Veranstaltungen: Dokumentation

11.8.2003 | Von:
Prof. Dr. Irmgard Nippert

"Angebot und Nachfrage"

Initial geprägt wurde die Einführung genetischer Testangebote zu Beginn der 70er Jahre in Deutschland durch die Einführung der invasiven Pränataldiagnostik (PD) numerischer und struktureller Chromosomenstörungen beim Feten an Hand von im Fruchtwasser abgeschilferten fetalen Zellen (Amniozentese).

Einstellungen und Erfahrung von Ärzten und Patienten beim Umgang mit der Pränataldiagnostik in Deutschland

Initial geprägt wurde die Einführung genetischer Testangebote zu Beginn der 70er Jahre in Deutschland durch die Einführung der invasiven Pränataldiagnostik (PD) numerischer und struktureller Chromosomenstörungen beim Feten an Hand von im Fruchtwasser abgeschilferten fetalen Zellen (Amniozentese). Im Vordergrund stand dabei die Entwicklung eines Untersuchungsverfahrens zur Identifizierung von Feten mit einer Trisomie 21 (Down Syndrom). Begründet wurde dies mit der relativ hohen Prävalenz dieser Chromosomenstörung im Vergleich zu anderen Chromosomenstörungen, der relativ leichten Identifizierung von Gruppen mit einem a priori erkennbar erhöhtem Risiko für die Geburt eines Kindes mit diesem Syndrom und den klinischen Merkmalen des Krankheitsbildes.

Konzeptionell war ursprünglich vorgesehen, dass vor jeder invasiven PD eine ausführliche Information und Beratung durch einen genetischen Berater zu erfolgen habe, damit die Schwangere, in Kenntnis ihres altersbedingten Risikos, des Eingriffsrisikos und der zur Verfügung stehenden Handlungsoptionen (Fortsetzung oder Abbruch der Schwangerschaft), sich qualifiziert für oder gegen eine invasive PD entscheiden konnte.

Heute wird immer mehr Schwangeren die PD mit relativ wenig vorhergehender Aufklärung und Information angeboten. Gleichzeitig steigt die Anzahl der in der Bundesrepublik durchgeführten invasiven PD ständig an mit der Tendenz, die Risikospezifizierung für Fehlbildungen und Syndrome auf alle Schwangeren auszudehnen.

Wodurch sind die Steigerungsraten zu erklären?

  • Rechtliche Entscheidungen
  • Angebotsinduzierte Nachfrage
  • Gesteigerte Primärnachfrage durch Schwangere
  • Abbau von Nachfrageüberhängen

    Aufgrund dieser Ausweitung werden heute immer mehr Frauen der Entscheidung für oder gegen eine PD ausgesetzt. Das sich daraus abzeichnende Problem ist, dass viele Frauen vor der Durchführung von Testverfahren, nicht ausreichend informiert werden, um eine qualifizierte, auf der Basis ihrer eigenen Wertmaßstäbe beruhende Entscheidung für oder gegen eine PD fällen zu können, so dass in der PD die Unabhängigkeit von Angebot und Nachfrage zumindest dann stark gefährdet zu sein scheint, wenn die Einholung eines qualifizierten "informed consent" vernachlässigt wird. Eine anbieterdeterminierte Nachfrage, in der der Arzt die Durchführung einer PD entscheidend beeinflusst, ist im Kontext der damit verbundenen potentiellen ethischen Konfliktlagen und möglichen Konsequenzen abzulehnen.

    Pränatale Diagnostik und die damit verbundene Selektion ist eine Realität. Vorsicht sollte allerdings geboten sein aus der Entwicklung der PD den Schluss zu ziehen, dass sie zukünftig eine Welle ungebremster Selektion auslösen wird.


  • Event series

    Mapping Memories

    Mapping Memories is an event series focusing on commemorative culture in Eastern Europe and beyond. Current events include conferences, summer schools and practical workshops.

    Mehr lesen

    Fachkonferenz

    Konferenz zur Holocaustforschung

    Die Internationalen Konferenzen zur Holocaustforschung dienen dem Austausch zwischen wissenschaftlicher Forschung und der Praxis politischer Bildung. Sie entstehen aus einer Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und Partnern aus der Wissenschaft.

    Mehr lesen

    TiT-Veranstaltungsreihe

    Themenzeit im Themenraum

    Themenzeiten: Kompakte Informationsmodule und anregende Diskussionen mit männl. und weibl. Experten zu Themen der politischen Bildung.

    Mehr lesen

    Veranstaltungsreihe

    Checkpoint bpb – Die Montagsgespräche

    Alle zwei Monate montags diskutiert der Checkpoint aktuelle Fragestellungen aus Politik, Gesellschaft und Forschung – anspruchsvoll, unterhaltsam und gerne auch kontrovers.

    Mehr lesen

    Veranstaltungsreihe

    What's up, America? – Perspectives on the United States and Transatlantic Relations

    Mehr als die Hälfte der Europäer steht TTIP positiv gegenüber – in Deutschland und zwei weiteren Ländern jedoch ist die Ablehnung innerhalb der Bevölkerung groß. Anhand dieses Fallbeispiels beschäftigt sich die Podiumsdiskussion mit der Frage, wieso wirtschaftliche Fragen auf beiden Seiten des Atlantiks und auch innereuropäisch auf so unterschiedliche Art und Weise diskutiert werden.

    Mehr lesen

    Blog zur Fachkonferenz

    Medienkompetenz 2014

    Zielsetzung der Fachkonferenz Medienkompetenz 2014 ist es, theoretische und praktische Konzepte angesichts aktueller digitaler Umbrüche und vor dem Hintergrund bestehender Modelle der Medienkompetenz zu diskutieren und weiterzuentwickeln.

    Mehr lesen