Veranstaltungen: Dokumentation

22.8.2003 | Von:
Prof. Dr. Jörn Bullerdiek

Die alltäglichen Ansprüche an die Humangenetik

Thesen zu den alltäglichen Ansprüchen an die Humangenetik stellt Prof. Dr. Jörn Bullerdiek im Zusammenhang mit dem Kongress "Gute Gene, schlechte Gene" vor.

Zu allen Zeiten waren Menschen daran interessiert, in die Zukunft zu blicken. Geheimnisvolle Weissagungen, Bleigießen, Kristallkugeln und selbst der Kaffeesatz werden und wurden bemüht, um einen Blick auf das eigene Schicksal zu werfen. Nun schickt sich eine wissenschaftliche Disziplin an, diesen Methoden ihren Rang abzulaufen: mit Hilfe der Humangenetik wird DNA, die chemische Verbindung aus der die Gene bestehen, zur Kristallkugel des 21. Jahrhunderts.

Die Erwartungen der Gesellschaft an die Humangenetik sind groß; vom "Blick in die Gene" erwarten wir zum Beispiel Auskunft darüber, welche Krankheiten uns drohen, wie leisstungsfähig wir sind und schließlich auch, wie alt wir werden. Notwendigerweise gehen die Erwartungen oft sogar weit über das hinaus, was Humangenetik derzeit kann und absehbar in Zukunft können wird. Im öffentlichen Bewusstsein verwischen aber die Grenzen zwischen Science fiction und Realität. Gleichzeitig wächst das Unbehagen über die Humangenetik. Teilweise spielen dabei rational schwer zu begründende Vorbehalte gegenüber dem Neuen an sich oder weltanschauliche Gründen eine Rolle. Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Grund ist aber auch die offenkundige Hilflosigkeit bei dem Versuch, Dinge zu regeln, die so neu sind, dass sie sich unseren empirisch gewachsenen Vorstellungen von "richtig" und "falsch" nicht unmittelbar erschließen. Entsprechend vielschichtig ist auch die Diskussion, die um diese Probleme entsteht.

Universitäre Institute für Humangenetik haben aufgrund ihrer Sachkenntnis und ihrer täglichen Erfahrungen die Pflicht und das Recht, sich in diese Diskussion einzumischen. Sie wirken bei der Aufstellung von Regeln und Empfehlungen für genetische Test- und Informationsangebote mit. Diese Regeln und Empfehlungen sind aber nur so gut wie die Akzeptanz, die sie bei Ratsuchenden und Patienten finden. Untersuchungen zeigten, dass die Nutzung genetischer Tests von den Anbietern steuerbar ist. Aufklärungsniveau und Inanspruchnahme verhielten sich dabei umgekehrt proportional: Umfassende Aufklärung über die Aussagemöglichkeiten bestimmter genetischer Tests und das Einräumen von Bedenkzeit vor der Entscheidung über den Test führte zu einem Rückgang der Inanspruchnahme dieser Tests.

In Zukunft werden wir alle in steigendem Maße mit Angeboten für genetische Tests konfrontiert werden. Die Möglichkeit zur eigenverantwortlichen Entscheidung für oder gegen genetische Tests ist in der Situation der unmittelbaren persönlichen Betroffenheit wie z.B. während einer Schwangerschaft naturgemäß eingeschränkt. Wünschenswert sind daher Beratungsangebote, die unabhängig von kommerziellen Interessen der Testanbieter bleiben. Allein kann dies aber nicht ausreichen. Der gesellschaftliche Diskurs über Humangenetik muss breiter als bisher geführt werden, um zu vermeiden, dass wir eine Expertendiskussion haben, die zwar auf hohem Niveau geführt wird, sich von der gesellschaftlichen Realität aber zunehmend entfernt. Möglichkeiten und Probleme der Humangenetik müssen z.B. weit mehr als dies bisher der Fall ist, im Schulunterricht behandelt und diskutiert werden.


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