Veranstaltungen: Dokumentation

11.8.2003 | Von:
Line Matthiessen-Guyader

Humangenetik – die rechtliche und politische Situation in Europa

Die Kenntnisse über das menschliche Genom bezeichnen den Beginn eines umfassenderen Verständnisses der Art, wie der menschliche Organismus funktioniert und auf seine Umwelt reagiert. Mit der Zeit werden sich aufgrund dieser Erkenntnisse Krankheiten möglicherweise genauer diagnostizieren, vorbeugen oder behandeln lassen.

Die Kenntnisse über das menschliche Genom bezeichnen den Beginn eines umfassenderen Verständnisses der Art, wie der menschliche Organismus funktioniert und auf seine Umwelt reagiert. Mit der Zeit werden sich aufgrund dieser Erkenntnisse Krankheiten möglicherweise genauer, individueller und effektiver diagnostizieren, vorbeugen oder behandeln lassen. Eine tiefgreifende Veränderung findet gegenwärtig in der Gesellschaft statt; neue Techniken werden grenzüberschreitend und weltweit verfügbar gemacht. Gleichzeitig wächst in der Öffentlichkeit die Besorgnis über die sozialen und ethischen Konsequenzen dieser Wissensfortschritte und Technologien und über die Art, wie auf diesem Gebiet Entscheidungen getroffen werden. Innerhalb Europas gibt es erhebliche Unterschiede bei unseren nationalen Einstellungen gegenüber bestimmten Techniken und Forschungsgebieten, wie beispielsweise Gentests. Nichtsdestotrotz herrscht in Europa wachsende politische Übereinstimmung hinsichtlich der Notwendigkeit, diese Entwicklung zu steuern und ein Gleichgewicht zwischen der Sicherstellung der Forschungsfreiheit, dem Schutz des Einzelnen, unserer Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen und anderen Teilen der Welt zu finden. Die Gemeinschaft ist diesbezüglich zuständig für wichtige grundsätzliche Aspekte wie Produktzulassungen, Schutz des Binnenmarktes und Handelspolitik. In Bezug auf andere Aspekte hat die Gemeinschaft keine Zuständigkeit, beispielsweise um ethische Fragen zu regeln. Diese fallen allein in den Zuständigkeitsbereich der Mitgliedstaaten, wobei ethische Überlegungen jedoch bei der Vorbereitung von EU-Gesetzen nicht nur auf dem Gebiet der Forschung, sondern auch in Bezug auf die Patentierung, gute klinische Praxis usw. zunehmend Berücksichtigung finden.

Die Beachtung des Subsidiaritätsprinzips sollte die europäischen Länder nicht daran hindern, beim Erreichen von gemeinsamen Zielen zusammenzuarbeiten. Die Europäische Kommission hat daher in ihrer Mitteilung vom 23. Januar 2002 "Life Science und Biotechnologie – Eine Strategie für Europa" einen Rahmen für die verantwortungsbewusste Entwicklung und Anwendung von Life Sciences und Biotechnologie geschaffen. Einen Rahmen, der das volle Potential der Biotechnologie in all ihren unterschiedlichen Anwendungsbereichen und -formen nutzt, der sicherstellt, dass unsere Forschung und unsere Anwendungen international wettbewerbsfähig sind; und der dafür sorgt, dass diese Entwicklungen und ihre Anwendungen auf eine Weise geschehen, die mit den Grundwerten, die in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union anerkannt werden, insbesondere der Schutz des menschlichen Lebens, Würde, Integrität und Nichtdiskriminierung übereinstimmen. Die Kommission beabsichtigt, die höchsten Führungsstandards in den Life Sciences und der Biotechnologie anzuwenden – zusammen mit fünf Maßnahmenbündeln:
  • Die Entwicklung der Life Sciences und der Biotechnologie sollte von gesellschaftlicher Überprüfung und von gesellschaftlichem Dialog begleitet werden;

  • Life Sciences und Biotechnologie sollten auf verantwortungsvolle Weise entwickelt werden, im Einklang mit ethischen Werten und gesellschaftlichen Zielen;

  • Eine sachkundige Wahl sollte nachfragegesteuerte Anwendungen erleichtern;

  • Behördliche Überwachung auf wissenschaftlicher Grundlage sollte das Vertrauen der Öffentlichkeit verbessern;

  • Ordnungspolitische Grundprinzipien und rechtliche Verpflichtungen sollten beachtet werden, um den gemeinsamen Markt und die internationalen Verpflichtungen der Gemeinschaft zu sichern.
Kontakt
Line Matthiessen-Guyader, MD, PhD
Europäische Kommission – GD Forschung
Direktion E "Biotechnologie, Landwirtschaft und Ernährung"
Abt. "Strategische und politische Aspekte"
SDME 9/08
B - 1049 Brüssel
Tel.: +32.2.295.28.53
Fax: +32.2.299.18.60
E-Mail: line-gertrud.matthiessen-guyader@cec.eu.int


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