicklung eines Untersuchungsverfahrens zur Identifizierung von Föten mit einer Trisomie 21 (Down Syndrom). Die enormen Fortschritte der Wissenschaft auf dem Gebiet der pränatalen Diagnostik, der Implantationstechnik und der damit verbundenen Präimplantationsdiagnostik sowie die daraus erwachsenen humanmedizinischen Möglichkeiten waren zentrale Themen der bioethischen Debatte des Kongresses. Mit ihrem Vortrag "Elternschaft zwischen Risikowahrnehmung und Entscheidungszwang" hat Erika Feyerabend, Journalistin und Mitbegründerin von Bioskop – Forum zur Beobachtung der Biowissenschaften e.V., eine schwerwiegende Fragestellung aufgeworfen: Tun sich mit der vorschwangerschaftlichen Genanalyse Chancen auf oder führen ihre Ergebnisse für werdende Eltern zwangsläufig in die Entscheidungsfalle? Die eigene Zukunft, aber auch die der Kinder werde immer entscheidungsabhängiger. Dabei handelt es sich sowohl bei der pränatalen als auch bei der Präimplantationsdiagnostik um prozentual formulierte Wahrscheinlichkeiten und Tendenzen, es kann keinesfalls von absoluten Aussagen und Prädikationen die Rede sein. Häufig sei mangelnde Sensibilität und eine unzureichende Aufklärung seitens der Medizin ein Auslöser für die Entscheidungsfalle, die sich bei vielen Eltern mit Bekanntgabe pränataler Diagnosen schließt. Dr. Silja Samerski, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projekts "Das Alltags-Gen" an der Universität Hannover, attestierte vielen Betroffenen die Wahnvorstellung, es ließe sich mit einer Genanalyse die Zukunft eines Menschen voraussagen. Zugleich warnt jedoch Dr. Irmgard Nippert, Professorin für Frauengesundheitsforschung am Universitätsklinikum Münster, davor, "aus der Entwicklung der pränatalen Diagnose den Schluss zu ziehen, dass sie zukünftig eine Welle ungebremster Selektion auslösen wird". Bei diesen Fragen wurde kritisch prognostiziert, dass die klinische Diagnose von einer molekularen, prädikativen Diagnostik abgelöst würde. So würden therapeutische Fragen künftig nicht mehr "Woran sind Sie erkrankt?" lauten, sondern "Woran werden Sie mit welcher Wahrscheinlichkeit in Zukunft leiden?" Neben der Angst, die genetischen Informationen nicht länger vor dem Zugriff Dritter schützen zu können, artikulierte sich in diesem Kontext mehrfach der Hinweis auf das Recht auf Nichtwissen. Dieser individuelle Anspruch müsse trotz der weitreichenden Möglichkeiten der Humangenetik unter den besonderen Schutz von Politik und Gesellschaft gestellt werden. Besonders die Diagnose von Erbkrankheiten zieht ihre Kreise gleich in mehreren Generationen, handelt es sich doch in vielen Fällen um direkte Vererbung genetisch übertragener Krankheitsbilder.

Während dieser Debatte kam ebenfalls zur Sprache, dass humangenetische Verfahren häufig vereinfacht dargestellt werden. Das Leid, das aufgrund von unerfüllter Hoffnung vielen Frauen gerade bei künstlichen Befruchtungen widerfährt, werde häufig neben der Schilderung des technisch-medizinischen Vorgehens nicht ausreichend thematisiert. Nahezu einstimmig wurde die Meinung vertreten, dass das technische Verfahren nicht isoliert betrachtet werden kann. Umfangreiche sozial-psychologische Beratungen müssten ein integrativer Bestandteil des elterlichen Entscheidungsprozesses sein.

Die Frau und ihr Embryo

Einen wichtigen Aspekt in der Debatte um embryonale Stammzellenforschung und Präimplantationsdiagnostik lieferte Prof. Dr. Claudia Wiesemann, Präsidentin der Akademie für Ethik in der Medizin an der Universität Göttingen, mit ihrem Vortrag "Die Frau und ihr Embryo – Neue Ansätze in der frauenpolitischen Diskussion". Sie betonte, dass aufgrund zu lange geführter, häufig abstrakter Grundsatzdiskussionen entscheidende Fragen des praktischen Umgangs nicht mehr mit der gebotenen Sorgfalt bedacht würden. Sowohl die Positionen von Kritikern als auch von Befürwortern der Präimplantationsdiagnostik stimmten nicht mehr mit den Erfordernissen der Lebenswirklichkeit überein. Die Betrachtung des Embryos als isoliertes Individuum rufe ein Zerrbild hervor, das eine egoistische, von Einzelgängern bevölkerte Gesellschaft simuliere. Ein moralischer Pragmatismus erfordere jedoch die Betrachtung von Embryo und Mutter als Einheit, deren wesentliche Charakteristika seelische, körperliche und biographische Verbundenheit von Embryo und schwangerer Frau seien. Sowohl in Hinblick auf die Präimplantationsdiagnostik als auch in der Debatte um embryonale Stammzellenforschung vertrat Prof. Dr. Wiesemann einen liberalen Standpunkt, den sie aber stets mit der Auflage versieht, pragmatische, wirklichkeitsnahe Debatten zu führen und die Frau und ihren Embryo als Einheit zu betrachten. Dabei formulierte sie den deutlichen Appell, Krankheit und Leid nicht zu glorifizieren, beides jedoch zugleich als natürlichen Bestandteil der menschlichen Existenz zu betrachten.

Dr. Kathryn Pauly Morgan, Professorin der Philosophie, Frauen- und Genderstudien und Bioethik an der Universität Toronto, führte die Debatte um embryonale Forschung und Humangenetik unter feministischen Gesichtspunkten fort. Sie unterstrich die Auswirkungen, die bioethische Entwicklungen auf die Rolle der Frau in Gesellschaft und Politik haben. Mit dem Titel "Genetisierung der Mütter" betonte Kathryn Pauly Morgan, dass die Frau als fruchtbares, in der medizinisch-wissenschaftlichen Betrachtung als "(Gen)Material spendendes" Individuum in den gesellschaftlichen Kontext eingebunden wird. Dabei stellte sie dar, dass Frauen paradoxer Weise sowohl eine Zunahme als auch eine Abnahme ihrer persönlichen Autonomie in Bezug auf die moderne Genetik erfahren können. Diese genderbedingten Einflüsse auf die individuelle Positionierung von Frauen in der Gesellschaft wurden ebenfalls von Erika Feyerabend aufgegriffen, die mit ihrer These, der institutionelle Kontext wirke sich kombiniert mit gesellschaftlichen Gesundheitsidealen, Leistungsansprüchen und Reproduktionserwartungen erzieherisch auf Frauen aus, einen deutlich gesellschaftskritischen Gesichtspunkt in die Debatte einbrachte. Das frei entscheidende, urteilende und verantwortende "autonome Subjekt" bezeichnete sie als Fiktion.

Ein Leben ohne Leiden

Mit seinem Vortrag "Die Sehnsucht nach einem Leben ohne Leiden" eröffnete Dr. Dietmar Mieth, Professor für Theologische Ethik unter besonderer Berücksichtigung der Gesellschaftswissenschaften an der Universität Tübingen, die Debatte um ein Thema, das sich in sämtlichen Podien des Kongresses als substantielle Fragestellung wiederfand. Zunächst formulierte Professor Mieth deutliche Unterscheidungen zwischen Schmerz und Leid. So kann Schmerz als eine temporäre, körperliche Erfahrung betrachtet werden, dessen Begriff durchaus von dem des Leides subsumiert werden kann. Die Begrifflichkeit des Leidens hingegen charakterisiert ein anderes und größeres Übelspektrum im Sinne eines kontinuierlichen, nicht punktuellen Empfindens. Eine vertiefte ethische Betrachtung der Frage, ob Leiden Sinn geben kann, ob man mit Leiden produktiv umgehen kann – dann auch das Postulat, dass Leiden zum Leben gehört – dies waren Kernpunkte des Vortrages, der die anschließende Diskussion mit Politikern unterschiedlicher Couleur anregte und durchaus kontroverse Standpunkte provozierte.

Möglichkeiten der (Bio)Politik – Chancen und Grenzen

Das Abschlussplenum des dreitägigen Kongresses debattierte die Möglichkeiten von Politik und Gesellschaft, bioethisch relevanten Entwicklungen nicht länger scheinbar ohnmächtig gegenüberzustehen, sondern aktive Einflussnahme auf Entscheidungsprozesse auszuüben. Unter der Moderation von Dr. Wolfgang Beer, Geschäftsführer der Evangelischen Akademien in Deutschland, erläuterten Prof. Dr. Dietmar Mieth, CDU-Bundestagsabgeordneter Herbert Hüppe und Dr. Karsten Henco, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates der Evotec OAI AG in Hamburg, die Voraussetzungen und Chancen politischer Partizipation. Henco betonte die Unverzichtbarkeit eines Dialogs, der sich aus seiner reaktiven Position befreit und im aktiven Prozess divergierende Argumente gegenüberstellt. Dabei kommt dem Abbau von Vorurteilen grundlegende Bedeutung zu. Belastende Erfahrungen aus der Vergangenheit, die einen fruchtbaren Diskurs zwischen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft blockierten, müssten zu Gunsten einer zukunftsorientierten Debatte überwunden werden. Nur so könnten die Themen der Zukunft gemeinsam erarbeitet und im Konsens zusammengeführt werden. Prof. Mieth mahnte von den Forschern im Bereich der Biowissenschaften die Bereitschaft an, sich mit den tatsächlichen und nur angenommenen Folgen ihres Tuns ehrlich auseinanderzusetzen. Im Übrigen müsse eine Dialogkultur entwickelt werden, in der tatsächlich zugehört werde und man sich mit den Standpunkten des Gegenübers auch inhaltlich auseinandersetze. Das technisch Mögliche könne nicht Gestaltungsprinzip für die Politik sein. "Dieser Kongress ist ein wichtiger Schritt, um die Urteilskompetenz und Meinungsbildung der Bürgerinnen und Bürger zu fördern", so Herbert Hüppe. Mit der komprimierten Darstellung der Positionen, der Aufschlüsselung und Diskussion diverser Argumente habe die Bundeszentrale für politische einen hervorragenden Beitrag zur Aufklärung und Emanzipation der Öffentlichkeit geleistet. Für die Zukunft sei es die Aufgabe von Politik und Bildung, den Bürgerinnen und Bürgern vermehrt Foren dieser Art zu öffnen und sie auf dem Weg zu einem reflektierten Urteil zu unterstützen.

Der Genshop "chromo soma"

Eine Woche vor Beginn des Kongresses wurde der Genshop "chromo'''soma" in Bremen eröffnet. Die aktionsorientierte Shopinszenierung unter der Leitung von Alf Thum wendete sich mit ihren fiktiven gentechnischen Produkten und Dienstleistungen an die breite Öffentlichkeit. "Die eigenen Grenzen kreativ überschreiten" – so der Lockruf an das Publikum. Mit gen'''maxx die Wiedergeburt der Sinne erleben, den individuellen Gencode durch genetic'''horo'''scope entschlüsseln oder mit book'''a'''baby zum selbstentworfenen Wunschkind: Die Palette der chromo'''soma-Produkte umfasste insgesamt sechs Artikel, die (trügerisch) versprachen, das Leben schöner werden zu lassen. Neben fachkompetenten Verkäufern, allesamt im Vorfeld in den fiktiven Charakter dieser Aktion eingeweiht, pries ein Homeshopping-Video die bahnbrechenden Produktneuheiten von chromo'''soma an. Diese wurden im Rahmen eines "einmaligen" Eröffnungsangebots kostenlos an Interessenten verteilt. Nach Einschätzungen der Shopmitarbeiter überwog bei vielen Kunden neben wenigen kritischen Stimmen die Gutgläubigkeit sowie die Hoffnung, mit den scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten der Gentechnologie die menschlichen Lebensverhältnisse verbessern zu können. Die Produkte suggerierten zum Teil Möglichkeiten, die wissenschaftlich-technisch noch nicht im Bereich des Möglichen lägen, zum Teil würden die Angebote in Konflikt mit der geltenden Gesetzgebung geraten. Mit Auftakt des Kongresses "Gute Gene – Schlechte Gene?" outete sich das Ladenlokal im Bremer Ostertorviertel als nicht-reale Inszenierung. Das Ziel dieses Projekts war die Sensibilisierung der Bürgerinnen und Bürger. Die Inszenierung provozierte zahlreiche Fragen: Welche ethischen Grenzen sollten juristisch verbindlich festgelegt werden? Wieviel Freiheit darf die Forschung für sich in Anspruch nehmen? Wo fängt Moral an, wo hört sie auf?

Kurzlebensläufe und Thesen

Dr. Michael Angastiniotis
Geboren 1941 in Famagusta, Zypern; Studiuim der Medizin an der an der Universität Aberdeen, Schottland. Facharzausbildung in Kinderheilkunde. Weiterbildung in den Bereichen Thalassämie (Biochemie, Prävention, Pränataldiagnostik: University College, London); Pädiatrische Hämatologie (Hospital for Sick Children, London); Genetik (Duncan Guthrie Institute, Glasgow); 1989 bis 2001 Direktor des Thalassämie-Zentrums in Zypern. Zur Zeit Koordinator eines Forschungsteams am Cyprus Institute of Neurology and Genetics on Thalassaemia; Ärztlicher Direktor des Zentrums für reproduktive Genetik (Präimplantationsdiagnostik) in Maroni, Zypern. Seit 1970 Vizepräsident der Zyprischen Spastic Society; seit 1983 Mitglied diverser Ausschüsse des Gesundheitsministeriums. Verschiedene Positionen in der Weltgesundheitsorganisation.
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    Dr. Wolfgang Beer
    Geboren 1951, Studium der Erziehungswissenschaften, Politische Wissenschaft und Soziologie, seit vielen Jahren in der politischen Bildung tätig u.a. wiss. Mitarbeiter und Lehrbeauftragter an der Freien Universität Berlin, Mitarbeiterfortbildung bei der Evangelischen Erwachsenenbildung Niedersachsen; z.Zt. Geschäftsführer der Evangelischen Akademien in Deutschland und stellv. Vorsitzender im Bundesausschuss Politische Bildung (bap), Berlin. Seit 1988 intensive Auseinandersetzung mit der Gen- und Biotechnologie. Letzte Veröffentlichung zum Thema (mit P. Markus und K.Platzer): "Was wissen wir vom Leben? Die Herausforderungen der Ethik durch die neuen Biowissenschaften, 2003.

    Dr. Armin Bohmann
    Schwerpunkt Mikrobiologie, Genetik, Biochemie; 1993 Promotion; 1994 Forschungsaufenthalt in Japan; 1995-1998 Ausbildung zum deutschen und europäischen Patentanwalt; 1998-2000 Leiter des Bereichs Biotechnologie in einer führenden deutschen, auf den Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes spezialisierten Kanzlei; August 2000 Gründung der Kanzlei Bohmann Loosen; Arbeitsschwerpunkte: Gewerblicher Rechtsschutz, insbesondere Patent- und Lizenzrecht im Bereich Biotechnologie, Chemie und Pharmazie.
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    Prof. Dr. Jörn Bullerdiek
    Geboren 1955; 1974-1979 Studium der Biologie; 1982 Promotion; 1989 Habilitation für das Fach Humangenetik an der Universität Bremen; seit 2000 Leiter des Zentrums für Humangenetik in Bremen; Forschungsschwerpunkte: Tumorgenetik / Molekulare Onkologie; Autor zahlreicher wissenschaftlicher Veröffentlichungen im Bereich Humangenetik, Tumorgenetik und vergleichende Genetik.
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    Dr. Ole Döring Ph.D., M.A. phil.
    Geboren 1965; Studium der Philosophie und Sinologie in Tübingen und Göttingen; seit 1996 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Asienkunde (Hamburg); im Rahmen der DFG- Forschergruppe "Kulturübergreifende Bioethik" seit 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Ostasienwissenschaften der Ruhr- Universität Bochum; aus seiner Forschungstätigkeit zur chinesischen Bioethik und interkulturellen Hermeneutik sind 6 Bücher und zahlreiche Beiträge in deutschen und internationalen Sammelbänden, Zeitschriften- und Zeitungsartikel hervorgegangen. U.a.: "'Eugenik' und Verantwortung: Hintergründe und Auswirkungen des 'Gesetzes über die Gesundheitsfürsorge für Mütter und Kinder'", China aktuell (08/98): 826-835; "Verstehen als Anerkennen. Überlegungen zu einer zeitgemäßen Kulturhermeneutik am Beispiel der Medizinethik im heutigen China", Bochumer Jahrbuch zur Ostasienforschung Band 25 2001, Bochum (Iudicium), 2002: 9-52; "China‘s struggle for practical regulations in medical ethics", Nature Reviews Genetics 4, 233 -239 (2003); Advances in Chinese Medical Ethics. Chinese and International Perspectives, Hamburg 2002 (ed.); Chinas Bioethik verstehen. Ergebnisse, Analysen und Überlegungen aus einem Forschungsprojekt zur kulturell aufgeklärten Bioethik (im Druck).
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    Prof. Dr. Marcus Düwell
    Lehrstuhl für philosophische Ethik an der Philosophischen Fakultät der Universität Utrecht und Wissenschaftlicher Direktor des Ethiek Instituut der Universität Utrecht. 1993-2001 Wissenschaftlicher Koordinator des Interfakultären Zentrums für Ethik in den Wissenschaften der Universität Tübingen. Mitglied im Vorstand der Akademie für Ethik in der Medizin, dem Vorstand der Vereniging van Ethici in Nederland und der Schriftleitung der Zeitschrift "Ethik in der Medizin". Ausgewählte Publikationen: Ästhetische Erfahrung und Moral (Alber, 1999); Mitherausgeber von: Ethik in der Humangenetik (Fancke, 1998); Umwelt, Ethik, Recht (Francke, 2002); Handbuch Ethik (Metzler, 2002); Bioethik – Eine Einführung (Suhrkamp, 2003).

    Erika Feyerabend
    Geboren 1957; Studium der Sozialpädagogik in Essen und der Sozialwissenschaften in Hagen; seit 1995 tätig als freie Journalistin und Lehrbeauftrage der Fachhochschulen Düsseldorf (FB Politik) und Dortmund; 1995 Mitbegründerin von Bioskop - Forum zur Beobachtung der Biowissenschaften e.V. Besondere Interessensgebiete im Rahmen der biowissenschaftlichen Auseinandersetzungen: genetische Bewertungspraktiken aller Art, Todesherstellung im Zeichen von Transplantationsmedizin und Euthanasie, Wissenschaftskritik.
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    Bischof Dr. Martin Hein
    Geboren 1954 in Wuppertal; Studium der Rechtswissenschaft und der Theologie in Frankfurt/Main, Marburg und Erlangen. 1979 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Reformationsgeschichtlichen Forschungsstelle (DFG) in Erlangen. 1982 Promotion an der Theologischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg. 1982-1984 Vikar in Kassel. 1984-1989 Pfarrer in Grebenstein. 1989-1994 Studienleiter am Evangelischen Predigerseminar Hofgeismar. 1995-2000 Dekan in Kassel. 2000 Habilitation am Fachbereich Erziehungswissenschaften/Humanwissenschaften der Universität Kassel. Seit September 2000 Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. 2002 Vorsitzender des Vorstandes der Forschungsstätte der Evangelischen Studentengemeinschaft Heidelberg.
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    Dr. rer. nat. Karsten Henco
    Mitglied des Aufsichtsrats sowie Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates von Evotec OAI AG. Geboren 1953; Studium der Biochemie an der Universität Hannover sowie der TU Darmstadt; 1979 Promotion, wissenschaftlicher Mitarbeiter Universität Zürich; 1982-85 bei der BASF AG Ludwigshafen Beteiligung am Aufbau der Bereiche Molekularbiologie und rekombinante DNA-Technologie 1985 Mitgründer von QIAGEN GmbH und QIAGEN.Inc (jetzt QIAGEN NV); 1993 Mitgründer der EVOTEC BioSystems GmbH, bis 1. Juli 2001 Vorstandsvorsitzender/Geschäftsführer; Vorbereitung und Durchführung des Börsengangs von EVOTEC BioSystems sowie des Zusammenschlusses mit Oxford Asymmetry International plc (OAI) zur Evotec OAI; seit 2001 Mitglied des Aufsichtsrates und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates der Evotec OAI AG. Mitglied bzw. Vorsitzender mehrerer Aufsichtsräte und Kuratorien: Evotec OAI AG, Hamburg, Garching Innovation GmbH, München, U3 Pharmaceuticals AG, München, DIREVO Biotech AG, Köln, NewLab BioQuality AG, Erkrath, Fraunhofer Institut Biomedizinische Technik, St. Ingbert und Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf; Mitgründer oder mitgründender Investor von einigen Biotechnologieunternehmen in Deutschland, den U.S.A. und Österreich.
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    Prof. Dr. Dr. Sören Holm
    Studium der Medizin, Philosophie und Medizinethik; Professor für Klinische Bioethik an der Universität Manchester und Professor für Medizinische Ethik an der Universität Oslo; ehemaliges Mitglied des Dänischen Ethikrates, der Regierung und Parlament in bioethischen Fragen berät; zahlreiche Veröffentlichungen im Bereich Bioethik; zuletzt insbesondere Veröffentlichungen zum Thema Gentechnologie und Bioethik.

    Claus Koch
    Geboren 1929 in München; Studium der Geisteswissenschaften und Ökonomie in München und Frankfurt; Management-Arbeit in einem Wirtschaftsverlag; 1959 bis 1968 Redaktion Monatszeitschrift "atomzeitalter"; 1973 Mitbegründer und bis 1981 Redakteur der sozialwissenschaftlichen Vierteljahresschrift "LEVIATHAN"; seit 1959 journalistische und publizistische Arbeit für Radio und Zeitung, mehrere sozialwissenschaftliche Forschungsprojekte; zahlreiche Essays (u.a. im MERKUR) und Buchpublikationen; Herausgeber und Autor der zweiwöchentlich erscheinenden Internetzeitschrift "Der neue Phosphoros", Analysen und Entgegenungen.
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    Klaus Lindpaintner, MD, MPH
    Geboren in Innsbruck, Österreich. Studium der Medizin an der Universität Innsbruck und in Epidemiologie/Public Health an der Harvard Universität. Facharztausbildung in Innerer Medizin, Kardiologie und klinischer Genetik. Akademisch-klinische Laufbahn, zuletzt Professur an Harvard. Bei Roche seit 1997, zunächst als Leiter der kardiovaskulaeren Forschung, dann als Leiter der Abteilung Roche Genetics verantwortlich für Koordination der Aktivitäten und Programme mit Ausrichtung in Genetik, Genomik, und Proteomik. Bibliographie mit über 100 Originalarbeiten, ausserordentliche Professuren an Harvard und University of London. Redaktionsmitglied mehrerer wissenschaftlicher Zeitschriften. Klaus Lindpaintner lebt in der Nähe von Basel, Schweiz; er ist mit einer Internistin verheiratet und hat zwei Töchter.


    Line Matthiessen-Guyader, MD, PhD
    Studium der Medizin in Dänemark, Universität Odense, Promotion in Neurowissenschaft an der Université Paris; seit 1992 Mitarbeiterin der Europäischen Kommission (EK); 1992-1998 im Rahmen des EK-Biotechnologieprogramms; 1998-2000 verantwortlich für neurowissenschaftliche Forschung im EK-Forschungsprogramm Lebensqualität und Management lebender Ressourcen"; seit 2000 wissenschaftliche Hauptreferentin in der EK, Generaldirektion Forschung, Direktion Biotechnologie, Landwirtschaft und Ernährung, Abteilung "Strategische und politische Aspekte"; Aufgabenbereich: Koordination der Umsetzung der Life Science- und Biotechnologie-Strategie, einschließlich ethischer Aspekte der Biotechnologie.
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    Prof. Dr. Andres Metspalu
    Geboren 1951, Studium der Medizin and Molekulargenetik in Tartu (Estland) und Kiew (Ukraine); 1986 Wissenschaftlicher Direktor des Estnischen Biozentrums, seit 1992 Professor für Biotechnologie an der Universität Tartu. Hauptforschungsschwerpunkte: Molekular- und Bevölkerungsgenetik sowie DNA-Reihen-Technologie. Gastaufenthalte u.a. am MPI für Molekulargenetik in Berlin, am EMBL in Heidelberg; 1993-94 Visiting Professor am Baylor College of Medicine in Houston; seit 2000 Visiting Scientist am Internationalen Krebsforschungszentrum der WHO in Lyon; Ausschussmitglied der European Society of Human Genetics; Mitglied im Lenkungsausschuss des European Science Foundation Functional Genomics Program sowie anderer wissenschaftlicher Gremien und Expertengruppen; Gründer von zwei Biotechfirmen in Estland und einer der Initiatoren des Estionian Genome Project.


    Prof. Dr. Dietmar Mieth
    Geboren 1940; Studium der Theologie, Germanistik und Philosophie; 1968 Promotion in Theologie, 1974 Habilitation in Theologischer Ethik an der Universität Tübingen; 1974-1981 Professor für Moraltheologie an der Universität Fribourg (Schweiz); seit 1981 Professor für Theologische Ethik unter besonderer Berücksichtigung der Gesellschaftswissenschaften an der Universität Tübingen; 1986-1990 Aufbau und 1990-2001 Vorstandssprecher des interfakultären Zentrums "Ethik in den Wissenschaften", Universität Tübingen; 1994-2000 Deutsches Mitglied der interdisziplinären Beratergruppe der Europ. Kommission "Ethik in den Wissenschaften und in den neuen Technologien"; 1996-1999 Leiter des "Europäischen Netzwerkes für biomedizinische Ethik"; seit 2000 Deutsches Mitglied der AG des Lenkungsausschusses "Bioethik" des Europarates; seit 2001 Mitglied der Bioethik-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz; seit 2002 Vorsitzender des Wiss. Beirtas des Instituts "Mensch-Ethik-Wissenschaft" (IMEW), Berlin. Forschungsschwerpunkte u.a. Narrative Ethik, Sozialethik; Ethik in den Wissenschaften.
  • Thesenpapier


    Kathryn Pauly Morgan B.A., M.A., M.Ed., Ph.D.
    Professorin der Philosophie, Frauen- und Genderstudien und Bioethik an der Universität Toronto, Kanada; Forschungsschwerpunkte: Sozial- und Politikphilosophie (besonders der Biotechnologien hinsichtlich Geschlecht, Gender und Fertilität), feministische Bioethik, feministische Epistemologie und Methodik, biologische Theorien zu Geschlecht und Gender, Frauen und Gesundheit, kritische Disabilities Studies (Studien zu Behinderung); wesentliche Forschungsaktivitäten: Mitbegründerin der "Canadian Society for Women in Philosophy"; Gründungs- und Vorstandsmitglied von "Hypatia, a journal of feminist philosophy" einer Zeitschrift für feministische Philosophie (die sich zur führenden anglophonen Zeitschrift für feministische Philosophie in der Welt entwickelt hat); Gutachterin für den Sozialwissenschaftlichen und Geisteswissenschaftlichen Forschungsrat, für das Ärzte- und Chirurgen-College von Ontario, eine Vielzahl von Universitäten und Redaktionen; vielfältige wissenschaftliche Veröffentlichungen.
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    Jing-Bao Nie, MD(tcm), PhD
    Geboren 1962 im Süden Zentralchinas; Studium der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und Geschichte der chinesischen Medizin am Hunan College of Chinese Medicine, Abschluss "Bachelor of Medicine"; 1993 MA Abschluss in Soziologie an der Queen´s University in Kananda und Dissertation in Medizinischer Humanwissenschaft an der Universität Texas; 1988 bis 1991 Lehrbeauftragter für Chinesische Medizin am Hunan College; z.Zt. Dozent am Zentrum für Bioethik der Dunedin School of Medicine, University Otago, Neuseeland und ao. Professor bzw. Gastprofessor an der Hunan Normal University, dem Yueyang Normal College, der Shangdong University, und der Beijing University. Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen zu Fragen der Bioethik, komparative Studien chinesische und westliche Medizin; Mitglied verschiedener Redaktions-und Beratungsausschüsse von Fachzeitschriften; Forschungsschwerpunkt u.a. Medizinische Ethik im Kontext der chinesischen Kultur.
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    Prof. Dr. Irmgard Nippert
    Studium der Soziologie in Hannover, Leicester (U.K.) und Bielefeld, Weiterbildung in Epidemiologie in Amherst (Mass. USA). Habilitation an der Medizinischen Fakultät der WWU Münster. Seit 1997 Universitätsprofessorin für Frauengesundheitsforschung am Universitätsklinikum Münster, Mitglied des Editiorial Boards mehrerer internationaler wissenschaftlicher Zeitschriften. Wissenschaftliche Leitung zahlreicher nationaler und internationaler Projekte zur Evaluation und Qualitätssicherung der "new genetics" insbesondere im Bereich der Pränataldiagnostik, der prädiktiven Testung und des Heterozygotenscreenings. Bibliographie mit mehr als 100 Veröffentlichungen. Ordentliches Mitglied in der Enquetekommission "Zukunft einer frauengerechten Gesundheitsversorgung in Nordrhein-Westfalen" des Landtags Nordrhein-Westfalen. Ordentliches Mitglied in der "Zentralen Kommission zur Wahrung ethischer Grundsätze in der Medizin und ihren Grenzgebieten" der Bundesärztekammer. Ständiges beratendes Mitglied der Kommission für Öffentlichkeitsarbeit und ethische Fragen der Gesellschaft für Humangenetik e.V.
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    Prof. Dr. Michel Revel
    Geboren 1938 in Straßburg, Forscher am Institut de Biologie Physico-Chimique in Paris, dort Zusammenarbeit mit Professor Francois Gros, einem Direktor des Pasteur-Instituts, mit dem er die initiierenden Faktoren der Proteinbiosynthese entdeckte; seit 1970 vornehmlich Interferon-beta-Forschung am Weizmann Institute of Science, Rehovot, Israel; 1979 führte seine Arbeit zu der Gründung von InterPharm, die sich auf die Produktion von humanem, natürlichem und rekombinantem Interferon-beta spezialisiert hat; heute Chief Scientist von InterPharm. 1999 Israelischer Preis für Medizin; Fellow der New York Academy of Science ernannt; Mitglied der Europäischen Organisation für Molekularbiologie (EMBO) und der Human-Genom-Organisation (HUGO); seit 1993 Mitglied und Berichterstatter im Internationalen Bioethikausschuss der UNESCO; Mitglied des Nationalen Israelischen Helsinki-Komitees zur Genforschung am Menschen; Mitwirkung bei der Erstellung von Gesetzesentwürfen für das israelische Parlament.
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    Rene Röspel, MdB
    Geboren 1964 in Hagen, 1984/85 Ausbildung zum Versicherungskaufmann, 1988-93 Studium der Biologie in Bochum, 1993-94 Studium der Ökologie an der Gesamthochschule Essen, 1994-1998 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Tumorforschung. Seit 1998 Mitglied des Deutschen Bundestages, Wahlkreis Hagen, SPD-Fraktion. Mitglied in den Bundestagsausschüssen für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung; für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sowie Enquete-Kommission "Recht und Ethik der modernen Medizin". René Röspel ist seit 2002 Vorsitzender der Enquete-Kommission "Recht und Ethik in der modernen Medizin".
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    Dr. phil Silja Samerski
    Geboren 1970, Studium der Biologie (Schwerpunkt Humangenetik) und Philosophie an der Universität Tübingen; Abschluss als Dipl-Biologin; Wissenschaftl. Mitarbeiterin im Projekt "Das Alltags-Gen" (Leitung Prof. Dr. Barbara Duden), Universität Hannover; seit mehreren Jahren Mitglied einer internationalen Arbeitsgruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen an, die sich der Erforschung moderner Mythen widmen, wie der Glaube, Medizinkonsum produziere Gesundheit, Datenmanagement vermehre Wissen und professionelle Beratung befähige zu einer freien Entscheidung.
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    Prof. Dr. Edzard Schmidt-Jortzig
    Geboren 1941, Studium der Rechtswissenschaften in Bonn, Lausanne und Kiel; seit 1977 Hochschullehrer, seit 1982 Ordinarius für Öffentliches Recht an der Universität Kiel; 1992-1994 Richter am Verfassungsgerichtshof Sachsen; 1987-1990 Mitglied der Unabhängigen Regierungskommission zur Verhinderung und Bekämpfung von Gewalt ("Gewaltkommission der Bundesregierung"); 1994-2002 Mitglied des Deutschen Bundestages, Januar 1996-Oktober 1998 Bundesminister der Justiz, 1998-2002 Vorsitzender des Arbeitskreises "Innen und Rechtspolitik" der FDP-Bundestagsfraktion; u.a. Mitglied der Parlamentarischen Kontrollkommission sowie der Enquête-Kommission "Recht und Ethik der modernen Medizin" Seit 1997 Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD); Vorstand des Vereins "Forschung contra Blindheit"
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    Dr. phil. Ingrid Schneider
    Diplom-Politologin. Studium der Politikwissenschaften (1981- 1987) an der Universität Hamburg, danach Tätigkeiten beim Institut für Iberoamerikakunde in Hamburg, als Referentin für entwicklungspolitische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit in der Senatskanzlei Hamburg sowie als Redakteurin und Publizistin. 1996 Promotion zu "Föten: der neue medizinische Rohstoff". Ab 1998 Forschungsprojekt zur Nutzung von Körpersubstanzen, Eigentumsverhältnissen am Körper und politischer Regulierung der Biomedizin. 2000-2002 Sachverständiges Mitglied der Enquete-Kommission "Recht und Ethik der modernen Medizin" des Deutschen Bundestages. Seit 2002 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungsgruppe Medizin/Neurowissenschaften am Forschungsschwerpunkt Biotechnologie, Gesellschaft, Umwelt (BIOGUM) der Universität Hamburg.
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    Prof. Dr. Bettina Schöne-Seifert
    Studium der Humanmedizin und Philosophie in Freiburg, Wien und Göttingen; Master-Studiengang Bioethics an der Georgetown University; Assistenzzeiten an der Universitätskinderklinik und anschließend am Philosophischen Seminar der Universität Göttingen; danach Mitarbeiterin am Ethikzentrum der Universität Zürich und Gastdozentin an der Zentralen Einrichtung für Wissenschaftstheorie und -ethik; seit 2003 auf dem Lehrstuhl für Medizinethik an der Universität Münster; Mitglied des Nationalen Ethikrats.




    Dr. jur. Hans-Jochen Vogel, Bundesminister a.D.
    Geboren 1926, Studium der Rechtswissenschaften in München und Marburg, 1960-1972 Oberbürgermeister von München; seit 1970 Mitglied des SPD-Bundesvorstandes; 1972-1981 und 1983-1994 Mitglied des Deutschen Bundestages; 1974-1981 Bundesminister der Justiz, 1983 Kanzlerkandidat der SPD, 1983-1991 Vorsitzender des SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag, 1987-1991 Vorsitzender der SPD; 1993-2000 Vorsitzender der Vereinigung "Gegen Vergessen – Für Demokratie" e.V., seit 2001 Mitglied des Nationalen Ethikrates. Viele Veröffentlichungen u.a. "Demokratie lebt auch vom Widerspruch" (2001)
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    Prof. Dr. rer. pol. Anne Waldschmidt
    Diplom-Sozialwissenschaftlerin, Professorin für Soziologie der Behinderung und Sozialpolitik an der Universität zu Köln; zuvor Professorin am Fachbereich Pflegemanagement der Ev. Fachhochschule Nürnberg, wissenschaftliche Mitarbeit in DFG-Forschergruppe an der Universität Dortmund; Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, Mitglied in verschiedenen Wissenschaftlichen Beiräten, Initiatorin der Arbeitsgemeinschaft Disability Studies in Deutschland, Mitherausgeberin der "International Encyclopedia of Disability"; Forschungsschwerpunkte u.a.: Soziologische Aspekte der Humangenetik und Pränataldiagnostik, Selbstbestimmung und Bioethik, Behinderung und Normalität, Disability Studies, Diskurstheorie und -analyse. Vielfältige wissenschaftliche Veröffentlichungen.
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    Prof. Dr. Claudia Wiesemann
    Studium der Medizin, Philosophie und Geschichte, Promotion in Medizingeschichte an der Universität Münster. 1985-88 Assistenzärztin in der Kardiologie, Pulmologie und Intensivmedizin. 1990-98 Assistentin bzw. Oberassistentin am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Erlangen-Nürnberg. 1996 Habilitation für Geschichte und Ethik der Medizin. Prof. Wiesemann ist Direktorin des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Göttingen, Präsidentin der Akademie für Ethik in der Medizin e. V. und Stellvertretende Vorsitzende der Ethikkommission der Universität Göttingen. Sie ist zudem Secretary des Wissenschaftlichen Beirats der European Association for the History of Medicine and Health. Forschungsschwerpunkte: Geschichte und Ethik der Forschung mit Menschen, Umgang mit dem menschlichen Embryo, Ethik in der Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Ethik aus kulturwissenschaftlicher Perspektive, Geschichte der Sucht.
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    Prof. Dr. med. Gerhard Wolff
    geb. 1947; Facharzt für Humangenetik, Psychotherapeut, Leitender Arzt der Genetischen Beratungsstelle am Institut für Humangenetik und Anthropologie der Universität Freiburg, Psychotherapeutische Praxis mit humangenetischem Schwerpunkt; zunächst wissenschaftlicher Assistent am Institut für Humangenetik der Universität und am Diabetes-Forschungsinstitut Düsseldorf sowie am Institut für Humangenetik der Universität Freiburg; 1989 Habilitation für das Fach Humangenetik, regelmäßige Durchführung eines Curriculums zu ethischen und psychologischen Grundlagen genetischer Beratung einschließlich Supervisionsveranstaltungen, Durchführung mehrerer Projekte und zahlreiche Publikationen zu ethischen und psychosozialen Aspekten der angewandten Humangenetik sowie zu klinisch-genetischen Fragestellungen, Vorsitzender der Kommission für Öffentlichkeitsarbeit und ethische Fragen der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik e.V.
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    Event series

    Mapping Memories

    Mapping Memories is an event series focusing on commemorative culture in Eastern Europe and beyond. Current events include conferences, summer schools and practical workshops.

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    Fachkonferenz

    Konferenz zur Holocaustforschung

    Die Internationalen Konferenzen zur Holocaustforschung dienen dem Austausch zwischen wissenschaftlicher Forschung und der Praxis politischer Bildung. Sie entstehen aus einer Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und Partnern aus der Wissenschaft.

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    TiT-Veranstaltungsreihe

    Themenzeit im Themenraum

    Themenzeiten: Kompakte Informationsmodule und anregende Diskussionen mit männl. und weibl. Experten zu Themen der politischen Bildung.

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    Veranstaltungsreihe

    Checkpoint bpb – Die Montagsgespräche

    Alle zwei Monate montags diskutiert der Checkpoint aktuelle Fragestellungen aus Politik, Gesellschaft und Forschung – anspruchsvoll, unterhaltsam und gerne auch kontrovers.

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    Veranstaltungsreihe

    What's up, America? – Perspectives on the United States and Transatlantic Relations

    Mehr als die Hälfte der Europäer steht TTIP positiv gegenüber – in Deutschland und zwei weiteren Ländern jedoch ist die Ablehnung innerhalb der Bevölkerung groß. Anhand dieses Fallbeispiels beschäftigt sich die Podiumsdiskussion mit der Frage, wieso wirtschaftliche Fragen auf beiden Seiten des Atlantiks und auch innereuropäisch auf so unterschiedliche Art und Weise diskutiert werden.

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    Blog zur Fachkonferenz

    Medienkompetenz 2014

    Zielsetzung der Fachkonferenz Medienkompetenz 2014 ist es, theoretische und praktische Konzepte angesichts aktueller digitaler Umbrüche und vor dem Hintergrund bestehender Modelle der Medienkompetenz zu diskutieren und weiterzuentwickeln.

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